Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
arbeit stF.
1.1 speziell Schmerzen, Anstrengung bei der Geburt, auch ‘Wehen, Geburt, Gebären’
1.2 bes. im Minnesang zur Bezeichnung von Liebessehnsucht und Liebeskummer
1.3 in Wendungen
2 ‘Tätigkeit, Unternehmung’ (ohne dass der Aspekt ‘Not, Mühsal, Leid; Anstrengung’ im Vordergrund steht, oft nicht eindeutig von 1 zu unterscheiden)
2.1 metonymisch für Ergebnis bzw. Ertrag der arbeit
2.2 übertr. auf das Wirken Gottes
1 ‘Not, Mühsal, Leid; Anstrengung’ dar umbe du manegen man daz liph / hast benumen vnde bracht in arbeid Roth 1080; begriffet si also der tot, / newerdent si niht gebezzerot, / die sterbent in der tobeheit; / des choment die sele in arbeit Hochz 122; von hvnger leit er arbeit ReinFu K,643; doch hienc er dâ unz an die zît / daz er vor in allen leit / laster unde arbeit Iw 4682; nû ist iuwer arbeit / sæleclîchen an geleit: / iu hât erworben iuwer hant / ein schœne wîp unde ein lant ebd. 2779; uns ist in alten mæren wunders vil geseit / von heleden lobebæren, von grôzer arebeit NibC 1,2; sehen wie vruo im arbeit / und nôt ze rucke wart geleit Tr 2009; mir wehset nû gelîche ein leit / der Anfortases arbeit, / der quâle von sîner wunden Wh 167,6; vnd sol in vragen, ob er iht hab ain ehusvrawen oder gemahel, oder ob er [...] svst ieman gebunden sie, davon daz spital in arweit mvg komen SpitEich 5,17; und vallen san in arbeit / des todes [Todesnot] HeslApk 20083; da dulde ich ungemach / von schlaffender arebaitt [durch einen Alptraum] GTroj 21; ich hân doch ie gehoeret / daz stætic jäger wilt in arbeit bringet Hadam 150,7; Will 76,3; HimmlJer 26; RvEBarl 12462; StatDtOrd 75,26; SpdtL 151,19. – ‘Anstrengung’ so ferre was sin lant, / daz er mit grozzer erbeit / in eime mande dar gereit Herb 4039; lâzet alle giricheit / und habet imer arbeit / umbe daz himelrîche SAlex 7286; das saf hilfet den, der mit arbeiten pisset Macer 9,6; nieman hât ân arebeit / wîstuom, êr, grôz rîcheit Freid 92,7; da er gekrencket ward an leiplichenn krefftenn und nicht mer geübenn machtt tägliche arbait HvHürnh 1,3 1.1 speziell Schmerzen, Anstrengung bei der Geburt, auch ‘Wehen, Geburt, Gebären’ die [Frau] schre mit michelen erbeiten, wen si waz groz [schwanger] , alse si ze keminaten solte gan Lucid 98,6; [Raute] ist ouch den wiben guͦt getrunken, swen si des kindes in arbeiten gent Macer 8,3; wan si gienc in arbeit / des kindes [...] / ir wart mit grozer swere we Vät 22519; wirt daz kint lebendic geborn, unde hat diu vrauwe des geziugen [...] an zwein vrauwen die ir arbeit gesehen habent, daz kint behaltet des vater erbe SpdtL 115,14; die frouwen, die den stein hânt, / sô si ze arbeite gânt, / die genesent wol deste ê Volmar 350; diu künegîn gelac / nâch wîplîcher arbeit RvEAlex 1207 1.2 bes. im Minnesang zur Bezeichnung von Liebessehnsucht und Liebeskummer: wande ich was vil ungewon / sô getâner arbeit, / als ich tougenlîchen trage MF:Reinm 28:6,4; wes verküre ich denne ein arbeit, / diu mir liebet und doch lobelîche stât? ebd. 29:3,3; gunnet mir der arbeit, / daz ich, vrowe, iu dienen müeze MF:Adelnb 1:2,2; wâ möhte mir sô hôhe komen / mîn dienst und al mîn arebeit? KLD:UvL 3: 5,2; an eine stat riet mir dîn [der Minne] rât / dienen vil schône mit stæter arbeit, / dâ mir ze lône geschiht niuwan leit ebd. 10: 1,6. – oft in der Wendung: senendiu ~ , die leidvollen Mühen des Minnedienstes bezeichnend; gelegentlich als Oxymoron süeʒiu arbeit die Hoffnung auf Erfüllung miteinbeziehend: wol ir, si ist ein saelic wîp, / jâ diu von seneder arbeit nie leit gewan MF:Hausen 17b:1,2; diu minne treit [...] mit gedultekeit / liep in sender arebeit Marner 15,358; dise redten von seneder arbeit Iw 71; nâch senelicher arebeit / sîn herze was gebildet KvWEngelh 1938; die senden arebait / die er in sinem herzen lait RvEWh 4135; swer ouch die süezen arbeit / dur sî [Liebe und Schönheit] ze rehte kan getragen, / der mac von herzeliebe sagen Walth 92,30; wol ime [meinem Herzen] des, daz ez sô rehte welen kan / und mir der süezen arbeite gan! MF:Reinm 10:2,6; Neidh(HW) 37,29 1.3 in Wendungen: – sîne ~ verliesen ‘sich vergeblich bemühen’ hat er das durch mynen willen gethan, so hat er sin arbeit wol verlorn, wann ich weiß im keinen danck Lanc 635,21; jâret sich aver daz kint vor, der herre hât verlorn sîne arbeit, wan daz kint engiltet es im niht SpdtL 216,12; swer dumben herfet, der fliuset sin arebeit Wahrh 70; min arbeit ist an in verlorn ReinFu K,544; Gen 383; Iw 255; Wh 216,30; GrRud G 30; SM:Had 31:4,7. – verlorniu ~ ‘vergebliche Mühe’ beide gebærde unde bete / die man in durch belîben tete, / daz was verloren arbeit: / wan er nam urloup unde reit Iw 3823; das ir me fragent das ist verlorn arbeit, ich sag uch nit me Lanc 596,8; daz was ein verlorniu arbeit: / als ichz ofte hân vernomen, / in daz lant moht niemen komen / ern hêt den gürtel Wig 1193; MF:Reinm 9:4,5. – âne ~ ‘mühelos’ die sult ir nemen ân arbeit Walth 12,21; si gant ane arbeit als die vogele in dem lufte Mechth 2: 3,21; si singent die warheit mit vroͤden ane arebeit ebd. 3: 1,110; der grosse úbervlus goͤtlicher minne [...] vlússet iemer me ane underlas und ane aller hande arbeit mit also suͤssem vlusse ebd. 7: 55,7 2 ‘Tätigkeit, Unternehmung’ (ohne dass der Aspekt ‘Not, Mühsal, Leid; Anstrengung’ im Vordergrund steht, oft nicht eindeutig von 1 zu unterscheiden): die arbait unnd die pewegung vor dem essenn ist nütz HvHürnh 33,1; dis chores ambt is, dat he minne, / dat he van minne suͤzlich brinne. / dit is sin werc, dit is sin arebeit MarlbRh 89,1; pei der arbeit, dâ mit man die mandel süez macht, verstên ich die gaistleichen arbait, diu alle die pitterkait der rew und der puoz verkêrt in ain süezen der êwigen süezikait BdN 315,32; zu des gebetes arbeit Vät 21143; [der Hausbauer] enhouwete niemer den stein, noch entæte die arbeit dan durch daz hûs Eckh 5: 52,10; alliu diu antwerk oder ander arbeit, sie sîn geistlich oder werltlich, die eht der werlte nützelich und êrlich sint, die sint gote löbelich PrBerth 1:562,22; ackerliute oder ander liute die ze velde oder ze walde oder anderswâ sint, swâ der rehte mensche ist an sîner rehten arbeit, der vor êhafter nôt die messe niht gehœren enmac ebd. 1:503,34. – Tätigkeit zum Erwerb des Lebensunterhalts: iz enhôret nicht zu den munichen, daz si erbeiten umme ire nôtdurft lîplîche erbeit HvFritzlHl 91,24; mit ir baider ærbait / gewunnent sú spise und klait WernhMl 4279. 4956 2.1 metonymisch für Ergebnis bzw. Ertrag der arbeit: daz er dem lieben toten mîn / alsô zetrat sîn arebeit [Saat] Helmbr 1139; [die Mächtigen] netigent und trengent irre armen lúthe ueber reht und nemment in irre erbeit abbe ueber reht MerswNF 42,17. – ‘Leistung’ wol hundert tageweide, wazzer unde lant, / was ir arbeite Kudr 599,2 2.2 übertr. auf das Wirken Gottes: darnach sol gottes heligú arbeit lúhten unde schinen in únsere helige arbeit Mechth 7: 32,6; do er [Gott] die vil heiligen arbeit an úns verlor ebd. 4: 14,29; du [Gott] hast suͤsse arbeit in wunnenklicher unruͦwe ebd. 6: 16,21. – Lit.: K. Wiedemann, Arbeit und Bürgertum, Heidelberg 1979, bes. S. 34-53
MWB 1 341,40; Bearbeiter: Schnell