Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
wërlt stf.
1. zeitalter, saeculum. wie sehs werelde solden wesen, unde ie diu werlt mit tûsent jâren ab næme; unde in der sibenden werlde sô solde diu werlt gar zergên. an Adâm diu êrste werlt began — nu sîn wir in der sibenden werlte swsp. s. 9 W. hundert jâr heissent seculum, daʒ ist ein welt Mein. nat. 12. uber ûffet in in die werlte super exaltate eum in saecula H. zeitschr. 8,136. vgl. 137 138.
2. die welt, besonders als wohnsitz der menschen. mundus gl. Mone 6,219. cosmus sumerl. 26,36. alle dise werelt, die sunnen unde den mânen, die sterne unde diu vier element swsp. s. 3 W. wêre di werlt elle in sîner gwelde glaube 2506. daʒ schœnste gras, daʒ diu werlt ie gewan das man je sah Iw. 22. diu werlt stê kurz ode lanc das. 31. swie lange disin werlt stê Am. 129. — sex etates mundi dere werlt sehs altere Diemer 352,7. unze an daz ente der werlte fundgr. 1,23. von der werlit de aneginne das. 2,136,42. in der werilde aneginne Anno 19. daʒ sper gein al der werlte hêrren wart geneiget Walth. 37, 16. — in der werlde, werlte, welte L. Alex. 5927 W. Iw. 16. 235. 277. a. Heinr. 443. Walth. 8,30. 20,16. 29,4. Nith. 57,6. Nib. 923,3. 937, 3. 1407,1. in dirre werlde das. 13, 4. 133,4. ze der w., zer werlte Iw. 151. 291. a. Heinr. 427. 675. Wigal. 11641. Walth. 8,10. 41,16. 43,20. Nib. 16,2. 517,4. 677,4. ze diser, dirre werlde das. 21,4. 281,4. Iw. 57. 150. der küenste man, den muoter ie zer werlt gewan Parz. 276,20. dich brâht zer werlde gebar ein reine wîp das. 146,6. 303,21. sus hât si mich von der werlte brâht ums leben gebracht MS. 1,167. a. der tôt hât in genomen hie von dirre werlt H. Trist. 34. von der werlde scheiden sterben U. Trist. 3649. Mart. leseb. 758,4. einem die werlt erleiden das leben verleiden MS. 1,34. b. — der dich und al die welt giscuof leseb. 273,18. alrêrste er dô gedâhte, wer al die werlt volbrâhte, an sînen schepfære Parz. 451,10. vier dinc von got der krefte waltent daʒ si die werlde alle ûf haltent (die vier elemente) Renner 6112. Alexander, der di werlit in jârin zuelevin irvuor unz an did einti Anno 326. vgl. L. Alex. 4745 W. nu vuort ir dwerhes die welt Helmbr. 1779. si ist über al die werlt ein wunder Trist. 12566. — duo deilti got sîni werch al in zwei: disi werlt ist daʒ eine deil, daʒ ander ist geistîn. dannini lisit man, daʒ zuâ werilte sîn: diu eine dâ wir inne birin, diu ander ist geistîn. duo gemengite dei wîse godis list von den zuein ein werch daʒ der mennisch ist, der beide ist, corpus unte geist Anno 24. die minner welt, daʒ ist der mensch Frl. 437,8. vgl. microcosmus minder welt, macrocosmus mêr welt gl. Mone 6,219.
3. die menschheit; die menschen, leute. sone wil eʒ diu werlt sô niht verstân Iw. 78. diu werlt hât vil von im gelogen das. 172. dar nâch diu welt sô sêre vihtet Walth. 20,26. — der werlde gunst bejagen Parz. 103,2. der werlde hulde behalten das. 827,22. der werlde haʒ doln das. 427,28. der werlde spot erwerben das. 657, 14. du wenderinne der wernde val Geo. 2739. — verlegeniu müeʒekeit ist gote unt der werlte leit Iw. 262. daʒ wirt der werlt vil leit Walth. 25, 19. der werlte behagen das. 56,23. der werlde grüeʒen bieten die leute grüßen Parz. 127,20. von den der werlde guot geschiht Trist. 2. swaʒ der der werlde ze guote tuot das. 6. ich hân mir ein unmüeʒekeit der werlde ze liebe für geleit das. 46. der werlde ze minnen enblienderʒ sînen sinnen: ir gruoʒ wil er gewinnen Wigal. 142. als der tôtsieche man, der von der werlde wirt getân aus der menschlichen gesellschaft ausgestoßen wird das. 2153. — die welt mac immer riuwen der schœnen Helchen tôt Nib. 1137,2. vgl. Parz. 526,10. — al diu werlt jedermann Walth. 16,33. 52,20. 58,24. Parz. 429,26. 448, 8. MS. 1,66. b. al die werlt (im ausrufe) Walth. 28,31. — der schœnen er sich underwant: er worhte mit ir sâ zehant dâ mit diu werlt ist gemêret H. gesab. 2,128. vgl. Nith. 44, 14 u. H. hei, wie manige werlt si sint gebâren Diemer 353,22. — von der werlde der großen menschenmenge, di dâ tôt lac L. Alex. 1062 W. daʒ der zem êrsten starp unt dâ nâch diu werlt âne zal Roth pred. 75. eʒ kom dar sô grôʒiu welt Maßm. Al. 145. b. im volgte ein werlt nâch mit gange das. 75. a. sich samente gar ein grôʒiu werlt von frouwen unde von mannen Ludw. 66 u. anm. — Kolnischi werlt das volk von Cöln Anno 611.
4. besonders die sündige, den irdischen freuden ergebene menschheit, das weltliche leben in gegensatz zu einem höhern. in diesem sinne wird die welt mehrfach personificiert. diu werlt mich lachet triegent an und winket mir: nu hân ich als ein tumber man gevolget ir. der hacken hân ich manegen tac geloufen nâch, dâ niemen stæte vinden mac, dar was mir gâch H. l. 10,18. mir behaget diu werlt niht sô wol. ir meiste ist herzeleit, ir süeʒer lôn ein bitter nôt a. Heinr. 708. diu werlt gît uns allen nâch honge bitter gallen Vrid. 31,1. jâ ist dirre werlte leben niuwan der sêle verlust a. Heinr. 688 dirre werlte veste diu stât âne meister schaft das. 97. ich fürhte daʒ mich der werlte süeʒe zuhte under füeʒe, als si vil manegen hât gezogen, den ouch ir süeʒe hât betrogen: sô wurde ich lîhte gote entsaget das. 702. diu kint der welte Barl. 40,56. der welte kint, der welte sün Griesh. pred. 2,23. von wie getâner ordenunge sold er ze einem herren werden gehabt für daʒ er der werlt hât widerseit tod. gehüg. 228. der sol der werlte widersagen und sol ir wâfen niht mê tragen misc. 2,221. — welt, ich hân dînen lôn ersehen Walth. 67,8. sô wê dir, werlt, wie dirʒ gebende stât das. 122, 35. diu welt ist ûʒen schœne, wîʒ, grüen unde rôt, und innân swarzer varwe, vinster sam der tôt. swen si nu habe verleit, der schouwe sînen trôst das. 124,37. frô Welt, do ich dich gesach under ougen, dô was dîn schowen wunderlich. doch was der schanden alse vil, dô ich dîn hinden wart gewar, daʒ ich dich iemer schelten wil das. 101,9. vgl. der welt lohn von Konr. v. Würzburg, wo die welt dem ritter Wirnt von Gravenberg als eine schöne erscheint, die von vorn einen anmuthigen, von hinten aber einen abscheulichen anblick gewährt. sie sagt v. 208 fg. nach der ausgabe von Fr. Roth: 'diu Werlt bin geheiʒen ich, der du nu lange hâst gegert. lônes solt du sîn gewert von mir, als ich dir zeige nu. hie kume ich dir, daʒ schouwe du.' sus kêrte si im den rücke dar, der was in allen enden gar bestecket und behangen mit ungefüegen slangen, mit kroten unde nâteren; ir lîp was voller blâteren und ungefüeger eiʒen. vliegen und âmeiʒen ein wunder drinne sâʒen; ir vleisch die maden âʒen unz ûf daʒ gebeine. si was sô gar unreine, daʒ von ir bloedem lîbe wac ein alsô engestlîcher smac, den nieman kunde erlîden. ir rîcheʒ kleit von sîden was vil jæmerlîch gevar, bleich alsam ein asche gar. vgl. Frl. 440,6. hieran genüge, da eine sammlung aller der stellen, wo von der vergänglichkeit, noth, sündhaftigkeit, falschheit u. s. w. der welt die rede ist, hier kaum an ihrem orte sein würde. s. der Welt lohn von W. Wackernagel in H. zeitschr. 6,151 fg. u. F. Sachse: der Welt lohn von Konrad von Würzburg, ein beitrag zum verständnis mittelalterlicher glaubens- und lebensansicht. Berlin 1857.
5. das leben überhaupt. sô was ir werlt wunne vol, sô was in sanfte und alsô wol, daʒ daʒ sin heten niht ir leben umbe kein himelrîche geben Trist. 1367. — in zusammensetzungen dient das wort mehrfach zur verstärkung