weh,
wehe,
interj. subst. adv. adj. verwandtschaft und form. 11)
die aus einem naturlaut entstandene interj. ist in allen germ. dialekten auszer dem altfries. (
doch heute wî
auf Sylt nach Siebs
grundrisz 1
2 1404
und in orten der nordfries. küste nach Wrede
anz. f. d. a. 20, 334)
vorhanden: got. wai,
in zusammensetzungen auch waja-,
ahd. mhd. asächs. mnd. wê,
ndl. wee,
ags. wá, wǽ, wei,
me. w,
engl. woe,
anord. vei, væ.
auf dem westgerm. worte beruht ital. span. port. guai,
afrz. wai,
nfr. ouais Diez
4 176,
dieses als owá, owáj
ins elsäsz. rückentlehnt Martin-Lienhart 2, 776.
in den idg. sprachen sind verwandt die gleichbedeutenden ai. uvé (Neisser
in Bezz.
beitr. 30, 303),
avest. vayōi,
iran. avōi,
lett. wai,
lit. wai —
in waitoju '
wehklagen' (Collitz
in Bezz.
beitr. 17, 4),
air. fé,
cymr. gwae,
corn. go-,
breton. goa,
lat. vae,
alexandrinisch οὐά,
οὐᾶ.
eine ursprüngliche gr. entsprechung wird vermiszt, doch steht nichts entgegen, αἶ,
αἰαῖ bei den tragikern hierherzuziehen, das nach laut und bedeutung stimmt. die neigung zur reduplication teilt αἶ mit seiner germ. entsprechung. 22) J. Grimm
wollte in dem subst. das ursprüngliche, in der interj. ein altes subst. sehen (
gr. 3, 283
n. abdr.),
doch drängen die gröszere verbreitung der interj. in ältester zeit, ihre unten dargelegte entfaltung und ihr charakter als naturlaut zur umgekehrten auffassung. den subst. avest. voya — '
weheruf',
arm. vay '
unglück',
lett. waidi,
pl. '
jammer'
tritt auf germ. boden die gleichbedeutende substantivirung zur seite, die nur got. fehlt: anord. væ, vé,
ags. wéa, wá,
ahd. mhd. asächs. mnd. wê
und ags. wáwa,
ahd. wêwo,
mhd. mnd. wêwe
m., ahd. wêwa
f., daraus entlehnt ital. guajo
m., span. port. guaya
f. '
leid'. 33)
an der substantivirung nimmt nachmals theil mhd. owê.
man hat darin die interj. wê
verstärkt durch den schmerzensruf ô
gesehen. dieser, dem ahd. ags. anord. fremd, im mhd. erst seit dem 12.
jahrh. alleinstehend gebraucht, ist höchstwahrscheinlich aus dem lat. entlehnt (
oben theil 7, 1041; Wilmanns
d. gramm. 2 2, 667)
und stets lang. neben owê
steht aber häufig und von ihm gewisz nicht zu trennen mhd. ouwê,
mit ouw
aus ow,
nicht aus ôw: o
ist ursprünglich kurz und hat sich offenbar ohne rom. einflusz aus anlautendem w
entwickelt wie in den nhd. partikeln owol, owach, owoch (Wilmanns
d. gramm.2 2, 668).
aus mhd. ouwe,
nhd. auweh
wird mhd. frühnhd. ou (
theil 7, 1387),
nhd. au
als interj. derb körperlichen schmerzes abgelöst. neben ouwê
stellt sich mit anderer ablautsstufe mhd. ouwî,
nhd. auwei
oder, nach jener ablösung (au) wai(h),
s. die artikel au, aubeia, aubi, autsch, auwe(h), auweih, owehen, wai(h). 44)
als erstes glied von zusammensetzungen (Grimm
gr. 2, 783
n. abdr.)
wie got. wai-dêdja '
missetäter', wai-faírƕjan
eig. '
wehe welt rufen',
daher '
wehklagen', wai-nei
aus weh
und dem fragenden nicht? (Bezzenberger
got. adverbien 89;
beitr. 27, 181
n.; für den ersten bestandtheil gleichlaufend Luft Kuhns
zs. 36, 143)
anord. vesall '
unglücklich', veill '
schwach' (
aus ve
und sæll '
glücklich', heill '
gesund' Bugge
arkiv 2, 226
f.),
ags. wǽlan '
krank machen, peinigen' (
zu *wá-hál '
geschwächt'),
ahd. wê-wurt '
leidvolles schicksal', wê-vërhen '
wehklagen'
bezeichnet weh
früh einen schlimmen zustand, in got. waja-mêrjan
βλασφημεῖν wajamêreins (
so, nicht waja-mêrei,
als verbalabstract)
βλασφημία,
anord. wajemariR '
tadelhaft' ( v. Grienberger
zph. 32, 289)
tritt es in gegensatz zu εὐφημεῖν u. s. w. damit wird weh
dem adverb wohl
gegenübergestellt und selbst zu adverbieller verwendung hinübergezogen, die sich in den betheiligten dialekten rasch entfaltet. an das adverb wieder schlieszt sich ein junges adj. wehe,
dem das altmail. guajo
selbständig vorangegangen war. 55)
der anlaut ist der oben theil 13, 1
erörterten schwankung unterworfen. anl. b
statt w
ist auf bair. mundart beschränkt: aube deiner wunden! die tun mir von herzen be
schauspiele des mittelalters 1, 34, 19
Mone; Schmeller
2 2, 823. 825,
und nur in den südlichen sprachinseln durchgeführt: bea Schmeller
cimbr. 171, Bacher
Lusern 225. aubeia
bei Fischart
und aubi
bei dem Nassauer Agyrta
s. an alphab. stelle. 66)
der stammvocal germ. ai
ist im auslaut schon im 7.
jahrh. zu ê
geworden, so gilt ahd. mhd. alts. mnd. wê.
frühnhd. herrscht die schreibung we
noch bei Tauler
und Niklas v. Wyle.
daneben tritt zur bezeichnung der länge wee
bei der Hätzlerin, Steinhöwel, Keisersberg, Eberlin, Schwarzenberg
und wird im 16.
jahrh. zur norm in der Schweiz (Zürcher bibel, Manuel, Paracelsus, Maaler),
in Oberdeutschland von Straszburg bis Augsburg (Dasypod, Zimm. chronik, Tristrant, Pinician)
und in einem südsaum Mitteldeutschlands (Hutten, Kirchhof, Folz).
zu anfang des 17.
jahrh. stirbt die schreibung mit Zinkgref
und Schönsleder
aus, verdrängt durch weh,
das, von Mitteldeutschland (Cronberg, Scheidt, Ayrer, Fleming, Rist, Zesen, Weise, Reuter, Butschky)
nach Oberdeutschland (Frey, Spangenberg)
übergriff. zwischen beiden schreibungen schwanken Sachs (
auch we
und whe), Fischart (
auch we)
und Spee.
einflusz der kanzleien ist schon in der entwicklung bis hierher wirksam. jetzt übernimmt Luther
aus der obersächsischen kanzlei seine form wehe,
die nach ihm bei Alberus, Ringwaldt, Stumpf, Grimmelshausen, Ravellus, Stieler
im wechsel mit weh,
bei Franck
im wechsel mit wee,
bei Cochlaeus, Hayneccius, Mathesius, Lindener,
im Faustbuch,
bei Albertinus, Moscherosch, Abr. a S. Clara
sowie bei Henisch, Comenius, Schottel, Dentzler, Bödiker
als norm gilt. die schreibung ist nicht eindeutig, denn vielfach hat der complex vocal + h + e
den lautwert der einfachen länge, beweis sind schreibungen wie leher '
vacuus'
flugschr. aus den ersten jahren der ref. 4, 152, 22, Luthers
praeterita sahe, flohe
u. s. w., nahemen
für namen
bei ihm, (
du solt) uff dissem tuch gahen und vor den richter stân
Alsfelder pass. 3782. Alberus
braucht trotz der schreibung wehe
das wort in reim und rhythmus stets einsilbig, und noch oft beweist der vers gegen die schreibung, z. b. wird stumpfer reim verlangt: denn mir ist wehe wenn ich dich nimer sehe
bergreihen (1531) 33, 15
neudr.; wehe uns armen frawen, wehe! wer soll uns nun trösten mehr (
lies: meh)
altd. passionsspiele aus Tirol 219
Wackernell; nur für die einsilbige form ist raum: derwegen jhm fast wehe geschicht Hayneccius
Hans Pfriem (1582) 12
neudr.; ach wehe dem lieben hertzen mein, ach weh mir armen jmmerdar Spreng
Ilias (1610) 255
b;
entspr. Aeneis 128
a.
metrisch gesichert erscheint der zweisilbige gebrauch von wehe
erst 150
jahre nach dem aufkommen der schreibung bei Gerhardt (
unter I A 1
a).
soweit altes ê
im einsilbigen wort nicht lautgesetzlich zu êe
geworden (Behaghel
grundrisz 1
2 703)
und soweit nicht — e
des adverbs von einflusz war, ist die zweisilbigkeit als spelling pronunciation aus dem schriftbild entwickelt, wehe
reiht sich den von W. Braune
einigung der deutschen aussprache (1904)
charakterisirten beispielen für diese erscheinung an. nur in streng schriftgemäszer rede gewinnt diese zweisilbige form boden, mundartlich lebt sie nur in der gegend von Magdeburg bis Berlin (
anz. f. d. a. 20, 334).
auch schriftsprachlich bleibt die einsilbige form stets möglich, beim subst. sogar im übergewicht; vom sprachgefühl wird sie fortan als kürzung der zweisilbigen form empfunden. Adelung
versucht eine sprachlich haltlose scheidung zwischen weh
und wehe. 77) Luther,
der somit an der einbürgerung von wehe
wesentlichen antheil hat, verfährt doch selbst keineswegs einheitlich: thut dyrs whe, denck, das gotte deyn dibstal, undanck
etc. auch wehe thue
Weim. 34 I 335, 20.
in seiner eigenhändigen niederschrift der bibelübersetzung kommen 7 weh
auf 5 wehe,
in der ausgabe letzter hand von 1545
herrscht weh
vor, eigenhändige änderungen verfahren wahllos: die erste niederschrift bietet Hiob 10, 15: weh mir,
Jer. 4, 19: mein hertz thut mir wehe,
die zweite Hiob 10, 15: so ist myr aber wehe,
Jer. 4, 19: wie ist mir so hertzlich weh. 88)
mhd. steht neben owê
ein verbreitetes owî, ouwî (
niemals ist bloszes wî
überliefert, s. Kraus zu Reinbot v. Durne
Georg 1083): ouwî, spracs, ich onwîse Heinrich v. Veldeke
Eneit 12231
Behaghel; die tôren sprechent snîâ snî, die armen liute owê owî Walther 76, 2;
das nebeneinander noch frühnhd.: nem aber einr ein zuo der ee, so würd es sein o wei o we
Schades satiren 2, 215, 700.
als fortsetzung von ouwî
ist oben theil 13, 1031
f. nhd. (au) wai
erkannt und sein gebrauch eingegrenzt worden. zu der angabe über das kur- und livländische fügt sich: in Esthland ruft man uich, wo man in Livland waih ruft Holtei
ein mord in Riga (1855) 86.
neben diesem wai
hat sich ein wei
auf verschiedenen wegen eingestellt: vereinzelt als umgekehrte schreibung in mundarten, die altes ei
zu ê
monophthongiren. Luther
schreibt: hie müsz man der natur weh thun vnnd weh thun lassenn
v. d. guten werken 63
neudr., aber druck A
bietet wey
statt des ersten weh.
dann aber lautlich entwickelt aus mhd. wê
: auf nd. boden von Westfalen bis fast zur Elbe, in Mecklenburg und einer südlichen sichel der mark Brandenburg, md. in Lothringen und im Odenwald, obd. in Württemberg und Bayern, s. Wrede
anz. f. d. a. 20, 332
f.; Schambach 292; Bauer-Collitz 112; Follmann 534; Lenz
vgl. wb. 76; H. Fischer
atlas 10.
ein aus wê
entwickeltes wî
gilt im md. westen bis Nassau einschlieszlich und nördlich bis Duisburg, Düsseldorf, Geldern, sowie im ganzen osten vom rennsteig bis Siebenbürgen, s. Wrede
das.; Crecelius
oberhess. 2, 898; Leihener
Cronenberger wb. 134; Hönig
Köln 202; Kisch
Nösner wörter 172;
vgl. wb. 246.
besonderheiten sind wie
um Elbing und auf Alsen, wia
um Mülheim a. d. Ruhr, weu
um Soest, wea
von Schweinfurt bis Würzburg, w
in Memmingen. seitab steht kärnt. wûw
adj., wûwa
adv., wûwa
v. als formen der kindersprache, s. Lexer
kärnt. 262. 99) waih
zur kennzeichnung jüdischer rede wird oben theil 13, 1031
gleichfalls aus mhd. ouwî
hergeleitet. in den belegen ist dieses waih
stets citat aus jüdischem munde, so gleich im ältesten 1673: (
beim würfeln) so werff ich auch
an. die meisten seynd frey. (
wirffet hin) au wey, sagt Schaulen, dasz seyn nur drey. doch noch nicht verspielet
pedant. schulfuchs 203.
nun besteht ein hebr. יא 'ôj,
aram. vaj (Gesenius
hebr. und aram. handwb.12 16
f. Preuschen
vollst. gr.-deutsches handwb. zum neuen test. 833
f.),
das im neuen test. mit οὐαί widergegeben wird und in der bedeutung genau zu wehe
stimmt. es ist wahrscheinlich, dasz in waih
das hebr. wort fortlebt. 1010)
das subst. reicht ahd. durch alle drei genera. dabei entwickelt sich (
vielleicht aus dem schwachen acc. we-un)
ein inneres w: wêwo
swm. an -
stamm ist Otfrids
normalform; wêwa
stf. wô-
stamm, im acc. sg. von Otfrid 3, 10, 6
auf liaba
gereimt; wêo
stn. wa-stamm, seit dem 9.
jahrh. mit lautgesetzlichem abfall des o wê,
so durchaus schon bei Otfrid.
die entfaltung des m. ist unter II A
und II D 1 b)
vorgeführt, es hält sich auf bayr.-östr. boden (Schmeller
2 2, 824)
bis in moderne mundarten (Schmeller
cimbr. 171),
auch in zusammensetzungen: vnd gwis den pauchwe darfon kriegen Sachs
fabeln 324, 58
neudr. das f., unter II B 4
e β)
und II D 1
c)
erwähnt, behält in der Schweiz und im Elsasz boden: von ymmer werender we der helle
der ewigen wiszheit betbüchlin (
Basel 1518) C 1
a; Martin-Lienhart 1, 106. 2, 776.
für sich steht im gebrauch des f. der Anhalter Dietr. v.
d. Werder: darnach daucht es sich ein, vnd fährt für groszer weh' hinab zu grund
Ariost 11, 40, 3; sie aber immer sich noch weiter kränckt' und mühte, und nam allmählich ab, für tieff verborgner weh' als für der sonnen thut der offenbahre schne 19, 29, 7.
im ganzen bleibt seit dem 14.
jahrh. das n. sieger. noch unter dem einflusz von m. und f. entwickelt es singularformen wie: da si (
die seligen) uon ewen zv ewen gar sunder alles wewen vor deme guten gote leben
passional 391, 74
Hahn; also das sü untz an iren dot me keins groszen wewes noch lidendes me befundent Nicolaus v. Basel
Straszburger hs. um 1385 (
nach Ch. Schmidt).
von sieh aus entwickelt das n. den unter II D 2
gebuchten plur. weher. 1111)
compar. und superl. werden gern ersetzt durch wirser, wirseste (III E 3
h δ),
gelegentlich auch umschrieben: am meste, medelste we Martin-Lienhart 2, 775.
zur ausbiegung führt merkbar der zusammenstosz zweier vocale (weer Keisersberg, Fischart, weher Luther, Scheidt, Sachs, J. Böhme, Grimmelshausen, Heinrich Julius, Olearius, Gellert, Wieland, Göthe, Klinger, Jung-Stilling),
er wird vielfach gemieden, auch wo compar. und superl. vom stamme weh
gebildet werden: bayr. wêner Schmeller
2 2, 823,
els. wénər Martin-Lienhart 2, 775;
alem. wehser Meisinger
volkswörter aus dem Wiesenthal 42,
els. wés'ər Martin-Lienhart 2, 775;
kölnisch wihter Hönig 202
a.
bedeutung und gebrauch. II.
die interjection gehört in alter zeit dem sprachgebrauch der bibel an, dient hier zur übersetzung von gr. οὐαί,
lat. vae, und dient damit von haus aus zur verwünschung, so sehr spätere theologie diesen eindruck abzuschwächen gesucht hat: zv merckenn das das wOerttle
ve, zuo teutsch wee, gewonlich in der gschrifft bedeüt trauwrigkaytt oder erbarmung, vnderweylen ein auffhebung (
vorhalt) der verstockten, blynden vnndannckparkaitt. Jacobus Faber Scapulensis vber des xxij. capittel Mathey
fünff vnd vyertzig wee ausz den propheten von dem wOertlin ve (1524) A 1
b; aber der hailig Hieronimus spricht, es bedeüt die ewige verderbnus oder ewigenn flch
das.; wehe ist in den reden Christi und den unterweisungen der apostel, wie Matth. 23, 13
f. 1 Cor. 9, 16 mehr ein bedaurungswort als ein urtheilsspruch Teller
wörterbuch des neuen testaments5 473 (1792).
von den lexikographen nennt Stieler 2458 weh
ausdrücklich '
maleprecandi formulam'. I@AA.
das object, dem die verwünschung gilt, steht im echten dativ: '
verderben dem ...' I@A@11)
so findet sich die verwünschung bei Ulfilas: wai þus Kaurazein, wai þus Beþsaïdan
Matth. 11, 21.
Luk. 10, 13; aþþan wai þaim qiþuhaftom jah daddjandeim in jainaim dagam
Mark. 13, 17; aþþan wai izwis þaim gabeigam, unte ju habaid gaþlaiht izwara
Luk. 6, 24, für
gr. οὐαί σοι,
οὐαὶ δὲ ταῖς ...,
οὐαὶ ὑμῖν.
die ahd. bibelübersetzung nimmt zunächst lat. vae herüber: u iu leiditâ blintes. u iu êuuascaffinâ enti pharisrâ
Monsee- Wiener fragment 17
Hench, für: vae vobis, duces caeci, vae vobis scribae et pharisaei Matth. 23, 16. 23,
wo Tatian das einfache deutsche wê
mit dativ anwendet: uuê iu, blintê leitidâ. uuê iu scrîberin inti pharisei 141, 14. 23,
wie auch sonst: uuê mittilgarte fon âsuuîchin 95, 3
nach: vae mundo a scandalis Matth. 18, 7;
genau entsprechend 23, 1—4. 141, 10—26. 145, 13. 158, 6. I@A@1@aa)
dieses einfache weh
mit dativ als verwünschung geht fortan gleichmässig durch dichtung und prosa der drei sprachperioden: sô mac huckan za diu sorgên drâto, der sih suntîgen uueiʒ. uuê demo in vinstrî scalsîno virinâ stûên, prinnan in pehhe
Muspilli 25; uuê dirro uuerlte fóne scántuuerron. uuê iû priêuarra unde súndirguôte Notker
ps. 68, 4;
bei ihm auch ohne vorbild im lat.: ze uuare huotet iro din scalc. uue demo der si neilet pehuoten 18, 12; sî sprach: wê dir, vil übeler tôt! daʒ dû verfluochet sîst Hartm. v. Aue
Erec 5914; wol dir, sper kriuz unde dorn! wê dir, heiden! deist dir zorn Walther 15, 19; wê ir hiuten und ir hâren, die niht kunnen frô gebâren sunder wîbe herzeleit! 24, 13; kume ich spâte und rîte fruo, 'gast, wê dir, wê!' 28, 8; sô wê dir, werlt, wie dirʒ gebende stât! 122, 37; Frideliep, sô wê dir in die zende! Neidhart v. Reuental 56, 27.
der gebrauch in nhd. prosa setzt von neuem mit der bibelübersetzung ein, zumal mit Matth. 18, 7: we dem menschen, durch den das trúbsal kument
vorlutherische deutsche bibel 1466—1516
Kurrelmeyer; wenn es stot geschriben: we dem der ergernysz git. aber noch weer dem der sie lychtiglich nimpt Keisersberg
bilgerschaft (
Basel 1512) B 3
a; wee der welt von ergernus wegen, das ist, we der welt vor schmach und verachtung Zwingli
von freiheit der speisen 29
neudr.; weh der welt, der ergernis halben. es mus ja ergernis komen, doch weh dem menschen, durch welchen ergernis kompt Luther 1522 /45; es musz ja aergernisz kommen, doch wehe dem menschen, durch welchen aergernisz kommt Lenz 1, 75 (
hofmeister 5, 10)
Tieck. von der bibel ist der gebrauch weit hinaus bestimmt: dir mag kein leckery zuo lieb werden. wee dem, dem alle leckery zuo lieb würt. eim guotten menschen würt nüt zuo lieb Keisersberg
postille (1522) 3, 67
a; sonder wo das heilig euangelium, das klar hell liecht, die lautter warheit (wie bisz her geschehen) vnder gedruckt vnd vnachtsam gehalten würdet ... so weh dem teütschen landt H. v. Cronberg 96
neudr. (1522); weh dir Moab, du volck Camos bist verloren Luther 1545 4.
Mos. 21, 29; weh jnen, das sie von mir weichen
Hosea 7, 13; wehe dir Chorazin, weh dir Bethsaida
Matth. 11, 21; weh euch schrifftgelerten vnd phariseer, jr heuchler
Matth. 23, 13. 14; wee aber denen, die gott also in seinem zorn zuo seiner ruth braucht Franck
chronicon Germaniae (
Augsburg 1538) 117; wee dem menschen so allein ist
sprüchwörter (1541) 1, 124
b; wirt es aber verhengt, wee seiner seel Paracelsus (1616) 1, 91 B
Huser; weh aber dem verstockten heer Gerhardt 3, 347
b Fischer-Tümpel; wehe dem, der nicht zum frommen solches stabes weisz zu kommen 3, 420
a.
selbst in den wörterbüchern des 17.
und 18.
jahrh. klingt der biblische ton der verwünschung durch: aber wehe dem teuffel vnd (wo sie der gemeinschafft nicht absagen) seinen mitgenossen ...
vae diabolo ... malheur au diable ... guai al diavolo Comenius
janua (1643) 989; wehe den gottlosen,
malum sit impiis Stieler 2458; wehe allen gottlosen Rädlein 1037.
seit dem 18.
jahrh. dringt sie in den getragenen stil zumal der ode und des dramas: die könige, weh ihnen, weh! zerschmetterten ... schäumende schalen Klopstock
oden 2, 25; heil dir! weh dem erobrer, welcher im blute der sterbenden geht 1, 114; weh jedem dann Ayrenhoff
werke (1814) 2, 220; dreimal wehe dem menschen, der ... Fr. L. Schroeder
dram. werke 2, 185 (1831
fähndrich 2, 6); weh ihrem namen Herder 23, 46
Suphan; weh dir, verführerin, meer 26, 21; sie stirbt — weh deiner unbesonnenheit! Gotter 2, 256 (1773
Merope 3, 6); wehe dem manne, der sich an der mitgift seiner frau erholen will Göthe
Weim. I 43, 17; wehe dem, der zusehen und sagen könnte: die
thörin I 19, 71; weh ihr! sie verdarb mir diese lust IV 1, 136; wehe dem der meiner lava in den weeg kömmt 179; aber wehe, wem stets, wie dem Vesuv, stygischer qualm entqualmt Voss
sämtl. ged. (1802) 3, 24; weh denen, die dem ewigblinden des lichtes himmelsfackel leihn Schiller
glocke v. 378; wehe dem vater der die rathschlüsse einer höheren weiszheit durch verzärtlung zernichtet Schiller 2, 22 (
räuber 1, 1); er sah meine thränen, und weh ihm, wenn er sie nicht sehen durfte Hölderlin 2, 89
Litzmann; wehe aber der mutter die vorhänge vor ihren frevel von den gesetzen macht Hippel
über die ehe (1774) 176; weh dem der lügt!
titel von Grillparzers
lustspiel (1838); wehe der hand, die dich zu schädigen waget! Mörike 1, 91
Göschen; wehe dem diener, der in sein zimmer getreten wäre, ehe er die glocke gezogen hatte Ranke
sämtl. werke 37, 183; das ... takelwerk war durchaus mit eis überzogen und wehe den händen, welche daran arbeiten muszten G. Forster
sämtl. schriften 1, 116; weh dem, der als altfränkisch kind der berge zu thal verirrt aus stiller waldesnacht Scheffel
frau Aventiure 149. I@A@1@bb)
seit dem 13.
jahrh. erscheint das verwünschende weh
verdoppelt: we vnde we dem herzen daz eine clefsche zunge hat
passional 116, 87
Hahn; wee we euch, wOellen jr gotes zorn abwenden, teüffel veriagen mit glocken gethün? Eberlin 2, 9
neudr.; weh, weh, weh, denen die auff erden wonen Luther
offenb. Joh. 8, 13; we, we der statt Jerusalem! we, we auch allem volck in dem! we, we dem templ und seiner zier! we, we euch allen und we mir! H. Sachs 2, 338
Keller; weh! o weh der lüge! sie befreiet nicht, wie jedes andre, wahrgesprochne wort, die brust Göthe
Weim. I 10, 60; aber wehe dem mörder, wehe. wehe, wehe dem mörder, wehe Schiller 14, 93 (
braut 3, 5); dasz 's gott erbarm'! schrie Hänschen. gar nicht mehr essen und trinken? da steht mir der verstand stille! wer kann das aushalten? o wehe, wehe mir! dasz ich dir folgte! wehe dir, dasz du mich so verlockt hast Bechstein
d. märchenbuch (1908) 53. I@A@1@cc)
das object der verwünschung kann mit über
angeknüpft werden: weh vber alle grewel der bosheit Luther
Hesek. 6, 11 (
heu ad omnes abominationes malorum); wehe aber, vnd aber wehe, vnd wehe jn in alle ewigkeit, vber alle vnbusfertige ... hertzen Ringwaldt
christl. warnung A 6
b; liebstes kind, du weinest? wehe über den, der diese köstliche tropfen aus so himmlischen augen preszt Schiller 2, 51 (
räuber 1, 3); weh über euch Müllner
dram. werke 2, 149 (
schuld 4, 4); wehe über dich, sand-Jerusalem Immermann 1, 29
Hempel. I@A@22)
relativ spät wird die alte verwünschung 'verderben dem ...'
umgelenkt in die mildere meinung 'unglücklich der ...'
das unheil des angesprochenen wird nicht mehr gewünscht, sondern mit antheil festgestellt, die erregung des sprechenden wandelt sich aus zorn in bedauern. I@A@2@aa)
das bedauernde weh
mit dativ zeigt sich nicht vor Walther: sô wê dir, tiuschiu zunge, wie stêt dîn ordenunge 9, 8; o senen, du vil pitters krautt, wee dem, der dich in hertzen pawt Hätzlerin
liederbuch 4; wer ain übel weib hat unsäliclichen es im gat: sy ist übel und bös von art, we im, das er geporen ward! 219; o du armer Esope, wee dynen schultern (
vae tibi scapulisque tuis) Steinhöwel
Äsop 39.
im nhd. kommt diese mildere meinung wesentlich unter dem einflusz des subst. weh '
gram, leid' (
s. u. II)
zu breiter entfaltung, sie wird im 18.
u. 19.
jahrh. die beliebteste anwendung der interjection: weh dem glauben, dem man also mus stutzen und hülffe suchen und betteln, das er keyn wort aus der weytten groszen schrifft mag auffbringen, so doch alle artickel sonst so reychlich und mechtig sind gegründet Luther
Weim. 18, 149; weh dyr land des konig eyn kind ist
pred. 10, 16; wee dem, der jm zeuil vertrüwt H. R. Manuel
weinspiel 2135
neudr.; wee dem der liebt, vnd liebt vmbsunst Zinkgref
auserlesene gedichte 12
neudr.; wehe der armen kunst zu lesen, wenn ihr vornehmstes geschäft seyn musz, den wortverstand deutlich zu machen Lessing 8, 7; aber wehe den buchhändlern in dummen ländern, wo schon viel manufakturen sind Nicolai
nothanker 1, 120 (1773); wehe dem, den sein böses glück an einen ort treibt, wo diese schändlichen leute ihren mist abladen Wieland
Lucinde (1788) 3, 131; wehe dem Engländer, der diesen (den alten) ... nachahmen wollte Gerstenberg
schlesw. litbr. XII 88
neudr.; wehe der philosophie, wenn jeder phantast sich in absicht ihrer erkenntnisgründe auf seine empfindung berufen darf Gerstenberg
litdenkm. 128, 178; wehe dem, der diese erhabene weissagung verwirft Jung-Stilling
werke 3, 17
Grollmann; wehe dem, der nicht daraus trank! — und noch weher dem, der ihn annahm 3, 324; aber wehe dem, der die kraft ihres einfältigen ausdrucks nicht noch heutiges tags tief in den pulsen seines herzens fühlt Schubart
ästhetik der tonkunst 263; wehe dem Menelaus, den der pfeil eines solchen bogens trift Herder 3, 149
Suphan; wehe dem menschen, dem die scene miszfällt, in der er auftreten, handeln und sich verleben soll 5, 168; weh dem menschen, dessen herz nichts zur freud' entzündet ... wohl dem menschen, dem das blut in den adern hüpfet Gotter
ged. (1787) 1, 108; wehe ihnen, wenn sie sich ... irren, oder sonst nicht gesezmäszig verfahren Archenholz
England und Italien 1, 2, 320 (1785); schneidet, schneidet, ihr herrn, durch schneiden lernet der schüler, aber wehe dem frosch, der euch die schenkel musz leihn Göthe
Weim. I 5, 231; eben darum wehe dir, Weislingen 8, 67; weh dem, der fern von eltern und geschwistern ein einsam leben führt 10, 3; weh dir, dasz du ein enkel bist 14, 93; weh meinem kranze 14, 237;
entsprechend 21, 108; 40, 108; III 1, 91; weh dem lande, wo der zügellose pöbel herrscht. Klinger
n. theater 2, 113 (
Damocles 3); weh ihr (
der welt), wenn tausende nicht in die einsamkeit eilten
werke 3, 87 (
Fausts leben); aber wehe dir dann, schöner organismus des denkens, wehe deiner natur, einfacher geist Schiller 1, 85 (
philos. der physiol.); weh dem fremdling den die wogen warfen an den unglücksstrand 11, 292 (
bürgerlied); wehe den eltern, die ihre kinder solchen ... mietlingen anvertrauen Knigge
umgang 2, 203 (1796); weh dir, wenn sie ins garn dich ziehen Pfeffel
poet. versuche 1, 23 (1812); wehe aber allen armen in der fremde Arnim
werke 1, 7
Grimm; wehe der nation, wo die juristen dazu verurtheilt sind Thibaut
notwendigkeit e. bürgerl. rechts (
civ. abh. 1814); wehe den unglücklichen, die ihre rache gereizt haben Ritter
erdkunde 5, 269 (1822); weh ihnen, regt sich zweifel in der brust Müllner
dram. werke 3, 170 (
k. Yngurd 4, 3); daher weh jedem volke, das sich mit der deutschen literatur befaszt Grillparzer 9, 184; weh den Persern! Römer kommen, Römer ziehn im flug heran Platen
werke 1, 7
Hempel; wehe euch, die ihr es wagtet, glückliche zu sein Grabbe 1, 51
Blumenthal (
herzog von Gothland 1, 2); wehe dem, der da noch unter diesen letzten ist O. Ludwig
ges. schriften 2, 14; aber wehe ihnen, wenn sich diesem stolz nicht zugleich jene demuth gesellt Riehl
d. arbeit (1861) 264; weh dem edelmann, der in ihre hände gerieth Ranke
werke 1, 139; in den kaiserlichen gemächern fand man einen zettel mit den worten: weh dem lande, dessen könig ein kind ist 337; weh dem armen schlängelein Storm
werke (1899) 1, 100; weh der frau, die nicht im falle der noth ihren mann zu stellen vermag Ebner-Eschenbach 1, 57. I@A@2@bb)
erst von der milderen auffassung aus ist es möglich, die interjection auf die eigne person zu beziehen. 'wehe mir'
ist nie selbstverwünschung, stets liegt klage über das eigene leid, angst davor, selbstbedauern darin: sô wê mir armen Walther 25, 1; ach und we uns armen, waʒ solde wi geborn! got hat vil groʒe marter gar an uns verlorn
spiel von den zehn jungfrauen 545
Beckers; aber we mir (
sed heu mihi), desselben ist nit ain sölich angesicht als des. wer ist den nit bewege des form, alter, geburt vnd tugend? Niklas v. Wyle
translat. 26
Keller; wee mir, das ich ye wardt geporen
altd. passionsspiele aus Tirol 62, 956
Wackernell; wee mir, mein kraft wil mir zerrinnen
das.; vnd sprachend weyter: wee vnns, dann es ist vorhin nit also gestanden
Zürcher bibel (1531)
1. kön. 4 B; wehe mir, wenn ich das euangelium nicht predigete Luther (1545)
1. Kor. 9, 16; 'hem, hab acht, lasz das weib faren'. 'o ein vnbilliche tat'. 'er würds zwifaltigen, du htst dich dann'. 'wee mir armen' (
ei misero mihi) Boltz
Terenz deutsch (1539) 88
b; wehe mir! dem gedanken erlieg' ich Gerstenberg
Ugolino 3 (
nat.-lit. 48, 242); ach, ach, wehe mir, ach! Sophokles
Philoktet 3, 1
deutsch von Steinbryckel (1760) 49; wehe mir aermsten 4, 2, 64; wehe mir, was soll ich unglücklicher nun anfangen? 4, 4, 73; wehe mir, ich bin verkauft, verlohren bin ich 4, 4, 68; hat sie (
die kunst) keinen reiz für mich, weh' ihr, der leblosen! habe ich für ihre reize kein gefühl, wehe mir, dem gefühlberaubten Herder 22, 97
Suphan; weh mir! ach sonst war meine seele rein Göthe
Weim. I 5, 13; weh mir, da kommen sie, wie werden sie mich höhnen 9, 26; der einsichtige ... mann weisz keine worte zu finden. weh mir! 24, 127; 'wo du ohnmächtig wirst, so durchstosz' ich ... dich und mich'. 'weh mir' Lenz 1, 101; weh mir! was seh ich Schiller 14, 56 (
braut 2, 2); wehe mir! in welche hand hat das unglück mich gegeben 60 (2, 3);
ebenso 85. 87. 89; weh dir! weh mir ob diesem neuen lichte Arndt
ged. (1860) 488; er — er mein mann? ich bin verloren! weh mir! o wär' ich nie geboren! Bauernfeld 3, 21 (
Fortunat 1, 5); es sind nicht weniger als 4 Russen auf demselben boden mit uns, der löwe, wehe mir, ungerechnet
briefe von und an Herwegh 282; wehe mir, dasz die stunde zu kommen droht O. Ludwig
ges. schriften (1892) 2, 435; aber weh' mir, wenn ich ungeschickt war Fontane
ges. werke I 5, 148; wehe mir aber, wenn sie mich erbarmungslos verstoszen Pückler
briefwechsel (1873) 1, 421. I@A@2@cc)
eine seltene steigerung dieses weh
wagt Andr. Scultetus 1642: ach überweh mir armen! ich heule, wie ich will, so ist doch kein erbarmen Lessing 11, 191.
in normaler steigerung wird weh
ein zweites mal gesetzt: I@A@2@c@aα)
von altersher hinter den dativ: wê mir vil armen unde ouwê Hartm. v. Aue
a. Heinrich 1290; wê mir hiute und immer wê H. v. Freiberg
Tristan 4967
Bernt; o kluft des holen felsen, schwühl und beeist, dich werd ich nie verlassen, sey noch mein grab! ach weh' mir aermsten, wehe ... elend, in dieser höle des todes raub! o wehe mir, wehe, wehe! ach wehe! Sophokles
Philoktet 4, 5
deutsch von Steinbryckel 75
f.; nun habt ihr es — aber, o verlaszet mich dennoch nicht — wehe mir, wehe 3, 1, 53; weh dir Messina! wehe! wehe! wehe Schiller 14, 90 (
braut 3, 4). I@A@2@c@bβ)
Schiller steht allein damit, dasz er das zweite weh
noch vor den dativ stellt: weh, weh mir! o entsetzensvolles licht! 14, 104 (
braut 4, 3); wehe! weh mir! welche töne wie verführen sie mein ohr 13, 284 (
jungfrau 4, 1). I@A@2@c@gγ)
in älterer sprache wird der dativ selbst auch widerholt: we mir, myn kind, we mir, daʒ du so bald von schuol bist komen Steinhöwel
Aesop 231
Keller; je doch ist ein grosze menge des schlechten volcks desz erschrocken vnd leidig worden, hat also gesagt: we vnsz we vnsz, mszen wir noch lenger der vnmAenschlichen tyrany der münch vnderworffen sein Eberlin v. Günzburg 1, 11
neudr.; o lieber herr, whe mir, whe mir! ich bring erschröcklich botschafft dir H. Sachs 6, 36
Keller; o wehe mir! wehe mir, wehe mir! o wehe uns beyden in alle ewige ewigkeit Rist
friedej. Teutschland 212 (3, 3); weh mir! weh mir! wo er weilet? Schiller 14, 54 (
braut 2, 1). I@A@2@c@dδ)
die widerholung ist schon seit etwa 1200
erstarrt zu der formel weh mir weh,
die mhd. dichter gern in den reim stellen: si schrei lûte 'oy mê, oy mê' daʒ sprichet tiutsche 'wê mir, wê'
Eracl. 3928
Graef (
ohne vorbild bei Gautiers); sie wuofte lûte unde schrê und sprach vil dicke: wê mir, wê! war umbe sol ich tôt ligen? H. v.
d. Türlin
krone 11 200; der abbet sprach: sô wê mir, wê
wartburgkr. 56, 1
Simrock. die formel ist stets von neuem möglich: bist du mir verloren, weh mir, weh Körner
werke 1, 30
Hempel. sie ist völlig erstarrt bei H. Sachs: so wir sint alt, machtlos vnd kranck so verget vns das frOelich gsanck, vnd singen den den wemer wee, pis vns die ellent sel aus gee
fab. u. schw. 2, 614, 41 Götze; auch werke 9, 19, 1; 216, 21; 481, 6; 21, 322, 17.
mit leichter abweichung bei Heros,
schulmeister zu Roth a. d. Rednitz: und sing darzu den wemerlawe
ird. pilgerer (1562) 47
b.
das prädicat singen
steht überall so fest, dasz man an ein wirkliches klagelied denken möchte. s. u. wemerleichen,
auch weimern, wemern. I@A@2@dd)
der dativ kann auch hier durch anknüpfung mit präpositionen ersetzt werden, über
steht wider voran, um
und vor
finden sich vereinzelt: weh über mich und über mein schicksal Göthe
Weim. I 21, 132; weh über mich, dasz ich auf deine schwüre bauen konnte Iffland
theatr. werke 1, 37 (
Thurneisen 2, 4); ach, weh um Gloster, um den armen mann (
woe is me for Gloucester) Shakespeare
Heinrich VI. theil 2, 3, 2
Schlegel; bea bart vor mich! ahi me Schmeller
cimbr. 171. I@A@33)
vorgesetztes o, ach, au,
in sich hier unterschiedslos gebraucht, verstärken die interjection vor dativ. I@A@3@aa)
auf Luther
beschränkt sind o weh
und ach weh
im fluche: o weh und aber weh euch verdampten falschen propheten
Weim. 18, 343; ach wehe und aber wehe allen unsern lerern und buch schreibern, die also sicher daher faren 23, 70. I@A@3@bb)
länger dienen o weh
und ach weh
mit dativ, den ton des bedauerns zu vertiefen: o weh dem, der mit einem hadr in seiner not von diesem badr sich mus die kolbe lassen reibn Ringwaldt
laut. wahrheit v. 28; o weh denn ein jderman, der nit bus gethan
evangelia B 5
a; o wee dem liebsten mein! Spee
trutzn. (1649) 44; ach weh denselben hertzen, die alle bitterkeit in stiller angst verschmertzen Chr. Weise
kl. leute (1675) 346. I@A@3@cc)
bei selbstbedauern sind die zusätze früh und relativ stärker entwickelt. I@A@3@c@aα) o weh mir
steht widerum voran: owê mir verlornen, dat ich den onnutten man dînen vader ie gewan H. v. Veldeke
Eneit 13040
Behaghel; o wê mir vil armen daʒ ich ie wart geborn
Eraclius 3938
Gräf; owê mir armer meide, daʒ ich zer welde ie wart geborn
Nib. 517; owê mir, sprach vrou Hilde
Gudrun 927; o liebi fra we e und uns, der hunt den ewer herr so lieb hat, der hat ewer chindel getOetet ... do viel die fraw auf die erden, und waint und chlagt und sprach: o we mir heut und ymmer mer we
gesta Rom. 109
Keller; awe mir we, wol ich erkenne dein liebe klein zuo mir ist Arigo
decamerone 83
Keller; o we, o we mir armen questionierer Manuel
vom papst u. s. priesterschaft 437; und sticht mich sehr, o weh, weh mir H. Sachs 6, 142
Keller; o wehe uns armen mAenschen Moscherosch
gesichte (1650) 6; o, warum führt ich sie nicht lieber von der stätte, so nackt sie war! o weh mir armen wicht Wieland
werke (
Leipzig 1855) 12, 90; hinabzustürzen — o weh mir Lenz
ges. schriften 1, 89
Tieck; o weh mir, weh mir, wenn er jezt erschiene Schiller 14, 81 (
braut 3, 1); o weh mir unglückselgen Tieck
schriften 1, 67. I@A@3@c@bβ) ach weh mir
ist in der bedeutung dem vorigen völlig gleich: Luther
stellt Jer. 4, 31 ach weh mir denn, meine seele ist müde vber die todschleger
erst aus o weh
her; ach weh mir jamer über jamer H. Sachs 2, 29
Keller; ach, weh mir armutseling weib 17, 29; ach weh mir! eine mausz liegt warlich tod darinn Rachel
sat. ged. (1664) 17
neudr.; ach! wehe, wehe, mir! Gerstenberg
lit.-denkm. 30, 364. I@A@3@c@gγ) au we mir
ist schon im 11.
jahrh. bezeugt: et tot iam ictus et incussiones ferre non sustinens barbarice clamans: au wê mir wê! vociferavit ... quisnam ille erat, inquit, qui auwê vociferavit? Ekkehard
casus S. Galli M. G. scriptores 2, 98, 40 (
s. theil 7, 1041
und Grimm
gr. 3, 283
neuer abdr.); au weh mir! ist auch noch von vnsrer stadt ein rest? Opitz
d. poemata (1629) 2, 126. I@BB.
ganz selten tritt an stelle des dativs ein gleichwerthiger acc.: sô wê mich, sprach der recke, daʒ ich den lîp gewan
Nib. 2073 A (owê mir B); owê mich gotes armen, daʒ ich ditz gelebet hân 2090 A (owê mir C). I@CC.
neben den dativ der person tritt ein gen. der sache, schon ahd.: her skancta cehantonsînan fîanton bitteres lîdes.sô uuê hin hio thes lîbes
Ludwigslied v. 54. I@C@11)
zur rechten entfaltung kommt dieser gen. erst in der mhd. dichtung, die ihn zum gen. der ursache fortbildet (Erdmann
syntax 1, 82): also der uater den roch sachriuwechlichen er sprach: der roch ist mines chindes;so we mir sines todes, daʒ mih got so hat uergeʒʒendaʒ in dehein tier solde ureʒʒen
genesis 77, 1
Diemer; owê mir dirre worte
Parzival 91, 12; dô rief trûreclîchen diu küneginne milt: wê mir dises leides
Nib. 953;
entsprechend 1573; 1901; 1937; 2251; Hildeboldes swester hôrte ich eines lûte schrîen: wê mir mînes bruoder wê Neidhart v. Reuental 74, 24; si sprach: wê mir alse dîner balden iage Rubin
Heidelb. liederhs. 597, 20
Pfaff; so wê mir tacder kúnfte dîn Teschler
das. 942, 14.
auch mnd. ist die construction möglich: Reynke sprack: wee my der noet
Reynke de vos (
Lübeck 1498)
v. 4815. I@C@22)
nhd. nur in archaisirender dichtung: weh mir des schenkels, den ich oft aufspeisete ... weh mir des bechers, den sie gleich und gleich gemischt Voss
Aristophanes 3, 376; weh mir dieser fabel! wie wird mir beklommen ... wehe mir der zeitung, welche dieser (
brautring) kündet! weh mir der bedeutung, die mein gleichnisz findet Arndt
ged. (1860) 202; weh mir der pein, die mich durchbohrt 349; weh mir des getönes Rückert
ges. ged. 4, 345. I@C@33)
vereinzelt ersetzen fügungen mit präpositionen den gen.: we der werlt von den schanden, die sie nicht bewart
deutsche predigten des 14.
jahrh. 39, 5
Leyser; o weh mir um den ritter, er reitet in sein grab Rückert
ges. ged. 3, 488. I@DD.
der gen. der ursache bleibt stehen, auch wo der dativ der person wegfällt. I@D@11)
neben einfachem weh
reicht dieser gebrauch vom 12.
bis ins 19.
jahrh. I@D@1@aa)
ursache des wehs ist in der regel ein vorgang oder zustand: er sprach: liebiu swester,wê der leide dîn, daʒ wir niht mohten ânesô grôʒes schaden sîn
Nib. 982; owê der nahtselde,sprach Gîselhêr daʒ kint, und owê mîner vriundedie mit uns komen sint 1765; obe des diu guote niht verstât, wê gewaltes dens an mir begât Reinmar
minnes. frühl. 162, 6; sî sprâchen alle: wê der stunt daʒ uns mîn frowe wart ie kunt! des verdirbet unser herre Hartm. v. Aue
Erec 2995; sô wê der jâmerlîchen nôt, das wir vns lebendic muossen scheiden markgraf v. Hohenburg
Heidelb. liederhs. 56, 9
Pfaff; wee diser bottschafft, soll ich ellende frau nit ander zuogab vnd ehestewr von meinem herren vnd ehemann warten sein Carbach
Livius 185
b; aber wehe des schutzes, der die geistlichen so thewer ankOempt, das jnen leib vnd leben drber weh thun mOecht Luther
Jen. 5, 148
a (1530); weh meiner ehr, weh meines guts, weh meiner freud, weh meines muts H. Sachs 7, 61
Keller (1532); ist dann das wenig (wee des laids) mich noch untz auff disen tag die hend mit pluot der meinen gefeüchtigt ansehen haben mögen Barletius
Scanderbeg deutsch von Pinician (1533) 30
b; Seifried sol gefroren sein, aber weh der kalten sachen, denn die hölle wird das eis endlich bald zu wasser machen J. Grob
dichter. versuchung (1678) 58; ihr liebt und schreibt sonette! weh der grille Göthe
Weim. I 2, 16. I@D@1@bb)
selten (
wie schon oben)
eine person: si sint auch niht werleich, wan sie beschirment iriu schæfel niht, weder mit gebet noch mit predig noch mit gaistleichen strâfen .. wê der verfluochten hirten, sie sint mietnemer Konrad v. Megenberg 197, 15
Pfeiffer; wee desz sündtlichen volcks, das vonn lastern träffenlich ist
Zürcher bibel Jes. 1, 4 (1530) 320
a, (1536) 72
b; wî deinər '
wehe dir'
bedauernd, nicht drohend; t äss wâ
i wî seinər '
armer teufel' Kisch
Nösner wörter und wendungen 172. I@D@22)
auch in dieser stellung wird die klage gern verstärkt. I@D@2@aa) ach (und) weh
mit gen. reicht bis ins 16.
jahrh.: ach wê der hôhzîte, sprach der künic hêr
Nib. 1938; ach und we der herten stund, noch hút so muos ich in der helle grund
schauspiele des mittelalters 1, 296
Mone; we und ach der bOesen fart, das ich ie geboren ward 1, 301; ach weh, Venus, des meinen hertzen, wie ist es jetzt verwundt mit schmertzen H. Sachs
fastn. 2, 75
Götze (1517); ach wee der schmach und hertzen-leyd
werke 2, 29
Keller (1545); ach weh meiner weiblichen ehrn 12, 8 (1527); ach we des trosts den du mir gabst! ir treulosn bischof, we und ach Schade
satiren 1, 113, 94 (1542). I@D@2@bb) au weh
mit gen. bleibt vereinzelt: awe meines hertzen petrüebpten pein
altd. passionsspiele a. Tirol 62, 956
Wackernell. I@D@2@cc)
um so kräftiger ist o weh
mit gen. entwickelt. I@D@2@c@aα)
hier tritt auch ein gen. der person wider hervor: owê danne schœnes wîbes! sône kam ich nie vor leide in grœʒer angest mînes lîbes Reinmar
minnes. frühl. 196, 27; owe des (
erste niederschrift: wehe dem) sündigen volcks, des volcks von groszer miszethat Luther 1523
Jes. 1, 4; o weh der feigen ritter, die vor dem brautritt graut Rückert
ges. ged. 3, 488 (1837). I@D@2@c@bβ)
vorherrschend, aber auch wider auf die sprache der dichtung beschränkt, ist der gen. der sache: owî mîner stangin
Rother 1695
v. Bahder; owê getriwer helfe, die ich verlorn hân
Nib. 2252; owê mîner besten zît und owê mîner liehten wünneclîchen tage H. v. Morungen
minnes. frühl. 128, 15; owê des, waʒ rede ich tumbe 135, 29; owê der wîse die wir mit den grillen sungen Walther 13, 26; owê sô verlorner stunde 52, 4; owê unde heiâ hei mîns hêrren den ir sluoget
Parzival 407, 16; owê nu des mordes, der dâ geschach ze bêder sît
Willehalm 401, 30; owê mîner leide! sprach des küneges wîp
Gudrun 926; o wee des unheils! sprach Keyen überlaut
Tristrant 117, 19
Pfaff (1498); o we desz groszen laidts Eberlin v. Günzburg 1, 26
neudr. (1521); o we der ellenden botschaft Manuel
vom papst u. s. priesterschaft 1021; so ich dich lieb musz meyden geschicht mir ach o we der sach Forsters
teutsche liedlein 15
neudr. (1539); o weh der groszen angst und not H. Sachs 2, 35
Keller (1545); o weh des laids
fabeln 5, 622, 39
Götze (1549); o wee der leidigen decken, die du gelanget hast, ich sihe vier füsz da strecken, du hast gewisz ein gast
Garg. (1575) 34
neudr.; lieb hat ausz seinen (
Jesu) äuglein rundt fast tausent pfeil verschoszen; hat mir mein hertz verwundet sehr, o wee der sszen peine Spee
trutznacht. (1649) 5; entsprechend 91; sie sprach: o weh des wunsches, dasz ihn mir gott verlieh Rückert
ges. ged. 3, 493; o weh des scheidens, das er that, da er mich liesz im sehnen
werke (1867) 1, 425. I@D@2@c@gγ)
selten tritt an stelle des tons der klage die sehnsucht wie sonst bei ach: owê der schœnen ougen, diu mich ane lacheten und mich dicke frô macheten Fleck
Flore 1830
Golther. I@D@2@dd)
gelegentlich treten oweh
und ach
verbunden auf: owe ach miner fúnf sinnen! in der helle muosz ich brinnen
schauspiele des mittelalters 1, 302
Mone; o wee und ach diser groszen not
Tristrant 50, 17
Pfaff. I@EE.
wo jede bestimmung durch einen casus unterbleibt, steht weh
als satz für sich und kann in dieser absoluten stellung seine bedeutung freier entfalten. I@E@11)
uncomponirtes weh
ist von früh an gleichmäszig häufig, die bedeutung hat anfänglich weiten spielraum. I@E@1@aa) weh
kann abwehrend stehen: 'dû redest sam eʒ sî dîn spot'. wê, nein eʒ, durch got Hartm. v. Aue
Erec 7512.
auch staunen drückt es aus: er meinet aber niht die tugent, daʒ etelîche liute tugent heiʒent. sô einer eine botschaft hovelîchen gewerben kan oder eine schüʒʒel tragen kan oder einer einen becher hövelîchen gebieten kan unde die hende gezogenlîche gehaben kan oder für sich gelegen kan, sô sprechent etelîche liute: 'wech! welch ein wolgezogen kneht daʒ ist (oder man oder frouwe)! daʒ ist gar ein tugentlîcher mensche: wê wie tugentlîche er kan gebâren!' sich, diu tugent ist vor gote ein gespötte Berthold v. Regensburg 1, 96
Pfeiffer. eine frühe specialisirung ist weh
als kampfschrei, schrei der wuth, hetzruf im kampfe: wie dicke sich die recken guot mit slegen vnderlieffen! genuoge wee, wee! rieffen, die andern sprachen: naher dar!
Biterolf 112
a v. d. Hagen u. Büsching; hier entsteht die stabreimbindung weh und waffen,
die oben theil 13, 295
f. vom 12.
bis 16.
und dann wider aus dem 19.
jahrh. belegt ist. dazu: hilff mir, bruoder grymm! der kam schnell gelauffen, er schray: we vnd wǎffen Hätzlerin 263;
dort auch schon übertragen: wee, waffen, waffen, wǎffen! wes legt man uns nit schlauffen? 273. I@E@1@bb)
die normale bedeutung wird auch für das absolute weh
trauer und schmerz: ir ander wort was wê! owê Hartm. v. Aue
Erec 5758; ein vrîwîp schrei: wê! Durkelhart von Grammasê hât mir leides vil getân Neidhart v. Reuental 239, 71
Haupt (
unecht); wê, mit was straffe er dich wurd kestigen vnd pingen Niklas v. Wyle
transl. 29, 16
Keller; do schreyt er whe,
sed illi non terrentur Luther
Weim. 34, 1, 314; weh! wan dOerfer tolle hirten mAessen stets bey sich bewirthen Riemer
polit. maulaffe (
Leipzig 1680) 57; aber — weh! wie schmerzt die wunde Schubart
sämtl. ged. (1825) 1, 13; weh! da entfiel mir vom mittelfinger mein bräutgamsring zu grunde Herder 25, 145
Suphan; weh! was seh' ich, welch ein bild! Göthe
Weim. I 2, 41; aber wehe — basiliskenpfeile deine blike Schiller 1, 222 (
anthologie); und — wehe! halbtrunken stürz ich nach dir aufs eis hin
maler Müller
werke 1, 131; wehe! noch erblick' ich sie, die jammerstätte Hölderlin
dichtungen 1, 38
Litzmann; plötzlich, weh! von pfeil und bogen wird er wieder fortgezogen Rückert
werke (1867) 3, 18. I@E@1@cc)
zur vertiefung des ausdrucks wird weh
mehrfach gesetzt: man hôrte niuwan wê! wê! wê! vor in kroigieren dâ Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 4553
Benecke; wehe! wehe! hab' ich doch das wort vergessen! Göthe
Weim. I 1, 216; weh! weh! innre wärme seelenwärme, mittelpunkt! I 2, 69; weh! wehe! was sagst du? halt ein, halt ein Schiller 14, 109 (
braut 4, 4); wehe! wehe! mich durchrast's ganz
maler Müller
werke 1, 175; weh! weh! wer giebt die todeswunde mir? Fouqué
held des nordens (1810) 1, 54; weh'! wehe! ruf' ich dir. verberge dich! lasz fürder ew'ge mitternacht dich decken H. v. Kleist 1, 316 (
Penthes. 24); weh! wehe! deine hand ist starr und todtensteif Auerbach
Hofer 163; weh! weh! umsonst. man sucht umsonst, das Weyla hat verscharrt, die kluge jungfrau Mörike
werke 3, 103
Göschen. die beiden weh
werden gewissermaszen übereinandergethürmt in dem ausdruck weh über weh: weh über weh! klag über klag! H. Sachs 2, 9
Keller; vnd wehe vber alle wehe, wo wir solchen dienst vnnd beruff in den wind schlagen Moscherosch
insomnis cura (1643) 2
neudr. —
in eigner weise nebeneinander stellt Murner
die klagerufe: aber we allenthalben we, wo gerechtigkeit darnider ligt
von Luters leren (1520) e 1
a. I@E@1@dd)
gleichen erfolg hat die bindung mit synonymen: da sy ir kind erslagen sach, si sprach: we und ungemach! H. v. Neustadt
Apollonius 5526
Singer; ach lieber herr was grossen verlusts fgent jr diesem landt, we vnd ach, wie habt jr vns von der hOehe in die tieffe mit ewerm hinnen scheyden versenckt
lustig geschicht von Aymont (1535) F
a; we vnd ach, wer gibt vns hinfürters so vil pferd vnd harnasch, als jr vns bei ewerm leben gabent? o 4
a;
neben klage '
not'
bei H. Sachs
oben th. 5, 908. I@E@22) oweh
widerholt die schicksale des uncomponirten weh. I@E@2@aa)
die abweisende bedeutung ist hier bis ins 16.
jahrh. belegbar: ouwî, sî sint des vil vrô daʒ sî der lantwer alsô über werden müeʒen Hartm v. Aue
Iwein 2167; lassen sich darzu duncken, sie thun woll dar an und sey gut gerecht, dar zu auch christlich, o we, o we leyder neyn ... ist er auch da mit entschuldiget? o we neyn Melchior Hofmann 1525
bei Luther
Weim. 18, 428; I@E@2@bb)
das normale ist wider oweh
als klage, wie es Alberus H 4
b bucht: ohei, heu, dolentis. auwehe, owehe; daʒ ich ie in diser bosen zit ouwe leider wart geborn
grave Ruodolf K
b 18
Grimm; mit listen sprach er alsô: ouwê, ditz volc ist starke unvrô Hartm. v. Aue
Iwein 1432; owê, gedâht der recke, sol ich mînen lîp von einer meit verliesen
Nib. 621; owê sô muoʒ ich trûreclîche dannen gân H. v. Morungen
minnes. frühl. 134, 2; daʒ ich singe owê von der ich iemer dienen sol 140, 14; owê, do ich danne muoste gên, wie jæmerlîch ich umbe sach Reinmar
minnes. frühl. 164, 19; owê der bâbest ist ze junc Walther 9, 39; nun hab ich weder schappel noch gebende noch frowen zeinem tanze, owê 25, 10; möht ich die lieben reise gevaren über sê, sô wolte ich denne singen wol, und niemer mêr ouwê 125, 10; o wehe, sprach der student, es gieng mir wol und ubel Lindener
rastbüchlein 11
Bolte; o weh, da kopirt man bald auff, was pro widerpart ausz der kannen fellt
Garg. 1575
neudr. 62; o wee, was angst vnd noth Spee
trutznacht. (1649) 42; in der lieb wird manch junges hertz bethört, ade, ade, o weh
venusgärtlein (1656) 7
neudr.; o weh, gedachte ich, du sollst gewisz zuvor beichten, eh er dir den rest gibet
Simpl. 273
neudr.; o weh! so brüllt's um mitternacht Schubart
sämtl. ged. 2, 106; der stern steht über meinem haus! o weh! das ist mir zu verfänglich Göthe
Weim. I 3, 184; o weh! sie zerdrückt mir (
die deutschheit der poesie) die hand A. W. Schlegel
Athenäum 1, 6 (1798); die mette schallt. mit einem kusz entwich er. doch o weh! im hof, durch den er waten musz lag nun ein tiefer schnee Pfeffel
poet. versuche (1821) 1, 59; o weh! was ist? Tieck
schriften (1828) 1, 67; o weh! jammerte sie Ebner-Eschenbach 1, 124; o weh, dort am feuer, am äuszersten, steht ein cherub mit flammendem schwerte Rückert
werke (1867) 1, 163; s hèscht nit immer juhè, s hèscht gar se dick: o weh Martin-Lienhart 2, 775. I@E@2@cc)
die widerholung ist bei oweh
eindrucksvoller: owê, owê unde owê (und gienge dehein wort mê dem herzen sô nâhen, daʒ solt ich gevâhen) 2.
büchlein 1; zehant der engel lûte schrê owê, owê, zem dritten wê Walther 25, 15; die tôren sprechent snîâ snî, die armen liute owê owî 76, 2; owe und owe! sul wi Jhesum Cristum nummerme gese!
spiel von den 10
jungfrauen 507
Beckers. I@E@2@dd)
relativ öfter als beim einfachen weh
sucht die widerholung abweichende formen: owe hút und iemer me ich muos gan in der helle se
schauspiele des mittelalters 1, 301
Mone; ach in angst- vnd marter see ich versinke, weh o weh Schottel
friedens sieg 55
neudr. namentlich indem synonyma eintreten und einfaches weh
nachschlägt: in der helle muos ich sieden und brǎten. owe grosz hertzleid ach und we 296; o weh, weh, angst weh, noth weh, dir Lucifer, weh mir vnd vns allen Ayrer
proc. 2, 8; o wehe, wehe! mord und brand Droste-Hülshoff
werke 2, 139
Cotta. I@E@2@ee) oweh
als ausruf schmerzhaften schreckens setzt die bedeutung der klage stets schon voraus: o weh! wie hab ich mich gestochen Cronegk
schriften (1766) 2, 248; o weh, da war der erste wunsch gethan Hebel
werke 2, 88
Behaghel; und — o weh! — so schrie Giacinta auf; eben den busenstreif nähend, hatte sie sich heftig in den finger gestochen E. Th. A. Hoffmann 11, 8
Grisebach; ich will — o wehe! — welches schrecken! sie kommt heran, sie wird mich sehn Uhland
ged.2 36 (
entschlusz); als abends ich einst sammt meinem gemal, dem behaglichen sasz an der tafel, spann plötzlich, o weh! sich ein solches getüm von der decke herab in den mund mir Platen 251 (
verh. gabel 1); o weh! da wackelt der rath ... heran Bauernfeld
ges. schr. 1, 24 (
leichtsinn aus liebe 1, 9). I@E@2@ff) Luthers awe
leitet gern das bedauern über eine miszliebige entwicklung, eine schiefe beweisführung ein: so mOechten wir auch sagen: awe. er seufft zu seer und macht sich zu vol
Weim. 19, 398 (1526); denn ich müste doch dencken: awe, es ist gauckel werck, und keyn grund da 18, 149 (1525).
durch zusatz von ja
erhält es den ironischen klang einer scheinbaren bestätigung, die zur verneinung den spott fügt: '
warum nicht gar': wo ist nu dein gott? lasz dir jhn helffen! awe ja, Elias wird komen vnd dich abnemen
das schöne confitemini (1530) K 3
a;
entspr. D 1
b.
ein wunsch wird abgelehnt: darumb werden zu der zeit viel gespottet und gesagt haben: awe ja, zihet hin und bawet, yhr solt was feines bawen, yhr seid geschickt dazu, wie der esel zu singen 23, 530 (1527); Mose sprach: wir wollen ziehen mit jung vnd alt ... er (
Pharao) sprach zu jnen: awe ja, der herr sey mit euch, solt ich euch vnd ewre kinder dazu ziehen lassen?
2. Mos. 10, 9
f. (1545).
eine schluszfolgerung wird verworfen: das gemeynschafft des leydens Christi und gemeynschafft des leybs und bluts Christi, eyn ding sey. ists nicht feyn? awe ja, gantz feyn 18, 169 (1525); die wort die ich rede, sind geist vnd leben
etc. hieraus folget das Christus von seinem fleisch rede, da er sagt: fleisch ist kein nütze. awe ia, schone folge 26, 370 (
zweimal. 1528);
entspr. 30, 2, 478.
wo das wort allein steht, hebt es eine ganze argumentation in schneidender kritik auf: Luther
bespricht die 28
artikel der Erfurter 1525
und beantwortet den zweiten: au we jha, nichts besszers 18, 534. Alberus
wagt sichtbar unter dem eindruck von Luthers awe ja
das gegenstück awe neyn '
das sei ferne': welchen lutherischen articul wolt ihr zum ersten angreiffen, der priester ehe? awe neyn
widder Jörg Witzeln L 6
a (1539). I@E@2@gg)
nhd. au weh
ist beschränkt auf den ausdruck körperlicher schmerzen, wie sie Fleming
apostrophirt: auweh! was bin ich doch, als mein selbst eigner spott
poemata (1660) 621; au weh! herr harlequin, weswegen schlagt ihr mich? Chr. Reuter
kindb.-schmaus (1695)
v. 106; au weh! soll ich mein bisgen brodt fieng Murner heimlich an zu heulen, mit diesem schlimmen wiesel theilen, so leid ich endlich selber noth Lichtwer
fabeln (1748) 2, 12; au weh! weh! ich werde dich beym Areopagus verklagen Wieland
Lucian (1788) 1, 94; au weh! was soll das heiszen? 99; (er umarmt ihn heftig) au weh! au weh! schon genug! schon genug Kotzebue
dramat. sp. 2, 262; laut schreit der frosch au weh! das wasser will ihm vergehen Arndt
ged. (1860) 82.
körperlichem schmerze unmittelbar nahe stehen vereinzelte gebrauchsweisen wie: au weh! mein hertze schreyt! tritt Phyllis nicht zu hart B. Neukirch
in Hoffmannswaldaus
u. a. auserlesenen ged. (1697) 2, 56; er langte hinein, aber au weh! er brachte nichts als todte mäuse an den tag Arndt
mährchen 1, 333. I@E@33) I@E@3@aa) ach weh
tritt spät auf und bleibt seltener: dan ach weh! es ist kein mensch so übel von dem glück geplaget Zesen
Sofonisbe (1647) 35; ich sprech: ach weh! mein liecht verschwind Gerhardt
lieder 3, 322
Fischer-Tümpel; ach weh! was soll dieses seyn? Chr. Reuter
kindb.-schmaus (1695)
v. 103; ach weh! kan Jacob unsere künste verachten, so wird er noch unser könig Chr. Weise
comödienprobe (1696) 176; drauszen, ach weh! drohn die gefahren Gerstenberg
Ugolino 4 (
nat.-lit. 48, 250). I@E@3@bb)
die widerholungen suchen verschiedene wege: nicht böser meinung, nein: ach weh, weh über wehen, (der zaubrer kläglich sagt) ist disz also geschehen D. v.
d. Werder
Ariost (1636) 4, 29, 1; ach weh! ach weh! wie wird es ihm doch gehn Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 41; ach wehe und aber wehe in ewigkeit
Simpl. 463
neudr.; so verscheuchte dich ein allzugroszes glück von ihrer seite. ach wehe! weh Göthe
Weim. I 11, 313; wehe! ach wehe! o schmerz! o schmerz! die dritte, so traut betrog sie mich auch? Rich. Wagner
Rheingold (1853). I@E@44) auwinnen auweh (
s. u. wind und weh)
ist eine eigenthümlichkeit Moscheroschs: als er dieses noch redete, hörete ich ein geschrey under der truppe, und grewliches ruffen: ach wehe, helas, auweh! mordio, helfio! rettio! auwinnen auweh
Philander (1650) 1, 572; ô mordio, mordio, helffio, kombt mir zu hülff, er schlegt mich zu todt. ach weh vnd ach weh: auwe vnd auwe: auwinnen auwe 2, 347. I@FF. weh
als satz kann mit nachbarsätzen in verbindung treten, ihnen syntaktisch übergeordnet werden. I@F@11)
schon in der got. bibel veranlaszt das gr. vorbild οὐαὶ ὅταν καλῶς ὑμᾶς εἴπωσι Luk. 6, 26
die construction: wai þan waila izwis qiþand allai mans,
und biblisch bestimmt ist der gebrauch, wo er gelegentlich in die mundart dringt: bea bart, az bar vorkearnüz net 'wehe wenn wir uns nicht bekehren' Schmeller
cimbr. 171,
ebenso: aber wehe! durch welche aergernusz geschicht Abr. a S. Clara
Judas (1690) 2, 47.
nach solchen vorbildern wird in gehobenem stile von einfachem weh
zumeist ein ausruf, nicht selten auch eine frage abhängig gemacht. I@F@1@aa)
der ausruf enthält eine klage, die gleich oft mit dasz und wie
eingeleitet wird: ay Munsalvæsche, jâmers zil! wê daʒ dich niemen trœsten wil
Parzival 318, 30; witze unde manheit, dar zuo silber und daʒ golt, swer diu beideu hât, belîbet der mit schanden, wê wie den vergât des himeleschen keisers solt Walther 13, 8;
entspr. 90, 23; wê daʒ zwên als edele namen mit den schamelôsen werbent 45, 33; ach und we das ich ie ward geborn!
schauspiele des mittelalters 1, 295
Mone; Henricze sprach: daʒ sei, daʒ sey! wê, wie schier dicz was geschehen Wittenweiler
ring 101
Bechstein; weh, das ich hab gefolget dir H. Sachs 1, 39
Keller; dagegen ist vns zugestanden (we das wir das erlebt haben) das du eyn feind der statt Rom vnsers gemeynen vatterlandts worden bist Carbach
Livius 37
a.
spät erst stellen sich wenn-
sätze ein, gehäuft in Schillers
glocke: wehe, wenn sie losgelassen
v. 163; doch wehe, wenn in flammenbächen das glühnde erz sich selbst befreit 344; weh, wenn sich in dem schosz der städte der feuerzunder still gehäuft 354; wehe! wenn uns der teufel Benvenuto sehen sollte Göthe
Weim. I 43, 91; man hat die schlummernde liebe des volkes durch aufrufe und verheiszungen entzündet, wehe, wenn sie so völlig getäuscht würde Auerbach
Hofer 122.
widerum wird die anknüpfung mit wenn
vorausgesetzt in fügungen wie: weh, wer deinem dienst sich aufgeopfert hat Göthe
Weim. I 16, 25; wehe, wer dem glück will weichen Arndt
werke 5, 305
Rösch. I@F@1@bb)
ausdruck einer klage ist in der regel auch weh
vor fragesatz, das zumal in mhd. dichtung eine rolle spielt: we, wi mah her oh dar an verzagen? Hartm. v. Aue
Iwein 1400
nach hs. A; wê waʒ hilfet mich daʒ mîn sunne ist ûf gegân? Heinr. v. Morungen
minnes. frühl. 134, 37; wê, wie lange sol ich ringen umbe ein wîp der ich noch nie wort zuo gesprâch? 135, 9; wê wanne kumet mir heiles tac? Reinmar
minnes. frühl. 188, 38; wê wie tuont die jungen sô, die von fröiden solten in den lüften sweben? Walther 42, 33; wê war umbe tuot si daʒ, der mîn herze treit vil kleinen haʒ? 112, 33; wê, war umbe hœret niht diu guote mînen sanc? Neidhart 67, 10. Wolfram
und Walther
eigen ist weh
vor einem fragesatz der abwehr, des erstaunens oder befremdens, etwas im sinne von 'ha, je, jenun': dô sprach der knappe wol geborn wê waʒ führt ich iurs mannes zorn?
Parzival 132, 15; dô sprach er: wê wâ sint diu kint? 245, 21; si was niht frouwenlîch gevar. wê waʒ solt ir komen dar? 312, 16; wê wer wære unfrô? Walther 51, 25; ich hân alsô hôhen muot als einer der vil hôhe springet: wê waʒ wil sis mê? 58, 17. I@F@22) oweh
mit abhängigem satze ist ganz auf die ältere sprache beschränkt. I@F@2@aa)
in der älteren mhd. dichtung steht es vor einem ausruf, der klage, unwillen, bedauern, ergriffenheit ausdrückt: owê daʒ ich ie sô vil gebat und geflêhte an eine stat dâ ich gnâden nienen sê Heinr. v. Morungen
minnes. frühl. 128, 1 ff.; dô schalt ern aber unde sprach: ouwê deich diʒ an sehen sol
Greg. 2901; ouwê wie übel diu werlt tuot 2796; ouwê, daʒ ich ie wart geborn
Iwein 62; ouwê immer unde ouwê, waʒ mir dô vreuden benam ein bote 348; o wê, sprach der recke, deich ie den lîp gewan
Nib. 2073 C; owê wan het ich iwer kunst und anderhalp die wâren gunst
Parzival 8, 25; owê daʒ er niht vrâgte dô 240, 3; owê unde heiâ hei daʒ ich dînen vater ie gesach, der mir ze sehen aldâ geschach 496, 22; owê waʒ êren sich ellendet (von) tiuschen landen Walther 13, 5; ouwê daʒ ich niht fluochen kan 73, 26; owê der mich dâ welen hieʒe, deich daʒ eine dur daʒ ander lieʒe 46, 27; owe das ich nv scheiden sol von liebe, dast gros vngevelle markgr. v. Hohenburg
Heidelb. liederhs. 56, 5
Pfaff; o we das ich si frOemden muos vnd sol 56, 33; ouwe sit dich nu nieman kan erwenden Teschler
das. 912, 22; o we daʒ ich also selten mine schone frowen se Otto v. Brandenburg
das. 18, 34.
gehäuft erscheint der gebrauch um 1330
in Hadamars
jagd 465
ff.: o wê! ein wê kan machen mir wê und wê wêlîche. wê daʒ wê für ein lachen mir gît diu allem wê ist ungelîche! wê! daʒ wê hât wê und wê min wesen! wê! daʒ wê mir bringet von dem vor wê ich möhte wol genesen.
gegen ende des mittelalters wird dieses oweh
selten: o we wie sint wir so verflcht! der túffel uns in die helle zúcht
schauspiele des mittelalters 1, 300
Mone; ach der jemerlichen vart! owe, daʒ ich ie mensche wart
spiel von den zehn jungfr. 117
Beckers; owe, vater, daʒ ich ie din kint wart 373; o weh wie ist die lieb erlest
Endinger judenspiel 35
neudr.; dann als der herr Caspar Schwalbach die brücken niderfallend sach, beklagt er den schaden hertzlich, fieng an zu schreien gar schmertzlich: o weh und wach, do die brück brach, das ichs gesach, so Schwalbach sprach. (
dazu am rande:) aus welcher klag dis sprichwort kam, so ein gemeiner man draus nam Christof Falk
lobspruch der stadt Elbing zusatz 196
b Toeppen; awe, wie sein mir mein syn heint entwichen
altd. passionsspiele aus Tirol 63, 979
Wackernell; die kron vnsers heubts ist abgefallen, o weh, das wir so gesündigt haben
klagel. Jer. 5, 16. I@F@2@bb) oweh
vor fragesatz leitet gleichfalls eine klage ein: owê war umbe volg ich tumbem wâne, der mich sô sêre leitet in die nôt? Heinr. v. Morungen
minnes. frühl. 136, 1; owê war umbe tuot er daʒ? 143, 1; ouwê wie hân ich dich verlorn? Hartm. v. Aue
Iwein 1470; ouwê waʒ hât ir getân ir antlütze unde ir schœniu lîch? 1668; awe, wie sol mir nu geschechen?
altd. passionsspiele aus Tirol 62, 953
Wackernell. I@F@2@cc)
vereinzelt ist oweh
vor ausruf ausdruck des entzückens, wie in einer pfingstpredigt von etwa 1200: owê, wi selic der mensche ist, zu dem unsir herre ruchit ze kumine
ältere sprachdenkmale religiösen inhalts 20
Grieshaber. aus rheinpfälzischer mundart bucht Radloff
teutschkundl. forschungen (1825) 1, 248
diesen gebrauch als seltsamkeit: o weh! wie mich das freut ... eben darum, weils mich so herzlich freut, und weil so was auch auszeichnung verdient: darum o weh! I@F@33)
bis in nhd. zeit hält sich weh, oweh
vor ausruf nur, wenn der ausruf auf éin wort reducirt ist. der function nach ist dies stets ein vocativ, auch wo das formell nicht deutlich wird wie in Luthers
deutscher bibel: wehe die verborgen sein wollen fur dem herrn yhr furnemen zuuerhelen
Jes. 29, 15.
in der interjection kann neugier liegen: owê muoter, waʒ ist got?
Parzival 119, 17;
desgleichen abwehr wie in 'ach was': die frawe mit troste vnd auch straffe lachent zuo dem sun sprache: awe mein allerliebster sune, vmb ein sölches du dich lassest we haben vnd krancke Arigo
decamerone 134
Keller. früh stellt sich aber auch hier der sinn auf klage, trauer, furcht ein, die in neuer zeit ironischen klang bekommen können: schon vom gifte durchwühlt, gebissen und wiedergebissen, vater und sohn! o! weh! — heilige plastik, o weh Göthe
Weim. I 4, 123. I@F@3@aa)
das einfache weh
vor vocativ ist auf feierlichen, getragenen stil beschränkt: wê bruoder mîn! wâ scolt du sîn?
Genesis in Hoffmanns fundgruben 55, 7; wê ich vil tumber Reinmar
minnes. frühl. 189, 13; vnd hub höcher vf den vngesprechen stummen lybe vnd kuste den von im gantz nasz gemachet mit seinen trechen vnd sprach: wee Lucrecia Niklas v. Wyle
transl. 71, 6
Keller; weh mutter! was beginnst du? Schiller 14, 112 (
braut 4, 5); weh, mein Wälsung! im höchsten leid musz dich treulos die treue verlassen Rich. Wagner
walküre 2.
aufzug (1853).
selten nach vocativ: götter weh! indehme schwunden zunge, mund, bluht, farb' und geist Stieler
geharnschte Venus (1660) 35
neudr. I@F@3@bb)
wo die klage voll ausströmt, steht vom 12.
bis 19.
jahrh. in poesie und prosa oweh: owi sin gittigiu chiuwe, wie manigen si noch uerslunte Heinrichs
litanei in Hoffmanns fundgruben 2, 223, 37; vbir mut ówe, wi tiefe du si alle uellest
a. Hartman
rede vom glauben 2557; ouwê, gewaltiger Krist, waʒ êren uns benomen ist Hartm. v. Aue
a. Heinrich 1297; ouwê, rîter, ouwê! daʒ ir her komen sît, daʒ ist iuwer jungeste zît
Iwein 1156; sî sprach: trûtgeselle, ouwê, ich vürht eʒ mir niht wol ergê 2159; owê minne, gib ein teil der lieben mîner nôt Heinr. v. Morungen
minnes. frühl. 134, 9; owê Schoysîânen fruht,ich truoc ê alze vil ander riuwe
Titurel 111; owe tenzere. owe turnierere. owe alle ytelere, die gots gebot niht en halten
d. predigten des 14.
jahrh. 39, 5
Leyser; owe vorvluchte hochvart, din lon ist uns worden alzu starc, owe unreine kundikeit, du gebest uns jamer unde leit! owe haʒ unde nit, wi sur ir uns worden sit
spiel von den 10
jungfr. 398 ff.
Beckers; o wee lieber Tristrant und liebe fraw, nun sinde ir beide verloren
Tristrant 50, 17
Pfaff; do sprach seyn knab ... o wee mein herr, was sOellend wir thuon?
Zürcher bibel (1531)
4. kön. 6 D; vnd da einer holtz fellet, fiel das eisen ins wasser, vnd er schrey vnd sprach: awe, mein herr, dazu ists entlehnet Luther (1545)
2. kön. 6, 5; o weh, du falsch vntrewes glück! wie hast du mir erzeygt dein dück H. Sachs 2, 35
Keller (1545); o weh, mein sohn, warum gebar ich dich? Bürger
Ilias 1, 588; o weh, o weh, arme Franzel Holtei
erzähl. schriften (1861) 1, 36; o weh, mein kopf Pückler
briefw. (1873) 1, 87. I@F@3@cc)
namentlich leitet oweh
verse ein, in denen sich der sprechende selbst beklagt: o wi ich stoubigir asche Heinrichs
litanei in Hoffmanns fundgruben 2, 225, 15; owê ich gotes armiu, daʒ ich ie den lîp gewan
Gudrun 1359; o we ich armer, wie sol ich nv werben? Hiltbolt v. Swanegoi
Heidelb. liederhs. 533, 21
Pfaff; awe und awe, ich armer man
altd. passionsspiele aus Tirol 62, 949
Wackernell. I@F@3@dd)
in moderner mundart kann oweh
vor vocativ als drohung stehen: o wé du! Seiler
Basler mundart 312. IIII. weh
als substantiv. II@AA.
das masculin geht im 9.
bis 14.
jahrh. dem neutrum voran. II@A@11)
in ahd. zeit findet sich wêwo
als schwaches masculin bei Otfrid
vorwiegend theologisch bestimmt. nur selten bezeichnet es irdischen gram, wie den schmerz der mütter in Bethlehem: in then alten euuonso saget thesan uueuuon thar zaltaz er ubarlutther selbo druhtines drut 1, 20, 25; tho sprach thara ingeginiauur thiu selba menigi, liaʒun uʒ in uuaronthes selben muates uueuuon 3, 16, 28;
entsprechend 4, 6, 52.
häufiger ist wêwo '
seelenleid': fon theru selbun henti,thiu tod giscankt iu enti, ioh uueuuon tho mannegab zi drinkanne: fon theru intfahent, theist ouh uuib,nu thaz euuiniga lib 5, 8, 56;
entsprechend 9, 32. 23, 91. 153,
namentlich aber '
ewiges verderben': uuir mit ginadon sinenthen uueuuon bimiden 1, 28, 8;
ebenso 2, 21, 40. 24, 43. 3, 22, 25; then salidon sie intfallent,thie inan beton uuollent, ioh thultent sie in euuonthen managfaltan uueuuon 2, 4, 90;
ebenso 2, 6, 35. 3, 15, 46. 18, 23. 24, 32. 4, 12, 27. 5, 19, 18. 21, 23;
ausdrücklich von der qual der hölle: thar brinnent sie unz in ewonioh eigun iamer wewon 5, 21, 23. II@A@22) II@A@2@aa)
in mhd. zeit setzt das passional Otfrids
theologische anwendung fort: da (
in der hölle) ist gebunden so der stric daʒ er von ewen zuo ewen in dem hohen wewen nimmer me gelediget wirt 236, 91.
für '
seelenleid'
steht es alt, aber selten: die israhele noh dolten sie manigen wewen sie heten michel not
bruchstück v. d. gefangenschaft der juden, Mones anzeiger 8, 55; er reit eʒ von den israhelen vnde meint den langin wewin der iemer mere wesen sol 8, 57.
von '
liebesgram'
gelegentlich noch im 16.
jahrh.: ich will ein weil nausz zu den schiffen ... auf das mir die lang weil vergeh, vergesz der lieb senenden weh H. Sachs 12, 283, 34
Keller. II@A@2@bb)
jünger, aber besser entwickelt ist weh
m. '
körperlicher schmerz': trinken unde eʒʒen des wil ich mich vermeʒʒen: daʒ tuon ich mänlîchen. von diu muoʒ entwîchen aller siechtuom mînem magen. ich wil dekeinen wêwen klagen
warnung 602.
aus kärntischer mundart, die es heute noch kennt (èr hàt añ wea áffn finger Lexer 251),
hat Heinrich v.
d. Türlin
das masc.: nu sie sô lange gesâzen, daʒ si beide hâte verlâʒen diu unmaht und der wê, sie wolden aber alsam ê mit einander haben gestriten
krone 12 269,
entsprechend 12 386. 18 267;
anderseits sind Mitteldeutschland und Niederrhein betheiligt: daʒ er des tôdes wêwen mit offenen munde entpfant
passional 197, 22
Köpke; de wewe geynck eme do zo dem hertzen
Karlmeinet 92, 1. 153, 54
Keller; anderwärts vereinzelt: wir müeʒen lîden den wên den wir hân an unser vrouwen getân
Mai u. Beaflor 204, 25; sîner künfte wârn die Walhe vrô, wan er manegen wên vertreip
Servatius, Haupts zs. 5, 110 v. 1077. II@BB.
unvergleichlich gröszer ist die rolle, die der singular des neutrums spielt. II@B@11)
das neutrum musz eintreten, wo die interjection substantivirt wird. II@B@1@aa)
in anlehnung an die bibel (das ander weh ist dahin, das dritte weh kompt schnel
offenb. 11, 14)
bietet Klopstock
die substantivirung: das grosze weh von dem falle bis an den gerichtstag
Messias 13, 673; wenn mit des letzten der tage morgendämmerung nun das lange wehe des weinens und des röchelns auf ewig verstummt 679;
nach spr. Sal. 23, 29
wagt Ambach (
und entsprechend Kirchhof
wendunm. 2, 15): wo ist wehe? wehe heist ein klAeglich heulen vnd geschrey
vom zusauffen und trunckenheit C 3
a (
nach Basilius,
Mignes patrologia graeca 31, 452 D);
das griech. vorbild ist in Hier. Müllers
Aristophanes wirksam: ein doppeltes weh tönt, Äschylos, dir 1, 410 (1861
frösche v. 1250); o könig Zeus, wie sich das weh gewaltig häuft! nach einem bade regt in mir die sehnsucht sich, denn in den leib gefahren sind die wehe mir 1262.
sonst ist substantivirung jung und vereinzelt: kein wehe! sprachen die krieger, von den blutig gebisznen lippen ertönte kein lebewohl Hölderlin 1, 63
Litzmann; das ganze feld ist nur ein einzig wehe Tieck
schriften 1, 91 (1828); weh heiszt die aufschrift auf dem lebensschilde Arndt
ged. (1836) 407 (
zweiflers unruh).
biblisch ist vor allem der stab wehe
als symbol scharfer zucht, gegenstück zum stab sanft (
auch sanftstab,
s. u.wehstab),
der theil 8, 1775
nachzutragen wäre: vnd ich hütet der schlachtschafe, vmb der elenden schafe willen, vnd nam zu mir zween stäbe, einen hies ich sanfft, den andern hies ich weh ... vnd ich zubrach meinen andern stab, weh, das ich auff hübe die bruderschafft zwischen Juda vnd Israel
Zachar. 11, 7. 14.
der ausdruck bleibt ganz citat ohne eigene entwicklung: sie mssen ihre stimme erheben wie die posaune, zu rechter zeit den stab sanfft gebrauchen, zu seiner zeit aber den stab weh zu führen wissen v. Fleming
der vollk. teutsche soldat (1726) 7 § 20; zu herrn der menschen setzte gott die mönche ... ihnen gab er den stab sanft und den stab wehe Veit Weber
sagen der vorzeit (1787) 2, 379; behalte deine hände mit dem prügelnden staab wehe und deine zunge mit ihrem paar donnerwettern und tausend teufeln J. Paul
uns. loge 2, 3; die selige sonnenwirthin war eben die gute stunde selber und den stab wehe hat sie nimmermehr zu führen verstanden. der sonnenwirth sah dem früchtlein auch in allweg zu viel durch die finger Herm. Kurz
sonnenwirth 1, 24;
dadurch vielleicht veranlaszt: die resolute, alte dame schwang nach gutem urväterbrauch oft selbst die hand oder den 'stab wehe' über Gottfried H. A. Krüger
Gottfried Kämpfer (1908) 24. II@B@1@bb)
in mhd. dichtung wird auch oweh
substantivirt: ein owê muoʒ nu folgen uns beiden, daʒ ich eine für in wolte lîden
Titurel 120; wol ir hiute und iemermê! alsô sprich ich und wünsche ir des, diu mir mit fröiden hât benomen mîn alt owê Heinr. v. Morungen
minnes. frühl. 140, 24; des trage ich vil manic ouwe Rudolf v. Rotenburg
Heidelb. liederhs. 159, 45
Pfaff; owê, daʒ siufzende wort und ach, der riuweclîche spruch diu nâmen dô vil manegen bruch durch sîner freude mitte Konrad v. Würzburg
Engelhart 5556.
in nhd. zeit kann das substantiv neu geprägt werden, so auweh
als name des biers von Lützerode bei Jena (
nach Sanders
erg. wb. 72
a),
oder wenn Abr. a S. Clara
karikirt: vil leuth ... klagen, dasz sie so grosze ungelegenheit haben von diser und jener kranckheit, selten ein rechte, gerechte, gesunde stund, tag und nacht das auwe
Judas 4, 106. II@B@22)
die interjection wird als citat in den satz gestellt II@B@2@aa)
als object neben ein verbum dicendi: Asmodei (dæmones) stabant. áh vé sibi vociferabant
Hattemers denkmahle 3, 600; dar gie der jungelinch, die hant er in daʒ fiur stieʒ, von der stete er si niene lieʒ, er nesprah nie oh noh wê
kaiserchr. 5026
Schröder; so dazu mal nichts denn ach vnd awe singen kundten Luther
das schöne confitemini (1530) B 4
b; nicht seis diesem verargt der Danaer wehe zu singen (
κακὸν οἶτον ἀείδειν) Voss
Odyssee 1, 351; wir haben nicht geweinet, wir seufzten nicht weh und ach Heine 1, 84
Elster. II@B@2@a@aα)
heftigen gefühlsausbruch bezeichnet weh schreien: dâ maht man hôren scrîen niewan oh unde wê
kaiserchr. 7098
Schröder; das wir ach vnd wehe mssen schreyen vnd czu dyr, wie tzum getrewen vater, ruffen
flugschriften a. d. ersten jahren der ref. 4, 155; denn ists zu spat, so komt der reuel, beiszt sie und macht in solchen greuel, dasz sie schreien awe und ach vnd wöllen raten hindennach Waldis
Esop 2, 27, 133
Tittmann (1548); das weh über einen schreyen,
diras imprecari, multa mala capiti alicujus dicere Stieler 2458; ein unendliches wehe schreye die ganze versammlung der geisterwelt, die du verführt hast Klopstock
Messias 2 v. 672 (1748); fingen sie an mit lauter stimme wehe über den unfall zu schreien Göthe
Weim. I 43, 150; sie sagen, er (
der sterbende Falstaff) hätte über den sekt weh geschrien (
he cried out of sack) Shakespeare
Heinrich V. 2, 3
Schlegel; entsprechend Baudissins Lear 3, 2; der Sachse, dessen wunderbare keuschheit auch von denen, welche sonst wehe über die grausamen seeräuber schreien, gepriesen wird Dahlmann
kl. schriften 36; ich weisz nicht, ob es (
das gespenst) wehgeschrien, doch muszt's den grafen lassen ziehn Uhland
ged. 410. II@B@2@a@bβ)
die neuere sprache liebt das matte weh rufen: nun ruft (
mancher mann) mit freudiger rache das wehe aus und verdammt den verfasser Rabener
schriften (1751) 1
vorrede 9; wenn (
die werke der schlechten bildner) rufen werden ach und weh über ihre erschaffer
maler Müller
Fausts leben 22
Seuffert; und dreymal wehe! wehe! rufend stieg er herab vom berg Schiller 14, 99 (
braut 4, 2); wenn der arme könig den tugendheuchlern ein furchtbares wehe zuruft
briefw. zw. Voss
und Jean Paul 43 (1833); die rufen weh zum himmel aus ihrer stummen gruft Rückert
werke (1867) 1, 72; so schwieg Kassandra auf des tempels stufen ... und niemand hört es, dasz sie weh gerufen Geibel 1, 153; auch der klagende Jeremias ruft wehe über den, der den nächsten umsonst arbeiten läszt Riehl
d. arbeit (1861) 183; plattschädelige nichtswisser mögen über diese wahrheit wehe rufen ... sie bleibt doch wahrheit Scherr
hammerschläge 20. II@B@2@a@gγ)
hierzu die substantivirung: der ruf des wehs verstummt Rückert
werke (1867) 1, 130. II@B@2@bb)
als subject tritt weh
zu verben, die ein klingen, hallen, heulen bezeichnen: man hOert vil maniges menschen munt auz chlægeleiches hertzen grunt mit sftzen wuoffen manigen schre, dy endelose chlagende we in iamer wuortzet laider Suchenwirt 10, 4
Primisser; weh heulet im pallast, weh heult durch reich und stadt Göthe
Weim. I 13, 25; mir ists eins, ob der zeiten last sich drüber gewälzt, doch dringt die thrän hinab das grab zu netzen, drang doch sein weh hinauf zu mir B. v. Arnim
Günderode (1840) 1, 228; als er aus kaum betretnen waldgehegen ein lautes schreyn, ein jammernd weh vernahm A. W. Schlegel
Athenäum 2, 276; steigt ein siebenfaches wehe aus dem stillen wasserreich Mörike
werke 1, 148
Göschen; noch einmal aus der tiefe bricht verhallend weh aus einem mund 154; das wehe der klagetöne von müttern und bräuten erklang Arndt
ged. (1860) 304; und es tönt kein wehe in des vaters schlosz Schenkendorf
ged. (1815) 25. II@B@33)
auch beim neutrum geht die anwendung auf seelenleid der auf körperliches leid voran. II@B@3@aa)
am frühesten ist das wort wider religiös bestimmt: des selben wunderæres hûs was einer reinen megde klûs wol vierzec wochen und niht mê ân alle sünde und âne wê Walther 5, 38;
dazu geradezu als interpretation: her sprach: âne wê. daʒ meinet âne sunde, wan alle wê kument von der sunde Hermann v. Fritzlar
d. mystiker 110, 27
Pfeiffer. II@B@3@a@aα)
weiterhin ist weh
die anfechtung, das erdenweh des gläubigen: eʒ waere derselbe, der ouch e sie hete erlost von allem we
passional 11, 92
Köpke; von Adam stund die welt an we
schauspiele des mittelalters 2, 335
Mone; gedult ist inwendig im hertzen das wee vmb gottes willen leiden Keisersberg
evangelia 216
b (1517); vnd mit jm (
Jesu) aus allem weh inn das leben geh Ringwaldt
evangelia b 5
a. II@B@3@a@bβ)
öfter ist weh
im religiösen sinne die ewige verdammnisz: dâ ist anders niht wan wê und iemer leitlîch ungemach, angest, leit und niht wan ach Rudolf v. Ems
Barlaam 131, 2; dergleichen gesellen aber wirdt das ewige wehe verkündet Albertinus
Lucifers königreich (
nat.-lit. 26) 47, 30; saget man, wir seyen zu einem ewigen weh verurtheilet Bodmer
abh, v. d. wunderbaren (1740) 86; du zagst, und fühlst der höllen weh Gellert
werke 2, 100; auch er, Sebaldus, hAette die ewige verdammnisz dadurch verdient, dasz er an dem ewigen wehe von zehn seelen schuld wäre Nicolai
Nothanker (1773) 1, 39. II@B@3@bb) weh
als '
nicht geäuszertes seelenleid, gram'
im allg. findet sich nicht vor ausgang des mittelalters, seitdem mit wachsender häufigkeit, so dasz es in der neueren sprache die geläufigste anwendung des subst. ist, die auch im wortspiel sicher ist, sogleich verstanden zu werden (
s. o. 13, 4): die drey w. stifften in der welt, sonderlich unter ruchlosen leuten, viel übels: würffel, weib, wein Hammer
hist. rosengarten (1654) 323; hinter dem u kömmt gleich das weh, das ist die ordnung im a, b, c Schiller 12, 36 (
Wallenst. lager 8); ach, das holde a-b-c, das man nicht erst lernen musz. aber ach es kommt das w auch drin vor — das macht verdrusz Bierbaum
musenkrieg (1907) 26. II@B@3@b@aα)
im mittelpunkt des gebrauchs, zumal des dichterischen, steht weh
ohne jedes attribut: homod unde gud ... hebben mannighen landen we wracht (
verursacht) Josep
v. d. sieben todsünden 1280
Babucke; gerechte lieb vertreibet wee gleich wie der taw dem grönen klee Hätzlerin 284; der bracht viel künigreich in weh H. Sachs 1, 227
Keller; entspr. 1, 153; 18, 272; Söhne ... statt ihrer kam ihm weh ... zu haus Bürger 160;
entspr. 168; heute ... sind wir endlich wieder allein, beysammen und fast ohne weh Göthe
Weim. IV 38, 193; sie sind dem weh geboren Klinger
werke (1809) 3, 189; ihr schriet so laut — mir zuckte weh durchs herz Collin
Regulus (1802) 27 (1, 4); da sizt er dann, dasz ich für weh nicht hinsehn mag und weitergeh Lichtenberg
nachlasz 118, 53; so, Green, du bist wehmutter meines wehs, und Bolingbroke ist meines kummers sohn Shakespeare
Richard II. II 3
Schlegel; du, Green, bist meines wehs hebamme worden II 2
Gildemeister; es ist ein weh, doch hört man's gerne und hegt's, wie eine kranke braut Fouqué
zauberring 1, 134; mancher ist wohl, der erfahren hat auf erden keine lust, keiner, der nicht still bewahren wird ein weh in seiner brust Rückert
ged. 395; mein's ist nur ein keim der schmerzen, der auf wird gehn zum weh
werke (1867) 3, 169; ich möchte thränen um dich weinen, wie sie das weh vom herzen drängt Droste-Hülshoff 1, 865
Schücking; lächelnd — aber ein leiser zug von weh war doch dabei — streckte sie ihre hände aus Storm
werke 1, 190 (1899); die tragödie sitzt inmitten dieses überfluszes an leben, leid und lust, in erhabener entzückung, sie horcht einem fernen schwermüthigen gesange — er erzählt von den müttern des seins, deren namen lauten: wahn, wille, wehe Nietzsche
werke 1, 144.
in neuerer mundart erscheint dieses weh
von der bedeutung '
gram'
modificirt zu '
zwang': hea dout sich e gewaalt eann e wîh ã, eann hot en earnst eann en aiver, ohrer veorsz lerne is hea neit Pfisters
nachträge zu Vilmar (1886) 332,
oder zu '
verlegenheit': mat we
i belu
ede sin
wb. der luxemb. ma. (1906) 479. II@B@3@b@bβ)
zu weh '
gram'
tritt eine bestimmung im gen.: das Eden, in welchem lust und scherz das weh der zeit besiegen Stoppe
Parnasz (1735) 20; dasz mein grab doch nicht das weh der ganzen welt bedecket Neukirch
ged. (1744) 243; so denk ich nur an Hymens wehe Uz
sämtl. werke (1772) 150; zwar verzögert den tag Ilions noch der zorn des Peliden, es säumt eurer matronen weh Herder 26, 234
Suphan; von dem weh meiner freunde S. v. Laroche
gesch. d. frl. v. Sternheim (1771) 2, 229. II@B@3@b@gγ)
ein attributives adj. fügt seit dem 13.
jahrhundert gern eine gradbestimmung hinzu: der muter unde den kinden were din virlust ein groʒe we
passional 224, 48
Hahn; meinen busen drückt das gröszte weh Bürger 152; mein krankes herze, brich mir nicht vor allzu groszem wehe Heine 1, 49
Elster; vnd sitz zum warmen öfelin, demselben klag ich all min wee H. R. Manuel
weinspiel (1548) 2530; wann ewer glantz vffgeht ... hat alles weh ein end Opitz
t. poemata (1624) 95
neudr.; wo meine blume stehet, da schwindet alles weh Neukirch
ged. (1744) 47; alles weh
auch Klopstock
oden 2, 7, 4; Uz
werke (1772) 2, 153; Hölderlin
ges. dichtungen 204, 10
Litzmann; Platen
werke 1, 46
Hempel. o quell von ew'gem weh Ayrenhoff
werke (1814) 2, 46; ihm, der sich selbst im innersten bestreitet, stark angewohnt das tiefste weh zu tragen Göthe
Weim. I 4, 18; wie in allen irdischen dingen ist auch hier des glückes glanz mit tiefem weh verschwistert gewesen Humboldt
Kosmos (1845) 2, 337; der ihre kämpfe beendigt, nicht der sie fortsetzt, der dem entsetzlichen weh mit milder, kluger hand ein ziel zu setzen weisz ... — der ist der arzt, der ist der held der zeit Bauernfeld
ges. schr. 5, 144 (
ein deutscher krieger 2, 6); ich hatte solches weh im leben nie erfahren Hölderlin
ges. dicht. 2, 186 (
Hyperion).
die dichter lassen gern den gram über jedes masz wachsen, so dasz die nachdrücklichste gradbestimmung in einem verzicht liegt: göttin, singe den zorn ... ... welcher den Griechen unnennbares weh schuf Bürger
werke 1, 184
Bohtz; mich trift der ausspruch Apollos, — und ich leide unaussprechliches weh! der strenge fühlt nichts Klinger
n. theater (1790) 1, 16; die gute that zog unaussprechliches weh auf mein haupt
werke (1809) 3, 272 (
Faust); perlenkleinod, blüthenschnee, des geschmeides bunte funken, alles, alles ist versunken in mein namenloses weh Droste-Hülshoff 2, 203
Schücking; ich nimmer kann die herrlichkeit ergründen und wird mir nur ein unergründlich wehe 3, 24.
gradbestimmung enthält auch: es ist kein wehe so gros, als hertzeleid
Sir. 25, 17. II@B@3@b@dδ)
qualitätsbestimmungen treten erst seit beginn des 18.
jahrh. zu weh,
sind aber von da ab häufig und mannigfach, vereinzelt oxymor: o sszer schmertz! o angenehmes weh! Günther
ged. (1735) 986; man verläszt sich ungern, ja man kehrt einigemal gegen einander zurück, das angenehme weh eines solchen abschieds zu genieszen Göthe
Weim. I 34, 1, 36 (
Rochusfest).
prosaische belege bleiben selten: des mannigfachen wehs, das er duldete, unerachtet E. Th. A. Hoffmann 14, 148
Grisebach; das ist das innere weh, welches uns verzehrt Fouqué
gefühle, bilder (1819) 1, 21,
um so mehr schwelgt die dichtung in wechselnden attributen: auszer diesem wird die ehe bey dem selbstgemachten wehe kaum des eignen lebens froh Stoppe
Parnasz (1735) 38; in einer art von wuth vergesz ich Hymens wahres wehe: da seufz ich nach der ehe Uz
sämtl. Werke (1772) 2, 149; bei frohen gästen brütet er unmuthvoll, versenkt in tiefes, trauriges, eignes weh Herder 27, 31
Suphan; glücklichen ist's nicht verliehen zu begreifen fremdes weh Platen 2 (
lied. und rom.); ach unsrem Hölty, dem ein geheimes weh am hertzen wühlet, geist der begnadigung, durch deinen Seraf send' herab ihm heilende würze vom baum des lebens Voss
sämtl. ged. (1802) 3, 77; der rauhe krieger wird sein rauhes weh geduldig tragen, sieht er seinen könig dem aermsten gleich ausdauern und entbehren Schiller 13, 199 (
jungfrau 1, 4); so vielen fluchbeladnen wehes becher einst im hause füllend, leert er selbst ihn, heimgekehrt W. v. Humboldt
ges. werke (1843) 3, 82; bald stört jedoch seines muts siegswerten plan ihm häusliches weh, welches ihm Roszmunda bereitete Platen 129 (
festges.); die stimme bricht in trunknem weh, er schluchzt Droste-Hülshoff 2, 16
Schücking; lange schon, jahrtausendlange kocht's in mir, ein dunkles wehe Heine 1, 443
Elster; wie mich oft in grünen hainen überrascht ein dunkles weh, musz ich nun auch plötzlich weinen, weisz nicht wie? — hier auf der see Lenau
ged. (1857) 1, 267; ein plötzlich weh mich überwallt Mörike
werke 1, 33
Göschen; was ich traure, weisz ich nicht, es ist unbekanntes wehe 109; was quälst du mich mit falschem weh? Geibel
werke 1, 61
Cotta (1888). II@B@3@cc) weh
als '
seelenleid'
erscheint irgendwie specialisirt: II@B@3@c@aα)
seelenleid als schickung, '
unheil',
reicht von Luther
bis ins 19.
jahrh. dabei kann angedeutet sein, dasz das weh
gottgesandt ist: eyn angeneme kluckheyt gibt gonst, aber der verechter weg bringt wehe
sprüche 13, 15 (
seit 1533,
bis 1526: ist hart);
im übrigen nur dichterisch: was diese nicht vermocht, wird Alexicacus Alcides auss der höhe, für dem der gantzen welt durch krieg entstandenes wehe erbarmen hat erlangt, mit ehren richten auss Logau
sinnged. 75
Österley; schiffer werden auf der see von den stürmen umgetrieben, bis die zeit ihr langes weh durch den nord-stern aufgerieben Günther 108; es wird bald eine zeit erscheinen ... dann wirst du dich und deiner kinder weh beweinen Pietsch
schriften (1740) 390
Bock; es fühlt in deinen klagen die späte nachwelt noch das weh von unsern tagen Kästner
verm. schriften (1772) 2, 199; nichts kann den unstern dieses tages wenden, er hebt das weh an Göthe
Weim. I 9, 216; fühlt wie das reinste glück der welt schon eine ahndung von weh enthält 38, 59; gott Smintheus send' uns darum dieses weh Bürger
Ilias 1
v. 158;
entspr. v. 139. sieben jahre beherscht' er die golddurchblinkte Mykene, drauf im achten erschien, ihm zum weh, der edle Orestes (
κακὸν ἤλυθε) Voss
Odyssee 3, 306 (1821. 1781: kam zum verderben); aufgelöst ward der schlauch, und sogleich hin sausten die winde ... mir sind böse gefährten zum weh, und der schlummer, der heillos nahete 10, 68; zwar scheint ein schlechter vers ein kleines wehe, und doch erzeugt er eine menge sünden Platen 292 (
Oedipus 3); da zog die dämmerung aus abendwolkenflor dem schauplatz dieses wehs den dichten vorhang vor Rückert
werke 6, 521
Beyer. II@B@3@c@bβ)
in der einschränkung auf leid, das der seele innerlich aufsteigt, ist weh
am häufigsten '
trennungsschmerz': ade zu guter nacht, ade mein hertze bricht mir von dem weh Treuer
d. Dädalus (1675) 1, 26; Orpheus und Euridice fühlten kaum ein herber weh Gottsched
ged. (1751) 237; dasz mich so verlangt nach ihrer gegenwart, dasz ich wehe trage, wenn ich mich von ihr entferne
maler Müller
werke 3, 44; mit weh hab ich meine Wartburg verlassen Göthe
Weim. IV 3, 180; o des landes, wo der bangen trennung weh kein herz mehr bricht Matthisson
schriften (1825) 1, 18; wir fanden uns jauchzend, und waren beklommen vom wehe, sobald auseinander zu gehn. und als nun die stunde des wehes gekommen, da giengen wir freudig, uns wieder zu sehn Rückert
ges. gedichte 4, 432; allein so lang ich noch in zweifel stehe, und gerne möchte deine blicke fragen, acht' ich entfernung als das gröszte wehe Platen 99 (
son. 44); nun ist es herbst, die blätter fallen, den wald durchbraust des scheidens weh Lenau
ged. (1857) 1, 114; nicht herbres weh die seele leidet, als wenn sich blut vom blute scheidet v. Droste-Hülshoff
werke 2, 87
Cotta. II@B@3@c@gγ)
der trennungsschmerz schreitet fort zur sehnsucht. sie kann durch musik verursacht sein: der wollustvolle klang verzäubert uns den sinn und macht uns sehnend krank, doch durch ein süszes weh Fleming
bibl. des lit. vereins 82, 123 (1632);
zumeist gilt sie einem geliebten wesen: von groszem wee, dasz dich nit seh, mir kombt so schwAeres leiden Spee
trutzn. (1649) 38; doch wollte sich dann in wunderbaren schauern das namenlose weh eines unaussprechlichen verlangens regen E. Th. A. Hoffmann 12, 21
Grisebach; entspr. 10, 146; das meint der edle Hildegast wohl nicht, der sich im süszen weh für euch verzehrt de la Motte-Fouqué
dram. dicht. 1, 123; wenn ich nach den lichten räumen jener berg' hinüberseh', überschleicht es mich wie träumen, faszt mein herz ein dunkles weh. und mir ists, als wohne drüben meine braut und harr' in schmerz Lenau
ged. (1857) 1, 28; wenn ich ... getrieben von jenem geheimnisvollen weh ... zurückkehrte Storm
werke (1899) 1, 199. II@B@3@c@dδ)
die sehnsucht nach der heimath ist weh
bei Haller: bald schleicht ein weh durch meine matten glieder,
der in seinem heimwehlied 'sehnsucht nach dem vaterlande' (1726)
v. 25
sein schweizerwort heimweh
meidet (Kluge
zs. f. d. wortf. 2, 238).
das schriftsprachlich gewordene heimweh
setzt Storm
voraus: aber ihre (
Isotens) augen quellen über, aus weh nach der heimath, aus furcht vor der fremde, wo sie des greisen königs gemahl werden soll
sämtl. werke 1, 47 (
späte rosen). II@B@3@c@eε)
als '
liebesgram'
ist weh
seit H. Sachs
möglich: ich musz mein ye wol spotten lassen. noch ist mein hertz mit wee besessen
fastn. 4 v. 39
Götze (1533); ein seltsam weh, ein stilles bangen drückt das holde paar Wieland 5, 80
Hempel (
Oberon 6, 11); die eifersucht quält manches haus und trägt am ende doch nichts aus als doppelt wehe Göthe
Weim. I 4, 94; doch dieser holden reiterin begegnen liesz mir das süsze wehe, womit uns goldne liebesstunden segnen Immermann I 2, 26
Koch (
Merlin); wie bebt und pocht vor weh und lust mein herz und brennet heisz Heine 1, 28
Elster. Weigand
wb. der synonymen 23, 660
grenzt den begriff gegen pein so ab: mancher schwärmerisch verliebte liebt seinen liebesschmerz und nennt sein leid selbst ein süszes weh; aber eine pein ist es ihm nicht, sonst wünschte er es los zu sein,
doch übersieht seine abgrenzung das compositum liebespein. II@B@3@c@zζ)
vereinzelt im 18.
jahrh. ist weh '
kränkung': entdecke mir dein kränkend weh Chr. Stolberg 1, 64; noch stammelte die zunge die letzten empfindungen über das erlittene weh Klinger 3, 135 (
Faust); wenn der mensch unverschuldetes weh ... vergessen könnte 4, 5 (
Raphael). II@B@3@dd)
synonyma neben weh
sind geeignet, dessen bedeutung einzugrenzen und in ihre verschiedenen schattirungen zu zerlegen: II@B@3@d@aα)
von früh an steht weh
neben ach,
als klage über inneren druck neben der über körperliches leid, soweit die beiden in älterer sprache differenzirt sind. II@B@3@d@a@aaaa)
die verbindung kann lose sein: die zv der linchin hant stent di heiʒit er in daʒ ewige fur gen, dâ nit in ist dan ach, weinin unde wê, dan vz in cumint si nimir me
jüngstes gericht in Hoffmanns
fundgruben 2, 137, 12; darnach so trett ain mynner ain, als ich vor hab gesprochen, daʒ weder we, noch ochen gelt, veintschaft, noch ellend in des mit nichten wend, er trag ain lieb getriues hertz Hätzlerin 240; da hub sich an wee, ach vnd not Spreng
Äneis 31
a; endlich, da ihn das ach! das entsetzliche weh! übermannet Herder 3, 13
Suphan. II@B@3@d@a@bbbb)
als dichterische formel gilt seit dem 11.
jahrh. ach und weh,
die beiden interjectionen zunächst als citat in den satz gestellt neben verba des rufens und hallens: die schrient ach unde we
exodus 142, 18
Diemer; dein blöder sinn geht offt dahin, ruft ach und weh Gerhardt
lieder 3, 329
a Fischer-Tümpel; hierüber rieff er offt mit seufftzen ach und weh Rist
Parnasz (1652) 247; ein heiszes ach und weh quoll aus des hertzens grund Neukirch
in Hoffmannswaldaus
u. a. gedichte (1697) 2, 12; das ach und weh der creatur und deine miszethat an ihr hat laut dich vor gericht gefodert Bürger 70
b (
d. wilde jäger); wenn die nachtigall verliebten liebevoll ein liedchen singt, das gefangnen und betrübten nur wie ach und wehe klingt Göthe
Weim. I 2, 120.
gleichfalls von haus aus mit dem vollen gefühlston, der der interjection gebührt, sind präpositionale verbindungen gesprochen zu denken: nun weil sie furen auff der seh, unwissent, in zu ach und weh, trancken sie beide das bultranck H. Sachs 12, 142
Keller. namentlich aber mit ach und weh,
das neben den verben sterben, trauern, quälen
steht: noch muoszt sterben mit ach und wee
N. Manuel
totentanz str. 64
Bächtold; vnd wenn er so nach seinem sparn mit ach vnd weh ist hingefahrn Ringwaldt
laut. wahrheit v. 30 (1598); sein ehegemahl Philace beklagt jhn mit ach vnd wehe Spreng
Ilias (1610) II 25
b; da musz er denn die unerhörten plagen mit ach und weh in ewigkeit ertragen Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 42; wen strengen richters spruch zur langen qval verteilt, sein leben kümmerlich mit ach und weh zurädern: dem darf kein zuchthaus nicht der kräfte mark entädern Stieler
sprachschatz, vorrede (28).
der volle gefühlston ist längst verloren, wo ach und weh
als object oder subject in den satz eingebaut ist: ich vant ach unde wê, und siufzec manec herze
Parzival 302, 12; ach und we wirt von uch genommen nummer me
Alsfelder passionsspiel 4669
Grein; schaiden pringt mir ach vnd wee Hätzlerin 193; (
in der ee) entpfündt ich nüt dann ach vnd wee Gengenbach 60
Goedeke; jetzt trotzt er ihrem ach und weh Gotter 1, 34; und wo-n-i geh und steh is lautar ach und weh
volksschauspiele in Bayern 184
Hartmann. II@B@3@d@a@cccc)
in prosa setzt der ausdruck erst zu ende des 15.
jahrh. ein: do erhuob sich ein geschrey under des grafen her von ach und wee
Tristrant 129, 9
Pfaff; schon neben den verben des rufens ist hier nirgends mehr der interjectionale klang vernehmbar: darber sie anfieng zeter, ach vnnd weh zuschreien B. Krüger
Clawert (1587) 21
neudr.; so gehts an mit ach und weh
Philander 1, 151; sie haben alle ach und weh über ihn geschrien Chr. Reuter
Schlamp. krankheit (1696) 100
neudr.; ach und wehe rufen Rädlein 1083; nichts als ach und weh seuffzen Ludwig 2412; alle caffeegesellschaften, alle wochenstuben, schreyen ach und weh Rabener
schriften 3, 374 (1752); liesz ... ach und weh erschallen Musaeus
volksmärchen 1, 9
Hempel. die präpositionalen verbindungen entfalten sich in prosa nicht recht: warum müssen wir so gebunden seyn, und jeden tropfen lust mit ach und weh erkaufen Heinse
werke 4, 108
Schüddekopf (
Ardinghello 1, 209); kündigt sich immer mit ach und weh an
maler Müller
werke 2, 14 (1811).
als subject und object steht es dem matteren ton entsprechend früh: und bleybt da nichts denn sunde, finsternis, ah und wehe Luther
Weim. 18, 481 (1525); vnd Lazarus het ach vnd wee Schwarzenberg 157, 2. II@B@3@d@a@dddd)
die umkehrung weh und ach
steht nur im vers, reim und melodik zu liebe: wan der die helle brach, der füege in wê unt ach Friedrich v. Hausen
Minnes. frühl. 49, 3; (
die knechte) hôrint wê vnd ach unsanfte dicke erweckit, mit scarphen worten erschreckit Hugo v. Langenstein
Martina 129, 92
Keller; vnd diese wort mit weh vnd ach in seinem paroxismo sprach Ringwaldt
christl. warnung F 2
b (1582); denn so wird ein thränen-bach, seufftzen, winseln, weh vnd ach mehren deine schmertzen
Venusgärtlein (1656) 176
neudr.; er ... seufzet weh und ach Pfeffel
poet. versuche (1812) 1, 31; was half sein weh und ach? 6, 124; zu Hannchens thür, da kam ein geist mit manchem weh und ach Herder 5, 187
Suphan; er rafft sich auf durch wald und feld, und flieht laut heulend weh und ach Bürger 71
b (
d. wilde jäger); röslein wehrte sich und stach, half ihm doch kein weh und ach Göthe
Weim. I 1, 16; besonders lernt die weiber führen; es ist ihr ewig weh und ach so tausendfach aus einem punkte zu kuriren Göthe
Weim. I 14, 94; der könig sprachs und ging, und alle folgten nach, und Rostem blieb allein mit seinem weh und ach Rückert
werke 6, 530
Beyer; sterben musz er mit weh und ach Mörike
werke 1, 160
Göschen. II@B@3@d@bβ)
sonstige äuszerungen von leid neben weh
sind mannigfach, aber nicht häufig: neheines leides ist si (
die hölle) wane, dâ ist wuoff unde wê
d. sprachdenkmale des 12. jahrh. 51, 16
Karajan; daraus entspringt unss weh und clag
Endinger judenspiel 28
neudr.; habt frewd und lust: was habt jhr mehr als endlich weh und klagen? Gerhardt
lieder 3, 321
Fischer-Tümpel; wilt von mir haben, dir einen bericht zu thun, was für wehe vnd klage die verdampten in der hell haben
volksbuch v. Faust (1587) 37
neudr.; vnd es wirt doch ein wehe vnd zittern viel grösser vnd schwerer seyn, als das ander
das.; Ceres voll von weh vnd zehren Opitz
poeterey 53
neudr.; mein vermögen ist ein liedt, und für allen weh und zehren S.
Dach 761
Österley; ich wehrte mich, schrie weh und zeter Tieck
schriften (1828) 1, 342; einen kerl ... welchem sie zetter, mord und wehe nachschryen
Philander 1, 609; und als man sie (
die hexe) in den kessel schob, da schrie sie mord und wehe Heine 1, 39
Elster; er ... rufe mit mir rache und weh Klinger
werke (1809) 1, 85; tage ... des wehs und jammers Tieck
schriften (1828) 1, 83; ach, es giebt so viel weh und jammer auf der welt G. Hauptmann
eins. menschen (1891) 87. II@B@3@d@gγ)
viel lieber steht weh
neben bezeichnungen inneren leides. II@B@3@d@g@aaaa)
zufrühst neben leid
selbst (
s. auch wehleidig): owe ach hút und iemer me, ich han leid und menges we
schauspiele des mittelalters 1, 295
Mone; so namentlich im 16. 17.
jahrh.: das da (
im ewigen leben) kein leid noch wehe mehr sein vnd weder welt noch teufel mehr vns plagen vnd betrüben wird Luther
Jen. 6, 232
a (1534); wo ist weh? wo ist leyd? wo ist zanck?
sprüche 23, 29;
seitdem dichterisch: (
die mönche haben) ein strengen orden angefangen, in härem hembt uud grawen kleidt, auff hartem lagr in weh und leidt Dedekind
papista conversus C 3
b; erforsch sein hertzenleyd und weh H. Sachs 1, 120
Keller; ein jeglicher war voll von sorgen, weh und leyden Sidney
Arcadia übers. v. Opitz (1643) 223; wil die seele stets wohl leben, musz sie sich der lust begeben, die nichts hat, denn weh und leid Rist
Parnasz (1652) 870; mit der zeit wird leid und weh dich bald beziehn Stieler
geharn. Venus (1660) 102
neudr.; II@B@3@d@g@bbbb)
wenig weiter reicht in der dichtung die verbindung angst und weh (
stets in dieser folge): darnach volgt ewig angst vnd we Schwarzenberg 158, 1; (
gott) vertreibt von in all angst und weh Sachs 1, 160
Keller; ersäuf all angst und weh im meere deiner gnaden Gerhardt
lieder 3, 301
Fischer-Tümpel; entsprechend 3, 336. 370; (
im himmel) wo verdrusz und angst und weh der auserwehlten ewig schonet Günther (1735) 12; falsche Doris, nun adjeu, mich bringt deine glatte stirne nun nicht mehr in angst und weh Neukirch
in Hoffmannswaldaus
u. a. gedichten (1697) 1, 346; o tag voll angst! o stunden voller wehe Neukirch
ged. (1744) 68. II@B@3@d@g@cccc)
in der zusammenstellung mit schmerz
schwebt weh
zwischen '
körperlichem'
und '
seelenleid': als solches die Sarraide gehOeret hatte (
die hinrichtung ihres sohnes), huhb sie ihre augen auf gen himmel ... sie ward von weh und schmerzen so eingenommen, dasz sie nichts mehr sagen konte Zesen
Ibrahim (1645) 2, 186; wie muste der (
Jacob) sich plagen, in was für weh und schmerz, in was für furcht und zagen sank oft sein armes herz Gerhardt 285, 37
Goedeke; ietzunder wird sie dich gleich hertzen mit der hand, bald einen sporenstich in deine seiten tuhn, dasz dir für weh und schmertzen die augen übergehn Rachel
sat. ged. (1664) 21
neudr.; habt nicht ganz vergessen, was, zum weh euch, mir zum schmerzen, euch getrennt vor dessen Rückert
werke (1867) 1, 127. II@B@3@d@g@dddd)
neben wechselnden synonymis verwandter art begegnet weh
gelegentlich im 16.,
häufiger seit dem ende des 18.
jahrh.: wenn wir nicht gefallen weren, so were es also gangen, das alle hetten frucht mssen tragen, denn der segen war gesprochen, das es on wehe und bOese lust solt zu gehen Luther
Weim. 24, 79;
reus hab mussen sein kreutz mit tragen
usque an die richtstette
vel quod huic homini zu trotz, weh und mherer schand 28, 384 (1529); demnach ... ist mein freundlich christlich vermanen, wolt solche wehe vnd vnfall in den lieben Christum sencken
Jen. 6, 205
b (Erl. 55, 62); von Holoferno vnd seim wAesen, des gleychen ouch von andren mee, die er (
der wein) hat bracht in not vnd wee H. R. Manuel
weinspiel (1548) 1134
neudr.; sol der misgunst gram und weh uns noch vor der zeit verzehren? S. Dach 715
Österley. darumb kan ich keiner gnade mehr hoffen, sondern werde wie der Lucifer in die ewige verdammnusz vnd wehe verstoszen
volksbuch v. Faust (1587) 31
neudr. die neueren dichter heben durch das synonym eine seite der bedeutung von weh
widerholend hervor, weshalb weh
meist an erste stelle tritt: bis er ohne weh und krankheit die augen zuschlosz Herder 13, 288
Suphan; im neuen jahre glück und heil! auf weh' und wunden gute salbe! auf groben klotz ein grober keil! auf einen schelmen anderthalbe Göthe
Weim. I 2, 223; und was noch übrig ist von schreck und weh, nimmst du, o herr, durch deinen milden blick 10, 260 (
nat. tochter 248); mit kummer, trübsal und weh
maler Müller
werke (1811) 1, 61; ein wehe nur und eine schande wird bleiben, wenn die nacht verschwand: dasz in dem eignen heimathlande der feind die bundeshelfer fand Storm (1872) 1, 100; und ruhig wink' ich, wenn in weh und sehnen sich nächtige schatten meinem lager nahn Scheffel
frau Aventiure 154. II@B@3@ee) weh
neben gegensätzlichen begriffen. II@B@3@e@aα)
aus freier gegenüberstellung, wie sie etwa bei Gottfrid
vorliegt: eʒ enstât nu niht als wîlent ê, dô wir ein wol, dô wir ein wê, eine liebe und eine leide gemeine truogen beide
Tristan 19484; nim einweder hie din wol oder dort din we an enden, doh nim hie din we dar an genende vmb dort iemer werndes wol nach dirre welte ellende
Heidelb. liederhs. 1210, 26
Pfaff, oder bei Singenberg: ouch sint gewis swaʒ man wil vertriben, daʒ da daʒ wol vil lihte an dem ende wirt ein we
das. 553, 4
erwächst die feste formel wohl und weh '
gutes und schlimmes ergehen'.
die umgekehrte folge weh und wohl
ist vereinzelt durch reim und melodieführung veranlaszt: kein angst noch quaal, kein weh noch wol vns scheiden sol, dich lieb ich mein täubelein
Venusgärtlein (1656) 28
neudr.; mich deucht, dein neuer stand läst meine kühnheit hoffen, dasz ich sein weh und wohl durch diese kunst getroffen Günther 539. II@B@3@e@bβ) wohl und weh
in dieser folge meidet den hiatus, ist nhd. auch mannigfacher zu reimen: sein anvertrautes hertz, mit der er in der eh' hat auszgestanden leid und freude, wol und weh Rist
Parnasz (1652) 334; er ist der herrscher in der höh, auf ihm steht unser wol und weh Gerhardt
lieder 3, 386
b Fischer-Tümpel; sondern fest in wol und weh als ein felsen bey mir steh 419
b; ich fühl ein ewig wol und weh ... wenn ich in deiner gnade steh Drollinger
gedichte (1745) 15;
parallel stehende formeln wie lieb und leid
stellen auch den freundlichen begriff voran: sein lieb und laid, wol und wee scholt man guten gesellen sagen
fastnachtsp. 778, 29
oder gleiten vom einsilbigen ausdruck auf den zweisilbigen über: leute die glauben, alles stehe mit seinem leib und leben, mit seinem wohl und wehe nur zu ihrer verfügung da G. Keller 4, 51. II@B@3@e@gγ)
so ist wohl und weh
seit dem 15.
jahrh. in vers und prosa der herrschende ausdruck, zunächst für das ergehen des einzelnen: selig und wolselig ist der mensch, den got lert mit wol oder mit wee scheiden von diszen zeitlichen lüsten diser welt Keisersberg
brös. 2, 72
a; wie sie aus der vögel schreyen ... künfftiges wohl und weh abnehmen könten
Faustbuch des christl. meynenden 21
Szamatólski; ich und dein vatter in der eh haben gelitten wol und weh mit einander wol dreyssig jar H. Sachs 17, 53
Keller-Götze; in wohl und weh, wie's um ihn sei, mein herz noch imm'r ihm wohne bei Herder 25, 165
Suphan; des lebens becher zu genieszen, in welchen wohl und wehe flieszen und diesz durch jenes zu versüszen das ist des weisen wissenschaft Gotter 1, 230; wir feierten dein kläglich miszgeschick, du lieszest uns zu wohl und weh zurück Göthe
Weim. I 3, 20;
entspr. 23, 207; das wohl oder wehe dieser familie Kretschmann
sämtl. werke (1784) 3, 244; leite mich in einer sache, wovon das wohl oder weh meines lebens abhängt Wieland
werke (1856) 21, 158; Karoline kannte nun ... die verborgensten wurzeln, aus denen der freundin wohl und weh keimte Holtei
erz. schriften 2, 148; wohl und wehe der menschen D.
F. Strausz
schriften 6, 65; sobald es sich um mein persönliches wohl oder weh handelte G. Keller
werke 2, 21; mir wäre alles gleichgültig. auch wohl und wehe des nächsten? Ebner-Eschenbach 4, 309. II@B@3@e@dδ)
vom wohl und wehe
eines gemeinwesens spricht man kaum vor Herder: vielmehr haben ihm seine reine patriotische oden über Deutschlands wohl und weh ... den meisten ruhm erworben 27, 207
Suphan; entspr. 17, 153; wo jeder einzelne das allgemeine wohl und weh zum vorwand nimmt Göthe
Weim. IV 29, 118; die wenigsten hatten Italien und noch wenigere Rom gesehen, dessen wohl und wehe ihre letzte sorge war
M. J. Schmid
geschichte der Deutschen (1778) 1, 84; hier wurde nun ernst und feierlich verhandelt über das wohl und wehe des staats E. Th. A. Hoffmann
werke 6, 13
Grisebach; entspr. 10, 37; über wohl und wehe des ganzen (
klosters) wird entweder von diesen obrigkeiten besonders, oder von allen stimmfähigen mönchen zugleich im gemeindesaal entschieden Fallmerayer
fragmente 2, 37; vor wenigen jahren erst war Napoleons stolzes wort erklungen, die vermischung des wohles und wehes der kirche mit den interessen eines staates vom dritten range, 'dieser scandal', sei zu ende Treitschke
hist. u. pol. aufsätze 1, 248;
entspr. d. gesch. 3, 528; wovon wohl und wehe einer nation, eines stammes, eines geschlechtes abhängt Scherer
lit.-gesch.7 7.
vereinzelt spricht Herder 13, 292
Suphan vom wohl und weh des klimas, Bürger 320
b vom wohl und wehe der poesie. II@B@3@e@eε)
neben andern gegensätzen wird weh
nie formelhaft. nicht selten freud und weh: er hat auch mir von Adams zier ein gehilffen mir zugstelt die mir beysteh in freud vnd weh Forsters
liedlein (1556) 199
neudr. mit weiser huld vertheilt das schicksal weh und freuden Uz
werke 113 (49, 41)
neudr.; mein herz war wieder erneuert bey ihrem anblick, in alle freude, in alles weh
maler Müller
werke (1811) 1, 94.
länger hält sich glück und weh: Berlin ... sah hier gleichsam als im spiegel sein glück, und andrer städte weh Neukirch
ged. (1744) 6; du willst mein glück, Myrtill, und mehrst doch nur mein weh Gellert
schriften (1765) 3, 277; der greis legte ... den keim des künftigen glücks und wehs in das herz seines sohnes Klinger 4, 9; erst froh, dann schmerzlich, und zuletzt kein gipfel des glücks, kein abgrund des wehes, dem nicht ein laut wäre gewidmet gewesen Göthe
Weim. I 29, 161; bei deinem weh, bei deinem glücke I 1, 77; denn durch des groszen weltgeschicks verkettung ist unser glück für dein weh eingetauschet Rückert
werke (1867) 1, 35; dem bösen (
kann) hier nicht soviel glück geschehen, dasz ihm nicht gegen sein künftiges weh wie nichts däuchte Gervinus
gesch. d. d. dichtung 2
5 15.
erst im 19.
jahrh. wonne und weh: mit welchen gefühlen von wonne und weh Arndt
sämtl. werke 1, 201; aus den letzten worten drang ein ton verächtlicher gleichgültigkeit, der den lehrer mit weh und wonne durchrieselte Holtei
erz. schriften 19, 15. II@B@3@e@zζ)
andere paarungen sind selten und auf die poesie beschränkt: und weder Phrynens schosz, noch eine folterbank wird über ihn erhalten können, die lust ein gut, den schmerz ein weh zu nennen Wieland
werke (1853) 3, 236 (
d. leben ein traum 8); mancherlei, mein vater, ist des lebens wonn' und weh Göthe
Weim. I 39, 211; gehrt' ich nach wonne, weckt ich nur weh R. Wagner
walküre 1 (1853); ein freier sinn in lust und weh schwelgt gern in sang und reim Körner
werke 2, 84
Hempel; ein lied mein morgen- und mein abendsegen, ein lied für jeden jubel, jedes weh Herwegh
ged. eines lebendigen (1841) 89; und in mir singt wie schwäne sehnsüchtig lust und weh Ludwig
schriften 1, 36. II@B@3@ff)
zu weh '
seelenleid'
gehören mehrere zusammensetzungen. sie folgen hier in alphabetischer reihe, in sperrdruck die in früheren bänden übergangenen: abschieds-, angst-, aus-, beicht-,
denker-, erden-,
fort-, gedanken-, heim-,
heimat-, hinaus-, höllen-,
künstler-, liebes-, nach-, trennungs-,
wald-, weiber-, welt-, wittwer-, wüstenweh. II@B@44) weh '
körperlicher schmerz' (
dafür in der kindersprache wehweh,
s. dieses)
definirt der arzt Höfler 788: einzelner plötzlich eintretender schmerz als gemeingefühl, das aber nach der örtlichkeit differenziert werden kann. im gegensatz zu schmerz nicht qualitativ bestimmt, es wird vorausgesetzt, dasz jeder am eignen leib erfahren hat was weh ist. leiden ist ein durch quantität und dauer bestimmtes weh.
zunächst ist dem hinzuzufügen, dasz auch der schmerz des thieres weh
heiszen kann: das weh oder die kranckheyt, welche die Frantzosen die rindshammer vnd marteau nennen, mag man ausz dem erkennen, wann die rinder vber den gantzen leib schaudert Sebiz
feldbau (1580) 127
a.
zu den einzelnen punkten der definition ergeben sich folgende bemerkungen: II@B@4@aa)
die vereinzelung des leidens wird sprachlich selten ausgedrückt: er het ein frauwe hochgemeidt, die het ein wee (thuon ich vch kund) wann das ir zuo der selben stund kein meister nit gehelffen mocht Klingler
vom spiel (1520) v. 339
in Goedekes Gengenbach 381; grüne rautenbletter vnd rein gerstenmeel durch einander gestoszen vnnd plasters weisz auff die schmertzlichen augen gelegt, benimpt das wee Bock
kräuterbuch (1551) 27
a; hat der mensch irgend ein weh, so fühlt er sich krank B. v. Arnim
frühlingskranz (1844) 35; und ob sie auch durch manches weh zu tödten dich bestreben R.
Z. Becker
Mild. liederb. (1799) 17; viele weiber, viele flöhe, viele flöhe, vieles jucken — thun sie heimlich dir ein wehe darfst du dennoch dich nicht mucken Heine 1, 411
Elster (1851). II@B@4@bb)
der plötzliche eintritt ergiebt sich bisweilen aus der natur des leidens: von wee ist jm geschwunden,
dolor animam clausit Maaler 487
a; onmacht vnd wee im hertzgrüblin,
cardiacus morbus 220
b; dieser (
der erblindende Tiresias) stand sprachlos, denn weh' umstrickte die kniee fest ihm, die stimme hielt bange bestürzung zurück A. W. Schlegel
Athenäum 1, 135 (1798);
er wird ganz selten sprachlich bezeichnet: grumpt dir der bauch villeicht dermassen ... wo dich das weh getroffen hat, da lasz jn (
den magenwind) farn mit lautem schall Scheidt
grobianus (1551) 1243
neudr. und verbietet sich gelegentlich aus der situation, so bei der ewigen höllenstrafe, dem langsamen hungertod und der erschlaffung: erbarm dich vatter Abrahe, mein sie in diser flammen wee Schwarzenberg 110, 2; (
um ihres glaubens willen) man dise schande in bot daʒ si do solden sterben und lesterlich verterben alsus in des gebrechen we
passional 36, 31
Köpke; ich radt, man geb jn fürter mee kein pfennig, das sye hungers wee ersterben und durch armuots not Hutten
clag vnd vormanung 565
Balke; die götter sahn aus lichter höhe die erdensöhn' erschlaft, und sannen mitleidsvoll dem wehe zum labsal neuen saft Voss
ged. (1802) 4, 193.
plötzlicher eintritt ist demnach eine mögliche, keine nothwendige eigenschaft des körperlichen wehs. II@B@4@cc) '
schmerz als gemeingefühl'
ist weh
beim mangel örtlicher bestimmungen: ob eʒ die göte mir gebüten sô wolte ich gerne sterben ê, dur daʒ ich niht daʒ grimme wê müest an ir lîbe schouwen Konrad v. Würzburg
trojanerkrieg 23274
Keller; krop Brun int water van grotem torn unde beghunde van grotem we to brummen
Reynke de vos (1498) v. 767; die aloe bringt bittres weh, macht gleichwol rothe wangen Gerhardt
lieder 3, 315
Fischer-Tümpel; die jungfraw vermeynt, dasz er andere kranckheit vnd weh hette
Amadis 1, 70
Keller. auch wo positive bestimmungen fehlen, bleibt es gemeingefühl: weich das selbig end mit rosz öly ... also das es on we ausz gat Braunschweig
chirurgia (1539) 44
b; vnd hilff das mir das hertze mein fein sanfft gebrochen werde, vnd wie ein liecht ohn vbrig weh auff dein vnschldig blut vergeh Ringwaldt
handbüchl. D 4
a; ein mensch, der lose händel treibt ... der hat an seinem leib kein weh
laut. wahrheit (1598) v. 155; ihr schiesz ich in die haut, doch ohne weh, des schützens pfeil
pedant. schulfuchs (1673) 169.
damit ist weh
der gegebene ausdruck für ein leiden, das nicht näher genannt wird, aus dem zusammenhang hervorgeht, undefinirt bleiben soll. II@B@4@dd)
doch auch ohne dasz unterscheidende bestimmungen hinzutreten, wird weh
bezeichnung specifischer leiden, am frühesten der ischias: das (
zipperlein) an der hüfft das wehe genannt, ischias Comenius
janua (1644) 88.
viel verbreiteter ist weh
schlechtweg für '
epilepsie',
das in der mundart des badischen oberlands weithin (in Todtmoos Bleibach Fröhnd Wolterdingen)
lebendig ist, doch auch in den nachbarlandschaften: die epilepsie, fallsucht, wird falligswai, waidâg, waiə schlechtweg genannt Buck
med. volksglauben aus Schwaben (1865) 14; er het e we 'epileptische krämpfe' Martin-Lienhart 2, 776; s wé '
die epilepsie, das fallende weh'. er het's we '
leidet an epilepsie'. bluet fome g'chöpfte drinke isch guet gege's we Seiler 312; bös-weh
n. 'epilepsie',
auch weh ohne beysatz Stalder 1, 207. 2, 440.
mit epilepsie verwechselt wird die eclampsia infantium, kinderfrais: fallende sucht oder siechtag,
epilepsia, morbus caducus. diese kranckheit greifft junge so wol als erwachsene persohnen
an. bey den jungen kinderen heiszt man sie kindlein-wehe, weele Zwinger
sicherer u. geschwinder arzt (1703) 424; ja es können die kinder offt etliche wochen durch damit geplaget werden, endlich aber, wenn indessen gute verhütungs-mittel underlassen werden, entstehen die vollkommenen gichter oder weele darausz, und nehmen die kinder mehrmahlen dahin 425
f. in Elsasz-Lothringen bezeichnet weh '
skropheln': s kind hat s ganze gesicht voll weh 'wunde, geschwür' Follmann 534; dis kind het s ganz gsicht voll we 'skrophulöse ausschläge, drüsenschwellungen Martin-Lienhart 2, 776;
hierher z. th. auch: weh
n. in kathol. ortschaften von Hagenau bis oberhalb Zabern eine nur durch religiöse masznahmen (
wallfahrt, gelübde usw.)
heilbare, mit einem ausschlag verbundene oder in einer eiternden wunde bestehende krankheit. für einzelne krankheiten giebt es bestimmte wallfahrtsorte, z. b. Hägen bei Zabern für die hüftgelenksentzündung, daher diese das Häjewe
genannt, Flexburg im kanton Wasselnheim für skrophulose, daher das Flëxburjerwe
das. II@B@4@ee)
durch vortretende bestimmungen wird eine ganze reihe von krankheitsnamen gebildet: II@B@4@e@aα)
unter den differenzirungen des wehs
nach symptomen spielt das kalte weh
die gröszte rolle, das malaria (
wechselfieber, s. quartanweh t. 7, 2321),
eintagsfieber (
schüttelfrost)
und febris rheumatica umfaszt, ohne dasz sich die älteren belege der einen oder andern art sicher zuweisen lieszen. die wörterbücher geben kalt wee
als übersetzung von febris schlechthin: febris est pestis quedam: seu morbus: das kaltwee, oder feber
gemma gemm. (1508) k 2
a;
febris, das kaltwee, oder fieber Dasypodius (1537) 71
c; kaltwee, fieber.
febris, febricula 360
c; febris ... das feber, das kaltwee, der frerer Junius
nom. (1577) 308
b und entsprechend Golius (1582) 261 (
s. o. frörer
t. 4 I 249);
febricula ein feberle
vel kaltwehle Diefenbach
gloss. 228
b aus Emmelius
u. Schelling
lexicon trilingue (1590); das kalte wehe, fieber,
n. la fieure Ravellus (1616) 401; feber, das kaltweh, der ritte; das feber haben, am feber kranck ligen, das kaltweh haben, mit dem feber behafftet sein Emmelius
sylva quinqueling. (1630)
s. v. feber; das kaltwehe,
febris Frisius
dict. (1703) 2, 303; das kalte wehe, fieber,
la fievre, febris Pomey
groszes wb. (1709) 338; das kalte wehe, fieber Rädlein (1711) 1038.
nur wenn kalt weh
unterschiedslos auch für die temperaturerhöhenden fieber gebraucht wurde, konnte Kilian (1777) 319
auf seine etymologie verfallen: '
dicitur koude
et koud-wee
q. d. dolor aut morbus calidus: sicut febris à feruore Latinis',
neben der der näherliegende richtige gedanke: '
nisi mauis koudwee
dici febrem frigidam, à frigore, horrore vel rigore febrem intermittentem prœcedente'
s. 320
zurücktritt. genauere begriffsbestimmung ist in den wörterbüchern selten: quartana s. febris: das viertagig kaltwee oder ritten
gemma gemm. (1508) x 1
a; kaltwee oder fieber, das nur eyn tag weret.
ephemerinus, diaria febris. kalt wee das von feüchtigkeyt kumpt, da der leib auszwendig heysz, vnnd inwendig kalt ist.
epialos Dasypodius (1537) 360
c,
aber auch technische werke bieten wenig faszbares: febris, das kalt wee in gemeyn. febris acuta, das verborgen truckend kaltwee Gersdorff
feldbuch der wundarznei (1530) 99
b; wider das stAetwAerend fieber, welches man das kalt weh nennet Sebiz
feldbau (1579) 66; kalt-wehe
febris tertiana Zwinger
sicherer u. geschwinder arzt (1703) 704;
vollends unbestimmt sind die litterarischen belege: wenn dich der ritt schüttet nur ein tag vnd das kalt wee hast, so ist alle hübsche hinweg Keisersberg
brös. (1517) 1, 106
a; zuoletst starb er im fünfften jar seines reichs am kalten wee S. Franck
chron. (1538) 71; das dich s kalt wee ankumm als filtz H. R. Manuel
weinspiel (1548) 3143
neudr.; das kalt wee würd noch vil zitterns geben, besonders den barfüszern, sie ziehen dan vor offen Fischart
groszm. 16
neudr.; wie er dann ... nie keine kranckheit ... ausgestanden, ohn allein die vier letzte jahr über seines lebens, da ihn das kalte weh oftmals angestoszen Weller
deutscher adler (1666) 33; Sabinus (
ein arzt) hat mir zwar das kalte weh vertrieben Grob
dichter. versuchung (1678) 18.
nach dem volksglauben kann man die krankheit aus angst bekommen: beydes hohe und niedere soldaten waren mir feind, umb dasz ich, trutz einem unter ihnen allen, das hertz hatte, etwas zu unterstehen und ins werck zu setzen, das die gröste tapferkeit und verwegneste hazarde erfordert und darüber sonst manchen das kalte wehe angestoszen hätte Grimmelshausen 3, 212
Keller (
Courage c. 9).
als helfer gegen das kalte weh
wird der gichtheilige Andreas angerufen (
urquell 1897
s. 77),
doch nicht allein: er (
könig Sigmund von Burgund † 523) ward ... für einen heiligen verehret, vnd für das kalt wehe angeruofft Stumpf
Schweytzer chronick (1606) 201
b; sanct Paulus, sanct Bartholomeus, die zween söhne Zebedaeus, der heilige sanct Wenzel, und der seelige Stenzel, die seyn gut vors kalte weh, und behüten für donner und schnee Gryphius
Horr. (1663) 28
neudr. und danach G. Hauptmann
Flor. Geyer 3188.
als arznei wird aus der Schweiz, wo allein der ausdruck fortlebt (
id. 3, 240)
angegeben: viertens ist der adler stein gut für das kalt wehe zu pulffer gestoszen in weisem wein getrunken, ist brobath Zahler
krankheit im volksglauben des Simmentals (1898) 84.
auch das kalte weh
begegnet als thierkrankheit: wie auch die hirtenpfeif vnd das weydgesang den kranken geysen jr kalt wee benemme Fischart
ehzuchtb. 224
Hauffen; wo das maulthier das kalt wee bekompt, so gibe jm grün köl zuessen Sebiz
feldbau (1580) 164.
neben kalt weh
begegnet die zusammenschreibung kaltweh
mitunter beim selben schriftsteller, doch stets mit innerer flexion, s. o. 5, 94,
das. 86 das kalte, kalt. II@B@4@e@bβ) das fallende weh,
die krankheit bei der man fällt, mit verschobener beziehung des part., ist der deutsche name der epilepsie, der seit ende des mittelalters das schon ahd. fallandiu suht
ablöst; andere varianten s. th. 3, 1286.
er wird durch die kürzung weh
vorhin II B 4
d vorausgesetzt, hat der gröszeren seltenheit der epilepsie entsprechend im sprachleben nie so breiten raum eingenommen wie das kalte weh,
ist aber älter bezeugt als dieses: der künig Davit huot des viches von gehorsamy wegen sînes vaters. do sach er daʒ ain wîb das fallend wee hett oder die grosse sucht Mones
anzeiger 12, 352;
cataplexia (
so!) wallent we Diefenbach
nov. gloss. 79
aus einem lat.-hd. voc. aus Würzburg, anfang des 15.
jahrh. (
darin w
statt v
in deutschen wörtern häufig);
cataplexia die fallend sucht, das fallend wee
das. 28
aus dem voc. rerum von J. Keller (
Augsburg 1468);
ἐπιληψία ... das fallend wehe, fallendt siechtag Frischlin
nom. (1586) 81
a. 86
a; Hippocrates will nicht recht offentlich bekennen, dasz die bösen geyster die leut einnemmen und besitzen, sondern sagt, es sei das fallend wee Fischart
Bodins daemonomania (1581) 448.
der ausdruck ist heute noch lebendig, im südwesten des gebiets, dem die alten belege angehören: das fallende weh Buck
med. volksglauben aus Schwaben (1865) 46. 50; s falle(n)d (gfallet) wē
schweiz. Id. 1, 751
aus Appenzell, Bern, Gallen, Solothurn und Wallis, Stalder 2, 440
aus den Vierwaldstätten, Zug, Zürich, Schaffhausen, Glarus; s fallende we, fallede we Martin-Lienhart 1, 106. 2, 776; s fallet weh 'fallsucht' Follmann 534.
Schweiz und Elsasz kennen neben dem neutr. ein fem., verursacht offenbar durch das parallel stehende sucht: d falle(n)d wē
Id. 1, 751; d fallendi, fallede, falledi we 'epilepsie' Martin-Lienhart 2, 776.
in Schwaben und der Schweiz wird das part. neuerdings durch das adj. fallig
ersetzt: Buck 65, H. Fischer 2, 928. 932,
Id. 1, 751
f.,
entsprechend einer neigung der mundart, die auch siedig
vor siedend, glüig
vor glühend
bevorzugt. heilmittel giebt Buck
an: armensünderschmalz hilft gegen das fallende weh
med. volksglauben aus Schwaben 46, meerschweine (mêrseilə) sollen epileptiker im zimmer halten, dann verlieren sie das fallige weh 50,
dagegen: eichhörnlein soll man meiden zu essen, man bekommt gern das fallende weh davon 50.
das subst. bleibt gelegentlich als selbstverständlich aus: wachtelhirn ... einem menschen, der das hinfallende hat, ins gesicht geschmiert, vertreibt solches Hohberg (1695) 2, 791
b. II@B@4@e@gγ) das böse weh
ist die nd. entsprechung für fallendes weh,
nur mnd. nd. nl. ist sie bodenständig: rude is het unde droghe. se vordrift dat grone flecma, de bosen win unde dat starke hosten
nd. jahrb. 15, 132
aus einem mnd. arzneibuch von etwa 1400;
comitialis morbus ... sant Valentis plag, sant Veltis plag, das bosswee, die hinfallende sucht Junius
nom. (
Antw. 1577) 297; das böse wehe
n. schwere kräncke
f. l'epilepsie, mal caduc, le mal sainct Jean Hulsius
dict. 5(
von Ravellus 1616) 401; dat böse wê 'die fallende sucht' Woeste
westfäl. ma. 318.
was über diesen nd. kreis hinausgreift, sind wörterbücher, die eines vom andern abhängen u. deren keines sich auf den wortschatz einer mundart beschränken will: das böse weh,
epilepsia, morbus caducus Frisius
dict. (1703) 2, 303; das böse wehe
n. schwere kranckheit
f. l'epilepsie, le mal caduc Pomey
groszes wb. (1709) 338; das böse wehe, schwehre kranckheit, schwehre noth, die umfalle Rädlein (1711) 1, 1037.
in litterarischem gebrauch steht der vielgereiste Fischart
allein: solche kranckheyten von onmachten, schweimelung, hertzsperrung, geystverlierung, tropf, bösz wee und
s. Veltins leiden
Bodins dämonomania (1581) 331.
einmaliger euphemismus ist bös weh '
syphilis': da ist ain grose stuben gesein, ist halben vndermachet: in dem ainen thaill sendt die mann gesein vnnd inn dem anderen die frawen, die das bös wehe oder blatter haben gehabt; darin hat man sie gehaylet vnd in das (
guayak-) holz gelegt
Freiburger diöcesanarchiv 19, 64
aus Biberach um 1535. II@B@4@e@dδ)
andere specialisirungen nach symptomen bleiben vereinzelt: geschwollen weh '
geschwulst': die gar rote geschwulst hinzunemmen, machet eyn vberschlagens von violenblättern ... vnd steinklee: alle inn oxycrato gesotten vnd durch eyn sib gelassen, vnd entlich auff das geschwollen wee geleget Sebiz
feldbau (1580) 92; weiszes weh '
leucorrhoea mulierum': die weyssen wee,
alba menstrua Maaler 487
a; in den weibspersonen ist disz bad auszbündig wider das weisze weh Guler v. Weineck
Raetia (1616) 188
b; rotes weh '
ruhr': der rôt we daʒ haiʒet
cholera rubea. für den roten wee
Münchener hsn. bei Schmeller
2 2, 824; dat rôe wê 'die rote ruhr' Woeste 318;
hierher noch einige alte kunstwörter der thierarznei: hatt aber der habich das selb stechent wee in dem, das er dardurch die gesicht verlure, so sol man im geben von ainer solen warm zu essen Mynsinger
von den falken 52, 7
Hassler; für den flus und das wee in dem kopff (
des habichts) 52, 9; hartgeschwellung in der fug oder krümme des fuszes (
des pferdes), oder hinckendwee, auff frantzösisch
courbes Sebiz
feldbau 176 (1598,
noch nicht in der ausg. von 1580). II@B@4@ff)
hierher gehört die masse der zusammensetzungen mit -weh.
die ersten bestandtheile werden in alphabetischer folge gegeben, sperrdruck wie unter II B 3
f):
althaupt-, augen-,
bärmutter-, bauch-,
bein-, berg-, beutel-, blasen-, brand-, brust-, darm-, diech-, erb-,
faust-, Flexburger-, fusz-,
gallen-, geburts-, gehirn-, gleich-, glieder-, grippe-,
haar-, Hägen-, hals-, hand-, haupt-,
heiligen-, herz-,
herzgrüblein-, hirn-, hüft-, hühner-,
juck-, kalt-,
Kehrets-, kerb-, kindel-, kinder-, kindes-,
klauen-, kopf-,
kranzkopf-, kreuz-, lank-, laus-, leib-, lenden-,
lungen-, magen-,
mandel-, maul-, milz-,
mund-, mutter-, nach-, nasen-, nieren-, ohren-,
podagram-, quartan-,
ranzen-, rippen-,
ritten-, rücken-,
Sänkires-, scheide-, schinken-, schüttel -, seiten-, stein-, stirn-,
tag-und-nacht-, tanz-, taubhaupt-, todes-,
tränen-, turn-, vor-, wachs-, winder-, zahn-, zäpflein-, zungenweh. II@B@55)
als euphemismus ist ein seltenes wehe '
folter'
zu verstehen: nach dem Gombrecht judde etliche miszhendel begangen vnd erkant hait, inen witer mit wehe fragen Diefenbach
u. Wülcker 897
aus Frankfurter archivalien von 1506; (
mit?) wehe fragen,
torquere, torturae subjicere Scherz-Oberlin 2, 1963
nach einer Straszburger actennotiz. die dichterische figur das goldne weh
für '
der goldene pfeil'
theilt mit der vorigen die übertragung von der folge auf die ursache: der sklave rief ihm, als er aus der wunde das goldne weh ihm zog J.
N. Götz
bei Ramler
fabellese (1783) 1, 252. II@CC.
der plural tritt hinter dem reich entwickelten sing durchaus zurück. II@C@11)
bei wehen '
seelenleiden'
widerholt sich in rascherem gang die entfaltung des sing. II@C@1@aa)
der interjection stehen nahe die acht wehe
der bibel Matth. 23, 13ff.
bei Otfrid: er wiht es ouh tho ni altaioh manag we in zalta, thaʒ hortun sie io thuruh notso Matheus iʒ redinot. zalt er in sum siban we 4, 6, 45; weh, weh, weh denen, die auf erden wohnen
offenb. Joh. 8, 13
mag Göthe
vorgeschwebt haben: drei wehe sind ausgerufen
Weim. I 41, 2, 145.
den biblischen brauch kennt er sicher: mir ist das gleichniss vom ungerechten haushalter ... göttlicher ... als die sieben bischoffe, leuchter, hörner siegel sterne und wehe
Weim. IV 4, 112,
gemeint sind hier die ἑπτὰ πληγαί offenb. 15, 1. 45 weh
zählt ein anonymus 1524
aus altem und neuem testament zusammen in der flugschrift: fünff vnd vyertzig wee. ausz den propheten vō dem wOertlin,
ve. II@C@1@bb)
auch im plur. ist die bedeutung '
gram'
früher zur stelle als die körperlichen schmerzen. II@C@1@b@aα)
ohne attribut wendet die älteste geistliche litteratur das wort gern an: zi uueuuen uuard uns iz kund,thaʒ er nan (
Adam den apfel) scoub in sinan mund Otfrid 2, 6, 25; sament ubermuotemo, unde der fore nîde anderro uuêuuon sat uuerden nemag, neâz ih (
superbo et insaciabili corde, cum hoc non edebam) Notker
ps. 100, 5
Galler hs.; unde dia uurtin gemuot fone dero bino uueuuon unde leides (
et vexati sunt a tribulatione et dolere) 106, 39
Wiener hs.; unrehten man gifahent uueuun ce flornusside (
mala capient) 139, 12
Wiener hs.; so mugin wir ani wewin kumen zu den ewen Wernher v. Niederrhein 42, 12
Grimm. von da geht der ausdruck in die minnedichtung über: si hete von wêwen ungehabe Ulr. v. Türheim 3293
Hagen; lichte somer wunne, dú nv winters wewen mit ir grnen klewen frilich wider strebt Rost v. Sarnen
Heidelb. liederhs. 950, 7
Pfaff; das ist meinem hertzen ein wee über alle andre wee
Tristrant 189, 12
Pfaff. fortan verschwindet der absolute gebrauch fast ganz, er zeigt sich noch in übersetzungen: di wẹ des grabs ụm mich gestrikket warn, der dot hát mir fụrgebụgt seine garn Melissus
psalmen 60
Jellinek; weint, weint! o Helena, du weh der wehen! weint! Troja brennt! verbannt sie, heiszt sie gehen (
cry, Trojans, cry! a Helen, and a woe!) Shakespeare
Troilus 2, 2
Baudissin; oder in reimnoth statt des sing.: doch frommen nur wirds freude seyn, wenn sie sich wiedersehen. gottlose häufen nur die pein mit ihrer brüder wehen Schubart
sämtl. ged. (1825) 1, 74; drum lasz mich vor den wehen der ungestillten lust zerschmelzen und zergehen, vergehn an deiner brust Bürger 38
a; will für seine mutter flehen, die daheim in thränen schwimmt, zu dem vater, der die wehen gern von seinen kindern nimmt K. Förster
ged. 1, 266
Tieck; so namentlich in alterthümelndem stil bei Rückert: drum segn' ich mein geschick, dasz es nicht in wehen mir geschlossen den blick
ges. ged. 3, 235;
entspr. 2, 62; 3, 210. II@C@1@b@bβ)
in übersetzungen nehmen auch die seltenen quantitätsbestimmungen beim plur. wehen
ihren ausgang: sing' göttinn den unsel'gen groll Achills, des sohnes Peleus, welcher tausend weh auf die Achäer lud (
ἣ μυρί' Ἀχαιοῖς ἄλγε' ἔθηκεν) Bürger 141
b Ilias 1, 2; zehntausend wehn, und schlimmre, als ich weisz, brütet mein müsziggang Shakespeare
Antonius 1, 2
Baudissin; mich jammerten die unzählbaren wehen der sterblichkeit Tieck
schriften (1828) 1, 89; er mögt in ihrem blick vergehen ... und fühlt im herzen tiefe wehen B. v. Arnim
Günderode (1840) 1, 434. II@C@1@b@gγ)
qualitätsbestimmungen sind in der dichtung seit mitte des 18.
jahrh. mannigfach vorhanden: wann dort ein büssender, zerknirscht in heil'gen wehen, die sünden, die er that, und die er wird begehen, mit scharfen geiszeln straft ... da ruft man wunder aus Haller
ged. (1762) 59; nur ihres hauses innerliche wehen Denis
lieder Sineds (1772) 120, 15; (
dasz wir) nach dem, was unergreiflich, müszen greifen, das ist das schwarze weh der ält'sten wehen Arndt
ged. (1840) 406; von innrem kriege, von äuszren wehn Rückert
ges. ged. 3, 170; es sind der jahre zehen voll druck und tirannei, voll ungestümer wehen gegangen dran vorbei 297; geh hin, und dir gescheh, wie du geglaubt! ja, wer da glaubt, dem wird ein heil geschehen; was aber ihm, dem in verborgnen wehen das leben hat sein heiliges geraubt? Droste-Hülshoff 3, 13
Cotta; voll angst, beraubt des schlummers lieg' ich die nacht hindurch in heiszen wehen Geibel 3, 106 (
neue ged.). II@C@1@cc)
den plur. wehen
neben synonyma zu stellen, bleibt bis ins 16.
jahrh. stilmittel der geistlichen dichtung und prosa: sie sint thanne in uueuuen,in arabeitin seren Otfrid 4, 7, 31; vnde dar to alle wewen vnde plaghen
nd. bibel 5. Mos. 28, 61 (
languores et plagas); ob wol Eua ... auff sich vnd alle jhre nachkommen die groszen schmertzen, wehen, angst vnd not gebracht hat Mathesius
Sarepta (1571) VII
a; vnd sich die weh vnd grosze plagn sampt vielen wunderzeichen jagn Ringwaldt
laut. warheit (1598) v. 6.
nur in der 2.
hälfte des 18.
jahrh. findet sich ähnliches im weltlichen stil: grosz war des todes ernte, grosz! laut, tausend weh und ach! Gleim
kriegsl. 31 (10, 164)
neudr.; in des himmels selgen höhen rühret sie nicht fremder schmerz, doch der menschheit angst und wehen fühlet mein gequältes herz Schiller 11, 293 (
bürgerlied 1798); ich, der ich dem soldatenstande oft so scharf ins gesicht sah, sein schimmrendes elend, seine leiden und wehen ... ganz genau kannte Schubart
leben 1, 174. II@C@1@dd)
neben gegensätzlichem begriff bietet Notker
mehrfach in uuêuuon
für lat. in prosperis et in adversis: in uuolon unde in uuêuuon hareta ih ze dir
ps. 87, 2
St. Galler hs.; vnde ist kuot zesagenne dina genada in uuolon, unde dina uuarheit in uueuuon 91, 3; tageliches lobo ih dih, nieht ein in uuolon, nube ouh in uueuuon 144, 2. II@C@22)
der plur. im allgemeinen sinn '
körperliche schmerzen'
hat zu keiner zeit eine bedeutende rolle gespielt, doch ist er in allen jahrhunderten und gattungen möglich: wenne er kvme genas des libes wewene (
hs. wuwene) daʒ sie zv Athene sine vart hetten vf geleit Herbort v. Fritzlar
liet v. Troye 4117; sô getâne wêwen (
pech u. schwefel) gibet er (
der teufel) ze mite
d. ged. des 11. u. 12. jahrh. 313, 12
Diemer; daʒ du mich, recke, hâst erlôst von manicvalden wêwen
herzog Ernst 3513
Bartsch; der starcken wewen, des sy lach, begunde sy lassen ind affgan
Karlmeinet 158, 19; ain wolff besach ainen esel in syner krankhait und ward im sinen lyb begryffen und fragen, wa syn wee am grösten wären Steinhöwel
Äsop 186; glychwie das wort krankheit under im begriffen hat alle besundren wee, suchten, fieber, bülen, paralys, tropf, darmwinden und alle besundren weetagen Zwingli 1, 190; si leit an den ween (
laborat e dolore) Boltz
Terenz (1539) 9
a (
Andria 1, 5, 268); den
tartarum mansuetum erkennet also: er gibt etliche wehe zu einem anzeigen, aber kein
passiones Paracelsus 1, 306
c Huser (1616); so sind sie (
warme bäder) zuträglich, in der colica, darmgicht und andern ... wehen
medic. maulaffe (1719) 482; der leidende ist nicht mehr, wie der schwermuthsvolle, matt und niedergeschlagen an kräfften; er bangt, er arbeitet in wehen Engel
schriften (1804) 7, 342; denn ich fühle schlimm die wehen, von der lanze traf ein splitter an mein herz Tieck
schriften (1828) 1, 303; ein kalter schmerz zerrisz ihm das herz, als müszt' er in grausamen wehen vergehen Körner 1, 232 (
Hempel 2, 172); da stillen sich die wehen; das grimmen, winden, krümmen hört auf Gotthelf
Uli der pächter (1850) 183. Bitzius
kennt den ausdruck aus lebendiger alemannischer mundart; aus Baden wird mündlich angegeben: er het alle wê an m 'ist mit allen krankheiten (auch eingebildeten) geplagt'
aus Todtmoos, Gütenbach, du hesch alli wehene
aus Mahlberg; aus Saarburg
von einem, der vergebliche anstrengungen macht, krank zu sein: er wodd als krank sin, awer d' wehe wille nid kumme Follmann 534.
im els. Münsterthal findet sich eine seltene specialisirung auf den todeskampf: ər eš trei štuin e tə wie ksæ Martin-Lienhart 2, 776.
die geläufige art zu specialisiren ist die zusammensetzung, z. b.: interim ferebant ad prandium oculatum caseum. dixit: der kesz ist zu Coln im padt gewesen, er hatt vill schwais weher (
pockennarben) Luther
tischreden nach Schlaginhaufen 65
Preger. II@DD.
eigen die specialisirung auf die schmerzen bei der geburt, die seit dem 13.
jahrh. im singular, wenig später im plural, in moderner zeit auch in übertragenem gebrauch auftritt. II@D@11)
an dem singulargebrauch sind m. f. und n. gleichmäszig betheiligt. II@D@1@aa)
an weh '
körperlicher schmerz'
knüpft das neutrum an, seit dem 16.
jahrh. alem. und md. belegt: die du itzt ym Libano wonest vnd ynn cedern nistest, wie schön wirstu sehen, wenn dir schmertzen vnd weh komen werden, wie einer yn kinds noten Luther
Jer. 22, 23; zittern stoszt sy da an, vnd wee wie ein kindende (
s. th. 5, 732) frow
Zürcher bibel (1531)
ps. 47
a; ich wil dir vil kummer schaffen, ich (
lies: in) ach vnnd wehe, inn schmertzen vnnd trübnusz wirst du kinder geberen Mathesius
hochzeitpr. 166, 33
Lösche; gleich wie jene schwangere frau, welche die kindswee vberfulen, zu denen, die jr darumb inn jr bett helfen wolten, saget: was macht jr? wie solt mir das bett von dem wee können helfen Fischart
ehzuchtb. 172
Hauffen; sind unser unsre mütter nicht in angst vnd weh genesen?
Königsb. dichterkreis 225
neudr.; wohl gedeiht die lust der gatten, wohl durch sie (
Cypris) im mutterschoosz; ohne weh im myrtenschatten windet sich ihr segen los Bürger 3
a (
nachtfeier der Venus); jach durchzuckte sie weh auf weh
des pfarrers tochter von Taub.; man kann sie nicht verstehen ohne den rosenkranz, der die verschiedenen freuden der Maria in erinnerung zu bringen bestimmt ist, bei dem englischen grusz, bei ihrer reise über das gebirge, bei ihrer niederkunft ohne alles wehe Ranke
werke 1, 162.
zu dem beleg aus Fischart
stimmt das verhalten der els. mundart: s is dismol ein we um s ander kumme un is doch nit füra gange Martin-Lienhart 2, 776. II@D@1@bb)
das masc., vom fem. dadurch geschieden, dasz es schwach flectirt, jenes stark, ist im ganzen auf die bayr.-östr. mundart des 13. 14.
jahrh. beschränkt: und als reiniclîche si dich entpfienc âne alle sünde, als reiniclîche gebar si dich âne allen wên David v. Augsburg
in Pfeiffers d. mystikern 1, 342; wis gegrüeʒet, âne wêwen Kristes muoter
mariengrüsze v. 269
in Haupts zs. 8, 283; manec wîbes wêwe si bestuont, ir wêwen was deste mê Ulrich v.
d. Türlin
Willehalm Kasseler hs. 253
b; das er mir helffe durch dich und lösze mich von mym wen Lutwin
Adam u. Eva 1764; si vntphinch den heiligen Crist ane suntliche dinch vnd brachte in zu dirre werlde an aller hande wehen
deutsche predigten des 14.
jahrh. 26, 4
Leyser. II@D@1@cc)
für das fem. gilt starke flexion, soweit es bodenständig ist: dein ainporn sun Jesu Christ, der himel und erd gewaltig ist, den du geper an alle we, als ane mail: der gruoʒ ave dir senftleich slaich tzu hertzen Suchenwirt 41, 397
Primisser; an alle we, an alle swer wart geporn Jesus Christ 41, 930; dy we hat mich vme gebyn
md. weihnachtsspiel aus e. hs. des 15. jahrh. v. 131
Piderit; wir gruszen dich frawe ane we wir loben dich mit aller fle v. 221; denn es kam sie jre wehe an Luther
1. Sam. 4, 19 (
seit 1541;
bis 1540: denn es kam sie yhre nott an;
erste niederschrift: krümmet sie sich vnd gelag: denn yhre wand kereten sich vber sie); indem sie anfahet die wehe zu überkommen, so sol es (
wolfsfleisch) die kindsgeburt derselbigen frawen helffen befördern
jag- und weydwerckbuch (1582) 1, 71
a; wie ein schwanger weib, der die wehe ankömt J. Böhme
Aurora 233; seine fr. mutter hat schwere geburtswehe Bucholtz
Herkules (1676) 1, 551
a; wih
f.,
plur. wihde 'geburtswehen' Hönig
Kölner ma. 202
a.
wo dagegen in neuerer kunstsprache aus dem geläufigen plur. ein sing. entnommen wird, wie das schon oben th. 4, 1 I 1912
für geburtswehe festzustellen war, ist schwaches fem. anzunehmen. Hederich (1729) 2614
setzt, ohne ein eindeutiges beispiel zu geben: die wehe,
dolor; ihm folgt Steinbach (1734) 2, 957; wehe (die) dolor,
bietet dann aber als beispiel nur: die frau bekommt die wehen.
dagegen kommt die ärztliche kunstsprache ohne den sing. nicht aus: bei der ersten wehe wurde das kind geboren Jung-Stilling
häusl. leben (1789) 44; diese spannung der häute läszt mit der wehe selbst auch gleich wieder nach; man kann also noch vor, in und nach der wehe, den kopf des kindes fast gleich gut spühren G. W. Stein
theor. anleitung z. geburtsh. (1800) 1, 211; jede wehe kündigt sich durch eine gewisze unruhe, durch stöhnen an Spiegelberg
lehrbuch der geburtsh. (1858) 93; wie bei jeder muskelcontraction können wir auch am uterus während der wehe ein
stadium incrementi, akme und
decrementi annehmen Eulenburgs
realencycl. (1901) 26, 112. II@D@22)
im plur., der stark vorwiegt, wie gr. ὠδῖνες,
βολαί u. s. w. (Grimm
gr. 4, 339
neuer abdruck)
tritt die starke form vollends zurück, doch stimmen: gnosz min frow ... irs ersten kindtz mit groszer gfär, dan wie sy die wee in der nacht am suntag anstieszen, gnasz sy erst am montag Th. Platter 65
Boos; wann die kindarbeit ... sich lang verzihet, vnd die wee nicht fort wolten Sebiz
feldbau (1579) 86
gut zur alem. mundart: d'we (
pl.) 'geburtsschmerzen' Seiler 312. weher,
aus Hesselhurst in Baden angegeben, ist neue verdeutlichung des scheinbar endungslosen plurals. II@D@2@aa)
der schwache plur. ist seit dem 13.
jahrh. allbekannt, die wörterbücher (Stieler. Rädlein, Steinbach, Hübner,
Luxemb.)
geben die form weiter, doch auch die dichtung bemächtigt sich des worts früh und nachdrücklich: diu wêhen begunden si twingen Hagen
gesamtabenteuer 1, 12 v. 285; Alîsen begunden harte die wêwen rüeren den lîp Ulrich v.
d. Türlin
Willehalm Kasseler hs. 148
c; du solt kint geberen mit hertzesweren wehen Lutwin
Adam u. Eva 598; sieht man, wie die in sich, mit steten wehen, fühlet zwo miszgeburten nur König
ged. (1745) 215; wohin ich seh, o sohn, seh ich dein grab. dein unverhoft, und thränenreiches sterben erneuert mir die wehen der geburt Götz
ged. 26 (8, 108)
neudr.; es erschollen leisere wehen; allein er gebahr einen drachen Klopstock
oden 2, 152; dann würdest du, durchdrungen von scham und hasz, auf mich und meine wehen fluchen, die einst gebohren dich
maler Müller
werke (1811) 2, 332; allein von schmerzlichen wehen gequälet, litt neun tag' und nächte die göttin Göthe
Weim. I 4, 324; wie der gebährerin seele der pfeil des schmerzes durchdringet, herb und scharf, den gesandt hartringende Eileithyen, sie der Hera töchter, von bitteren wehen begleitet Voss
Ilias 11, 271; hart sind die wehen der gebährerinn, drum lieben alle mütter so die kinder Schiller 6, 134 (
Phöniz.); ein zwillingspaar von schönen, süszen knaben erfreute mich nach meinen heftgen wehen Tieck
schriften (1828) 1, 44; der nehen entbindung wehen durchzuckten ihr mark und gebein Pyrker
werke (1839) 93; o gott — mich greifen ungeheure wehen Grabbe 1, 106
Blumenthal; geboren war der königin ein knabe, ein mägdlein aber aus der gräfin wehn Rückert
werke (1867) 3, 169. II@D@2@bb)
die ärzte beschreiben die sache mit wachsender genauigkeit: indem sich nun das mundloch der gebärmutter erweitert, machet das kindlein solche grosze unordentliche bewegungen, dasz der mutter sehr angst wird, denn es finden sich die wehen, sonderlich in der schosz Bräuner
kern auserlesenster arzneimittel (1709) 225f.
das lat. kunstwort dolores ad partum schwebt Jung-Stilling
vor: diese verfolgung, in welchem das gebährende weib für schmerzen schrye, waren ihre wehen zur geburt
werke 3, 238
Grollmann. verschiedene arten von wehen
werden geschieden: die erste art wahrer wehen kömmt unter dem namen der vorhersagenden (
dolores praesagientes) vor. die andere art führt den namen der vorbereitenden wehen (
praeparantes). die dritte art macht die eigentlich so genannten wehen zur geburt (
dolores, seu labores ad partum) aus, und die vierte art pflegt man die durchschneidenden (
conquassantes) zu nennen G. W. Stein
theor. anleitung zur geburtsh. (1800) 1, 204;
entsprechend Böttiger
kl. schriften (1838) 2, 5; Sömmerring
bau des menschl. körpers (1845) 5, 541; Spiegelberg
lehrbuch der geburtsh. (1858) 93
f.; O. Roth
klin. terminologie (1878) 88;
als synonym für vorher-, weissagende wehen
s. o. 5, 1409 kneiper(chen),
zur erklärung der durchschneidenden wehen (
schon bei Beynon
kurzer und nützlicher bericht f. d. hebammen 1711
s. 12): die gebärwehen beim einschneiden des kindlichen kopfes in den damm Höfler 793
a. II@D@2@cc)
eine grosze rolle spielen in der medicin des 18.
jahrh. die falschen, wilden,
auch blinden wehen,
irreführende symptome, die physiologisch mit der geburt nichts zu thun haben, aber in der volksmedicin weiterhin ihre rolle spielen und seltsamer weise auch in die dichtung gedrungen sind: denn offtmahl erscheinen falsche und wilde wehen, und melden sich vor der geburt
an. solche werden gemeiniglich von einigen windigen grimmen verursachet, welche in den gantzen leib herum brummen, ohne dasz sie sich unterwärts gegen der mutter ziehen. diese falsche wehen aber zuvertreiben, musz man der frau warme leinen tücher über den bauch legen Bräuner 227
f.; der anfang (
der wehen), oder die andern krampfartigen schmerzen, die sich vor der entbindung ereignen, werden wilde wehen genannt Hübner (1776) 744; die falsche wehen haben ihren sitz und ursache auszerhalb, so wie die wahren innerhalb der gebärmutter G. W. Stein
theor. anleitung (1800) 1, 203; schwangere weiber pflegen regelmäszig ein- oder zweimal (
zur ader) zu lassen, sowohl in der erwartung, dasz sie selbst wenig an 'wilden wehen', 'herzflusz' und milchfieber leiden werden, als auch um dem kinde unreinigkeiten der haut ... zu ersparen Buck
med. volksglauben aus Schwaben 21; wildi we wehen, durch welche das kind während der geburt nicht weiter getrieben wird, gegensatz rechti we Martin-Lienhart 2, 776; diese schon im 15. jahrh. so das chind herfür sich ruost, dann chomen recht die rechten wee Hätzlerin 290; die fetten (
weiber) pflegen nicht einmal die blinden wehen, die magern nicht die last der kleider auszustehen Günther
ged. (1735) 1002; seit diesem trauertage liefen die drei unbefriedigten umher wie frauen mit falschen wehen Immermann
Münchhsn2 3, 118.
im gegensatz zu diesen von der wissenschaftlichen medicin ausgeschiedenen kunstwörtern ist neu eingeführt der terminus verlorene wehen,
die unglückliche übersetzung der von Oldham
beschriebenen missed labour, 'pathologisches ausbleiben der wehen bei überlanger schwangerschaft',
s. Dornblüth
wb. der klin. kunstausdrücke (1894) 70; Höfler (1899) 793; Eulenburgs
realenc. 26 (1901) 141. II@D@2@dd)
auch bei der geburt von thieren spricht man von wehen,
nicht nur dichterisch wie unter mutterwehe
theil 6, 2830 Herder,
sondern auch in der thierarzneilehre und mit allen unterscheidungen wie vorhin: haben diese ersten geburtsschmerzen (vorwehen,
dolores praesagientes) mehr oder weniger lang angehalten, so legt sich das thier, wenn es den eintritt der frucht fühlt, meist nieder J. E. L. Falke
handbuch der physiologie für thierärzte (1829) 183; mit dem blasen- oder wassersprunge werden auch die wehen stärker,
dolores conquassantes, und es zeigen sich endlich die vorderfüsze, auf denen der kopf ruht
das.;
entsprechend nachwehen
das. 186; weissagende wehen, 'die allerersten andeutungen von wehentätigkeit, die darauf hinweisen, dasz das tier bald werfen werde' Höfler (1899) 793; weher
vom vieh aus Hesselhurst
in Baden angegeben. II@D@2@ee)
eine übertragung auf das mit wehen
geborene kind wagt W. v. Humboldt: (
Agamemnon) der, gleich des lammes achtend ihren untergang ... hinwürgte seine tochter, mir die theuerste der wehen
ges. werke 3, 82
f. φιλτάτην ἐμοὶ ὠδῖν' Aeschylus
Agamemnon v. 1417, meines schooszes liebste frucht Wilamowitz. II@D@33)
schon unter geburtswehe 4, 1 I 1912
ist ein übertragener gebrauch von wehe
belegt, zu dem sich, vom eigentlichen gebrauch her, leicht übergänge ergeben, so mit gewolltem doppelsinn Wieland: das süsze gift der liebe schleicht, wie eitel nektar, glatt und leicht, ins herz hinab; allein, die wehen, die wehen, kinder, folgen nach 9, 193 (
Sixt u. Klärchen 1);
in geistvollem spiel Lessing:
Daja: nun so wiszt denn: Recha ist keine Jüdinn; ist — ist eine Christinn.
tempelherr: so? wünsch' euch glück! hats schwer gehalten? laszt euch nicht die wehen schrecken! — fahret ja mit eifer fort, den himmel zu bevölkern 2, 293 (
Nathan 3, 10). II@D@3@aa)
die übertragung ist schon enthalten in der μαιευτικὴ τέχνη des Sokrates,
die anknüpfung an ihn mitunter deutlich: schon strecket er die hand aus, um dich von gedanken zu entbinden, die du ohne seine beyhülfe nicht würdest ans licht gebracht haben. achte nicht der wehen; du wirst ihrer bald vergessen, aus freude, dasz ein tugendhafter gedanke zur welt aus dir gebohren ist Abbt
verm. werke (1780) 4, 35.
die übertragung auf geistgeborene (
s. dies wort o. 4, 1 II 2770)
gedanken liegt stets von neuem nahe: der künstliche poet ist ... glücklich, da seine abentheurliche misgeburt, welche er mit sovielen wehen geboren, eine stelle in euren blättern erlanget
die vernünft. tadlerinnen (1726) 2, 8; fahre fort, ich bitte dich: dein blick und deine züge verkünden etwas; die geburt, fürwahr, macht grosze wehen dir (
a. birth, indeed, which throes thee much to yield) Shakespeare
sturm 2, 1
Schlegel; so setzt sich Pythons priesterinn halb rasend auf den dreyfusz hin und spürt in hirn und busen wehen Hagedorn 2 (1764) 54; aber jedes gefühl dieser art ist eine wehe, die eine neue frucht des lichts ausgebiert Schubart
leben 2, 209; ein gewisses register ... welches mir so oft in meinen gelehrten wehen geholfen hatte Rabener
werke 2, 99; der ... abenteuerliche Moriz schrieb leiden der poesie. er meinte damit seine poetischen wehen, wenn er gebären wollte und nicht konnte Bürger
briefwechsel 4, 230
Strodtmann; ich kann die wehen nicht länger ausstehen, die mir das gehirn zerreiszen Wieland
Lucian (1788) 2, 54; kein mensch auf erden, der ein fühlendes herz in seiner brust trägt, bleibt von dem schmerze über den tod eines ihm theuren wesens unberührt, und dieser schmerz ist von der natur bestimmt, die geburtswehe der überzeugung von der persönlichen fortdauer nach dem tode zu werden Burdach
blicke ins leben 2, 290 (1842); die entbindung ist vollbracht, sie ist geschehen! überstanden sind die wehen Heine 2, 178
Elster. II@D@3@bb)
ein zweites vorbild ist Horaz
de arte poet. 139:
parturiunt montes, nascetur ridiculus mus. die übersetzung von parturiunt kann dazu führen, von wehen
zu sprechen: wer die reden im abgeordnetenhause liest ... und dann die, von einem gebirge in wehen erzeugte miszgeburt aufmerksam studirt, der wird allerdings die überzeugung gewinnen, seine zeit vergeudet zu haben
dr. Strousberg
und sein wirken (1876) 175. II@D@3@cc)
ein dritter wichtigster ausgangspunkt ist die bibel: kan auch, ehe denn ein land die wehe kriegt, ein volck zu gleich geborn werden?
Jes. 66, 8.
ihr ist die häufige anwendung des bildes auf das völkerleben in zeit und schicksal zuzuschreiben: wie majestätisch anzusehen, freund, ist für die philosophie das kreisen einer monarchie; wie schauerlich sind ihre wehen Pfeffel
poet. versuche (1790) 3, 154; die frucht ist ja zeitig. wehen verkündigen die geburt Schiller
Fiesco 2, 15; in solchen kreisenden zeiten, wo länder die wehen bekommen und gerne völker gebären möchten Jahn
merke 57; die folgen der angenommenen ordnung ... Deutschland fühlte ihre wehen am tiefsten und bittersten Görres
die heilige allianz (1822) 97; unter diesen wehen war die republik, ein todtgebornes kind, an den tag getreten
ges. schriften 4, 358; wer die freiheit geheirathet, nachdem er sie als jungfrau geliebt, ist immer unglücklich. die wehen der zeit kommen nach den geburten und man erkauft die vater- und mutterfreuden nicht mit angst und schmerzen, sondern man bezahlt sie damit, nachdem man sie schon genossen Börne
ges. schriften (1834) 14, 30 (22.
brief aus Paris); wo es etwas bedeutsames gilt, hat die deutsche natur alle zeit ihre langsamen, schweren wehen
F. G. Kühne
monatsblätter zur erg. der Augsburger zeitung 1845, 363
a; wessen mund hat die geburt jenes tröstenden engels, den nach siebenjährigen wehen die gequälte mutter Germania gebieret, uns frohlockend verkündiget? Holtei
erz. schriften 13, 209; nun schau mit hunderttausendfachem blicke hierher, wo gegenwärtig dein geschicke im kampfe blut'ger wehen wird geboren Rückert
werke (1867) 1, 33; jedwede zeit hat ihre wehen, ein junges Deutschland wird erstehen Freiligrath 1, 303; dasz auch in der völker gang wehen deuten auf gebären Geibel 2, 94 (
Juniusl.); um dieselbe zeit ward in England unter schweren wehen das unterhaus geboren Treitschke
hist. und polit. aufsätze (1886) 1, 9. II@D@3@dd)
poetisch werden auch situationen ganz anderer art unter dem bilde der wehen
erfaszt, wobei wechselnd das andrängen gegen eine enge, die befreiung aus schmerzlichen fesseln, der gegensatz gegen die vorausgegangene lust in den vordergrund treten (
vgl.herzenswehen
aus Bürger
theil 4 II 1242): denn freilich mag ich gern die menge sehen, wenn sich der strom nach unsrer bude drängt und mit gewaltig wiederholten wehen sich durch die enge gnadenpforte zwängt Göthe
Weim. I 14, 9; und da ich gesehen, wie aus ihren wehen frei die erde ward Rückert
werke (1867) 1, 146; was in lust und wehen jemals in die erscheinung trat, ist's nicht für immer, nicht für uns geschehen, ermuntrung, warnung, trost und rath? Geibel
neue ged. 35; bis tief wo er selber noch ein ungeborener träumte die wehen der schöpfung Mörike
werke 1, 80
Göschen; das gleiche bild schon bei Börne: da ist die nachtseite, die weibliche natur des lebens, das empfangende, gebärende, da hören wir die wehen der schöpfung
ges. schriften 2, 174. IIIIII.
adverbiale verbindungen. III@AA. weh sein. III@A@11)
wie alle adverbialen verbindungen auszer weh thun
ist weh sein
in der anwendung auf geistige zustände älter als in der auf körperliche. III@A@1@aa) weh sein
von seelenschmerz aller art ist in dichtung und prosa aller landschaften und sprachperioden seit ältester zeit geläufig: so is themu liudio uue the so undar thesumu himile scalherron uuehslon
Heliand 4626
hs. M;
entsprechend 5466 C; inti iu êuua gilêrtên ist ouh uuæ Tatian 141, 25 (
et vobis legisperitis vae Luc. 11, 46); so bist du ouh timens umbe daʒ, daʒ dir uuê nesî Notker
ps. 79, 17
Galler hs.; den edelen juncfrouwenwas von arebeiten wê
Nib. 358 A; den vrouwen den was wê, daʒ si verswîgen muosten daʒ varn vor ir mâgen
Gudrun 897; sy saʒʒen nider, alssam ee. da was der küniginne wee, wenn daʒ geschähe, daʒ sy die geste sähe
Biterolf 1262; denn wer begeret ein schirm ... denn dem wehe ist und ein widerstand fület? Luther
Weim. 10, 3, 52; wie vbel dirs gehe, wie wee dir sey, wie ein elender mensch du seyest
das schön confitemini (1530) C 2
a; byn ich gottlos gewesen, so ist myr aber wehe
Hiob 10, 15; wer schuldig ist, dem ist wee
flugschriften a. d. ersten jahren der ref. 4, 166
Clemen; dem land ist wee zuo aller frist, desz herr ein kind on weiszheit ist Schwarzenberg
v. zutrinken (1534) 25
neudr.; sprachend zuo mir: herr Jarlime, ist üch nit hüt im seckel wee? H. R. Manuel
weinspiel (1548) 3105; wie wehe dem ist, der liebe sucht da keine ist Schottel 1128; wem ist, der das vernimmt, nicht einen augenblick weh? Göthe
Weim. I 41, 2, 257; es ängstet mich, und musz Henrietten ängsten, wenn sie denken kann, dasz es ihnen weh sei Knebel
an frl. v. Bose 27.
mai 1791 (
nachlasz 3, 2); sie rang in ihren schmerzen, ihm war so weh als ihr Rückert
ges. ged. 3, 511. III@A@1@bb)
die beziehung auf seelisches wird gern ausdrücklich bezeichnet III@A@1@b@aα)
von alters her durch zu mute: Sot von Norwege, was im iht we zu muete Albrecht
j. Titurel 1773; vor dem Walhen (
dem fürsten von Luxemburg) was in (
den Kölnern) we zuo muot, als das nit unbillich was, wann er bracht leut als laub und gras Liliencron
hist. volksl. 2, 47 (1475); Ysegrym was to mode wee
Reynke de vos (
Lübeck 1498) v. 4455; dem ritter Reinharten seer we zuo muot was Wickram
werke 1, 274
Bolte; der bursche sah ihr nach; ihm war weh und wohl zu muthe Ebner-Eschenbach 5, 39. III@A@1@b@bβ)
seit dem 18.
jahrh. mit ums herz: mir ist ordentlich weh ums herz Wieland
Lucian (1788) 1, 52; wenn er auszog rühmlichen sieg zu erwerben, da war mir's nicht weh um's herz Göthe
Weim. I 8, 147.
vorher gelegentlich im herzen: ach wie weh ist mir im hertzen vor dem innerlichen schmertzen, der mich heimlich klagen heist Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 131. III@A@1@cc)
der gegenstand des wehs
wird mit präpositionen angeknüpft: III@A@1@c@aα)
fügung mit nach
thut ein element der sehnsucht, zumeist der liebessehnsucht, hinzu: dâ heim ir lieben friundenwas nâch den hermüeden wê
Nib. 315 A; sô wær mir immer nâch dir wê und hân doch immer nâch dir pîn
Parzival 55, 26; dem sî nu nâch dem grâle wê unt doch wider nâch ir minne 389, 10; dû lâ dir niht ze wê sîn nâch dem guote Walther 22, 35; noch uncheusch ist vil manigem we daʒ er mit willen pricht die ee Suchenwirt 40, 71
Primisser; und (
ich) wil euch piten umb die ee, wan nach Hilla ist mir gar wee
fastnachtsp. 577, 24; zu dir bin ich gedigen nach dir ist mir so wee Forsters
liedlein (1556) 193
neudr.; denn so oft er auf die frau die augen warf, war ihm so weh nach ihr Wieland
werke (1853) 11, 139;
entsprechend 36, 37; ach es war so lange mir so weh nach ihr Rückert
ges. ged. 4, 380.
in prosa ist die fügung selten: wer nur gutem rath vnd lehr des heiligen geistes folgen wolte, der bliebe her niden ... vnd liesz herrn dienst vnd genade denen, so wehe darnach ist Mathesius
hochzeitpr. 85, 13
Lösche; dasz jnen nach gott vnnd der welt weh mszt sein
Garg. 399
neudr. die wörterbücher mögen auch wesentlich poetischen gebrauch im sinn haben: es ist jhm wee darnach,
triste nobis desiderium reliquit. desiderio illius tabescit, es ist jhm so wee darnach, er mOecht verschmachten, zergehn Schönsleder (1622) Nn 2
b; es ist ihm wehe darnach,
desiderio œstuat ... es ist ihm nicht wehe darnach,
nil pensi habet Dentzler (1697) 2, 344; es ist mir nicht wehe darnach,
non propero illa re frui Serz
teutsche idiotismen (1797) 174. III@A@1@c@bβ)
eng an die construction mit nach
schlieszt sich: es käm zuo wiszheit mancher me wann jm nit wer zuor buolschafft we Brant
narrenschiff 13, 78
Zarncke; noch näher fast: mein liebes buch ... aber, weil du's dann nicht besser haben willst, so geh wohin so weh dir ist (
quo descendere gestis) Wieland
Horazens briefe (1782) 1, 301. III@A@1@c@gγ)
der gegenstand eines miszbehagens, einer trauer kann im 14.
bis 16.
jahrh. durch mit
angefügt werden: (
nach Konradins gefangennahme) zuktent sü einen smideknehte uf zuo kunige, wand er ime enlich waʒ ... deme kunige waʒ mit der hêrschaft wê, darumbe verstal er sich von den herren und lief wider zuo dem anebuosze
d. städtechr. 8, 150 (
Fritsche Closener, Straszburg 1362); vnd ist in auch vber die massen wee mit dem lieben kleynen fride, den got noch so gnedigklich ... erhelt Luther
das schön confitemini (1530) B 1
b; das bäwrlein war so schlecht vnd gut, thet jhr kein leyd, wie mancher thut, sonder hub sie auff ausz dem schne, vnd war jhm mit der schlangen weh Alberus
fabeln (1534) 14, 32
neudr.; desselben wegert er sich nit, (es war jm auch nit weh damit) Scheidt
grob. (1551) 4802
neudr. in neuer zeit stellt sich vereinzelt um, für
statt dieses mit
ein: Falstaff der ist todt und uns musz weh drum seyn (
and we must yearn therefore) Shakespeare
Heinrich V. 2, 3
Schlegel; er solle die leute nicht gehen lassen (
zu der gefährlichen arbeit), wenn ihm so weh sei für sie Felder
sonderlinge (1867) 2, 237. III@A@1@dd)
von früh an tritt weh sein
gern in gegensatz zu wohl sein: andere sint unrehteren danne ih sî. dien ist uuola, mir ist uuê Notker
ps. 74, 6
Galler hs.; dô begonde anderên uuola sîn, mir uuê sîn
canticum Ezechiae v. 17 (
Piper 2, 612); aller vnuerstandigen creaturen, die nit wissen noch versteen ... wann jn wol oder we ist Berthold v. Chiemsee
tewtsche theologey 197; schaffe daʒ ich frô gestê: so ist mir wol, und ist in iemer wê Walther 63, 19; in was wol und niht ze wê
Parzival 203, 11;
entspr. 223, 20; dir ist nu wol: ê was dir wê Wirnt v. Gravenberg
Wigalois 4654
Benecke; yetz bin ich fro, dann weder wee noch wol
volks- und gesellschaftslieder des 16. jahrh. 1, 117, 19
Kopp; weyl ich entberen musz der eh ist mir gleich weder wol noch weh H. Sachs 2, 25
Keller; mir ist so wohl, so weh Göthe
Weim. I 1, 19; ihre gegenwart gestern hat so einen wunderbaren eindruck auf mich gemacht, dasz ich nicht weis, ob mir's wohl oder weh bey der sache ist IV 3, 54; wo dem schöpfer nicht wohl wurde bei einem werke, da kann's dem beschauer ewig nur weh sein Gutzkow
ritter vom geist 1, 4; mir is so wohl und weh, i möcht bald rêrn, bald singă
volksschauspiele in Bayern 314, 366
Hartmann. III@A@1@ee)
neben synonymen. III@A@1@e@aα)
formelhaft ist die bindung mit wind,
das nebst mhd. winde
swf., wint
stm. '
schmerz'
zu winden
gehören könnte, wie lat. tormina zu torquere; die bedeutung würden belege wie der aus Pinter
unter harnwinde 4 II 492
vermitteln, etwa auch anord. vindr '
sich windend'.
aber diese ableitung läszt die gleich alten nebenformen winne, wunne
unerklärt, darum wird vielmehr (
s. Hauschild
nd. korr.-blatt 27, 36)
an winnen '
aufgeregt sein',
got. winnan '
leiden'
anzuknüpfen sein. winne
entspricht dann got. winnô
πάθος,
πάθημα, wunne
ist ablautbildung dazu wie got. wunns; winde
aus *winnado
reiht sich nach v. Bahder
den abstractbildungen für krankhafte empfindungen wie ahd. magapîʒado, juckido, swerido
an. die formel ist im süden und südwesten zu hause (
s. auch III E 3
g): ir lîbe noch ir herzen wart nie sô winde noch sô wê (
var.: wunne) Konrad v. Würzburg
troj. 12937; von dir so ist mir wind vnd we Hätzlerin 1, 73, 9; jm ist nun nit meer wind vnd wee so er allain ist, sunder er ist geren also bey jm selber zufriden Keisersberg
predigen teutsch (1510) 16
b; halt di numme wohl! i möcht der no allerlei sage, aber 's wird der windeweh! di kerli, di kerli Hebel
werke (1834) 1, 36;
dazu im glossar: wind und weh, ausdruck für das gefühl der unruhe bei langem warten 2, 291; einem deutschen, der nicht einen bestimmten philosophischen cursus durchgemacht hat, musz es wind und weh werden, wenn er hört, dasz unser classisches drama, wie wir es von Lessing, Göthe und Schiller haben, vielmehr nur das 'mythische' sei, dem jetzt erst das geschichtliche nachfolge C. Reinhold
in Schweglers jahrbüchern der gegenwart 1846, 374; darauf die frau zwar gleichermaszen grosz ergötzen an dem tier bezeugte; doch mochte es ihr wind und weh inwendig sein Mörike
erzählungen2 203.
von dorther buchen es die wörterbücher: Unger-Khull
steir. 634, Schmid
schwäb. 523
f., Schmeller
2 2, 949, Martin-Lienhart 2, 776, Stalder 2, 453, Tobler
appenz. 449,
sonst aus der Schweiz Frommann 5, 305, Scherz-Oberlin 2, 2039; Kehrein
nass. 446, Crecelius
oberhess. 2, 917, Autenrieth
pfälz. 152, Gerzon
jüdisch-deutsche sprache 129, Paul
2 658;
im badischen ober- und unterland ist es geläufig: s wird mr wind und weh, wenn i nur dra denk,
daneben willeweh
in Hesselhurst, windelweh
am Kaiserstuhl, winn un weh
in Frankfurt, wëennewî
oberhess., winnen unn we
aus Straszburg 1784 Oberlin
bei Scherz 2, 2039.
älter sind andere nebenformen: do wurt der truc also gar unlidelich, und so wi und so we Tauler
predigten Straszburger hs. (
nach Ch. Schmidt
hist. wb. 420),
namentlich aber: du findest manchen in eim vngereformierten clOester dem wu vnd wee ist, das es nit recht zuo gat Keisersberg
emeis (1517) 13
b; wer kan allwegen gedultig sein, wan einem so wun vnnd wee ist? ich sprich das das winden vszwendig so eim wee ist, heiszet nit vngedult
evangelia mit uslegung (1517) 216
b; eh' spännen wir beym trocknen brot, am rocken, ich und mein fräulein, uns die finger wund und weh Wieland
werke 21, 287
Göschen; und als die sonn' am abend sinkt die herzen bänger schlagen ... und alle blätter klagen, die ganze luft ist wund und weh Lenau
neuere ged. (1840) 53; (1843) 49; es ist mir, als wäre hier noch alles weh und wund Fontane
ges. werke I 5, 103. III@A@1@e@bβ)
andere bindungen treten zurück: da war dem doctor bange vnd wehe gewesen, hat nicht gewust wo ausz Luther
tischrede von 1540
arch. f. ref.-gesch. 5, 361; ja es ist jnen ... bang vnd wee, das ich nicht besser zu fus bin Fischart
podagr. trostb. 71
Hauffen; mir ist ganz weh und bang, dasz unsre freude in rauch aufgeh Schiller 13, 488 (
Turandot 3487); wie du aber ungeduldig auffuhrst und schwurst, dir sei übel und weh E. Th. A. Hoffmann 6, 100
Grisebach; die erwachsene haustochter schwieg. ihr war so ach und weh Rosegger
schelm aus den Alpen 1, 236. III@A@1@ff)
quantitätsbestimmungen bei diesem weh sein
sind alt, häufig und mannigfach, zumal in der dichtung: in was starke wê umbe ir vil edeln herren,den si dâ hêten vlorn
Nib. 954 C (vil wê A); ob man ir mære von mir sage, daʒ ir dâ von sî sanfte wê Walther 61, 11; von ir schuldn ist mir sô wê
Parzival 521, 27; mir ist so angstlichen wee
schweiz. schausp. 1, 20, 77
Bächtold; ach wie ist mir so weh Gerhardt
lieder 3, 404
b Fischer-Tümpel; dem schäfer ist gar so weh Göthe
Weim. I 1, 85; sie hatte mir das unwichtigste von der welt zu sagen, nichts als was ich schon wuszte: dasz es ihr entsetzlich weh sei, dasz sie sich an den Rhein, über den Rhein, ja in die Türkei wünsche I 28, 36; man setzte s' in ein schiffel, und stiesz es auf die see: die kindlein rangen die hände, noch nie war es Hornen so weh Rückert
ges. ged. 3, 497.
zu den quantitätsbestimmungen stellt sich der comparativ: ist es auch müglich, das einem menschen weher und banger sein kan, als mir jtzunder ist? Heinrich Julius v. Braunschweig
Susanna 192
Holland (
verk. bearb. 3, 4); ihm ist weher dabei wie mir Klinger
theater 4, 201. III@A@22)
auf der grenze zu weh sein
von körperlichem schmerz stehen fälle metaphorischen gebrauchs. dabei wird ein wehsein ausgesagt von vorgängen, die im eig. sinne nicht schmerzhaft sind: ihm nicht lassen wehe seyn,
parcere labori Dentzler
clavis (1697) 2, 344,
oder von objecten, die keinen schmerz fühlen: dasz es der erde so sauwohl und so weh ist zugleich Göthe
Weim. III 1, 4. III@A@2@aa) weh sein
von körperlichem schmerz ist jünger und seltener als von geistigem: ist einimo lide uue des inphindent alliu diu andrin Notker
ps. 30, 10
Galler hs.; ist mir an miner hand we, den ser tragent allú minú lider
st. Georgener prediger 175, 15
Rieder; er krümet ainen schenkel, als ob im fast wee an dem hindern fuosz wäre Steinhöwel
Äsop 142;
o deus meus, mi is we over al mîn lîf
Lübecker totentanz (1489) 551
Baethcke; entspr. 191; wenn der tod an der thüren rumpelt, do brettet es. so dir so wee ist, vnd nit weist wo du bliben solt Keisersberg
post. (1522) 3, 67
a; es ist dir we an deinem leib Eberlin (1524) 3, 90
neudr.; die ennde, do jm weh ist, mit aufgelegtem senff eyns verseeren Celsus (1531) 44
a Khüffner; o, es ist mir we in der seitten H. Sachs 6, 150
Keller; ich pin elent und mir ist we 18, 273; der grausam gros wethumb, den er gehabt, der hatt ihn umbs leben bracht; dann es sey im alle seine tag nie so weh gewesen, als da er gestorben sey Frey
gartenges. 73
Bolte; es ist mir wee im haupt von der sonnen. es ist mir wee zum hertzen Maaler 487
b; es ist mir wehe übers hertz Dentzler (1697) 2, 344; ja wan der teüffel gestirbt, ist jm noch nicht weh Fischart
groszm. 9; dann wo eim weh ist, da hat er die handt
Eulenspiegel 13
Hauffen; liebes kind, wo ist dir weh? es sprach: mich beissen sehr die flöh
flöhhaz (1573) 547; bald ist dem leibe weh, bald wird der geist erschrekt Grob
dichter. versuchung (1678) 42; aber wenn etwa der leib vom schaudernden froste dir weh ist Voss
Horaz (1806) 2, 11; ich konnte nicht begreifen, wie sie (
die schauspieler) mir zumuthen wollten zu glauben, dasz es ihnen wohl oder wehe sei Göthe
Weim. I 23, 48; kind, wie wehe mir, als ich dich gebar, und noch endlos weher, da man dich mir entreiszt Grabbe
werke 3, 270
Grisebach (
Hannibal 4); s is m we wü im e hund; s is m so we, ass r nimm ka ufste 'er ist schwer betrunken' Martin-Lienhart 2, 775. III@A@2@bb)
die ursache des wehseins wird mit von (wegen)
angeschlossen: wan daʒ in zallen zîten wê von hunger und von durste was Hartm. v. Aue
Iwein 6208; ist der harn weis und dick, so ist dem menschen wee von kelde und von feuchttigkeit Ortolf v. Bayrland (1477) 8
a; mein herr aber satzte sich auff sein lotter-bette, weil ihm entweder vom zorn oder der uberfüllung wehe war Grimmelshausen
Simpl. 87
neudr.; jm was sehr weh von wegen der schweren kranckheit der augen Xylander
Polybius (
Basel 1574) 169. III@A@2@cc)
ein specialfall gehört eng zu wehe '
geburtskrampf': sie ist die braut dem herrn vertrawt, ir ist weh und mus geberen Luther
Jen. 8, 366
b; Rebecca greifft auff den bauch unnd spricht: mein herr, mich dunckt, mir sey gleich we. ancilla, nach der wehmuter lauff H. Sachs 1, 90
Keller; vermainend diweil jr wee zum kind, es wird an die bindrümen gehn geschwind Fischart
Garg. (1575) 154
neudr.; kam ihr botschafft, wie das ihr gefattern eine weh zuo einem kind were worden Montanus
schwankbücher 395
Bolte; zu einem kind wehe seyn, in kindsnöthen ligen Ravellus (1616) 401. III@BB. weh werden III@B@11)
von seelischem leid ist schon ahd. und alts. gut entwickelt, während die anwendung auf körperlichen schmerz erst mhd. und mnd. einsetzt. III@B@1@aa)
von alters her steht weh werden
von reue, trauer, todesangst, liebeskummer: ioh, so ih iu nu zellu,uuard mir uue mit minnu Otfrid 5, 7, 37; mirn wart dâ vor nie sô wê, desn wær nû al vergeʒʒen Hartm. v. Aue
Iwein 684;
entspr. 3937; vor jâmer wart vil liuten wê
Parzival 107, 6; ich nenne iu sîner mâge mêr, den ouch von minne ist worden wê 586, 15; dô wart dem schûler an der stat ê daʒ her von dannin trat an dem herzin alsô wê Hnr. Klusener
marienleg. 1135
md. ged. 33
Bartsch; sie breiten stêteclîche den gelouben und die rechte ê. in wart dar umme dicke wê
livl. reimchron. 2600
Meyer; an meinem herczen wirt mir wee Arigo
decam. 378
Keller. in nhd. zeit treten angst, unbehagen, ärger hinzu: heuts tags will ich anheben, das sich fur dir frchten vnd erschrecken sollen alle völcker vnter allen himeln, das, wenn sie von dir hOeren, jnen bange vnd weh sol werden fur deiner zukunfft
5. Mos. 2, 25; bisz da ich kam vmb all min hab ... do ward mir wee vnd übel zmuot H. R. Manuel
weinsp. (1548) 3111
neudr.; botz! wie wird mir so angst und weh
griech. dramen 2, 191
Dähnhardt (Aristoph.
wolken 829); ach, ach, wie geh wird mir so weh Spee
trutzn. (1649) 34; es wurde einem bei den darstellungen ... wehe ums herz Jung-Stilling
werke 3, 281
Grollmann; sie werden wehe werden, wenn sie die bilder sehen werden, die ich nach Cassel geschickt habe Merck
briefe 1, 326; wie nun? Berg? rede, wird dir weh? Lenz
ges. schriften 1, 67
Tieck; mir ward weh bey ihnen Göthe
Weim. IV 3, 56; ihm einen possen zu spielen, dasz ihm angst und weh' dabei würde Musäus
volksmärchen 1, 49
Hempel; überrechnete man, wie viel von diesen kostbaren resten ... zerschlagen worden war ... so konnte einem ganz wehe zu muthe werden Justi
Winckelmann 2, 39; thu auf, dasz ich mich wärmen kann! da wird's so weh der schönen Rückert
werke (1867) 1, 62. III@B@1@bb)
der gegenstand einer sehnsucht wird mit nach
angeschlossen: dô minnet er sî deste mê, und ime wart nâch ir alsô wê daʒ diu minne nie gewan grœʒern gwalt an keinem man Hartm. v. Aue
Iwein 1606; denn so oft er auf die frau die augen warf, ward ihm so weh nach ihr Wieland 18, 52 (
Geron); es soll dir so wider und so weh werden, nah dem menschen und nah dem ohrtt, da du es gestohlen hast, als dem jünger Judas wahs, da er Jesum verrathen hat
schweiz. archiv für volksk. 2, 265 (
aus Horgen bei Zürich 1857).
für nach
steht gelegentlich auf: nach tische musz ich dich sehen, es wird mir schon weh auf heut abend Göthe
an frau v. Stein 2, 269. III@B@1@cc)
der gegensatz wohl
wird vorausgestellt: wand im wirt von rehter liebeneweder wol noch wê Walther 14, 1; mir wurde wol oder wê, daʒ schuof diu werde Itonjê
Parzival 607, 11; welcher armer gesel stelt in die ee, ist ym vorhin wol, ym wirt darnach wee Folz
von allem hausrat 7
b Hampe; du heimathliches thal, mir wird so wohl und wehe, dasz ich dich nun einmal ersehntes! wiedersehe Lenau
ged. 1, 251 (1857); der freiherr erzählte mir eine seiner sinnigen geschichten ... mein busen wurde so weit, mir wurde so wohl und so weh Immermann
Münchh.2 2, 14. III@B@1@dd)
die syntaktische besonderheit, dasz in verwünschungen prät. statt des präs. steht, findet sich in der formel weh ward.
nach Grimm
gr. 4, 175
ist die eigenheit wol so zu erklären, dasz das unheil als schon längst bestehend gedacht und durch die verwünschung nur auf seinen empfänger gelenkt wird: uue uuard thi, Hierusalem, quad he,thes thu te uuarun ni uuest thea uurdegiskeftithe thi noh giuuerðen sculun
Heliand 3691 M;
entsprechend das aus lat. vah entlehnte alts. uuah (Sievers
zph. 16, 111): uuah uuarth thesaro uueroldi, quathie,ef thu iro scoldis giuuald egan 5573; uuard tho mennisgen uue,thaʒ er nan (
Adam den apfel) uʒ thoh ni spe Otfrid 2, 6, 27; ir valsches herze kan den valsch wol brúwen. so we in ie wart! so we der valschen zungen, dú valschet in ir herzen vnd mit sinne Gottfrid v. Nifen
Heidelb. liederhs. 110, 32
Pfaff. weiterhin findet sich die fügung nur auf bayr.-östr. boden, lebt aber hier bis in eine moderne mundart hinein: pfî! hætest du zwei zungen, sô lieʒest du nieman ûʒ gehœren. du gesnerst sô vil mit der einigen, daʒ dir wê wart, daʒ dich dîn muoter ie getruoc an dise werlt Berthold v. Regensburg 1, 159
Pfeiffer; nu we dir, armer corper, wart Hnr. v. Neustadt
visio Philiberti 142
Singer; pfî dich! sprach daʒ schretel, pfî! sol ich sie schouwen? wê mir wart! nein, nein, ich kume nicht ûf die vart Hnr. v. Freiberg
schretel 339
Bernt; bea de belte bart 'wehe der welt' ... bea bart, az arz net tüt 'wehe, wenn ihrs nicht tut' Schmeller
cimbr. 171. III@B@22) III@B@2@aa)
die anwendung auf körperlichen schmerz bleibt seltener. weh
bezieht sich hier auf körperschwäche, die auf eine verwundung oder im verlauf einer krankheit folgt, auf schwere plötzliche erkrankung, auch tödliche, doch auch auf leichteres unwohlsein namentlich des magens und unterleibs: ich bin mvde.ich ne mach nicht me. mir ist worden harte wê
grave Ruodolf K 20
Grimm; an ir hôhem fluge wart ir wê (
der verwundeten wildgans)
Parzival 282, 19; der wirt sprach: neve, sît noch ê wart dem künege niht sô wê 492, 24; sô rehte wê in worden was, sô wol wart in Rudolf v. Ems 48, 26
Pfeiffer; des warte deme vorbenomeden her Godescalke we to der Pernowe, dat he van groter krancheyt nicht over komen en konde
Lübecker urkundenbuch 3, 608 (1366); uppe den dinstedach wart eme we myt haste ... unde gaf dar sinen geist up Korner
Lübecker chronik 55
c; welckereme schipmanne, sturman offte bosman wee werdt van der see, also dat he wedder gift, dat ist tho vorstaende, oft he seeck wurde, de schall sines lones entberen
lüb. recht 566
Hach; als wier ... waren zuo herberg in eim dorff, ward mier we, das ich wond, ich miesti erstiken Th. Platter 31
Boos; wil einer aber seiner schwieger gut in seiner jugend angreyffen vnd seinen vater erben, ehe jm wehe wird Mathesius
hochzeitpr. 289, 32
Lösche; wann sie so kawren und in wehe wirdt, dasz das secret nit weyt ist Lindener
Katzipori 136
Bolte; welche mit groszer betrübnus vom gesind vernahmen, dasz ihrer tochter wehe worden wäre Grimmelshausen
vogelnest 402
Keller; er antwortet nicht: ich musz doch um hülfe rufen; ich glaube, ihm ist weh worden Lenz
ges. schr. 1, 61
Tieck; du, salz mit isop reiche, bursch, und zwiebeln mir! mir scharfen sulzfisch, denn vor zwiebeln wird mir weh (
κρομμύοις γὰρ ἄχθομαι) Voss
Aristophanes 1, 79 (
Acharner 1111); da wurde dem mädel so übel und weh Bürger
d. pfarrers tochter v. Taubenheim (1781)
str. 15; s ka m noch we wëre, öb er stirbt 'es kann ihm noch schlecht ergehn, es ist noch nicht aller tage abend' Martin-Lienhart 2, 775. —
eher hierher als zu wäh '
kunstvoll' (13, 503) gehört: (
eine tänzerin) die dadurch in ihren bewegungen immer weicher, züchtiger, ja weher wurde und unbewuszt den sieg gewann Zelter
an Göthe 14.
Febr. 1832, 6, 401
Riemer. III@B@2@bb)
ein specialfall des vorigen ist alem. weh werden '
in ohnmacht fallen': weh werden, übel werden, in eine ohnmacht fallen, wie steinweh werden in einem noch verstärktern sinn Stalder 2, 440; steinweh 'ganz ohnmächtig', verstärkende zusammensetzung Tobler
bei Frommann 5, 194; s is m we wore 'er ist ohnmächtig geworden' Martin-Lienhart 2, 775; s wird mr we 'ich werde ohnmächtig'
mündliche angabe aus Hesselhurst, Ettenheim, Ihringen, Bleibach in Baden. III@B@2@cc)
älter als beim subst. ist die specialisirung auf die schmerzen bei der geburt. der gebrauch löst sich aus dem allgemeinen ab: si was swangir,si truoch einen sun andir, ir wart uil wedo si sin ze chemnaten gie
genesis 71, 4
Diemer; als sy nun auff den see kamen und durch ungefert lang faren muoszten, nähnet die frau zuo der geburt, und ward ir also wee, das sy nit genesen mocht, und starb
Tristrant 2, 8
Pfaff; sie gebiert ehe jr wehe wird, sie ist genesen eines knabens, ehe denn jr kindsnot kompt
Jes. 66, 7; es wird vns angst vnd wehe werden wie ynn kindes nOeten
Jer. 6, 24.
die prägnante formel ist: ihr wird weh zu einem kinde' (
s. o. th. 5, 709): und wenn das weib ein kind thut tragen und ir denn weh wird zu dem kind H. Sachs 17, 252
Keller-Götze; vielleicht ist jetzundt ewer zeit, vnd wirdt euch weh zu einem kind, das euch der liebe gott entbind Alberus
fabeln (1550) 46, 17
neudr.; dem schüszelkorb ward weh zu einem kinde
Ambraser liederbuch (1582)
nr. 141, 9; es ward einer frawen under jnen wee zum kind Münster
cosmogr. (1560) 76.
gelegentlich findet sich eine ausbiegung des gebrauchs: in dem sie durch ein wald reyset, empfande sie sich wehe
Amadis 1, 411
Keller. III@CC. weh geschehen. III@C@11)
oft und alt von seelischem schmerze. III@C@1@aa)
die wörterbücher buchen die wendung spät: es geschicht jhm wee darzu,
sentit multum difficultatis et laboris ... er laszt jhm nicht wee geschehen,
est fugiens laboris Schönsleder (1622) Nn 2
b; es geschiehet uns allen daran wehe Bödiker
grundsätze d. d. sprache (1690) 253; es geschieht mir weh,
male me habet, œgre est animo Frisch 2, 429
b.
früher zu platze ist namentlich die dichtung: vil manigem hertzen wee geschicht, vnd tregt doch fräd verporgen Hätzlerin
liederb. 4; es warb ein schöner jüngling über ein braiten see vmb eines königes tochter: nach laid geschach jm wee Forsters
frische liedlein (1540) 97
neudr.; derhalben keinem wee geschicht, den du schon schilst vnd schmehest hoch, weil von eim lgner kompt die schmoch Fischart
Dominici leben 1638
Kurz; das Welschland dörfft jhr suchen nicht, darüber vns jetzt weeh geschicht Spreng
Äneis 55
a; freylich ist dir weh geschehen, da der tod dein wohl geschwächt Gottsched
ged. (1751) 239.
nur in gehobenem stil erträgt ungebundene rede die wendung: ich wünsch' es von herzen; aber ich gestehe ihnen, dasz mir weh dabey geschieht Ayrenhoff
werke (1814) 3, 262; wie könnte ihnen da weh geschehen? Pückler
briefw. (1873) 1, 266.
in den mundarten kommt sie kaum vor: we st mər ẽn groschn à'zuigst, so gschicht mə scho wêi Schmeller
2 2, 823,
etwa könnte für älteren mundartlichen gebrauch zeugen: dann wo kein fraw, da geschicht dem krancken wee S. Franck
sprichw. (1545) 1, 10
b. III@C@1@bb)
von synonymen finden sich bang
und leid
daneben: so scholen de olderen, den doch weh und bange gescheen is, nemande derhalven dar tho tho antwordende vorpflichtet syn
Sassen- und Holstenrecht 130
Dittmer; und als er die schöne prinzessin sah, ihm leid und weh um das herz geschah Arndt
werke 6, 256
Rösch u. Meisner. die bindung mit wol
findet sich im erbieten zu rechtlichem austrag einer sache: (
der angeklagte wein erbietet sich zu recht,) mir bschähe rächt wol oder wee H. R. Manuel
weinspiel (1548) 3377
neudr.; (
Dido wollte Äneas) zu der ehe, ihr auch darüber wol vnd wehe geschehen lassen an der stett Spreng
Äneis 66
b. III@C@1@cc)
früher als alle diese gebrauchweisen findet sich weh geschehen
in verwünschungen: wê geschehe dir, tac, daʒ dû mich lâst bî liebe langer blîben nieht Walther 88, 16; wê geschehe der hôchgezîte, sprach der künec hêr (sô wê der hôchzîte A)
Nib. 1032 C. III@C@1@dd)
gern und früh stehen gradbestimmungen, wider vorwiegend in der dichtung: ich schiet von ir daʒ ich von wîbe niemer mit der nôt gescheide noch daʒ mir nie sô wê geschach Reinmar
minnes. frühl. 164, 18; dâ von ist dicke mir geschehen sêr unde marterlîche wê Konrad v. Würzburg
troj. 21271
Keller; wie weh ist uns dadurch geschehn Stoppe
Parnasz 381; ach, lieber gott, wie wehe wird dann mir und dir geschehen Bürger 29
b; sie umfieng es und sie drückt' es an sich nah, und mir geschah so weh darob Rückert
ges. ged. 4, 385.
der gebrauch in prosa entbehrt hier des gehobenen klanges: so weh kan dir doch nicht geschehen,
ut dicere cogaris in corde: hab ich nicht mehr verdint? Luther
Weim. 34 I 339; ihrer viel giebet es auch heut zu tage ab, welche äuszerlich ein überaus groszes mitleyden so zum schein von sich erweisen ... es geschiehet ihnen trefflich weh (meinte man offt) dasz dieser und dieser arme tropff also notleiden musz Grimmelshausen
Simpl. 1, 663
Keller (
druck H von 1685); in solchen fällen, wo einem (
verdächtigen) sehr wehe geschehen würde, wenn man ihm unrecht thäte, musz alle behutsamkeit gebrauchet werden Chr. Wolff
vern. ged. v. d. gesellsch. leben (1725) 316; man mus nicht allein ansehen den schaden und verderben der welt, und wie wehe jnen geschicht, sondern auch, wie wehe es uns thut ... das man sein wort also verachtet Luther
Weim. 34 II 466.
der comparativ scheint aufs 16.
jahrh. beschränkt: souil einr höher steiget, souil weher geschicht jm wenn er felt Scheidt
grob. (1551)
glosse zu v. 1976
neudr.; dann wäre ich dir nicht zu hülffe kommen, so würde dir viel weher geschehen seyn
volksbuch vom geh. Siegfried (1726) 75
neudr.; oder mainst, das vileicht solch leut nicht werd sind, das sie han solch freud, so würd des weer dir geschehen das solche leut must frölich sehen
glückh. schiff kehrab 481
neudr. III@C@22)
von körperlichem schmerz findet sich weh geschehen
seltener gebraucht, zaghaft in hs. A
des Nib.: oder iu geschihetvon mînen handen wê 614.
auf der grenze zu seelischem unbehagen steht: mit jagene in vil wê geschach die nacht. sie hatten ungemach ê dan sie quâmen durch den hagen
livl. reimchronik 5115
Meyer; von beeinträchtigung in jeder hinsicht: wes sy dann lust vnd sy des newszt davon dem chind sein crafft zu fliuszt. mag es der frawen werden nicht, so wisz, das dem chind wee geschicht Hätzlerin
liederb. 288.
so ist weh geschehen
von rein körperlichem schmerz und unbehagen relativ spät zu treffen, lexikalisch erst 1697: er laszt ihm nicht wehe geschehen Dentzler 2, 344,
nur ganz vereinzelt in der dichtung: er schlieff, weil ihm zu weh geschehn, dergleichen schmertzen auszustehn Neukirch
in Hoffmannswaldaus
u. a. ged. (1697) 2, 173,
besser entwickelt in prosa: da mit dem megdlein nicht ze wee geschehe Arigo
decam. 38
Keller; do in also von dem geschütz so wehe geschach, das si es nit mer leiden mochten Wilwolt v. Schaumburg 186
Keller; und sol im dannocht nit weh geschehn Frey
gartenges. 62
Bolte; ich hab die kinderzucht ausz vaterlieb zu dir underlassen, damit dir nicht wehe geschehe; thun lassen was dir beliebet und gefallen, damit dir wohl geschehe
Philander 1, 620; dan man sagt, es pflege denen paaren, so also zusammen haltend fallen, nicht bald wehe zugeschehen
Simpl. 90
neudr.; entspr. 93; (
die menschen spielen) um küsse, damit dem verlierenden theil nicht wehe dabey geschehe Wieland
Lucian (1788) 3, 13; und schob mir den korb so auf den leib, dasz mir sehr wehe geschah Göthe
Weim. I 43, 45.
dazu stimmt ein breiterer mundartlicher gebrauch: s gschicht m we 'es fällt ihm schwer'. je ungêrer mer ebbes duht, je wééer geschiehts è
m. un sott es ne allen au recht weh no drüber gschehn Martin-Lienhart 2, 775; es iš m wê gschehe 'man hat ihm körperlich zu viel zugemutet'
mündliche angabe aus Ettenheim in Baden. III@DD.
an freude, leid, hohen mut, kummer geben
o. th. 4 I 1, 1698
reiht sich ein vereinzeltes weh geben
an: sînen vürsten gab er wê
wartburgkr. 82, 4
Simrock. eng dazu steht weh machen,
das transitive gegenstück zu weh geschehen,
lexikalisch nur bei Maaler 487
b: der wind hat mir wee im haupt gmacht,
condoluit caput de uento, mundartlich aus Hesselhurst am Rhein gemeldet: hašt dr wê gmacht?
das anderwärts im bad. oberland als els. empfunden, aber von dort nicht gebucht wird. der litterarische gebrauch beschränkt sich im 15. 16.
jahrh. auf die dichtung, seitdem auf die prosa: ich han ims (
dem ehemann) nie gemachet weh
fastnachtsp. 322, 6; mein hordt, du machst mir wee, wilt du mein red nit hǎn für guot Hätzlerin
liederb. 280; di stimme des herren ... macht wẹ den thyren in der wụsten Schede
psalmen 104
neudr.; dies macht mir weh, und diese stimmung meiner seele hat sich meinem brief eingeprägt Charlotte Schiller
und ihre freunde 1, 168 (9.
jan. 1790); mag es die saugende märzluft oder sonst äuszeres einwirken seyn, was mich wohl nicht krank, doch wehe und unlustig machte Zelter
an Göthe 4.
april 1810, 1, 396
Riemer; der anblick des diaconus hatte ihm wohl und wehe gemacht Immermann
Münchh. 21, 219. III@EE. weh tun. III@E@11)
diese häufigste verbindung ist zugleich die einzige, bei der die anwendung auf körperlichen schmerz der auf seelenschmerz vorangeht. zweifellos hat das verbum der formel diese richtung gegeben. neben schmerz im eigentlichen sinne bezeichnet weh tun
vereinzelt '
ekeln'
in mundarten, denen dieses wort fehlt: den Egyptern wird es weethuon zetrincken
Zürcher bibel (1531) 2. Mos. 7 C,
oder '
hart zusetzen': fliuhit er (
Satan) in then se,thar giduat er imo uue Otfrid 1, 5, 55. III@E@1@aa)
der schmerzerreger ist mit dem dativobject identisch: darüber machen die narren ein comment unnd sagen, die pfortt eng sein, das sey im we thun mit peiczschen, fasten Luther
Weim. 10 III 376;
nemini dedit corpus ad hoc, das er im sol wethun und schaden 28, 208; es stoszt sich mancher selbs mit eim finger ins auge und thut im wehe
tischrede von 1540
im archiv für ref.-gesch. 5, 357; in dem wege vil he van der ledderen unde dede sik gans we
Lübecker chron. 2, 43
Grautoff; da zog ich an ein sack darnach, thet mir mit fasten weh und schmertzen H. Sachs 18, 150
Keller-Götze; thut euch weh, zerreisst die brust, raufft das haar, entblöst die glieder S. Dach 579
Österley; haben sie sich wehe gethan? Immermann 1, 85
Hempel; ich bin gefallen und habe mir weh gethan Holtei
vierzig jahre 1, 21; er ist gestürzt und hat sich auf der brust wehgethan Görres
ges. briefe 2, 479. III@E@1@bb)
liegt der schmerzerreger auszerhalb des objects, so sind verschiedene fälle möglich. er ist: III@E@1@b@aα)
ein lebendes wesen, mensch oder thier: tuostû der rede iht mê, man tuot dir, weiʒgot, als wê Stricker
pfaffe Amis 2446
Lambel; die dirte ploge: Moyses sluog sine ruote uf das gemülle uf die erde, do wart das land vol snocken die den lüten we dotent
d. städtechr. 8, 263 (
Königshofen, Straszburg 1500); straichel jn (
den hund), vnd fang jm flöh, vnd sprich, das thet meim hündlin weh Scheidt
grob. 2878
neudr.; führst uns zur höllen, thust uns weh Gerhardt
lieder 3, 389
a Fischer-Tümpel; ein ... zufriedener mann, der sich über alles freut, keinem kind zu weh thut Klinger
theater 3, 120; zu boden fiel der riese von eines streiches wucht ... der riese sprach am boden: du hast mir wehe gethan Rückert
ges. ged. 3, 507; sie drückt mich und sie preszt mich, und thut mir fast ein weh Heine 1, 101
Elster; er duet kem flo we 'ist ein gutmütiger mensch' Martin-Lienhart 2, 775. III@E@1@b@bβ)
ein lebloses ding: sy (
die mönche) sprechen, die milch th inen we im haubt und das habermuosz th inen we im magen Keisersberg
der seelen paradisz 228
a; der reyff vnd auch der kalte schne der thut jhr wee: noch freud sie sich des sommers Forsters
frische liedlein 32
neudr. (1539); geh fort, o west, vom mädchen, geh! lasz ruhn den welken flieder! du thust ihr mit den blüthen weh, die du auf sie streust nieder Lenau
ged. (1857) 1, 293; do iš nimmeh e so vil guts dran, as êm weh im au duht Martin-Lienhart 2, 775. III@E@1@b@gγ)
ein vorgang oder reiz von auszen, schläge oder licht: es halff an jm kein streich noch schlagen, vnd theten jm die streich wol weh, wolt doch nit sagen a noch b Scheidt
grob. 1452
neudr.; ich wolt, dasz ich ein buben het, der erst kem von dem a b c, dem noch die ruthen theten wee Fischart
nachtrab v. 344
Kurz; dasz jn sein angel thet so weh
Eulenspiegel 1017
Hauffen; der teuffel ... schreit vnd heultet mit jemmerlicher stimm, als wann jn die schlege weh thun Nigrinus
von zäuberern (1592) 55; das licht, das so plötzlich auf sie eindrang, that ihr weh Polenz
Grabenhäger 1, 108.
hierher gehört vor allem das seit dem 12.
jahrh. häufige das, es tut weh,
in den wörterbüchern merkwürdig spät: dirumpitur, disrumpitur, es thut jm so wee, er möcht derschnellen Schönsleder (1622) Nn 2
b; man greiffe einen da an, wo es ihm recht wehe thut, was gilts er wird schreyen,
rub a galled horse on the back, and he will winch Ludwig (1716) 2412; es thut mir in allen gliedern weh,
dolor medullaris mihi insidet Steinbach (1734), 2 956.
um so früher dichterisch: selbe laet er sîn bluot, daʒ im alsô wê tuot
hochzeit 835
Waag; so thuots mir martter wee im rucken H. R. Manuel
weinspiel 415
neudr.; entspr. v. 719; gefror sehr hart, fiel tieffer schnee, welchs wandergsellen thut sehr wee Fischart
Eulenspiegel 5368
Hauffen. in neuerer zeit von ausgeprägt prosaischem klang: sie schlahen mich, aber es thut myr nicht weh
sprüche 23, 35; es ist gar vil besser mit der boumwollen, vnd thuot nit also wee als soltest du vff die blosz aderen brennen Gersdorff
feldbuch der wundarznei (1517) 29, 2
b; es wird entsetzlich wehe thun Petrasch
lustspiele (1765) 1, 104; wenn ein kind einem anderen ärmeren kinde ... einen schlag gibt u.
s. w., so musz man nicht sagen: thue das nicht, es thut dem anderen wehe Kant 10, 439; er wird sich lösen und frei machen, schlimmstenfalls wie der fuchs aus dem eisen. es tut weh, und ein stückchen leben bleibt dran hängen Fontane
ges. werke I 5, 171; es thut garnicht weh. keine spur G. Hauptmann
einsame menschen (1891) 98.
dementsprechend mundartlich weitverbreitet: das tut nich weh, Lene, das kenn' ich Fontane
ges. werke I 5, 138;
nösn. wî dâ =
moselfr. wî dôn 'schmerzen': ət dêt mər wî (
nösn. ebenso) Kisch
vergl. wb. 246. III@E@1@cc)
als scheinbarer schmerzerreger wird das schmerzende glied zum subject gemacht. III@E@1@c@aα)
von kopf und zähnen, die die gröszte rolle spielen, ist das weh
durch den ganzen leib zu verfolgen: ist daʒ ain mensch lang sitzt oder slæft des nahtes an dem mônschîn, sô wirt eʒ træg und swær und wirt huostend und wirt oft im daʒ haupt flüʒʒich und wêtuond Konrad v. Megenberg 66, 14
Pfeiffer; entspr. 375, 20; roken helpet se (
die fiole) deme bosen hovede dat van hette we deyt
mnd. arzneibuch von etwa 1400
nd. jb. 15, 132; deme dat hovet we dot, unde hettet: de dwa dat vorhovet dicke mit coldem water ... deme dat hovet we dot van colde: de neme polleyen unde lorberen
das. 142;
freneticus eyn dem dat houed we dOeyd Diefenbach
nov. gloss. 182 (
aus e. lat.-nd. wb. von Köln 1417); wem das haubt stettigs wee tut der nem rautten safft Ortolf v. Bayrland
arzneibuch (1477) 18
b; wann du dann wol hast ausz gerast die gestrig füll vertriben hast, dasz dir nimm thuot das köpflin weh Scheidt
grob. 2431
neudr.; eins montags tet mirs köpflein we, ich het getrunken vil den tag darvor, mich recht verste Uhland
volksl. 625;
lexikalisch erst spät: j'ay mal à la teste ... der kopff thut mir weh Duez
nomencl. (1652) 101; der kopff thut mir wehe
la testa mi fà male Rädlein (1711) 1, 1038; das haupt thut mir weh
caput dolet Steinbach (1734) 2, 956.
so auch vom thier: die erst sucht des valcken ist an dem kopff, als im der kopff wee tuot Mynsinger
von den falken 22.
von zähnen und augen: ihm thetten alle zehn we, das er nit beyssen mocht Eberlin 3, 36
neudr.; der zan dem abt det vber we H. Sachs
fabeln 192, 79
neudr.; kleibe es über den zahn der dir wehe thut Tabernaemontanus (1664) 297; sie ... stechen hirmit unter die wehtuhenden zähne und das zahn-fleisch Butschky
Pathmos (1677) 576; von dieser salbe nehmet ein wenig, schmieret den wehthuenden zahn damit
mediz. maulaffe (1719) 72; ein halbgehöhlter zahn hat jüngst mir wehgethan Rückert
werke (1867) 2, 152; die augen thun mir weh
oculi dolent Steinbach (1734) 2, 956; wenn mir nur die augen nicht so wehe thäten, dasz ich's lesen könnt
maler Müller
Faust 33
neudr.; als darauf ein auge weh ihm that Becker
Mild. liederbuch (1799) 74.
vom leib und inneren organen: wo rechte we mi mîn herte deit
Lübecker totentanz 646
Bäthcke; magensüchtig
stomachicus, oder dem der mage wee thuot Dasypodius (1537) 380
d;
entspr. 233
d; iedoch hân ich des (
getauten honigs) vil geʒʒen auf dem geu, dô ich ain kindel was; dâ nâch tet mir mein leibel gar wê Konrad v. Megenberg 88, 27
Pfeiffer; dat gantze lyff deyt my wee dar van
Reynke de vos 549
Wolff; thuet dir der leib vnd der bauch wehe, so gehe zum meer, vnnd lasze dich bezauberen Albertinus
Lucifers königreich 88; der bauch thut mir wehe Rädlein 1, 1038; seyd ihr denn noch gesund? gott lob! ich kann über keine krankheit klagen. und euer lieber mann? dem thut auch keine ader weh Salzmann
moral. elementarb. 1, 71; es thut ihm kein finger weh Kretschmann
sämtl. werke 3 II 153.
von rücken und gliedern: der rucken thut mir leyden weh Spangenberg
Alcestis 2074
Dähnhardt; mir thut der ganze rücken weh Göthe
Weim. I, 15, 18; thäten mir auch meine rippen zehnmal weher Babo
schauspiele (1793) 4; auch thaten mir die rippen weh Arndt
sämtl. werke 1, 134; s bai duet-mer wider wiser 'schmerzt mich mehr' Seiler
Basler mundart 312; bld tuat eam da fuasz weh, bald 's g'náck
volksschauspiele in Bayern 224, 109
Hartmann; ich mag mich schon hinlegen, wo ich will, es thut mir alles vom liegen weh Raimund
werke 1, 15
Glossy. III@E@1@c@bβ)
körperliches wehtun
setzen die folgenden anwendungen voraus: ey sagt die frauwe, die weiber haben zähn daselbst im maul (
in der 'wassernusz'), die thun jhnen offtmaln gar wehe, und mssen als dann die männer solchen wehtagen vertreiben
Maynhincklers sack (1612) A iij
r.
so nothwendig ist das zahnweh attribut des lebens, dasz ihm tut kein zahn mehr weh
heiszen kann 'er ist tot': sie (
die kanone) macht gar kurtze weilen, wann sie einen thut ereilen, dasz ihme nimmer mehe hinfort kein zahn thut wehe
zs. des harzvereins 35, 55 (
aus Braunschweig 1605); wenn ich nur erst die funfzig thaler habe, so mag frau und kind gehen wohin sie wollen — das kind — dem wird nach jahr und tag auch kein zahn mehr weh thun Salzmann
Carl v. Carlsberg 21, 230.
ohrenweh wird als folge widriger eindrücke hingestellt: wenn sein vatter ihm unaufhörlich den nutzen des reichthums prediget, dasz ihm die ohren davon wehe thun
discourse der mahlern (
Zellweger) 1, 58
Vetter; endlich gingen sie an das nachlesen; aber da thaten ihnen dem (so!) ohre die hiatus so oft weh, dasz sie jene wichtigere recherche weiter hinausrückten
F. A. Wolf
briefe an Heyne (1797) 137.
entsprechend augenweh: die augen thun dem weh, der etwas wider seinen willen sehen musz Treuer
d. Dädalus (1675) 1, 137. III@E@22)
zwischen körperliches und seelisches weh tun
schieben sich einige gebrauchsweisen, die auf körperlichen schmerz zurückweisen, aber von vornherein nur übertragen gebraucht werden. III@E@2@aa)
körperlich mögliche schmerzen werden als complex seelisch verstanden. III@E@2@a@aα)
ganz nahe zu den letzten belegen stellt sich: es tuht mir in den ohren wehe Stieler 2458
von verletzenden äuszerungen; das einem in ohren ... wehe thut H. Guarinonius
grewel der verwüstung (Ing. 1610) 192;
viel ausgebildeter in den augen wehe tun
vom neid, gebucht erst bei Frisius
dict. (1703) 2, 303; Pomey (1709) 338,
litterarisch seit dem 16.
jahrh. gut bezeugt: wiltu mir heut etwas beweisen, dadurch ich mich fürnemlich erfreue und das deinem man in den augen wee thue (
oculi doleant) Bolz
Terenz (1539) 162
b; es thett jn allzeit wehe in augen, das die teutschen das rOemisch reich vnd Italiam solten regieren S. Franck
chronicon Germ. (1538) 98
1; 115
2 u. ö.; inmaassen die reychtumb Julij Pompeio argwönig, wehe in augen thet Stumpf
Schweytzer chronick (1606) 170
a; drey stAett ich (
Juno) hab, Argos vnd Spartam hochgenant, darzu Mycaenas weit erkant, thund sie dir in den augen wehe vnd wilt du das auch vndergeh die eine oder ander schon, so ist es meinethalb gethon Spreng
Ilias (
Augsb. 1610) 40
b.
im 17.
jahrh. vom gewiszen: den schneidern thut nichts gestolenes im aug wehe
Simpl. 426
neudr.; bei Göthe
von ästhetischem miszfallen: damit ihnen das schiefe, krumme in dem auge selbst weh thäte
Weim. I 47, 333.
vereinzelt und spät in den zähnen weh tun: also auch schwatzen sollte ich nicht mehr und die töne thaten mir in den zähnen wehe Göthe
Weim. I 25, 148. III@E@2@a@bβ) das herz tut mir weh
wird wie es blutet mir
ganz gewöhnlich von seelischem schmerze gebraucht: mein hertz, mein hertz thut mir wehe ... wie ist mir so hertzlich wehe
Jer. 4, 19; mein hertz thut mir vor sorgen weh H. Sachs 1, 151
Keller; das jm auch das hertz wird darüber weh thuen Musculus
hosenteufel 19
neudr.; noch niemahls hat mir mein herz so wehgethan Ph. Hafner
lustspiele (1812) 1, 29; so, dasz mir mein hertz im leibe darüber weh that,
so that it made my heart ake Ludwig (1716) 2412; es wird eine empfindung des leidens seyn: ihr wird das herz wehthun Abbt
verm. werke VI, I 119; nur wird es ihrem theilnehmenden herzen wehe thun zu vernehmen, das der braven burgemeister Bohl in Lobeda ... ein trauriger fall begegnet ist Göthe
Weim. IV 30, 35; wie thut das herz mir weh, dasz ich nur eine frau bin Ebner-Eschenbach 1, 124; seinem herzen thut es wehe Rückert
ges. ged. 5, 240. III@E@2@a@gγ) sich den kopf zerbrechen
ist in der bedeutung '
sich geistig anstrengen'
so fest geworden, dasz die erinnerung an den schmerz, den die sache macht, nicht körperlich verstanden wird: auf alle fälle will ich mir nicht den kopf zerbrechen, denn das tuht weh, sagte meine mutter Göthe
Weim. IV 1, 119. III@E@2@bb)
durch metapher werden objecte mit schmerzempfindung begabt, die keine haben. III@E@2@b@aα)
prosaisch der beutel: da fieng der son aller erst an zu schlemmen vnd spielen vnd was dem seckel weh thet Pauli
schimpf (1555) 139
a; spielleut, schalcksnarren, schöne frauwen und was den leib erfreuwet und dem geltsack wee thut Kirchhof
wendunm. 1, 267
Österley; treiben alles das, so dem gelt weh und dem lieb wolthet Wickram 2, 29
Bolte; da gings
in floribus her, und blieb nichts unterwegen, was nur dem geld wehe thun mögte
Simpl. 226
neudr. (
Kurz 1, 278,
entspr. 3, 899); manche ehrliche hausfrau befürchtet, dasz man ... ihren stolz oder geiz beschreien werde: blosz darum thut sie ihrem beutel wehe, 6 pfennige hervorzugeben und die tadlerinnen zu kaufen Gottsched
vern. tadlerinnen2 (1738) 1, 216; alles mache, was m gëld we duet 'unnützer weise geld ausgeben' Martin - Lienhart 2, 775.
nahe angrenzend: der aufwand der frauen thut den männern wehe,
sumtus uxorum onerant maritorum penates Serz 174. III@E@2@b@bβ)
poetisch von wind und blumen: er (
der nordwind) hab im lenz ihn (
den westwind) oft geplagt, den blumen wehgethan Rückert
werke (1869) 3, 79. III@E@2@cc)
durch metapher wird als schmerzhaft hingestellt, was nur entschlusz kostet oder lästig ist: III@E@2@c@aα) sich weh tun mit einer arbeit
heiszt '
sich (
über)
anstrengen',
verwandt mit franz. avoir du mal à faire qc.: das geschicht nu nit mit sussen guten tagen. szondernn hie musz man der natur weh thun vnnd weh thun lassenn Luther (1520)
von den guten werken 63
neudr.; eh solt euch all der bader krawen, dann ich wolt ewer fuosz-thuoch sein, vnd haben alle mh vnd pein, vnd thet ich meinen glidern weh Scheidt
grob. (1551) 1568
neudr.; zu dem merck auch disz recipe: thu dir ja nicht mit kauffen weh, als mancher, der ein dorff erkaufft und nach dem geld zun juden laufft Ringwaldt
laut. warheit (1598) 35; es ist gewisz so ein fauler schlingel, der sich lieber mit betteln behilfft, als dasz er sich mit arbeiten solte weh thun Chr. Weise
klügste leute (1675) 190; er hat sich wehe gethan (an seinem vermögen)
impendio exhaustus est Serz 174; du wurs m we due
iron. 'du wirst dich anstrengen bei dieser arbeit' Martin-Lienhart 2, 775.
mit umsprung des objects: wider die faulen: er thuot groszer arbeit nit wee S. Franck
sprichw. (1545) 1, 6
a;
daraus bei Schottel 1121. III@E@2@c@bβ) mangel, armuth, hunger tun weh: wen gelust, dem tuot mangel wee Hätzlerin
liederb. 288; den köchen thut kein mangel wehe Göthe
Weim. I, 15, 13; armuot thuot dem alter wee Franck
sprüchwörter (1541) 1, 159
a; armut wehe thut Schottel 1127; vbermuth machet armuth, armuth wehe thut Albertinus
hirnschleiffer (1664) 40; armuth wihe (
lies: wehe) thut, Bethlehem und Leiden ligen unweit von einander Abr. a S. Clara
Judas (1687) 1, 322; doch wer armuth nie empfunden, weisz es nicht, wie weh sie thut Schubart
ged. (1825) 2, 147; dahero auch ohne zweiffel das bekandte sprchwort mag entstanden seyn: junges blut! spar dein gut; hunger im alter wehe thut
gestr. rockenphilos. 3, 185 (1706); freylich musz ich mich an deine schafe halten, wenn mich hungert, denn hunger thut weh Lessing 1, 224 (
fabeln 3, 16); lieber gott — der hunger thut weh Iffland
theatr. werke 2, 229 (
spieler 2, 6); hunger thut weh Immermann
Münchh. 2 2, 92; und auf den appetit kommt es an und auf den hunger. das heiszt, wenn er nicht zu grosz ist und nicht weh tut Fontane
ges. werke I 6, 46 (
quitt 6). III@E@33) weh tun
von seelischem schmerz steht hinter der anwendung auf körperschmerz entschieden zurück, aber während körperlich nur ein leichter schmerz damit bezeichnet wird, ist im gebiet des seelischen er, es hat mir weh getan
ein sehr starker ausdruck für beleidigung, kränkung, gram und noth. III@E@3@aa)
ein zeitliches vorangehen des deutschen südwestens kann nicht zufällig sein: uuiê lango sol mir daʒ uuê tuôn, daʒ ungelouba richesot? Notker
ps. 12, 3
Galler hs.; hern Îwein tete der zwîvel wê wederm er helfen solde Hartm. v. Aue
Iwein 3846; wand im tete daʒ scheiden wê 6513; der gespenstige gelange der tete in allerêrste wê, wê unde maneges wirs dan ê Gotfr. v. Straszburg
Tristan 17844; so kvme ich vor liebe in so we tuonde not das man mich vil dicke siht bleich vnd rot Markgr. v. Hohenburg
Heidelb. liederhs. 56, 36
Pfaff; das (
die schilderung des unglücks) tuot an den mAeren we Rudolf v. Ems
Willehalm 1025
Junk; dú minne ist ain senftes wort ... ain wetuondes herze liep 4404 (
entspr. 4443); iʒ fraget manicher wie iʒ dir gee ginge iʒ dir wol, iʒ det yme we
deutsche hsn. zu Basel 1, 39
Binz (
aus Mainz 1400); er tuet uns allen sammen wee
altd. passionsspiele a. Tirol 9
Wackernell; ob dir we tuot dins eben mentschen kumber
st. Georgener prediger 216, 18
Rieder; einem tregen thuot das nochfolgen we
der ewigen wiszheit betbüchlein (
Basel 1518) VII
b; es thuot eim menschen wee am anfang recht zuo thuon. aber von tag zuo tag würt es ye besser vnd jm lichter Keisersberg
post. (1522) 1, 31
a. III@E@3@bb)
die übrigen landschaften weisen in mhd. zeit nur etwa ein fünftel der belege auf: daʒ (
der fall des mädchens) tet mir wol halbeʒ wê, wan ich het sîn war genomen daʒ über al den anger mê nie sô schœneʒ was bekomen Neidhart XLIII
Haupt (
unecht); dem meister tet die rede wê
livl. reimchronik 9612
Meyer. erst Luther
schafft dem ausdruck verbreitung, der ihm von strafe u. asketik geläufig ist: die straff thut dir faul und wehe
Weim. 34 I 335; thut dyrs whe, denck, das gotte deyn dibstal, undanck
etc. auch wehe thue
das.; wie es denn recht vnd billich ist, das euch solcher fall sol wehe thun, weil sie ewer nehestes vnd bestes glied ist, dazu ewer eigen leib gewesen ist
Erl. 55, 62 (
trostschrift an Broitzen 25.
aug. 1534).
in der bibel giebt er dem wort allmählich ausdehnung: wie viel mehr wirt er yhm wehe thun, so wyr sagen, das kind ist tod?
2. Sam. 12, 18 (
erste niederschrift: leyde): ich aber wenn sie kranck waren, zoch eynen sack an, thet mir wehe mit fasten (
so seit 1531;
erste niederschrift und noch 1528: demütiget meyne seelen)
ps. 35, 13; ich sahe die verechter vnd thut mir wehe (
so seit 1531;
erste niederschrift und noch 1528: vnd es verdros mich)
ps. 119, 158. III@E@3@cc)
es ist nöthig die beziehung auf herz und seele ausdrücklich zu bezeichnen, eben weil die auf den leib früher fest ist. III@E@3@c@aα) von, im herzen
ist der ältere zusatz: unde heiʒt ir Itonjê, sô tuot ir im von herzen wê
Parzival 633, 16; das tät mir warlich we im herzen
Garg. 49
neudr.; dasz es mir im herzen wehe thet, dieweil sie meinem wahrhafften schreiben nit statt oder glauben geben wolten Götz v. Berl. 98
neudr.; male animo est, mir ist wee vmb das hertz Schönsleder (1622) Nn 2
b; das thut mir im hertzen wehe,
dolet hoc cordi meo Dentzler (1697) 2, 344; das ist es, was mir oft im herzen weh gethan, was die natur verwirft und keiner loben kann Neukirch
ged. (1744) 110; sein anblick wird mir im herzen weh thun Göthe
Weim. I 8, 24; oft thut es mir im herzen weh, dasz du nicht bei mir bist IV 8, 49; allen thut es weh im herzen, die den bleichen knaben sehn Heine 1, 35
Elster. III@E@3@c@bβ) in der seele
herrscht in neuerer prosa vor: es thut mir in der seele weh, dasz das wort genie so gemiszbraucht wird Jung-Stilling 9, 83; unserm Siegwart that es in der seele weh, sich so tief erniedrigen zu müssen Miller
Siegwart 1, 231; es thut mir in der seele wehe ... dasz diese ketzer einen theil von Gallien besitzen
M. J. Schmidt
gesch. der deutschen (1778) 1, 209; fiel mir die prinzessin ... zu füszen und bat mich um gotteswillen, ihr nur wenigstens eine exspectanz auf mein herz zu geben. sie that mir in der seele weh ... aber gebrannte kinder scheuen das feuer Immermann
Münchh.2 1, 126; klatsch! klatsch! hieb er auf die magern brüder des Pegasus und trabte mit uns auf dem stoszenden steinweg, dasz es uns in der seele weh that Hauff 7, 164
Hempel (
mem. des Sat.); die seiner seele weh thaten Alexis
Roland (1840) 1, 38; so strahlt sie mir wehthuend in der seele aug Ludwig
ges. schriften 3, 182 (
Scud. 2, 9).
als vorbereitung dieses ausdrucks kann etwa gelten: weil sie den kräfften des gemüthes weh thun, sol man sie (
bestimmte arbeiten) am meisten fliehen Butschky
Pathmos (1677) 12. III@E@3@dd)
seelisches wehtun
ohne zusatz ist III@E@3@d@aα)
selten objectiv beeinträchtigen, schaden tun: die blödigkeit der augen würd dem gesicht wee thuon Fischart
praktik 29
neudr.; diser pundt thet dem adel weh im kropff Stumpff
Schweytzer chronick (1606) 343
b; auch wasz für inconvenientien ausz dem fall
immixtionis entstehen, auch meinen gnedigen herren wehe thun wurde, wann man
de facto contra hoc jus et regale acquisitum sich setzen und davon priviren solte
akten des oldenburg. gesandten Mylius 20.
jan. 1652
in Weckherlins gedichten 3, 167
Fischer; aus hasz gegen die tyrannischen Atriden würde ich ihm beystehn, ihnen wehe zu thun Sophokles
Philoktet 2, 1
deutsch von Steinbryckel (1760) 35; ein auszerordentlich gescheutes gesicht, das viel groszes hat, dem aber das hervorstehende kinn, und der steife bart wehe thun Lavater
phys. fragmente 1, 212; solch ein kerl ... kann einem Faust wehe thun
maler Müller
werke (1811) 2, 100; das laster weh dem menschen thut Göthe
Weim. I 16, 17. III@E@3@d@bβ)
oft subjectiv in vielen schattirungen: III@E@3@d@b@aaaa) '
es geht mir nahe, schmerzt mich' —
über eine reaction des betroffenen wird nichts ausgesagt. mundartlich nur aus Basel: 's hett em we do 'ging ihm nahe' Seiler 312;
lexikalisch: sein fieber thut mir weh,
de febri ejus doleo Steinbach 2, 956; dein zustand thut mir weh,
doleo vicem tuam Frisch 2, 429
b.
viel besser litterarisch entwickelt: toud ist din leib, we tuot mir das
schauspiele des mittelalters 1, 203
Mone; es thuot mir aber wehe, vnnd der zorn wil sich nitt wol bergen lossen Cochlaeus
heimlich gespräch 15
neudr.; das thet den frommen priestern wehe Alberus
fabeln (1550) 33, 42
neudr.; ir ellendt thet jr wee
lied v. hürn. Seyfr. 9
neudr.; hat sie dieses wort beleidiget, herr major? es hat mir weh gethan Lessing 2, 250 (
Minna 5, 5); das alles thut mir nicht einmal an der fingerspitze wehe Jung-Stilling
werke 3, 18
Grollmann; ich weisz, es thut weh, wenn man seine kameraden verliert Schubart
leben 2, 62; ihre krankheit dauerte nicht lange; sie war ruhig, hingegeben, nur ihre kinder thaten ihr weh, besonders das kleine Göthe
Weim. I 19, 85 (
Werther);
entspr. I 22, 267; die erste konstitution ... wurde mit dem bajonett gemacht, wie fast alle konstitutionen. es that mir an diesem tage wehe für Frankreich und für Bonaparte Seume 189 (
spazierg.); es thut mir nicht leid, dasz ich's gethan habe (denn es war recht); aber wehe thut es mir doch Dav. Veit 1795
in Varnhagens galerie 1, 62; und es tut einem weh Görres
ges. briefe 3, 2; mit denen zu zerfallen, die man nicht liebt, sagte der papst (
Sixtus 5.), ist kein so groszes unglück: aber mit denen, die man liebt, das thut wehe Ranke
sämtl. werke 38, 136; du armer mann, muszt so den krieg verlassen? das thut mir weh Tieck
schriften 2, 130 (
Genoveva). III@E@3@d@b@bbbb)
viel häufiger ist die bedeutung '
kränken' —
der betroffene empfindet den reiz, vorgang als unberechtigt. so schon mhd.: schrîet daʒ mîn smerze mîner frouwen herze breche und in ir ôren gê. si tuot mir ze lange wê Heinr. v. Morungen
minnes. frühl. 146, 10.
hierher von nhd. wörterbüchern: gifftig verleumbder thut frommen hertzen wehe, vnd gehet durch marck vnd bein Henisch 262, 25; heimlicher kummer thut wehe
strangulat inclusus dolor Dentzler (1697) 2, 344; es that mir wehe, dasz ich ihn so beschimpffet sehen muste
i was grieved to see him so abused Ludwig (1716) 2413.
in nhd. litteratur von anfang an gleich entwickelt: so hat auch hertzog George freilich solches euch nicht darumb gethan, das euch solte sanffte vnd wol thun, er hette es sonst wol gelassen, sondern er hat euch wöllen leid vnd wehe thun, vnd hat es auch gethan Luther
Jen. 6, 11
b (1533); so weyset man die bettler ... offt mit harten vnd verwehnten worten abe, welches den leuten wehe thut Mathesius
Sarepta (1571) XXIIII
b; wenn wir in der welt sehen vnd leiden müssen, was nicht billich, nicht göttlich, nicht nützlich, ja auch schedlich ist vnd wehe thut Hayneccius
Hans Pfriem (1582) 6
neudr.; vnd thut uns auff ihn weh die schmach H. Sachs 17, 81
Keller-Götze; doch der auszspruch dem Ulyszi zufellt. solchs thut Aiaci weh, weil ihm allein Achillis waffen nicht gegeben seyn Sophokles
Ajax deutsch v. Spangenberg, inhalt v. 17; er liebte, die ihm wehgethan Gerhardt
lieder 3, 304
Fischer-Tümpel; soll mich diese undanckbarkeit nicht schmertzen, und wehe thun? Stranitzky
ollapotrida 92
neudr.; vergeblich suchte dir die scheelsucht weh zu thun König
ged. (1745) 146; sie hat mich nicht erzürnt, sie hat mir wehgethan J. E. Schlegel
werke (1761) 1, 233; ach ich hab, ich habe dir weh gethan Sal. Gessner
werke (1778) 2, 16; sich muthwillig feinde zu machen, ohne doch eben jemand zu hassen, und seinen freund beiszend zu bespötteln, ohne ihm wehe thun zu wollen Kant 10, 273; nun thut es mir weh, dasz ich sie als einen haufen ... schmierer ansehen soll Nicolai
Nothanker 1, 111; dasz ich euch itzt schon zurück lassen soll ... das thut mir weh Gerstenberg
nat.-lit. 48, 258 (
Ugolino 5); obwohl cabale ... ihm wehe thun kann Herder
werke 23, 79
Suphan; entspr. 5, 648; 17, 21; 25, 175; 27, 210; er, dem es so hart ankam, auch dem geringsten seiner unterthanen wehe zu thun
M. J. Schmidt
geschichte d. deutschen (1778) 1, 458; auf diese weise wäret ihr frauen wohl unüberwindlich ... liebevoll, dasz man sich gern hingibt, gefühlvoll, dasz man euch nicht weh thun mag Göthe
Weim. I 20, 12 (
wahlv. 1, 1);
entspr. 42 II 217; 45, 34; IV 41, 143; was mir zuweilen weh thut, ist, dasz meine kräfte so wenig hinreichen Knebel
lit. nachlasz 3, 4; es thut mir lang' schon weh dasz ich dich in der gesellschaft seh Göthe
Weim. I 14, 175; in groszes unglück lehrt ein edles herz sich endlich finden, aber wehe thuts, des lebens kleine zierden zu entbehren Schiller 12, 402 (
Maria Stuart 1, 1); auch keinem hats den schlaf vertrieben, dasz ich am morgen weiter geh. sie konntens halten nach belieben, von einer aber thut mirs weh Uhland
ged.2 73; herz, du hast dir selber oft wehgethan, und hast es andern, weil du hast geliebt, gehofft Lenau
ged. (1857) 1, 116; (
der augenblick) in welchem es ihnen leid thun musz, mir weh gethan zu haben J. G. Forster
briefwechsel 1, 841;
entspr. sämtl. schriften 2, 76; weil es weh thut, wenn das bessre in uns miszhandelt wird durch den unverstand B. v. Arnim
Brentanos frühlingskranz 2; beide völker, Deutsche und Italiener, deren schicksale so eng verkettet sind, haben sich lange zeit einander weh gethan J. Grimm
kl. schriften 1, 77; dasz das und das, was uns wehe thut, in der welt ist und vielleicht sein musz O. Ludwig
ges. schriften 5, 247;
entspr. 2, 335; 5, 325; gerade weil er die treffende wahrheit in manchen ihrer schärfsten bemerkungen selbst empfand, that sie ihm weh und verletzte ihn Holtei
erzähl. schriften 5, 41;
entspr. 3, 106; 7, 98;
vierzig jahre 1, 124; ich thue niemanden gern weh Gutzkow
ritter v. geist 1, 390; dies allein thut mir weh, und es würde mich wahrhaft unglücklich machen, allein um unserer dummheit willen nicht ein oder zwei jahre noch glücklich sein zu dürfen G. Keller
ges. werke 2, 87; dir schreiben, was ich vorhabe, fällt mir schwer. es wird dich empören, es wird dir weh thun Ebner-Eschenbach 4, 111;
entspr. 4, 72. III@E@3@d@b@cccc)
stärker als das vorige und als leid tun
ist die bedeutung '
verdrieszen' —
der betroffene lehnt sich gegen den reiz auf. von den beispielen der wörterbücher gehören hierher: wehe thun, verdrusz bringen ... es that mir wehe, dasz du mich nicht auff die hochzeit ludest Ravellus (1616) 401; wehe thun, verdrusz bringen
mortifier, piquer, choquer Rädlein 1, 1038; sich etwas wehe thun lassen
grauiter ex re aliqua dolere Hederich
promt. (1729) 2614; es mag dir wohl weh thun, dasz deine schwester so reich heirathet Gellert
bei Adelung. litterarisch ist der gebrauch älter, doch auch beschränkt: solch gespai thett dem von Guettenstain wee
Zimm. chronik 2, 258; als nun der hertzog hie aber ein mal vnderlag, thet es jm gar wee, das er von einem kleinen fürsten solt überwunden werden Münster
cosmogr. (1560) 163; wie er nun etliche zeit kein gelt hatte zu verpraszen, und sah seine vorige ... gesellschafft ... frölich sein ... thet es ihm wehe Kirchhof
wendunm. 2, 197
Österley; ob nun wohl solches herzog Friedrichen ... wehe thät, konnte es doch nicht geändert werden Schweinichen
denkwürdigk. 43; sonder das auch ein böse eh thu nicht allein den bösen wee, sonder ganz land vnd stätt verfre Fischart
ehzuchtb. 144
Hauffen; weil er mit jn (
den teufeln) gut kuntschafft hett vnd wüst, was jn wirsch vnd weh thet
von s. Dominici leben v. 3260
Kurz; uns thut nicht weh, dasz du uns mit deinem schleichen manche schöne lust nimst hin Stieler
geharn. Venus (1660) 128
neudr. zwar thut es weh und ärgert sehr Gerhardt
lieder 3, 364
a Fischer-Tümpel; es würde mir wehe thun, wenn ich deswegen einen einzigen gedanken wegstreichen sollte Gleim
briefw. 1, 123
Körte; absonderlich thats ihr wegen des mauls weh
maler Müller
werke 1, 169. III@E@3@d@b@dddd)
ein specialfall ist die wahl tut weh
oben theil 13, 516: es thut einem zwischen ihm und dem Spadi-Do die wahl weh Raimund (1855) 6, 14 (
barometerm.); will er lieber das geisterschlosz ... oder das feurige racheschwert von Hildebrandt? da thut mir die wahl weh, erwiderte er Hauff 9, 60
Hempel. III@E@3@ee)
stets seelisch ist weh tun
mit den präpositionen nach
und um,
die meist eine sehnsucht anknüpfen: nach gelt und gut alle welt wehe tut Henisch 1474;
danach: nach ehr und gut alle welt jhr weh thut Schottel 1127; o eiland, das ich meine, wie thuts nach dir mir weh Arndt
ged. (1860) 426; die alten jungfern oder auch die jungen, denen es um einen mann sehr weh thut, pflegen in ihren leibes- und seelennöthen gewöhnlich zu einem selbstgemachten orakel ihre zuflucht zu nehmen Schummel
spitzbart (1779) 360.
bedauernd bleibt: es thut den richtern wehe wohl um den wackern mann Wilh. Müller 1, 398. III@E@3@ff)
bei zufügung des gegensatzes wohl
ist weh tun
selten und nur in älterer sprache körperlich gemeint: es thue dir wol oder we kain frist gib ich dir me. ich slach dir ab deinen kragen
fastnachtsp. 476, 21; ja fraw, er (
der wein) thut eüch wol vnd wee
pfarrer von Kalenberg 1112
neudr. die regel ist seelischer gebrauch: er hatt an mir geprochen, das tuott mir wol vnd we Hätzlerin
liederb. 78; wǎ rechte mynn ir hin gepett, davon schaidet sy nit ee, es tü wol oder wee, sy müsz der tod vertreiben 243; ist keinem angelegen was wohl vnd wee jhm thut Zinkgref
auserl. ged. 9
neudr.; kundschaft thut wol und weh Schottel 1145; er liesz Mignon rufen, um sie auf diese veränderung vorzubereiten. — meister! sagte sie, behalte mich bei dir, es wird mir wohl thun und weh Göthe
Weim. I 23, 112; es thut so weh, so wohl hernach I 6, 43; aber diesz verwunden thut mir nicht wohl, sondern wehe Lavater
verm. schriften 2, 131; ein groszer herr ist freylich ein andres ding, als unser einer, denn er kann wohl und weh thun Klinger
werke 3, 43.
so auch bei loserer fügung: seine art von lustigkeit thut mir wehe, ich wollte wetten, dasz ihm dabei nicht wohl ist Göthe
Weim. I 23, 224; eines zu thun mag die gute, die liebe mir taugen: weh in dem herzen und wohl in den augen Rückert
ges. ged. 4, 354. III@E@3@gg)
synonyme begriffe werden selten beigesetzt: der jung trat in die pues dar nach, er tet im selber wint und wee Kurzmann
Albanus bei Schönbach Wiener sitz.-ber. 88, 872; das dut mim gesellen winne und we Eberh. Windecke (
Konstanz 1415)
bei Liliencron hist. volksl. nr. 54
v. 31; das thut mir heymlich weh und andt H. Sachs 15, 82
Keller; ebenso 17, 3. III@E@3@hh)
gradbestimmungen sind mannigfach: III@E@3@h@aα)
steigernd in alter zeit vil, gar, satt
u. ä., bis sehr
die stehende bestimmung wird, neben der sich eine neue mannigfaltigkeit entwickelt: eʒ tuot vil wê, swer herzeclîche minnet an sô hôhe stat, dâ sîn dienest gar versmât Heinrich v. Morungen
minnes. frühl. 134, 14; mir tuot endeclîchen wê daʒ den winder niemen des erwenden mac, er entwinge uns abe beidiu bluomen unde klê Neidhart v. Reuental 36, 18
Haupt; das Maria die mǔter din uns (
den teufeln) hút tet als nim me, so si uns tet gar we
schauspiele des mittelalters 1, 299
Mone; nun Ciro thet gar wee die schmach H. Sachs 2, 124
Keller; es thet yhn whe gar sat Luther
Weim. 34 I 238; das thut hertzlich whe 245; es wird dem herrn seer whe thun haben,
cum dixit: osculo 227; stormeden se do myd gudem ernste dat slot unde deden eme sere we Korner
Lübecker chronik 219
b; dede he dar deme lande sere we 140
c; haben mich im hertzen gebissen, haben mir sehr wehe gethan
valde me momorderant epistolae tuae de Attica nostra Henisch 265; das thut mir sehr wehe
hoc magno mihi est dolori ... sich etwas sehr wehe thun lassen
magno dolore adfici Hederich (1729) 2614; denn ew. excell. würdige geschäftsführung verletzt zu sehen thut mir sehr weh Göthe
Weim. IV 28, 90; dieser ausspruch hatte ihr wieder sehr weh gethan Hans v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 17. — welche history mir rechtschaffen wehe that Ringwaldt
christl. warnung A 6
a; ich will ihm rechtschaffen wehe thun Ludwig (1716) 2412; hat uns ein lungenhieb nur ernstlich weh gethan, ach! so vergeht uns wohl die zierlichkeit im schmertzen Günther
ged. (1736) 666; zum andern, thut es uns auch schmerzlichen wehe, das e. g. unlangst in alle gebiete und städte geschrieben Schütz
Preuszen (1599) 174
b; sein abschied thät mir schmertzlich weh
Simpl. 393
neudr.; diese worte thaten jhm überaus wehe Rädlein 1, 1038; sein absterben hat mir ungemein weh gethan Ludwig 2413; er thut mir greulich weh Göthe
Weim. I 9, 102; er thut verdammt weh O. Ludwig
ges. schriften 2, 126. III@E@3@h@bβ)
vergleichende zusätze sind in allen sprachperioden und in jedem stil möglich: in tete diu schame alsô wê Hartm. v. Aue
Iwein 6224; Isolde und Tristande den was diu huote als ande, verbot daʒ tete in alse wê, daʒ si alse flîʒeclîchen ê ze ir state nie gedâhten
Tristan 18123; nu tuo wir in so wemit des werches sere daʒ si niht uolgensusgetanen spellen
exodus 133, 3
Diemer; genædeclîchiu minne, lâ: war umbe tuost dû mir sô wê? Walther 55, 27; daʒ klage ich vnd muos mir dike tuon so we Otto v. Brandenburg
Heidelb. liederhs. 18, 33
Pfaff; mir tuot die ain so we, so don, das ich der andern wol empir Hätzlerin
liederb. 242; wie thut mir das so weh und andt H. Sachs 2, 25
Keller; Ptholomeus Epyfames des vorgenanten sun: dirre tet den juden also we, das sü apgötte anebetten muostent
d. städtechr. 8, 314; wie wollt' er dich kränken, da ihm dein trotz so wehe thut
maler Müller
werke 1, 70; dabey es uns so wehe gethan, einen mann von den edelsten und seltensten talenten dieselben misbrauchen zu sehen Gerstenberg
lit.-denkm. 128, 387. III@E@3@h@gγ)
einschränkungen sind seltener: diu bete tet in niht ze wê
Parzival 631, 5; alles gefiel dem knaben so wohl, dasz es ihm nicht sonderlich wehe that seinen vater abreisen zu sehen Göthe
Weim. I 24, 238; ich hab ihr doch heute zu wehe gethan Bauernfeld
ges. schriften 1, 145; obschon ich ihr damit nicht zu wehe thun will 2, 145; es that mir wehe genug, dasz ichs thun muste Ludwig 2413; die hälfte der städte ... durch die er den entgegengesetzten städten immer wehe genug thun konnte
M. I. Schmidt
geschichte der deutschen (1778) 3, 59; es thut mir wehe genug, dasz ich nicht mehr habe Pfeffel
pros. vers. 7, 61. III@E@3@h@dδ)
für comparativ und superlativ werden sonst gern suppletivformen herangezogen, namentlich in südwestdeutschen mundarten: werštər, weršər, am werštstə Martin-Lienhart 2, 775; Mankel
mundart des Münstertals (1883) 170; wirser Spreng
idioticon Rauracum 43
Socin; wirser, wiser, am wi(r)siste Seiler
Basler mundart 312; wéhrscher Tobler
appenz. sprachsch. 443
a; würscher: wie schüfterer as d' rîbst, wie würscher tuət s dəm strüdel Frommann 6, 397, 92
aus Saanen im Berner Oberland. gerade die heranziehung von wirs
ist alt: des wart er an den fʒʒen sat, die taten im wirs danne wê
altd. wälder 3, 225 (
beisp. aus e. Wiener hs. des 13. jahrh.).
der organische comparativ steht gern im vergleich des typus körperliches tut weh, seelisches weher: bruder sey versichert, dasz ich dich so hoch liebe als mich selbsten, und dasz mir die beleidigung, so ich dir heut zugefget, viel weher thut, als die kugel, damit du mich an meine stirn getroffen
Simpl. 340
neudr.; diese verzweiffelten bereits an einem glücklichen entsatz der vestung, das mir weher thät als meine wunden
Simpl. 1, 455, 8
Kurz; ein weher (
blasebalg) machet wind, stäubt ab, weht feuer an, noch weher thut die schmach, als mancher böser zahn Seume
kl. teutsches lexikon (1733) 374; es thut mir weher als ihm
eum dum ferio, magis mihi nocet quam illi Serz (1797) 174; zwar wein beschweret oft den kopf, doch der thut manchem ehetropf wohl zehnmal weher Göthe
Weim. I, 4, 94.
älter und häufiger sind aber beide glieder der vergleichung seelisch: quis thut dem euangelio weher
adhuc hodie? Turca non so wehe
ut pabst und rottengeister Luther
Weim. 34 II 553; dasselb thut auch dest weher mir H. Sachs 12, 129
Keller; de valsche vrunt deyt my weger wen myn openbare viend
mnd. ecclesiasticus 196
d; man kan auch dem teufel nicht weher thun, denn wenn man von dem Jesichen und seiner menschwerdung redet Luther
tischrede von 1540
archiv f. ref.-gesch. 5, 357; dan es thut ihm (
dem teufel) nichts weher, als wan man ihm seine herrligkeit fürwirft, wie er so ein schöner fürst und könig gewesen ist J. Böhme
morgenröte (1612) 7, 1; und kan man einem Russen nicht weher thun, als wenn man ihn einen Juden schilt Olearius
pers. reisebeschr. (1647) 166; nun that solchs (
die verachtung ihrer mundart) ... den Doribus weher Agyrtas
grillenvertreiber (1670) 2; ein lobspruch, den ich mir wegen seiner grösze nicht zueignen kann, thut mir weher, als ein verdienter verweis Gellert 3, 4 (
zärtl. schwestern 1, 1); vergib mir, Agathon, wenn ich dir weher gethan habe, als meine absicht war Wieland
werke 3, 153 (
Agathon 12, 10); ein anderes übel, das ... den kirchen fast weher that, als die öffentlichen beraubungen, waren die noch immer sich den kirchen aufdringende mächtige vasallen
M. J. Schmidt
gesch. der deutschen (1778) 3, 236; um desto weher that es mir, wenn mich ... das personal an ausführung groszer sachen hinderte Göthe
Weim. I 21, 28;
entspr. IV 5, 176; beweise thun weher als schmähungen K. L. v. Haller
restaur. d. staatswiss. (1816) 1, 132; weher konnte mir nicht leicht etwas tun Pückler
briefw. 3, 192; dem amtmann thats weher, von dem 'ausgebissenen' kinde zu scheiden, als dem knaben von ihm W. O. v. Horn
aus der Maje 1, 94; es that ihm weh, dasz sie nicht glücklich war mit ihm, weher noch, dasz er sie neuem schmerz entgegenführen sollte
F. Lewald
wandlungen 3, 170 (1853). III@E@3@h@eε)
der superlativ, nur von seelischem wehtun,
ist seit dem 16.
jahrh. nicht selten, obgleich die wörterbücher schweigen (
eine ausnahme: das aber thut mir noch am allerwehesten Ludwig 2413),
doch nie aus dem südwesten zu belegen: auch weys ich nicht was mir am wehesten thut Hutten 2, 181, 35
Böcking; unter dem kus und freundlichen geberd
crucifigunt Christum, und das thut am wehesten Luther
Weim. 34 I 227; so fühlet der mensch, dasz es gott thut, das thut auch am aller wehesten Mengering
gewissensrecht (1653) 211; eine strafe, welche dem lasterhaften am wehesten thut J. E. Schlegel
werke 3, 330; das war es eben, was ihr am wehesten that Wieland
Lucian (1788) 2, 103; sie ists gewohnt, am wehsten ihm zu thun Bürger
werke 167; die stube hat mir am wehsten gethan, da wir das haus verkaufen muszten Göthe
Weim. I 11, 131; ich habe ihn nicht an dem flecken anzutasten gesucht, wo es ihm am wehesten thun muszte Lenz
vertheidigung des herrn W. (1776) 32; ich will euch heute keinen wunsch versagen, weil ich von meinen unterthanen allen euch heut am wehesten gethan Schiller 12, 486 (
Maria Stuart 2, 9); dich musz, wie mich, ein wesen trösten, das innig liebte, litt und starb; das selbst für die, die ihm am wehsten gethan, mit tausend freuden starb Novalis
schriften 2, 27
Tieck u. Schlegel; was ich vollbringe, thut mir selbst am wehsten, doch musz es sein, und musz also geschehn Immermann I 1, 188 (
trauerspiel in Tyrol 2, 5). III@FF.
völlig vereinzelt steht weh gemuten: das weib zu missen, wisse, gemuthet mich weh R. Wagner 5, 335 (
rheingold). IVIV. weh
begegnet fast nie in freiem adverbialem gebrauch. IV@AA.
einige fälle gehören scheinbar hierher, thatsächlich ist aber IV@A@11)
die interjection als citat in den satz gestellt: wir hân niht gewisses mê wan hiute wol und morne wê und ie ze jungest der tôt Hartm. v. Aue
a. Heinrich 714; selten wol, alzeit weh, ist täglich brod in der eh Schottel 1123 (
genau so bei Alexis
Roland 1, 385); wie weh ist einer stadt geflucht, in der ein advocaten-schreiber das handwerck seines herrn, das er nicht kann, versucht Lichtwer
fabeln 3, 20.
eng zur interjection stellt sich auch ein comparativ wie: je mehr hund, je weher dem bein! Henisch 262. IV@A@22)
das adverb ist aus den adverbialen verbindungen entnommen und jünger als diese: weher,
adv. compar.: plus mal, avec plus de douleur Rädlein 1, 1038; jhr auge bat: nur immer zu, je weher desto besser Mörike
werke 1, 60
Göschen. IV@A@33)
in neuer sprache kann auch das adjectiv (
s. u. V)
zu grunde liegen: was war das doch für ein eigenes gefühl, wohl und weh zugleich! O. Ludwig
ges. schriften 1, 208. IV@BB.
das echte adverb ist selten und jung: ich bitte dich, mein honigsüszer mann, lasz mich dich bis Staines begleiten. nein, denn mein männlich herz klopft weh (
my manly heart doth yearn) Shakespeare
Heinrich V. 2, 3; so tönt so weh, so lieb ein fern geläute: vergangenheit, wo flohst du hin? Arndt
ged. (1860) 160; ihm schlug das herz so wonnig und weh Körner
werke 2, 14
Hempel; da staunt' mich an gar seltsamlich so lieb, so weh und inniglich, und sprach zu mir die schöne maid Heine 1, 19
Elster; aus der unergründlichen tiefe der zeiten an das tageslicht gestiegen, sonnen sich diese menschen darin, so gut es gehen will, rühren sich und wehren sich ihrer haut, um wohl oder wehe wieder in der dunkelheit zu verschwinden, wenn ihre zeit gekommen ist G. Keller 1, 12; er ... stöhnte weh auf Frenssen
sandgräfin (1903) 134; Thorbeeken jammerte weh auf 243. VV. weh
als attributives adjectiv findet sich in neuerer mundart und mundartlich bestimmt gelegentlich auch in der litteratur. V@AA.
die mundarten kennen das adj. längst nicht allgemein: ã weaẹr, weawer finger, kopf u.
s. w. Lexer
kärnt. 252; wech's
wehes, was wech's haben
heiszt an einer wunde oder an einem geschwüre leiden Hügel
Wiener dialekt 187
a; ə wî fängər, än wî hânt Kisch
Nösner wörter u. wendungen 172; ein wêer fuesz, kopf Schmeller
2 2, 823; Weinhold
beitr. zu e. schles. wb. 2, 104; e we
ie fanger
wb. der luxemb. mundart 479; e wíes bén Hertel
Thür. sprachschatz 255
aus Altenburg; die hatt' wehe augen, es war auch schon eine ältliche person
hess. blätter f. volkskunde 3, 61
vom Vogelsberg. dafür bös Meisinger
Rappenauer mundart 227
und auch im alem. theile Badens. V@BB.
der litterarische gebrauch verbreitet sich erst in neuester zeit. V@B@11)
nur die anwendung auf körperlichen schmerz findet eine stütze an der mundart: dieser oktober gab uns zwei dramatische neuigkeiten, die als erzeugnisze des weinmonats etwas von der natur des rebensaftes haben: Houwalds leuchtthurm, den rausch, den unmäsziger genusz des weines gibt und dr. Blumenhagens Simson, die wehe nüchternheit, die auf einen solchen rausch folgt Börne
ges. schriften (1840) 5, 309; Bismarck war wirklich recht krank, ich nur etwas, an wehen augen Johanna v. Bismarck (1855)
bei Keudell
Bismarck 49; dasz sie zu schluchzen begann ... über den eisigen wind und ihre müden wehen füsze I. Frapan
zwischen Elbe und Alster 197. V@B@22)
viel besser entfaltet sich die anwendung auf seelischen schmerz, die früh sogar einen poetischen superlativ entwickelt: als sei ich jener frommen schwestern eine, die, ew'ge bräut', an todesbetten stehn, dem seeligsten (
Christo) in weh'sten brüdern dienend de la Motte-Fouqué
dram. dichtungen (1813) 1, 108. genug — es ist die weheste stelle in meinem herzen, die ich berührt habe J. G. Forster
briefw. 1, 237; es ist eine wehe empfindung, dasz sie nicht da sind Göthe 6.
juli 1777
Weim. IV 3, 162; zum sichern zeichen, dasz ich das wehe fleckchen getroffen Lichtenberg
briefe 1, 358; sie barg an ihre keusche brust des königs haupt in weher lust Rückert
werke 12, 118; ich habe keine vernünftige schreibmaterialien, und ein wehes herz, es wird doch daraus kein brief Chamisso
werke 5, 205
Hitzig; mit weher, doch unausgesprochner frage Jul. Mosen
Ahasver (1838) 70; das berührte eine wehe stelle in Lina's herzen Hnr. König
Jerômes karneval (1855) 2, 282; ein weher klagelaut brach aus ihrer brust Storm
sämtl. werke 3, 281 (
aquis subm.); ein eigen wehes gefühl schosz ihm durchs herz Gerstäcker
blau wasser (1858) 189; von einem wehen schmerz durchzuckt
unter dem äquator (1861) 1, 101; ein wehes lächeln Gg. Ebers
homo sum (1878) 167; ein wehes mitleid mit diesem igel verliesz sie nicht Hans v. Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 9; sie dachte an Deutschland, an zu hause, der uralte, wehe kinderwunsch: nach hause! zu einer mutter! 121; und nun erklingt mein wunderglockenspiel in süszen, brünstig süszen lockelauten, dasz jede brust erschluchzt vor weher lust G. Hauptmann 4, 146 (
vers. glocke 3); weher mut weint in die weiten Bierbaum
irrgarten 24; an der wehen vergangenheit Heer
könig der Bernina (1904) 222; in wehem trotz 227; ihre wehen gedanken 233; sie liesz ihm beide hände und sah ihn mit verwirrten, wehen augen an Frenssen
Hilligenlei (1905) 253.