hahn,
m. gallus. goth. ags. hana,
ahd. altn. hano,
fries. hona,
altn. hani,
mhd. han,
nl. haan,
dän. schwed. hane;
unangefochten ist die deutung seines namens als '
rufer, sänger',
nach lat. can-ere,
welches nach den gesetzen der lautverschiebung genau entspricht. die declination des wortes ist wie in den ältesten dialecten und dem mhd. die schwache, namentlich im 16.
und 17.
jahrh. und auch, obschon mit der jüngern zeit immer seltener, bis zu ende des 18.
jahrhunderts hinauf, wie in den süddeutschen mundarten noch jetzt: vom fuchs und dem hahnen. B. Waldis
Esop 4, 2; sieht wie die stolzen hanen die hüner übergehn. Opitz 1, 156; wir wollen die hahnen kämpfen sehn. Klinger
theater 3, 145; die welschen hahnen. Tischbein
bei Göthe 29, 19; und ich behaglich unterdessen hätt einen hahnen aufgefressen. Göthe 2, 283; ich habe niemals danach gefragt: von welchem schnepfen und fasanen, capaunen und welschenhahnen ich mein bäuchelchen gemästet. 47, 77.
aber schon seit dem 16.
jahrh. bahnt sich die starke declination des wortes an, die jedoch in der schriftsprache vor dem schlusz des 18.
jahrh. nicht vollständig durchdringt. die starke declination wird wol zunächst veranlaszt durch eine schon frühe nicht ungebräuchliche kürzung des acc. dat. sing. hahnen
in hahn: die unverständigen merk beim han. B. Waldis
Esop 1, 1, 31; der todt sahe was er für ein han an im hat. Fuchs
mückenkrieg 2, 315; mein gewehr mit aufgezogenem hahn.
Simpl. 1, 255
Kurz; eine kürzung die übrigens auch im nom. acc. pl. zu bemerken ist: wie böse han. Ringwald
laut. w. 360.
das bewirkt auch die bildung eines genitivs des hahns (des hanes
bei H. Sachs 2, 4, 14
d,
aber noch als seltene erscheinung)
und eines plurals die hähne,
indem sich hier das wort der i-declination zuwendet; diese letztere pluralform steht schon bei Keisersberg: die alten hen.
brösaml. 1, 21
b; die hä
n. schiff d. pen. 37
d,
wird aber doch erst häufiger in den schriften seit ende des 17.
jahrh., vorzüglich wenn ihre heimat mitteldeutsch ist, bis sie im 18.
jahrh. die schwache form hahnen
ganz verdrängt. die pluralform hähner,
die von neueren hin und wieder gewagt wird, hat gar keine berechtigung. hahn
bezeichnet: 11)
den haushahn, gallus. obschon in Deutschland nicht ursprünglich heimisch, ist er doch schon seit uralter zeit hausthier der Germanen, und die sprache schildert sein gebahren in verschiedenen, zum theil formelhaften wendungen. 1@aa)
er dient als uhr, sein lautes krähen, das man gern mit dem klange einer trompete vergleicht, bezeichnet die zeit des kaum erst dämmernden morgens, wo die ruhe verlassen, die arbeit wieder aufgenommen sein will: der han läszt sich am morgen frü mit seinem gsang merken, dann sy die natur darzuo verordnet hat, dasz sy die menschen zur arbeit aufweckind, und inen den schlaaf brechen söllind. Heuszlin
vogelb. 76
b; der wind der weht, der hahn der kräht, die glock schlägt drei, der fuhrmann hebt sich von der streu.
wunderhorn; am morgen bald die hanen kreiten. Wickram
bilg. J
bl. 29; legt sich hernach zur ruh, schläft frei von angst und sorgen, bis ihn und sein ganz haus der hahn weckt, wann zu morgen Aurora sehen läszt ihr rosenrotes haar. Opitz 1, 158; kaum krähte noch der hahn bei frühem tage, so rief sie schon: steht auf, ihr mädchen, es ist spät, der hahn hat schon zweimal gekräht. Gellert 1, 175, o, der wonne! ha, da krähet aus der hahn den wachen morgen. Arndt
ged. (1840) 416; früh, wenn die hähne krähn, eh die sternlein verschwinden, musz ich am herde stehn, musz feuer anzünden. Möricke; der hahn, der als trompete dient dem morgen, erweckt mit schmetternder und heller kehle den gott des tages.
Shakespeare v. Schlegel,
Hamlet 1, 1: the cock, that is the trumpet to the morn, doth with his lofty and shrill-sounding throat awake the god of day; wenn des hahns drommete das umbüschte dörfchen weckt. Hölty
im alm. d. d. mus. 1773
s. 121; dann im bett uns lang gestreckt, bis der hahn von neuem weckt. Voss 5, 15; eh ein hahn vom schlaf erweckt, den noch nicht nahen tag entdeckt. A. Gryphius (1663)
s. 622; still, der hahn erwacht! Göthe 1, 247; in dieser nacht, ehe der hane krehet, wirstu mich dreimal verleugnen.
Matth. 26, 34; und der han krehet zum andern mal, da gedachte Petrus an das wort, das Jesus zu im sagte, ehe der hane zweimal krehet, wirstu mich dreimal verleugnen.
Marc. 14, 72.
als lichtverkündiger verscheucht er die gespenster der nacht: rapp, rapp! mich dünkt, der hahn schon ruft, bald wird der sand verrinnen. rapp, rapp! ich wittre morgenluft, rapp, tummle dich von hinnen. Bürger
Lenore. 1@bb)
aber nicht am morgen allein ertönt sein ruf; als herr des hühnerhofes rügt er alles auffallende und ungehörige durch sein krähen. daher sagt man, wenn man eine sache als unbedeutend und des aufsehens nicht wert bezeichnen will, es kräht kein hahn darnach,
nl. daar zal geen haan na kraaijen. Harrebomée 1, 265: da sie dem könig éinen gulden erfromet haben, der musz al ohren und augen füllen, wie grosz rath da gestift sei, aber da viel tausend gülden dafür sind verfaulwitzt, da krehet kein han nach. Luther 6, 147
a; versteht ihrs, ein jedes kind ist seins vatters, da krehet kein han nach.
Garg. 79
a; wie? wann dich dergleichen kerl ermordeten oder in einer occasion nidermachten? was würde wol für ein haan darnach krähen?
Simpl. 3, 46
Kurz; und krähte je ein hahn im ganzen heere nach diesem herumschleichenden .. observazionskorps? J. Paul
Titan 1, 69; ich wil fein sitlich klopfen an, leicht hörts die magd eh wann der mann, die thut mir auf, den schleich ich gmach ins hausz, so krät kein han darnach. H. Sachs 2, 4, 24
b; kein han fort darnach krehen thut. 3, 2, 213
a;
und in allitterierender verbindung: da kräht weder hahn nochhuhn nach. 1@cc)
der hahn leidet in einem hühnerhofe keinen zweiten; daher sprichwörtlich: jeder hahn ist könig auf seinem miste; der hahn gilt auf seinem miste das meiste. Steinbach 1, 686; wie man spricht, der han ist nicht gut von seinem mist zu treiben. Luther 4, 231
a; zwei hähne vertragen sich nicht auf einem miste. Steinbach 1, 686;
und wie zwei hähne, wenn sie sich erblicken, sofort gegen einander kämpfen: sichst die hannen einander peiszen. H. Sachs 1, 512
a. (
vgl. hahnengefecht, hahnenkampf),
so vergleicht man bittere feinde mit zwei hähnen, sie hacken auf einander wie ein paar hähne; so blicken sie doch wie die hahn einander auf ein seiten
an. B. Ringwald
l. w. 367; stets sich in den haaren liegen, wie zwei hähne da zu stehn. Göthe 57, 233. hahn
wird auf einen tüchtigen, streitbaren menschen übertragen. vgl. unten no. 3
und kampfhahn 5, 153. 1@dd)
der hahn ist aber nicht nur ein wachsamer und kühner, er ist auch ein geiler vogel; daher an worten ist er mönch, an thaten ist er hahn. Logau 3, 98, 2; wann die henne zum hahn kommet, so vergisset sie ihrer jungen. Pistorius
thesaur. paroem. 10,
no. 40,
s. 999; ein übler wundsch, dasz dich der haan hack auf dem strosack. Philander 2, 24.
vgl. der han hackt die henne,
gallus calcat gallinam. Stieler 732. 1@ee)
die mythologischen bezüge des hahns ergeben sich aus seinen eigenschaften. durch sein frühes krähen tageskündiger, ist sein gefieder, wenn es weisz, wol symbol einer lichtgottheit (
der weisze hahn wird ein sonnenartig thier
genannt Garg. 126
b),
wenn es rot, denkt man es sich in bezug zu feuergottheiten. er ist auszerdem wetterprophet, sein verschiedenartiges krähen sagt einen guten oder schlechten tag voraus, und wenn der letztere fall eintreten will, ist die stimme des hahns klagend und weniger scharf; das volk sagt alsdann die hähne leiern.
myth. 635
ist vermutet, dasz der rote hahn, der im mittelalter so häufig als zins an die geistlichkeit erscheint, ursprünglich wol opfergabe gewesen sei. der rote zinshahn ist noch heute nicht vergessen, er lebt im sprichworte roth wie ein zinshahn,
namentlich von einem vor erhitzung oder zorn im gesicht rot gewordenen menschen: du bist erhitzt, erhitzt wie ein zinshahn. Lessing 1, 286.
jener oben berührten beziehung des hahns zu feuergottheiten verdankt ferner das bild seine entstehung, dasz der rote hahn aufs dach fliege,
wenn in einem hause feuer ausbricht; wer feuer anlegt, setzt den roten hahn: und ist zu besorgen, man werde noch auf viel wellisch und leichtfertig gebeude, das mit armer leut blut und schweisz beworfen und getünchet, einen roten han setzen. Mathes.
Sar. 54
a; sintemal sie in gemein verwegne böse buben sein und einem leichtlich einen roten hahn aufs dach stecken dorften. Henneberger 419; den roten hahn zum gibel ausjagen. Schottel 1116
b; du gleisner, knicker, menschenschinder, dir möchte ich zuerst den rothen hahn aufs pfarrhaus setzen. Arnim
schaub. 2, 153; den rothen hahn wilst du aufstecken. 2, 154; drumb schweig und hab dir als unglück, eh das ich dir und deinem mann auf dein stadl setz ein roten han. H. Sachs 2, 4, 13
d.
ungewöhnlich wird rother hahn
auch die durch ein feuerzeug hervorgelockte kleine flamme genannt: er sprachs, blies schwamm und schwefel an, der wind half treulich mit, schon flatterte der rothe hahn, als Franz den fuchs beschritt. Fr. Kind
gedichte. durch die beziehung des hahnes zu feuergottheiten erlangt er nun aber auch etwas dämonisches; namentlich der hahn mit schwarzem gefieder wird in verbindung mit bösen geistern oder dem teufel gedacht. schätze, die der teufel hütet, hebt man, indem man ihm einen schwarzen hahn
opfert: (es) soll dort noch geld liegen, welches aber der teufel in verwahrung hat. wenn man dasselbe haben will, musz man einen kohlrabenschwarzen hahn nehmen, der aber unterwegs nicht rufen darf. Curtze
sagen 195.
Vielfach erscheint auch der hahn
als preis im wettspiele, vielleicht unter einwirkung des umstandes, dasz hähne gezinst, noch früher geopfert wurden; so beim hahnenschlag, hahnensteigen,
s. d., im hahnentanz: dorfmaid und baurnknecht, die wollen tanzen umb den han; und von welhem baursman das pest wird getun an alls gefer .. dem wirt der han gegeben.
fastn. sp. 580, 8;
daher einen hahnen ertanzen,
mercedem sive praemium accipere, pretium ferre ob aliquid. Frisch 1, 397
a,
und, in eigenthümlicher anwendung: item man hat um einen han gelogen, und der die grösten lügen hat tan, der hat den hahnen gewunnen. Sender
Augsb. chron. bei Birlinger 218
b. 1@ff)
eine alte, schon im 12.
jahrh. bekannte redensart ist darüber laufen wie der hahn über heisze kohlen,
d h. eilig, schnell, flüchtig, s. kohle 6,
c, th. 5, 1585: sondern (
die seele) lauft oftermals dieselben hochnötigsten sachen überhin, wie ein hahn über heisse kolen.
ganszkönig vorr. iij
b; er leuft darüber weg, wie ein han über die kolen,
gustat ut canis e Nilo bibens. Stieler 749.
Eine andere redensart: dastehen wie ein nasser hahn, ein begossner hahn,
knüpft an die scheu dieses vogels vor wasser an: wie ein beschmutzter nasser han. B. Ringwald
laut. warh. 66. 1@gg)
unter dem jungen hühnervolke, das im hühnerkorbe bewahrt wird, ist der hahn das beste und geschätzteste stück, daher hahn im korbe sein,
die höchste geltung bei jemand haben: eum qui primas partes apud amicum tenet, appellant hahn im korb.
facet. facet. s. 164; (
du bist der) der gern selber möchte hahn im korbe sein. Lenz 1, 275; ich war der hahn im korbe. abwesend ward ich gleich vermiszt, man hätschelte mich. Göthe 36, 24; ich war nun gleichsam hahn im korbe bei den guten edeln ziegen am Helicon. Immermann
Münchh. 2, 75; noch ist der landsknechtisch papst Julius der ander der best han im korb.
bienenk. 131
b; dann wer dem grossen numen am allermeisten zuwider und den menschen am schädlichsten zu sein befunden wird, soll unserm alten gebrauch und herkommen nach auch der vornehmste haan im korbe sein.
Simpl. 2, 139
Kurz; der am meisten geubtester schandlapp ist oft der beste hahn im korbe. Schottel 1117
a; und diese wollen gleichwol auch nicht die schlimmesten hanen im korbe sein.
baurenst. lasterpr. 62; samm sei er im korb der beste han. H. Sachs 5, 397
a. 1@hh)
andere sprichwörtliche redensarten: die hanen haben ein lied und sinn und krähen mit ungleicher stimm. Lehmann 187; eine henne kan mehr verscharren, als zehn häne erspahren. Pistorius 5
no. 77; huren und buben, rettich und ruben, hüner und hanen bleiben gespanen. Weidner
apophthegm. 5 (1655)
s. 221; aus einem kapaun wird kein hahn; ausz den kappaunen werden doch keine hanen mehr, darumb musz man inen dasz krähen mit dem bratspiesz vertreiben.
bienenk. 13
b; in eines andern hahnes nest seine eier legen,
ehebruch treiben, vgl. unter hahnrei: Venereus muste das gelach bezahlen, weil dieser ein fremdling, und sich erkühnet hatte, in eines andern hahns nest seine eier zu legen, so ward er ohne verhörung verurtheilet. Happel
acad. rom. 599;
von ältern personen, bei denen sich falten um die augen bilden, sagt man, die hahnen haben ihn ins gesicht getreten,
bairisch nennt man solche falten hennentrittlein (Schm. 1, 503): sie hat kein alten scheisser lieb, dem die hanen haben trettn ins gsicht. Ayrer 443
d (2229, 15
Keller). 22) hahn,
das männchen bei vögeln. 2@aa)
der männliche hühnerartige vogel. bei den groszen dieser gattung heiszt der männliche vogel hahn,
der weibliche henne,
man spricht von truthahn
und truthenne, pfauhahn
und pfauhenne, auerhahn
und auerhenne;
im plural, wenn die gattung, ohne betonung des geschlechts hervorgehoben werden soll, steht truthühner, pfauhühner, auerhühner.
die kleinern hühnerartigen vögel bezeichnet man dagegen gewöhnlich auch im singular durch huhn,
weil dieses wort eigentlich das junge, kleine des hühnervolks ausdrückt und zwar ganz ohne rücksicht auf das geschlecht. daher birkhuhn, haselhuhn, rebhuhn, schneehuhn, wasserhuhn,
woneben birkhahn
und birkhenne, rebhahn
und rebhenne (
mhd. rephenne
wb. 1, 626
a)
nur selten erscheinen. einen calecutischen hahnen in Africa oder India .. der sich aufgeblasen und die rote nasen greulich niedergehengt. Rollenhagen
wahrhafte lügen (1717) 298; den tisch mit einem indianischen hanen zieren. Schuppius 699; als wenn sie pfauen oder welsche hahnen wären. Happel
acad. rom. 853;
vgl. auch fas-hahn
unter fasan 3, 1336.
werden die kleinern hühnerartigen vögel ausdrücklich nach dem geschlechte geschieden, so heiszt das männchen hahn,
das weibchen huhn (
nicht henne): an farbe sind sie (
die haselhühner) überein, auszer dasz der hahn ein klein wenig gröszer als das hun. Göchhausen
not. venat. 80; wann ihr ein wohl abgerichtes und zahmes rephuhn habt, so könt ihr euch zu dem gesang oder gelock einer meiner artigsten inventionen bedienen, wodurch ein hahn so keck und sicher wird, dasz er auch das huhn in eurer gegenwart .. betritt und sich mit ihme paaret.
jagds-ergötz. 2, 53. 2@bb) hahn
das männchen anderer kleiner vögel, das weibchen heiszt hier nicht huhn,
sondern sie, sicke: (der finke) ist ein ziegelröthlicher vogel am bauche, oben aber, zumahln der hahn, ist graulicht .. die sicke aber ist blasz. Göchhausen 114; der hahn (
des rotschwanzes) siehet der sicke nicht gleich. 111; ich geh und will den hahn (
der amsel) zur sie in bauer stecken; die jungen bring ich dir, sobald die alten hecken. Gellert 3, 461;
vgl. finkenhahn, canarienhahn, sperlingshahn; ein zeisighahn. Göchhausen 110.
auch in der diminutivform hähnchen, hähnlein,
s. d. 33) hahn
von menschen gebraucht. 3@aa)
es knüpft dieses bild wol zunächst an das streitbare wesen (1,
c)
des hahnes an, und wie im Reinecke fuchs vom hahne gesagt wird: de ander (hane) was em sêr gelîk unde hêt Cantart, sêr kone unde upricht. 309,
so wird der kühne, tapfere ein hahn
genannt: darumb ist er ein dapfer han, und ist unsz ein guoter hauptman. Murner
luth. narr 2155; dem todt zu trotz und widerdries hinaus zu schwimmen sich beflies. der todt sahe was er für ein han an im hat und wolt nicht hinan. Fuchs
mückenkrieg 2, 315; do hengt ein hübscher harnisch klar, den nimpt er (
der pfaff) ab und legt in an, gedenkt, nu bist erst ein freier han, weil du ein starken harnisch an hast, so darf dich nicht ein jder andast. Alberus
controfactur B 1
a;
dann auch der hervorragende, in gutem wie im bösen sinne, der könig unter seines gleichen ist, wie der hahn auf seinem hofe; unter schülern geht häufig die redensart: er ist hahn im lateinischen, im griechischen (
er ist der beste darin)
; vgl. haupthahn.
weniger scharf im folgenden: alles dem spielteufel zu gefallen, halten dich auch nicht für einen spitzbuben und heimlichen dieb, sondern für einen rechten han aufs spiel, für einen glückseligen menschen, der einen guten stern und planeten zum spiel hat.
spielteufel (1564) Eiij
a; der graf ist der rechten hannen einer, der kaiserlicher majestät im land groszen schaden erzeigt hat. Imhof 34; da lauft einer zum thor hinaus, der ist der rechten hahnen. Götz v. Berlichingen
v. Büsching u. v. d. Hagen (1813)
s. 87;
vgl. hierzu schnapphahn; mit diesem geschmuck allem anzuzeigen, dasz er etwann ein feiner hahn und ein feines feistinseidele und fartzflasch werden solt.
Garg. 116
b; die zimmerleut, die feinen hanen. 127
a.
diese beispiele alle zeigen hahn
fast in gleicher verwendung wie kerl (II, 4),
th. 5, 577
ff., deutlich auch in folgendem: also jung lüt sterben auch vil ee denn die alten .. ich bin auch ein alter han und bin ietz 64 jar da gangen und gang noch da als lang gott wil. Keisersberg
brösaml. 2, 71
b; sprach, was bist vor ein han? leszt dir disz nit zu hertzen gahn, und siehst vor augen hie den todt? B. Waldis
Esop 4, 13, 41.
und in noch mehr abgeblaszter stellung: es mag der leute wahn mir immerhin die klugheit aberkennen, und wann er will, mich den geneckten hahn, den guten mann, den neuen Adam nennen. Hagedorn 2, 168.
Oefters zielt aber auch hahn,
wenn es von menschen gilt, auf geschlechtliche tüchtigkeit, vgl. oben 1,
d, sp. 161
und die dort angeführte stelle Logaus; drum denket, hört er dich den tag verkünden, jetzt mancher ehemann wie Petrus einst an seine jugendsünden und seufzt: wär ich ein hahn! Blumauer 1, 131;
und auch Keisersberg
kann das im sinne gehabt haben, wenn er sagt: das betracht aber die alten hen, die alten man nicht, die etwan dem meitlin ein gab schicken bei eim jungen knecht, die gab und der jung gesel ist lieber und gefalt ir basz dann der alte han.
brösaml. 2, 21
b. 3@bb)
dasz unter dem bilde des hahns
auch das französische volk und seine glieder gefaszt werden, verdankt seinen ursprung dem doppelsinne von gallus: gallus hane, han, walch Diefenb. 257
a.
das bild ist schon alt: o han, du suchst anschlag und list, wie du kompst uff den tytschen mist, und meinst denselben auch zerscherren. Brant
narrensch. 155
a, 2
Zarncke; lasz mond und hahn uns tausend übel dräuen (
Türkei und Frankreich). Lohenstein
blumen 23; wir griffen zu und thatens kund bei Waterloo, beim schönen bund — die wird man ewig nennen. da haben wir dem wälschen hahn wohl kamm und sporen abgethan, noch heute fühlt ers brennen. Arndt
ged. (1840) 446.
so soll in der folgenden stelle der hahn
an das französische volk und seine freiheitsbestrebungen erinnern: (der kirchweih-maienbaum) mit einer rothen knarrenden freiheitfahne und einem rothen hahne. J. Paul
biogr. belust. 1, 132. 44) hahn
für männliches glied, vielleicht nach 1,
d (
sp. 161)
und oben 3,
a am schlusse: hahn
membrum virile Frisch 1, 397
a;
öfters in der verkleinerungsform hähnchen.
vgl. auch piphahn. 55) hahn
auf fische und schalthiere übertragener name: von ersteren heiszen meerhan
zeus gallus, seehahn
trigla; von letzteren führt strombus gallus den namen hahn, kampfhahn,
holländ. kemphaan;
anomia vitrea, glasbohrmuschel, hahn und henne,
holl. de haan en hen. Nemnich. 66)
dem landwirt heiszt der männliche hanf hahn,
der weibliche henne. —
In Preszburg nennt man hahn
den viertheiligen nuszkern, wenn er ganz unverletzt von der schale entblöszt werden konnte. Fromm. 6, 28. 77)
das bild des hahns, als tages- und wetterverkündigers, brachte man gern an den höchsten spitzen eines gebäudes als wetterfahne an, namentlich auch an kirchen, wol mit anspielung auf das geistliche licht, was von hier aus verkündet ward. die wetterfahne wird daher schlechtweg hahn
oder wetterhahn
genannt. Jacobsson 4, 640
b;
pinnaculum der gipfel auf eim gebew, der hane oder paner, fänlin,
petasus Dasyp.; diszes ist der wind der da bewegt und kirren machet auf den hohen thürnen die hän, die fenlin, die engel und kreützlin, so der wind wäet, so kerendt sy sich umb und kürrend, und kompt gern ain regen hernach. Keisersberg
schiff d. pen. 37
d.
In der technischen sprache hat man den namen des hahns
auf verschiedene einrichtungen gelegt. 88) hahn
am fasse: epistomium ein han oder laszzapf Dasyp.; er ist ein kleiderwurm bei dem der gerne zehrt; ein hahn im fasz bei dem dem hab und gut beschert. Logau 3, 218.
bei Keisersberg
hier die nebenform hän: wenn es (
ein kind) einen hän ufgewint, so louft der wein aller aus.
seelenp. 51
a;
bei Maaler
ebenfalls, aber als neutr.: das häne oder zapf, als an fassen oder andern dingen,
epistomium 205
c. —
Jede mit flüssigkeiten oder luft gefüllte röhre ist mit einem solchen hahne
versehen; daher hahn
an wasserleitungen: pei dem weichkessel do ist ein schiedung des wassers und geet ein röre überzwerch unter der erden gegen der siechen heimlich gemach an die Begnitz, do geet ein stock auf mit einem hannen, darausz die siechen mügen wasser nemen. Tucher
baumeisterb. 180, 27; geet ein röre doselbst in die spitalkuchen und hat ein stock neben dem hert mit einem hannen, darausz man wasser mag lassen. 181, 26;
ebenso hahn
an gasröhren, an der luftpumpe. 99) hahn
am gewehr, seit dem ende des 16.
jahrh. gebräuchlich, es ist der bewegliche, ursprünglich in hahnenform gebildete theil am gewehrschlosse, der nach vorhergehender spannung dadurch, dasz man ihn aufschlagen läszt, feuer erzeugt: wie bald der han in tigel schlägt, gieng zwar als an (
los) mit schlächtem klapf. Grobs
ausreden bei Haupt 3, 246 (
von 1603); ich .. wischte zur thüre hinaus auf den kirchhof, da ich dann meine gesellen mit aufgezogenen hanen stehen fand.
Simpl. 1, 239
Kurz, die knappe, schon formelhafte redensart heiszt geradezu so viel wie '
schuszfertig'; präsentirte mein gewehr mit aufgezogenem hahn.
s. 255; schrie, ich solte das gewehr ablegen. ich antwortete, bei gott, landsmann, dir zu gefallen nicht! und zog den hanen über.
s. 410; mein rohr muste ich zum vorrath geladen behalten .. und indem ich mit überzognem hahn den kutscher halten und absteigen gemachet.
s. 441; liesz ich mein rohr, damit ich feuer auf sie geben wolte, sinken, und zog den hahn wieder zurück. 2, 39; ein jeder von den fuhrleuten hatte den hahnen aufgezogen. Stilling
jugend (1779) 111; den hahnen gespannt!
das.; das letztere war ein militärisches commandowort, das schon im 17.
jahrhundert gebräuchlich ist: ziehet den han auf!
kürzer den hanen auf!
oder auch nur: spannt! Böckler
kriegsschule (1668)
s. 291. 295. 289.
ein anderer solcher befehl war und ist zum theil noch bei den soldaten, die des hahnlosen hinterladers entbehren, hahn in ruh!
um das gewehr aus der schuszbereitschaft zu stellen. Eggers
kriegs- und ritterlex. (1757) 1, 1134. 1010)
beim uhrmacher ist hahn
das stück, welches die unruhe in der uhr bedeckt. 1111) hahn, in schmelzhütten, die körnlein silber, so im treib- und brennofen abspritzen oder sich am brandstück setzen. Frisch 1, 397
b.
plur. hahnen.
bergw.-lex. 287
a,
aber auch eigenthümlicher weise haner: haner und testkörner ... sind diejenigen silber, so im treibheerde abspringen. Nehring
histor.-polit. lex. (1736)
anhang 46
a.
die beziehungen dieses technischen ausdrucks zu hahn
gallus sind unsicher.