gürten,
gurten,
vb. ,
als j-
verb gleich dem subst. gürtel
tiefstufig, zum starken verb got. bigairdan '
περιζώσασθαι'
gehörig; idg. wurzel gherdh '
flechten, winden', '
umfassen, umzäunen, umgürten',
s. Walde-Pokorny 1, 608.
auszerdeutsch entsprechen aisl. gyrða,
ags. gyrdan,
afries. gerda,
mndl. gorden. AA.
mit einem gürtel umgeben, begürten, gürten
mit äuszerem object. A@11)
als gewöhnliche verrichtung beim ankleiden, besonders in früheren jahrhunderten wichtig; biblisch lat. cingere, accingere u. ähnl. übersetzend: mittiu thu iungiro uuari, bigurtos thih ... mittiu thu altes, thenis thino henti, inti ander thih gurtit
Tatian 238
Sievers (
Joh. 21, 18); Luther
dafür: da du jünger warest, gürtest du dich selbs ... wenn du aber alt wirst, wirstu deine hände ausstrecken, und ein ander wird dich gürten;
ferner: umb ewr lenden solt jr gegürtet sein
2. Mos. 12, 11
u. ö.; in allgemeinem gebrauch: hübsche jungfrowen spulgent (
pflegen) sich ze grten mit zwain grtlen
st. Georgener prediger 46
Rieder; (
die reichen Florentiner) gürteten sich mit ledernem gürtel Raumer
gesch. d. Hohenstaufen (1823) 6, 565;
mit örtlicher präpositionalbestimmung in einem humorvollen ausdruck der mittelalterlichen rechtssprache: (
wer) sich gürtet zwüschent zwene barte (
erwachsen ist) (1341)
weist. 1, 366;
auch 3, 521;
vgl. Staub-Tobler 2, 446;
Germania 29, 25.
im sprichwort: ein jeder gürte sich, so schlodert ihm nicht Lehman
florileg. polit. (1662) 3, 84; wer sich selbst gürtet, dem drückt es nicht Stieler 715.
besonders um sich zum kriege zu rüsten, eigentlich sich mit dem an besonderem gurt hängenden schwert versehen (
vgl. auch 4
u. B b): (
segen Jacobs für Gad) vil wol dir daz swert stat, gegurter du vehtest, din liut du beschirmist
genesis 112
Diemer; nicht vrewe er sich gewapent, gegurt gleicherweise sam entwapent und entgurt
Wenzelbibel (
1. kön. 20, 11)
bei Jelinek
mhd. wb. 337;
vgl.wappen antun, gurten
accingere (1432) Diefenbach
nov. gloss. 5
b;
auch gloss. 7;
in neuerer literatur häufig: (
Götz) gürtet sich und sitzt auf ohne harnisch Göthe 8, 155
W.; durch instrumentales object verdeutlicht: gürte dich mit deinem schwerte Klinger (1809) 1, 26;
vereinzelt von der schwertleite: daz he zcu rittir wirt gegurt pfarrer zu
d. Hechte
schachb. in zschr. f. d. alt. 17, 220. A@22)
auszer der bis ins nhd. geläufigen form jemanden gürten
kommen besonders in alter zeit andere constructionen vor. jemandem gürten
ihm den gürtel anlegen, s. auch u. 5: unz thu jung wari, so was thir thaz gizami, thaz thu thir selbo gurtos joh giangi, thara thu woltos Otfrid 5, 15, 40 (
Joh. 21, 18).
in absolutem gebrauch, s. auch u. 5,
im sinne von '
enger schnallen, festziehen, einschnüren': sit ich niht wines tranc, des ist mer danne ein woche: des gürt ich drier loche an dem gürtel min hinhinder
meier Helmbrecht v. 1121
Panzer. mhd. u. mnd. auch sich gürten in einen gürtel,
vgl. auch u. B d: swenne ich mich gegürte in einen borten, der ist slecht Neidhart li, 30; W. v. L. ... de so vet was, dat sik ver man in sin gordel gorden
Magdeburger schöppenchron. 130
Janicke. der gürtel gürtet jemanden,
s. auch u. 7
und 8: der gurt, der künstliche, welcher den alten (
Nestor) gürtete, wann zur mordenden schlacht er gewapnet einherzog Voss
Ilias 10, 77. A@33) das gewand gürten
bes. in neuerer zeit als sachlich genauerer ausdruck. zunächst '
mit dem dazugehörigen gurt versehen': dar na gordet he (
prister) de alven mit enen gordele, dat hefft twe strengen
bei Schiller-Lübben 2, 133
b; als er die alben guertet het H. Sachs
fab. u. schwänke 2, 38
ndr.; waz gürtst die kutt mit knopffecht stricken Fischart
binenkorb (1588) 24
a.
dann in festerem gebrauch '
mit einem gurt befestigen': (
sie tragen) gegürteten weissen leibrock Amaranthes
frauenzimm.-lex. (1715) 1372; ein reichgesticktes gewand, wie nur vornehme frauen es tragen, aber nachlässig gegürtet Fouqué
zauberring (1812) 1, 121; ein langes dunkles gewand ... dicht unter der brust gegürtet G. Keller (1889) 6, 341;
auch 5, 254;
auch speciell '
hochgürten, raffen, aufschürzen': ein langes gewand, das, wenn es nicht zweymal gegürtet wäre, ihr weit über die füsze herabfallen müszte Göthe IV 11, 73; in dem heiligen raume gürteten die priester ihr gewand zum tanze Mommsen
red. u. aufs. (1905) 283. A@44)
im zusammenhang des sich ankleidens gelangt gürten
zu der bedeutung sich vorbereiten, rüsten, fertig machen: gurten oder bereytin
precingere Diefenbach
gl. 452
a; gürten
praeparare, promptum et paratum esse Stieler 715;
accingersi sich gurten, fertig machen Castelli
it.-dt. (1741) 10
a;
so auch: haben wir uns nit ungern zu dieser arbeyt gegürtet
s. Franck
weltbuch vorr.; auch sonst mit der angabe wozu: zum andern soll er sein gegürtet zum weg (
precinctus ad viam)
offenb. d. hl. Birgitte (1502) l 1
b; (
sie saszen) um den tisch herum ..., zur reise gegürtet Laube (1875) 8, 59;
ungewöhnlich mit der angabe wohin: musz ich (
fischerknabe) in das meer mich gürten Göthe 3, 31
W. besonders '
sich zum kampfe rüsten',
d. h. die waffe umschnallen, vgl. auch o. 1: bereyten od. gurten zu stryten
procingere gemma gemm. (1508) u 1
b; ich sehe dich gegürtet und gerüstet Schiller 14, 308
Göd.; auf! zum kampf dich gegürtet ... Voss
sämtl. ged. (1802) 2, 182;
bildlich: und selbst die liebe, wie in stahl gerüstet, zum todeskampf gegürtet, tritt sie auf Schiller 12, 154
Göd. (
Piccol. III 9).
öfter mit dem in gleicher bedeutungsentwicklung begriffenen schürzen
zusammengestellt (
s. d.): Flordeleyse schurtzte und gurte sich (
zum zweikampf) H. v. Neustadt
Apollon. v. 20249
Singer; das wir gegürtet und auffgeschürtzt sein Luther 34, 2, 399
W. im gleichen sinne seine lenden gürten. hierbei tritt der körperteil an stelle des personalen objects; aus dem biblischen sprachgebrauch (
lumbos accingere): (
Elisa) sprach zu Gehasi: gürte deine lenden (
und gehe nach Sunem)
2. kön. 4, 29;
auch 9, 1
u. ö.; so auch: (
beim erscheinen des wahren Messias) würden die Juden ihre lenden fröhlich gürten, sich auf die bein machen und ... nach Jerusalem marchiren Grimmelshausen 4, 605
Keller; so gürtete er ohne aufschub seine lenden, und langte ... in Jemal an Wieland 10, 450
akad.; (
es war ihm) als müsse er eines tages seine lenden gürten, den stab nehmen und weit, weit von seiner heerde gehen Stifter (1901) 1, 179;
parodistisch: gürte lenden, manuskripte und bücher, besteige ... die eisenbahn fürst Pückler
briefw. (1873) 6, 72.
im sinne der vorbereitung zum kampf und andrer tätigkeit: lenden gürten heisset in der schrifft ... sich schürtzen und rüsten, das
einer fertig und geschickt sey zu lauffen odder zu kempffen Luther 34, 2, 399; des bin ich monarcha ... und gürt euch ewer lenden (
rüste euch aus zu wahrem arzttum) Paracelsus (1616) 1, 233. A@55) das pferd gürten,
in speciellem gebrauch '
den sattelgurt fest (
oder nachträglich fester)
schnallen',
cingulam equi constringere Stieler 715;
seit dem mhd.: sin ros daz was schœne.daz gurte der degen baz
Wolfdietrich B 541
Amelung; je fester das rosz gegürtet ist, je besser kan man reiten J. Walther
pferde u. viehzucht (1658) 28; gürtet mein pferd, gürtets aber nicht zu hart Ludwig
dt.-engl. (1716) 822.
seltener für '
satteln'
überhaupt: equum sternere Stieler 715; da stund Abraham des morgens früe auff und gürtet seinen esel
1. Mos. 22, 3; schnell war ihm das rosz gegürtet, und ich trug das banner vor Uhland
ged. (1898) 1, 217. dem rosse gürten
mhd. in festem gebrauch: (
ich) gurte mime rosse baz
Iwein 35
Ben.; den rossen was vil wol gegurt si rantten auff den puhurt H. v. Neustadt
Apollonius v. 6331
Singer. in gleichem sinn auch mit dem dativ der person; mhd. vereinzelt: sich huop ein grozer buhurt. swem da niht was wol gegurt, der moht sich vallens wol bewegen
Mai und Beaflor 234
Pfeiffer; frühnhd.: wer ihm selbst gürtet, dem stehet der sattel steiff Henisch 1785; wer sich nicht gürtet, ehe er reitet, der felt leicht Petri
d. Teutsch. weish. (1604) 2, I i i 8
a.
auch in absoluter construction: groz arbeit ez (
das rosz) ringe wac ... er dorft im keines gürtens wonen doch eines loches naher baz, swer zwene tage druffe saz
Parzival 161, 14; wer nit vor gürt, ee dann er rytt S. Brant
narrenschiff 14
Zarncke; zu hoch gürten sprengt die gurt Fischart
Garg. 367
ndr.; gurten
cingulas constringere Duez
nomencl. (1652) 180.
s. auch den sattel gürten B c. A@66)
in zucht nehmen; sich oder andern hartes auflegen; bezwingen; ausgehend vom enger schnallen des leibriemens beim fasten, s. auch o. 2: ir sollent euch eins lochs enger gürten Keisersberg
postille (1522) 2, 10
b;
allgemeiner '
hart anfassen': die ... münch besorgten (
von dem neuen abt) das, ob er sy würde gürten basz, geistlicher würde reformieren Murner
narrenbeschw. 57
ndr. u. ö.; hierher modern bildlich: (
mit dem) schmachtriemen der enthaltsamkeit gegürtet Lavater
handbibl. 1, 329;
im sinne straffer ordnung und rastlosen fleiszes: sie (
die hausfrau) gürtet ire lenden fest und sterckt ire arme
spr. Salom. 31, 17;
vielfach aufgenommen, z. b.: in zucht und fleisz erstarkt sie ihren arm und gürtet fest die lenden Cl. Brentano (1852) 2, 569;
dagegen sich lose gürten
sich gehen lassen: ein schlack ist ein loses, leeres vergebens metall ... (
das sinnbild für) lose leute, die sich lose gürten, darinn kein guter tropffen mehr ist von gott, glauben, ehre und warheit Joh. Mathesius
Sarepta (1571) 111
a;
vgl. einer der sich lose gürtet
discinctus, i. e. improbus, negligens et iners Henisch 1784;
ähnlich: wi übel sich
N. N. alhir gürtet, hast du beyligend, gleich aus einem spigel, zu ersehen Butschky
hd. kanzelley (1659) 241.
auf einen weiteren ausgangspunkt, das festschnallen des sattels und damit der last des lasttieres, s. auch o. 5,
deutet vielleicht: man soll einen bogen nicht überspannen und einen esel zu sehr gürten (
onere gravi supprimitur) Steinbach (1734) 1, 653. —
auf solchen concreten wendungen beruht die abstracte verwendung neben zwingen,
von diesem in der bedeutung kaum unterschieden: mancherlei ungluck wirdt mir angethan ... und gurtet mich oder zwingt mich, dasz ich nicht herausz kummen kan Hafernitz
Job (1530) 208
b; (
die gestirne) nöthen, treiben den faulen zu der arbeit und zwingen ihn ... wie Petrus gezwungen und gegürtet warde, dahin zu gehn, da er nicht hin wolte Paracelsus (1616) 2, 413
Huser. sogar in auszermenschlicher sphäre: (
schwerer boden tut die) sammen zwingen und grten
semina comprimere atque strangulare Österreicher
Columella 1, 205
lit. ver.; im sinne von '
kräftig bearbeiten': sol sich der acker wol lösen, so musz man ihn erst wol gürten Petri
d. Teutschen weish. (1604) 2, P p p 3
b. A@77)
übertragen im weiteren sinn von '
umwinden, umgeben, umbinden',
auszerhalb des bereiches der menschlichen taille und des pferdebauches. A@7@aa)
alt, in beschränktem gebrauch, vom anbinden der reben: gurten oder cruden '
die rebe mit stroh oder bandweiden am pfahl befestigen' (15.
jh.)
bei Mone
zschr. f. gesch. d. Oberrh. 10, 183; 14, 33;
noch jetzt gebräuchlich, s. Jos. Müller
rhein. 2, 1502; Haltrich
siebb.-sächs. 95. A@7@bb)
jung in mancherlei übertragungen; andre körperteile mit etwas anderem als einem gürtel umgeben: ein goldnes band, das knie der braut zu gürten Ramler
lyr. ged. (1772) 108; auf! gürtet den fusz euch (
mit schlittschuhen) R.
Z. Becker
mildh. liederbuch (1799) 49; (
wenn) so ein narr sich das schienbein gürtet mit schwarzem (
leder) W. Binder
Horaz4 2, 23 (
serm. 6, 27).
im sinne von bekränzen: grünt (
ihr myrten), um meine welke stirn zu gürten, meine laute, der nur schmerz entflosz Novalis 1, 163
Minor; an den '
leibgürtel'
nahe angelehnt: das fett, womit gelehrte sich gürten (
ist nichts) gegen den fettpolster eines gesunden und weisen rathes Jean Paul 15, 22
Reimer. anders: schon gürteten die felsriesen mit wolkenschleiern ihre leiber H. v. Barth
nördl. Kalkalpen 387.
poetisch in landschaftsschilderungen '
umgeben, begrenzen, umschlieszen',
vgl. auch gürtel 8 a: da, wo des Chzechus stamm mit bergen sich gegürt Logau
sinnged. 184
Eitner; (
klippen) mit denen sich die küste gürtend schützt Grillparzer (1892) 7, 64; Flandern gürten sandge banken Eichendorff (1864) 1, 714; die feste selbst und ihren garten gürtet ein mauerring mit turmesschmuck und zinnen Liliencron (1896) 9, 64;
ganz unbestimmt für '
umgeben': blühest, wie rosen, welche mit moos gürten ihr blatt Klopstock
oden 2, 140
Muncker. A@88)
schützend umgeben, wappnen, wie gürtel 6 a
und gurt 1 a,
von ethischen werten: got ist, der mich curtet mit tugede (
psalm 17, 33) Notker 2, 53
Piper; ist er mit tugenden so gegurt, das er sin rein gemute went an rechte gute, des lobe volgit wirdikeit
herzog Ernst v. 4509
Hagen-Büsching; diu rede wart dem künege swære, den doch menlich ellen gurt U. v.
d. Türlin
Willeh. 46
Singer; auch 13;
ähnlich: (
gott zu Hiob) gürte deine lenden wie ein man, ich will dich fragen
Hiob 38, 3; 40, 7; und die da wankten, gürtet er mit kraft Herder 12, 199
Suphan; gürte mit stolz mich und kraft und wahrheit Hölderlin 1, 91
Litzmann; der glaub musz die nieren gürtten und halten Luther 10, 2, 130
W.; du hast meinen sack ausgezogen und mich mit freuden gegürtet
psalm 30, 12; wenn aber alle fädenn ... zerreiszen ... musz er sich nur mit gedult und hoffnung gürten Lohenstein
Armin. 2, 781
b; es gürtet schaam den keuschen leib Schiller 11, 248
Göd. bildhafter, vgl. gürtel (6)
als symbol der jungfräulichkeit: (
wenn) wir uns gürten mit der gürteln der käuschait K. v. Megenberg
b. d. nat. 59
Pf.; vereinzelt auch gegensätzlich vom üblen: swer schande hat unt schande gert den la sich gürten mit der schanden borden (
borte) meister Boppe
in minnesinger 2, 382
b Hagen. BB. '
umtun, umbinden, umlegen, anlegen', gürten
mit innerem object. B@aa) einen gürtel, strick
und ähnliches gürten,
meist mit der präposition um: (
er) gurte do den gürtel umbe sin isengewant
Wigalois 21
Pfeiffer; du bist darumb kein christen, so du ein seil umb dich gürtest, man mag einer sauw auch ein seyl umblegen Eberlin v. Günzburg 2, 116
ndr.; die weiber gürten ein stück zeug um ihre lenden G. Forster
schr. (1843) 4, 212; zog ich meines einsidlers hinterlassen härin hembd an und gürtete seine kette darüber Grimmelshausen
Simpl. 37
ndr.; uneigentlich: gürtet man aber die hant umb die hufften, so lagert sich das hüffte und nieren wehe Bapst v. Rochlitz
arzneib. 150.
übertragen von kränzen: ums haupt euch gürtet myrten und jasminen Strachwitz
ged. (1850) 109.
ganz entsinnlicht für '
schlingen': die erste der silben mit zaubergewalten gürtet um geister das magische band Körner 2, 258
Hempel. in älterer zeit ist auch eine gegenteilige wendung üblich 'etwas von sich gürten': den (
borten) kund si nu von ir gurten schone
jüng. Titurel str. 1250
Hahn; (
sie) gürte mir den gürtel von den lenden Lohenstein
Sophonisbe (1680) 14;
bildlich, vgl. o. A 6: (
dort wollte er alle ihm) auffgebunden klag von sich gürten und sich bessern Seb. Franck
chron. Germ. (1538) 157. B@bb) das schwert gürten,
eigentlich '
mittels des (
meist daran befindlichen)
gurtes umbinden': (
wollte gott, dasz) van Bulion der konynck wert mir hedde gegurt min swert
Karlmeinet 375
Keller; auch 66.
in der regel mit präpositionalen bestimmungen, mit '
um': curte die suert umbe din dieh
accingere gladio tuo circa femur tuum (
ps. 44, 4) Notker 2, 168
Piper; siegesdürstend gürten keine söhne um die lenden ihrer väter stahl Hölderlin 1, 109
Litzmann; mhd., bis ins frühnhd., ist '
um sich'
stehend: sein schwert das gürtet er umb sich
Laurin 2115
Schade; gürte ein jglicher sein schwert umb sich
1. Sam. 25, 13
u. ö.; der printz ... gürtete seinen sebel mit diesen worten um sich Ziegler
as. Banise (1689) 398;
mit der präp. an
erst nhd. belegt und dann sehr häufig: du hast (
als ein Goliath) diss schwerd an dich gürttet und lessist dir den kopff damit abhawen Luther 7, 660
W.; gurte dein schwert an deine seiten du helt
psalm 45, 4; ich nam mein schwert wol in die hand und gürt es an die seyten Forster
frische t. liedlein 132
ndr.; so gürtete ich mein schwerd an meine seite Heinse 2, 152
Schüdd.; daneben mit anderen bestimmungen, z. b.: David gürtet sein schwert uber seine kleider
1. Sam. 17, 39; die capuziner der Ligue, die das schwert über die kutte gürteten Ranke
sämtl. w. (1867) 9, 41;
nur in bes. fällen ohne: gürte ein jeder sein schwerd und ermorde seinen bruder den kälberdiener (
2. Mos. 32, 27) Jac. Böhme (1620) 3, 262; nun feyern die schwerter ... wie schön! sie zu gürten umschlungen von myrten
F. v. Matthisson
schr. (1825) 1, 249
f. B@cc)
von anderen gegenständen; vom sattel: (
dasz die ärzte) fein alle sättel können gerecht gürten Fischart 3, 17
Hauffen; vgl. den sattel gürten
cingiare un cavallo Hulsius (1618) 143
b;
ferner: das mundstück soll einem jeden pferde ... einen querdaumen über die hackenzähne gegürtet werden
allg. haush.-lex. (1749) 2, 379
b; die sporn könn wyr euch gürtten P. Speratus
bei Ph. Wackernagel
dt. kirchenlied 3, 41. B@dd) '
umtun, anlegen'
von kleidungsstücken: (
schürzen) die sie (
Adam u. Eva) umb sich her gürteten Luther 24, 91
W.; ungewöhnlich: (
in die decke) er sich einwicklen thet, gürt sie zu ihm nach bettlers art H. Sachs 17, 241
lit. ver.; die meisten zeugnisse erscheinen jedoch zweideutig, da auch ein umtun der kleider mittels gürtung, also ähnlich dem gewöhnlichen das gewand gürten (
o. A 3)
vorliegen kann: (
ein schleier) der umb Marien was getan, gegürtet und gebunden Wernher
marienleben v. 14059
Päpke; gürtet secke umb euch (
als zeichen der trauer)
2. Sam. 3, 31
u. ö.; (
da) gürtet er das hembd umb sich, denn er war nacket
Joh. 21, 7; braucht ein havelländischer junker sich zu scheuen, um den leib zu gürten, was der markgraf umthut? (
puffhosen) Alexis
hosen (1846) 1, 71.
von der rüstung: etslicher niht vollen die semftenier zu den beinen gebunden het, dirre im die platen gurten tet
kreuzfahrt Ludwigs v. 6198
Naumann; den diamantenen panzer gürte jeder sich wohl, und jeder binde den helm fest Zachariä
poet. schr. (1763) 7, 260.
ebenso auch sich in ein gewand gürten: junger man mit barte gürtet sich in toren wat
minnesinger 3, 422
a Hagen; ich sach sy her gen mir gan, gegürt in iren pesten rock
liederbuch der Hätzlerin 145
Haltaus; vgl. hierzu: des selbin gewerkis was ein roc ir gesnitin ... da hete si sich in gegurt mit eime beslaginin bortin
Athis u. Prophilias d,
v. 162
Grimm; auff die zeitt giengen leutt umb in leinin tuocher und gewand mit stricken gegürtt
dt. städtechron. 4, 316. —
übertragen, etwa im sinne von wappnen, s. auch o. A 8: (
in gottes) genade wil ich gan unde ich wil mich gurten in des heilegen gotes worten
denkmäler2 143
Müllenhoff-Scherer. CC.
schlagen, urspr. mit dem gurt
schlagen, vgl. prügeln,
peitschen: nun streich weidelich uff denn schalck, wir wollenn im recht gurtten den balck
Heidelberger passionsspiel 210; (
ich) dich mit einem scheit werd gurten
fastnachtspiele 253
Keller; auch 215; (
dasz man) den son oder knecht ... mit worten oder mit streichen tapffer gürte Joh. Heroldt
v. d. zung (1544) 123
b;
mundartlich erhalten, s. Jos. Müller
rhein. 2, 1502;
luxemb. (1906) 158;
bes. in der Schweiz in reicher weiterentwicklung, s. Staub-Tobler 2, 446.