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Blut

mhd. bis spez. · 21 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Blut

Bd. 1, Sp. 1090
Das Blut, des -es, plur. car. der rothe flüssige Theil in den thierischen Körpern, der seinen Umlauf, so lange das Geschöpf lebt, in den Adern hat, und aus welchem alle übrige Säfte der thierischen Haushaltung entspringen. 1. Eigentlich. Dickes, flüssiges Blut. Blut auswerfen; in niedrigen Ausdrücken, Blut speyen. Blut lassen, durch eine künstliche Öffnung einer Ader es abfließen lassen, zur Ader lassen. Das Blut wallt, wenn es stärker umläuft als gewöhnlich. Die Wallung des Bluts. Wie Milch und Blut aussehen, eine frische, lebhafte Gesichtsfarbe haben. Das Blut stieg mir in das Gesicht, vor Scham, Unwillen u. s. f. Nur nicht erstochen, denn ich kann kein Blut sehen, Weiße. In seinem Blute liegen. Es ist kein Tropfen Blutes an ihm, es ist kein guter Tropfen Blutes in ihm, er ist völlig verderbt, so wohl im physischen als moralischen Verstande. Seine Hände mit Blut besudeln, beflecken, figürlich, sich eines Mordes schuldig machen. Unschuldiges Blut vergießen. Es ist in diesem Kriege viel Blut vergossen worden, es sind viele Menschen darin umgekommen. Der Sieg hat viel Blut gekostet. Nach Blut dürsten,[] in der höhern Schreibart, grausam seyn. Cäsar dürstete nicht nach Blut, und wollte lieber verzeihen als siegen. Blut und Leben für jemanden wagen, aufsetzen. Einen bis auf das Blut aussaugen, figürlich, ihn unter dem Scheine des Rechtes nach und nach alles des Seinigen berauben. Er handelt allemahl bis aufs Blut, er dinget auf das genaueste. S. auch Geblüt. 2. Figürlich. 1) Der Fluß des Blutes, doch nur in der Redensart, das Blut stillen, den Fluß des Blutes. Blutstillende Mittel. 2) In Verbindung mit dem Worte Schweiß, mühsame Arbeit und die dadurch erworbene Nothdurst. Der Armen Schweiß und Blut an sich reißen. Es ist mein Schweiß und Blut, daßjenige, was ich mir durch saure Arbeit erworben habe. Dahin gehöret auch die biblische R. A. Die ihr Zion mit Blut banet, und Jerusalem mit Unrecht, Micha 3, 10. 3) Der zur Fortpflanzung seines Geschlechtes nöthige flüssige Körper, weil man ehedem glaubte, daß er aus dem Blute abgeschieden würde. Von einem Blute kommt aller Menschen Geschlecht, Apostelg. 17, 26. Noch mehr aber nach einer noch weitern Figur, 4) nahe Verwandtschaft, und die aus derselben entspringende natürliche Verbindlichkeit. Er ist durch die Bande des Blutes mit mir verbunden. Dazu gehöret keine Tugend, einer Person etwas zu gönnen, für welche das Blut in mir spricht, Gell. Wenn du die starken Triebe des Blutes je gefühlt, Wenn du ein Vater bist. S. Blutsfreund, Blutsfreundschaft. 5) * Der ganze Umfang der sinnlichen Triebe und deren ungeordnete Beschaffenheit, in Verbindung mit dem Worte Fleisch, doch nur in der biblischen Schreibart. Fleisch und Blut kann das Reich Gottes nicht ererben, 1 Cor. 15, 50. Sich nicht mit Fleisch und Blut besprechen, Cal. 1, 16. Wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, Ephes. 6, 12. Auch wohl natürlichen Kräfte des Verstandes. Fleisch und Blut hat dir das nicht offenbaret, Matth. 16, 17. 6) Das Leben der Menschen, weil das Blut einen wesentlichen Theil desselben ausmacht. Mit seinem Blute ist mir nicht gedient. Gut und Blut bey jemanden, oder für jemanden aufsetzen. 7) Ein gewaltsamer Tod. Die Gerechtigkeit fordert dein Blut. Seine Rache konnte nur durch Blut befriediget werden. Die Stimme deines Bruders Blut schreyet zu mir von der Erden, 1 Mos. 4, 11. Der soll des Bluts schuldig seyn, 3 Mos. 17, 4; 4 Mos. 35, 27. Der Rächer des Bluts, 4 Mos. 35, 19, 21, 24. S. Bluträcher. Ingleichen das dadurch begangene Verbrechen, besonders in einigen biblischen Stellen. Unschuldig Blut auf sich laden, 5 Mos. 22, 8. Sein Blut sey auf ihm, 3 Mos. 20, 9, 11; Jos. 2, 19. Rechne uns nicht zu unschuldig Blut, Jon. 1, 14. S. Blutschuld. 8) Der verdienstliche Tod Christi, das dadurch vollbrachte Versöhnungswerk, und dessen Verdienstlichkeit, gleichfalls nur in der biblischen Schreibart. Ingleichen dessen körperliches Erinnerungsmittel, der Wein in dem heil. Abendmahle. 9) Die Person oder der Mensch selbst, doch nur in einigen niedrigen Ausdrücken. Ein junges Blut. Ein liederliches Blut. Anm. Blut lautet bey dem Ulphilas bloth, bey dem Ottfr. bluat, im Nieders. Blood, im Dän. und Schwed. Blod, im Engl. Blood. Herr Ihre lässet es entweder von flod, fließen, oder von dem Griech. βλυειν, hervor quellen, abstammen. Allein es gehöret unstreitig zu blühen, welches ursprünglich, durch eine lebhafte Farbe, dergleichen die rothe ist, sichtbar werden, bedeutet. Ottfried und andere alte Schriftsteller schreiben Blut und Blüthe auf einerley Art bluot und bluat. Erploten bedeutet in dem alten Gedichte auf Carln den Großen bey dem Schilter erröthen, und das Wort Blüthe wird noch jetzt von einigen für den monathlichen[] Blutfluß des andern Geschlechtes gebraucht. Die Bergleute, bey welchen sich noch so viele Wörter in ihrer ersten Bedeutung erhalten haben, sagen noch jetzt von dem rothgüldenen Erze, wenn es eine hochrothe Farbe hat, daß es blute. S. auch Blöde, Blühen und Blüthe. Der Hebräische Nahme des Blutes דם ist gleichfalls von אדם, roth seyn, hergenommen. Die Schlesische Mundart spricht dieses Wort sehr kurz aus, Blutt, und Gryphius schreibt es sogar so. Ehedem wurde das Blut auch Verich, Verh, Färch, genannt, wovon Pez und Haltaus in ihren Glossar, nachgesehen werden können. Die Jäger gebrauchen für Blut die Ausdrücke Fasch, Faisch, Fährte und Schweiß, einige andere Lebensarten aber Farbe. S. diese Wörter. Der Verfasser des alten Gedichtes auf den heil. Anno gebraucht V. 230, Pluot, und Tatian Kap. 56, Blaustar für Opfer. In den nördlichern Mundarten ist diese Bedeutung noch häufiger. S. Ihre Glossar. v. Blota. In einigen im gemeinen Leben üblichen Zusammensetzungen bedeutet Blut so viel als sehr; wie in blutarm, blutjung, blutsauer, blutfremd, u. s. f. Im Niedersächsischen ist es in verschiedenen Zusammensetzungen zugleich eine Art eines Scheltwortes. Ein Blutjunge, ein arger leichtfertiger Junge, ein Blutschelm, ein arger Schelm, eine Bluthure u. s. f. Beyde Arten des Gebrauches, die sonst keinen begreiflichen Verstand haben würden, lassen sich aus der ersten eigentlichen Bedeutung dieses Wortes sehr ungezwungen erklären, indem es alsdann eine jede Sache oder Eigenschaft bedeutet, welche sehr merklich in die Augen fällt.
6273 Zeichen · 126 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    blutadj.

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +4 Parallelbelege

    blut adj. bloss, nackt. eins alten strûʒes junge kint die wîl si blut und dennoch blint in dem neste lagen Reinfr. 165 b…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Blut

    Adelung (1793–1801) · +8 Parallelbelege

    Das Blut , des -es, plur. car. der rothe flüssige Theil in den thierischen Körpern, der seinen Umlauf, so lange das Gesc…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Blut

    Goethe-Wörterbuch

    Blut gelegentl -uh-; etwa 500 Belege, überwiegend im dichterischen Werk A bei Mensch u (selten) Tier: lebensnotwendige, …

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Blut

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Blut ist die unmittelbare Ernährungsflüssigkeit für die thierischen Organe; es besteht bei den meisten Thieren aus 2 ver…

  5. modern
    Dialekt
    Blut

    Bayerisches Wörterbuch · +4 Parallelbelege

    Blut Band 2, Spalte 2,1444–1449

  6. Sprichwörter
    Blut

    Wander (Sprichwörter)

    Blut 1. Angeboren Blut queint, wenn's gleich nur ein Tröpflein wäre. – Henisch, 437; Petri, II. D.h. Blutsfreunde treten…

  7. Spezial
    Blut

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Blut n. (-[e]s) 1 sanch m. 2 (Temperament) sanch m. , temperamënt (-nc) m. , carater (-s) m. ▬ Blut verlieren perde sanc…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit blut

1.034 Bildungen · 934 Erstglied · 93 Zweitglied · 7 Ableitungen

blut‑ als Erstglied (30 von 934)

Blut I

SHW

Blut I Band 1, Spalte 963-964

Blut II

SHW

Blut II Band 1, Spalte 965-966

Blutader

SHW

Blut-ader Band 1, Spalte 965-966

Blutapfel

SHW

Blut-apfel Band 1, Spalte 965-966

blutarm

SHW

blut-arm Band 1, Spalte 965-966

Blutarmut

SHW

Blut-armut Band 1, Spalte 965-966

Blutblase

SHW

Blut-blase Band 1, Spalte 965-966

Blutblater

SHW

Blut-blater Band 1, Spalte 965-966

Blutbuche

SHW

Blut-buche Band 1, Spalte 965-966

Blutegel

SHW

Blut-egel Band 1, Spalte 965-966

Bluteimer

SHW

Blut-eimer Band 1, Spalte 965-966

Blutfink

SHW

Blut-fink Band 1, Spalte 967-968

Blutfleck

SHW

Blut-fleck Band 1, Spalte 967-968

Blutfluß

SHW

Blut-fluß Band 1, Spalte 967-968

Blutgeld

SHW

Blut-geld Band 1, Spalte 967-968

blutgierig

SHW

blut-gierig Band 1, Spalte 967-968

Blutgift

SHW

Blut-gift Band 1, Spalte 967-968

Bluthund

SHW

Blut-hund Band 1, Spalte 967-968

blut als Zweitglied (30 von 93)

Aprilenblut'

Wander

april·en·blut

Aprilenblut' Aprilenblut' thut selten gut. – Simrock, 399. [Zusätze und Ergänzungen]

christenblut

DWB

christen·blut

christenblut , n. christenbluot tuon ich vergieszen. fastn. 1041 ; ir kriegsleut seit nur wol gemuot und helfen retten das christenbluot. ei…

drachenblut

DWB

drachen·blut

drachenblut , n. 1 1. die hochrothe farbe des drachenbluts wird in den alten gedichten hervorgehoben. in verwet scham, so er unzuht siht, fü…

Fischblut

Wander

fisch·blut

Fischblut Man muss nur mit Fischblut handeln. Mit kaltem Blute, ruhiger Ueberlegung.

fürstenblut

DWB

fuersten·blut

fürstenblut , n. 1 1) blut eines fürsten, überhaupt blut von fürsten: theurer stamm von alten helden, ... wann dein kühnes fürstenblutt für …

halbblut

DWB

halb·blut

halbblut , n. der abkömmling von eltern verschiedener race: halbblut von einem Europäer und einer Indianerin. auch vom pferde gesagt, das vo…

Ableitungen von blut (7 von 7)

bebluten

DWB

bebluten , cruentare, nnl. bebloeden: den boden bebluten; gezänk und tod bringt Libitina auf die beblutete scene. Götz 2, 43 .

Entbluten

Campe

◬ Entbluten , v. trs. des Blutes berauben. — und verließ den entbluteten Leichnam. Voß. Das Entbluten. Die Entblutung.

erbluten

DWB

erbluten , exstillare, ausbluten, verbluten: beschneid dem pferd den huef, lasz erblueten. Seuter 397 ; wann ein vieh schmalweidig ist, so h…

geblut

DWB

geblut für geblutet, part. zu bluten, scheint im folgenden ungeblûtt enthalten: es schadt mir dennoch nichts ihr ungeblutter hieb. Wiedeman …

verbluten

DWB

verbluten , n. substantiver infinitiv zum vorigen, in übertragener bedeutung: wenn nach des tags verbluten weit und breit die finsternisz si…

verblutung

DWB

verblutung , f. verlust des blutes bis zur erschöpfung oder dem tode, profusio sanguinis et jactura Stieler 205 ; bildlich: da lag er in öde…

zerbluten

BWB

zerbluten Band 2, Spalte 2,1468