beunde,
f. ager septus, hortus, pratum, privatgrundstück, im gegensatz zur gemeinweide, almende,
ein altes, aber noch unaufgeklärtes wort, dessen formen erst umständlicher anzugeben sind. 11)
ahd. biunda, piunta: infra fine, qui dicitur scalchinbiunda.
ch. a. 774
bei Zeusz
trad. wizenb. no 133; Heibistesbiunta.
ch. finium wirzeburg. bei Massm.
abschw. form. s. 183; Bubo ex duobus mansis et prato et de una biunda XXX denarios solvere debet.
descr. hubarum curiae Furde im cod. lauresham. no 140; curtilem locum cum duobus pratis, quod piunti dicimus. Kleinmayr
cod. juvav. p. 196; Sigifrit de Pholespiunt.
MB. 9, 404; Eburespiunt, Tutilispiunt, Uochinpiunt
in andern bair. urkunden mehr, so dasz alamannische und fränkische biunda,
bair. piunt,
gen. piunti
gewähren. der vocab. s. Galli gibt clausura piunte. 22)
mhd. Hainrich in der búnde.
mon. zoller. no 249
p. 120
a. 1305; zwêne morgen in den bünden.
habsb. urbarbuch 8, 9; Wernher Ror git von der bunten fünf schilling. Neugart
cod. dipl. alem. 2, 461
a. 1363; dâ was versperret niht diu biunt.
Wh. 391, 7; dô liefen durch des meiers piunt hiuʒer getelinge drî die stuonden dâ ze vrône mæn und wolden riuten gras.
MSH. 3, 266
a; wâ im rücke unde bûch in der keverpeunte sî. Helbl. 1, 177; ich habe weder velt noch biunt durch ritterschaft niht überritten. Suochenw. 31, 58; Henslein ausz der peund.
Diut. 2, 79.
Hätzl. s. 259; Slucken ûʒ der biund.
Ls. 3, 399. 33)
nhd. ouch söllent alle hofstetten und bünten der andern frid geben.
weisth. 1, 78; schargassen, widegassen sambt den angehengten etlichen peunten. 3, 680.
in der Schweiz sagt man noch heute beunde, bünde, bünte. Stald. 1, 244;
in Baiern peunt, puint, paint. Schm. 1, 287;
in Östreich point, peont. Höfer 2, 342. Dasypodius 82
c hat bünt
fundus, weingart, acker oder matt. in Nürnberg hiesz der stadtbauhof die beund,
und der rathsherr, welcher zugleich aedilis war, der herr in der beund. 44)
da manche oberdeutsche ortsnamen mit diesem wort gebildet sind, wäre die frage nach niederdeutschen. im Braunschweigischen an der Oker ist ein dorf Biwende
gelegen und schon die urkunden nennen Grotenbiwende, Westerbiwende, Osterbiwende (Falke
trad. corb. s. 20. 921. 924);
anderwärts erscheinen ortschaften des namens Bünde
und bungarten.
ganz verschieden scheint das nnl. beemd
weide, mnl. bampt. 55)
in der Wetterau, auf dem Hundsrücken zeigt sich aber die form beune: in die beune fahren, in die beune kommen heiszen.
weisth. 2, 151; in der herren wies, die beun genannt gehen und mehen helfen. 2, 210; soll auch der gerichtsbot mit den mahern in der beune, mit einem groszen kroge wasser zu tragen erscheinen.
das.; ein garten stoszet uf der hern bune.
zinsbuch der pfarrkirche zu Grüningen bei Gieszen vom j. 1471
no 40; zuschen dem jungen Hartman und der burgbunen.
das. no 95; ein garten stoszt unden uf der herren beunen.
das. no 43.
auch zu Unterflorstadt war die beune
ein umzäunter, an gärten stoszender acker. das volk spricht beune.
Hinzunehmen dürfte man das sp. 1196
angezogne baune = Bûnaha,
den an der baune, beune
her flieszenden bach, vgl. Echardus de Bûnahe
in den Arnsberger urkunden no 415
a. 1312. 66) Neugart
a. a. o. erklärt: parva terrae arabilis portio, plerumque prope domum seu villam sita, quae cannabi aut olerum seminibus conseri solet, unde hanfbünte. Stalder:
eingezäuntes stück land a)
wo man hanf, flachs, rüben säet. b)
wo man bäume pflanzt, baumgarten. Schmeller:
grundstück, das, ohne ein garten zu sein, dem gemeindeviehtrieb verschlossen werden kann, oder worauf das recht liegt, es eingefriedigt und nicht eingefriedigt, ohne die auszerhalb zu befolgende zelgenabwechselung, zu jeder beliebigen art ackerfrüchten, oder was sehr oft geschieht, blosz zu gras zu benutzen. hie und da heiszen auch die im brachfeld zum anbau von flachs, erdäpfeln, rüben eingezäunten äcker peunten,
woher hortus, qui vulgo peunt dicitur, pratum quod dicitur neʒʒelpeunt, mein eigen krautpeunt.
die Windberger psalmen 380. 382. 383
verdeutschen vinea
mit wînbiunte.
Dasz die peunt
versperrt werden konnte, lehren die ausgehobnen stellen und [] eben dadurch unterscheidet sie sich von dem offenen feld, mag sie nun durch zaun oder stangen gehegt worden sein; auch scheint sie in der nähe des wohnhauses gelegen zu haben. die herrnpeunt, die burgpeunt
bezeichnet einen besonders verschlossenen herschaftlichen gras- oder baumgarten, und der vorgesetzte gen. Pholespiunt, Eburespiunt
dessen eigner. das mähen in der herren wies
stimmt ganz zum mhd. ze vrône mæ
n. von dem gewöhnlichen mansus
wird die biunda
unterschieden, oft aber auch von der wiese
und dem garten,
mit welchen sie anderemal zusammenfällt. so kann beunde
und beundehof
einen gesonderten feldraum, dem ein beundehofmann
vorsteht, ausdrücken. 77)
die unter 5
angeführte, freilich nicht die älteste gestalt des wortes läszt an das mlat. buna
und bonna,
terminus, limes denken, woraus engl. bound,
prov. born,
franz. borne
entsprangen, in den alten urkunden des fränkischen reichs begegnet bunarium, bunnarium, bonnarium,
engl. boundary
allenthalben als land- und ackermasz, obschon in allgemeinerem, nicht in dem engeren sinn jenes beune.
allein buna, bonna
selbst scheinen ungewisser abkunft und kaum aus dem lat. bodo
oder boto,
terminus agrarius, durch die vermittelnde form bodina
herzuleiten; bodo
als grundlage von borne
und zugleich von biunda
anzusetzen wäre verwegenheit. nirgend auch zeigen sich die jenem bunarium
entsprechenden beuner
oder mhd. biuntære.
gröszern anspruch auf verwandtschaft mit piunta
hat in der that das ags. pund,
engl. pound
septum, clausura, das für hürde und pfandstall gebraucht wird. 88) biunda, piunt
sind in unsrer sprache so alt und klingen so heimisch, dasz man hier kein mundgerecht gemachtes fremdes wort, sondern ein echtdeutsches vor sich zu haben glauben darf. weder aus binden,
noch zunächst aus bauen
erklären sie sich, wie, wenn sie aus dem verschollnen part. biunti, piunti
von biun =
ags. beon,
engl. bee,
esse, manere übrig sind und ganz einfach stätte, locus ausdrücken? aus wesan
entsprang ahd. wesandi, wesenti
essentia (Graff 1, 1059), heimwist
domicilium, aus dän. väre
esse, värelse
substantia und domicilium, der ort wo man ist, und das part. beond
ist noch im engl. being
erhalten, ja versucht wäre man auch das lat. fundus = piunt
auf fui
und fuisse
zurückzuführen. dasselbe part. könnte ferner in der goth. partikel bijands
zu suchen sein, welche Philem. 22
ἅμα wiedergibt; was zugleich und zusammen, zur stätte ist, das besteht und ist da. dies bijands
wäre im gothischen die merkwürdige, einzige spur des verb. subst. bijan,
mit dem wir bis auf heute unser bin
und bist
bilden. mehr unter bin.