naiv Goethe verwendet den in zeitgenöss ästhet Schriften (Mendelssohn, Wieland, Kant) im Zshg mit dem ‘Erhabenen’ diskutierten Begriff des Naiven meist neutral u nimmt ihn in Zshg mit Schillers Gegenbegriff des ‘Sentimentalischen’ nur zurückhaltend auf. 1
natürlich, unverbildet, auch: unbedarft; öfter mit Gradadverb ‘ganz/sehr/(all)zu n.’ a
(scheinbar) unschuldig, gutgläubig, einfältig; von Kindern, jungen Mädchen, einfachem Volk [
betr Einladung der preußischen Regierung an Boisserée1)] daß ich nicht recht einsehe wie man Sie, gleichsam interimistisch, mit aller Ihrer Habe nach Berlin einladen kann, Als wenn ein Mädchen, das uns provisorisch eine Liebschaft anträgt, uns zugleich ganz
n. zum Altar führt GWBB26,267,15 Boisserée 21.2.16 eine Liebesgeschichte mit irgend einem n-en Mädchen GWB22,111,18 Lj IV 17 so glückt es ihm [
Tischbein] auch, manchen menschlichen n-en Zug zu erhaschen, es sei nun an Kindern, Landleuten, Bettlern und andern dergleichen Naturmenschen GWB30,216,9 ItR der Bänkelsängersblick, der in der Welt nichts als Abenteuer, Strafgericht, Liebe, Mord und Todschlag sieht, just wie alles in den Quadraten seiner gemahlten Leinwand steht. Weder n-e Freude, noch n-e Wehklage der Menschen, aus Ritter- und Feenzeiten..die mit ihrem Körper lieben, mit ihren Augen denken, und mit ihren Fäusten zuschlagen GWB37,230,10 FGA ZweiMärlein [G?] B23,330,8 Christiane 25.4.13
uö bühnensprachl: ‘n-e Rollen’ uä mBez auf entspr Rollenfächer der Komödie; ‘n-e Liebhaberin’: Rolle der schüchternen od munter-schalkhaften jungen Verliebten2) (iUz ranghöheren ‘ersten Liebhaberin’) Madam Demmer: Liebhaberinnen, Soubretten, n-e Rollen, alte Weiber, verkleidete Mannsrollen GWB36,244,26 BiogrEinzh die beiden jungen Frauenzimmer theilten sich in die n-en und zärtlichen Liebhaberinnen GWB21,249,2 Lj III 2 34
1,232,9 ReiseSchweiz 1797 [G/Eckerm]
uö b
pejor: kindisch, albern, töricht Tischbein..ist faul, unzuverlässig..Über Deutsche hat er..durch seine harmlos scheinende n-e Hasenfüßereien eine Weile ein Ascendant GWBB9,93,9 Herder 2.3.89 als Herr von Revanne die Freundschaft..die sie [
Pilgerin] ihm bezeigte, etwas zu lebhaft erwiderte, nahm sie..ein n-es Wesen an, das ihm auffiel GWB24,88,26 Wj I 5 Der erste junge Bursche..kehrte sehr
n. dem Publikum den Rücken und betrachtete mit größter Aufmerksamkeit, was im Grunde vorging GWBA(JbSKipp10,74) Regie Weim 16.4.16 c
(noch) unreflektiert; überwiegend in krit Wertung iSv anfängerhaft, laienhaft, dilettantisch, vorwissenschaftlich Ich stehe hoch genug um mein vergangenes Wesen und Treiben [
Studien zur Farbenlehre], historisch, als das Schicksal eines Dritten anzusehen. Die n-e Unfähigkeit, Ungeschicklichkeit, die passionirte Heftigkeit..das alles macht in den Papieren und Acten eine recht interessante Ansicht GWBB16,232,6 Schiller 22.5.03 Männern vom Fach wird es vielleicht gar zu
n. vorkommen, wenn ich erzähle, wie ich tagtäglich, in einem jeden Garten..mich der neben mir bemerkten Pflanzen bemächtigte GWBN6,122,17 BotanStudien [1831] [
du Bartas] behandelte wichtige..Gegenstände, wie z.E. die sieben Schöpfungstage, wobei er Gelegenheit fand, eine n-e Anschauung der Welt und mannichfaltige Kenntnisse..zu Markte zu bringen GWB45,173,13 RamNeffeAnm daß einer Zerstreuung des Lichtes schon bei den Griechen erwähnt wird. Dort ist es aber nur ein empirischer n-er Ausdruck, der eine oft vorkommende Erscheinung..so gut er kann bezeichnen soll GWBN3,312,18 FlH V N3,111,28 FlH II
uö d
treuherzig α
redlich, bieder; bes als (typisch deutsche) Eigenschaft mBez auf (National-)Charakter, Sinnesart, Stil; auch als regionales Charakteristikum; vereinzelt im Übergang zu β In diesem Werke [
den ‘Lectiones Opticae’] verfährt er [
Newton] wenigstens scheinbar analytisch und trägt seine Versuche zu Gunsten der bey ihm einmal fixirten Idee mit ziemlich n-er Überzeugung vor GWBN4,441,22 FlH Plp Die Sentimentalität der Engländer ist humoristisch und zart, der Franzosen populär und weinerlich, der Deutschen
n. und realistisch GWB42
2,160,10 MuR(363) Das Drama macht bei den Franzosen einen viel stärkeren Gegensatz mit dem Leben..Bei den Deutschen weniger, indem sie selbst schon im Leben wenigstens
n., gemütlich und poetisch sind GWBGespr(He2,330) Riemer 28.8.08 B34,161,17 CarlAug 14.3.21 B42,21,2 Boisserée 19.1.27 B15,196,19 Schiller 11.3.01 22,268,27 Lj VI
uö β
arglos, offenherzig, unvoreingenommen; überwiegend in krit Bewertung eben diese Correspondenz [
Briefw mit Schiller] würdigen Sie vollkommen richtig; man könnte sagen, ich sey sehr
n. dergleichen drucken zu lassen GWBB45,116,22 CLFSchultz 10.1.29 [
betr Auslage eines Zusatzbands der Wiener Ausg von Goethes Werken3) in einer Karlsbader Buchhandlung] Man..fragte mich was denn wohl von dem vorliegenden Abdruck zu halten sey? Ich antwortete, vielleicht zu
n.: daß ich gar nichts davon wisse! Und bey näherer Betrachtung mußte es doch bedenklich scheinen, eine Original Ausgabe wovon der Verfasser keine Kenntniß hat und der Verleger sich nicht nennt, vor Augen zu sehen GWBB37,226,3 Cotta 21.9.23 die..n-e Gutmüthigkeit meines Wesens war ihm [
Merck] schmerzlich; das ewige Geltenlassen, das Leben und Lebenlassen war ihm ein Gräuel GWB29,93,8 DuW 18 Nicht immer wußt ich, bey meinem n-en Wohlwollen, den hohen Werth förmlicher Anerkennung wechselseitigen schönen Verhältnisses genugsam zu ehren GWBB38,83,16 Nees 22.3.24 K
distanzlos-zutraulich, hinsichtlich der Nichtbeachtung sozialer Rangunterschiede; einmal (in Berührung mit 3b) ‘n-e Interjektionen’ für unverblümte (dialektgefärbte) Sprechweise eines jungen Mädchens4) Die n-e Art wie er [
Winckelmann] den Grafen Bünau den größten Aristocraten von seinen Unarten gegen die Cardinäle unterhält GWB46,395 Winckelm Plp B47,20,7 ECotta 14.4.30 K B45,274,25 Zelter 17.5.29
uö iSv ungeniert, neckisch [
betr ‘Volksbuch’] Der Sinnlichkeit würde die unmittelbar ergreifende Liebe, mit ihrem Wohl und Weh, n-e Scherze, besondre Zustände, Neckereyen und derbe Späße darzubieten seyn GWB42
2,415,21 LyrVolksb 14,219 Faust I 4308 2
als ästhet, poetologische Kategorie a
allg Das rein Natürliche, insofern es sittlich gefällig ist, nennen wir
n. N-e Gegenstände sind also das Gebiet der Kunst, die ein sittlicher Ausdruck des Natürlichen sein soll GWB48,184,11 MuR(59) Das N-e als natürlich ist mit dem Wirklichen verschwistert. Das Wirkliche ohne sittlichen Bezug nennen wir gemein GWB48,184,15 MuR(60)
als Eigenschaft des Künstlers u als Qualität künstlerischer Darstellung (in Konzeption od Ausführung) iSv naturgetreu, lebensnah, ungekünstelt, schlicht; mehrf ‘n-e Behandlung’ Vasari..rühmt gerade diese Stelle [
in Mantegnas ‘Julius Caesars Triumphzug’] als höchst
n.: das Kind hat sich einen Dorn in den Fuß getreten und zeigt dieses Unglück der Mutter vor GWBB35,280,10 Noehden 9.3.22 chinesische Tuschkästchen, wo auf den Stücken des einen die ganze Zucht der Seidenwürmer, auf dem andern der Reisbau vorgestellt ist, beides höchst
n. genommen GWB31,6,27 ItR Raphael..ist durchaus
n., das Wirkliche kommt bei ihm nicht zum Streit mit dem Sittlichen oder gar Heiligen GWB48,185,10 MuR(63) so verwandelt der Verfasser [
JPHebel] diese Naturgegenstände zu Landleuten und verbauert auf die n-ste anmuthigste Weise durchaus das Universum GWB40,298,7 Üb:Hebel,Ged der Stoff [
eines Volksbuchs]..müßte..seine Form schon mit sich bringen, und eine höchst n-e Behandlung müßte ihm genügen GWB42
2,418,19 Volksb histInh Schema 41
1,248,13 Üb:Byron,DonJuan Trunz/Loos 182 Sammlg antiker geschnSteine 1807 [Meyer/G] B16,217,25 RLanger 12.4.03 B23,347,5 Christiane 21.5.13 49
1,136,9 Philostrat,Nachtr
uö ‘n-e Motive’ uä: für (unmittelbar verständliche) lebensnahe Bildmotive Die n-en Motive werden allemal vor den bloßen Verstands- oder wissenschaftlichen Motiven den Vorzug erhalten, weil sie mehr interessiren und auf das Gemüth wirken GWB48,9,22 Preisaufg 1799 [Meyer/G] Die besten [
Motive] sind die n-en, weil sie sich selbst erklären, weil sie den reinsten Reiz und Gefallen geben; sie sind das Glück des Symbolischen und trennen es vom Allegorischen GWB34
2,125,13 ReiseSchweiz 1797 Fasz 3 Wir Neueren..fühlen wohl die große Schönheit eines solchen rein natürlichen, rein n-en Motivs, wir haben auch wohl die Kenntnis und den Begriff wie es zu machen wäre, allein wir machen es nicht, der Verstand herrschet vor und es fehlet immer diese entzückende Anmut GWBGespr(FfA II 12,88,32) Eckermann 24.2.24 48,227,31u36 u 228,1u2 Preisaufg betr 47,246,10 ÜbFlaxmanWerke
uö b
ursprünglich, authentisch α
primitiv, elementar; als Charakteristikum alter (bes mittelalterlicher) Kunst (u ihres weltanschaulichen Hintergrunds) Er [
Obelisk auf der Piazza Montecitorio in Rom] ist..überall mit zierlichen n-en Figuren [
Hieroglyphen]..übersäet GWB32,91,4 ItR Gegenwärtig herrscht..bei vielen wackern Künstlern und geistreichen Kunstfreunden eine leidenschaftliche Neigung zu dem ehrenwerthen, n-en, doch etwas rohen Geschmack in welchem die Meister des vierzehnten und funfzehnten Jahrhunderts verweilten GWB49
1,23,5 Neudt relig-patriotKunst [Meyer/G] wie Anfangs Künstler und Kunstfreunde, redlich meinend, alte Meister und ihre Werke billig werthgeschätzt; dann, bestochen durch das N-e derselben, diese Werthschätzung etwas übertrieben GWB49
1,37,4 ebd 49
1,279,7 Mantegna,Triumphzug β
volkstümlich, mBez auf Erzählkunst; ‘n-e Dichtkunst’: Volkspoesie; ‘n-e Tänze’ (iUz ‘repräsentativen’ u ‘charakteristischen’) wohl vor allem für Contretänze indem die wackern n-en Erzähler [
in JPHebels Geschichten], durch lebhafte Prosopopöien..die Lebendigkeit des Vorgetragenen zu erhöhen an der Art haben GWB40,303,16 Üb:Hebel,Ged lebendige Gegenwart des..Unglaublichen ist es, was uns hier [
in der persischen Märchensammlung ‘Tuti Nameh’] so..anzieht. Wie leicht wären solche unschätzbare n-e Dinge durch mystische Symbolik für Gefühl und Einbildungskraft zu zerstören GWB36,176,13 TuJ 1820 N-e Dichtkunst ist bei jeder Nation die erste, sie liegt allen folgenden zum Grunde GWB7,7,2 DivNot Unterschied der repräsentativen, n-en und characteristischen Tänze.. [‘
Nutzen’] N-e begleiten den belebten Zustand und haben mehr Anmuth und Freiheit (Englische
etc.) [
‘Schaden’] Fallen gern ins Ausgelassene GWB47,304,32u40 ÜbDilettantism Schema 1799 [G/Schiller] 41
1,142,24 TeilnManzoni
uö c
‘das N-e’ als Sammelbezeichnung für Genres von mittlerer Stilhöhe (Komödien, Singspiele uä) Die Gedichte, welche mir zugesendet worden..haben..kein eigentlich poetisch Verdienst. Unaufhaltsame Natur, unüberwindliche Neigung, drängende Leidenschaft, Haupterfordernisse der wahren Poesie, welche sich im Großen wie im Kleinen, im N-en wie im Pathetischen manifestiren können, zeigen sich nirgends GWBB19,422,22 Rumohr 28.9.07 die Tragödie, das N-e so wie das Maskenspiel producirten sich nach und nach in ihren Eigenheiten GWB35,135,4 TuJ 1802=40,249,17 Anz:Was wir bringen d
iGz ‘sentimental(isch)’, meist mBez auf (u in krit Distanz zu) Schillers Aufsatz ‘Über naive u sentimentalische Dichtung’ (1795), neben weiteren Gegensatzpaaren wie ‘antik’ u ‘modern’; mehrf mBez auf Shakespeares Werke (iGz ‘romantisch’) Vorherrschend in den alten Dichtungen..zwischen Sollen und Vollbringen..Man nehme diesen durchgreifenden Unterschied unter die übrigen Gegensätze..auf die man bisher durch antik und modern,
n. und sentimental, heidnisch und christlich, heroisch und romantisch, reell und ideell..bezeichnet hat GWB41
1,422 Shakesp u kein Ende Var Man hat daher schon eingesehen, daß er [
Shakespeare] nicht sowohl zu den Dichtern der neuern Welt, welche man die romantischen genannt hat, sondern vielmehr zu jenen der n-en Gattung gehöre, da sein Werth eigentlich auf der Gegenwart ruht, und er kaum von der zartesten Seite, ja nur mit der äußersten Spitze an die Sehnsucht gränzt. Deß ungeachtet aber ist er..ein entschieden moderner Dichter GWB41
1,58,5 Shakesp u kein Ende Schiller..war für die moderne sentimentale, reflektierende Poesie, mir war diese ein Greuel, da ich die alte, n-e durchaus vorzog. Diese Verschiedenheit kränkte Schiller GWBGespr(FfA II 6,202,5) Reinhard Ende Juni/Anf Juli 07 B14,178,23 WHumboldt [16.9.99] K Gespr(FfA II 12,73,25u29) Eckermann 14.11.23
uö 3
abgeblaßt a
unkompliziert, simpel, anspruchslos; einmal ‘n-e Reinlichkeit’ mBez auf den Verzicht auf Ausschmückungen einer lückenhaft tradierten Biographie er [
der Reim] brachte den Vortheil, daß man auf eine sehr n-e Weise verfahren und fast nur die Sylben zählen durfte GWB29,81,10 DuW 18 Obgleich das englische Wort Optics ein etwas n-eres Ansehen haben mag, als das lateinische Optice und das deutsche Optik; so drückt es doch..einen zu großen Umfang aus, den das Werk [
Newtons] selbst nicht ausfüllt GWBN2,5,19 FlP 9 Es ist sehr wohlgethan..sein [
Epikurs] Leben auf die Weise, wie du es gethan, in seiner n-en Reinlichkeit darzustellen GWBB46,252,27 Knebel 27.2.30 B38,146,9 Rochlitz [22].5.24
uö b
direkt, ohne Umschweife, unumwunden Ich muß Ihnen auf eine sehr n-e Weise bekennen, daß Weimar sich auf eine ganz andre Art gegen Gäste als gegen Bewohner beträgt, und ich habe..gar manchen gesehen, der..sich zuletzt bitterlich über Gleichgültigkeit..beklagen zu dürfen glaubte GWBB22,178,7 Boisserée 20.10.11 der Zufall aber, der, wie Schiller sagt
5), oft
n. ist, sollte dem..Ereigniß [
gelungene Vereitelung der durch Kotzebue eingefädelten Schiller-Huldigung am 5.3.02] die Krone aufsetzen GWB35,125,21 TuJ 1802 B27,290,16 Schadow 27.12.16
uö c
konkret, sinnlich, anschaulich, lebendig; bes mBez auf den Charakter bestimmter Sprachen alle pragmatische biographische Charakteristik muß sich vor dem n-en Detail eines bedeutenden Lebens verkriechen GWBB11,23,8 Meyer 8.2.96 alles bringt er [
Bacon] nicht gerade streng methodisch aber doch in sehr faßlichem und n-em Vortrag vor GWBN5
2,250,23 Fl Plp Das Übel kommt immer daher, daß die Leute..das N-e des Augenblicks nicht zu würdigen wissen; durch Wiedererzählung es zur Plattheit umprägen GWBGespr(He3
2,144) Kanzl Müller 20.6.27 Das Griechische ist durchaus n-er, zu einem natürlichen, heitern, geistreichen, ästhetischen Vortrag glücklicher Naturansichten viel geschickter [
als das Lateinische] GWBN3,201,28 FlH IV Gespr(FfA II 12,471,18) Eckermann 21.3.31
uö naiv-anmaßlich
zu ‘naiv’ 1c indem der Mensch die Welt nur durch sich kennt und also, naiv anmaßlich, die Welt durch ihn und um seinetwillen aufgebaut glaubt GWBN11,75,2 Rez:Stiedenroth naiv-ernst
zu ‘naiv’ 1dα Das Original [
Newtons ‘Optik’] ist sehr deutlich, naiv ernst geschrieben; die Übersetzung [
von SClarke] muß, um des lateinischen Sprachgebrauchs willen, oft umschreiben und Phrasen machen GWBN4,107,8 FlH VI naiv-groß
menschlich groß, edelmütig, hochherzig [
betr Goethes Gedicht ‘Johanna Sebus’] Ich will keine Reflexion hinzufügen, daß die Poesie zu einer Zeit, wo so ungeheure Thaten geschehen, sich gegen die naivgroße Handlung eines Bauermädchens flüchtet GWBB20,341,9 ChStein 30.5.09
→ GWB
genialisch-n. GWB
glücklich-n. GWB
graziös-n. GWB
heroisch-n. GWB
profund-n. trocken-n. Syn zu 1
GWB
natürlich zu 1a
einfältig kindartig kindhaft kindlich unerfahren unschuldig unverdorben unwissend zu 1b albern kindisch lächerlich zu 1c dilettantisch halbklug laienhaft unbefangen unverständig zu 1dα bieder einfach einfältig gemütlich gemütvoll offenherzig redlich treuherzig ungezwungen zu 1dβ arglos argwohnlos bonhomisch harmlos heiter munter neckisch offenherzig sorglos unbefangen ungezwungen zutraulich zu 2a artig echt einfach empfindungsvoll gefällig gefühlvoll kunstlos lieblich liebenswürdig naturgemäß natürlich originell realistisch rein richtig schlicht ungekünstelt zu 2bα einfältig fromm kunstlos profund/profund-naiv trocken/trocken-naiv zu 2bβ einfach/einfach-wahr natürlich volkstümlich zu 3a bequem einfach simpel zu 3b deutlich direkt ehrlich entschieden freimütig geradezu geradmütig glücklich/glücklich-naiv offen treffen(t-d) unbewunden unmittelbar zu 3c anschaulich begreiflich eingänglich faßlich konkret sinnfällig sinnlich verständlich zu ‘naiv-groß’ edelmütig großherzig großmütig hochherzig tapfer 1) Boisserée befürchtete, sich bei einem provisorischen Aufenthalt in Berlin (auf Einladung der preußischen Regierung) mit seiner Gemäldesammlung für immer an den Ort zu binden; vgl den Brief an Goethe vom 15.2.1816 (Boisserée 1,104f)2) zum Rollenfach der jugendlichen Liebhaberin in der Komödie mit den Teilfächern der munter-schalkhaften (Soubrette) u der schüchtern-rührenden Verliebten vgl BDiebold, Das Rollenfach (1913),131-1343) Goethe hatte der Wiener Ausg (zur Verhinderung unberechtigten Raubdrucks) zwar 1816 zugestimmt, war sich aber offenbar über deren größeren Umfang durch weitere Bände (u seinen damit verbundenen finanziellen Nachteil) nicht im Klaren u fühlte sich von Cotta übergangen; vgl KuhnBriefw 32,93-964) Vgl Zelters (entspr Äußerungen von AFacius kolportierende) Mitteilungen im Brief an Goethe vom 1.-5.5.29 (MA20.2,1224f).5) im (dasselbe Ereignis betr) Brief an Goethe vom 10.3.02: „Wie aber der Zufall immer naiv ist und sein muthwilliges Spiel treibt” (SNA31,115) Lydia QuaasL.Q.