munter,
adj. und adv. regsam, wach, heiter u. ähnl. 11)
ahd. muntar,
mhd. munter, munder;
bei Kilian mondter,
vigilans, vigil, vacuus somno, alacer, agilis, vegetus als oberdeutsch, niedersächsisch und niederrheinisch; ostfries. munter ten Doornkaat-Koolman 2, 630
b;
niederd. munder Woeste 180
a,
vergl. dazu unter muntern;
in andern dialekten nicht vorhanden. das goth. zeigt in dem fem. mundrei,
aufgestecktes ziel: bi mundrein afargagga afar sigislauna
κατὰ σκοπὸν διώκω ἐπὶ τὸ βραβεῖον Phil. 3, 14,
und in dem verbum mundôn: mundôþ izvis
σκοπεῖτε Phil. 3, 17
die nächsten verwandten des adjectivs auf, und läszt zugleich seine eigentliche bedeutung, als zu einem ziele sehend, strebend auf etwas hin, erkennen, woraus sich der begriff rege, regsam, aufgeweckt entfaltete, der aber erst in fernerem gebrauche des wortes auch als gegensatz zu schlafend
seine verwendung erhielt. als urverwandt erscheint littauisch mundrùs,
altslav. mdrŭ
lebhaft. 22) munter,
regsam, frisch etwas zu thun: ahd. muntar,
expeditus, munderen sin
vigilem mentem Graff 2, 817 (
mit muntarî, muntrî,
industria, muntran,
suscitare, excitare);
mhd. nicht gerade als gewöhnliches wort: sumer und winter was er vil munter, fruoge ze sîner howen: er wolte sich sîner arbeite frouwen.
genesis in den fundgr. 2, 24, 29;
auch nhd. am meisten in gewählter und dichterischer rede: munter,
alacer, vigil, excitatus, industrius, sedulus Stieler 1241; munter,
impiger, alacer, gnavus, vegetus, promtus, vigil Steinbach 2, 84. 2@aa)
attributiv, im gegensatz zu träge, verdrossen, schlaff, von lebenden wesen: ein muntrer pursch,
juvenis impiger, ein muntrer mensch,
homo gnavus, muntere leute,
homines prompti Steinbach
a. a. o.; von thieren: muntere pferde,
equi alacres, muntere thiere,
animalia vigilantia, muntere bienen,
experrectae apes. ebenda; ziegen sind ein wacker, munder und lustig thier, können wol klettern und steigen. Colerus
hausb. (1640) 326; es trabt der muntre gaul getrost auf ebner bahn. Drollinger 84; den himmel füllt ein muntrer sängerchor. Schiller
hist.-krit. ausg. 11, 49; die muntern thiere regen sich in sprüngen. Tieck
Octavian. s. 7;
von menschlichen kräften und eigenschaften: munterer fleisz,
acerrima sedulitas, studium incredibile Stieler 1241; durchforsche mich, du wirst bei mir ein munter ohr und auge finden. A. Gryphius (1698) 2, 9; ein muntrer sinn bewegt die leichten säfte, doch keine seele wärmt das eingeweide. Schiller
Wallensteins tod 3, 7; rosenfrische jugend, warme jungen mit dem muntern blut.
hist.-krit. ausg. 1, 186;
auch wo der inhaber solcher gemeint ist: muntre köpfe von dieser art wollen sich alles selbst zu verdanken haben. J. E. Schlegel 5, 122; die muntere jugend,
juventus experrecta Steinbach 2, 84; manch mädchen prangt mit scheuer tugend, das ingeheim zu Amorn fleht, wann itzt im frühling muntrer jugend ihr busen in der fülle steht. Uz 1, 110; glückliche jugend, fern von sünden, muntres alter erwartet dich. Klinger
Otto 29, 32;
endlich von gegenständen, regsam, flink: erhebe denn (
mein geist) die muntern flügel zu jenem geist, der alles trägt. Drollinger 12; auf, rühret eüch ihr muntern saiten, und flammet meine geister an, damit ich eüern trefflichkeiten ein würdigs opfer bringen kan! 78. 2@bb)
prädicativ, in den verbindungen munter sein, werden, einen munter machen, finden,
vielfach mit synonymen, wie frisch, rösch
u. a.: munter sein,
studiosum et diligentem esse, magno studio operam navare Stieler 1241; wil schon den winter weidlich spinnen, solst mich stets rösch und munter finnen. H. Sachs
fastn. sp. 2, 142, 28; so ist mein arbeit mir gesund, macht mich lustig, munter und rund, all ungnad arbeit ich von mir. 36, 288; er tummelt meisterhaft den raschen schimmel, er glänzt in bunter tracht und blankem stahl; recht ritterlich erscheint er, fest und munter. Uhland
ged. 438;
es heiszt munter in etwas, bei etwas, zu etwas: (
Mignon) war eifrig ihm zu dienen, und munter, ihn zu unterhalten. Göthe 19, 62; im auslegen seid frisch und munter! 3, 270;
vergl. mhd. möht er si (
die ehre) koufen âne guot, er wolt ir haben wunder, und wære dar ûf gerne munder, daʒ sim würde gar. Konrad v. Würzburg 379, 49
Bartsch; daʒ si ze strîte munder und z'eime kampfe würden.
troj. krieg 25262. 2@cc)
adverbial: man musz die sache munter vornehmen,
maturo opus est, omnibus impedimentis rejectis aggrediendum. Stieler 1241; wie viel seind die biszweilen fallen, damit sie desto munterer wider aufstehen, und zorn und herz fassen von dem fall selbsten? Schuppius 694; munter entbrennt, des eigenthums froh, das freie gewerbe. Schiller
spaziergang v. 101; wenn gute reden sie begleiten, dann flieszt die arbeit munter fort.
glocke v. 12; er hüpfet leicht und munter von baum und busch herunter. Göthe 1, 43; flieszt wieder, bäche, munter den grünen plan hinunter. Tieck
Octavian. s. 6; ein werk munter angreifen. Adelung;
als aufforderung: fein munter!
ebenda. 33) munter,
von dem regsamen, der sich nicht der ruhe oder dem schlafe überläszt (
gegensatz schläfrig): ein munterer wächter,
excubiae vigiles Stieler 1241; und must allenthalben in der stat zu allen wachen und zu allen toren hin und here reiten und aufmerkung haben, ob die scharwachter, turner und hüeter bei den toren und swipogen munter weren.
d. städtechron. 2, 325, 2; die thore sind verwahrt, der muntern hüter schaar besetzte steig und gang wie anbefohlen war. A. Gryphius (1698) 1, 51; der muntre hahn hat schon das landvolk aufgekräht. 549;
häufiger aber und schon früh geradezu im gegensatz zu einem schlafenden, als ein recht gebräuchlicher ausdruck auch des gemeinen lebens, in den verbindungen munter sein, werden, machen
u. ähnl.: sô bin ich worden munder und ûʒ dem slâfe erwachet.
troj. krieg 14127; erwuscht den lantzknecht oder gartbruder (
der eingeschlafen war) bei der kartausen, macht jn munder. Wickram
rollw. 146, 2
Kurz; der knan und die meuder erwachten zum ersten und indem jener kröchzet, diese aber mit ihm bappelt, wurden wir übrige allzusammen munder.
Simpl. 3, 197
Kurz; da er munter ward,
cum evigilabat. Steinbach 2, 84; munter machen,
excitare. ebenda; rieb mir die augen munter. Thümmel 5, 290; hörst du, wie schon ganz Genua munter wird? Schiller
hist.-krit. ausg. 3, 330 (
Fiesko 5, 2
bühnenbearb.); der reiz, der mich in tiefen nächten munter erhielt, ist hin, der mich morgens aus dem schlafe weckte, ist weg. Göthe 16, 99; als der thau, der einige stunden vor sonnen-aufgang fällt, mich wieder erfrischte und munter machte; doch war ich immer wie schlaftrunken. 34, 334; es sol wol sein erwacht mein man. hat jn der teufl so munter gmacht? H. Sachs
fastn. sp. 4, 105, 97; der trach der hat mich diese nacht unruwig und munter gemacht; wil mich gen wider legen schlafen.
hürn. Seufr. 18, 508; der priester in schlaf wider fellt, wies ausz war, er doch wider wacht, und sich ein wenig munder macht. L. Sandrub
kurzweil 37; mein häupt und glieder, die lagen darnieder (
im schlafe); aber nun steh ich, bin munter und frölich. P. Gerhard 293, 9; auf herr! ach! kan man nun den mann nicht munter machen? auf! auf! A. Gryphius (1698) 1, 53; allmächtig regt sichs in mir, wie lebensglut im lenz durch alle röhren dringt und alle pulse der todten schöpfung munter macht. Schiller
hist.-krit. ausg. 5, 76 (
Dom Karl 2, 3);
Macd. ist der könig munter?
Macb. noch nicht.
Macd. er trug mir auf, ihn früh zu wecken.
Macbeth 2, 6; was hilft es, und neiget das haupt auch sich nieder, und sinken ohnmächtig ermüdete glieder; das herz es ist munter, es regt sich, es wacht. Göthe 40, 376; als sie nunmehr zu der hüter versammelter schaar sich gesellet, fanden sie auch nicht schlafen der nachhut edele führer; sondern munter und wach mit den rüstungen saszen sie alle.
Ilias 10, 182;
ausnahmsweise auch in attributiver stellung: indem erweckte zorn und argwohn sein gemüthe: sein munterer (
munter gewordener) verstand spührt eine falsche güte, die Abbas ihm erzeigt. A. Gryphius (1698) 1, 113. 44) munter,
im gegensatze zu niedergedrückt, betrübt: sei munter, unverzagt! entsetze dich nur nicht, wenn auch die ganze welt dich scharf verfolgen solte. Günther 625; so mache geist und sinn in deinem herzen munter: den kummer hebt kein gram, wol aber die vernunft.
ebenda; einmal ist sie munter, meist betrübt, einmal recht ausgeweint, dann wieder ruhig. Göthe 12, 174;
daher von einer heiter belebten gemütsstimmung: er hatte an ihr eine treue wärterin, eine muntere gesellschafterin verloren. Göthe 19, 62; endlich zahlte man mir erst das geld, dann schrieb ich, und munter und zufrieden ging ich von dannen. 34, 67; ich nahm das geld, ging munter und vergnügt nach Paris. 35, 119; er sah aber munter und satirisch herum. J. Paul
uns. loge 1, 116; da heist die frei- und muntre Doris ein unverschämt- und frecher sinn. Günther 429; wenn die jugend munter singt. Lessing 1, 78; dichtern, die im scherze stark, mit geschichten voller mark muntern mägdchen munter lehren, was die mütter ihnen wehren.
ebenda; liebenswürdgen stillen mägdchen, liebenswürdgen muntern mägdchen. 79; Johann, der muntre seifensieder, erlernte viele schöne lieder, und sang, mit unbesorgtem sinn, vom morgen bis zum abend hin. Hagedorn 2, 66; und blumen sing ich ungestört von ihrem schawl herunter, sie weisz recht wohl was ihr gehört und bleibt mir hold und munter. Göthe 5, 10; der nixen muntre schaaren sie schwimmen stracks herbei. Uhland
ged. 400. 55) munter,
im gegensatz zu schwach oder krank: er ist munter und frisch,
sanus et vegetus est. Steinbach 2, 84; er sieht munter aus,
luculentam profert faciem. ebenda; der alte ist noch sehr munter. Adelung;
von körperlichem aussehen in folge dieses zustandes: muntere augen, muntere bewegungen, eine muntere gesichtsfarbe. Campe. 66) munter,
von dingen, die in solchen gemütsstimmungen hervorgebracht werden: sie (
die zunge) weisz gleich gut zu künnen Tyrtaeus muntre kunst, als wol ein grichisch mann, der durch ein hitzig lied auf seinen feind entbran. Logau 2, 14; der marquis erschien bei der tafel, man .. speiszte kostbarer, die unterhaltung war die munterste. Schiller
hist.-krit. ausg. 3, 547; die muntersten wie die ernstesten werke haben den gleichen zweck, durch eine glückliche geistreiche darstellung so lust als schmerz zu mäszigen. Göthe 26, 216; einige ganz muntere pasquille. J. Paul
a. d. teuf. pap. 1, xv; und der muntere tanz begann um die neue standarte. Göthe 40, 290; er hatte die munteren worte mit behaglicher art, im guten sinne gesprochen. 325. 77) munter,
von farben, lebhaft: über dem düstersten fichtenwald, über dem muntersten buchenwald erscheint am heitern tage der himmel gleich blau. Göthe 60, 46; da stehn sie nun in grünen uniformen aufs munterste mit epheu decorirt. 11, 329; grünet doch, die schläfe zu bekrönen, uns der rebe muntres laub. Schiller
an die freunde; und mit des lorbeers muntern zweigen bekränze dir dein göttlich haar!
ring des Polykrates; muntre dörfer begränzen den strom.
spaziergang v. 49; schwellender früchte voll und lieblich geordneter blumen fasset der muntre feston reizende bildungen ein.
Pompeji u. Herculanum v. 28. 88)
im Schwäbischen heiszt munter
hübsch, schön, auch von leblosen dingen: ein munterer acker Schmid 394; e monters medlê, e monters haus Schm. 1, 1631
Fromm.; im Allgäu verstärkt es: munter dumm,
sehr dumm, munter erber
u. s. w. Birlinger 340.