Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
bruch stM.
1.1 ‘Brechen, Zer-, Abbrechen (einer Sache)’
1.2 jägerspr. ‘Verlust der Spur des Wildes (durch den Jagdhund)’ (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 38b)
1.3 ‘Bruch, Riss, Quetschung (am menschlichen oder tierischen Körper)’
2 übertr.
2.1 ‘Mangel, Gebrechen, Schaden’
2.2 ‘(moralische) Verfehlung, Vergehen, Sünde; Rechtsverletzung’
2.3 ‘Streitigkeit, Rechtsstreit’
1 eigentl. 1.1 ‘Brechen, Zer-, Abbrechen (einer Sache)’ des wart von speres brüchen / dâ löcherehte manic schilt KvWTroj 32664. 34274; KvWEngelh 4815; wen als der bogin wirt gezogin / gecrummit und widirbogin / und doch blîbit bruchis ân NvJer 2688; des schiffes bruch wart kume irwant, / man zoch ez ganz an daz lant Vät 2177; sin celle bleib veste und gans / ane allerhande bruchez schrantz ebd. 31968. 6366. 39552; swie kranc die fiole si, / doch ist groz zirde da bi / des morgens an ir bruche / von varwen und von ruche HeslApk 22063; wie kleine der bruch si, iz [das Glas] ist doch ye niet gantz noch vollenkomen Seuse 535,3; WernhMl 2737. 4845; sumlich jên dem ûzern tûch [des Tempels] / sî geschên des rizzes bruch JvFrst 10298; min cleider bliben ganz / an allen bruch, an allen wanc, an allen schranz Frl 1:14,12. – Ergebnis des Brechens: ‘abgebrochenes Stück’ dîne hûffelon. sínt sámo der brúch des rôten ápfeles [ fragmen mali Punici ] Will 57,1. – ‘Bruchstelle’ die widervart ez [das würmel ] dô gevie / gegen dem selben bruche [des Eies] hin / dâz ûze gie, dâ woldez in RvEAlex 1131 1.2 jägerspr. ‘Verlust der Spur des Wildes (durch den Jagdhund)’ (vgl. Dalby, Mediaeval Hunt, 38b): ob disen [...] geschæhe ein bruch von überlistic fliehen Hadam 18,4; vil brüch gên widerbrüchen [Wiederaufnehmen der Spur] / ergiengen dâ ebd. 492,6; ist aber sin [des Jägers] sin durch obert, / daz er in volget uff den bruch [nachdem sie die Spur verloren haben] / und schryet zu in durch hilffe ‘juch’ / und bringt sie wider uff die vart, / so jagen sie nach irre art / sust nach dez meisters helffe Minneb 1639 1.3 ‘Bruch, Riss, Quetschung (am menschlichen oder tierischen Körper)’ din bruch [ fractura ] ist unhailsam, din wunde ist al zu boze PrLpz 12,20; ebenso Cranc Jer 30,12; den schachern irú bain man brach: / Ihesum man ieczent toten sach, / und kainen bruch sú tatent im WernhMl 11495; JvFrst 10559. 10582; KvWTroj 12861; welch ros czubrochyn ist uf dem ruͤcke, so [...] salbe den bruch do mete boymole Albrant 3,40. 2,12; di batenie gestosen ist guͦt zu allerhand bruͦche dez houbtez Macer 38,12 2 übertr. 2.1 ‘Mangel, Gebrechen, Schaden’ alles trostes ist da [in der Hölle] pruch Vät 41155; er [Artus] übersach wol allen schaden, / den ein bœse herre entsitzet, / der von swachem bruche switzet UvZLanz 7766; dîn [des Winters] gewalt / sêre smalt, / dîn kraft duldet bruch und spalt, / dîn mül niht mêr malt KLD:Kzl 13: 1,5; und daz Isaie spruch / gewunne an der wârheit keinen bruch, / sunder daz er wurd volbrâcht JvFrst 8266; TvKulm 3306; von dem himelriche und von den nún koͤren und wer den bruch [den durch den Sturz Luzifers leer gewordenen Chor] billichen soͤlle erfúllen Mechth 3: Reg. 2; RvZw 121,12; Mühlh 120,4; Pelzb 132,25. – âne/sunder (allen) ~ ‘vollkommen’ er was gephrophet uf den stam / der rehten tugende sunder bruch Vät 1513; daz gentzlich war ist und gantz, / an allen bruch, an allen scrantz Hiob 9352. 13140; Teichn 331,17; von der Jungfrauengeburt: daz si dich durch den selben spruch [das Wort ave ] / ze kinde enphienc ân allen bruch / in ir vil kiuschen wammen KvWLd 1,35; Daniel 1067. – eines Dinges ~ werden ‘(jmdm.) versagen’ do wart im bruch / der kunst, wand im die vedere brach Pass III 129,80; aller ere wart im bruch PassI/II 45,36; wo mir wirt an dem lobe bruch Minneb 1667; ob mir wol ist worden bruch, / daz ich lîhte einen spruch / unrehte hân gesprochen Kröllwitz 3972 2.2 ‘(moralische) Verfehlung, Vergehen, Sünde; Rechtsverletzung’ swer ouch sines bruder bruch [ peccatum ] , / [...] durch got bedecket und hielt Vät 19681; werft von uch alle uwir bruche [ praevaricationes vestras ] , an den ir obirtreten hat Cranc Ez 18,31 u.ö.; daz cruze, jehet mine zunge, / ist alles broches ein bezzerunge Brun 9833; und vorgab im innenclîch / al dî bruche, dî er î / widir in dâ vor begî NvJer 9569; PrLpz(L) 48,22; StatDtOrd 74,31; Hiob 2795; die engel werden ußgesant, / die toten wecket ires rufes stimme. / [...] durch bruch wer da geslagen wirt, der stirbet sunder wende / und wirt geheilet nimmer me Mügeln 14,15. – vmbe solich bruch, der geschehen ist an dem gesezede, daz zwischen vnserm vatter, vns vnd jm wart gemath UrkCorp 588,38; swer den lantfride brichet vnd den bruch nicht vfrichten [La. bezzeren ] wil ebd. 879H,13; ob si sich liezen riwen / ires frides bruch Ottok 46791. 47174; sîner triwe bruch ebd. 10776 2.3 ‘Streitigkeit, Rechtsstreit’ ein gancze luter vnde stete svͦne [...] vmbe alle die sache vnde bruche, die zwischen vns vnde im vf geloͮffen waren UrkCorp 931,18; daz si alle bruche vnder in rihtent nach minne oder nach rehte ebd. 931,39; ez werde dann auch verrihttet der vorgenant lantgraf mit im umb den bruch und umb die sache, die er gen im hat MGHConst 6,1:43,31 (a. 1325); UrkFriedb 65 (a. 1301); UrkFreiberg 2:5,25 (a. 1317)
MWB 1 1034,39; Bearbeiter: Hoffmann