lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

gebieten

mhd. bis spez. · 15 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Pfeifer_etym
Anchors
19 in 15 Wb.
Sprachstufen
6 von 16
Verweise rein
72
Verweise raus
103

Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)

gebieten

gebieten

bieten Vb. ‘darreichen, anbieten, gewähren’. Ahd. biotan ‘bekanntmachen, entgegenstrecken, anbieten’ (8./9. Jh.), mhd. bieten ‘anbieten, darreichen, gebieten’ erweist sich durch Entsprechungen wie asächs. biodan ‘bieten’, mnd. bēden, mnl. nl. bieden, afries. biāda ‘bieten’, aengl. bēodan ‘gebieten, anbieten, ankündigen, zeigen’, engl. to bid (verschmolzen mit dem unter bitten behandelten Verb, s. d.) ‘bieten, ankündigen, gebieten’, anord. bjōða ‘bieten’, schwed. bjuda ‘gebieten, anbieten, zeigen’ und got. anabiudan ‘entbieten, befehlen’, faúrbiudan ‘verbieten’ als gemeingerm. Verb (germ. *beudan); dieses stellt sich lautlich zu außergerm. Verwandten wie griech. pé͞uthesthai (πεύθεσθαι), pynthánesthai (πυνθάνεσθαι) ‘erfragen, erfahren, merken’, aind. bṓdhati ‘wacht, beachtet, versteht’ (wozu das Kausativum aind. bōdháyati ‘erweckt, macht aufmerksam’ und das Part. Perf. buddháḥ ‘erweckt, erleuchtet’, vgl. Buddha), aslaw. bъděti ‘wachen’, bl’usti ‘wahren, achtgeben’, russ. budít’ (будить) ‘wecken’, bljustí (блюсти) ‘behüten, bewahren’, lit. budė́ti ‘wachen’. Gemeinsamer Ausgangspunkt ist ie. *bheudh- mit differenzierter Bedeutungsentfaltung: ‘wach, geistig rege sein, beobachten, erkennen’, auch (so in den germ. Sprachen) ‘zur Aufmerksamkeit veranlassen, kundtun, gebieten, darbieten’. Im Dt. gehen bestimmte Bedeutungen des einfachen Verbs in den älteren Sprachstufen (‘bekanntmachen’, ‘gebieten’) zunehmend auf Präfixbildungen über (s. unten). – Zu bieten im Sinne von ‘befehlen’ das ablautende Verbalabstraktum Bot(t) n. (heute nur landschaftlich) ‘Gebot, Befehl, Angebot, Aufgebot, Versammlung’, ahd. bot ‘Meinung, Beschluß’ (um 1000), mhd. mnd. mnl. bot, afries. aengl. bod, anord. boð (germ. *-buda-). Dazu botmäßig Adj. ‘untertan, tributpflichtig’, spätmhd. botmæzec (14. Jh.), Botmäßigkeit f. ‘Herrschaft’ (16. Jh.). Dazu im 19. Jh. unbotmäßig Adj. ‘widersetzlich’, Unbotmäßigkeit f. anbieten Vb. ‘darreichen, zur Verfügung stellen, vorschlagen’, mhd. an(e)bieten ‘anbieten, vor Gericht laden’, mnd. anbēden ‘anbieten, entbieten’, vgl. nl. aanbieden ‘anbieten, darreichen’ (hingegen got. anabiudan ‘entbieten, befehlen’, asächs. anbiodan ‘entbieten, melden’). Dazu Angebot n. ‘Vorschlag, Bereitschaftserklärung’, auch ‘Gesamtheit der zum Verkauf stehenden Waren’; als Ableitung vom präfigierten Verb zunächst in der Form mnd. anbot, nhd. Anbot (15. bis 19. Jh., danach noch öst.), seit Ende des 18. Jhs., wohl durch Einwirkung von gebieten (s. unten) und Gebot (s. d.), in der heutigen Lautgestalt; in der Sprache der Wirtschaft von der 1. Hälfte des 19. Jhs. an oft in dem terminologischen Wortpaar Angebot und Nachfrage. aufbieten Vb. ‘aufrufen, aufwenden’ und ‘öffentlich verkünden’ (jetzt eingeschränkt auf die Bekanntgabe einer beabsichtigten Eheschließung), mhd. ūfbieten ‘in die Höhe strecken, darreichen, bekanntmachen, aufrufen’, mnd. upbēden ‘bekanntmachen, zur Einlösung eines Pfandes auffordern’; die im älteren Nhd. vorherrschende Bedeutung ‘zum Heeresdienst aufrufen’ lebt heute in Übertragungen wie alle Kräfte, seinen ganzen Einfluß, Willen aufbieten. Substantivische Ableitungen sind Aufbietung f. ‘das Aufbieten’ (mnd. upbēdinge, nhd. seit 15. Jh.), anfangs zu verschiedenen Bedeutungen des Verbs, nach Ende 18. Jh. nur ‘Aufwendung’ (Aufbietung aller Kräfte, Mittel u. ä.), und Aufgebot n. ‘Bekanntmachung’ (namentlich einer beabsichtigten Eheschließung), früher vor allem ‘Aufforderung’ (zu Heeresdienst, Fron usw.) sowie ‘was aufgeboten wird’ (z. B. die Gesamtheit der Wehrpflichtigen); zunächst häufiger in der Form Aufbot (15. bis 18. Jh.), doch gewinnt das vereinzelt schon im 14./15. Jh. nachzuweisende (und mit einer im 15. bis 17. Jh. neben aufbieten bezeugten Variante aufgebieten korrespondierende) Aufgebot seit dem 17. Jh. den Vorrang. darbieten Vb. ‘anbieten, darreichen’ und übertragen ‘zeigen, vorführen’ (reflexiv ‘sich zeigen’), ahd. thara biotan (9. Jh.), mhd. dar bieten ‘dahin reichen’ sind wohl schon als Einheit von Adverb und Verb aufzufassen; fest verbunden mnd. dārbēden und im Frühnhd.; dazu Darbietung f. ‘das Darbieten’; seit Anfang 16. Jh. als Nomen actionis ‘das Anbieten’, so verbreitet im 17. Jh. und gelegentlich bis ins 20. Jh.; vom Beginn des 20. Jhs. an meist ‘künstlerisches Gestalten vor einem Publikum, Vorführen’ sowie ‘Vorführung, Vortrag’. entbieten Vb. ‘wissen lassen, mitteilen’, auch ‘zu sich beordern’, ahd. inbiotan ‘zur Kenntnis bringen, gebieten, darreichen’ (um 800), mhd. enbieten ‘durch jmdn. sagen oder gebieten lassen, darreichen’, mnd. en(t)bēden ‘sagen lassen, gebieten’, frühnhd. enbieten, embieten und entbieten, letzteres setzt sich im 17. Jh. durch; in älterer Zeit vorwiegend ‘eine Botschaft, einen Gruß übermitteln’, dann ‘durch Botschaft herrufen’ (17. Jh.); seit dem 19. Jh. nur noch selten. erbieten Vb. reflexiv ‘seine Bereitschaft erklären’, ahd. irbiotan ‘zur Kenntnis bringen, darreichen, erweisen’, reflexiv ‘sich zeigen, erweisen’ (8. Jh.), mhd. erbieten ‘darreichen, erweisen’, reflexiv ‘sich erweisen, darbieten’ (vgl. aengl. ābēodan ‘mitteilen, anbieten, gebieten’); vom Mhd. an bis ins 18. Jh. auch der substantivierte Infinitiv Erbieten n. ‘Angebot’; aus der häufig vorkommenden Fügung Ehre erbieten, ahd. ēra irbiotan, mhd. ēre (er)bieten entwickeln sich auf der Grundlage der postverbalen Ableitungen spätmhd. erbietunge, mnd. erbēdinge f. und frühnhd. erbietig, erbütig Adj. die Zusammensetzungen Ehrerbietung f. ‘Hochachtung’ (mnd. ērerbēdinge, frühnhd. 15. Jh.) und ehrerbietig Adj. ‘achtungsvoll’ (16. Jh.), denen zunächst Ehrbietung (15. Jh.; auch mnd. ērbēdinge) und ehrbietig (Anfang 16. Jh.) als Zusammenbildungen mit dem einfachen Verb bieten vorausgehen. Neben frühnhd. erbietig, erbütig steht ablautend erbötig Adj. ‘bereit, willig’, mnd. erbȫdich, erbōdich, frühnhd. seit dem 16. Jh. gebieten Vb. ‘befehlen, über etw. Befehls-, Verfügungsgewalt haben’, ahd. gibiotan ‘zur Kenntnis bringen, befehlen, herrschen’ (um 800), mhd. gebieten ‘ausstrecken, darreichen, entbieten, befehlen’; dem Westgerm. gemeinsame Präfixbildung (aengl. gebēodan ‘befehlen, bekanntmachen, anbieten’, asächs. gibiodan ‘gebieten, befehlen’, mnd. gebēden ‘gebieten, befehlen’, reflexiv ‘sich erbieten’, mnl. gebieden ‘bekanntmachen, befehlen, anbieten’), im Dt. anfangs mit perfektivem Sinn neben dem einfachen Verb, das ebenfalls ‘befehlen’ bedeutet, doch trennen sich die Verben hinsichtlich ihrer Bedeutungen seit dem Mhd. Als Ableitungen gehören hierzu Gebiet, Gebot (s. d.) sowie Gebieter m. ‘wer Befehlsgewalt hat’, ahd. gibiotāri (Hs. 13. Jh.), mhd. gebietære, gebieter, mnd. gebēder mit gleicher Bedeutung, dem sich Gebieterin f. ‘Herrin’ (mhd. gebietærinne, gebieterīn) und gebieterisch Adj. ‘herrisch, keinen Widerspruch duldend’ (Anfang 17. Jh.) anschließen. Gebot n. ‘Befehl, Anordnung, Vorschrift’, ahd. gibot ‘Befehl, Erlaß’ (um 800), mhd. gebot ‘Auftrag, Ladung zum Erscheinen, Verbot, Herrschaft’, asächs. gibod, mnd. gebot, gebode, mnl. ghebot, nl. gebod, aengl. (ge)bod. verbieten Vb. ‘untersagen, nicht erlauben’, ahd. firbiotan ‘zur Kenntnis bringen, gebieten, untersagen, verhindern’ (8. Jh.), mhd. verbieten ‘vorladen, verhindern, untersagen, mit Beschlag belegen’; vgl. dazu (teilweise mit einem nhd. vor, für entsprechenden Präfix) aengl. forbēodan, engl. to forbid, anord. fyrirbjōða ‘verbieten, verhindern’, got. faúrbiudan ‘verbieten’, mnd. vorbēden ‘gebieten, vorladen, anbieten, verbieten’; im Dt. drückt das präfigierte Verb anfangs (bis ins ältere Nhd.) sowohl das nachdrückliche Anordnen wie auch das Untersagen einer Handlung aus, jetzt gilt nur noch die letztere Verwendung. Abgeleitet ist Verbot n. ‘Anordnung, etw. zu unterlassen’, ahd. firbot ‘Verbot’ (9. Jh.?), mhd. verbot ‘Verbot, Beschlagnahme, Vorladung’, mnd. vorbot ‘Angebot, Verbot, Beschlagnahme’ (vgl. aengl. forbod ‘Verbot, Widerrufung’).
7841 Zeichen · 242 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gebietenstn.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +7 Parallelbelege

    gebieten stn. der satz, die wette, um die man spielt. wiltu ziehen umb schâchmat schâchzabel umb ein gebieten Ls. 2,215.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gebietenv., trs

    Campe (1807–1813) · +3 Parallelbelege

    Gebieten , v. trs . unregelm. ( s. Bieten ), als Herr seinen Willen zur Befolgung kund machen, befehlen. Wenn der Herr g…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    gebieten

    Goethe-Wörterbuch

    gebieten vereinzelt -th-; 3., selten 2.PersSg auch -beut bzw -beut(’)st; gelegentl subst, auch ‘das G-de, Gebotene’, ‘de…

  4. modern
    Dialekt
    gebieten

    Bayerisches Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    gebieten Band 2, Spalte 2,794f.

  5. Sprichwörter
    Gebieten

    Wander (Sprichwörter)

    Gebieten 1. Gebeut, hersch oder lad den knechten auff, als seiest selbs ein knecht. – Franck, I, 73 b . 2. Gebieten ohn …

  6. Spezial
    gebieten

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    ge|bie|ten I vb.tr. (befehlen) comané (-na), ordiné (-nëia) II vb.intr. 1 (herrschen) dominé (-nëia) 2 (den Oberbefehl h…

Verweisungsnetz

139 Knoten, 146 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 9 Hub 3 Wurzel 2 Kompositum 118 Sackgasse 7

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gebieten

15 Bildungen · 0 Erstglied · 14 Zweitglied · 1 Ableitungen

Ableitung von gebieten

ge- + bieten

gebieten leitet sich vom Lemma bieten ab mit Präfix ge-.

gebieten als Zweitglied (14 von 14)

ane gebieten

MWB

ane gebieten stV. 1 ‘etw. anbieten’ → ane bieten 2 ‘etw. gebieten’    1 ‘etw. anbieten’ → ane bieten    2 ‘etw. gebieten’ daz dichtet der ph…

aufgebieten

DWB

auf·gebieten

aufgebieten , was aufbieten: bis das der landsfürst aufgeböte für sich selbs. Luther 3, 329 b .

ausgebieten

DWB

aus·gebieten

ausgebieten , proclamare, edicere: der ausgebieten liesz in seinem heer. Boccaz 43.

hergebieten

KöblerMhd

herge·bieten

hergebieten , st. V. nhd. hergebieten, herbeordern, herbestellen Q.: Urk (1252) E.: s. her, gebieten W.: s. nhd. hergebieten, V., hergebiete…

hingebieten

KöblerMhd

hinge·bieten

hingebieten , st. V. nhd. „hingebieten“ Q.: Neidh (1. Hälfte 13. Jh.) E.: s. hin, gebieten (1) W.: nhd. DW- L.: MHDBDB (hingebieten)

voregebieten

KöblerMhd

vore·gebieten

voregebieten , st. V. nhd. „vorgebieten“, vorschreiben, vorladen, gerichtliche Vorladung übermitteln Hw.: s. vüregebieten Q.: EvA (FB vorgeb…

vorgebieten

DWB

vor·gebieten

vorgebieten , verb. , veraltet, vorladen; s. fürgebieten th. 4, 1, 1, sp. 733; Lexer 3, 585 ; 598; Jelinek 907 ; Diefenbach-Wülcker 587 ; fü…

vüregebieten

KöblerMhd

vüregebieten , st. V. nhd. „fürgebieten“, vorgebieten, vorladen, gerichtliche Vorladung übermitteln Hw.: s. voregebieten* Q.: DSp (vür gebie…

vürgebieten

KöblerMhd

vürgebieten , st. V. Vw.: s. vüregebieten*

widergebieten

KöblerMhd

wider·gebieten

widergebieten , st. V. nhd. widerrufen (V.), aufkündigen Q.: Urk (1281) E.: s. wider, gebieten W.: nhd. DW- L.: WMU (widergebieten 475 [1281…

īngebieten

KöblerMhd

īngebieten , st. V. nhd. eingebieten, vorladen Hw.: vgl. mnl. ingebieden Q.: StRZwick (um 1348/1358) E.: s. īn, gebieten (1) W.: nhd. eingeb…

ūzgebieten

KöblerMhd

ūzgebieten , st. V. nhd. „ausgebieten“, verkündigen E.: s. ūz, gebieten W.: s. nhd. ausgebieten, V., ausgebieten, DW 1, 868 R.: ūzgebieten i…

Ableitungen von gebieten (1 von 1)

vergebieten

Lexer

ver-gebieten stv. = vür gebieten, vorladen Prag. r. 49,74.

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „gebieten". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 11. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/gebieten/pfeifer_etym
MLA
Cotta, Marcel. „gebieten". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/gebieten/pfeifer_etym. Abgerufen 11. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „gebieten". lautwandel.de. Zugegriffen 11. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/gebieten/pfeifer_etym.
BibTeX
@misc{lautwandel_gebieten_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
  title        = {„gebieten"},
  year         = {2026},
  howpublished = {lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern},
  url          = {https://lautwandel.de/lemma/gebieten/pfeifer_etym},
  urldate      = {2026-05-11},
}