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gürten

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DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

gürten vb.

Bd. 9, Sp. 1188
gürten, gurten, vb. , als j-verb gleich dem subst. gürtel tiefstufig, zum starken verb got. bigairdan 'περιζώσασθαι' gehörig; idg. wurzel gherdh 'flechten, winden', 'umfassen, umzäunen, umgürten', s. Walde-Pokorny 1, 608. auszerdeutsch entsprechen aisl. gyrða, ags. gyrdan, afries. gerda, mndl. gorden. AA. mit einem gürtel umgeben, begürten, gürten mit äuszerem object. A@11) als gewöhnliche verrichtung beim ankleiden, besonders in früheren jahrhunderten wichtig; biblisch lat. cingere, accingere u. ähnl. übersetzend: mittiu thu iungiro uuari, bigurtos thih ... mittiu thu altes, thenis thino henti, inti ander thih gurtit Tatian 238 Sievers (Joh. 21, 18); Luther dafür: da du jünger warest, gürtest du dich selbs ... wenn du aber alt wirst, wirstu deine hände ausstrecken, und ein ander wird dich gürten; ferner: umb ewr lenden solt jr gegürtet sein 2. Mos. 12, 11 u. ö.; in allgemeinem gebrauch: hübsche jungfrowen spulgent (pflegen) sich ze grten mit zwain grtlen st. Georgener prediger 46 Rieder; (die reichen Florentiner) gürteten sich mit ledernem gürtel Raumer gesch. d. Hohenstaufen (1823) 6, 565; mit örtlicher präpositionalbestimmung in einem humorvollen ausdruck der mittelalterlichen rechtssprache: (wer) sich gürtet zwüschent zwene barte (erwachsen ist) (1341) weist. 1, 366; auch 3, 521; vgl. Staub-Tobler 2, 446; Germania 29, 25. im sprichwort: ein jeder gürte sich, so schlodert ihm nicht Lehman florileg. polit. (1662) 3, 84; wer sich selbst gürtet, dem drückt es nicht Stieler 715. besonders um sich zum kriege zu rüsten, eigentlich sich mit dem an besonderem gurt hängenden schwert versehen (vgl. auch 4 u. B b): (segen Jacobs für Gad) vil wol dir daz swert stat, gegurter du vehtest, din liut du beschirmist genesis 112 Diemer; nicht vrewe er sich gewapent, gegurt gleicherweise sam entwapent und entgurt Wenzelbibel (1.n. 20, 11) bei Jelinek mhd. wb. 337; vgl.wappen antun, gurten accingere (1432) Diefenbach nov. gloss. 5b; auch gloss. 7; in neuerer literatur häufig: (Götz) gürtet sich und sitzt auf ohne harnisch Göthe 8, 155 W.; durch instrumentales object verdeutlicht: gürte dich mit deinem schwerte Klinger (1809) 1, 26; vereinzelt von der schwertleite: daz he zcu rittir wirt gegurt pfarrer zu d. Hechte schachb. in zschr. f. d. alt. 17, 220. A@22) auszer der bis ins nhd. geläufigen form jemanden gürten kommen besonders in alter zeit andere constructionen vor. jemandem gürten ihm den gürtel anlegen, s. auch u. 5: unz thu jung wari, so was thir thaz gizami, thaz thu thir selbo gurtos joh giangi, thara thu woltos Otfrid 5, 15, 40 (Joh. 21, 18). in absolutem gebrauch, s. auch u. 5, im sinne von 'enger schnallen, festziehen, einschnüren': sit ich niht wines tranc, des ist mer danne ein woche: des gürt ich drier loche an dem gürtel min hinhinder meier Helmbrecht v. 1121 Panzer. mhd. u. mnd. auch sich gürten in einen gürtel, vgl. auch u. B d: swenne ich mich gegürte in einen borten, der ist slecht Neidhart li, 30; W. v. L. ... de so vet was, dat sik ver man in sin gordel gorden Magdeburger schöppenchron. 130 Janicke. der gürtel gürtet jemanden, s. auch u. 7 und 8: der gurt, der künstliche, welcher den alten (Nestor) gürtete, wann zur mordenden schlacht er gewapnet einherzog Voss Ilias 10, 77. A@33) das gewand gürten bes. in neuerer zeit als sachlich genauerer ausdruck. zunächst 'mit dem dazugehörigen gurt versehen': dar na gordet he (prister) de alven mit enen gordele, dat hefft twe strengen bei Schiller-Lübben 2, 133b; als er die alben guertet het H. Sachs fab. u. schwänke 2, 38 ndr.; waz gürtst die kutt mit knopffecht stricken Fischart binenkorb (1588) 24a. dann in festerem gebrauch 'mit einem gurt befestigen': (sie tragen) gegürteten weissen leibrock Amaranthes frauenzimm.-lex. (1715) 1372; ein reichgesticktes gewand, wie nur vornehme frauen es tragen, aber nachlässig gegürtet Fouqué zauberring (1812) 1, 121; ein langes dunkles gewand ... dicht unter der brust gegürtet G. Keller (1889) 6, 341; auch 5, 254; auch speciell 'hochgürten, raffen, aufschürzen': ein langes gewand, das, wenn es nicht zweymal gegürtet wäre, ihr weit über die füsze herabfallen müszte Göthe IV 11, 73; in dem heiligen raume gürteten die priester ihr gewand zum tanze Mommsen red. u. aufs. (1905) 283. A@44) im zusammenhang des sich ankleidens gelangt gürten zu der bedeutung sich vorbereiten, rüsten, fertig machen: gurten oder bereytin precingere Diefenbach gl. 452a; gürten praeparare, promptum et paratum esse Stieler 715; accingersi sich gurten, fertig machen Castelli it.-dt. (1741) 10a; so auch: haben wir uns nit ungern zu dieser arbeyt gegürtet s. Franck weltbuch vorr.; auch sonst mit der angabe wozu: zum andern soll er sein gegürtet zum weg (precinctus ad viam) offenb. d. hl. Birgitte (1502) l 1b; (sie saszen) um den tisch herum ..., zur reise gegürtet Laube (1875) 8, 59; ungewöhnlich mit der angabe wohin: musz ich (fischerknabe) in das meer mich gürten Göthe 3, 31 W. besonders 'sich zum kampfe rüsten', d. h. die waffe umschnallen, vgl. auch o. 1: bereyten od. gurten zu stryten procingere gemma gemm. (1508) u 1b; ich sehe dich gegürtet und gerüstet Schiller 14, 308 d.; auf! zum kampf dich gegürtet ... Voss sämtl. ged. (1802) 2, 182; bildlich: und selbst die liebe, wie in stahl gerüstet, zum todeskampf gegürtet, tritt sie auf Schiller 12, 154 d. (Piccol. III 9). öfter mit dem in gleicher bedeutungsentwicklung begriffenen schürzen zusammengestellt (s. d.): Flordeleyse schurtzte und gurte sich (zum zweikampf) H. v. Neustadt Apollon. v. 20249 Singer; das wir gegürtet und auffgeschürtzt sein Luther 34, 2, 399 W. im gleichen sinne seine lenden gürten. hierbei tritt der körperteil an stelle des personalen objects; aus dem biblischen sprachgebrauch (lumbos accingere): (Elisa) sprach zu Gehasi: gürte deine lenden (und gehe nach Sunem) 2.n. 4, 29; auch 9, 1 u. ö.; so auch: (beim erscheinen des wahren Messias) würden die Juden ihre lenden fröhlich gürten, sich auf die bein machen und ... nach Jerusalem marchiren Grimmelshausen 4, 605 Keller; so gürtete er ohne aufschub seine lenden, und langte ... in Jemal an Wieland 10, 450 akad.; (es war ihm) als müsse er eines tages seine lenden gürten, den stab nehmen und weit, weit von seiner heerde gehen Stifter (1901) 1, 179; parodistisch: gürte lenden, manuskripte und bücher, besteige ... die eisenbahn fürst Pückler briefw. (1873) 6, 72. im sinne der vorbereitung zum kampf und andrer tätigkeit: lenden gürten heisset in der schrifft ... sich schürtzen und rüsten, das einer fertig und geschickt sey zu lauffen odder zu kempffen Luther 34, 2, 399; des bin ich monarcha ... und gürt euch ewer lenden (rüste euch aus zu wahrem arzttum) Paracelsus (1616) 1, 233. A@55) das pferd gürten, in speciellem gebrauch 'den sattelgurt fest (oder nachträglich fester) schnallen', cingulam equi constringere Stieler 715; seit dem mhd.: sin ros daz was schœne.daz gurte der degen baz Wolfdietrich B 541 Amelung; je fester das rosz gegürtet ist, je besser kan man reiten J. Walther pferde u. viehzucht (1658) 28; gürtet mein pferd, gürtets aber nicht zu hart Ludwig dt.-engl. (1716) 822. seltener für 'satteln' überhaupt: equum sternere Stieler 715; da stund Abraham des morgens früe auff und gürtet seinen esel 1. Mos. 22, 3; schnell war ihm das rosz gegürtet, und ich trug das banner vor Uhland ged. (1898) 1, 217. dem rosse gürten mhd. in festem gebrauch: (ich) gurte mime rosse baz Iwein 35 Ben.; den rossen was vil wol gegurt si rantten auff den puhurt H. v. Neustadt Apollonius v. 6331 Singer. in gleichem sinn auch mit dem dativ der person; mhd. vereinzelt: sich huop ein grozer buhurt. swem da niht was wol gegurt, der moht sich vallens wol bewegen Mai und Beaflor 234 Pfeiffer; frühnhd.: wer ihm selbst gürtet, dem stehet der sattel steiff Henisch 1785; wer sich nicht gürtet, ehe er reitet, der felt leicht Petri d. Teutsch. weish. (1604) 2, I i i 8a. auch in absoluter construction: groz arbeit ez (das rosz) ringe wac ... er dorft im keines gürtens wonen doch eines loches naher baz, swer zwene tage druffe saz Parzival 161, 14; wer nit vor gürt, ee dann er rytt S. Brant narrenschiff 14 Zarncke; zu hoch gürten sprengt die gurt Fischart Garg. 367 ndr.; gurten cingulas constringere Duez nomencl. (1652) 180. s. auch den sattel gürten B c. A@66) in zucht nehmen; sich oder andern hartes auflegen; bezwingen; ausgehend vom enger schnallen des leibriemens beim fasten, s. auch o. 2: ir sollent euch eins lochs enger gürten Keisersberg postille (1522) 2, 10b; allgemeiner 'hart anfassen': die ... münch besorgten (von dem neuen abt) das, ob er sy würde gürten basz, geistlicher würde reformieren Murner narrenbeschw. 57 ndr. u. ö.; hierher modern bildlich: (mit dem) schmachtriemen der enthaltsamkeit gegürtet Lavater handbibl. 1, 329; im sinne straffer ordnung und rastlosen fleiszes: sie (die hausfrau) gürtet ire lenden fest und sterckt ire arme spr. Salom. 31, 17; vielfach aufgenommen, z. b.: in zucht und fleisz erstarkt sie ihren arm und gürtet fest die lenden Cl. Brentano (1852) 2, 569; dagegen sich lose gürten sich gehen lassen: ein schlack ist ein loses, leeres vergebens metall ... (das sinnbild für) lose leute, die sich lose gürten, darinn kein guter tropffen mehr ist von gott, glauben, ehre und warheit Joh. Mathesius Sarepta (1571) 111a; vgl. einer der sich lose gürtet discinctus, i. e. improbus, negligens et iners Henisch 1784; ähnlich: wi übel sich N. N. alhir gürtet, hast du beyligend, gleich aus einem spigel, zu ersehen Butschky hd. kanzelley (1659) 241. auf einen weiteren ausgangspunkt, das festschnallen des sattels und damit der last des lasttieres, s. auch o. 5, deutet vielleicht: man soll einen bogen nicht überspannen und einen esel zu sehr gürten (onere gravi supprimitur) Steinbach (1734) 1, 653. — auf solchen concreten wendungen beruht die abstracte verwendung neben zwingen, von diesem in der bedeutung kaum unterschieden: mancherlei ungluck wirdt mir angethan ... und gurtet mich oder zwingt mich, dasz ich nicht herausz kummen kan Hafernitz Job (1530) 208b; (die gestirne) nöthen, treiben den faulen zu der arbeit und zwingen ihn ... wie Petrus gezwungen und gegürtet warde, dahin zu gehn, da er nicht hin wolte Paracelsus (1616) 2, 413 Huser. sogar in auszermenschlicher sphäre: (schwerer boden tut die) sammen zwingen und grten semina comprimere atque strangulare Österreicher Columella 1, 205 lit. ver.; im sinne von 'kräftig bearbeiten': sol sich der acker wol lösen, so musz man ihn erst wol gürten Petri d. Teutschen weish. (1604) 2, P p p 3b. A@77) übertragen im weiteren sinn von 'umwinden, umgeben, umbinden', auszerhalb des bereiches der menschlichen taille und des pferdebauches. A@7@aa) alt, in beschränktem gebrauch, vom anbinden der reben: gurten oder cruden 'die rebe mit stroh oder bandweiden am pfahl befestigen' (15. jh.) bei Mone zschr. f. gesch. d. Oberrh. 10, 183; 14, 33; noch jetzt gebräuchlich, s. Jos. Müller rhein. 2, 1502; Haltrich siebb.-sächs. 95. A@7@bb) jung in mancherlei übertragungen; andre körperteile mit etwas anderem als einem gürtel umgeben: ein goldnes band, das knie der braut zu gürten Ramler lyr. ged. (1772) 108; auf! gürtet den fusz euch (mit schlittschuhen) R. Z. Becker mildh. liederbuch (1799) 49; (wenn) so ein narr sich das schienbein gürtet mit schwarzem (leder) W. Binder Horaz4 2, 23 (serm. 6, 27). im sinne von bekränzen: grünt (ihr myrten), um meine welke stirn zu gürten, meine laute, der nur schmerz entflosz Novalis 1, 163 Minor; an den 'leibgürtel' nahe angelehnt: das fett, womit gelehrte sich gürten (ist nichts) gegen den fettpolster eines gesunden und weisen rathes Jean Paul 15, 22 Reimer. anders: schon gürteten die felsriesen mit wolkenschleiern ihre leiber H. v. Barth nördl. Kalkalpen 387. poetisch in landschaftsschilderungen 'umgeben, begrenzen, umschlieszen', vgl. auch gürtel 8 a: da, wo des Chzechus stamm mit bergen sich gegürt Logau sinnged. 184 Eitner; (klippen) mit denen sich die küste gürtend schützt Grillparzer (1892) 7, 64; Flandern gürten sandge banken Eichendorff (1864) 1, 714; die feste selbst und ihren garten gürtet ein mauerring mit turmesschmuck und zinnen Liliencron (1896) 9, 64; ganz unbestimmt für 'umgeben': blühest, wie rosen, welche mit moos gürten ihr blatt Klopstock oden 2, 140 Muncker. A@88) schützend umgeben, wappnen, wie gürtel 6 a und gurt 1 a, von ethischen werten: got ist, der mich curtet mit tugede (psalm 17, 33) Notker 2, 53 Piper; ist er mit tugenden so gegurt, das er sin rein gemute went an rechte gute, des lobe volgit wirdikeit herzog Ernst v. 4509 Hagen-Büsching; diu rede wart dem künege swære, den doch menlich ellen gurt U. v. d. Türlin Willeh. 46 Singer; auch 13; ähnlich: (gott zu Hiob) gürte deine lenden wie ein man, ich will dich fragen Hiob 38, 3; 40, 7; und die da wankten, gürtet er mit kraft Herder 12, 199 Suphan; gürte mit stolz mich und kraft und wahrheit Hölderlin 1, 91 Litzmann; der glaub musz die nieren gürtten und halten Luther 10, 2, 130 W.; du hast meinen sack ausgezogen und mich mit freuden gegürtet psalm 30, 12; wenn aber alle fädenn ... zerreiszen ... musz er sich nur mit gedult und hoffnung gürten Lohenstein Armin. 2, 781b; es gürtet schaam den keuschen leib Schiller 11, 248 d. bildhafter, vgl. gürtel (6) als symbol der jungfräulichkeit: (wenn) wir uns gürten mit der gürteln der käuschait K. v. Megenberg b. d. nat. 59 Pf.; vereinzelt auch gegensätzlich vom üblen: swer schande hat unt schande gert den la sich gürten mit der schanden borden (borte) meister Boppe in minnesinger 2, 382b Hagen. BB. 'umtun, umbinden, umlegen, anlegen', gürten mit innerem object. B@aa) einen gürtel, strick und ähnliches gürten, meist mit der präposition um: (er) gurte do den gürtel umbe sin isengewant Wigalois 21 Pfeiffer; du bist darumb kein christen, so du ein seil umb dich gürtest, man mag einer sauw auch ein seyl umblegen Eberlin v. Günzburg 2, 116 ndr.; die weiber gürten ein stück zeug um ihre lenden G. Forster schr. (1843) 4, 212; zog ich meines einsidlers hinterlassen härin hembd an und gürtete seine kette darüber Grimmelshausen Simpl. 37 ndr.; uneigentlich: gürtet man aber die hant umb die hufften, so lagert sich das hüffte und nieren wehe Bapst v. Rochlitz arzneib. 150. übertragen von kränzen: ums haupt euch gürtet myrten und jasminen Strachwitz ged. (1850) 109. ganz entsinnlicht für 'schlingen': die erste der silben mit zaubergewalten gürtet um geister das magische band Körner 2, 258 Hempel. in älterer zeit ist auch eine gegenteilige wendung üblich 'etwas von sich gürten': den (borten) kund si nu von ir gurten schone jüng. Titurel str. 1250 Hahn; (sie) gürte mir den gürtel von den lenden Lohenstein Sophonisbe (1680) 14; bildlich, vgl. o. A 6: (dort wollte er alle ihm) auffgebunden klag von sich gürten und sich bessern Seb. Franck chron. Germ. (1538) 157. B@bb) das schwert gürten, eigentlich 'mittels des (meist daran befindlichen) gurtes umbinden': (wollte gott, dasz) van Bulion der konynck wert mir hedde gegurt min swert Karlmeinet 375 Keller; auch 66. in der regel mit präpositionalen bestimmungen, mit 'um': curte die suert umbe din dieh accingere gladio tuo circa femur tuum (ps. 44, 4) Notker 2, 168 Piper; siegesdürstend gürten keine söhne um die lenden ihrer väter stahl Hölderlin 1, 109 Litzmann; mhd., bis ins frühnhd., ist 'um sich' stehend: sein schwert das gürtet er umb sich Laurin 2115 Schade; gürte ein jglicher sein schwert umb sich 1. Sam. 25, 13 u. ö.; der printz ... gürtete seinen sebel mit diesen worten um sich Ziegler as. Banise (1689) 398; mit der präp. an erst nhd. belegt und dann sehr häufig: du hast (als ein Goliath) diss schwerd an dich gürttet und lessist dir den kopff damit abhawen Luther 7, 660 W.; gurte dein schwert an deine seiten du helt psalm 45, 4; ich nam mein schwert wol in die hand und gürt es an die seyten Forster frische t. liedlein 132 ndr.; so gürtete ich mein schwerd an meine seite Heinse 2, 152 Schüdd.; daneben mit anderen bestimmungen, z. b.: David gürtet sein schwert uber seine kleider 1. Sam. 17, 39; die capuziner der Ligue, die das schwert über die kutte gürteten Ranke sämtl. w. (1867) 9, 41; nur in bes. fällen ohne: gürte ein jeder sein schwerd und ermorde seinen bruder den kälberdiener (2. Mos. 32, 27) Jac. Böhme (1620) 3, 262; nun feyern die schwerter ... wie schön! sie zu gürten umschlungen von myrten F. v. Matthisson schr. (1825) 1, 249f. B@cc) von anderen gegenständen; vom sattel: (dasz die ärzte) fein alle sättel können gerecht gürten Fischart 3, 17 Hauffen; vgl. den sattel gürten cingiare un cavallo Hulsius (1618) 143b; ferner: das mundstück soll einem jeden pferde ... einen querdaumen über die hackenzähne gegürtet werden allg. haush.-lex. (1749) 2, 379b; die sporn könn wyr euch gürtten P. Speratus bei Ph. Wackernagel dt. kirchenlied 3, 41. B@dd) 'umtun, anlegen' von kleidungsstücken: (schürzen) die sie (Adam u. Eva) umb sich her gürteten Luther 24, 91 W.; ungewöhnlich: (in die decke) er sich einwicklen thet, gürt sie zu ihm nach bettlers art H. Sachs 17, 241 lit. ver.; die meisten zeugnisse erscheinen jedoch zweideutig, da auch ein umtun der kleider mittels gürtung, also ähnlich dem gewöhnlichen das gewand gürten (o. A 3) vorliegen kann: (ein schleier) der umb Marien was getan, gegürtet und gebunden Wernher marienleben v. 14059 Päpke; gürtet secke umb euch (als zeichen der trauer) 2. Sam. 3, 31 u. ö.; (da) gürtet er das hembd umb sich, denn er war nacket Joh. 21, 7; braucht ein havelländischer junker sich zu scheuen, um den leib zu gürten, was der markgraf umthut? (puffhosen) Alexis hosen (1846) 1, 71. von der rüstung: etslicher niht vollen die semftenier zu den beinen gebunden het, dirre im die platen gurten tet kreuzfahrt Ludwigs v. 6198 Naumann; den diamantenen panzer gürte jeder sich wohl, und jeder binde den helm fest Zachariä poet. schr. (1763) 7, 260. ebenso auch sich in ein gewand gürten: junger man mit barte gürtet sich in toren wat minnesinger 3, 422a Hagen; ich sach sy her gen mir gan, gegürt in iren pesten rock liederbuch der Hätzlerin 145 Haltaus; vgl. hierzu: des selbin gewerkis was ein roc ir gesnitin ... da hete si sich in gegurt mit eime beslaginin bortin Athis u. Prophilias d, v. 162 Grimm; auff die zeitt giengen leutt umb in leinin tuocher und gewand mit stricken gegürtt dt. städtechron. 4, 316. — übertragen, etwa im sinne von wappnen, s. auch o. A 8: (in gottes) genade wil ich gan unde ich wil mich gurten in des heilegen gotes worten denkmäler2 143 Müllenhoff-Scherer. CC. schlagen, urspr. mit dem gurt schlagen, vgl. prügeln, peitschen: nun streich weidelich uff denn schalck, wir wollenn im recht gurtten den balck Heidelberger passionsspiel 210; (ich) dich mit einem scheit werd gurten fastnachtspiele 253 Keller; auch 215; (dasz man) den son oder knecht ... mit worten oder mit streichen tapffer gürte Joh. Heroldt v. d. zung (1544) 123b; mundartlich erhalten, s. Jos. Müller rhein. 2, 1502; luxemb. (1906) 158; bes. in der Schweiz in reicher weiterentwicklung, s. Staub-Tobler 2, 446.
19255 Zeichen · 395 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    gürtenswv.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +2 Parallelbelege

    gürten , gurten swv. BMZ gorten Denkm. s. 416, prät. gurte (gorde En. 149,17 ), part. gegürtet, gegurt, gegort ( Voc. Sc…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Gürten

    Adelung (1793–1801) · +3 Parallelbelege

    Gürten , verb. reg. act. den Gurt anlegen, vermittelst des Gurtes die Kleider befestigen. Um eure Lenden sollt ihr gegür…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    gürten

    Goethe-Wörterbuch

    gürten 1 mit einem Gürtel od Gurt umgeben a ‘Kleid, Gewand gürten’ 49 1 ,100,13 Philostrat B11,73,1u3 Meyer 20./22.5.96 …

  4. modern
    Dialekt
    gürten

    Nachträge (Rheinisch)

    gürten schw.: 1. b. die Reben gürten (s. Wb), auch Zell .

  5. Sprichwörter
    Gürten

    Wander (Sprichwörter)

    Gürten 1. Ein ieder gürte sich, so schlodtert ihm nit. – Gruter, III, 27; Lehmann, II, 148, 35. 2. Wer jhm selbst gürtet…

  6. Spezial
    gürten

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    gür|ten vb.tr. ciolé (-la), taché (-ca). ▬ sich mit dem Schwert gürten se vistí la spada.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit guerten

11 Bildungen · 0 Erstglied · 6 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von guerten 2 Komponenten

gur+ten

guerten setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

guerten als Zweitglied (6 von 6)

abgürten

DWB

abgürten , cingulum solvere, nnl. afgorden, den gurt lösen. das schwert, den sattel abgürten; sie gürt ihm die gürtel ab. Ayrer 451 b ; um 1…

aufgürten

DWB

auf·guerten

aufgürten , nnl. opgorden, in doppeltem sinn 1 1) succingere, höher gürten, das kleid aufgürten, aufschürzen. 2 2) discingere, den gurt oder…

begürten

DWB

beg·uerten

begürten , cingere, umgürten, angürten, ahd. picurtan ( Graff 4, 254 ), mhd. begürten ( Ben. 1, 593 b ): ward begürtet mit einem leinen leib…

umgürten

DWB

umgürten , vb. A A. untrennbar. im part. prät. statt umgürtet selten im 16. und 17. jahrh. umbgegürtet Gengenbach 337 Göd.; grillenvertreibe…

zugürten

DWB

zug·uerten

zugürten , v. , E. Alberus 36 b ; Frisius 16 a ; 433 a u. ö.: den nasriemen am haubtgestelle ... zugürten Hohberg georg. cur. 2, 160 ; in de…

Ableitungen von guerten (5 von 5)

begürten

DWB

begürten , cingere, umgürten, angürten, ahd. picurtan ( Graff 4, 254 ), mhd. begürten ( Ben. 1, 593 b ): ward begürtet mit einem leinen leib…

entgürten

DWB

entgürten , discingere, recingere, losgürten, ahd. ingurtan ( Graff 4, 254 ), mhd. engürten ( wb. 1, 593 a ), nnl. ontgorden, den gürtel ode…

ergürten

Lexer

er-gürten swv. s. v. a. engürten mit dat. hie mit er im ergurte j.Tit. 4911. einem daʒ vel ergürten Netz 13003.

gegürten

Lexer

ge-gürten swv. swenne ich mich gegürte in einen borten Neidh. LI, 30.

vergürten

DWB

vergürten , verb. zu einem gurt verknüpfen, mittels eines gurtes zusammenheften: auch war Gordius, der denselben knopff vergurtet hat und se…

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Cotta, M. (2026). „guerten". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 11. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/guerten/dwb?formid=G32308
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Cotta, Marcel. „guerten". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/guerten/dwb?formid=G32308. Abgerufen 11. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „guerten". lautwandel.de. Zugegriffen 11. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/guerten/dwb?formid=G32308.
BibTeX
@misc{lautwandel_guerten_2026,
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