schmeißen st.: 1.a. 'einen Gegenstand werfen, wegwerfen',
schmeiße (šmaisə) [verbr. ges. Pf, PfId. 126, Beam Penns 94 Krämer Gal 188],
schmäise (šmęisə) [IB-Ommh (Walle 38)],
schmisse (šmisə) [IB-Ormh lothr. SWPf];
Part. Perf.
g(e)schmisse (gšmisə, gəšmisə) [LU-Alsh/Gr NW-Mußb Wachh verbr. VPf, Krieger 26, Lambert Penns 136 Beam Penns 94 PennsDeitsch-Eck 12. 4. 1941],
g'schmesse (gšmęsə) [PS-Erfw LA-Nußd Venn BZ-Stein, Karch Jockgr/Nd'horb 214],
g(e)schmiss (gšmis, gəšmis) [KB-Kriegsf, Don-Schowe Torscha Krämer Gal 188],
g'schmess (gšmęs) [KU-A'glan RO-Sippf, Mang 98 NPfGV 8 1934];
vgl. brausen 2,
daraufpfeffern 1,
feuern 2c,
geheien 1a,
rugeln 2,
schicken1 1b
α,
schleudern 1a,
schmettern 1,
schocken 1,
schuben 1 b,
schucken 1a,
werfen; Zs.:
ab-,
ane-,
an-,
aufeinander-,
auf-,
aus-,
darauf-,
tot-,
durch-,
Eier-,
ein-,
ver-,
vor-,
fort-,
herab-,
heraus-,
herein-,
her-,
herum-,
herunter-,
hinab-,
hinan-,
hinauf-, hinaus-,
hinein-,
hin-,
hinunter-,
Kauten-,
nach-,
über-,
um-,
weg-,
wider-,
zurück-,
zuschmeißen;
Erd uff de Sarg sch. [LA-Maik];
Schneeballe sch. [LU-Alsh/Gr GH-Kand];
die Kläärer vum Leib sch. [ZW-Bechhf];
sich in Gala sch. [LU-Böhl],
hat sich in Gala geschmiß [Krieger 16],
sich in de Aⁿzuuch sch. 'sich aufputzen' [Höh 144].
Schmeiß da Bolle! 'Wirf den Ball!' [Danner Penns 148].
Der schmeißt en uff de Borrem (Boden), daß em de Sack kracht [ZW-Gr'bundb].
Er hott sich vor de Zug geschmisse, wenn einer Selbstmord begangen hat [NW-Mußb].
Waß gischde, waß haschde hot das Schinnos die Schissel met de Grumbeere genumm un hot m'rsche met Dräck un Schpäck for die Fieß geschmeß [NPfGV 8 1934].
Unn die Bäwwel schmeißt ehr Schnerrbääⁿ 'Hinkebein' [Kunnrädel 84]. RA.:
Durch dem seiⁿ Bääⁿ kann mer e Bierfässl (Rääwehääsl 'Rebholzbündel'
) sch., von einem mit O-Beinen [LA-Maik, LA-Gommh Wollmh].
Wam mer die werrer die Wand schmeißt, dut se draⁿ henke bleibe, von einer schlampigen und schmutzigen Person [LA-Nd'hochstdt].
Domit kennd ma da e Loch inn de Kopp sch. [Westricher Kalender 1957 102].
Dem schmeiß ich en Prichel (e Knibbel, ebbes) ins Kreiz, Androhung oder Durchführung einer Züchtigung für Mensch und Tier [LA-Gommh, KU-Bedb LU-Opp BZ-Dierb].
Hot met em Herr Parrer Griewe geß, war er so wieschterlich, hot net genunk krieht, hot er'm e paar ans Maul geschmeß, bei Ausschlag am Mund [PS-Geisbg, KU-Nerzw HB-Höch ZW-Walshs KL-Mölschb Reichb PS-Heltbg H'einöd FR-Bockh Carlsbg Quirnh];
s. Griebe 1 a.
Ich schmeiß der aach emol en Stee in de Gaarde, sagt man, um sich für einen Gefallen zu bedanken oder wenn man jemandem bei passender Gelegenheit einen Gegendienst erweisen will [LA-Gommh, verbr. ges. Pf, Thielen So rerre mer 111 Bernhard 164 Kamm 89], ebenso:
Du kannsch mer ach emol e Has in die Kich sch. [Bergz (Kamm 89)].
Sie rafft die Steen uf un er schmeißt se, wenn beide gleichermaßen an einer schlechten Tat beteiligt sind [Gal-Dornf, verbr. Gal Don-Neufutok Rußl-Katht Sulz Worms].
Des isch grad, als wan mer Arbse (Erbsen)
an die Wand schmeißt, von einer hoffnungslosen, sinnlosen Sache [BZ-Billh].
Der is wie e Katz, denn kannscht sch., wie de willt, er fallt immer uf die Fieß [Don-Liebl].
So schmeißt mer em Hund e Stick Brot hee, wenn jemand etwas unfreundlich übergibt oder hinwirft [KB-Bischh].
Er loßt sich net aus'm Sattel sch., von einem, der sich behaupten kann und in einer Sache Festigkeit bewahrt [NW-Geinsh, mancherorts].
Der schmeißt Hoseknepp in de Klingelbeitel, von einer geizigen Person [Krieger 11].
Mit dem esch bäis Kerscheⁿ esseⁿ, der schmeißt em die Steel ins Gesicht, von einem unangenehmen Menschen, mit dem nicht gut auszukommen ist [BZ-Dernb].
Er schmeißt die Flint ins Korn, von einem, der vorschnell mutlos aufgibt [SP-W'see, mancherorts].
Schmeiß de Rieme uff die Ojel (Orgel)
!, Aufforderung, mit der Arbeit zu beginnen [Thielen So rerre mer 103].
Er werd bald bei 's alt Eise geschmiß, wenn einer das Greisenalter erreicht hat [KB-Kriegsf], ähnlich:
Der g'heert zum alde Eise g'schmesse, wenn einer bettlägerig ist und nicht mehr arbeiten kann [BZ-Stein].
Die g'heeren uf d' Kelderpress g'schmesse, Verwünschung [LA-Nußd].
Du desch (tätest)
aa e Brotworscht noom Schinke sch., wenn jemand einen sehr ungleichen Tausch
machen will, oder auch umgekehrt:
e Schinke no rer Brotworscht sch., eine größere Sache wegen einer kleineren aufs Spiel setzen [Kaislt NW-Freinsh, Bayerland 1933 480], weitere Var.
s. Schinken 1 a.
Eem ebbes (en Hunnerder, Dausender, Geld) en die Ribbe sch. 'jemanden bestechen' [PS-Rodalb (Bernhard 218), LU-Friesh Opp NW-Freinsh Kallstdt Wachh Land LA-Gommh GH-Kand];
vgl. Rippe 1 a
α.
Er dut em e Sprenkel (zwische die Bään) sch. 'Er stellt ihm eine Falle, bereitet ihm ein Hindernis' [HB-Kirrbg].
Der kann de Leit am beschde Sprenkel sch. [WD-Niedkch]. SprW.:
Wer die Stää uffrafft, soll se aach sch., der Urheber soll den Plan auch ausführen [Thielen So rerre mer 111].
Mer kann die Katz sch., wie mer will, die fallt immer uf die Fieß [Buch-Illisch].
Mer schmeißt rechter oom bese Hund e Brocke hie wie em gude, wenn man in scheinbar widersinniger Weise gerade einem unangenehmen Menschen etwas zukommen läßt (um ihn gnädig zu stimmen) [Gal-Landtr].
Alde Knoche schmeißt mer hinner die Deer (Tür), so sagen alte Leute von sich [HB-Kirrbg].
Mer kriet nix in die Ribbe geschmeß 'Leistung muß erbracht werden' [Thielen So rerre mer 103]. BR.:
Der Michel schmeißt das Kraut, in den (nebligen) Herbstnächten um den Michaelistag (29. September) herum reift das Kraut,
d. h. die Krautköpfe schließen sich, werden fest und hell [JKurpf. 1934 21]. Volksgl.:
Wammere Kuh 's Kalb nemmt, muß mer der Schärz unnich die Dier sch., noh kriggt sie 's Heemweh net [Fogel Beliefs Penns Nr. 815].
Heit werren die Zähn ins Feier geschmisse, von gezogenen oder ausgefallenen (Milch-)zähnen, damit schneller neue nachwachsen sollen [LU-Alsh/Gr]; eine Var.
s. Bettlade 1. Volksmed.:
Die feirich Ros is gleich veriwwer, / Do schmeißt mer 'n Schipp voll Feier driwwer, zur Heilung der Gesichtsrose [Birmelin Penns Gezw. 66];
s. Rose 2a
β.
Un Seitesteche werd vergeh, / Do spaut (spuckt)
mer drei mol uf en Stee, / Noh schmeißt mer 'n hinner sich eweg, / Un do verlosst 's eem uf em Fleck [Birmelin Penns Gezw. 68]. KR.:
Nikelaus, fang die Maus / schmeiß die Katz zum Fenschder naus! (am Nikolaustag, 6. Dezember, gesungen) [LA-Nußd].
Heut abend kommt der Nikolaus, / was will er denn mit mir? / Ich krieg ihn an der Zippelkapp / und schmeiß ihn vor die Tür (Weihnachtsspruch) [KB-Kerzh]. Weitere KR.
s. Katzuff,
Schnecke. Schnell- sprechverse:
Wer schmeißt dann do mit Ebbel? / Des is es Franzsepps Seppel [PS-Burgalb (Wilde 10)].
Wer schmeißt dann do mit Beere? / Des is es Franz - Sepps Pere [PS-Burgalb (Wilde 23)]. VR.:
Mutter, geb'n mer e Nodel. / - Was tuschte mit der Nodel? / Säckelche nähe. / - Was tuschte mit'm Säckelche? / Steencher raffe. / - Was tuschte mit'm Steenche? / Völche sch. / - Was tuschte mit'm Völche? / Brode. Daß mei Peif soll gut, gut, guut gerode [Gal]; Var.
s. Pfeife,
braten,
Vogel,
Mutter,
Nadel,
Sack. Weitere VR.
s. predigen 1,
Eisen 1, Fels(en)hütte,
Hühnerhaus,
Jakob 1 a,
Schneider. Anfang eines Liedes:
Wer schmeißt dann do met Gummere (Kukumer),
gi, ga, Gummere [Kaislt LU-Limbghf]. Beim Kegelspiel:
e Loch sch., die mittleren Kegel herauswerfen [WD-Niedkch];
vgl. Loch 4.
Er hot en Stier geschmisse, die drei hintereinanderstehenden mittleren Kegel getroffen [Krieger 44]. Beim Klickerspiel:
in die Kaut sch. 'die Zielmulde treffen' [SP-Ottstdt];
vgl. Kaute 1g
α,
Kauten-,
Spannenschmeißen. Weitere Spiele:
Steen sch. [Frankth];
vgl. Bohnchens,
Knöpfchens,
schnellern,
Stein. — b. 'Dünger werfen, bes. Kunstdünger';
Dinger geschmeß [KU-Kreimb].
Im Frihjohr werd geschmesse [LA-Herxh].
Dinger uf die Wiss sch. [NW-Wachh].
Mer schmeiße was uff die Wiss! [LA-Roschb].
Dreck (
s. Dreck 2 g)
uf die Wiese sch. [HB-Alth]. — 2.a. 'umwerfen'.
Du halscht käⁿ Mooß mehⁿ un käⁿ Ziel, / Deß schmeißt de schterkschte Gaul [Kühn Schnitze I 7].
Der Weiⁿ schmeißt 'ist stark, wirft (einen) um' [PfId. 126]. — b. '(hin)fallen'.
Er is geschmeß [KU-Jul Rathsw NWPf PfId. 126 Thielen 100];
vgl. hin-,
hinunterschmeißen; Syn.
s. hinfallen. — 3. 'Junge bekommen', von weiblichen Tieren [mancherorts];
vgl. machen 1b
δ,
werfen.
Die Loos schmeißt Junge 'Das Mutterschwein bekommt Ferkel' [LU-Opp]. — 4. 'mit dem Hinterbein ausschlagen', Unart von Haustieren [verbr. ges. Pf, PfId. 126 Heeger Tiere 13 Mang 121 Kühn Schnitze I 253 Kühn Hamet 133, Krämer Gal 188];
vgl. Schmisser 1 a; Syn.
s. ausschlagen.
De Gaul schmeißt [KU-Hundh KB-Albish Gal-Josbg].
Bass uff, der schmeißt! [KU-A'glan].
Der Massik schmeißt! [LU-Friesh].
Er dut sch., er is e Schmisser, e Massik [KB-Kriegsf].
Bleib eweg, de Gaul schmeißt! [NW-Frankeck].
Das Perd schmeißt [KL-Matzb]. Rätsel vom Sägebock:
Aich (ich)
hun e Bock, der stooßt net un schmeißt net un scheißt net [KU-Reiffb],
s. Bock 4 b. — 5. übertr. a. 'mit Blicken anstarren, Blicke nachwerfen';
vgl. hinschmeißen 1 b.
Die hat mer e paar Aage geschmisse 'Die hat mich verliebt angeschaut' [Krieger 26].
Brauscht ken so beese Agje nuch mer schmisse [Reichard Penns 142]. — b. 'etwas ab- oder ausstrahlen'.
Die Sunn schmeißt Strahle [LU-Alsh/Gr].
Du schmeischt awer e schmale Schadde! [LU-Opp].
Die Grossmutter ihre Aage hen Feier g'schmisse [Penns-DeitschEck 12. 4. 1941].
Der Offe schmeißt en scheeni Hitz [Birmelin Penns Poems 52]. — 6. 'ausgeben, bezahlen, spendieren'; RA.:
e Rund sch. [RO-Obd Sippf LU-Opp];
e Faß sch. [NW-Kallstdt].
Er hot heit die Spendierhouse a, do schmeißt er e Fässel [BZ-Dernb].
Schmeiß emool e Humbe! (
s. Humpen) [LU-Oggh].
Werds manchemol zu kunterbunt, schmeißt de Wärt e »Friedensrund« [Damm Schoggelgaul 60]. — 7.a. 'eine Sache erfolgreich erledigen' [vereinzelt].
Hurra - Hurra! ruft jetz de Schorsch. / Aldi, die Kischd isch gschmisse [Kunnrädel 77]. — b. 'jemanden grob beleidigen, vor den Kopf stoßen';
Grobheide an de Kob sch. [RO-Obd];
de Beddel vor die Fieß sch. [Bergz (Kamm 89)].
Ich dun dir was vor die Fieß sch. [NW-Hardbg];
vgl. vorschmeißen. —
Rhein. VII 1452 ff.;
Lothr. 455 schmissen;
Els. II 488 schmissen, schmeissen.