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Kirche

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Adelung
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Kirche

Bd. 2, Sp. 1581
Die Kirche, plur. die -n, Diminut. Kirchlein, zusammen gezogen Kirchel, im gemeinen Leben der Hochdeutschen Kirchelchen. 1. Dasjenige Gebäude unter den Christen, welches dem öffentlichen Gottesdienste gewidmet ist; ehedem das Gotteshaus. Eine Kirche bauen, einweihen. In dem Ausdrucke Porkirche, bedeutet es auch einen Theil der Kirche, nehmlich das Chor. In der weitesten Bedeutung nennt man im gemeinen Leben ein jedes zum öffentlichen Gottesdienste bestimmtes Gebäude eine Kirche; in engerm Verstande führet nur dasjenige Gebäude dieser Art diesen Nahmen, zu welchem eine eigentliche Gemeine gehöret, zum Unterschiede von einer Kapelle. In noch engerm Verstande, erfordert man in manchen Gegenden zu einer Kirche auch, daß Pfarrhandlungen in derselben vorgenommen werden können; zum Unterschiede von einem Bethhause, in welchem dergleichen nicht Statt finden. Es wird dieses Wort nur von solchen Gebäuden unter den Christen gebraucht. Daher es ungewöhnlich und nicht nachzuahmen ist, wenn in der Deutschen Bibel, dergleichen Versammlungsörter der ältern Juden, ja sogar Götzentempel Kirchen genannt werden. 2. Die Versammlung der Gemeine eines Ortes in einem solchen Gebäude zur öffentlichen Verehrung Gottes; ohne Plural. In die Kirche gehen, den öffentlichen Gottesdienst besuchen. Zur Kirche gehen, den öffentlichen Gottesdienst nach einer wichtigen Begebenheit zum ersten Mahle feyerlich besuchen, welches von neu verehlichten Personen und Kindbetterinnen geschiehet. S. Kirchgang. In die Kirche läuten, zum öffentlichen Gottesdienste. Die Kirche versäumen. Kirche halten, im gemeinen Leben, den öffentlichen Gottesdienst halten. 3. Die Gesellschaft oder Verbindung aller derjenigen Personen, welche einerley geoffenbarten Lehrbegriff und darin gegründeten Gottesdienst annehmen. 1) Eigentlich; wo dieses Wort wieder unter mancherley Einschränkungen üblich ist. Die Kirche Gottes, alle diejenigen Personen aller Zeiten, welche den wahren Gott wenigstens äußerlich verehren und verehret haben, wenn sie gleich in vielen Stücken von einander abweichen. Die Jüdische Kirche, die Kirche alten Testamentes. Die christliche Kirche, die Kirche neuen Testamentes, welche sich wiederum in verschiedene Kirchen, d. i. Religions-Parteyen theilet. Die katholische, Römisch-katholische oder Römische Kirche. Die[] Griechische Kirche. Die Evangelische Kirche, die Reformirte Kirche u. s. f. Die wahre Kirche, deren Lehrbegriff und Gottesdienst der Offenbarung Gottes in der heil. Schrift am gemäßesten ist; im Gegensatze der falschen Kirche. Die sichtbare Kirche, die Gesellschaft aller derjenigen Personen, welche eine äußere merkliche Übereinstimmung des Lehrbegriffes und des Gottesdienstes haben; im Gegensatze der unsichtbaren Kirche, oder der Gesellschaft aller mit Gott vereinigten Personen, deren Verbindung unter einander nicht unmittelbar in die Sinne fällt. Die streitende Kirche, alle auf Erden in dem Zustande des natürlichen Lebens mit Gott vereinigte Personen; im Gegensatze der triumphirenden Kirche, deren Glieder die vollendeten Gerechten sind. 2) In engerer Bedeutung, die Repräsentanten der Kirche, diejenigen Personen, welche zur Vertretung ihrer Stelle verordnet sind; so wohl in der ersten Bedeutung des Wortes, da man diejenigen Personen, welche die einer Kirche gehörigen Güter in ihrem Nahmen verwalten, im gemeinen Leben häufig die Kirche nennet, als auch in der letzten Bedeutung, wo, besonders in der Römischen Kirche, die Geistlichen, und in manchen Ländern nur der Papst allein unter dem Nahmen der Kirche verstanden werden. Anm. 1. In dieser dritten Bedeutung ist das Wort Kirche ein rühmlicher und anständiger Ausdruck, so wie Religions-Partey gleichgültig, Secte aber verächtlich ist. Man will daher nicht überall fremden Religions-Parteyen den Nahmen der Kirche zugestehen, sondern erfordert dazu das Befugniß des öffentlichen Gottesdienstes. Bey den Katholiken werden auch einzelne Bißthümer Kirchen genannt. Anm. 2. Dieses alte Wort kommt in der ersten und dritten Bedeutung schon seit dem ersten Alter der Deutschen Sprache vor. In dem Isidor lautet es Chirichhu, bey dem Kero Chirichu, im 9ten Jahrh. Kirrichu, bey dem Notker, mit der in einigen Oberdeutschen Mundarten nicht seltenen Verwechselung des r und l, Chilichu, Chilcha, wie noch jetzt in der Schweiz Kilche, im Angels. Cyrice, Cyrc, im Engl. Kerk und Church, im Nieders. Karke, im Dän. Kirke, im Schwed. Kyrka, im Pohln. Böhm. und Wend. Cerkiew, Cirkuo. Wachter ließ sich durch das Helvetische Kilche verführen, es von dem bey dem Ulphilas befindlichen Kelikn, abzuleiten, welches daselbst so wohl einen Thurm, als auch die letzte Abendmahlzeit Christi bedeutet. Eckard und Frisch fallen auf das alte Harga, Haruga, ein Götzentempel; anderer noch unwahrscheinlicherer Ableitungen zu geschweigen. Die gemeinste Meinung ist bisher die gewesen, welche dieses Wort von dem Griech. κυριακος oder κυριακη abstammen lässet, welches nicht nur 1 Cor. 11, 20, und Offenb. 1, 10, sondern auch bey allen nachfolgenden christlichen Griechischen Schriftstellern so wohl einen gottesdienstlichen Tag, als auch ein gottesdienstliches Haus, und eine gottesdienstliche Versammlung bedeutet. Allein wider diese Meinung streitet, daß das Griechische Wort in die Lateinische Sprache nie aufgenommen worden, daher nicht begreiflich ist, wie und warum die ersten Deutschen Lehrer auf dieses Wort gefallen seyn sollen, da sie sich in allen andern Fällen mit der Lateinischen Sprache behalfen, und wegen ihrer Unwissenheit in der Griechischen Sprache behelfen mußten. Es bleibt daher Christ. Körbers Meinung immer noch die wahrscheinlichste, welcher glaubt, daß dieses Wort eine buchstäbliche Übersetzung des Latein. und Griech. Ecclesia sey, und daher von kören, kiesen, abgeleitet werden müsse, den Begriff der Auswahl, des auserwählten Volkes auszudrucken, welcher in diesem Worte herrschet; zumahl da es hundert andere Beyspiele gibt, daß man bey der Einführung der christlichen Religion in Deutschland, die christlichen Kunstwörter buchstäblich übersetzte, die Bedeutung des Latein.[] Ecclesia auch so unbekannt nicht war, indem Notker für Kirche in der dritten Bedeutung auch Samanunga, Vuichsamanunga, Prut Samenunga, Prutha Menunga, gebraucht. Alsdann würde die zweyte Bedeutung die erste eigentliche, die erste aber die letzte figürliche seyn müssen. In der zweyten und dritten einfachen Endung wird diesem Worte, wie so vielen andern weiblichen auf e, von manchen noch ein unnützes n angehänget, der Kirchen für der Kirche, welches sich auch in die folgenden Zusammensetzungen eingeschlichen hat.
6580 Zeichen · 70 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    KIRCHEswf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +5 Parallelbelege

    KIRCHE swf. kirche. ahd. chirihha, chilihha Graff 4,281. aus gr. κυριακόν. s. R. v. Raumer in H. zeitschr. 6,409. vgl. H…

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Kirche

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Die Kirche , plur. die -n, Diminut. Kirchlein, zusammen gezogen Kirchel, im gemeinen Leben der Hochdeutschen Kirchelchen…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Kirche

    Goethe-Wörterbuch

    Kirche mehrfach apokopiert (meist im Vers). Von knapp 700 Belegen mehr als die Hälfte in 1a, daher deutliches Überwiegen…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Kirche

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Kirche , die (abgeleitet vom griech. κυριακή scil . οἰκία = Haus des Herrn) das Gotteshaus; in der Bibel ἐκκλησία scil. …

  5. modern
    Dialekt
    Kirch(e)

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    Kirch(e) [Khîrə Mü. ; Khìrχ Geberschw. bis Str. ; Kherìχ K. Z. Han. Betschd. Wingen ; Pl. –ə] s. auch Kilch f. 1. Kirch…

  6. Sprichwörter
    Kirche

    Wander (Sprichwörter)

    Kirche 1. Alt kirchen haben dunckel gläser (Fenster). – Franck, II, 55 a ; Tappius, 55; Eyering, I, 49 u. 503; Petri, II…

  7. Spezial
    Kirche

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Kir|che f. (-,-n) 1 (Gebäude, Gotteshaus) dlijia (-ies) f. 2 (Gottesdienst, Messe) mëssa (mësses) f. , sorvisc divin m. …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit kirche

826 Bildungen · 770 Erstglied · 54 Zweitglied · 2 Ableitungen

kirche‑ als Erstglied (30 von 770)

Kirchebäppel

LothWB

Kirche bäppel m. Fo. ( verächtl.) Betbruder, s. babble;

Kirchebrot

LothWB

kirche·brot

Kirche brot n. Ltf. u. s. Brot, das im kathol. Gottesdienst nach der Opferung gesegnet, in Würfel geschnitten u. gegen Schluß der Messe vert…

Kirche der Wüste

Meyers

Kirche der Wüste ( Eglise du désert ) heißt nach Offenb. 12,6 die reformierte Kirche Frankreichs von der Aufhebung des Edikts von Nantes 168…

Kirchegezei

LothWB

Kirche gezei n. D. Si. Meßornat s. Gezei.

Kircheisz, Carl

DWBQVZ

--- meine weltumsegelung mit dem fischkutter Hamburg. Berlin 2 o. j. ( cop. 1928) . ---

kirchelchen

DWB

kirchel·chen

kirchelchen , n. md. dem. zu kirche, bei Adelung als volksm.: ein eremit wohnt darin ( im Coliseo zu Rom ) an einem kirchelchen. Göthe 27, 2…

kirchelîn

Lexer

kirch·elin

kirchelîn stn. BMZ kleine kirche Myst. daʒ kirchlen Cds. 2,50. kirchel Trist. H. ; ndrh. kirchelgen, kirchelchen Dwb. 5,797.

kirchelīn

KöblerMhd

kirche·līn

kirchelīn , st. N. nhd. Kirchlein, kleine Kirche Hw.: s. kirchel Q.: Enik (um 1272) (FB kirchelīn), HTrist, HvFritzlHl, Urk E.: s. kirche W.…

kirchen

MWB

kirchen- s.a. kirch- MWB 3,1 270,9;

kirche als Zweitglied (30 von 54)

Frauenkirche

RDWB1

Frauenkirche f церковь богородицы, церковь девы Марии (а не "женская церковь")

Beykirche

Adelung

bey·kirche

Die Beykirche , plur. die -n, an einigen Orten ein Nahme einer Tochterkirche, zum Unterschiede von der Hauptkirche.

borkirche

DWB

bor·kirche

borkirche , f. suggestus, ambo ecclesiae, der empor ragende stul der prediger oder zuhörer in der kirche oder auch der chor: die weiber zank…

domkirche

DWB

dom·kirche

domkirche , f. hauptkirche wie dom Schönsleder L 3 . Stieler 959 . thumkirch Voc. incip. teut. y 4. dän. domkirke.

emporkirche

DWB

empor·kirche

emporkirche , f. podium, was empor: altar, kanzel, taufstein, emporkirchen. Felsenb. 2, 73; von einer einfallenden, baufälligen emporkirche …

feldkirche

DWB

feld·kirche

feldkirche , f. im freien feld auferbaut, häufiger und alter ortsname. ags. feldcyrice, engl. fieldchurch.

hallekirche

MWB

halle·kirche

hallekirche stF. (s.a. halle 1.2 ) ‘Kirche mit Vorhalle’ der tempil hatte dry teyl: das ist dy vorloube adir dy halle, daz heilige und daz h…

hauptkirche

DWB

haupt·kirche

hauptkirche , f. ecclesia mater, metropolitanum templum. Stieler 959 ; nl. hoofdkerk Kilian.

hauskirche

DWB

haus·kirche

hauskirche , f. 1 1) lararium, sacellum domesticum: die bischofshäuser sind keine eigentlichen klöster, sie werden indes zu diesen gezählt, …

Hinskirche

Wander

hin·s·kirche

Hinskirche Man muss in der Hinskirche für ihn beten. ( Marburg. ) Von einem albernen Menschen. Die Hinskirche ist eine alte zerfallene Kapel…

hofkirche

DWB

hof·kirche

hofkirche , f. kirche für den gebrauch eines fürsten und seines hofes. davon der hofkirchner, beschlieszer und verwalter einer solchen kirch…

Kathedrāl-Kirche

Adelung

Die Kathedrāl-Kirche , plur. die -n, eine Kirche, welche der Sitz eines Bischofes oder Erzbischofes ist; gleichfalls von dem Griech. und Lat…

koufmannekirche

MWB

koufmannekirche swF. Genossenschaftskirche der in Erfurt ansässigen Kaufleute: der schultheize [...] sal liehin alliz daz guot, da man eme v…

kristenkirche

KöblerMhd

kristen·kirche

kristenkirche , sw. F. nhd. christliche Kirche Hw.: vgl. mnd. kristenjȫde Q.: Pilgerf (1390?) (FB kristenkirche) E.: s. krist, kirche W.: nh…

liutkirche

Lexer

liut·kirche

liut-kirche swf. BMZ pfarrkirche, ecclesia ad usum laicorum structa, oppon. ecclesiae quae canonicos alit ( Oberl. 965 ) Barl. Chr. 9. 730,1…

muoterkirche

Lexer

muoter·kirche

muoter-kirche f. Hamburg was mûterkirche dâ, nû ist si worden filiâ Kirchb. 601,60.

mutterkirche

DWB

mutter·kirche

mutterkirche , f. hauptkirche eines kirchspiels, vgl. mutter 10, f: dat sy uns ( unsere ) moederkirche eweligen ind alweige aldeichteliche d…

Mutterpfarrkirche

DRW

mutter·pfarrkirche

Mutterpfarrkirche, f. wie Mutterkirche der abt ... als verus patronus und collator der motter pfarkirchen zu U. 1590 Koeniger,SendQ. 17

Mönchskirche

DRW

mönch·s·kirche

Mönchskirche, f. auch Mönche- Klosterkirche iU. zur Pfarrkirche ein geistlich lehen in dersulven kloster ifte monnekekerke 1539 PommVis. I 2…

Nonnenkirche

DRW

nonnen·kirche

Nonnenkirche, f. Gotteshaus für Nonnen (I) iU. zum Gotteshaus für die klosterzugehörigen Laien oder iU. zur Pfarrkirche bevolchen, das gesyn…

Oberpfarrkirche

Campe

oberpfarr·kirche

✱ Die Oberpfarrkirche , Mz. — n , die obere Pfarrkirche, die Mutterkirche; in Gegensatz der Tochterkirche. Haltaus.

Parochialkirche

DRW

Parochialkirche, f. Kirche (I), die einer Parochie (I) zugeordnet ist es sölle die gemein in L. nit mehr als einmahl im jahr gezwungen syn, …

Patronatkirche

DRW

patronat·kirche

Patronatkirche, f. von einem Patron (I) gestiftete und meist auch auf dessen Grundeigentum errichtete Kirche (I) dass er [patron] auf diesel…

Ableitungen von kirche (2 von 2)

unkirche

DWB

unkirche , f. : die lutherische kirche, die in seinen augen eine u. war Kügelgen jugenderinnerungen 499 . s. un III B 1 a, IV B. —

urkirche

DWB

urkirche , f. (ur- C 4 c), als neubildung bei Campe : ich könnte nie katholisch werden, aber auch nie das tiefe interesse verläugnen für die…

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APA
Cotta, M. (2026). „kirche". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 10. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/kirche/adelung
MLA
Cotta, Marcel. „kirche". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/kirche/adelung. Abgerufen 10. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „kirche". lautwandel.de. Zugegriffen 10. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/kirche/adelung.
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