lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

Doch

ahd. bis spez. · 28 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
32 in 28 Wb.
Sprachstufen
8 von 16
Verweise rein
132
Verweise raus
59

Eintrag · Adelung (1793–1801)

Doch

Bd. 1, Sp. 1505
Doch, eine Partikel, welche eigentlich für den Nachsatz gehöret, und überhaupt betrachtet, eine Bejahung andeutet, obgleich diese Bejahung gemeiniglich mit allerley Nebenbegriffen verbunden ist. In den sieben ersten Bedeutungen hat sie die Gestalt eines Bindewortes; allein in der letzten kann sie zuweilen für ein bloßes Nebenwort gelten. Sie dienet, 1. Einem Satze zur Begleitung, welcher dem Vordersatze zu Folge eigentlich nicht Statt finden sollte, wie dennoch. Ob du mir gleich viel vorgeplaudert hast, so habe ich doch nichts verstanden. Ungeachtet er mich sahe, so redete er mich doch nicht an. Wenn der Vordersatz sich mit keinem Bindeworte anfänget, so stehet doch am liebsten hinter dem Verbo finito, so daß dieses den Nominativ vor sich hat. Zanken sie immer; ich weiß doch, daß sie mich lieb haben. Gehen sie immer sauer aus; sie meinen es doch gut mit mir. Man beleidiget mich täglich; aber ich werde doch nicht müde, Gutes zu thun. Ich verboth es ihm; aber er that es doch. Du redest fast so klug, wie mein Bruder, und hast doch nicht studiret, Gell. Im gemeinen Leben läßt man das doch den Nachsatz zuweilen anfangen; alsdann tritt der Nominativ hinter das Zeitwort. Die Sache war richtig; doch wollten sie nicht daran. Minder hart klingt es, wenn und vorher gehet. Die Sache war richtig, und doch wollten sie nicht daran. Zuweilen ist der Satz, worauf[] sich doch beziehet, versteckt, und weit vorher zu suchen. Gutes Kind, du wirst doch denken, daß ich ihn zu deinem Vergnügen habe herbitten lassen, Gell. Es ist doch ein unerträglicher Stolz, daß er mich verläßt, ebend. Zuweilen wird er auch in dem Nachsatze eingeschaltet. Dieß kann ich, so alt ich bin, doch wohl leiden, ebend. S. Dennoch. 2. Bezeichnet sie auch einen Gegensatz dessen, was im Vorhergehenden gesagt worden, wie aber; da sie denn den Nachsatz alle Mahl anfängt. Du polterst und drohest nur immer; doch ich habe gelindere Mittel. Er hatte versprochen zu kommen; doch er kam nicht. 3. Eine Compensation dessen, was in dem Vordersatze war gesagt worden, da sie denn gleichfalls für aber, und auch zu Anfange eines Nachsatzes stehet. Er spricht schlecht; doch er schreibt gut. Du hättest alles erhalten, wo nicht mit Gewalt, doch mit Güte. Leicht läßt sich die Vernunft, doch schwer das Herz betriegen, Gell. 4. Eine Einschränkung des Vordersatzes, auch wie aber; da es gleichfalls den Nachsatz anfängt. Ich erlaube dir viel, doch nicht zu viel. Zwar lehren wir und lernen beyde; Doch unsre Wissenschaft ist Freude, Und unsre Kunst Gefälligkeit, Haged. Apoll vergaß bey muntern Chören, Wenn ihm ein holder Mund gefiel, Die stolze Harmonie der Sphären; Doch nicht sein sanftes Saitenspiel, Haged. 5. Einen Einwurf; immer noch wie aber, und auch zu Anfange des Satzes. Es ist freylich nicht erlaubt; doch er kann nicht gewußt haben, daß es verbothen ist. Die Natur ist hier schön; doch wird sie es auch für mich seyn? 6. Eine Bedingung, in der vertraulichen Sprechart. Morgen erwarte ich sie; doch daß sie mir das Bewußte mitbringen. Ich will es ihnen sagen; doch müssen sie mir versprechen, daß sie mich nicht verrathen wollen. Auch hier kann es durch das Bindewort aber ersetzet werden. 7. Oft dienet es bloß, eine vorher angefangene Rede abzubrechen, welchen Gebrauch es mit dem aber gleichfalls gemein hat. Es wäre viel davon zu sagen; doch wir wollen hier keine Untersuchung anstellen. Es ist freylich nicht recht; doch wir wollen davon abbrechen. 8. Noch öfter werden die bisher bemerkten Bedeutungen, und die Beziehung auf das Vorhergehende unkenntlich, und da hat diese Partikel eine intensive Kraft, durch ihre bejahende Bedeutung den Nachdruck zu erhöhen, oder doch wenigstens die Vollständigkeit und die Nünde der Rede zu befördern. Sie stehet in diesem Falle alle Mahl hinter einem oder mehrern Worten. Sie begleitet alsdann, 1) eine einfache Bejahung oder Verneinung. Ja doch! Nein doch! Nicht doch! wo die Partikel zugleich einigen Unwillen verräth. 2) Einen bejahenden Satz. Auf diese Art weiß man doch, worauf man sich zu verlassen hat, Gell. Wir müssen doch mit ihr reden. Ich möchte doch wissen, was sie mir zu sagen hätte, ebend. Die Alte sollte sich doch schämen, Die Mannsperson mir zu entziehn, Haged. Zuweilen kann durch eine Inversion, welche in der vertraulichen Sprechart ihre Anmuth hat, der Nominativ hinter das Zeitwort gesetzet werden. Bricht mir doch der Angstschweiß darüber aus, für es bricht mir doch u. s. f. Ist mirs doch recht lieb, daß ich sie hier sehe. Wäre ich doch vorhin bald eben so leichtgläubig gewesen. Hätte ich doch nicht gedacht, daß du[] so verliebt wärest! Gell. Sieht sie doch so freundlich aus, als wenn u. s. f. Verlier ich doch, so mächtig ich auch bin, An dir den Ruhm der größten Zauberinn, Gell. Hast du mich doch erschreckt, daß ich beynahe die Blumen verschüttet habe! Weiße. 3) Einen Imperativ, wo doch oft einigen Unwillen verkündiget. Wirf mir doch das nicht vor. Laß mich doch zufrieden. So höre doch. Ach gehe doch. Oft hat es auch nur die Gestalt einer Bitte. Sage mir es doch. Folgen sie mir doch. Wo ist er denn? O, zeiget mir ihn doch, Gell. Aber auch in dieser letzten Gestalt setzt es Vertraulichkeit voraus, daher man es in dieser Bedeutung gegen Personen, denen man Ehrerbiethung schuldig ist, nicht gebrauchen darf. 4) Eine Frage. Sie haben es doch? Es ist doch wohl nichts Böses? Sie wird doch nicht Tag und Nacht bethen? Das will ich nicht hoffen, Gell. Camilla? doch wohl nicht die Schwester des Lälio? Es ist doch Weiberlehn? Seht, was ich fand, ihr habts doch wohl verloren? Gell. Auch wenn diese Frage einen Verweis, einen Unwillen enthält. Was reden sie doch? Du wirst doch nicht schon wieder sitzen? Wie können sie sich doch ohne Noth traurig machen? Gell. Du wirst doch wissen, ob du ihm gut bist? Sie werden mir doch nicht zumuthen, daß ich in ihre Seele reden soll? 5) Einen Ausruf, einen Wunsch. O, daß doch mein Vater käme! O, könnte er doch nur lieben! Ingleichen eine Klage. Die Zeiten sind doch gar zu schlecht! O, daß ihr Leute doch allenthalben Widersprüche findet! Anm. Im Nieders. lautet diese Partikel doch, dog, bey dem Ulphilas thau, bey dem Ottfried thoh, bey dem Willeram doh, im Angels. deah, im Holländ. doch, im Engl. though, im Dän. dog, im Schwed. dock. Sie scheinet aus da auch zusammen gesetzet zu seyn, welches wenigstens mit ihren Bedeutungen sehr gut überein kommt. Die Alten gebrauchen sie auch im Vordersatze für obgleich, und so gebraucht schon Kero sein dohdoh. S. Dennoch und Jedoch.
6503 Zeichen · 100 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    doch

    Althochdeutsches Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    doch Gl 2,726,76 = Wa 111,17 s. toph.

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    DOCHpronominaladv.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +5 Parallelbelege

    DOCH ( aus dô-uh? Gr. 3,176. Graff 5, 68 ) pronominaladv. I. demonstr. doch, dennoch. 1. in einem hauptsatze, welcher si…

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    dochAdv.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +3 Parallelbelege

    doch , Adv. nhd. doch, jedoch, dennoch, in jedem Fall, sowieso, bekanntlich, ja Vw.: s. io-, wō- Hw.: vgl. mhd. doch, mn…

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Doch

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Doch , eine Partikel, welche eigentlich für den Nachsatz gehöret, und überhaupt betrachtet, eine Bejahung andeutet, obgl…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    doch

    Goethe-Wörterbuch

    doch 1 Adverb bzw Konjunktion adversativen Inhalts; öfter nach konzess Vordersatz (korrelierend mit ‘zwar, wohl, ob/wenn…

  6. modern
    Dialekt
    doch

    Bayerisches Wörterbuch · +8 Parallelbelege

    doch Band 3, Spalte 3,1807f.

  7. Sprichwörter
    Doch

    Wander (Sprichwörter)

    Doch Aber doch! – Agricola I, 349; Latendorf, 117; Schottel, 1139 a ; Eyering, I, 1. Um auszudrücken, dass man unter Ums…

  8. Spezial
    doch

    Ladinisch-Deutsch (Mischí) · +2 Parallelbelege

    doch [dǫch] m. (docs) (fujina dles barches) Dock n.

Verweisungsnetz

160 Knoten, 156 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 9 Hub 3 Wurzel 1 Kompositum 127 Sackgasse 20

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit doch

66 Bildungen · 48 Erstglied · 17 Zweitglied · 1 Ableitungen

doch‑ als Erstglied (30 von 48)

docheln

SHW

doch-eln Band 1, Spalte 1549-1550

Dochan

Meyers

Dochan , s. Pennisetum .

Dochart

Meyers

doch·art

Dochart ( Loch D.), kleiner See in Perthshire (Schottland), am Nordfuß des Ben More, in malerischer Umgebung, umschließt eine Insel mit Schl…

dôche(n)

MNWB

1 doch , dôch , doche(n) , dôche(n) , adv. , conj. , doch, jedoch; dennoch, gleichwohl, trotzdem; in jedem Fall; sowieso, bekanntlich, ja, d…

Doches

PfWB

Doches 'Gesäß' s. Dokes .

dochium

MLW

* dochium , -i n. ( δοχεῖον ) xenodochium — Spital : Epitaph. Lun. 7 ( MGPoet. IV p. 1006) fundavit -um dochium . Pörnbacher

dochlen

ElsWB

doch·len

dochle n [tòχlə Roppenzw. Wittenh. ] poltern, mit den Holzschuhen Lärm machen. Dë r dochlet wi e der mit de n Schue hen ! Wittenh. Vgl. boch…

dochma

MLW

dochma v. dogma . Pörnbacher

Dochmĭus

Meyers

Dochmĭus (griech.), Versfuß, der in der Grundform aus einem Jambus und einem Kretikus ( @24@float ) besteht, aber durch Verlängerung der Kür…

Dochnahl

Meyers

Dochnahl , Friedrich Jakob , Pomolog, geb. 4. März 1820 in Neustadt a. d. Hardt, erlernte die Gärtnerei und lebte seit 1849 in Wachendorf un…

Dochow

Meyers

Dochow , Adolf , Kriminalist, geb. 24. Sept. 1844 in Templin, gest. 20. Dez. 1881 in Halle, habilitierte sich 1871 in Heidelberg und wurde 1…

Dochow, Adolf

DWBQVZ

Dochow, Adolf *1844 Templin †1881 Halle.

Dochpreussen

MeckWB

doch·preussen

Dochpreussen m. Pl. die Bewohner der Prignitz, weil sie anstatt 'nicht wahr' immer doch sagen Lu Grab .

Dochtgarn

SHW

Docht-garn Band 1, Spalte 1551-1552

Dochtbank

Adelung

docht·bank

Die Dochtbank , plur. die -bänke, bey den Lichtziehern, eine Bank, auf welcher die Dochte zu den Lichtern verfertiget werden.

dochte

MNWB

dochte s. denken, dȫgen, dörven.

dochtererven

KöblerMnd

dochter·erven

dochtererven , N. nhd. Erbtochter E.: s. dochter, erven (1), ervent L.: MndHwb 1, 436 (dochter)

doch als Zweitglied (17 von 17)

dēdoch

KöblerAfries

*dēdoch , Adj. Vw.: s. *dēdich

bandēdoch

KöblerAfries

bandēdoch , Adj. Vw.: s. bandēdich*

de(r)doch

Idiotikon

de(r)doch Band 12, Spalte 214 de(r)doch 12,214 M.

dyadoch

Lexer

dyadoch swm. dyadochos, ain stain Mgb. 424,23.

honddēdoch

KöblerAfries

honddēdoch , Adj. Vw.: s. handdēdich*

iedoch

Lexer

ie-doch BMZ adv. des gegensatzes: doch, dennoch allgem.; bisweilen auch idoch ( Kl. Parz. Gen. D. 13,7. 59,16. 96,18. Lieht. 75,25. Pass. K.…

iodoch

MNWB

iodoch , ie- , î- , jo- , adv. , durch io verstärktes doch : doch, dennoch; jedoch, aber; hingegen . iodoch dat wenngleich, obwohl.

jedoch

DWB

jedoch , conjunction des gegensatzes, aus doch mit vorangestelltem, eine bedingte behauptung oder eine bestreitung ausdrückendem je ( sp. 22…

misdēdoch

KöblerAfries

misdēdoch , Adj. Vw.: s. misdēdich

Nudoch

Idiotikon

Nudoch Band 4, Spalte 677 Nudoch 4,677

swiedoch

KöblerMhd

swie·doch

swiedoch , Adv. nhd. es ist erlaubt ÜG.: lat. licet PsM Q.: PsM (vor 1190) (FB swiedoch) E.: s. swie, doch W.: nhd. DW-

wōdoch

KöblerMnd

wōdoch , Adv., Konj. nhd. wie (fragend bzw. im Ausruf), wie sehr, irgendwie, wie dass, dass, so wie, als, als ob, obgleich, wiewohl, wie auc…

ërddoch

Idiotikon

ërddoch Band 12, Spalte 214 ërddoch 12,214 u.

Ableitungen von doch (1 von 1)

doche

KöblerMnd

doche , Adv. Vw.: s. doch (2)