Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
SPIEGEL stm.
1. spiegel. ahd. spiegal Graff 6,326. aus lat. speculum Wackernagel umdeutschung 23.
a. du bist gelîch dem spiegel: ob der enzwei gebrichet joch, sô schouwet sîn antlitze doch der mensche in den stücken g. sm. 732. in einem kleinen spiegel wol wirt ein grôʒer berc gesehen das. 1514. prüeve wie daʒ ein spiegel tûsent bilde entphæt und blîbet ganz, alsam tete in ein reine maget amgb. 44. a. vgl. Gr. z. g. sm. 31,23. ein gewant von sîden guot daʒ als ein liehter spiegel was Engelh. 5321 u. anm. ein spiegel an ein siule geslagen, der mac die siule niht getragen und ist doch den liuten guot Teichn. 192. als man die spiegel spulget an die türsiule ze nageln, daʒ die ûʒ und în gênden sich dar inne ersehen myst. 326,11. her zôch ûʒ sînem bûtel ein zwefachin spîgel wol gevaʒʒit Ludw. 26,22. si hâten mengen spiegel guot gestricket zeiner rîse, daʒ solde dô ir meie sîn MS. 2,56. b. die stelle ist dunkel. — er gewan ir swaʒ er veile vant, spiegel unde hârbant und swaʒ kinden liep sol sîn a. Heinr. 336. hentschuohe, spiegel, snüere und alleʒ daʒ gevüere, daʒ werde vrouwen hœret an troj. s. 178. d. daʒ er ir (Vriderûnen) den spiegel von der sîten brach MS. 2,81. a. tumber danne der uns Vriderûn ir spiegel nam Nith. 7, 2 u. mehr. vgl. H. zeitschr. 6,102. — wenn der basilisk plicket gegen dem liehten spiegel, sô erglasent dem wurme seine augen gest. Rom. 10.
b. der augen spiegel ist sô frei daʒ daʒ klein augäpfelein nimpt ain pild aines ganzen menschen Megb. 10,12. und schein sô lieht dar under der ougen spiegel (s. v. a. diu ougen) troj. s. 121. a. der spiegel siner ougen vil irreclîchen umbe swanc das. 175. a.
c. bildl. er sol uns den rehten spiegil vorbild, muster vor tragen Karaj. 15,1. den gotes briuten allen treit dîn schœne vor den spiegel g. sm. 245. — Helêne wart Pârîse ein glanzer spiegel ûʒ erkorn troj. s. 142. b. sô ich ersich den spiegel clâr, dich allerliebstes ain Hätzl. 1,11,158. bî allen mannen iwer varwe ein manlîch spiegel was Parz. 692,13. du himelischer spiegel (anrede an Christus) Erlös. 815. Rûal der werde, ein spiegel ûf der erde Trist. 4330. ein tochter, ein spiegel in ir künne Elisab. 352. — Maria, aller megde spiegel g. Gerh. 2239. du bist ein spiegel aller wîbe lobges. 45. vgl. Gr. z. g. sm. 40,9. der herzoge, ein spiegel aller vürsten troj. s. 160. a. du bist ir aller spiegel Wigal. 9728. — diu (stadt) was in ir alten tagen ir schœne ein spiegel ûʒ erkorn Servat. 99. der künic tugende gar ein spiegel schein troj. s. 260. b. der spiegel mîner froiden ist verlorn MS. 1,68. a. ich binʒ, ein spiegel der vil klâren reinikeit Frl. FL. 12,3. vgl. anm. zu Frl. 25,1. hie was her ein widergebildeter spîgel gotgeformeter glîcheit myst. 144,39. — sîn vürste in êren sol ein spiegel angesihtes Frl. 413,19. dîn bilde daʒ manges ougen spiegel wirt troj. s. 184. c. daʒ kint daʒ unser ougen spiegel was Massm. Al. s. 52. a. 63. b. 65. a. sam ein gaistleich form oder ain ebenpild ains geminten dinges daʒ in den spiegel deiner vernunft ist gedrückt Megb. 380,1. und mant mich der spiegel meiner sêl das. 205,4. — spiegel, wie das lat. speculum (speculum ecclesiae, doctrinale, historiale u. s. w.), ein lieblingsausdruck für bücher (Schwabenspiegel, Sachsenspiegel). dit ist nu der ritter spîgil, dar inne si sich sullin beschowin Rsp. 4161. lânt diz kleine büechelîn iuwer sêle spiegel sîn. eʒ sol der spiegel sîn genant, ir sült eʒ dicke nemen ze hant, sô mügent ir die gotes minne erkennen wol dar inne schausp. d. MA. 1,214. hie hebt sich an der spiegel der gotheit H. zeitschr. 3,441. spiegel der volkomenheit das. 439.
2. brille. swenne uns daʒ alter die gesiht betimbert alze sêre, daʒ wir die edelen schrift niht wol gesehen mügen mêre, sô sint unser kêre zuo zeinem liehten spiegel klâr, der uns die schrift erliuhten kan unt wol gesihtic machen, sô wir si dar in sehen an MS. H. 2,224. b. vgl. Schmeller 3,558.