Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
kirche swF.
1.1 als Bauwerk
1.2 meist als Ort christlicher, gottesdienstlicher Handlungen
1.3 als Ort besonderen Rechts (z.B. Friede, Asyl)
1.4 als (öffentlicher) Ort von Rechtshandlungen (z.B. Rechtsprechung und Ankündigungen in und vor der Kirche; vgl. kirchengebot )
2 Ortskirche mit ihren Rechten und Pflichten als Objekt oder Empfänger von Belehnungen
3 Kirchenprovinz, Bistum
4 christliche Kirche als Institution, Glaubensgemeinschaft, Religion
5 der Tempel in Jerusalem und andere jüdische Kultstätten
1 Kirchengebäude 1.1 als Bauwerk: des cypressen holz ist gar guot zuo palken in kirchen und zuo grôzem gepäw BdN 319,12. 173,8; des kom dem herzogen melde, / ûf einer kirchen werlich Ottok 30682. 21506; swazs in den kirchen vindent / golt silber und gesteine, / daz ist in al gemeine RvEAlex 17410; HvFreibTr 3240; Lanc 202,16; ReinFu K,1570 1.2 meist als Ort christlicher, gottesdienstlicher Handlungen: ich wil daz man den wâren got / müez êren spât unde vruo / und man der kristenheite ûf tuo / diu münster und der kirchen tor KvWSilv 2231; diu betehûs sie brâchen nider / und machten niuwe kirchen gote / nâch der kristenheit gebote RvEBarl 13605; Bihteb 75. – oft in Wendungen mit gân (vgl. kirchgân , kirchganc ), stân, vereinzelt komen: sô er denn von kirchen kam Ottok 67356; si sulen ze chirchen gerne gen, bihte unde buoze besten AvaJG 22,8; die hin cechirchen also gant, / daz si da rehte riwe hant StrKD 107,25; mit nihte anders sol man den ruowetac vertrîben wan mit heiligen werken: zer kirchen gên und got flîzeclîchen dâ an ruofen und iuwer gebet gar andæchteclîche dâ sprechen unde mit schœnen zühten dâ stên PrBerth 1:268,39; Ottok 9450; NibB 299,3; so ir ze chirchin stet, so schult ir ivch mineme trehtine bevelhin mit libe unde mit sele Spec 83,3; du solt zu kirchen mit vorchten stan, / zu tische mit zuchten gan Erz III 36,83; StrKD 138,151; EnikWchr 28481 1.3 als Ort besonderen Rechts (z.B. Friede, Asyl): chloster, chirchen, vrethof, widem, mvͤl svͤln gantzen frid haben; swer si angriͤffet, der ist fridbræch UrkCorp (WMU) 475AB,25 u.ö.; SSp (W) 2:13,4; alse ein mensche iht getvͦt. vnde flvͥhet ez in eine kilchvn [...] dez gewaltes sol sich nieman an nemen daz er ez har vz ziehe. oder im iht leides tvͦ in der kilchvn SchwSp 144b 1.4 als (öffentlicher) Ort von Rechtshandlungen (z.B. Rechtsprechung und Ankündigungen in und vor der Kirche; vgl. kirchengebot ): wir verbieten alles weltlich gericht in chyrichen und in vreythofen und wellen, daz er anderswo nicht richte danne an rechten dinchsteten UrkSalzb 4,380 (a. 1328); dize gift vnd dize leinschaft [Belehnung] beschan vor der kilchon ze Jnderlappen UrkCorp (WMU) 464,38; man schol iz [das gefundene Gut] iar und tag behalten und schol czu chirchen und czu gericht und auf den merckten lazzen schreien, wer iz vorlorn hab StRBrünn 398; Mühlh 175,3; in der wochen sal er drî tage zu wazzere unde zu brôte vasten, [...] alle sunnentage sal er von dem prîstere in der kirchen nâch deme ewangelie sîne disciplîne entphâhen StatDtOrd 85,19. – in der Wendung ze ~ unde ze strâʒen/ gaʒʒen ‘vor Gott und den Menschen’ (als Prinzip der Offenkundigkeit): swer in der stat ze marketrehte sitzet, stirbet er, so sul sin erben sin beste viheshoubet geben ze houbetrehte, hat er des niht, so sal man geben wat und waffen als er gienc ze kirchen und ze strazzen UrkWürtt 5,11 (a. 1253); StRMünch 423,11; Neidh WL 28:5,11; diu müet uns ze kirchen und ze gazzen ebd. WL 2:4,7 2 Ortskirche mit ihren Rechten und Pflichten als Objekt oder Empfänger von Belehnungen: duͥ herschaft lihet ouch die kilchun ze Egliswile UrkAargau 2,1:629,30 (a. 1306); das du kilche von Bremgarthon sol han den vor genanten zehenden von Zollenkon ebd. 249,37; do der saz [vgl. kirchsaz ] vnd du kilche beidu in miner hant stuͦnden lidig vnd lere ebd. 438,4 u.ö. 3 Kirchenprovinz, Bistum: wir Engilbreht, van godes genaden der heiliger kirchen ce Kolne erchebischof UrkCorp (WMU) 75,25. 2766,29 4 christliche Kirche als Institution, Glaubensgemeinschaft, Religion: nû sehent, wie diu krône lige und wie diu kirche stê! Walth 83,26; sie mochten auch keyn urteil off so hohe sach sagen, sie wustens dann zuerst von wisen bischoffen und von prelaten, wann es die heilige kirch anhorte Lanc 524,4; ze Rôm / wirt genumen kristenlîches gelouben sâm. / der selben kirchen bin ich [der Papst] wirt und herre Loheng 6353; dv bist Petrus. vnd vf disn steine wil ich bawen min chirchen EvAug 38,14. 43,3; Tauler 15,4; HistAE 80 5 der Tempel in Jerusalem und andere jüdische Kultstätten: an dem samtztag so die juden veirten, so chom unser herre in daz templum ze Jerusalem und swa ir chirchen waren, in den steten uͤber alles lant, und prediget da PrOberalt 164,15; swelh wib ein degenkint gebære, daz si sich darbete der kirchen vierzech tage vnde da nah kome in daz templum Spec 33,26
MWB 3,1 268,32; Bearbeiterin: Baumgarte