kluft,
f. pl. klüfte,
fissura, hiatus, fauces, caverna, tenaculum, ahd. chluft Graff 4, 547
nur für zange bezeugt (
s. 7),
mhd. kluft
wb. 1, 846
b wie nhd.; nd. kluft
und klucht (
Fromm. 5, 164),
auch dän. klöft,
norw. kluft (klyft)
f., schwed. klyft, klöft
m., klóft
m. f. Rietz 328
b, gluft
f. 202
a,
in der bedeutung freilich verschieden entwickelt; s. auch engl. cloft
unter 7,
e. Es ist von klieben
spalten, wie klobe,
das f
blieb unverschoben weil es vom t
gestützt war, wie in haft
von haben, schrift
von schreiben, wift
von weben.
Im älteren nhd. auch ein schwacher pl. kluften
und klüften (
s. unter 1. 4. 9),
ist er echt? vgl. kräften unter kraft.
im 17.
jh. selbst ein sing. klüfte
f., ist das erst aus dem pl. genommen? der henkt sich mit gefahr an eine klüfte (
felskluft) hin. Opitz 1, 246 (
Trojan. 1305),
nach extrema montis ille praerupti petit
Seneca Tr. 1088. 11) cluft,
fissura, rima, scissura voc. inc. teut. d 6
a, kluft,
klunz, spalt voc. th. 1482 q 8
a: ich bin vol
kluften, ich rinn an allen orten.
Terenz Straszburg 1499 39
b (plenus rimarum sum, hac atque illac perfluo.
Eun. 1, 2, 25);
die wänd der klüft und löcher voll. H. Sachs 1, 332
b; (
die mägde) kerten im haus die ganzen wochen, haben mein spinnweb oft zubrochen (
erzählt eine spinne) dasz ich kaum in ein kluft entran. 1, 363
a (1590); der ber lag dort in engsten schwer, die kluft des baums in also kneif.
Reinicke fuchs 19 (1588 36
a),
nd. klove 651; wie es der meerkatzen auch gieng, da sie das zimmerhandwerk anfieng, zog aus dem gespalten holz ein keil ... und blieb in der kluft so behangen, war unversehens am schwanz gefangen.
froschmeus. Dd 5
a (2, 2, 15). eisklüfte
in bäumen, hornkluft
am pferdehuf. früher von engen fenstern: doch zu zeiten sahe sie durch die klüfte der fenster. A. v. Eybe
ob eim manne u. s. w. 73
b; aus jedem thurn durch fenstercluft schusz man, wies donnert in dem luft. Schmelzl
lobspruch 107.
von rissen in der erde: das erdrich thut sich auf und gibt
kluften für dürre. Henisch 777, 15; erdböben und dardurch eröffnete kluften. Schuppius 409.
noch bei Rädlein kluft
klunse 547
b.
vgl. klüftig
und weiter 3. 22) klüfte
im bergbau, bergkluft
fibra Stieler 983.
so heiszen risse die das gestein kreuzen, im gegensatz zu den gängen,
in denen der bergmann seine eigentliche arbeit sucht: venula, fibra, kluft
oder geschicke. Agricola
de re metall. (Dief. 611
b), Golius
u. Chytraeus
nom. c. 15.
auch böhm. klufta,
schwed. kluft.
es ist schon mhd. bezeugt: dô wirʒ aller gewissest hetten, dô kam ein kluft mit einer letten, diu sneit uns abe den ganc sô gar sam er nie wære komen dar.
maere vom feldbauer 442 (Pf.
Germ. 1, 351
b). 2@aa)
der urspr. und hauptbegriff ist der eines schmalen risses, im gegensatz zum gange: das grosze brunnquell gemeinklich von klüften oder offnen gengen kommen. Mathesius
Sar. 2
b; kluft ist wo sich das gesteine von einander theilet, ist bisweilen nur wie eine messerschneide und hat ihr streichens wie die gänge. Junghans D 1
a; die kluft ist ein schrick im gestein, die das gestein unterschiedlicher weise scheidet, gleich einem schrick an einem zerknirschten gefäsz. B. Rössler
bergbauspiegel Dresd. 1700
s. 2; die klüft, welche kleine und schmale genglin seindt, werden getheilt in querklüft, in klüft die ortschicks über den gang kommendt, in klüft die sich zum gang örtendt, in ein ganz schmal fletz und in hangklüft. Bechius
Agricola bergwerk (1557) 54; hier ist der gang mächtig und gebräch,
aber arm, dort drückt ihn der felsen in eine armselige unbedeutende kluft zusammen, und gerade hier brechen die edelsten geschicke ein. Novalis 1, 92,
s. unter klüftlein. 2@bb)
nach inhalt und form heiszen sie wasserklüfte,
mit wasser angefüllt, schmerklüfte
voll schmierigen letten, kreuzklüfte, tageklüfte Stieler 983. völlige kluft
fibra solida Frisch 1, 525
a, drüsige kluft, scheerkluft
u. a. 2@cc)
es gibt aber auch edle klüfte,
mit festen erzen, im gegensatz der tauben, faulen klüfte: edle klüfte, welche gut erz bei sich führen.
Chemnitzer bergwerkslex. s. v. geschicke; die füllet unsre brust mit einer regung an, die keine demantkluft, kein Zeilon geben kan. Drollinger 83; wenn das glänzend reiche gute fadenweis durch klüfte streicht. Göthe 41, 58,
vgl. 20. 33) kluft
ein tiefer, besonders scharfer risz in der erde, im felsen, im gebirge, das ist der begriff der uns jetzt am nächsten liegt, daher zerklüftet, durchklüftet,
vergl. geklüfte. 3@aa)
unterirdisch, was sich an das bergmännische kluft
vorhin anschlieszt: es sint die warmen bad, ich sprich, geschöpf gottes ganz wunderlich, verporgen geng durch manich kluft inwendig in der erden gruft. Folz
in Kellers fastnachtsp. 1253; dieses thal (
bei Karlsbad), von bergen rings umfriedet ... wo heimlich, seit urjahren unermüdet, heilsam gewässer durch die klüfte schleicht. Göthe 13, 255. 3@bb)
auf der erde: item aus den regen, winden, kluften der erden verkündigen si vil zuokünftigs dings. S.
Frank weltb. 161
a;
chasma, spalt der erden, schlund, kluft. Frisius 217
a; hat uns der teufel bracht herein, wir müssen all gefangen sein in disen berges kluften. Soltau 2, 215,
schluchten; wie wann wir sehn den falken .... aus eines berges kluft auf eine taube zu sich schwingen durch die luft. Opitz 1, 108; das scheue thier floh durch des thales krümmen, durch busch und kluft und bahnenlos gestrüpp. Schiller 495
b; klüft der büchlen (
bühel),
recessus collium. Maaler 246
a;
fauces, enger eingang, klaus, kluft, eng tal. Frisius 548
a,
fauces, angustiae, enger pass auch bei Denzler, Steinbach,
M. Kramer. 3@cc)
wie schon da theilweis, so ist besonders felsenkluft
damit gemeint, ganz nach dem urspr. begriffe spalt, risz, der erst gemacht scheint: er fand diese klüfte auf seinem einsamen pfad und warnte getreulich den wanderer dafür. Sturz 1, 177; grosze klüfte spalten sich aufwärts (
im felsen). Göthe 16, 222; an wänden und in der tiefe schmiegen sich ausgewitterte klüfte hinein.
das.; strahlt die sonne vielleicht durch heimliche spalten und klüfte? 1, 314; felsen stehen gegründet, es stürzt sich das ewige wasser aus der bewölkten kluft schäumend und brausend hinab. 1, 317.
daher der pl. klüfte
bei dichtern für die felsigen gegenden des hochgebirges, besonders im reim auf lüfte,
schon mhd.: in den lüften ob den klüften vogele schrîent. Frauenlob
lied. 11, 4
s. 260; lustig hinaus in das dampfende thal, über berge, über klüfte. Schiller 497
b; durch gebirg und klüfte herscht der schütze frei. 532
a; wo heerden einsam läuten an den klüften (
in Tirol). Eichendorff
ged. 167; an jäher klüfte rand, wo dunkle tannen trauern. 122; in den wipfeln frische lüfte, fern melod'scher quellen fall, durch die einsamkeit der klüfte waldeslaut und vogelschall. 231. 3@dd)
übertragen auf anderes, z. b. auf wolkenrisse: wir verharrten lange in dieser .. lage, um durch die ritzen und klüfte der immer bewegten wolkenballen einen kleinen zipfel besonnter erde .. zu gewinnen. Göthe 48, 121.
ähnlich vom aufgeregten meere: entdöckend (
aufdeckend, öffnend) kluft auf kluft. Weckherlin 248 (
ps. 107, 28).
ebenso wasserklüfte Göthe 5, 147. 3@ee)
da mischt sich aber ein andrer begriff ein, der des grundlosen, des abgrunds (
s. weiter unter 6),
und so bildlich bei Logau
von der gurgel, als einem schlund der nie voll wird: noch ist kein land genug, das unsre kost uns trug, man musz sie suchen her durch alles land und meer ... das macht der gurgel kluft die stets nach mehrem ruft. 3, 9, 48. 44)
höhle, zwischen der vorigen und folgenden bedeutung in der mitte stehend, sodasz der sinn öfter schwankt: caverna kluft. Trochus,
spelunca, hüle, kluft. Frisius 1231
b, Stieler 983
u. a. 4@aa)
eigentlich: und da der Midianiter hand zu stark ward uber Israel, machten die kinder Israel fur sich (
zu wohnungen)
klüften in den gebirgen und hölen und festunge.
richter 6, 2; da das sahen die menner Israel, das sie in nöten waren, verkrochen sie sich in die höle und klüften und felsen und löcher und gruben.
1 Sam. 13, 6 (
in den LXX beidemal μάνδρα); da wird man in der felsen hüle gehen und in der erden klüfte (
sich bergend).
Jes. 2, 19,
τρῶγλαι; in den klüften und löchern der erden.
Hebr. 11, 38 (
ἐν σπηλαίοις); Jhesus .. kam zum grabe (
des Lazarus), es war aber eine kluft und ein stein darauf gelegt.
Joh. 11, 38 (
σπήλαιον); verborgen sich in den klüften und felsen an den bergen.
offenb. 6, 15; nord, osten, süd und west die rissen aus der kluft, bestürmten see und land. Fleming 12,
die höhle des Aeolus; sprich du (
gott) den winden zu, dasz sie sich bald zur ruh in ihren klüften legen. Rist
himml. lied. 3, 194; ach! wie manchem redlichen wird die unschuld frommer sitten und die wahrheit weiser lehren mit verfolgung so belohnt, dasz sie auch in kluft und hütten insgemein kaum sicher wohnt. Günther 849; bis er kam zur geräumigen kluft, wo die nymphe wohnte. Voss
Od. 5, 57,
μέγα σπέος; da tritt gelockt von den gesängen der könig in die kluft hinein. Novalis 1, 99 (1837).
daher klüft, hülinen, näster da sich die thier enthaltend,
cubilia ferarum, latibulum Maaler 246
a aus Frisius 384
b. 757
b;
dazu den dachs verklüften
aus der kluft, dem bau bringen Frisch 1, 525
b. 4@bb)
dichterisch von grab und kerker u. ä.: des kerkers kluft.
pass. K. 179, 51. 591, 57. ja wenn des tifsten kerkers kluft (
das grab) selbst die gefangnen wird entbinden. A. Gryphius 1663
s. 493 (
kirchhofsged. 41); wo ich aus dieser ketten .... errettet dise kluft des kerkers lassen sol.
s. 51 (
Leo Arm. 3, 393); sei mir mit tausend thränen hier in meiner kluft willkommen! Schubart (1825) 1, 86,
wie in meiner kerkerhöhle
s. 98. 90; denn ein gerücht, dasz sie zum tod verurtheilt sei, war in des Towers klüfte eingedrungen. Schiller 446
a; aus jenem thurm, den epheu dicht umschlinget, in dessen alte kluft kein stral des tages dringet. Gotter 1, 133,
doch liegt da schon bestimmter die folg. bed. im hintergrunde. 4@cc)
noch mehr in kluft
von der groszen einen höhlung, die man sich unter der erde dachte, mit elementarischen wässern oder lüften gefüllt: er (
der drache) lest sich herab aus dem luft und schwingt sich zu der erden
gluft. H. Sachs 3, 2, 176
b (1588); dann dasz der erden kluft und nicht ihr rücken nur ein kerker sei der luft, ist leichtlich darzuthun. Opitz 1, 42, teufe
s. 43; als diese feistigkeit, die oftmals wie ein flusz sich aus der tiefen kluft mit brausen heben musz. 1, 43,
vom Vesuv, kerker
s. 35; der wasser kluft und gang ward aufgedecket, der tiefe grund der erden ganz entblecket.
ps. 18, 6
s. 34,
von der sindflut, entlehnung der bergmännischen wasserklüfte (
s. 2),
schon bei Brant: Nemroth wolt buwen hoch in luft ein groszen thurn für wassers klüft.
narr. 15, 14,
zum schutz gegen die etwa wiederkehrende flut, die aus den tiefen der erde losbrach (
vergl. unter kraft 'kraftes heer'
für heereskraft). 4@dd)
daher von der unterwelt oder hölle: so steigstu (
Christus) in die gruft und stürmest kecklich zu auf Pluto schwarze kluft. Fleming 12; das stehlen ist gemein, noch (
dennoch) kan der henker ruhn? das stehlen ist zu grosz, der teufel hat zu thun: die dieb in alter zeit gehören in die luft, die dieb in dieser zeit gehören in die kluft. Logau 1, 5, 79; hier liegen satan, sünde, tod in einer kluft beisammen. Schubart (1825) 1, 314. 4@ee)
bildlich dem himmel als der oberwelt gegenüber von der ganzen erde als unterwelt: je weiter er dann geht aus dieses leibes ketten, je höher kömpt er auch ... sieht unter sich die kluft der schnöden sterbligkeit. Opitz 2, 105.
sogar unbildlich in folg., wie es scheint: liebt doch auch die warme luft (
im mai), lieb' ist in den wasserquellen, spielen doch die sanfte wellen küssend gleich der erden kluft. Rist
Parn. 573. 4@ff)
umgekehrt vom himmel als tiefer wölbung, unergründlicher tiefe: wie wenn ein heer kometen aus der kluft des äthers tief ins chaos niederfiele. E. v. Kleist (1771) 1, 134,
in der ausg. des frühlings Zürich 1754
s. 85 aus der kluft, die bodenlos; (
fernglas) wodurch man mond und sterne aus ihrer höhen kluft ... zu uns hernieder reiszt. Lessing 3, 299; ein stern still nach dem andern fällt tief in des himmels kluft. Eichendorff
ged. 93,
morgenlied. ähnlich nennt Schiller 539
b den Vierwaldstättersee eine wasserkluft. 55) kluft
heiszt nämlich auch die crypta
unter einer kirche (
dann unterirdisches gewölbe überhaupt),
es ist eine umdeutschung des lat. griech. wortes, das sonst in kruft (gruft)
verdeutscht ward (
wie ags. cruft, crufte,
nl. krufte, krofte Kilian,
engl. dial. croft
gewölbe Halliwell 281
a, croud
crypta 282
b). Ebernand
nennt eine ganze kirche, die in eine felsenhöhle eingebaut ist (gewahsen in den holen berc), die selbe kluft 2767. 2782,
durch vermischung von kluft
höhle und kluft
krypta. 5@aa)
krypta: crypta in ecclesia, cluft (
mittelrhein.) Mones
anz. 7, 299,
ebenda 157 crypta, croft,
wie in andern vocabularien des 15.
jh. crufte, crofte, kruft, kroft, gruft Dief. 158
a,
in einem nd. voc. das. kluft,
wie bei Trochus P 3
a cripte .. ein kluft,
in einem voc. bei Dief. kloft,
in der gemma crypta, ein gruft under der kirchen. F 4
a. kluft
ist schon mhd.: sente Pêters gebeine und sente Paulus ligen (
in Rom) under dem hôhen alter sente Pêters (
in der Peterskirche) in der kluft.
myst. 1, 123. Luther
erzählt von sich: gleich wie mir geschach zu Rom, da ich auch so ein toller heilige war, lief durch alle kirchen und kluften, gleubt alles was daselbs erlogen und erstunken ist. 5, 124
b,
die form weist auf schwaches klufte,
worin wie in krufte
vorhin crypta
nachklingt (
doch s. 4,
a),
auch nl. klufte
crypta Kil.; Curd von Steinbergen .. leip (
flüchtend) dorch de kluft und de treppen wedder up na dem capitelhuse. J. Oldekop
hildesh. chron. bei Lüntzel
stiftsfehde 120,
es ist die crypta der kirche; he wart begraven in de cluft up Lunenborch vor dem altar. Leibnitz
script. brunsv. 3, 320.
in gruft
lebt crypta
nach. 5@bb)
unterirdisches gewölbe überhaupt, wie lat. crypta
auch, schon früh mhd. kluft
grabgewölbe, gruft Athis F, 80; hypogaeum, kluft,
ein keller unter der erden. Apherdian tiroc. 53 (Frisch 1, 525
b); hypogeum, ein ort under der erden, als keller, kluft Frisius 638
b, crypta, kluft oder kruft
ein hol gewölb under der erden 384
a. Maaler 246
a. 254
b;
nur kluft
bei Denzler (
Basel 1716). 5@cc)
von einzelnen kammern eines unterirdischen gewölbes: (
die gänge) giengen alle in ein gewelb, welches von oben herab liecht hatte. an diesem gewelb waren etlich klüft tief und finster, daran man sich wol verbergen kundt.
buch der liebe 184
d.
von gewölbten räumen überhaupt: ich schwind' erstlich nirgends mehr ein als in einem Vatican voll öder klüfte, in Sarawüsten von leeren zimmern. J. Paul
uns. loge (1793) 1, 290,
vgl. Herders kluftversausen.
selbst von einer linde: wol, so lege dich mit mir under den gewölbten bogen dieser hohen linden hier ... was die vögel tiriliren, das hallt wider durch die kluft. Fleming 420 (340
L.). 5@dd)
bildlich von dem innern einer hyacinthenzwiebel, in der die blume wie in einem kerker
ruht: des frühlings schönstes kind hielt seine kluft versteckt. Drollinger 67; nach langem unterwinden durchdrang sein (
des stengels) rundes haubt des kieles (
zwiebel) enge kluft. 70. 5@ee) kluft
von grab und kerker unter 4
ist eine fortsetzung dieses gebrauchs, und auch kluft von der hölle lehnt sich daran an, denn z. b. Freidanks der helle gruft
oder cruft 179, 9
heiszt in S. Brants
bearbeitung kluft (
s. die lesarten dort),
bei Beheim
Wiener 24, 15 helle kruft 5@ff)
eine mnd. form ist klucht
crypta, auch krocht Dief. 158
a,
nl. kluchte
und krochte
bei Kilian.
gleichen ursprung hat franz. grotte,
it. grotta,
altit. grupta,
wal. criptë,
s. Diez
gramm. 1
2, 227.
wb. 184. 5@gg)
eigen ist mnd. klust
crypta Dief. 158
a,
vgl. ahd. clustiger
fissilis Graff 4, 547,
wie mhd. vernunst
gleich vernunft? 66)
die bed. 3
erscheint häufig bildlich von einem trennenden abstand, unterschied, meist um ihn als unüberwindlich zu bezeichnen, räumlich, zeitlich, geistig u. a., und zwar im anschlusz an die parabel Luc. 16, 26,
wo der reiche in der hölle den Lazarus in Abrahams schosz erblickt und von ihm hilfe begehrt, Abraham aber erwidert: und uber das alles ist zwischen uns und euch eine grosze kluft befestiget, das die da wolten von hinnen hinab faren zu euch, könden nicht, und auch nicht von dannen zu uns herüber faren,
χάσμα μέγα ἐστήρικται. 6@aa)
man hielt sich lange an die biblische wendung: sie würden eben so wenig aus dem ewigen höllischen qualort hieher auf erden kommen können, weilen zwischen ihnen und uns eine grosze kluft bevestiget.
Simplic. 1685 1, 301; was will her
klotz .. dasz er mich .. magister Lessing nennet? was sonst als mir zu verstehen geben, welche kluft die rangordnung zwischen uns befestiget habe? er geheimderrath und ich nur magister! Lessing 8, 209 (
nachher abstand); die kluft .. die in unserm inwendigen zwischen wollen und sein .. befestiget ist. Claudius 6, 178; dasz zwischen idee und erfahrung eine gewisse kluft befestigt scheint, die zu überschreiten unsere ganze kraft sich vergeblich bemüht. Göthe 50, 59. 6@bb)
in neuen wendungen: unsere vermeintlich kleinen unterschiede sind gemeiniglich in der natur weite klüfte. Kant 2, 508; sie (
die natur) macht klüfte zwischen allen wesen, und alles will sich verschlingen. Göthe 50, 6 (1850 30, 315); vom gedanken bis zur that — welche kluft! Abbt 1, 103 (1768); wenn die verwünschte kluft zwischen ideen und empfindungen nicht wäre. Claudius 1, 82; die kluft von sechs und dreiszig meilen. Gotter 1, 234; die wenigen (
freunde), die mir noch blieben, trennt eine weite kluft von mir. 1, 449; die kluft, die zwischen uns das schicksal warf. 2, 299; dasz ich die grosze kluft der zeit durchschlafe, wo mein Antonius fort ist.
Shakesp. Ant. und Cleop. 1, 5 (gap of time); so wechselte die gräfin mit Wilhelm bedeutende blicke über die ungeheure kluft der geburt und des standes hinüber. Göthe 18, 285; die kluft, die mich von jener lehre trennte, ward mir deutlich. 26, 308; (
Shakespear ist) ein entschieden moderner dichter, von den alten durch eine ungeheure kluft getrennt. 45, 44; welch eine kluft zwischen dem os intermaxillare der schildkröte und des elephanten, und doch läszt sich eine reihe formen dazwischen stellen, die beide verbindet. 55, 146; als ob durch das schöne die kluft könnte ausgefüllt werden, die das empfinden vom denken, die das leiden von der thätigkeit trennt: diese kluft ist unendlich ... Schiller 1169
a (
ästh. briefe nr. 19); gehorchen! herschen! ungeheure schwindlichte kluft! legt alles hinein was der mensch kostbares hat ... 162
a; zwischen handlung und erfolg dehnt sich eine weite kluft. Grillparzer
ahnfrau aufz. 5. 6@cc)
noch anders von der seele: und doch, wenn sich eins vom andern losreiszt, entsteht in der seele eine ungeheure kluft, in der schon manches herz zu grunde gieng. Göthe 22, 106,
leere in gestalt eines abgrunds. 77)
ganz anders kluft,
zange; während all das bisherige kluft
den spalt bezeichnete, ist dieses das gespaltene selbst, ganz wie in klobe
diese doppelheit auftritt. als zange nahm man gewiss zuerst ein gespaltenes biegsames holz, wie es noch bei hirtenbuben zu sehen ist (
s. Woeste
bei Fromm.
mundarten 5, 164). 7@aa)
ahd. ist chluft
zufällig blosz als forceps, forcipula belegt, auch als emunctorium, lichtputze (
was ist cluft
vatilla Graff 4, 547, Dief. 608
a ?).
die vocc. des 15.
jh. geben forcipula cluft Dief. 242
b,
md. cloft
das. (
auch klovet),
tenella cloft (
md.),
nd. cluft 577
c,
retinaculum zange
vel kluft 496
a,
emunctorium ein cluft da man ein liecht mit abe bricht 201
c, cloft
vel czange
das.; bei Dasyp., Alberus k 3
a kluft
feuerzange. belege: ehe dann es (
das gold) darauf erhärtet, so stosz mit der kluft gemach an die cappeln, das das gold darin schwapt und zittert. Laz. Erker
beschr. aller erzt (1580) 87
a; so heb das kornkupfer mit der kluft vom schirben. 95
b;
noch jetzt nennen im hüttenwesen die probierer die zange, mit der sie kapellen und scherben fassen, kluft ( Adelung).
als feuerzange: vermeineten etliche ich würde mit der kluft, so ich von der wirthin aus ihrer küchen entlehnt, die zähne ausbrechen.
Simpl. 1, 378 (1, 4, 8),
als zahnbrecher, marktschreier; kriegte (
holte) hierauf mit der kluft das möhmlein aus dem glas mit wasser.
das.; noch bei M. Kramer kluft
als feuerzange, es gilt in Schwaben, Frankfurt a. M.; in der grafschaft Mark als grosze herdzange (
s. Fromm. 5, 164),
in Westfalen, auf der Eifel klucht
feuerzange, wie schon mnd. Dief. 201
c,
siebenb. klaft Schuller
beitr. 32 (
eigen klaft
als klammer bei Eb. Cersne 68). 7@bb)
westf. klucht
ist aber auch noch ein gespaltenes holz, in dem die kinder heidelbeerbüschel u. dgl. nach hause tragen (
s. Woeste
bei Fromm. 5, 164. 6, 78),
s. dazu klobe 8,
d und kluppe 3. 7@cc)
daher auch kluft
büschel, z. b. von kirschen, bohnen, die in einem büschel zusammensitzen, so am Mittelrhein (Kehrein 230),
in Koblenz auch eine kluft schlüssel,
auf dem Westerwald als masc. ein schlüsselkluft,
schlüsselbund Schmidt 194.
ebenso wieder kluppe 3
und klobe 8,
alle drei gleicher entstehung. s. aber auch 9. 7@dd)
nrh. klöft
f. die schere an der wage (
s.klobe 3),
die einer zange gleich den wagebalken hält. 7@ee) kluft
im schiffbau, zwei in einem spitzen winkel in einander gezapfte hölzer (
vgl.kluftwerk).
das ist ein begriff, der in den nord. sprachen besonders entwickelt ist: dän. klöft
die gabel an stangen u. ä. (klöftet
gabelförmig gespalten),
schwed. klóft
m. die gabelförmige theilung, stellung der zweige Rietz 328
b,
norw. kluft
f., auch nordengl. cloft
the jointure of two branches Halliwell 256
b. 7@ff)
daher (
vom stammbaum entlehnt)
im alten Ditmarschen kluft
unterabtheilung eines geschlechtes, die in klüfte,
linien, häuser sich spalteten, s. Neocorus 2, 590
b.
daher wol auch ostfries. kluft
quartier der stadt, der commune, und spaltung, partei Stürenburg 113
b;
s. auch kluftdamm. 88)
noch anders kluft
als losgespaltenes stück, wie gleichfalls klobe (6);
ebenso schwed. klyft, klöft
m. Rietz 328
b: kluft
zerkloben brennholz, scheit Frisch 1, 525
b,
er führt einen früheren gebrauch betrügerischer holzhändler in Preuszen an, ober-
und unterklüfte, schaden-
oder geitenklüfte
zu machen. kluft
als langes dünnes holzscheit gilt noch im bergwesen (Gätzschmann),
auch sonst in Norddeutschland, so in Ostpreuszen Hennig 125,
in Braunschweig brem. wb. 2, 811,
Göttingen (
vergl.klüften 1),
in Westfalen klucht
gespaltnes holz Kuhns
zeitschr. 2, 90. schlugs dann mit eichener kluft hochher, die er spaltend zurückliesz. Voss
Od. 14, 425,
Eumaeos ein schwein das er schlachtet, σχίζη δρυός,
mit einem eichenscheit; wacholdergehölz und trockene klüfte der zeder.
ders., Orpheus v. 952.
schon altmd. im passional K. 661, 51,
wo von zerstörung der götzenbilder geredet wird: den steinen hûb sich michel nôt und ouch des holzes kluften,
es müssen '
holzklötze'
gemeint sein, da die bilder verächtlich nach dem rohen stoff benannt werden, vgl. klotz 2. 99)
merkwürdig 'kluft,
klumpe, klümpgen' Rädlein 547. 9@aa)
wirklich braucht es Opitz
in einem zusammenhange, der keinen andern sinn zuläszt, im plur. klüften: Vesevus (
der Vesuv) wütet nicht mit solchem wilden knallen ... wirft seine klüften nie mit solchem donner aus. 1, 50; (
der Vesuv) treibet über sich mit aufgesperten schlunde geschmelzte felsen aus, dasz luft und erde brüllt und alle gegend fast mit klüften angefüllt und öde werden musz. dasz ferner auch die steine, die klüften, dieser kiesz, des berges mark und beine, noch nicht verzehret sind nach solcher langen zeit
u. s. w. 1, 45; (
wie Etna) aus dem holen schlund' jetzt schwarze wolken bläst, jetzt ganze klüften stein' und kugeln fliegen läszt. 2, 165.
poeterei 35,
hier sogar deutlich als zusammengeballter haufe, wie auch klumpe
und klosz, klotz. 9@bb)
dasselbe wort ist wol nd. kluft
f. (
pl. kluften),
der fleischballen, ein stück in der rindskeule. Schambach 104
b,
nach dem brem. wb. 2, 811
das dicke fleisch in der bauchhöhle des rinds. ferner nl. kluft
haufe, vorrat, in Aachen kluht
f. haufe (
s. Müller
und Weitz 114),
siebenb. klaft (
d. i. kluft)
schwarm, mit der klaft kommen,
in einem schwarme, in menge Frommann 5, 176. 179.
hier wird sich vielleicht auch das dunkle kluft
bei Muscatblüt
erklären: die frücht
ze clüften bringen
Hätzl. 105
a,
die frucht in fülle entwickeln (
vgl.ze krufte komen Wolfram
Wh. 144, 21). 9@cc)
beim letztern ist zwar ein anschlusz an die bed. büschel 7,
c möglich; das andere aber sichert eine eigne bed. klumpen, angeschlossen an die vorige. so bezeichnet schwed. klóft
f. holzstück ausdrücklich auch ein losgespaltnes steinstück (Rietz 328
b),
und so steht das stammwort klieben
noch dicht hinter dieser bed., ganz wie klosz
selbst, auch klump
auf ein '
spalten'
zurückgehn. 1010)
eigen kluft
klaue: der adler nam in in sein kluft, führt in hoch oben in die luft. Waldis
Esop 59
a (1, 87, 11).
die packende klaue ist da vielleicht einer zange verglichen, vergl. kluppe. 1111)
ein spiel, in Weimar wird 1387
verboten daʒ bose spel das man nennet dy cluft. Michelsen
rechtsd. aus Thür. 273.
vgl. das zweite klüftig
und nl. klucht
dort?