Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Reigen
Reigen
Reigen, veraltet Reihen m., im Mittelalter ‘von Instrumentalmusik und Gesang begleiteter volkstümlicher Rundtanz im Freien, wobei die Tanzenden in einer Kette oder paarweise hintereinander den Bewegungen des Vortänzers und zugleich Vorsängers des Tanzliedes folgen’, dann überhaupt ‘Rundtanz’, insbesondere ‘rhythmischer Reihentanz von Kindern’, auch ‘das den Tanz begleitende Lied, die Tanzmelodie’ (vgl. Bergreihen ‘Bergmannslied’ noch bei Campe 1807). Mhd. mnd. rei(e), reige, das, wohl nach nl. Vorbild, zu Anfang des 13. Jhs. (etwa gleichzeitig mit der Bezeichnung für die gemessenere, im geschlossenen Raum ausgeübte tänzerische Bewegungsform, s. Tanz) als höfisches Modewort aufkommt, wird ebenso wie gleichbed. mnl. nl. rei über eine Variante apikard. rèy auf afrz. roie, raie ‘Streifen, Furche’ (aus gall. *rica ‘Furche’) zurückgeführt. Diese Herleitung bleibt allerdings fraglich, da für das als Quelle der Entlehnung angenommene afrz. Substantiv die Bedeutung ‘Rundtanz’ nicht sicher bezeugt ist. In frühnhd. Reie (auch Reihe mit sekundärem h von nur graphischem Wert) und Reige (so bei Luther) setzen sich zunächst beide mhd. Formen fort, daneben werden seit dem 16. Jh. auch Nominative mit der den obliquen Kasus der schwach flektierten Substantive entstammenden Endung -n üblich. Das 18. Jh. bevorzugt Reihen, im 19. Jh. wird aber im Anschluß an Luthers Gebrauch die Form Reigen neu belebt, wohl unter dem Einfluß Jahns, der sie für ‘rhythmische, von Musik begleitete Bewegungen’ in die Sprache der Turnkunst einführt.