rose,
f. rosa. 11)
das wort ist, wie die sache, von den Römern übernommen. lat. rosa
ist eine volksthümliche umgestaltung des griech. ῥοζᾶ,
einer dialektischen nebenform zu ῥόδον,
älter Ϝρόδον,
das aus dem iran. stammt, vgl. arm. vard Fick
4 1, 556.
es gieng ebenso auch in die anderen german. sprachen über; vgl. ags. rôse,
altn. rô
s. im goth. und altfries. unbelegt. die form ist fast überall unverändert geblieben, unter steter einwirkung des lat. ahd. rôsa: thar blyent thir io lilia inti rosa. Otfrid 5, 23, 273.
mhd. rôse,
schwaches fem., ebenso mnd. und nhd. neben rose auch häufig die gekürzte form ros,
die in der schreibung ross, rosz,
besonders in zusammensetzungen, oft kaum von ross,
equus, sicher geschieden werden kann. vereinzelt begegnet rosen,
indem das n
der casus obl. in den nom. eindringt: Pericon hat einen seinen pruder pey czwey und zwainczig iaren alt frisch iunck gerade schöne als ein rosen. Steinhöwel
decam. 110, 12
Keller; ob dieser bar
da hieng ein schilt, darin ein rosen war gebilt. H. Sachs
spruchged. 92, 16
Tittmann. oberdeutsch begegnen auch die formen rous, raus:
hd. nd. rose, eyn rosa,
hd. rosz, rosze, rous, roesz. Dief. 500
b: item zu einem zeichen der freuden so tregt der bapst die rausz umb, darnach so schickt er sie und schenkt sie einem fürsten. Keisersberg
narrensch. (
Straszburg 1520) 62
a.
in heutigen dialekten begegnen die formen: kärnth. roase
und rouse Lexer 210,
tirol. roas
neben rôs Schöpf 563, roase Zingerle 47
b,
schles. ruse (
vgl. den namen durnruse
bei Gryphius
lustsp. 257
u. ö. Palm),
im Kuhländchen ruose.
die umgelautete form röse
ist der bildung nach diminutiv zu rose,
und findet sich als eigenname: Thoms liebet Mieken (so heiszt's in einer alten ballade), allein sein unstern will, dasz Mieke für Heinzen glüht, für Heinzen, der all sein glück in Rösens augen sieht. Wieland 5, 163.
vgl.rease
als kuhname bei Schöpf 564.
im mhd. erscheint das wort auch als masc., offenbar in anlehnung an bluome: sô hât si einen rôten rôsen geʒʒen.
minnes. 1, 64
b Hagen; wan ir küüsches raines pluot plüget recht als der rosz
im maien tuot.
des teufels netz 6780
Barack doch ist das fem. ebenso häufig. beide werden ohne unterschied von denselben dichtern gebraucht; vgl. z. b.: dû frîer rôse sunder dorn. Walther 7, 23; ir wangen wurden rôt, same diu rôse, dâ si bî der liljen stât. 74, 31.
starke flexion findet sich im mhd. und nhd. nicht; aber ahd. nom. plur. rôsâ Graff 2, 544.
auszerdem wird starke flexion vorausgesetzt in den zusammensetzungen, die nicht das schlieszende n
zeigen, so ahd. rôsabluomo, rôsgarto, rôsfaro.
diese erscheinen nicht selten auch in der neuern sprache. sie sind in der folgenden darstellung mit den regelmäszigen formen (rosen-)
zusammen behandelt worden. 22)
das wort bezeichnet zunächst die bekannte garten-zierpflanze, die aus ihrer heimat Persien zu den Griechen und durch diese in das abendland kam, rosa Nemnich. Oken 3, 2017
ff. vergl. V. Hehn
kulturpfl. u. hausthiere5 200—209. rosa haiʒt ain rôs, diu auf der stauden wechst, diu ist kalt in dem êrsten grâd und trucken in dem andern grâ
d. Megenberg 344, 14; de rose is colt unde droghe.
mnd. arzneibuch, im nd. jahrb. 15 (1889), 131. 2@aa)
an ihr wird farbe und duft hervorgehoben; erstere dient zugleich zur unterscheidung: rothe, weisze, gelbe rosen: der ander garten umbzeunet war mit rosenhürsten gantz und gar, daran die rosen wunderbar von farben stuonden schön und klar, leibfarb, schneweisz und gantz sattrhot. Wickram
bilger 78
a; da der und jener ort voll bunter rosen stund. Fleming 115; die weisz und roten rosen helt man in groszer acht. Uhland
volksl.2 88 (57, 4); die leibfarbe rosen würstu von stund an weisz machen, wann sie mit schwefel beräuchest, inn dem sich die rosen anfahen auffzuthun (
am rande: incarnat = rosen auff weisz). gelbe rosen magstu haben .. (
am rande: gelbelechte rosen) .. auff dise weise bekompstu gälbe rosen .. wiltu grüne rosen, magstu die jungen rosenzweiglin auff eynen alten kölstock oder einen eychenstock jmpffen. Sebiz 259; wann der sommer wiederkehret ... rote rosen gahn herfür. Spee
trutzn. 226, 52; weisz war die ros' auf seinem hut. Freiligrath 1, 218; auch ist dir, liebes kind, schon lange wol bekant, dasz gelbe rosen sind. Grob
versuchg. 60.
die rothe rose wird auch als goldene rose,
und wegen ihrer intensiven farbe glühende rose
bezeichnet: wie der güldnen rosen zier unter scharffen dörnern blühet. Opitz 3, 11; wenn du die glühende rose pflückst, und sie warm an den busen drückst, gedenke, wie ich dich liebe. Rückert
ges. poet. werke (1882) 1, 447; nicht möcht' ich einen kalten stein ob deinem warmen herzen sehen, auch keiner glühen rosen schein, die üppig unter dornen wehen. Droste - Hülshoff 1, 164;
auch blutige rosen: ich stand im traum in einem rosengarten, beschützt von linden, hohen, grandiosen, sie neigten sich wie riesige standarten auf dieses blut'ge schlachtgefild von rosen. Platen 174
b.
vereinzelt wird auch eine art gemischtfarbiger, roth und weisz gestreifter rosen genannt: bi der rose, die zweierhande varbe hat, rot und wis, ist si (
Maria) ouch bezeichent. Leyser
deutsche pred. 37, 19,
ebenso Tristan 17570.
indes die hauptfarbe der rose ist roth; sie wird als vertreter der rothen farbe genannt, wie die lilie als der der weiszen: als weisze gilgen seind gestalt, so man darzuo rot rosen halt.
Grobian. 2142
neudr.; daher roth wie rosen, röther als eine rose
u. ä.: und er richtete den zeigefinger, der so röthlich war wie eine rose, nach dem weiten ausgespannten teppich. Göthe 2, 188; mein feinslieb das heiszt braun und blond, schneeweisz und roth-wie-rosen, ein andres jeden mond. Geibel 3, 13; dîn munt ist rœter danne ein liehtiu rôse in touwes flüete. Walther 27, 29; noch röther ist der lippen schein als eine rose pflegt zu sein. Opitz 3, 16; und seine farb'! ein weiss, dem die narcisse, ein inkarnat, dem selbst die rose weicht. Wieland 10, 299. 2@bb)
ferner wird der duft (
mhd. smac)
der rosen gerühmt: rosen knospen dir auf, dasz sie mit süszem duft dich umströmen. Klopstock 1, 104; sein athem glich den lüften, worin sich rosen verdüften. Wieland 10, 25; dir mit wohlgeruch zu kosen, deine freuden zu erhöhn, knospend müssen tausend rosen erst in gluthen untergehn. Göthe 5, 137; ich sende einen grusz wie duft der rosen. Rückert
ges. poet. werke (1882) 5, 319.
sie heiszen riechende, stark-
oder wohlriechende, duftige rosen,
in der älteren sprache auch wohlschmeckende
in gleichem sinne: wiltu wolschmeckende rosen haben
u. s. w. Sebiz 259 (
am rande starkriechende rosen zumachen); bey Greiffenberg sind im mdcxxix. jahr auff einer weiden etliche natürliche, riechende rosen gewachsen. Micrälius
altes Pommern 5, 373; oft einst hatte sie mich mit duftigen rosen beschenket. Uhland
ged. 113.
so auch bildlich: sei meine ros und riech mir wol. P. Gerhardt 48, 38 (
an das herz Christi).
noch freier, fast geradezu im sinne von rosenduft: der kleinste garten war vor uns ein paradiesz, wir dachten, dasz die lufft nur rosen auf uns bliesz. Hoffmannswaldau
begräbnisged. 29. 2@cc)
farbe und duft machen die schönheit der rose aus, die oft die schönste, die königin der blumen u. s. w. genannt wird: diu rose ist diu schœneste under aller blüete. Wackernagel
kirchenl. 2, 240; rose, königinn der blumen, unter dornen aufgeblüht. Herder 12, 268; in den blüthen tritt das vegetabilische gesetz in seine höchste erscheinung, und die rose wäre nur wieder der gipfel dieser erscheinung. Göthe 56, 147. die schönheit, pracht, majestät der rose: wo ist die schöne pracht der rosen hingekommen? R. Roberthin
in Königsb. dichterkr. 8
neudr.; da seh' auf dornen ich blutig der rose majestät. Arndt
ged. 16. schön wie eine rose
u. dgl.: der poet machet dich mit seinen versen so schön, wie eine rose. Butschky
Pathm. 269; uns nur traut die holde wasserfey, sie, die schöne, lieblicher als rosen. Droste - Hülshoff 1, 94. 2@dd)
zustände und entwicklungsstadien der rose: knospende, aufblühende, blühende rose; frische, junge, grüne, welke, dürre rose
u. s. w.: ringsum hingen grosse kränze von frischen rosen ... an den wänden herab. Wieland 10, 57; zerstôʒ die grüenen rôsen gar wol. Megenberg 345, 20; wer dürr rôsen zuo der nasen habt (
an die nase hält), daʒ sterket daʒ hirn und daʒ herz. 345, 31; so scoltu nemen aurinen und wermodensat unde droge rosen.
mnd. arzneibuch, im nd. jahrb. 15 (1889), 107; die peponen wolriechend zumachen, du solt den samen .. unter gedörrte rosen, oder inn den bisam legen. Sebiz 205; seidener flor umwallte verrätherisch busen und schultern, vorn mit der knospenden rose geschmückt. Voss 1, 18; ewigblühende rosen umkränzten sein (
Salems) flieszendes haupthaar, himmlische rosen, von thränen erzogen. Klopstock 1, 31; die süsze war umfangen mit frischen rosen dicht. Uhland
ged. 408; dasz manche junge ros' aus ihren knospen blüh'! Lohenstein
rosen 111; dir, o blendende brust, will ich den erstling weihn, den der blüthenmond zollt, will ich im blumentopf junge rosen erziehen. Hölty 71; in der blonden locken loses schweifen waren junge rosen eingestreut. Schiller 1, 227; die vollste rose prangt nicht prächtiger am stocke! Wieland 10, 172; begier'ger kann die welke rose nicht den abendthau aus Zefyrs lippen saugen. 9, 58.
besonders frisch ist die bethaute rose: vil teppch übr al den palas lac, dar ûf geworfen was touwic rôsen hende dicke. Wolfram
Willeh. 144, 3; die rose stand im thau. Rückert
ges. ged. (1840) 2, 373.
sie wird häufig zu vergleichen benutzt: eine rose in voller blüte stehend und mit den hellsten thautropfen bethränet, ist nicht so schön, als ein solches kind, das seines versehens halber auf seiner eltern zureden erröthet. Scriver
andachten (1721) 293; vor vreuden stuont die schœne vrouwe als der rôse in dem touwe stêt vil schône gebluot (
blühend) und sîniu löuber ûf tuot.
die gute frau 2972
in der zeitschrift für deutsches alterthum 2, 478; wie eine rothe rosz' erst jung und auffgeschossen wird durch die kalte nacht durch weissen thau begossen, so war sie auch von glantz und herrligkeit erfüllt, so war von thränen nasz das züchtig schöne bild. Opitz 3, 235; und um die runden hüften wallen gewänder, rosen gleich in angestrahltem thau. Wieland 5, 253.
eine besondere form ist die durchgewachsene rose,
bei der der stiel durch die blüte hindurchgewachsen ist: eine durchgewachsene rose gibt hievon das schönste zeugnisz. Göthe 55, 114,
vergl. besonders 58, 69
f. 2@ee)
die ungemein zahlreichen arten der rose sind nach herkunft, farbe, aussehen u. s. w. benannt: bandrose, bisamrose, moosrose, muscatrose, provencerose, sammetrose, türkische rose, zimmetrose
u. a., vgl. Tabernaemont. 1493
ff. Oken
a. a. o. Campe. Schöpf 563.
wenige dieser namen begegnen in der litteratur: wie die provintzrosen sonst stehen, so leibfarb war es anzusehen. Rollenhagen
froschmeus. F 8
b.
dialektisch finden sich neben wirklichen rosenarten auch für andere blumen mit rose
zusammengesetzte bezeichnungen: kohlrose,
rosa provincialis, und knopfrose
im gleichen sinne Schm. 2, 149,
während die ausdrücke: antlaszrôse,
paeonia officinalis Schm.
a. a. o., pluotreasl,
nigritella angustifolia Lexer 210, gichtrose,
paeonia, am Rheine, s. Schm.
a. a. o., herbestroase,
zeitlose Zingerle 47, klapperrose, klatschrose,
auch kornrose
und feldrose,
kornmohn Adelung 3, 1479, kraftroasn,
arnica montana Lexer
a. a. o., pfingstrose,
paeonia Adelung
a. a. o., plattrose,
mauerpfeffer ebenda, waldreasl,
auch stein-
oder holzreasl,
alpenbalsam Schöpf 564, wuemroase,
primel Zingerle
a. a. o. nicht eigentliche rosen bezeichnen. die gewöhnlichste art ist gemeine rose,
rosa centifolia, von der die provinzrose, pfingstrose, moosrose nur unter- oder abarten sind. Oken 3, 2019.
volksthümlicher sind die benennungen nach der farbe (
s. a),
dem ort (gartenrose, heckrose),
der gestalt (hochstämmige rose, buschrose),
sowie die allgemeinen unterscheidungen in wilde, zahme, frühe, späte rosen
u. s. w.: wiltu aber frü rosen haben, so mache eyne gruben gerings umb den rosenstock
u. s. w. Sebiz 259; die wilden rosen welkten, des sommers glut gab dunklers laub dem haine. Stolberg 1, 354; nun spielen in des windes leisem kosen hollundersträuche nur und wilde rosen. Geibel 1, 10; da sprieszt die rothe, die wilde ros' in grünen finsternissen. 2, 152. 2@ff)
oft wird die rose mit anderen blumen zusammen genannt, so mit der lilie, nelke, tulpe, hyacinthe, myrte, dem veilchen, epheu u. s. w.; ich bin ein wurzegarte mit allen edelen wurzen, gestôzen vol, erschîn vor rôsen lilgen vîolbluomen.
meisterl. der Kolm. handschr. 6, 550; violen, rosen, tulipan. Spee 87, 73; das keusche chor der huldgöttinnen scherzt rings um den triumphator, und streut vom glänzenden wagen mit vollen händen ros' und lilien. J. Balde
bei Herder 12, 253; göttinn, fruchtbare mutter, edle jungfrau, der von rosen ein kranz und weiszen liljen ihre schläfe bekränzt. 12, 262; ros' und lilie morgenthaulich blüht im garten meiner nähe. Göthe 5, 18; rosen und nelkenblumen, glänzet lichter, gleich Elysiums blumen, wann sie meiner denkt ... Hölty 101
Halm; wie ein dürres reisz oder holtz, so zwischen den vereinbahrten lieblichen rosen und hyacinten hervorscheust.
pers. rosenthal 5, 13; und solte mein gemälde gleich so weit von Thümmels schilderey verschieden bleiben, als eine ros' und eine hyazinth. Göckingk 2, 227; die heiterste der stirnen mit myrt' und ros' umkränzt. Wieland 10, 103; er (
Amor) lauscht' in rosen und violen. Lessing 1, 63; wie wenn wir ihn (
Amor) mit blumen bänden? ihn um und um an arm und bein mit fesseln von efeu und rosen umwänden? 10, 34. rose und lilie
ist die typische verbindung, um rothe und weisze farbe neben einander zu bezeichnen. daher auch vielfach bildlich (
s. unten).
nur zum theil bildlich: aber rosen winde genug zum häuslichen kranze; bald als lilie schlingt silberne locke sich durch. Göthe 1, 331.
selten dient die rose allein zum ausdruck dieses wechsels: und lûhte ir varwe unde ir schîn als suoʒe und alsô lôse als ein gemischet rôse.
Tristan 17570.
ein der biblischen sprache entlehntes bild vergleicht die weiblichen brüste mit rehen, die unter rosen weiden: deine brüste sind wie zwey junge rehe zwillinge, die unter den rosen weiden.
hohel. 4, 5; als wie zur neuen frühlingszeit, wenn alles blühet weit und breit, zwey junge reh' in rosen gehen, die zwilling' einer mutter sind, so sieht man gleichfals auch, mein kind, an dir die weissen brüste stehen. Opitz 3, 16.
allgemeiner gefaszt: lieblich wie ein reh, das unter rosen weidet. Wieland 22, 200. 2@gg)
die rose ist die blume des frühlings, vgl. auch rosenzeit, rosentage: nicht die rose des mai's, die winterrose duftet ihnen (
den thoren)! Herder 12, 174; umgib mit wintergrün, bis die rose wieder heranreift, die feuchten haare, o liebe, deines dichters! Göthe 2, 66; was zagst du, herz, in solchen tagen, wo selbst die dorne rosen tragen? Uhland
ged. 37; die rose blüht, das wasser rauscht im frühlingsklange hinnen. Arndt 4; wann die roten rosen blühen, singt die nachtigall im rausche. Platen 157
a. 2@hh)
während die wilde rose überall in wald und feld wächst, ist die veredelte eine gartenpflanze, sie steht einzeln, oder zu hecken, lauben u. s. w. zusammengeschlossen: die gänge (
des gartens) waren mit rosen bekleidet.
pers. rosenthal 2, 28; denn freilich werd ich mich der lauben von rosen, die ich selbst daran gepflanzt ... sehr ungern schon so früh berauben. Göckingk 2, 183.
gern steht sie an quellen oder bächen: veilchen blühten und starben, an der quelle schlossen rosen sich auf. Matthisson 39; wo bäche unter rosen flossen. Wieland 18, 161; in jeder krümmung tanzten fische zwischen den schemen der wilden rosen. Stolberg 1, 354. 2@ii)
häufig wird die rose in dichterischer sprache personifiziert. so, wenn ihr menschliche glieder und körpertheile zugeschrieben werden: der rose haupt, busen, schosz, mund, lippen, füsze
u. s. w.: denn als der rosen haupt, das anfangs weisz geschienen, durch Aphroditens fusz bepurpurt ward und schö
n. Lohenstein
rosen 69; tose, sturm, um's haupt der rose, bis ihr schleier ganz zerrisz. Rückert
ges. poet. werke (1882) 1, 362; gaukelnd hüpf' ich dahin, hasche den schmetterling, der am busen der rose trinkt. Hölty 73; ich sah der rose busen, geschwellt von wohlgeruch. Platen 75
a; ein frischer roth, als Auroren in junger rosen schooss entgegen glänzt, umzog ihr liebliches gesicht. Wieland 10, 69; entfaltet endlich sich der rose schoosz, der eine fülle von vollendung athmet. Platen 197
a; und des veilchens haubt, voll ehrfurcht, legt sich zu der rose füszen. 157
b; rose, süsze blüthe, der blumen blum', der kusz ist auf deinen lippen gemahlt, o ros', auf deinem munde strahlt der küssenden lieb' andacht und heiligthum. Tieck
ged. 1, 225.
oder menschliche lebensäuszerungen: athem, lachen, lächeln, schlaf, geburt
u. s. w.: ohne ostwind ist die luft todt, und der rosen athem stockt. Rückert
ges. ged. (1840) 2, 415; die rose blüht und lacht vor andern rosen mit solcher zier und herzempfindlichkeit. Chr. Weise
kl. leute (1675) 218; als die rosen lieblich lachten und die sommerlauben blühten. Tieck
ged. 1, 239;
sprichwörtlich: traun, wenn einen die rose anlächelt, so brech man sie gerne. Ol. Variscus
ethogr. m. 1, F 111,
ähnlich Garg. 77
a: die ros' auch lächelt selig, doch wie lange? Droste - Hülshoff 1, 390; weder treue noch dauer verspricht das lächeln der rose. Rückert
ges. ged. 2, 375; noch schläft die rose sanft und mild, vom zephyrhauch umwebt. Seume 5, 211; rose, liebste mädchenblume! rose, die du dort (
in Persien) geboren! Tieck
ged. 1, 93.
selbst menschliche empfindungen, besonders liebesgefühle, werden ihr beigelegt: da wo die rose verliebt sich um die myrte schränkt. Wieland 5, 237; mit kosen rosen hauchten liebesdüfte. Tieck
ged. 1, 174; liebesseufzer stöhnet die rose. Droste - Hülshoff 1, 198; ihr seht der rose sehnend herz und lächelt, stolze tulpen, wahr ist's, sie leidet viel, doch auch wie viel genieszt die rose! Platen 78
b.
ähnlich erscheint die rose oft als geliebte der nachtigall u. s. w.: (
ein vöglein spricht) bei den rosen ist vergnügen, bei den lilien weisz und schön; doch schon trägt die süsze rose einen stärkern freund als mich
u. s. w. Arndt 128; rose, dankend deinem glücke, dasz die schönste du vor allen, zieh dich nicht so stolz zurücke von den armen nachtigallen! Platen 158
a. 33)
mannigfach sind die symbolischen bedeutungen der rose und ihre verwendungen im menschlichen leben, die mit jenen zusammenhängen. 3@aa)
wie die blume und das abzeichen des frühlings, so ist sie auch das des lebensfrühlings, der jugend: hier verwelkt die rose und die jugend. Arndt 13.
auch in ihrer kurzen dauer ist sie ein bild derselben: wie schnell der jugend frühlings-lust nach art der ros' entfahre. Günther 54; die zeit der rosen und der freude verschwindet wie ein abendroth.
musenalm. 1798, 125; warum blühte die rose? zu fallen, zu welken! .. arme menschheit, dich beklagen wir! in deiner blühendsten frucht gräbt der verwesung wurm! Herder
z. philos. u. gesch. 20, 78. 3@bb)
besonders ist die rose die blume der freude, wie ihr roth die farbe derselben: du freue dich, dasz um die stirn' der erde noch blüht der rose freudenroth. Rückert
ges. poet. werke (1882) 1, 477.
so erinnert die zusammengehörigkeit von rose und dorn daran, wie im leben freud und leid verbunden sind; vgl. das sprichwort keine rose ohne dornen,
nd. gên rose sünder dorens. ten Doornkaat Koolman 3, 54
a; mit rosen umbgehen ist woll lieblich, wenn nur nicht die stachlichten und beschwerlichen dornen darbey wären.
pers. rosenthal 5, 17; die rose ist abgefallen, und der dorn, aus welchem sie gewachsen, ist geblieben. 5, 14; die dornen bleiben, wenn die rosen seyn verflogen. R. Roberthin
in den ged. des Königsberger dichterkr. 9
neudruck; jô bræche ich rôsen wunder, wan der dorn. Walther 102, 35; denn wer sich die rosen, die blühenden bricht, den kitzeln fürwahr nur die dornen. Göthe 1, 138; doch wer die schönste rose bricht, seh' zu, dasz ihn der dorn nicht sticht. Seume 5, 214.
daher auch die wendungen: rosen ohne dorn, dornen ohne rosen
u. dgl., meist bildlich (
s. unten). 3@cc)
ferner ist sie die blume der liebe: erwähle die tulpe, wie Hafis, die rose der liebe verlasz. Platen 80
a; also wurdest du geboren, mädchenblume, liebesblume, rosenblume, süsze rose! Tieck
ged. 1, 99; wer die süsze treuer küsze schon gekostet hat, tritt auf lauter rosen, wo sein fusz sich naht, blühen lauter rosen. Hölty 155.
deshalb sind rosen schmuck oder aufenthalt des liebesgottes: dem knaben sey diesz lied geweiht, der zwischen rosen spielt, uns höret und zur rechten zeit nach schönen herzen zielt. Göthe 1, 60.
rosen als geschenk an die geliebte: doch ich pflücke nun kein kränzchen, keine rose mehr für dich. Göthe 1, 45.
rosen bilden das lager der liebe: bî den rôsen er wol mac, tandaradei, merken wâ mirʒ houbet lac. Walther 40, 7; auf rosen scherzten wir. Wieland 17, 220; als kind schon kannt' ich keine lust als meiner Prokris liebzukosen, lag gerne mit ihr unter rosen, und spielte mit der jungen brust. 10, 218;
daher auch bildlich: auf weichgeschwollnem eiderflaum, wo wollust unter rosen lauert. Arndt 239.
ähnlich unter rosen weiden,
aus der biblischen sprache stammend: mein freund ist mein, und ich bin sein, der unter den rosen weidet.
hohel. 2, 16,
ebenso 6, 2;
Faust. ja, ich beneide schon den leib des herrn, wenn ihre lippen ihn indesz berühren.
Meph. gar wohl, mein freund! ich hab' euch oft beneidet um's zwillingspaar, das unter rosen weidet. Göthe 12, 175. 3@dd)
daraus erklärt sich der mannigfache gebrauch der rose als schmuck froher feste. man bestreut den boden mit rosen zu gelagen oder zum fest der liebe, das lager, das bad, den weg bei prozessionen u. s. w.: und richt uns zu ein köstlich mal, mit rosen bestrey uns den sal, der aller liebst wird heint zu mir kummen. H. Sachs 3, 3, 21
d; zum bacchanal der sinne, wo die blassen betäubten opfer in die rosen sinken. Droste - Hülshoff 1, 68; dô gebôt der fürste mære daʒ ein bat bereite wære ... man warf dâ rôsen oben î
n. Parz. 166, 26; swaʒ ich gezurnt, swaʒ ich gebat, er streut die rôsen umb daʒ bat, sô vil, daʒ al diu dille gar wart wünneclîch nâch rôsen var. Ulrich v. Lichtenstein 228, 30; rosen streust du dem mörder deiner liebe?
Amalie. rosen dem vater meines geliebten .. dem ich sie izt nicht streuen kann. Schiller
räuber, trauersp. 2, 3.
bei einer frohnleichnamsprozession: item so musz der pfleger bestellen rosen zu streuen ein genüng (
genügen, genug).
anz. d. german. mus. 1865, 68.
betten werden nicht nur mit rosen bestreut oder besteckt, sondern geradezu aus rosen gemacht: aus rosen mir bereitet gar weich die lagerstatt. Spee 45, 221; dein (
der phantasie) allmächtiger wink winket den himmel schnell auf die trauernde erd herab; streut ein Tempe mir hin, bauet mir lauben auf, bettet betten von rosen mir. Hölty 117.
der fröhliche zecher oder buhle kränzt sich mit rosen oder schlingt rosen ins haar; auch der becher wird mit rosen umwunden: in unsern iungen tagen chrOen wir uns mit pluomen und mit rosen.
gesta Roman. 2; kann ich nur mein gesalbtes haupt mit rosen stolz umschlieszen. Lessing 1, 48 (
nach Anakreon); itzt trinkt man, scherzt und lacht und salbt sein haar und kränzt mit rosen die scheitel. Wieland 5, 231; Thalia selbst, der grazien munterste, machte sich eine freude daraus, so lang' er knabe noch war, ... rosen zu flechten ins lockige haar. 10, 118; schling' rosen um das haar, schling' rosen um den wein! Arndt 101; ... rosen für die scheitel unsrer helden, oder cypressen für die unsrigen! H. v. Kleist 1, 126. 3@ee)
andererseits wird die rose, das sinnbild der vergänglichkeit, häufig auf gräbern gepflanzt, wie sonst der rosmarin; hier wird die weisze rose bevorzugt: einen rôsen stoc, ein wîn reben hieʒ der künec bringen dar. er sâte einʒ her, daʒ ander dar: die reben ûf daʒ reine wîp, die rôsen ûf Tristanes lîp. Ulr. v. Türheim
Tristan 3550; sterb' ich denn, so bin ich todt, so gräbt man mich in die röslein roth, inne die rosen, inne den klee. Erlach
volksl. 1, 319; laszt die drei rose stehn, die an dem kreuze blühn, hent ihr das mädle kennt, die drunter liegt? 4, 332; so bald Aurora nun beym zügel, die sonn' einführt' und eylte fort, hat man nur einen grabes-hügel gemercket an demselben orth mit frischen rosen uberschüttet.
Königsberger dichterkr. 173
neudr.; sie setzte weinend sich aufs grab, wo rosen niederhangen. Hölty 182
Halm; das lied der nachtigallen tönt nicht in seinen (
des grabes) schoosz. der freundschaft rosen fallen nur auf des hügels moos. Salis
ged. (1794) 35; du warst mit erde kaum bedeckt, da kam ein freund heraus, mit rosen hat er ausgesteckt dein stilles schlummerhaus. Uhland
ged. (1864) 117; auch hör' ich, dasz man einen kranz gelegt von lorbeer in des grabes dunkle moose; doch ich, Kathinka, widme dir bewegt den epheu und die dornenvollste rose. Droste - Hülshoff 1, 148; wie im frühling mein gemüthe, soll mein grab in rosen stehn. Rückert
ges. poet. werke (1882) 1, 478; ewig blüht die rose auf der liebe gruft. 2, 326; sie pflückt' und gab mit freundlichem gekose mir eine einsam trauernde, auf reichen des todes, wo der gräber kreuze bleichen, gewachsne spätlings-herbst- nicht maien-rose. 1, 320. und rosen sollen und weisze lilien, von thau befeuchtet, aufsprossen, wo er liegt. Grillparzer 6, 104;
so auch bildlich: du wanderst mit den vaterlosen, mit thränen neu das grab zu tränken, auf das du deiner wangen rosen (
die blühende farbe deiner wangen, die in folge dieses todes verblichen ist,
vgl. 6,
a), gestreut zum treuen angedenken. Lenau
neuere ged. 204.
oft läszt die sage aus den gräbern liebender oder unschuldig gerichteter rosen, noch öfter freilich lilien von selbst emporsprieszen: schön Gretchen begrub man unten am chor, lieb Wilhelm oben hinten. aus ihrer brust eine ros' entsprang; aus seiner entsprang ein linden. Herder 8, 18.
damit hängt es wol auch zusammen, wenn rosen als böses, todverkündendes omen erscheinen, wie häufig in volksliedern; vgl. röslein. 3@ff)
mannigfach sind die symbolischen bedeutungen, die sich an die verbindung von rose und dorn knüpfen. bald ist sie ein bild der schönheit in unschöner umgebung: wie eine rose unter den dörnen, so ist meine freundin unter den töchtern.
hohel. 2, 2,
bald ein ausdruck der zusammengehörigkeit von freud und leid (
vgl. b),
bald ein bild der tugend in noth u. s. w.: darumb ein fromm gott weisz mann, ist wie ein rose under den dornen, ein körnlin under eim sprewer hauffen. Egenolff
sprichw. 265
a; merck tugent plüt hj in der not, als in dem hag (
dorn) dj rösle rot. Schwartzenberg 129, 1.
im scherz wird eine dame, die zwischen zwei herren sitzt, als eine rose zwischen zwei dornen
bezeichnet; umgekehrt: Fröhlich. ich in die mitte, mit erlaubnisz, so hübsch eine rose zwischen zwey dörnchen.
maler Müller 1, 293.
weil rose und dorn zusammengehören, ist es verkehrt und fruchtlos oder etwas wunderbares, wenn man rosen von reben oder disteln brechen will: sie (
Maria Magdalena, die den lebenden Jesus im grabe sucht) rosen will von reben, von dörnen lesen wein
u. s. w. Spee
trutzn. 41, 77; ihr starrt dem dichter ins gesicht, verwundert, dasz er rosen bricht von disteln
u. s. w. Droste - Hülshoff 1, 370. 3@gg)
häufig begegnet in alten volksliedern die wendung: wenn es rosen schneit (
oder regnet),
zunächst wol als ausdruck für etwas unmögliches überhaupt, dann aber als eine vorbedeutung glücklicher wiedervereinigung für getrennte liebende, indem die rose an liebesglück erinnert; endlich überhaupt als bildlicher ausdruck für letzteres: ich nahm dich neit, wenn's ruose raent (
regnet) onn (
und) wenn dar monde dar sounne begaent. Erlach
volksl. 4, 215; wo's schneiet rothe rosen, da regnet's thränen drein. 4, 125; wanne it rosen sniet, und regent kuelen win, so willen wir, allerliefste, all bi einandern sin. Uhland
volksl.2 98 (65, 3); wenn es rothe rosen schneit, wenn es liebe regnet, öffne, herz, dem glück dich weit, das so hold dich segnet. Geibel 3, 46. 44)
hieran schlieszen sich die bildlichen ausdrucksweisen, wo rose
geradezu für das eintritt, dessen symbol es sonst ist. 4@aa) rose
für blüte überhaupt: itzt, da das reiche feld in voller rose steht, und mit so mancher frucht und güte schwanger geht. P. Fleming 121; frühling ist desz jahres rose. Logau 2, 215, 25. rose
für schönheit, anmuth u. s. w.: bey menschen sprosseten die anmuths-rosen aus. Lohenstein
rosen 117; ehret die frauen! sie flechten und weben himmlische rosen ins irdische leben. Schiller 11, 32.
besonders von den reizen eines weibes, und menschlicher schönheit und jugendblüte überhaupt, hier sich mit der bedeutung 6,
a berührend: mir sind vergangen all mein rosen, schaw zu, wie schlottern mir mein hosen. H. Sachs
fastn. sp. 3, 120, 197
neudruck; und dennoch, lieber (
schlaf), flohst du mich? sahst meine stirn und augen trübe? und meine rosen so verblühn? Göckingk 2, 86; ohn' ihn (
einen gewissen geheimnisvollen instinct) erblickte vielleicht Adonis an Cytheren nur abgeschossnen reitz und rosen im verblühn. Wieland 5, 263; indesz so ein insekt auf deinen rosen kriecht. 9, 18; trauet nicht den rosen eurer jugend, trauet, schwestern, männerschwüren nie! Schiller 1, 230; ihrer (
der seligen) götterjugend rosen blühen wandellos im ewigen ruin. 11, 54. eine rose brechen, pflücken,
ein leben in seiner blüte vernichten: Odoardo. gott, was hab' ich gethan!
Emilia. eine rose gebrochen, ehe der sturm sie entblättert. Lessing 2, 188; pflückt' ich deine rose, nie kann ich ihr den lebenswuchs erneu'n, sie musz, musz welken.
Shakespeare übers. von Schlegel
und Tieck (1823) 8, 269 (
Othello 5, 2); greis! im frühling brech' ich rosen. Uhland
ged. 220. 4@bb) rose,
freude, genusz, sowol objectiv das, worüber man sich freut, glück, vergnügen u. s. w., als auch die freudige stimmung, heiterkeit, frohsinn bezeichnend: nun könte ich gleichwol deine trawrigkeit in einem augenblick in frewd verkehren: ich könte dir dein hertz in lauter rosen setzen. Spee
gold. tugendsp. (1649) 225: kumt iu mit zühten sîn gemeit, sô stêt diu lilge wol der rôsen bî. Walther 43, 32; wenn sich von deiner freunde stunden auch eine nur durch dich mit rosen krönt. Göckingk 2, 182; mit dem geiste, den kein wahn berücket, der nur rosen um sich her erblicket. Gotter 1, 84; mein wahlspruch ist, die kurze frühlingszeit in rosen süsz vorbey zu scherzen. Wieland 5, 275; auf ihre wiege streuten die grazien die blütenknospen süszer, verschämter huld; der unschuld und des frohsinns rosen. Salis
ged. 28; nicht immer heitre mich mit scherzen auf, gehn rosen selbst doch aus den schmerzen auf. Platen 80
a; dem armen herzen, welchem nie der nackte strauch des lebens genusses rosen hat gebracht, bring' östliche tröstliche rosen. Rückert
ges. poet. werke (1882) 1, 553.
auch hier ist die verbindung von rose und dorn sehr beliebt: was finden wir allhier (
in den herrlichkeiten dieser welt)? die rose bey dem dorne! Hoffmannswaldau
begräbnisged. 54; oft hast du dornen an den faden, noch öfter rosen dran gereiht, für dorn' und rosen an dem faden sey Klotho dir disz lied geweiht. Schiller 1, 235; halt ein, unsel'ger! rosen willst du brechen und drückst dafür dir dornen in die brust! Grillparzer 3, 191. rosen ohne dorn, dornen ohne rosen: gern mit dornelosen rosen möcht' ich kosen. Rückert
ges. poet. werke (1882) 2, 500; im gegentheil, es ist ein schmaler, rauher steg (
der der tugend), voll starrer hecken ohne rosen. Wieland 10, 257.
so besonders in gewissen stehenden redensarten. rosen brechen: crönt der ausgang die gedult, bricht die hofnung endlich rosen; so gedenck ich stets der huld meines gottes lieb zu kosen. Günther 17; ein paar, das treu und redlich liebt, musz trotz den wettern rosen brechen. 439; in späten herbstestagen, da es friert und schneit, bricht man keine rosen. Geibel 2, 198. zeit bringt rosen
u. s. w.: zeit bringt rosen, spricht von Nürnberg Hans Sachs. H. Sachs
meisterl. 24, 208
Gödeke; man spricht: die zit wird rosen bringen. Manuel 353; so gott wil dasz einem geling, der mey jhm viel rosen bring.
buch der liebe 242
c; dem schneider bringt's nicht rosen. Erlach
volksl. 1, 475; allein die zeit will dieses mahl ihm keine rosen bringen. Wieland 18, 178; wohl gethan war's eben nicht, mich so zu fahn; es wird euch wenig rosen bringen. 18, 372; voll schon knospet der busch, und die zeit bringt rosen, vertrau'n wir. Voss 1, 82, 118
Hempel; darfst nicht weilen, wenn die stunde rosen dir entgegen bringt. Geibel 1, 113. rosen streuen: der keuschen liebe hand streut auf die arbeit rosen. Haller 28; was den hirten rosen streut: unschuld und zufriedenheit, haben wir ja beide. Göckingk
lied. zweier lieb. (1779) 58; sieh! wenn gleich von meiner wiege bis zu meinem traualtar, grösztentheils mein weg zur gnüge überstreut mit rosen war. 2, 58; er (
Münchhausen), der die musen an die Leine winkte, er der, wie Georg gebot, mit rosen ihren pfad bestreute, manchen kranz um ihre scheiteln wand. Hölty 45
Halm; rosen auf den weg gestreut, und des harms vergessen! 197; ich hab' ihm mit liebkosen gestreut auf die pfade rosen. Rückert
ges. poet. werke (1882) 1, 554. auf rosen gehen, sitzen, liegen
u. dgl.: noch leiden wir nichts, sondern gehen auff rosen. Luther 3, 382
a; ich bin nicht allezeit in der welt auff rosen gangen. Schuppius 262; gedenk das unser heiland frei auch nicht auf rosen gangen sei. Ringwaldt
spec. mundi (1590) d 8
a; denn wer sich nach der christen ziel, auff erden richtig halten wil, am jüngsten tag wol zu bestehn, der kan hie nicht auff rosen gehn.
treuer Eckardt (1608) 7
a; freudig blickt er auf die erde nieder, wo er seinen pilgerstab empfing, und im staubgewande seiner glieder bald auf rosen, bald auf dornen ging.
musenalm. 1798, 249; erhabenster monarch, da deine majestät wie immer, seh' ich wohl, auf ros' und flaumen geht. Göthe 13, 21; wer heut in rosen sitzt, wird morgen oft schabab. J. Grob
versuchg. 39; denn nach dem er den teuffelskram und allen grewel sah zu Rom und fein daselbst in rosen sas und allen jamer da vergas ... Fischart
dichtungen 1, 201
Kurz (
am rande sas in rosen wie ein hund in flöhen); wo der freund nicht bei dir sitzt, sitzt sein angedenken itzt. lasz es nicht auf dornenspitzen, sondern weich auf rosen sitzen. Rückert
ges. poet. werke (1882) 1, 405; der guot tockel meint in rosen und kurzweil zuo liegen. Montanus
gartengesellsch. cap. 63.
ähnliche wendungen: er (
der selig stirbt) läszt die erd und nimmet ein die luft, da Christi schäfelein in lauter rosen weiden. P. Gerhardt 99
Gödeke; des himmels seegens-hand will dich auf rosen wiegen, dein unstern ist verbannt. Günther 905; sie (
die tugend) macht uns vergnügen und freude zur pflicht, und deckt den lebensweg mit rosen. Wieland 10, 257. 4@cc)
ferner steht rose
für liebe, liebesglück, freuden der liebe: süszes leben, unser glück ist die rose, aber schweigen heiszt der zweig, der sie trägt. Ludwig 2, 467; wohl dem der liebt und liebt also, dasz er der lieb wird täglich froh, ... im hertzen sein die rose fein und lilgen blühen. P. Melissus
bei Opitz (1624) 170; aber ganz abscheulich ist's, auf dem wege der liebe schlangen zu fürchten, und gift unter den rosen der lust. Göthe 1, 286; nie welkt die ros' die wir im herzen tragen, sie duftet lebenshauch in deinem herzen. Tieck
ged. 1, 219; die rose meiner liebe. Rückert
ges. poet. werke (1882) 5, 315;
vgl.da geist und kusz sich nicht von mund und rosen scheidet, da auch die brüste selbst gekrönt mit rosen sind, da keine anmuth kan als auf den rosen kosen, so musz die liebe ja nichts anders sein als rosen. Lohenstein
rosen 99.
auch von der geistlichen liebe: da sol sin ain ros brinnender minne, und vester gedultkait. Wackernagel
kl. schriften 1, 213.
auch das liebende herz wird als rose dargestellt: mein hertz brach auff gegen dir als eine rose, die zu blühen beginnet.
pers. rosenthal 5, 16; in den kelch der rose, den der süszeste hauch so eben aufgeschmeichelt, war ein ätzendes gift getropft worden — fühlt ihr, wie die rose in ihren keuschesten tiefen zucken muszte? Immermann
Münchh. 3, 69.
allgemeiner, um freundschaft, treue, zarte empfindung überhaupt zu bezeichnen: dû wære in dîner jugende der triuwen rehte ein rôse.
Dietr. flucht 9983 (
Berl. heldenb. 2, 212); und von gefühl so zart, als hätten statt mit brey mit lauter rosen ihn die grazien aufgefüttert. Wieland 18, 174,
ähnlich minnes. 1, 64
b Hagen. 4@dd) rose
jungfräulichkeit, unschuld: auch etlichemal die kraftloseste ohnmacht ermüdeter weigerungskräfte ihren nachstellern den ganz nahen sieg nebst uberlassung ihrer rosen beynahe verstattet hätte.
avantur. 1, 184; warumb, mein edles hertz und sehl, solt ich ohn allen weittern fehl nicht deiner rosen bald genieszen? Weckherlin 587.
so auch jemandes rose brechen, pflücken
in anderem sinne als unter a: und pflückt der tod auch die rose zart, die ich so fromm bewahre, so wiss', die rose wird aufgespart dem treuen vorm altare. sein harr' ich still, und kommt er nicht, sie keiner bricht. Arndt
ged. 37; o Blanscheflur, du rose weisz, die brach des liebsten hand an seinem todestag. Immermann 15, 50.
in freier verwendung: sie sah, wie's letzte röslein sich von seiner wange stehle, und wie die unschuld ihm verblich, die rose seiner seele. Lenau 108
Barthel. 55) rose
zur bezeichnung anderer gegenstände von ähnlicher gestalt. 5@aa)
viele pflanzen, deren blüte oder farbe an die rose erinnert, werden vom volke als rosen bezeichnet, so zwei arten des eibisches, hibiscus mutabilis, auch chinesische rose
oder stundenblume,
und hibiscus rosa sinensis, ebenfalls chinesische rose
genannt, mit rosenähnlichen blumen. ferner die camellia japonica, eine der theestaude ähnliche pflanze mit hochrothen blüten, chinesische
oder japanische rose
genannt. die hortensia wird ebenfalls japanische rose
genannt. Nemnich (
vgl. auch 2,
e).
besonders berühmt ist die rose von Jericho,
anastatica hierochuntica, eine pflanze, die in der gegend des rothen meeres wächst. Nemnich;
nicht zu verwechseln mit dem geiszblatt oder jelängerjelieber, lonicera caprifolium, das auch Jerichorose
heiszt (
vergl. Campe). rosen von Jericho,
rosa hierichuntina: es werden dreyerley arten der rosen von Jericho von dem authore fürgestellet
u. s. w. Tabernaemontanus 835
a; unde me secht, dat in allen weghen der wostenye, dar Maria hen toch, wassen de rosen von Jericho. Schiller-Lübben 3, 508
b.
auch das wort der bibel (
septuaginta: κρίνον),
das Luther mit rose
übersetzt, bezeichnet nicht eine eigentliche rose, sondern die farbige feuerlilie, lilium chalcedonicum und bulbiferum, oder eine art der kaiserkrone, fritillaria, s. V. Hehn
kulturpfl. u. hausth.5 202; wie eine rose unter den dörnern, so ist mein freundin unter den töchtern.
hohel. 2, 2; mein freund ist hinabgegangen in seinen garten, zu den wurtzgertlin, das er sich weide unter den garten und rosen breche. 6, 1; laszt uns krentze tragen von jungen rosen, ehe sie welck werden.
weish. Sal. 2, 8; wenn er (
der hohepriester Simon) aus dem furhang erfür gieng, so leuchtet er ... wie ein schöne rose im lentzen.
Sir. 50, 8.
sie erscheint in der litteratur auch als rose von Saron, rose Sarona
nach hohel. 2, 1; feuriger blickt sie (
Siona)! ihr haupt umkränzt die rose Sarona, des blumenthals. Klopstock 1, 180. 5@bb)
von anderen naturgegenständen. 5@b@aα)
name einiger schalthiere, so des seesterns, asterias Nemnich,
und einer tellmuschelart, tellina laevigata. Campe. 5@b@bβ)
die auswüchse an den blättern mancher bäume, die vom stiche eines insectes herrühren: dornrosen, eichenrosen, weidenrosen
u. s. w. Adelung. 5@b@gγ)
die blume des blumenkohls Campe;
in oberhessischen strichen nennt man die blume aller sträuche und kräuter rôse. Pfister
erstes ergänzungsheft 22. 5@b@dδ)
bei den jägern der krause kranz um den unteren theil des hirschgeweihes Adelung: rose heist der krauspene rink, der unten um eine hirsch stange ist. Tänzer
jagdgeheimnis (
Kopenh. 1682) 14; die rose ist der unter theil so kraus und breit ist an jeder stange. Döbel
jägerpractica (
Leipzig 1746) 17; weil er also gelebet, wie den hirschen gott der herr verlieh, ... drum sproszten aus den rosen breit ihm an den stangen sechzehn enden. Immermann 13, 54. 5@cc)
goldene oder silberne nachbildungen der rose: Flôre höveschlîche sîner friundîn eine rôse bôt gemachet ûzer golde rôt. Konrad Fleck
Flore 2003; von silber rôsen dort unde hie wâren dar ûf (
auf der pferdedecke) vil wol geslagen. Ulrich v. Lichtenstein 296, 32.
bekannt ist die goldene rose, die der papst am sonntag lätare weiht und an fürstliche personen u. s. w. als besondere auszeichnung verschenkt: ok wert desse dach (
lätare) gheheten de dach der rosen, wente an desseme daghe dricht de pawes dor de stad tho Rome twe rosen van desem (
bisam) unde balseme, unde darna offert he de enen der hemmelschen koninghinne, ... de andere ghift he enem landes heren, de dar jeghenwardich is.
nieders. fastenand. in Germ. 20, 343; des mandages in deme paschen gaf em de pawes de guldene rosen, de he to vorgevende plecht des sondages yn mytvasten.
Lüb. chron. 2, 358
bei Schiller-Lübben 3, 509
a; er (
der papst) beschlosz dem churfürsten ein zeichen der apostolischen gnade, die goldene rose zuzusenden. Ranke
reform. 1, 396. 5@dd)
verzierungen 5@d@aα)
an waffen, besonders schilden: ob diser bar da hieng ein schilt, darin ein rosen war gebilt. H. Sachs
spruchged. 82, 16
Tittmann. daher erscheint die rose auch im wappen: der hauptmann führt im schild ein röslein roth von golde und einen eber wild ... ich kenne wohl die rose, sie führt so scharfen dorn. Uhland
ged. (1864) 359; die alten freiherrlichen wappen, drei rosen im silberfelde bleich. Droste-Hülshoff 1, 284.
auch bildlich: ich bin kein froher, freud'ger buhle, des wappen rose und pokal. Herwegh
ged. eines lebend. 8.
dann tritt die bezeichnung des wappens auch für das geschlecht selbst ein. bekannt ist der krieg der rothen und weiszen rose (
der häuser Lancaster und York)
in England: der heut'ge zank ... wird zwischen rother rose und der weiszen in tod und todsnacht tausend seelen reiszen.
Shakespeare Heinrich VI. 1, 2, 4; sein antlitz führt die rothe ros' und weisze, die unglücksfarben unsrer zwist'gen häuser. 3, 2, 5; und dann ... vereinen wir die weisz' und rothe rose.
Richard III. 5, 4. 5@d@bβ) eine rose aus edelsteinen,
edelsteine, in gestalt einer rose zusammengesetzt Adelung. 5@d@gγ)
ornamente in der baukunst, verzierungen von gips u. s. w. an decken und wänden. Campe: um ein altes gebäude, mit vier zierlichen spitzsäulen an den ecken und einer kränzung von rauten und rosen aus sandstein sprang ein muthwilliges wässerchen. Immermann
Münchh. 1, 208. 5@d@dδ)
an gewändern rosetten, bandrosen,
aus band zusammengelegte krause schleifen: um den leib, auf den man gafft, ist sie überall betafft, voller schnüre, knöpf' und rosen. Daniel Czepko
bei Palm
beitr. (1877) 285; und nahm aus den händen der freundin ihr hochzeitlich gewand, mit moos umbordet und rosen. Voss 1, 138.
auch knöpfe in rosenform: an statt der rosen knüpft ich zu mit stroh und baste meine schuh. Finkelthaus
bei Gödeke 11
bücher d. d. 1, 304
b, 20.
speciell: rôsen auf den schuhen oder schuechrôsen. Schm. 2, 150;
die huet-rôsen
der Miesbacher und Miesbacherinnen. ebenda. auch kleine streublumen in gedrucktem zeuge oder gewirkten stoffen heiszen so. brem. wb. 3, 530. 5@ee)
öffnungen und durchbrechungen in rosenform, fenster u. s. w. 5@e@aα)
in der baukunst fenster, deren scheiben in gestalt einer rose zusammengesetzt sind, wie sich besonders an gothischen kirchen finden. Adelung: so ist bereits das bunte glaswerk der groszen über 40 fusz weiten rose wieder in neues blei gesetzt. Göthe 39, 362. 5@e@bβ)
die öffnungen im schallboden musikalischer instrumente. Jacobsson 3, 448
a. 5@ff)
schnuppe, verkohlter docht an einem lichte: gestern, dem papa im schoosze, sah ich eine schöne rose an dem lichte, freute mich als ein kind recht inniglich. ei! sprach ich, und wies: da! da! freundlich lächelte papa und belehrte mich, sie deute auf gut glück und grosze freude. Musäus
nachgel. schriften 130. 5@gg) rose brechen,
ein gesellschaftsspiel des 17.
jahrh., bei dem eine runde rose aus kartenblättern zusammengelegt, dann die anderen karten darüber geschüttet werden und die theilnehmer der reihe nach eine karte ziehen. A. Schultz
alltagsleben einer deutschen frau (1890) 9. 66) rose
zur bezeichnung der rothen farbe; daher mnl. auch für mennig: roose j. bergh-rood
sandyx Kilian.
so besonders 6@aa)
von der rothen, blühenden farbe menschlicher körpertheile, des gesichts, der wangen, lippen, des mundes u. s. w. wenn im allgemeinen gesagt, berührt es sich vielfach mit 4,
a mit deutlicher beziehung auf die rothe farbe: es musz der haare gold, der jahre silber weichen, die funken werden schnee, die rosen die verbleichen. Hoffmannswaldau
begräbnisged. 3; rosen, lilien sind gestreuet auf den wundersüszen leib. Tieck
ged. 3, 92. rosen des gesichts,
vergl. rosenangesicht und ebenso bei den folgenden wendungen: es schlängelte sich ein schmerz wie eine bleiche schlange durch die rosen des milden angesichts. J. Paul
Titan 2, 237; der mond schien auf sie, und zeigte den liebesglanz ihrer augen und alle offnen rosen ihres angesichts.
leben Fibels 71; die rosen welken vom gesicht. Gotter 1, 355; dein gesichtgen! schäme dich! morgen ist sein glanz erstorben, seine rose blättert sich. Schiller 1, 308. rosen der wangen: swelch schœne wîp mir denne gæbe ir habedanc, der lieʒ ich liljen unde rôsen ûʒ ir wengel schînen. Walther 28, 7; wie viel rosen deine wangen, wie viel gilgen machen prangen deinen busen steiff und rundt. Weckherlin
bei Opitz (1624) 202; wenn eure wangen voll rosen, eure seidne haare, und dunkle castanienlocken, ihn nicht allein euch fesseln. Zachariä 34; da indessen am nachtisch die dame voll nachdenken sitzet, auf die blassen wangen gekünstelte rosen zu mahlen.
morgen 27; dann hätt' ihr witz auch wangen ohne rosen beliebt gemacht. Wieland 9, 12; die rosen deiner wangen. 5, 258; dein wuchs, der lilie wuchs! es strahlet die ros' in deiner wangen gluth. R. Lappe
in musenalm. 1798, 96; die rosen ihrer wangen sind vom tode weggepflückt. Hölty 17; stets seh' ich noch die rosen ihrer wangen, den zauberischen gang. 135; wie rosen blüht's auf den wangen. Körner 2, 111; die blauen veilchen der äugelein, die rothen rosen der wängelein. H. Heine 15, 104; und als die rose, die am stock erblich, sich wieder auf die kranke wange schlich. Droste - Hülshoff 1, 202; ich sah auf deinen wangen einmal die rosen des himmels stehen. Rückert
ges. poet. werke (1882) 1, 400; ros' und lilien in verbindung auf der wang' und auf der flur. 1, 474.
so auch: komm' im glanze, komm' und pflanze mit dem kusz auf meine wangen rosen (
mache, dasz meine wangen roth und blühend werden). 2, 281. rosen
für die wangen selbst: wisset, das die liebenswürdigste prinzessin der welt .. so sehr nach euerm anblick schmachtet, dasz die perlen ihrer gazellenaugen nicht mehr über rosen rollen, sondern über lilien. Ludwig 2, 464; herzog, diese rosen (
die rosenwangen der Eboli) und ihre (
des herzogs) schlachten ... Schiller
don Carlos 2, 13. rosen des mundes, der lippen: süszes lächeln mild umspielet deines mundes heil'ge rosen. H. Heine 15, 273; die schönste rose, die da blüht, das ist der rosenfarbne mund von minniglichen weiben. Immermann
Münchh. 3, 79; wie rosen so mit myrrhen fliessen sind deine lippen, die nichts wissen zu reden als von huld und gunst. Opitz 3, 20; die lippen schwollen von den rosen. Günther 221; lasz' die lipp' und deine wangen meine blum' und rose seyn. Erlach
volksl. 3, 161; die rosen die man sahe hangen, an den lippen und den wangen.
pers. rosenth. 5, 10.
von anderen körpertheilen: der bauch gleicht sich dem weitzenhauffen eben, der rings umher mit rosen ist umgeben. Opitz 3, 22; weil rosen seiner braut auf brunst (
lies brust) und lippen blüh'
n. Lohenstein
rosen 72.
auch das vorübergehende erröthen vor freude, scham, überraschung u. s. w. wird als rose bezeichnet: der scharfblickende Gaspard sah hier plötzlich über des jünglings reine offne gestalt wunderbare bewegungen und heisze rosen fliegen. J. Paul
Tit. 1, 38; und schweigend lehnt' er sich mit der feuerwange voll rosen an Lianens bruder. 2, 118; so erblüejet sich mîn varwe als rôse an dorne tuot.
minnes. frühl. 8, 22; ir wangen wurden rôt, same diu rôse, dâ si bî der liljen stât. do erschampten sich ir liehten ougen. Walther 74, 31; so bald die rosen nur der blöden scham verschwinden. Lohenstein
rosen 92; das auf- und nieder-wallen der halb-erhabnen brust, wo schnee und rosen fallen. Günther 445; so sieht der hirt den marmor schon erwarmen, ... die weisse brust, die alabaster schien, mit rosen sich auf einmahl überziehn. Wieland 10, 183. 6@bb)
häufig wird ein mädchen in dichterischer sprache rose
genannt wegen seiner rosigen und jugendlich blühenden erscheinung, vgl. rose, meer und sonne sind ein bild der liebsten mein. Rückert
ges. poet. werke (1882) 1, 374; wann (
denn) diese rose (
die braut Anna Rosine) wird viel schöne rosen tragen. Opitz 2, 87; mir aber (
gebühret) euch, die jhr gleichlosz, und aller rosen schönsten rosz, dienstlich gehorsamend zu leben. Weckherlin 581; trittst du im garten hervor, so bist du die rose der rosen, lilie der lilien zugleich. Göthe 1, 66; und vom süszen schmerz überwältigt, sank die tadellose, eine blasse thaubethränte rose, angesichts des weltalls mir an's herz. Kosegarten
im musenalm. 1798, 37; diese waren nur das laub, meine fürstin war die rose. Uhland
ged. 253; und wie's ergeht der schönen maid, die so manches jünglingsherz erfreut, und in manches gesendet viel gluth hinein, die blühende rose am blühenden Rhein! H. Heine 15, 279; du bist die rose meiner liebe, die ros' auf meines herzens flur. Rückert
ges. poet. werke (1882) 1, 400; mag der himmel beim geschick, spröde rosen, euch verklagen, dasz ihr weder heiszen blick wollt noch feuchten kusz vertragen. 2, 455; die blüte, die ich pries, die reine dornenlose, sie blüht im paradies nun längst als weisze rose. Geibel 1, 235;
sehr beliebt als anrede, besonders der geliebten, meine rose, süsze rose
u. s. w.: es ist nun eine der capricen meiner leidenschaft, süsze rose, sie in eine sphäre zu führen, wo sie nach ihren hohen verdiensten glänzen können. Klinger
werke 1, 179, süsze rose
theater 3, 211 (
derwisch); 'mîn rôs' ob allen rôsen', sprach er, 'und mînes herzen trût'.
ges. abent. 3, 57, 76; got grüesz euch, edle roes im tau, ob allen frauen mein liebste junkfrau!
fastn. sp. 409, 4; mein fiol, rosz und gilgenblatt. Wickram
irr reit. bilg. 1
b; wan dan, o aller nymfen rosz ... jhr an verdienst und ehr so grosz dasz euch sunst alle nymfen weichen. Weckherlin 344.
von Venus: hör zu, Venus, der lieb ein rosz, wisz, das ich bin ein spieler grosz. H. Sachs
fastn. sp. 1, 16, 103
neudruck. sehr häufig in der mhd. und romantischen geistlichen lyrik von der jungfrau Maria: unser fraw geleicht sich in der geschrift den rôsen ... eyâ, dû licht prinnendeu rôs, erschein allen den, die deinen namen êrent. Megenberg 346, 11. 28; barmherzic muoter ûʒ erkorn, dû frîer rôse sunder dorn, dû sunnenvarwiu klâre. Walther 7, 23; âvê Maria! gnâde, minneklîche maget, ... g(e)nâde, ein hôch gelobte himelrôse.
minnes. 3, 407
a Hagen; ich grüeʒ dich, rose ane dorn. Wackernagel
kirchenl. 2, 482, 2; ich gruʒe dich, du hemelische rose. 2, 484, 10; ave Maria, du tempel Salomons, ... du bist ein form der rainigkeit, ein ros ohn allen doren. 2, 1219, 5; ave Maria, ain ros on alle dorn! Uhland
volksl.2 652 (315, 1); Maria, ein ros von Jericho. 654 (317, 6); du ros in himel tawe, magt, muoter, und frawe. P. Suchenwirt 3, 195; und wie soll ich dich nennen ... regenbogen der gnade über dunkeln wolken? rose der dornen? ... Herder 12, 274.
aber auch Jesus wird so bezeichnet: o edle ros, mit deiner natur fürwar anmeldest Christi figur. ... der wird die schöne ros ohn dorn von unserm fleisch ohn sünd geborn. Wackernagel
kirchenl. 4, 723, 13. 14; das ist Maria die junkfraw zart, ain sun hat si geporen: der edel ros von hocher art hat si uns auszerkoren. Uhland
volksl.2 660 (321, 6).
ferner erscheint rose
auch häufig als weiblicher eigenname, auch in der umgelauteten form Röse,
die sich als diminutiv neben Röschen, Röslein
darstellt, welche letztere aber vielfach auch als koseformen zu Therese
üblich sind. frou Rose
erscheint in einem Aargauer spielspruch: wó hoket d'frou Róse? obedra
u. s. w. Hunziker 209.
dialektisch auch kuhname, einfach und in zusammensetzungen. kärntn. Roasa, Hroase, Reasa. Lexer 210;
nd. dunkelrôse, klêrôse, mairôse, sprenkelrôse. Woeste 218
a. 6@cc) rose,
die morgen- oder abendröthe, die röthlichen strahlen der auf- oder untergehenden sonne: rosen des morgens, des abends: nicht einmal die rosen des abends (sagte Julienne) sind ohne dornen (
nämlich den schmerz der trennung). J. Paul
Tit. 4, 162; wenn darauf die sonne den berg wie einen heitern greis mit ihren letzten rosen überkränzte.
leben Fibels 95; das morgenroth ist weit (
vorgerückt), es streut schon seine rosen. Erlach
volksl. 4, 94; und der holde morgen verschüttete kränze von rosen über diesz edle paar, die glücklichste liebe zu krönen. Zachariä
tageszeiten 17; lasz immer den morgen seine kränze von rosen über die erde verstreuen. 104; wieder glänzt ihr, stolze firnen, jeden abend, jeden morgen frische rosen um die stirnen. Herwegh
ged. eines lebend. 189; leichte abendwölkchen schweben hin im sanften mondenglanz, und aus bleichen rosen weben sie dem todten tag den kranz. Lenau 19
Barthel; bis hell das lager der morgenschein bekränzt mit leuchtenden rosen. Geibel 1, 89.
daher stellt die dichterische phantasie, z. b. in nachwirkung der antike, den persönlich gedachten morgen (
oder die morgenröthe)
dar mit einem kranz von rosen, in rosen gekleidet, mit rosenfingern, rosenarmen, rosenfüszen, läszt rosen aus seinen tritten emporsprieszen u. s. w.: bis gar die schöne morgenröt sich krönt mit frischen rosen. Spee 129, 8; richt auf, du purpur morgenstund, die stirn, besteckt mit rosen. 243, 2; wann früh vor hellen tagen die morgenröt aufgaht und kaum ihr pferd und wagen mit rosen kleidet hat. 18, 20; (
Aurora) die göttin eilt ... ... und sucht mit zartem fuss, aus dessen tritten rosen sprossen, den schönen Cefalus. Wieland 10, 203; seine laute tönte durch die dämmerung, wenn der junge morgen, mit dem goldnen kleide, mit den rosen um die stirn' erwachte. Hölty 55
Halm; welche nymphe besteigt jetzt das rothe gewölk, mit der krone von gold? rosen bekränzen ihr haar! 65; du bist es, schöpfer, der durch einen wink zahllose welten schuf, der rosen um des morgens stirne band
u. s. w. 119.
auch die sonne wird selbst rose des himmels
genannt: ja wie die rose wird die sonne seyn auf erden; so musz der sonne rad des himmels rose seyn. Lohenstein
rosen 17; und prangte die sonne, die rose des himmels, die feuerblühende. H. Heine 15, 255. 6@dd) rose
vom blute wegen seiner dunkelrothen farbe, rosen
von wunden; die rosen des schlachtfeldes.
vielleicht erklärt es sich hieraus auch, wenn das schwert Ortnits rose
heiszt. Germ. 4, 137: ach, diese blut'gen rosen! ach, dieser kranz von wunden um sein haupt! H. v. Kleist 1, 192; zum könig will ich ziehen, in's grüne waffenfeld, wo rothe rosen blühen, da schlaf ich ohne zelt. Schenkendorf (1837) 100; und nur mit einem kranz will ich mich schmücken, dem kranz des leides, dasz aus scharfem dorne er um das haupt mir blutige rosen streue. Rückert
ges. poet. werke (1882) 1, 354; sie (
die lerche) singt von des schlachtfelds rosen, den rosen, damit in todeslust ... die brust der helden sich schmücket. Herwegh
ged. eines lebend 160; sie (
die frühlingswinde) spielen durch's gefild und fächeln linde der todeswunden dunkle purpurrosen. Geibel 1, 59.
sehr häufig von den wunden Jesu: und der die rôten rôsen truoc mit bitterlîchem smerzen durch uns an sînem herzen, an vüeʒen und an henden. Heinr. v. Freiberg
Tristan 6866; die stirn er hat bestecket mit roten blümelein, in händen ausgestrecket er trug zwo rosen fein. Spee 38, 128; Daphnis, deine rote rosen werf ab deinem kreuz herab. 226, 57; sich die dörner han gerochen, haben ihn verwundet ganz, doch die rosen er hat brochen, draus gemacht ein ehrenkranz. 227, 83; sei wol gegrüszet, guter hirt, und ihr, o heilgen hände voll rosen, die man preisen wird bis an des himmels ende; die rosen, die ich mein allhie, sind deine mal und plagen, die dir am endin deine händ am kreuze sind geschlagen. P. Gerhardt 43.
so auch vom blut selbst: rosen,
die einzelnen tropfen, die aus den wunden träufeln: die rosen tiutet ir bluot das diu reine kiusche guot dur den rehten glouben lie.
Martina 219, 9; wenn sie in der eignen heimat frei zu leben uns nicht gönnen, schaff' uns eine grüne insel, wo wir frei noch sterben können, sterben können froh und freudig in der frischen freien luft, und uns selbst die rosen träufeln aus den wunden auf die gruft. Herwegh
ged. eines lebend. 16. rosen der weiber,
menstruation Schm. 2, 150: spitzwegerich saft verstellet die bauchfluss, rote rhur, und den weibern die rosen. Toxites
kreutterb. (
Straszburg 1576) 82; aus dieser art des jaspide machen die Indianer kleine und grosse hertzlein, welche sie gebrauchen für das nasebluten, auch wieder der weiber rosen, so zu viel gehen. Jo. Wittichius
bericht von den wunderbaren bezoardischen steinen (
Leipzig 1589) 28 (
ebenda 53 blumen
im gleichen sinne: die perlen verhalten den frawen ihre blumen, so überflüssig gehen). rose,
was der betrunkene beim erbrechen ausspeit. Schiller-Lübben 3, 509
a. 6@ee) rose,
die bekannte entzündung der haut, rothlauf, erysipelas Frisch 2, 126
c: roose, sint Antonis vier (
feuer)
erysipelas ... vulgo rosa. Kilian; der krottendill ... ist auch gut wider die rose, das rotlauffen, oder die entzündung S. Antonius fewr, und die hitzige geschwulsten und apostemen. Tabernaemontanus 69 B; wegwartenkraut und wurtzel ... heylet das rothlauffen oder die rose. 473 B; für das rothlauf oder schôn, sonst auch die rose genannet, muss man auf alle weise zum schwitzen einnehmen. Freiwald
aufgespr. granatapfel (
Nürnb. 1731) 394; wo die röthe oder rose ist. 395; ganz ungeheuer will ich jetzt mich ärgern; da schlägt die rose denn in meine nase ... und aus dem kreideweiszen antlitz glüht blutroth und blau die nase mit der rose. Immermann 14, 193.
auch ein rothes muttermal heiszt rose: und ihm auf seiner nackenden brust ein rots zeichen ersehen hett nit gemalet, sonder im die natur das geben hett, solch zeichen die frawen hie mit uns ein rosen nennen. Steinhöwel
decam. (1535) 121
b. 6@ff)
endlich heiszt eine weinsorte rose,
wol mit bezug auf den würzigen duft, die '
blume'
des weines: die rose im rathskeller zu Bremen (
nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen zimmer daselbst 8),
der dort lagernde über 250
jahre alte Rüdesheimer, nd. rosewin
brem. wb. 6, 260: du bist wie die ros' im rathskeller zu Bremen, das ist die rose der rosen, je älter sie wird, je lieblicher blüht sie. H. Heine 15, 258. 77)
wie der mund als rose aufgefaszt wird, so auch seine functionen, die worte, die ihm entblühen, das lachen, der kusz, wobei der geöffnete oder gerundete mund das bild der rose noch deutlicher ausprägt. 7@aa)
worte; zur erklärung. wann weiber reime schreiben, ist dupelt jhre zier, dann jhres mundes rose bringt nichts als rosen für. Logau 2, 41, 52; fliegt hin ... zu der, auff welcher zung' ihr eitel rosen find't. Lohenstein
rosen 15.
auch gedichte werden rosen
genannt: rosen auf das grab einer edlen frau. Rückert
ges. poet. werke 2, 79 (
überschrift eines liedercyclus); eine ros' im garten nenn' ich dieses lied, aber geb' ich dir die rose, zittert sie. Platen 73
a.
auch die dichtkunst selbst, wol nur, um sie im allgemeinen als die blüte, das schönste und höchste menschlichen schaffens zu charakterisieren: nur im kreis tieffühlender gestalten auf der bühne reift der dichtkunst rose. Körner 2, 127.
in der legende ist das bild der rose für worte, gebete u. s. w. manchmal wörtlich genommen, vergl. das folgende: da er (
ein Cartheuser) aber selbigen tags keinen rosenkrantz gebettet hette .. fiel er von stund an nider auff seine knie und betet; da sahen die straszenräuber eine sehr schöne jungfraw bei ihm stehen, die .. immer ein röszlein nach dem andern ausz des münches munde nam, und die zehende rose war allezeit roth. Kirchhof
wendunm. 5, 32 (3, 307
Österley). 7@bb) rosen lachen
oder lächeln.
wenn die rose hier ursprünglich nur ein bild des rothen, fröhlich lachenden mundes ist, so ist im märchen dieses bild wörtlich genommen, indem es dem rosenlachenden wirklich rosen aus dem munde fallen läszt, wie sonst auch wol dem sprechenden. vgl. Uhland
schriften 5, 130. J. Grimm
mythol.4 921
und nachtr. 318: daʒ sach der rôsenlachender man, der lachet, daʒ vol rôsen was perc und tal, loup unde gras. Heinr. v. Neustadt
Apollon. 192; sâ zehant ir rôter munt einen tûsent stunt sô schœnen (
scil. rôsen) lachet.
minnes. 1, 21
a Hagen; sie lächelt rosen nieder, sie lächelt über mich ... sie hat es (
das kämmerchen) wohl voll rosen gelächelt ganz und gar. Rückert
ges. poet. werke (1882) 1, 449.
ähnlich: auch schäferinnen gab Cythere ein lächeln, das auf rosen ruht.
musenalm. 1798, 49. 7@cc) rosen
küssen: küssen ist der minnen rôse, dâ sie reizet wunne mit. Ulrich v. Lichtenstein 581, 17; rosen pflücke von des schenken rosigem gesichte heut, denn schon um des gartens wange blüht das veilchen rings als bart. Platen (1847) 2, 358. 88)
andrerseits ist die rose symbol des schweigens und geheimnisses. als solche war sie an der decke der conventsäle in klöstern und an beichtstühlen angebracht (
vgl. Andresen
volksetym. 275).
eine abtheilung des Bremer rathskellers, an deren decke eine rose gemalt, hiesz darum selbst rose.
brem. wb. 6, 260: da scholen uns bestellen de schaffere de rosen, dar wi von oldinges her pleggen to sitten. Schiller-Lübben 6, 247
b.
daher erklärt sich die redensart unter der rosen reden,
im vertrauen, unter dem siegel der verschwiegenheit, auch lat. sub rosa,
welche in der sprache des 15.—17.
jahrh. sehr häufig ist. unter der rose,
sub rosa, sub fide silentii dictum sit. Frisch 2, 126
b.
ebenso mnd. under der rosen. Schiller-Lübben 3, 509
a,
nl. onder de roose. Kilian,
vgl. auch J. Grimm
rechtsalterth. 941.
ob die redensart von den obigen gebräuchen oder von den geheimen gesellschaften des mittelalters oder von dem vertrauten gespräch fröhlicher, mit rosen bekränzter zecher (
vgl. das seltene unter den rosen)
ausgeht, läszt sich nicht entscheiden: sal allesz virbliben under der rossen.
handschrift des 16.
jahrh. bei Dief.-Wülcker 822; so hat jener bischof nicht so ungereimt gesagt, da er fragt, wüszt ihr, was ich mit den episteln Pauli thäte, wann ich sie allein hette? hie under den rosen geredt ich würf sie ins fewer. Fischart
bienenk. 6
b; ich bekenne auch Lucidor, und sage es unter dieser rosen
u. s. w. Schuppius 312; denn, vertrauliche reden geschehen unter der rose, ingeheim, di schreiben aber kommen in vilerley hände. Butschky
kanzl. 348; das si (
das hausgesinde) sich zu hause in ihren grenzen zwar scheinbar hilten; auszer disem aber, auf fremden waschpläzzen, di, unter der rose vorgehende hausreden, ungleich ausspeiten. 387; unter den rosen wil ich zwar gern discurriren; aber nicht mit einer solchen wohllüsterin, auf lauter rosen treten: und was ich unter den rosen rede, das sol eines solchen inhalts seyn, das man es auch auserhalb der rose, ohne ärgernüs, nachteil, und verdrus, hören könne.
Pathm. 870; wat wy hie kosen oder bedryven, dat sol under deser rosen blyven.
nd. sprichw. in Hoffmann
findl. 1, 82; und wills jn bichtswisz han geton, das nit verwissung kum darvon und das ers under der rosen hett und jn din eigen hertz geredt. Brant
narrensch. 7, 13; sie wöllens under der rosen sagen und in bichtswis hon geredt. Murner
narrenbeschw. 36, 36 doch si das under der rosen gseit, dann solt mans wiszen, es wer mir leid. 95, 41; ich hab offt under roten rosen geklafft, gekallen und gekosen.
schelmenz. 63
neudruck (
überschrift: under der rosen reden); doch als (
alles) was wir heint theten kosen sol als ghredt sein undter der rosen auff das kein wörtlein weitter kumb. H. Sachs 1, 453
a; batten das sie den schimpfling zanck solten auffnemen in eim schwanck allhie geredt unter der rosen, kein mensch weyter darvon solt kosen. 2, 4, 72
c; doch hie geredt unter der rosen. 3, 2, 204
a; was sie bereden uber tisch unter der edlen rosen frisch. B. Ringwald
laut. wahrh. 135.
in neuerer sprache seltener: niemand beichtet gern in prosa; doch vertraun wir oft sub rosa in der musen stillem hain. Göthe 1, 12.
in anderer verwendung: über allen ihren (
Lianens) kenntnissen und innern früchten und blüten war die rose des schweigens gemalt (
sie sprach nie davon). J. Paul
Tit. 2, 40. 99)
technische bedeutungen (
vgl. 5). 9@aa)
bei den färbern kleine, runde zeichen am ende des gefärbten tuches, dem sie die farbe des grundes lassen; auch röschen, farbenröschen Jacobsson 3, 448
a. 9@bb)
bei den hutmachern die runde lage leim, welche sie in der mitte des hutdeckels auftragen. ebenda. 9@cc)
bei den sporern der eingefeilte zierrat am knie der stange. ebenda. 9@dd)
in den stahlhütten ein fleck im bruche des stahles in unreinen regenbogenfarben. ebenda. 9@ee)
s. schiffsrose und windrose.