Wossidia
Johanni in Sta@ und Wa, vereinzelt in Ro@ und Wi@ Johannich Dat. zu Johannes 1. der 24. Juni als Tag Johannes des Täufers, die Zeit der Sommersonnenwende; daher dei Dag vör Johanni Ausdruck für übermäßige Länge: dee (der Hochgewachsene) is so lang as dei Dag vör Johanni Ro; RoRostock@RibnitzRibn; StaStargard@MirowMir; makt en Gesicht so lang, as de Dag vör Johanni Müll.Friese 87; üm Johanni sünd dei Dag' so lang, abends kennen einen Fru un Kinner nich RoRostock@LichtenhagenLicht. 2. seit alters geläufiger Zahlungstermin: '72. jar up sunte Johans dach stot de rente an' (Ro um 1470) Grab. Lohgerb. 10; seit 1634 an die Stelle des Antonitermins (17. 1.) getreten Bär. Ges. 4, 1, 676; vom Armen heißt es: dei nimmt Johanni un Antoni gaut so väl in as dei Kopmann Stillen Fridag WaWaren@KraaseKraase; die Käselieferungen an die Küster Johanni fällig Verord. von 1784; seit 1818 Umzugszeit für Schäfer und Schäferknechte statt Martini (11. 11.)
N. Strel. Anz. 1818, S. 57
b;
vgl. Bd. 2, 293; 1821 bis 25 Kündigungstermin für die Bauern nach Aufhebung der Leibeigenschaft Sa. Land.-Ges. 3,452. 3. für die Landwirtschaft ein bedeutungsvoller Zeitpunkt, daher zahlreiche Bauern- und Wetterregeln: väl Rägen vör Johanni bietet Gewähr für eine gute Kartoffelernte Schö; Sta; vör Johanni möten de Tüften hüüpt sin, süs warden se hennahsten in de Mit ful StaStargard@NeustrelitzNStrel; Vör Johanni bidd' üm Rägen, Nahher kümmt hei ungelägen Pa; Schw; Wi; vör Johanni kœnt teihn Preisters üm Rägen birren, nah Johanni kann 't ein ol Fru daun Ratz. Mitt. 5, 29; wenn 't Johanni rägent, rägent 't Rotten un Müs' Gü; Pa; ... gifft 't wormstäkig Awt Ma; Regen zu Johanni kündigt vierwochenlangen Regen sowie eine nasse Ernte, aber auch eine gute Buchenmast an Bartsch 2, 292;
s. ferner
Fleeder 1; scherzend: vör Johanni möt 'n dat Unnertüg anbehollen un nah Johanni wedder antrecken SchöSchönberg@WarnowWarn. 4. Volksglaube: um eine reiche Kornernte zu erhalten, muß man in der Vormitternachtsstunde der Johannisnacht bei allen Feldnachbarn je drei Halme herausziehen und dabei sagen Alle Löhnung in minen Sack Bartsch 2, 286; um das Korn vor Vogelfraß zu schützen, soll man in der Nacht vor Johanni nackend aufs Feld gehen und von jeder Ecke einige Halme abmähen oder am Johannistage von jeder der vier Feldecken ein Büschel grünen Roggen oder Weizen abschneiden, indem man über Kreuz von zwei Feldecken zu den gegenüberliegenden geht, und die zusammengebundenen Büschel in den Schornstein hängen oder an einen Ort, den weder Sonne noch Mond bescheint 161; in der Mitternachtsstunde der Johannisnacht oder der Mittagsstunde des Johannistages geschnittener Kreuzdorn schützt das Vieh vor Unglück; als Dörsticken benutzt, hält er von Menschen und Vieh Hexen fern 190
f.; überhaupt haben die Pflanzen zu Johanni bes. Kräfte:
s. u. a. Bifaut
2; Dulldill; For; Hassel 2; Johannsblaut; -krut; darum soll man Heilkräuter vornehmlich am Johannistage sammeln Nds. 16, 122
a; in der Mittagsstunde des Johannistages gepflückte blaue Kornblumen sollen, sobald man sie in die Hand nimmt, blutstillend wirken Schill. Kr. 2, 32
b; anderseits heißt es, man dürfe am Johannistage nichts über der Erde Wachsendes pflükken, weil in der vorausgehenden Nacht dei bös' Kräwt treckt (
d. i. der Ritworm, die Maulwurfsgrille, auch Erdkrebs genannt), sich darauf gesetzt haben, darüber gekrochen oder geflogen sein und es so behext haben könne; deswegen soll man auch in der Johannisnacht keine Wäsche zum Trocknen draußen hängen und keinerlei Gerät, wie
z. B. die Melkhüker, im Freien stehen lassen; ja, manchenorts ließen die Eltern vor Furcht ihre Kinder am Johannistage draußen nicht barfuß gehen Bartsch 2, 289; doch bleibt Zeug, das am Johannistage draußen gesonnt wird, von Motten verschont 291; junge Mädchen sollen sich am Tage vor Johanni in der Mittagsstunde Blumen von sieben verschiedenen Arten pflücken, davon einen Kranz binden und sich diesen in der Johannisnacht unter ihr Kopfkissen legen, dann sehen sie im Traum ihren Zukünftigen 285; wessen Acker durch Disteln verunkrautet ist, pflanzt stillschweigend am Johannistage zwölf Uhr mittags drei Pflanzen in Kleeblattform auf den Nachbaracker 290; epileptische Kinder sollen bis zu ihrer Heilung eine Schierlingswurzel an einem Faden um den Hals tragen, die man unbeschrien und stillschweigend in der Vormitternachtsstunde der Johannisnacht ausgegraben hat ebda; bruchkranke Kinder wurden in der Johannisnacht durch einen vom Blitz gespaltenen Baum oder einen bes. hierzu gespaltenen jungen Eichbaum gezogen, wobei drei Männer namens
Johann mitzuwirken hatten; war der hinterher sorgfältig verbundene Baum wieder zusammengewachsen, sollte auch der Bruchschaden geheilt sein Schill. Kr. 3, 30
a; Kinder, die Johanni von der Brust genommen werden, haben Glück Wa; Menschen und auch Pferde, die Johanni zur Welt gekommen sind, sollen hellsichtig sein SchöSchönberg@WarnowWarn; Johanni soll des Jahres einziger Tag sein, an dem das Pferd satt wird, dies zur Strafe dafür, daß es sich einst weigerte, den Heiland über das Wasser zu tragen Mecklenburg Heimatbuch 208; Johanni legt der Schlangenkönig seine goldene Krone ab Wo. Sag. 1, 152 ff. 5. Volkssage: Johanni ist, wie Wo. meint, zweifellos unter slawischem Einfluß, der heilige Tag, an dem alles Verborgene ans Licht kommt, alles Verwünschte erlöst werden möchte Mecklenburg Heimatbuch 208; wi as Jungens sünd Johanni henwääst nah 'n Heid'dal (bei MaMalchin@NeukalenNKal) un hebben horcht, ob dei Dam kem, dei erlööst sin wull; wi hebben Johannidag den Düwelssee (bei RoRostock@TessinTess) belagert, wi wullen dei Klocken klingen hüren; wi hebben as Kinner Johannimiddag an de Lieps (oberer Teil des Tollensesees) lägen, wi wullen dat gollen Schapp rutkamen sehn Wo. Sag. 2, XXXIV
f.; Sagen über verborgene Schätze, die am Johannistage, meist in der Mittagsstunde, ans Tageslicht kommen,
s. Bartsch 1, 240; 242
f.; 249
f.; 276; 432; über versunkene Glocken, deren Geläut am Johannistage zu hören ist 292; 293; 373; über solche, die aus dem Wasser aufsteigen 368; 377; 386
f.; 389; über verwünschte Damen, bes. Prinzessinnen 269; 271 ff.; manchenorts wird die Erscheinung der Wilden Jagd und des
Waud' in die Zeit um Johanni gelegt Wo. Sag. 1, 14
f.; mehrfach auch der Ritt der Hexen zum Blocksberg in die Johannisnacht statt in die Walpurgisnacht Mecklenburg Heimatbuch 207. 6. Brauchtum: im SW, in der sog. grisen Gegend, hielten die Bauern in der Mittagsstunde des Johannistages einen Umzug um ihren Acker zum Schutz gegen Behexung und für gutes Gedeihen des Korns Wo. Sa.; als kirchlicher Feiertag 1774 aufgehoben (Bär. Ges. 1, 4, 35), wurde der Tag im Volke doch bis vor hundert Jahren noch festlich begangen,
z. B. durch das Hahnschlagen (
s. Hahn 8 a), gemeinsames Essen und Tanz sowie bes. sein Abend oder Vorabend damit, daß die jungen Leute an langen Stangen befestigte
Strohwipen anzündeten und auf dem Felde im Kreise herumlaufend schwangen (Fromm Meckl. 114), eine letzte Erinnerung an das alte Johannisfeuer, von dem es bei Gry. heißt: 'jegen den avendt warmede men sick by S. Johannis Lodt und nodtfre, dat men uth dem Holte sagede (also durch Reibung erzeugte), Solckes Fr stickede men nicht an in Gades, sondern in S. Johannis Namen, lep und rOende dorch dat Fr, spOekende mit demslven alse Urs und Molochs dener, richtede men vele affgOederye uth, dreff dat vehe dardorch, und ys dusent frOewden vul gewesen, wenn men de Nacht mit groten Snden, schanden unde schaden hefft thogebracht' Paw. Ll 2
a. Die Verbreitung des Johannisfeuers und des Sonnwendfeuers ist im Atl.
d. Volksk. 2, 24 dargestellt. — Me. 2, 1042.