garten,
m. hortus. II.
Die formen des germanischen wortes. I@11)
goth. in doppelter ausprägung, stark und schwach, gards
m. und garda
m., wenn auch jedes mit eigner entwicklung der bed., wie es nach der freilich ungenügenden bezeugung scheint;
dagegen nur stark ags. geard
und altn. garðr (
doch vgl. u. 4,
b).
aber auch alts. gard
und gardo,
ahd. gart (cart)
und garto (carto),
doch so dasz im ahd. die schwache form entschieden vorherscht (
nur im Tat. 188, 5,
also md., einmal in themo garte,
doch s. auch unter II, 1,
b),
alts. aber ebenso die starke, doch ohne eigentlichen unterschied der bedeutung, das paradies z. b. heiszt ahd. sowol wunnicarto
als wunnicart,
der weinberg sowol wîngarto
als wîngart (Graff 4, 250
ff.),
letztere z. b. im Tatian c. 109
beide nebeneinander; dagegen erscheint z. b. das oft bezeugte mittiligart
u. ä., orbis terrarum, auch streng ahd. ausschlieszlich starkformig (
gen. mittiligartes),
wie alts. middilgard,
ags. middangeard,
altn. miðgarðr,
goth. midjungards.
altfries. schwach garda
in liodgarda Richthofen 904
a,
s. dazu II, 1,
d, γ. I@22)
mhd. und nhd. tritt gart noch mehr zurück. I@2@aa)
mhd. nur selten noch, z. b. (
vgl. Lexer 1, 740): von Darius gewalt er wart (
Polycrates) genagelt an ein krûze hart und mûst ansên sîns landes gart mit trûber ougen rinc. Heinr. v. Mügeln
sitzungsber. der k. k. ak. der wiss. 55, 487; die rosen und die öpfel fein hat dir geschickt die schwester
mein aus des baradeises gart (: wart).
der maget crone 100
a (
das. 47, 541); o hett ich einen gart (: zart), do ich ein solches tier hett innen gan.
fastn. sp. 1393,
am längsten wol im acc., der etwa gehalten wurde durch die nominativform gart (
s. 3,
a). I@2@bb)
sonst in zusammensetzungen, z. b. heimgart (
s. II, 2,
e, α), bîgart
nebengarten (
s. unter 5,
b), wisgart
wiesengarten in dem namen eines hofes in Mainzer diöcese Wisgartesbrucke
bei Baur
hess. urk. 2, 64
vom j. 1225 (
vergl. Wiesengarten unter II, 2,
b); in dem rosengarte Uhl.
volksl. 584.
bes. wîngart,
wie ahd.: daʒ er sich des morgens fruo verdinget in den wîngart (: wart). Stricker
Karl 1641; got hât iuch vil rehte in den wîngart gedinget. 1647,
nach einer hs. des 13.
jh.; auch in der entsprechenden stelle Rol. 33, 5
ist in den wîngart gêt
besser als das wîngarten
der hss., zumal die form für den heimatsbereich des gedichtes bezeugt ist, s. aus dem 12. 13.
jh. bei Kehrein
samml. 44
b,
in den gl. Jun. wîngard
vinea Nyerup symb. 327 (
neben curveʒgarde 330),
vgl. im 16.
jh. mrh. seinen weingart
weisth. 6, 487,
pl. die weingert
z. b. Zinkgref 1, 35.
das heutige alem. und rhein. wĭngert,
aus wîngàrt
entstanden, wird weit zurückgehn, gewiss über den umsatz von î
in ei
zurück (
tirol. bair. weingert Schöpf 176);
auch in dessen seitenstücke bongert, bungert,
alem. und nrh. (Stalder 1, 202,
Aach. mundart 20,
tirol. pongert Schöpf 176),
mrh. und bair. auch bangert (
s. I, 1103
und Kehrein 60, Schm. 1, 174)
nach der dortigen aussprache des ou, au
als a —
auch darin musz altes boumgart
stecken, das durch täglichen gebrauch zu boungart, bôngart
wurde u. s. w. (
mit nasalem n),
vgl. schon im 10.
jh. bongardes
nemoris Diut. 2, 312
b.
aus dem 16.
jh. z. b.: ½ juchert wingarts, ist ein pündten (
beunte). Mones
zeitschr. 5, 265,
gesprochen vermutlich nicht mehr mit a,
sondern wingerts,
wie jetzt; ein oberhess. dorf Wingertsbirnbaum Baurs
arch. f. hess. gesch. 7, 220. 233 (16.
jh.). I@2@cc)
dazu ein pl. gärte, nhd. bis ins 18.
jh. einzeln erscheinend (
mhd. noch nicht belegt): ich achte das noch etliche fruchtbare gärte (
nemora) in den inseln müssen sein. Mycills
Tacitus 451
b, 16.
jahrh.; lasz ... meinen geist und sinn sich in dem kreisz ergehn der gärte voll geruchs, hier wo vier flüsse schön hinrauschen mitten durch. Opitz
poet. 20; die gärte, wo nur wolfs- und schirlingskraut zu holen. Gryphius (
bei Adelung); der edlen gärte schmuck (
blumen).
ders. 1, 490. 2, 54,
daneben aber gärten
z. b. 2, 348,
wie Opitz
z. b. 1, 61; ein waldhorn klingt bei abendstunden von weitem durch die gärte schö
n. Günther 269; (dasz) der dörfer sicherheit die gärte nicht umzäunt. 964; jetzt besuchst du fremde gärte. 1176; kunstlose gärte durchirrt hier die ruh. Kleist 2, 36,
frühling 1754
s. 43 (
sing. garten 26).
der Schlesier Steinbach 1, 559
gibt als pl. gärte,
der gebräuchlich sei statt des richtigen garten,
das zum sing. garten
gehöre, wie jenes zu gart,
und gärte
gilt noch in Sachsen bei den bauern. I@33)
die schwache form nhd. I@3@aa)
im nom. ist lange schwanken zwischen dem alten garte,
dem abgestumpften gart,
in dem die starke form zugleich untergieng (2,
a),
und dem in den nom. übergesprungnen acc. (
gen., dat.) garten,
der endlich den sieg erhielt. I@3@a@aα) gart
z. b., bis ins 17.
jh.: ortus, ein gart.
voc. Lpz. 1501 T 1
b; item so hub man neben dém garten an und grub an dén garten, der bei den siben creuzen stet, derselbig gart het ein zaun ...
Nürnb. chron. 2, 273, 15.
jahrh., von der befestigung des stadtgebietes mit schranken (
wall und graben); das paradys, der edle gart. Spangenberg
lustg. vorr., wechselnd mit garte
und garten; zwar ist es als ein gart. Weckherlin 668; dasz so beliebter gart, im anfang unerbaut, in kurzem kümmt zum baw und seine früchte schaut. Logau 2, 3, 59.
in künstlichem altdeutsch auch als dat. (
wie unter 2,
a): ihr (
Herder), der ihr seid in unserm gart eben wie der messias erwart ... Göthe,
aus Herders nachl. 1, 59.
im acc., im 16. 17.
jahrh.: welcher doctor (
gelehrte) hat seinen gart für der kleinsten emsen bewahrt?
froschm. E 8
a,
wahrsch. gârt
gesprochen. I@3@a@bβ)
auch garte noch bis ins 18.
jh.: da war ein garte, darein gieng Jhesus. Luther
Joh. 18, 1 (im garten
v. 26); wie ein garte on wasser.
Jes. 1, 30; wie ein lustgarte.
hohel. 4, 13; baumgarte, obsgarte, wingarte Trochus J 4
a; dieser garte samt aller zugehörde.
Simpl. 3, 351
Kurz; jungferschaft die ist ein garte. Logau 3, 232; o Eden, erster garte. Fleming 551; niemand quählet sich drob sehr, wen der winter ist gekommen, dasz sein gahrt' ihm den nit mehr lust kan bringen oder frommen. Rist
Parn. 241; dasz mein groszer garte .. in guten stand ist.
insel Felsenburg 1, 416.
zu der schreibung gahrte
s. unter 4,
a, die form ist heute noch md., z. b. bäurisch in Sachsen. I@3@a@gγ)
die heutige form auch schon im 15.
jh.: garten,
ortus. voc. inc. teut. h iij
a, Dief. 402
a (
im voc. 1482 k ij
b garte); es gehört auch ain garten zu der tafern.
weisth. 6, 165,
vom jahre 1439.
im 16.
jh. z. b. bei Maaler 157
b,
einzeln auch bei Luther, ein garten des herrn
1 Mos. 13, 10; du bist ein verschlossen garten.
hohel. Sal. 4, 12. I@3@bb)
auch im gen. sing. und im plur. noch im 15. 16.
jahrh. in mhd. form garten,
z. b.: flohe er des wegs zum hause des garten. Luther
2 kön. 9, 27; im hofe des garten.
Esth. 1, 5.
im plur.: das hinfür ein ieder seine garten, pawmen und hecken .. alle jar
vor sanct Gertrauten tag .. rappen (
raupen) oder rappen laszen sol.
Nürnb. poliz. 330; wee denen die da kündent (
können) ire garten pflanzen, aber nit ir seelen. Keisersb.
irrig schaf C 3
b; die garten an den wassern.
4 Mos. 24, 6; ich macht mir garten und lustgarten.
pred. Sal. 2, 5. I@3@cc)
aber der plur. mit umlaut auch schon seit dem 15.
jahrh.: die gerten zwischen den wegen.
Nürnberger chron. 2, 274; von denselbigen gerten.
das.; vor den gerten. 273; durch die gärten.
weisth. 6, 167 (
vom j. 1439); gerten. Luther
bei Dietz 2, 11
b; die gärten. Kiechel 279, Maaler 155
a (
neben garten 157
b). I@44)
auszer dem hd. gebiete (
vgl. unter 1). I@4@aa)
mnd. garde Dief. 402
a,
bei Chytraeus im 106.
cap. garde
und garden (lustgarden, bohmgarden),
pl. garden,
gen. sing. gardens;
nnd. garden,
gesprochen garen
Brem. wb. 2, 488, gâre,
pl. gârens Schamb. 59
b, gaorn Danneil 62
a, gôrden Dähnert 142
b;
die länge des vocals wird ziemlich alt sein und erstreckt sich auch in die md. und oberd. mundarten herein (
vgl. schon Rists
schreibung gahrte
unter 3,
a, β).
ebenso mnl. gaerde, gaert,
bei Kil. gaerde, gaerd
hortus, pomarium, jetzt gaard
m. und gaarde
fem. (
vgl. 5),
der pl. für beide formen gaarden. I@4@bb)
mit durchgedrungner länge auch dän. gaard,
schwed. grd;
norw. gard (
gesprochen gar,
auch gaar),
schwed. dial. gard Rietz 186
a,
daneben aber schwed. dial. gardä
m. kleiner garten 186
b und norw. garde (gare)
m. hürde, pferch Aasen 209
b,
der isländisch gardi
m. krippe dazustellt, womit die schwache form also doch auch nord. vorliegt (
vgl. unter 1). I@4@cc)
engl. garden
und yard,
aber in der bed. getrennt (
doch dial. auch noch yard
gleich garden),
und nur das zweite unmittelbar vom ags. geard
kommend, altengl. ʒarde
hofraum u. ä. Halliw. 950
b, '
ortus, a ʒerd' Wright
vocc. 270
a,
vergl. Stratmann 255. garden
dagegen ist aus dem franz. übernommen nach der nebenform gardin
für jardin,
die mundartlich noch gilt (Diez
2 1, 213),
daher anfangs z. b. bei Chaucer
Cant. t. 1053 gardin (Stratmann 233);
hat doch das alte wîngeard
franz. einflusz erfahren im englischen vineyard,
an franz. vigne
angelehnt. eine dritte form ist nordengl. und schott. garth,
gleich yard
und garden (garthe cresse,
gartenkresse Halliw. 393
a),
auch gehege u. ä., zu altn. garðr
stimmend, mit abweichender auslautstufe. I@55)
neben dem herschenden m. erscheint auch ein fem., wenigstens in zusammensetzung. I@5@aa)
das alts. middilgard
im Heliand erscheint mit einer eigenthümlichen regelmäszigkeit als m. zwar im acc., an thesan middilgard
u. ä., im dat. aber als f., an thesaru middilgard,
also starkes f.; nnd. als fem. z. b. eckerngâre,
eichelgarten (
s. II, 2,
b, γ) Schambach 55
b.
vergl. das nl. fem. gaarde
unter 4,
a, und mnd. eine gart landes II, 1,
e, α. I@5@bb)
auch hd., oberrh. im 14.
jh. bîgarte
f., nebengarten, s. in Mones
zeitschr. 5, 267 die bîgarte, in der bîgarten,
daneben gleichgeltend mit m.: reben, ligent ime bîgart,
auch in dem bîgarten.
ebenso neben heimgart, heimgarten
m. (IV
2, 871),
das bair. ist, in Tirol die haimgart (hoañgert) Schöpf 176,
auch in Kärnten Lexer 109,
schweiz. die hangerte, hängerte
neben der hängert Stalder 2, 20.
bei Diefenbach
goth. wb. 2, 391
ist neben wingert
m. (
s. 2,
b)
auch wingerte
als m. und f. angegeben. I@5@cc)
hierher gehörig ist denn auch die egert, egerte (
s. III, 34),
ahd. in mrh. form egerda Haupt 6, 322
a,
mhd. und nhd. auch egarte
f., österr. ausgedeutet als eingard
f., einsame gegend Höfer 1, 177, aingoard Castelli 145,
daher wol auch anderwärts ängerte (
s. unter engert),
aber auch ergert
arvus Dief.
nov. gl. 36
b,
vergl. kärnt. argate Lexer 109.
es fragt sich, ob das e
der zweiten silbe blosz vom tonverluste herrührt oder nicht auf ein altes gartia
weist, vgl. hängerte
unter b. I@66)
auch ein neutr. erscheint, aber nur nord., gerði
eingehegtes stück land Fritzner 199
a,
pferch, hürde Vigfusson 197
a (gerdistûn
n. garten das.);
noch norw. gjerde
n., schwed. gärde
n., auch feld, kornfeld, dän. gjerde
zaun. I@77)
erwähnenswert scheint auch ags. wîneard
neben wîngeard, middaneard
neben middangeard,
noch altenglisch middenerd, middelerd
u. ä. (Dief.
goth. wb. 2, 391, Stratmann 395. 396),
wie am Mittelrhein baumgart
auch gekürzt erscheint (
s. u. 2,
b)
als baumert, bammert Kehrein 60,
schweiz. bommert Stalder 1, 202, Tobler 68
b.
im ags. zeigt sich da eine berührung und mischung der sinnverwandten geard
und eard
m. (
s. I, 568),
wie sie auch bei uns denkbar ist, denn auch hd. bestand art
m. f., bewohntes, bebautes land, auch heimat u. ä., wie alts. ard
m. und ags. eard,
noch im 16.
jh. (
z. b. in Uhlands
volksl. frembde art
s. 395
gleich frembde land
s. 396,
vgl. 374, landart 630,
vgl. Schm.
2 1, 149),
in mhd. zeit z. b. bei Albrecht von Halberstadt
für arva
bei Ovid: daʒ (
meer) erhuob sich an ir art ... unde trenkete al ir korn. Haupts
zeitschr. 11, 362,
für fluctibus obruit arva
metam. 11, 210.
so wurden denn art
und gart
in beziehung gesetzt, z. b.: id sij artlant off (
oder) gartlant. Mones
zeitschr. 9, 175
aus einer cöln. urk. von 1391,
auch artacker
und gartacker Lexer 1, 98
u. 740. IIII.
Bedeutung und gebrauch. II@11)
Der ursprüngliche begriffskreis des germ. wortes läszt sich noch ziemlich sicher nachzeichnen, bes. mit hilfe des gothischen und nordischen; er berührt und schneidet sich wesentlich mit den begriffskreisen von zaun
und hof. II@1@aa)
uns am fernsten steht altn. garðr
als zaun, gitter, mauer, wall u. ä. (
z. b. vom Danevirke Egilss. 224
a),
noch jetzt norw. gard,
schwed. gärdsgrd,
dial. auch blosz gard,
dänisch gjerde (
s. I, 6),
und zwar ohne rücksicht auf den stoff, denn es gibt u. a. auch norw. steingard,
dän. steengjerde (
vergl. mhd. ein steinîn zûn
wörterb. 3, 949
a),
bildlich z. b. altn. tanngarðr,
noch norw. tanngard,
dän. tandgjerde,
der zaun der zähne, ἕρκος ὀδόντων.
dazu altn. gerða
umzäunen, dän. gjerde, indgjerde,
einzäunen. Ein hd. anklang doch auch dazu in schweiz. gert n., '
zaungeflecht, oder gerten zum ausflechten der zäune' Stalder 2, 518,
der es dem dän. worte gleichstellt; vgl. appenz. gertchemi,
kamin aus geflochtenen ästen (
mit lehm '
übermauert') Tobler 219
a.
ist das ein collect. gegerte,
zu gerte
rute? oder ist es ursprünglich gleich dem nord. gerði
n.? II@1@bb)
bedeutsam nord. auch ein von menschen gebildeter zaun, kreis, slâ garð um einn
heiszt einen umringen Fritzner 193
a,
wie slâ mannhring um einn (
einen menschenring) 433
a,
auch manngarðr
das., noch norw. manngard,
s. dazu einen ring, kreis 'schlagen' V, 2146,
vermutlich auch, wie dort, mit wirklicher kreisform (itcart
orbis Graff 4, 249),
wie denn noch norw. gard
ring, kreis heiszt, z. b. der '
hof'
um den mond, garda
kreise machen, wie z. b. das wasser bei einem steinwurfe, s. Aasen 209,
vgl. unter d, γ.
daraus erklärt sich denn ahd. gart
für chorus Graff 4, 250,
kreis von spielenden, singenden, tanzenden (gartsang
chorus 6, 252),
doch blosz in starker form. altschwed. garþer
war auch heer, kriegerhaufe, s. Rietz 186
a,
eigentlich wol die schützende umgebung des fürsten, cohors. II@1@cc)
was eingezäunt, eingehegt ist. II@1@c@aα)
wie auf der schwelle zwischen den begriffen zaun und eingezäunter raum steht nordfries. guard
fischzaun, zum fangen der schollen Johansen 102
b (guard
ist das. auch garten),
altn. garðr, fiskigarðr,
schwed. fiskgrd,
dän. fiskegjerde,
engl. dial. fishgarth Halliw. 358
a,
schott. garth Jamieson 1, 459
b,
auch franz. gord
m. ein im flusse angelegter zaun. s. auch salzgarten. II@1@c@bβ)
ähnlich ahd. in der gl. scefcartun
navalibus Schm. 2, 67, Graff 4, 249,
zur bergung der schiffe, halb oder ganz ins wasser gebaut. diesem wieder ähnlich bair. holzgarten,
holzhof, wo das triftholz nach seiner wasserfahrt aufbewahrt wird (
in München),
s. Schm. 1, 480. 2, 67. II@1@c@gγ)
mehr dem heutigen begriffe sich nähernd gestüetgarten, stuetgart
m., '
was wir jetzt fohlenhof
nennen, z. b. Schwaiganger' Schm. 3, 673, Frisch 1, 338
b,
gehege zur pferdezucht, daher denn Stuttgart,
noch im 17.
jh. auch flectiert zu Stutgarten.
ähnlich dann schafgarten
schäferei, noch als ortsname in Hessen, s. Vilmar 117,
wie ebenda Hasengarten,
vgl. kaninchengarten,
gehege zur kaninchenzucht. aber auch wolfsgarten
ebenda, im 16. 17.
jahrh. anlagen zum lebendigfangen der wölfe, im walde '
ein garten dessen thüren wolfsfallen sind' Frisch 1, 322
b.
gleichfalls ursprünglich im walde bienengarten (
s. dort),
denn im 13.
jahrh. erscheint Binegarten
selbst als waldname Kehrein
samml. 44
a,
auch als ortsname das., Vilmar 117,
eigentlich von einem gehege im walde zur bienenzucht, vgl. bienenkreis V, 2150
unten. auch thiergarten,
zur hegung wilder thiere u. ähnl. (
mhd. tiergarte),
auch als jagdgehege, wieder auch kreis (
s. a. a. o.),
franz. parc,
d. i. pferch,
nd. perc,
s. V, 2146. II@1@dd)
hauptsächlich aber als wohnstätte oder dazu gehörig. II@1@d@aα)
schon goth. gards
bedeutete nicht nur den hof beim hause, αὐλή,
sondern auch die ganze wohnung, das haus selber, οἶκος,
οἰκία,
auch wie unser haus
auf das ganze hauswesen übertragen mit einschlusz der hausgenossen (
Marc. 3, 35),
daher gardavaldands
der hausherr, ingardja
hausgenosz, οἰκεῖος, ingards
adj. οἰκεῖος; daneben aber als garten in veinagards
weinberg, aurtigards
würzgarten, und schwachformig garda,
αὐλή,
schafhürde Joh. 10, 1 (
vergl.schafgarten
vorhin).
und die uns entrückteste bedeutung darunter, haus, gilt noch nordisch, z. b. dän. gaard
groszes haus mit thorfahrt, herrenhaus u. ähnl., früher auch kongsgaard
das königliche schlosz, schwed. grd
schlosz, burg, altn. konungs garðr,
wie gleichfalls schon goth. þiudangardi
βασιλεῖον Luc. 7, 25;
das nord. wort erscheint auch niederd. als garden
übersetzt, z. b. von den vitalienbrüdern, die im j. 1429
Bergen überfielen, wird erzählt: do stickeden se an des koninges garden Grautoff
lübeck. chroniken 2, 54
anm., in einer andern quelle ebenda des koninges hof. II@1@d@bβ)
sonst entspricht das nord. wort unserm hof,
umschlossene wohnstätte samt den gebäuden oder auch der hofraum neben, in oder auszer ihnen, in der stadt wie auf dem lande. nur letzteres noch ist englisch yard,
z. b. yard-gate
hofthüre, barrack-yard
kasernenhof, church-yard
kirchhof (
schwed. kyrkogrd,
altn. kirkjugarðr),
aber ags. geard
auch wohnung, haus, und auch alts. gard,
wenigstens im pl. gardôs,
wie ags. geardas,
altn. garðar Egilss. 224
b,
sei es von den einzelnen gebäuden eines gehöftes entnommen oder von den mehrern gehöften die einen ort bilden, vergl. alts. hoBôs
von einem gehöfte und -hofen
oder -gehofen
in ortsnamen, wie altn. -tûnir Möbius 443.
aber eben wie altn. tûn
n. auch im sing. eine stadt bezeichnete, gleich dem engl. town,
ags. tûn,
eben so auch ags. geard
stadt sg. in leódgeard, eardgeard Grein 2, 172. 1, 246,
die stadt wol wie éin groszes gehöfte gedacht in éiner umhegung; vgl. mnd. Nôgarden,
mhd. Nôgarten
für Nowgorod, altn. Nôgarðr Haupt 12, 346
fg. schwedisch wird das gehöfte genauer als mangrd
bezeichnet, altschwed. manngarþer Rietz 186
a,
eigentlich männergarten. II@1@d@gγ)
aber noch weiter war der begriff gewachsen, denn wie mhd. ein dichter ein land landes gart
nennt (I, 2,
a),
so heiszt in den altfries. rechtsquellen liodgarda, '
leutgarten' (
vgl. ags. leódgeard
stadt vorhin)
die dorfmark, feldmark, terrae termini, s. Richthofen 904
a; Ruzzia vocatur a barbaris Danis Ostrogard.
Adam. Brem. IV, 11
schol., gleich mhd. Ôsterlant, Ôsterrîche,
vergl. Müllenhoff
in Haupts zeitschr. 12, 345
fg.; alts. aber heiszt thesa gardôs
die ganze erde als menschenwohnung, οἰκουμένη,
und ebenso im sing. schon goth. midjungards
u. s. w. (
s. I, 1,
vergl. mythol. 754),
orbis terrarum, und darin scheint, wie bei orbis,
zugleich wieder die vorstellung des kreises oder der scheibe gegolten zu haben (
s. unter b, vgl. kreis 13),
wie auch der hofzaun, die stadtumwallung in alter zeit gern die kreisform einhielten (
vgl. orbis
und urbs)
und bannende gehege überhaupt (
s. V, 2150
b).
hierher auch altn. Âsgarðr,
götterwohnung, wieder auch pluralisch Âsa garðar,
und mhd. merigarte, meregart,
die erdscheibe im meere, während auch umgekehrt das meer altn. grundar garðr,
des erdgrundes zaun, oder landgarðr
genannt wird Egilsson 224
b. 493
a. II@1@ee)
am merkwürdigsten aber gart, garten
als landmasz. II@1@e@aα)
engl. yard-land
a quantity of land, which varies, according to the place, from 15
to 40
acres Halliwell 943
b.
und ebenso nl. gaerde
ein gewisses landmasz, s. Oudemans 2, 339,
und bei uns, im Waldeckischen erscheint im jahre 1466
als landmasz eine gart landes (
fem., wie alts. I, 5,
a),
im j. 1825 ein garten landes,
s. Curtze 465
b und dessen gesch. und beschr. des fürst. Waldeck s. 255. 464;
die reine mnd. form gard
wird gesichert durch zusammensetzungen die Vilmar 117
aus dem nd. Hessen beibringt aus dem 14.
jahrh., ein drygerde, ein vifgerde,
stück von drei, fünf gard, mit schwachem gen. in dimidietatem eines drygerden,
noch jetzt das. 116 ein dreggert,
gleich ¾
acker, ein sevengart 1¾
acker, ein fifert
acker (
mit verlust des g-
wie u. I, 7),
also der gart ¼
acker, sodasz es Vilmar
gleich quart
ansetzt, um die entstehung zu erklären, die doch aus quart
schon lautlich unmöglich ist, es müszte kart
heiszen (
vgl. kärtlein V, 244),
und auch engl. findet sich a yard of land
als a quarter of an acre Halliw. 943
b;
nur der anklang des lat. wortes mag auf die festsetzung des alten maszes, das wol schon längst schwankend geworden war, eingewirkt haben, der weit gröszere wert des engl. yard
oben wird der ältere sein, denn masze verkleinern sich im laufe der zeit wie münzwerte. verdunkelt dasselbe ist wol hannöv. gard,
ein dreieckiges stück landes mit einem spitzen winkel Brem. wb. 2, 486 (
vgl.gart spitze sp. 1381).
auch in norw. gard,
dän. gaard,
schwed. grd
bauergut, hufe, dän. halvgaard
halbhufe, schwed. halfgrd
schlieszt der begriff ein gewisses masz ein, wie unser hufe.
s. auch die ableitungen gärtine
und gartling. II@1@e@bβ)
im engl. mischt sich da yard
als längenmasz ein, und auch bei uns tritt gerte
heran, das auch, wie sonst rute,
als ackermasz gilt, z. b. in Franken ein, zwei
u. s. w. gert holz, acker, weingarten, wiesen,
s. Schm. 2, 69;
aber wie engl. yard
landstück, garten als wort verschieden ist von yard
als längenmasz, rute (
s.gart sp. 1382),
so ist aus dem begriffe des zweiten als bloszes längenmasz eine entstehung des ersten als vollmasz, zumal bei seiner grösze, nicht zu begreifen. es ist, wie das nordische zeigt (
α am ende),
wie mit hufe,
mhd. huobe,
bei dem noch heute der begriff landmasz vorwiegt, aber zugleich in form eines hofgutes, hufengutes entwickelt (hofrait, hofstat ... oder hub,
curtis voc. 1482 o 8
b),
wie die benennung des besitzers als hübner, hüfner
zeigt (
vgl.gärtner ähnlich).
so hatte sich umgekehrt hofstatt
gehöfte auch zur bedeutung landmasz entwickelt, s. bei Lexer 1, 1369
z. b. einen weinberg der vier hofstett
enthielt, eine halbe hofstat weingarten;
ähnlich auch hof
selbst, s. Schm. 2, 156.
s. auch koppel 4
als feldmasz, und acker,
auch feld (
s. d. 4). II@1@e@gγ)
in diesem gart
als landmasz steckt wol sogar die quelle des ganzen wortes, aus der zeit der ersten besitznahme her, wo dem einzelnen vom gemeindegrunde je ein stück als eigenthum zugetheilt wurde (
gewiss nach einem masze),
das er sich nun einhegte, seine wohnung drin baute oder es sonst frei benutzte, gelöst von den ansprüchen der gemeinde, die am gemeindegrunde hafteten (
vgl. 2,
a);
alle vorliegenden bedeutungen konnten aus dieser ersten bed. erwachsen, und es musz mit hof
ähnlich sein, dem doch die bed. zaun, gehege abgeht. ob der garten
selbst zuerst eben der zaun war? J. Grimm
gramm. 3, 426
sah es so an, und es fände dafür einen guten anhalt theils in gerte
als mittel zum zäunen (
vergl. unter 1,
a schweiz. gert),
theils in dem starken gothischen gaírdan
cingere (
vgl.gürten),
falls die urverwandtschaft (
s. III)
das zuläszt. ähnlich ist zaun,
das ebenso in zein
gerte einen anhalt hat, von der heute noch geltenden bed. fortgeschritten zu den bed. hof z. b. in ags. cyrictûn
kirchhof, altn. tûn
n. grashof beim hause, und wohnung, stadt (
s. d, β).
auch die egarte (I, 5,
c)
ist doch wol eig. êgarte
gleich êzûn (
s.ehezaun Schm. 4, 266,
östr. weisth. 1, 364
a), êfride
weisth. 1, 258. II@22)
Das nhd. wort, nach dem vorigen nur ein bruchstück des ganzen, und auch dieses jetzt nur noch theilweis im allgemeinen bewusztsein. II@2@aa)
der genaue begriff erscheint noch in neuester zeit, z. b.: das schöne fleck, das gemeindegut war und das der gerichtshalter zum garten einzäunen und umarbeiten lassen. Göthe 15, 28 (
die aufgeregten 1, 7),
vgl. im brem. wb. 2, 489
aus dem stadtrechte: nemant schall des stades weide engen noch mit tünen noch mit ghaerden,
der gemeindegrund als weide,
vgl.allmende,
anger.
zwischen beiden sich ausschlieszenden begriffen steht doch in der mitte der heimgarten,
s. e, α.
der reinste gegensatz zum garten
aber ist das feld,
das wir noch gern als offenes
bezeichnen (
vgl. bei Paulus Diac. als campi patentes
oben III, 1474)
und das im weitesten sinne auch wiese, wald einschlieszt. II@2@bb)
nachklänge der ursprünglich allgemeineren bedeutung. II@2@b@aα) garten
von ackerstücken, d. h. eingezäunten, wie diesz einhegen auch von ackerland, selbst mit graben und wall, noch in südd. wie nordd. ländern vorkommt (
s. u. beunde, esch, egert, kamp, koppel 4);
so z. b.: der waizengarten, so befridt und mit hägen und gräben umbgeben. Mones
zeitschr. 5, 265,
bei Schwetzingen im j. 1570;
ebend. 266
ein zwîggarten
gleich zwîgacker,
vgl.gartacker
gartenland s. 404 (14.
jahrh.).
in Kärnten garte
umzäuntes feldstück, daher ackernamen wie bachgarte, augarte, rosengartel,
s. Lexer 109.
ebenso schwed. gärde
n. abgezäuntes stück feld (rggärde
roggenfeld u. a.),
auch feld, acker überhaupt. II@2@b@bβ)
auch eingehegter wiesengrund, weide (
verschieden vom grasgarten
beim hause, im dorfe),
denn als ortsname kommt Wiesengarten
vor, ein herrschaftlicher hof im 16.
jh. in Hessen Landau
wüste ortsch. 190,
vgl. im 13.
jh. wisgart
u. I, 2,
b; s. beunde 6
als eingehegte wiese, sie kommt auch im sächs. Voigtlande so vor (beinde);
vgl. weisth. 4, 559
fg. gärten in der allmaye (
almende),
die nach ostern in frieden
oder ban gestellet, zugemacht
werden sollen, als weide dienen (
doch auch um kraut zu bauen).
noch jetzt ist in diesem sinne von wiesen die rede, die gartenrecht
haben (
s. dort),
d. h. eben als wiesen, wo denn garten-
noch das blosze einhegen bezeichnet. auch schwed. gärde
als eingehegter wiesengrund, altschwed. gærþi,
s. Rietz 187
a. II@2@b@gγ)
dem heutigen begriffe sich nähernd nd. eckerngâre
fem. (
s. I, 5,
a),
worin die jungen eichen aus dem kern gezogen werden Schamb. 55
b,
im offnen felde oder im walde ein eingehegtes stück, auch ekelnkamp, dannenkamp,
mit einem graben umgeben Dähnert 216
b.
ähnlich krautgarten (
s. d.)
im felde zur ansaat von kraut, kohl u. ä. bis zu ihrer verpflanzung ins feld; auch folg. krautgerten
im 16.
jh. sind nicht am dorfe, sondern im felde: kamen (wir) über die felder und neben den krautgerten hin in einen liechten wald. J. Baader
verhandl. über Th. v. Absberg 200.
bei Schamb. 59
b gâre,
der nicht beim hause liegende küchengarten (
eingezäunt oder offen),
der gras- oder obstgarten beim hause aber heiszt hof (
s. c, δ).
vgl. Möser
unter kohlgärtchen. II@2@cc)
der engere heutige begriff, der sich doch unmittelbar an den ältesten anschlieszt. II@2@c@aα)
jetzt wird der garten
gedacht als wirklich oder eigentlich zum hause gehörig, im unmittelbaren dienste der hausbewohner zu nutz und lust zugleich, in den dörfern noch das haus begleitend, umgebend, mit dem hofe
in verbindung (
der einst selbst darin begriffen wurde, s. 1,
d, β),
in den städten vom hause immer mehr entfernt, an oder '
hinter'
der mauer angelegt oder im graben (
stadtgraben),
dann auch vor die stadt verlegt, wie schon im 15.
jahrh., z. b. in Nürnberg (
vergl. I, 3,
a, α),
wo der rat, nach schweren kriegsläuften, im jahre 1465
verfügte, das nu fürbas niemants in einer meil wegs .. umb dise stat .. in garten .. einicherlei newer gepew .. pawen .. laszen sol .. ausgenommen der lusthewslein, der mag iemants eins und nit mer in seinem garten haben .. doch nit groszer dann sechzehen statschue lang.
Nürnb. poliz. 292. 293 (
vgl. unter gartenhaus).
besonders gern auf den nahen anhöhen, bergen, daher berggarten,
auch kurz berg
genannt, z. b. in Hessen, Thüringen, wie ebenda weinberg
gleich weingarten, wingert (I, 2,
b).
zum begriffe gehört noch, dasz er mit dem spaten, nicht mit dem pfluge bearbeitet wird (
daher gartland
und artland,
s. I, 7
a. e.),
aber besonders auch an bäume denkt man dabei, die denn auch dem grasgarten,
selbst dem gemüsegarten
meist nicht fehlen, vgl. aus Henisch
sp. 1396 (
α) ein gart ohn baum nicht eines hallers wert. II@2@c@bβ)
die umhegung, abschlieszung gegen fremde wird auch besonders bezeichnet, früher besonders mit beschlossen
u. ähnl. (
s.'umzäunen und beschlieszen' I, 1577): das wörtlin gennath ist so viel als ein beschloszner gart oder paradis. Reiszner
Jer. 1, 76
b,
vgl. mhd. Maria als besloʒʒener garte
wb. 1, 483
b; du bist ein verschlossen garten.
hohel. 4, 12.
noch nd. slotgâre,
ein eingefriedigter, mit thür und '
schlosz'
versehener garten Schambach 59
b,
gegenüber de ôpene gâre,
gartenland, grabeland das. (
Einbeck),
wo denn der begriff in den des feldes halb übertritt, doch so dasz das umgraben statt des ackerns bleibt. auch eine stadt hiesz besloʒʒen (
vergl.schlosz als burg): hie ze Augesburg und vor andern besloʒʒen steten. Berth. 290, 7;
die stadt verhält sich zum dorfe ähnlich wie der garten zum felde. auch gehegt
wird der garten: daʒ si (
die hübner im walde) hegesal sullent hauwen, daʒ si unser herren garten hegen sullent.
weisth. 2, 221,
vgl. 222, hegen
wol den hag
ausbessern, wiederherstellen. oder gefridet,
daher fride
der zaun selber (
sp. 187): dasz ie einer dem andern zu end (
seines grundstücks) dem dorf hinab frid geben sol, jeder ober dem underen, und sollen all gärten gegen den wisen und den äckeren ihnen selbs frid geben.
weisth. 1, 257,
die gärten
statt ihrer eigenthümer, die nach dem felde zu ganz auf eigne kosten die einfriedigung unterhalten müssen, an der grenze gegen den nachbar aber nur allemal auf der untern seite, vgl. eefrid
das. 258, fridhag 4, 406. II@2@c@gγ)
es hiesz aber den garten bauen
eben wie das feld, den acker,
von der gesamten bearbeitung (
wie noch in gartenbau),
gewiss von je her, vgl. fundgr. 2, 16, 17: und gott satzt in in den garten Eden, das er in bawet und bewaret.
1 Mos. 2, 15; wolt ich den krieg krieg laszen sein ... bauen mein felter und garten. Ayrer 2947, 26.
noch bei Ludwig 692 den garten bauen,
to dress a garden, jetzt bearbeiten, besorgen, pflegen
u. a.; lustgärten bauwen oder pflanzen,
aedificare hortos Maaler 52
a (
vgl. I, 1173
unten),
vielmehr von der anlegung, wie pflanzen
auch sonst (anlegen Frisch 1, 322
a): und gott der herr pflanzet einen garten in Eden.
1 Mos. 2, 8,
wie in der alten dichtung: got dô phlanzen began ein boumgarten wolgetân in wunnechlîcher wîse, den hieʒ er daʒ paradîse.
genesis 8, 32
D. II@2@c@dδ)
bemerkenswert ist, wie auch hier garten
von hof
und zaun
gekreuzt und beschränkt wird (
s. 1,
d, β),
denn im nd. gebiete ist weithin vielmehr hof
das wort (
vergl.kohlhof, krauthof),
z. b. bômhof, krûdhof, appelhof, blomenhof
brem. wörterb. 2, 637, Schamb. 83
b,
selbst in Hessen über den niederd. bereich hinauf, pflanzenhof
krautgarten, grashof,
s. Vilmar 172. 117;
auch bei Trochus,
also weiter östlich auf md. gebiete am rande des nd. steht neben baumgarte, obsgarte J 4
a doch grasehof
graminarium, worzehof
viridaria (
wurzgarten) J 4
b;
so in der Cölner gemma von 1511 P 3
b '
ortus ein hoff',
und blosz so, kruythoff K 2
b, grashoff
oder groenhoff AA 1
d,
neben appelbomgart Q 6
d;
ebenso nl. hof
garten, lustgarten, hofbloem
gartenblume, hofhuisje
gartenhäuschen. aber auch tuin,
zaun, heiszt nl. der garten, tuinbed
gartenbeet, tuinhuisje, moestuin
krautgarten u. s. w., auch ostfries. tûn,
z. b. kôltûn,
s. Stürenburg 293
a. II@2@c@eε)
bemerkenswert ist auch éinmal folg. auf
statt des gewöhnlichen in: beckelhauben, darmit man die hner auf dem garten tod wirft.
Garg. 119
a (214
Sch.),
wie auf dem hofe (
vgl.auf und in die kammer V, 110).
dann ein plur., wo damit blosz der begriff erhöht zu werden scheint, wie in lat. horti
gleich lustgarten, park, parkanlagen (
vergl.gartenanlagen),
z. b. in den sprichw. hängenden gärten der Semiramis,
griech. κῆπος κρεμαστὸς Σεμιράμιδος (
vgl. unter d, δ); mein freund ist hinab gegangen in seinen garten .. das er sich weide unter den garten. Luther
hoh. lied 6, 1,
vulg. descendit in hortum .. ut pascatur in hortis,
s. dazu u. gärtlein 1,
b (
gartenbeet).
wol auch in den worten des herzogs im Tasso (1, 2): so mag der schwarm dann kommen, dasz es lustig in unsern gärten werde. Göthe 9, 115. II@2@dd)
von den verschiedenen gärten. II@2@d@aα)
das blosze garten
erscheint auch im unterschiede vom baum- und weingarten: arbeidet ên herre .. garden oder wîngarden oder bômgarden ..
Sachsensp. II, 58, 3 (
im Deutschensp. § 173 garten oder paumgarten oder ander guot),
vorher ist, im gegensatz zum felde, vom garden
die rede der gesäet und geharket wird, also krautgarten, küchengarten; daher auch bloszes gartner
für olitor z. b. bei Golius
cap. 10,
wo der nd. übersetzer Chytr.
genauer kôlgardener
setzte, und noch heute in Frankfurt a. M. die gärtner,
die alte zunft der gemüsegärtner. übrigens auch bei Chytraeus
c. 106 '
hortus, ein garde, krudthof',
daneben '
horti, lustgarden, bohmgarden'. II@2@d@bβ)
die alte eintheilung war in kraut- baum-
und weingarten,
z. b. im anfang des 14.
jh. in der Schweiz, wie vorhin nd. im Ssp.: zuo der burg (
Grüningen) hœrent ouch ein boumgarte und ein krûtgarte.
habsb. urb. 124, 29, wîngarten 82, 6,
vgl. die boumgarten umbe die burg 184, 6 (
ein tiergarte 185, 2),
oft auch blosze garten
als zinspflichtig, z. b.: under dem turne lît ein garte, der giltet iiij schill. haller. 297, 16.
Der krautgarten heiszt anderwärts kohlgarten, küchengarten, gemüsegarten, pflanzgarten,
landsch. auch krätzgarten (
wofür auch grässegärtchen,
vgl. kris 3),
schles. tätzegarten (II, 829,
vgl.getätze),
s. auch wurzgarten, kürbiszgarten, bohnengarten
u. ä. (Steinbach 1, 559);
der baumgarten,
was z. b. in Sachsen, Thüringen jetzt überhaupt nicht gebräuchlich ist (
vergl.gartenbaum),
auch obstgarten,
s. auch fruchtgarten, kirschgarten, apfelgarten, nuszgarten, pflaumengarten,
mhd. biregarte
birngarten; s. auch hopfengarten,
ölgarten,
dattelgarten, feigengarten (Steinbach 1, 559),
vgl. lindengart
unter e, β. II@2@d@gγ)
dann blumengarten,
schon ahd. bluomgarto, dâr rôsâ unde ringelen unde violae wahsent
Boeth. 33 (32),
aber als übers. von purpureum nemus,
sodasz ein hain, ein heiliger hain im altgerm. sinne vorgestellt ist, der rosengarten
der in lied und sage noch jetzt nachlebt (
im lat. texte dort ist nur von violae
die rede),
vgl. ahd. vîolgarto
violarium Virg. georg. 4, 32,
gleichfalls nicht als garten,
kunstgarten in unserm sinne gedacht, wol als eine veilchenflur am waldesrande; vgl. unter e, β.
für lust- und blumengarten galt in alter zeit auch wurzgarte (wurzgertlein Uhland
volksl. 102),
z. b. im folg., wo schon eine anlage der beete erscheint, die an den gartengeschmack des 17. 18.
jh. erinnert: ich sach auch den anger han einen wurzgarten ... er was durchgrnet her und dar, geschachzabelt und gefiert, mit kraut und wurzen wol geziert.
Hätzl. 234. II@2@d@dδ)
nach zweck, lage, zugehörigkeit u. ä. hausgarten, klostergarten, pfarrgarten, schulgarten, burggarten, schloszgarten, palaisgarten, herrschaftlicher garten, dorfgarten, bauergarten (Göthe 28, 201), stadtgarten,
dann nutzgarten, pflanzgarten, lustgarten, ziergarten, kunstgarten,
irrgarten, botanischer garten, fasanengarten, hängegärten
oder hängende gärten (
horti pensiles, garten auf heüseren oder gewelben Maaler 157
b),
bildl. die hängenden gärten des genius J. Paul
büchersch. 1, 166,
ein maienbaum zur kirchweih oben mit einem hangenden garten grünend (
einer blätterkrone)
biogr. belust. 1, 132, familiengarten
Titan 4, 158; zaubergarten, wintergarten,
neuerdings auch kindergarten,
in dem denn auch der begriff des gartens ganz abgestreift erscheint, oder verinnerlicht. II@2@d@eε) öffentliche gärten, wirtsgärten,
wie kuchengarten (
s. d.)
als gartenwirtschaft, kaffeegarten,
einst auch té-garten Wagenseil
de civ. Norib. 458; biergarten, zoologischer garten. II@2@ee)
einen öffentlichen garten
in alter zeit zeigt folgendes. II@2@e@aα)
schwäbisch heiszt zgarten gehn
besuch machen (zugârtler
besucher),
in der Baar Schmid 220,
vgl.zu gatten gehn Schm. 2, 68.
es ist genauer der heimgarten (
s. d.)
im alem. und bair. gebiete, zu dem sich nun bedeutsam ein md. seitenstück findet in dem thür. kosegarten, in kosegarten gehn
gleich dem bair. in heimgarten gehn (Schm. 2, 67),
zum plaudern zusammenkommen, s. R. Köhler
in Zachers zeitschr. 4, 134.
dasz der heimgarten,
und der kosegarten
gewiss auch, urspr. ein wirklicher garten
war, ein umhegter platz in oder bei dem orte, zeigt z. b. folgende stelle aus einem bair. weisth. des 15.
jh. aus Altenmarkt (
s. schon IV
2, 871): das gotshaus hat auch ain eetafern datz dem Altenmarkt, gelegen gegen dem haingarten uber, da die linden ietz stet.
weisth. 6, 165. II@2@e@bβ)
er hatte aber ursprünglich einen wichtigeren zweck für die gemeinde, als nur zum plaudern und spielen (Mones
anz. 8, 395
b),
noch im 16.
jh. hiesz bei Rotweil die gerichtsstätte so, mit linden bestanden, ein lindengart
vor der stadt (
Zimm. chr. 2, 350);
das spätere '
kosen'
war urspr. wol das verhandeln der versammelten gemeinde im gericht und sonst (
vergl. ahd. dingchôsi
reden vor gericht V, 1843).
so kommt es zusammen mit rosengarten, wie auch versammlungsstätten der gemeinde hieszen (Uhland
schr. 8, 519),
z. b. in Solothurn Germ 10, 147,
in Osnabrück Soltau 295,
gleichfalls mit linden bestanden, z. b. in Rostock die 'seven-linden' up den rosengarden
Germ. 6, 321 (
s. RA. 797
von linden auf gerichtsstätten),
später gleichfalls als spielplätze gebraucht, wie der rosengarten
bei Rorschach, eine spielwiese, ursprünglich aber heilige stätten (
vgl. unter d, γ),
s. z. b. Germ. 10, 147
fg. II@2@e@gγ)
das heim-
aber musz urspr. einen gegensatz ausdrücken, wie besonders im bair. sprachgebiete mehrfach, s. z. b. heimfeld, heimgrund, heimweide, heimmeier
dorfmeier, in den östreich. weisth. 1, 386 haimbgesuech
dorfweide, haimbgehülz
im gegensatz zum herschaftl. walde u. a.; auch anderwärts, z. b. mrh. heimgeding, heimding
weisth. 5, 696,
das gemeinschaftliche gericht und recht mehrerer dörfer, auch heimgericht 2, 334. 4, 570.
der heimgarte
wird urspr. die stätte für das heimding
sein, im gegensatz zu der mahlstätte für den gau oder den ganzen stamm; vergl. compitum
sowol mit heingarte
als dincstul
glossiert Dief. 137
b.
im Rheingau erscheint im 14.
jahrh. als gerichtsstätte ein garte (
RA. 798),
noch jetzt sieht man z. b. in hessischen dörfern als stätten, wo noch der grebe die bauern versammelt, anhöhen mit linden und ummauert (
daselbst 797),
worauf der alte begriff des garten
trifft. die gerichtsstätten waren aber urspr. zugleich opferstätten, und so meint nicht ohne grund Simrock
myth.2 526,
dasz wie zweifellos rosengarten (
vermutlich auch heimgarten)
so schon gards
selbst einst eine heilige stätte bezeichnete. auch hof
hatte sich altn. zur bedeutung heilige stätte, tempel entwickelt (hofgoði
tempelpriester),
und ebenso das mit garte
urverwandte oskische h'úrt'ús,
s. III, 2.
Da jenes gart,
als gerichtsstätte wie als opferstätte, verfolgten zugleich fride
gab (
als ἄσυλον),
begreift sich vielleicht daraus das sonst dunkle -gart
in frauennamen und nur in solchen, denn auch bei frauen fand, nötigenfalls unter ihrem mantel, der verfolgte schutz und friede (
rechtsalt. 892,
s. z. b. Gudrun 1506. 1518),
und in Fridegart, Fridugarda
erscheint das noch deutlich ausgedrückt, während Hildigart,
friedgart im kampfe, z. b. eben auf Gudrun paszte, Madalgart
an den begriff der dingstätte anknüpft, Alahgart
aber ausdrücklich den begriff des heiligthums hinzufügt (
s. unter al
am ende),
gewiss zuerst der name von priesterinnen, eigentlich tempelhof als ἱερὸν ἄσυλον,
aber die priesterin, die frau nahm den heiligen kreis mit sich wohin sie kam, das lehren eben die namen. II@33) garten
in redensarten und bildlicher verwendung. II@3@aa)
als '
beschlossener'
raum (
s. 2,
c, β)
z. b.: wilt du in den garten, so halt dich zu dem der den schlüssel darzu hat. Henisch 1363; oftmals auch laszen die jenigen, so die hand an der thür haben, einen, der nicht ires munds oder sinns ist, nit gern in den garten. Kirchhof
wend. 1, 452 (560
Öst.),
von pfaffen und pfründenbesitzern, die pfründen als garten
gedacht, von dessen genusz sie alle andern ausschlieszen möchten. der fremde, feindliche aber wirft einen stein in den garten,
stört den genusz trotz des ausschlieszenden zaunes, schon mhd. und noch nhd. oft, wie die sache ja noch fort geübt wird, um gartenfreude versteckt zu stören: beʒʒert er mir niht, ich wirfe im einen stein in sînen garten und eine kletten in den bart.
MSH. 3, 104
b;
auch so ausgelegt: er wirft den stein in meinen garten,
d. i. sein (
verletzendes)
wort trifft mich. Henisch 1360,
bei Frisch 1, 321
c einem einen stein in den garten werfen,
jacere dictum in aliquem, und molestiam alicui exhibere improvisam latente auctore; die welt .. kan nicht dann sich selbs lieben .. auch in gott (
d. h. selbst in religiöser gesinnung), dem sie etwa (
dann und wann) ein stein in garten wirft und Judas kuss beut. Frank
spr. 2, 26
b,
von vorwürfen, wie es scheint. ähnlich bei Frisch 322
a: 'es liegt keinem bauren im garten,
nemini impedimento est, nemo illud jure removere potest',
der bauer als eigensinnig auf einem rechte bestehend gedacht, wo andere gern nachsicht üben in kleinen dingen. II@3@bb)
von dem was der garten trägt. II@3@b@aα)
als nutzgarten: aus einem guten garten kan man immer etwas hohlen,
hortus est altera succidia. Frisch 1, 322
a; ein gart ist des armen speisemarkt. Henisch 1363, ein garten ist der armen speisemark Stieler 612; man musz nicht warten, bisz der bock gar zu weit in den garten kommt. Henisch
das., vgl. unter bock 8; ein gart ohn baum, ein gaul ohn zaum, ein reiter ohn schwert seind nicht eines hallers wert.
ders.; art laszt von art nicht, unkraut will vom garten nicht.
ders., aber kein kraut im garten ist wider den tod Stieler 612. II@3@b@bβ)
auch von dem was einem durchs schicksal zu theil wird, heiszt es, es wachse ihm im garten,
d. h. theils durch theils ohne sein zuthun, wie die früchte die einem zuwachsen: es wächst mir im garten, und geräth.
Petr. 97
a;
auch von schlimmem: es wird in deinem eigenen garten wachsen,
tuo experieris malo. Steinbach 1, 559, es wird dir in den (
so) garten wachsen Frisch 1, 321
c mit gleicher auslegung. dagegen sein gart stehet voll blumen Henisch 1363, 28,
er ist vom glücke begünstigt. II@3@b@gγ)
überhaupt wird der lebenskreis eines menschen, der äuszere und innere, als sein garten
gedacht, über dessen gedeihen nicht sein eigner einflusz allein herr ist, z. b.: geduld wächst nicht in jedermans garten. Henisch, Stieler, nicht in allen gärten Frisch,
vgl.kraut 7; brüder einigkeit ein seltsam kraut, in wenig garten wird gebaut. Henisch 838, 40; die furcht des herrn ist ein gesegneter garte.
Sirach 40, 28,
vgl. v. 17; das ire seele wird sein wie ein wasserreicher garte.
Jer. 31, 12; in seinem aignen garten geten, in sein aignen garten nach gras gehen,
in se descendere. Henisch 1363
aus Eyring,
vgl. vor seiner eignen thüre kehren.
auch des herzens gärtlein (
s. d. 2,
b). II@3@b@dδ)
auch die selbstgeschaffene welt der dichter als ihr garten,
ihre gedanken und gedichte als die blumen
darin: im garten auch, wo dichterblumen sprossen ... da haben wir der stunden viel genossen. Göthe 4, 100,
wie schon mhd. der Marner
z. b. von seinen groszen vorgängern sagt: lihte vinde ich einen vunt, den si vunden hânt die vor mir sint gewesen: ich muoʒ ûʒ ir garten und ir sprüchen bluomen lesen.
MSH. 2, 246
a,
vgl. das uns geläufige blumenlese
als titel von gedichtsammlungen (
florilegium, ἀνθολογία),
auch garten
kommt besonders im 17.
jahrh. als titel von büchern vor, liederbücher nennen sich da musicalisches lustgärtlein, studentengärtlein
u. ä., s. Gödeke
grundr. 128
fg., dagegen Arnds paradiesgärtlein. II@3@b@eε)
ähnlich auch vom reiche der wissenschaft, das ja in gebiete
oder felder
zerfällt, die angebaut
werden u. ä.: da wir die theilnehmenden durch einen labyrinthischen garten (
vgl. irrgarten) zu führen haben, so müssen wir ihnen und uns das vergnügen mancher überraschenden aussicht vorbehalten. Göthe 53, 91,
von der geschichte der farbenlehre. vgl. dieser wortgarten J. Grimm
oben I, lxviii
von diesem wörterbuche. II@3@cc) garten
von ländern. II@3@c@aα)
die vorstellung ist altgerm., sodasz das wort einst selbst kurz für land gebraucht wurde, gedacht wie ein eingehegter raum, in dem die bewohner gesichert hausen und bauen u. s. w., s. sp. 1392;
s. noch mhd. so landes gart I, 2,
a, des rîches garte Lexer 1, 740.
von Böhmen in einem liede vom jahre 1420,
das zum kreuzzuge gegen die Hussiten auffordert: ir edlen fürsten, nemet war ... und schaltet disen garten, darein hat Wiggloff gens gestift ... Soltau 2, 10, Liliencron 1, 276
a.
die Lombardei hiesz der garten der welt in Italien,
hortus sive paradisus mundi, paradisus Italiae Henisch 1361 (
zugleich nach d),
eine vorstellung, die gewiss, wie in Mailand
aus Milano (Milan),
mitwirkte in dem Garte, Garten
in der heldensage als stadt und gebiet im nördlichen Italien, dazu Gartsê, Gartesê, Gartensê,
heute der Gardasee,
röm. vielmehr lacus Benacus (
vergl. Bacmeister
alem. wand. 100).
ital. wörterbücher geben ein sprichwort l'Italia è il giardino dell' Imperio.
ebenso gr. κῆπος Εὐβοίας u. ähnl. s. auch gärtlein 2,
c. II@3@c@bβ)
die vorstellung ist auch biblisch, zugleich mit anschlusz an das paradies (
d),
wie schon im vor. und im folg.: da hub Lot seine augen auf und besahe die ganze gegend am Jordan (
bewundernd), denn ehe der herr Sodoma und Gomorra verderbet, war sie wasserreich ... als ein garten des herrn, gleich wie Egyptenland.
1 Mos. 13, 10,
var. als ein gottesgarten,
vulg. sicut paradisus domini; und machet ire wüsten wie lustgarten und ire gefilde wie einen garten des herrn.
Jes. 51, 3;
s. auch unter δ. II@3@c@gγ)
so noch, um fruchtbarkeit und blühenden zustand zu bezeichnen, z. b.: so dasz man z. b. Toscana einen wahren garten nennen kann. Göthe 37, 352,
vgl. gartenmäszig, gartenhaft; gelangt man in ein groszes ebnes land ... das korn wächst dort in langen schönen auen und wie ein garten ist das land zu schauen. Schiller
Tell 3, 3;
die biblische vorstellung wirkt wol darin nach, wie es sich denn leicht zu paradies
steigert, z. b. vom Elsasz, vom Straszburger münsterthurm aus gesehen, das wie ein neues paradies für den menschen vorbereitet
sich erstrecke Göthe 25, 226. II@3@c@dδ)
die ganze welt als garte,
vergl. mittiligart, midjungards
sp. 1392,
mhd. als zarter gotes garte,
aus dem selbst dem himmel allein alles zuwachse MSH. 2, 357
a,
in durchaus philosophisch tiefem sinne. aber auch umgekehrt, wie jammertal
von der welt, so mhd. wurmgarte: nu hilf mir sündere heim ûʒ diseme wurmgarten, dâ wir în geworfen wurden durh Adâmes missetât. Diemer 296, 25,
wie schon ags. wyrmgeardas Grein 2, 764,
gedacht als wilder wald, tiergarte
wo das urweltliche gethier noch waltet (
vgl. II, 1316);
im eigentlichen sinne würmegarte
der eine burg umgibt Lanz. 5048.
Ähnlich des todes garten,
im '
ästhetischen'
sinne des 18.
jh.: wollt ihr schon auf erden göttern gleichen, frei sein in des todes reichen, brechet nicht von seines gartens frucht. Schiller 72
a (
das ideal u. das leben),
angeschlossen an den apfel der Eva im paradiese. II@3@dd)
vom paradies und himmel. II@3@d@aα)
das biblische paradies: und gott der herr pflanzet einen garten in Eden gegen dem morgen und setzet den menschen drein ... und den baum des lebens mitten im garten.
1 Mos. 2, 8. 9,
vulg. plantaverat autem deus paradisum voluptatis a principio;
ebenso gottes garten, garten gottes
Ezech. 31, 8. 9,
auch blosz garten
im 16. 17.
jh., z. b.: dann gott hat Even bald (
d. h. gleich) im garten belz anzogen. Fischart 2, 113
Kurz (
flöhlied); das paradys, der edle gart. Spangenberg
lustg. vorr.; von dir kömt disz noch her, o Eden, erster garte. Fleming 551.
älter auch boumgarte (
vgl. schwed. trädgrd
für garten schlechthin, z. b. auch blomsterträdgrd
blumengarten): got dô phlanzen began ein boumgarten wolgetân in wunnechlîcher wîse, den hieʒ er daʒ paradîse.
genesis 8, 32
D.; eʒ stât der boumgarten (
so) ôstent an der werlde orte. 9, 20. II@3@d@bβ)
gern als garten der wonne u. ä. bezeichnet (
myth. 781),
ahd. wunnigarto,
auch ziergarto, zartgarto
paradisus Graff 4, 252,
mhd. der wunne garte
urst. 27, der wollüste garte Frauenlob
spr. 15, 12,
wie im 15.
jh.: paradisus, gart des wollusts, lustbarlich gart, ortus deliciarum, gart der wollust, ein stat (
stätte), gegen vel lant in oriente Melber r 2
b.
im 16.
jahrh. lustgarten,
z. b.: nach dem aber Adam .. aus seinem lustgarten verstoszen ward. Mathesius
Sar. 7
a,
vorher paradeis und lustgarten.
vergl.Abrahams garten
myth. 1189. II@3@d@gγ)
ebenso der himmel als garten,
auch mit dem paradiese zusammenfallend gedacht (
paradisus himel Dief. 511
c),
ags. freán geard,
des herrn garten Grein 1, 493,
vergl. unter c, β.
nhd. himmelsgarten (
s. d.),
auch Christi garten,
vgl.gottes garten
vorhin: welch hohe lust, welch heller schein wird wol in Christi garten sein, wie musz es da wol klingen. Paul Gerhard
geh aus mein herz u. s. w., vergl. Christus selbst als gartner Uhland
volksl. 847
fg. (
s. Joh. 20, 15),
als der plmelmacher 858. II@3@d@dδ)
aber auch vom garten seines leidens kurzweg der garten (ein garte
Joh. 18, 1. 26): da Jesus in den garten gieng und er sein leiden anefieng, da trauret alles das da was, es trauret alles laub und gras. Uhland 886. II@3@d@eε)
anderseits die vorstellung von Christi garten als weingarten, gemischt mit altheidnischen vorstellungen vom schlaraffenlande u. ä.: ich weisz mir einen garten, dor inn ist guot wesen, dor inn wachst win so zarte, den wöllen wir ablesen. Uhland 885,
darin Christus als weinstock, gott als weingärtner (
Joh. 15, 1
ff., vgl. Matth. 21, 1
ff. 26, 29),
das himmelreich als Jesus wijngaert
hor. belg. 10, 200,
wo auch Cyperwein (
eigentlich Christi blut, vgl. kipperwein)
geschenkt wird durch Maria als kellnerin Uhland 881 (
selbst mit tanz hor. belg. 10, 202), da solnd die edlen selen von minne trunken sin Uhland 881.
daher noch fläm. in ons heeren wijngaerd (
oder hemelhof) geweest zijn
gleich betrunken sein, s. Schuermans 285
a,
vgl. himmeln. II@3@ee) garten
im liebeleben, in verschiedenstem sinne, vom sinnig zartesten bis zum sinnlich gröbsten hinunter. II@3@e@aα)
der garten, besonders rosengarten
als der umhegte raum des liebesglücks vielfach besonders im volksliede, in vielfältigster '
verblümter'
ausführung, z. b.: junkfrewlein, sol ich mit euch gan in ewern rosengarten? und da die roten röslein stan, die feinen und die zarten ... in meinen garten kumstu nit zuo disem morgen fr, den gartenschlüssel findstu nit ... er leit so wol verschlossen ... der knab darf weiser lere der mir den garten auf tuot ... du woltest mir zertretten han die liebsten bluomlein mein ... ich kert mich wider umbher ... da stuond das selbig junkfrewlein in seinem garten allein ... Uhland 104. 105;
vgl. die fassung bei Hoffmann
gesellschaftsl. 53: mein garten ist verwahret mit einem zaun so hoch,
er aber dagegen den zaun kann ich besteigen wol ... der blümlein eins mir werden soll ... vergiszmeinnicht mit namen ... gott helf uns bald zusammen
u. s. w.; lavendel, myrt und thymian das wächst in meinem garten, ich möchte gern ein freier han und kann es kaum erwarten.
volkslied (
im Freischütz benutzt).
in einem liede des 16.
jh. wartet die allerliebste der nachtigall als liebesbotin in irm würzgärtelein Hoffmann
gesellschaftsl. 33;
vgl. das mädchen als gertnerin
in ihrem wurzgertlein Uhland 102. II@3@e@bβ)
dasselbe auch geistlich gewendet, wozu schon das hohelied allein anleiten muszte, z. b. von Maria in einem liede, das den beliebten, nur wie im rätsel andeutenden ton einhält: ich han mir uszerkoren ein minnekliche meit ... sie ist der fröiden garte (
vgl. myth. 781) vol blmli wunnenbar ... Uhland 843;
vergl. Maria als viuhter meiengarte
MSH. 3, 341
a (viuhter,
wolbewässerter),
auch liljengarte, rôsegarte
wb. 1, 484
a. II@3@e@gγ)
auch weltlich so dasz nur die schönheit und ihre reinste wirkung bezeichnet wird, wie durch blume (
die nicht gepflückt, gebrochen wird),
wenn z. b. Frauenlob 416, 1
eine frau preisend anredet trût vîolgarte; ihr angesicht ist ein gleichloser gart (
ohne gleichen) . . . . . alda mit höchstem fleisz der höchste gärtner wolt die blumen .. vermischen und versetzen. Weckherlin 668; jungferschaft die ist ein garte, jungfern sind die blumen drinnen. Logau 3, 232; hör zu, Venus lieb ein gart. H. Sachs 3, 3, 1
b,
denn von der Venus garten war auch die rede, im anschlusz an den Venusberg,
sommersprossen nannte man auch Venusblümchen Rädlein 911
a. II@3@e@dδ)
aber auch ganz sinnlich (
wie blume
auch),
z. b.: daʒ er daʒ edel obeʒ brach, daʒ in ir wunnegarten stuont. Konrad
troj. kr. 16975,
vergl. mein freund kome in seinen garten und esse seiner edlen früchten.
hohel. 4, 17; der grafe .. fragt (
die priorin) .. ob sie auch noch so gern rücklingen im prett spilet ... schimpfet also mit ir. vielleicht war er vorhin auch im garten gewesen.
Zimm. chron. 1, 274,
vgl. die ganz rohe redensart vom krautgarten
unter bauchzins (
auch latein. hortulus cupidinis, hortus,
griech. κῆπος vulva); denn wer nicht deinen mund in anmuth weisz zu küssen und ohne volle hand aus deinen garten kehrt, ja keine blume dir vom stocke hat gerissen, der ist, wie mich bedeucht, nicht seiner seele werth. Hoffmannswaldau
heldenbr. 141; wem versparst du deinen garten? Günther 262; damals strich kein tag vorüber, der nicht unsern kuss erblickt, keine rose brachst du lieber, als die meine wange schmückt. jetzt besuchst du fremde gärte und verläszt mein paradies, das dir keinen baum verwehrte, als ich noch dein engel hiesz. 1176. IIIIII.
Auswärtige verwandtschaft. III@11)
entlehnt in den rom. sprachen, und zwar nur in der engeren bedeutung: franz. jardin,
mit alter nebenform gardin,
wie noch picardisch, auch guerdin (
vgl. I, 4,
c),
prov. jardin, gardin,
span. jardin,
port. jardim,
it. giardino
und giardina,
s. Diez
wb. 173 (1, 213),
gramm.2 1, 297, Diefenbach
goth. wörterb. 2, 391,
mlat. gardinus, gardinum;
die entlehnung ist aber merkwürdig genug, unter abwerfung des lat. wortes, von dem sich auszer span. huerto, huerta
kraut- und baumgarten nur verkümmerte reste finden z. b. im prov. houert,
rhätorom. jert (Diefenb.
a. a. o.),
oberengad. üört (
unterengad. zerdin),
trotz der einst hoch entwickelten gartenkunst der Römer; s. zu der entlehnung weiter unter gartine,
vgl. unser laube
im rom. als franz. loge (
altfranz. auch grüne laube),
ital. loggia.
auch walach. gard
zaun, nach Diez '
buchstäblich das goth. gards
und nebst alban. gardë (gardhi)
vielleicht daher entlehnt'
; die bedeutung ist nur nord. rein bezeugt (II, 1,
a),
aber vielleicht die urbedeutung des germ. wortes (II, 2
am ende),
s. auch nachher 4. III@22)
aber lat. hortus
ist selbst urverwandt, seine geläufige bed. ist wie bei uns nur ein stück des ganzen, denn als alt ist auch die bed. meierhof bezeugt, wie für unser wort unter II, 1,
d, β; bedeutsam oskisch h'úrt'ús
tempel oder tempelhof o. ä. (
vgl. altn. hof
tempel II, 2
am ende);
ebenso griech. χόρτος,
viehfutter, eigentlich aber der weideplatz selber, auch ein eingehegter (
in der αὐλή befindlich Il. 11, 773. 24, 640),
daher auch viehhof; dichterisch selbst χόρτος οὐρανοῦ nach Hesych., auch Διὸς κῆπος,
ähnlich unserm himmelsgarten, gottes garten
unter II, 3,
d, γ,
die bed. futter ist abgeleitet, wie bei uns in weide
und in lat. hortus
für gartenkräuter. die einheit des gr. und lat. mit dem germ. worte ist auch sachlich unverkennbar, doch so dasz sie auf einer älteren stufe der entwickelung stehn geblieben sind, wie ähnlich innerhalb des germ. das hochd. besonders dem nord. gegenüber. Bemerkenswert ist mit seiner übereinstimmung auch lat. cohors (cohort-),
eigentlich gehege, hürde, auch viehhof, dann aber weiter entwickelt genau gleich unserm hof,
dem es auch nachher in der franz. form cour (
mlat. curtis,
engl. court)
genau zur seite gehen sollte, wie sich hof
und garte
weithin zusammenhielten, vgl. II, 1,
b am ende. III@33)
auch unsere unmittelbaren nachbarn im westen und osten haben das wort, theils genau einstimmend, theils weiterführend. III@3@aa)
litt. žardis
m. '
rossgarten' Mielke 1, 338
b (
vgl.stuetgart
sp. 1391), žardininkas '
gärtner'
das., deutlicher bei Nesselm. 539
a instmann (
s. unter gärtner 2);
daneben ǵardas
m. schafhürde Nesselm. 240
b,
wie goth. garda
sp. 1391
m., apigarde
f. umkreis, wie nord. gard
kreis sp. 1391 (
zu dem doppelten anlaut vergl. Schleicher comp. § 186. 187).
dem ersten entsprechend preusz. sardis,
in der bedeutung zaun bezeugt Nesselm. 20
b,
die nicht die einzige gewesen sein wird. III@3@bb)
reich entwickelt slav., wie bei uns, zum theil noch weiter. III@3@b@aα)
altsl. gradŭ
m. mauer, garten (
auch paradies),
stall, haus, stadt, adj. gradĭnŭ
hortensis, urbanus u. ä., demin. gradĭcĭ
m. städtchen, dorf u. ähnl., gradarĭ
gärtner (
auch hirt),
dann mit besondrer ausprägung gradezĭ
m. zaun, gradina
f. garten, gradište
n. castrum, auch graditi
bauen, eig. ummauern, umzäunen, dann ograda
f. (
gleichsam umgartung),
zaun, eingehegter raum, garten, hof, stall, haus (
an lat. cohors
erinnernd), ogradŭ
m. garten, ograditi
umzäunen u. ä., s. Miklosich 140
b. 141
a. 490
a,
dazu Diefenb. 2, 391
fg., wo die überaus reiche weitere entwickelung im neusl. verfolgt ist. III@3@b@bβ)
bemerkenswert ist darunter besonders böhm. hradba
zaun, wall, poln. grod
f. zaun, gehege, niederlaus. grod
schlosz Zwahr 100 (
vgl. nord. grd
sp. 1391), sagroda,
eingezäunter acker, '
feldgarten' 104;
merkwürdig einstimmend auch altsl. vinogradŭ
zugleich weingarten und weinstock Miklos. 64
a,
wie bei uns wîngarte
sp. 1381 (vrŭtogradŭ
wurzgarten 77
a,
goth. aurtigards). III@3@b@gγ)
in der bedeutung stadt, burg lebt es noch bei uns in ortsnamen auf altslav. boden, worauf Frisch 1, 319
c hinwies, z. b. Belgard
in Pommern, d. i. Weiszenburg (
gleich Belgrad), Stargard, '
ist so viel als Altenburg' (staryj gradŭ
μητρόπολις Mikl. 881
a),
vgl. die mnd. umdeutschung von russ. Nowgorod,
Neustadt, in Nôgarden
sp. 1391
unten und polabisch gord
m. schlosz, burg Schleicher
polab. spr. 311
a,
gleich wend. grod
vorhin (
böhm. hrad).
das poln. grod
bedeutet aber auch amt, burggericht, und so in Pommern einst gard,
eine burg mit dem dazu gehörigen gebiete, dann auch das amtsgebiet, gerichtsgebiet, castellanei Dähnert 142
a.
daher auf Rügen der Garten,
das gebiet der ehemaligen gardvogtey ( Adelung),
nd. gardvagedij,
verwaltet vom gardvâgd (
s. Dähnert),
auch gardrichter,
s. Adelung
u. d. w. III@3@cc)
keltisch, z. b. gael. gâradh
zaun, mauer, garten, kymr. gardd
garten, bret. garz,
s. Diefenbach
a. a. o., altir. gart
in lubgartóir
olitor Zeusz-Ebel 37 (gort
seges 68), lubgort
krautgarten Curtius
4 200. III@44)
nach dem allen erscheint für das germ., slav., keltische zaun als die erreichbar älteste bed., die wol auch für das griech. und lat. anzunehmen und von der aus weiter rückwärts vorzudringen ist (
s. schon II, 1
am ende);
nach welcher richtung, das deuten vielleicht wörter an, die zaunartiges bezeichnen mit zurücktreten des begriffs der umhegung, wie isl. gardr
krippe Biörn 1, 270
a (krippe
selbst ist eigentlich auch hürde u. ähnl.),
litt. žárdas
m. gerüst, geflecht, z. b. zum ausbreiten von erbsen die trocknen sollen, auch scheiterhaufen (
hürde),
wie lett. sârts.
dann wäre wol flechten der vorhergehende begriff (
vergl. niederwend. grożisch,
körbe flechten, grożj
stall Zwahr 103)
und gerte
rute träte auch herzu (
vgl.gart m.),
kymr. gerthi,
vgl. Diefenb. 2, 378. III@55)
wie so oft, treten aber dann auch hier wörter fragweise heran, die den gleichen lautstoff auf andrer stufe zeigen, z. b. bei Diefenb.
a. a. o. litt. kártis
rute, lett. kârts,
dann in dem begriffskreise von garten
preusz. korto
hain Nesselm. 19
a,
vgl. 31,
mit dem begriff des flechtens hochd. hürde,
goth. haúrds
thür, vgl. preusz. pocorto
schwelle Nesselm. 40 (po
nach, unter),
eig. was unter der thür ist?