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fein

mhd. bis spez. · 19 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
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22 in 19 Wb.
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7 von 16
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Fein

Bd. 2, Sp. 84
Fein, -er, -este, adj. et adv. welches unter zwey Hauptbedeutungen bekannt ist, von welchen jedoch die zweyte eine bloße Figur der ersten zu seyn scheinet. 1. Ein gutes äußeres Ansehen habend, in der gemeinen und vertraulichen Sprechart. 1) Eigentlich. Dir zu geben große und feine Städte, 5 Mos. 6, 10. Ein feines, (ganz artiges) Haus. Ein feiner Garten. Eine feine Gestalt. Besonders von der Gestalt des Gesichtes. Saul war ein feiner Mann, 1 Sam. 9, 2. Eure feineste Jünglinge, Kap. 8, 16. Moses war ein feines Kind, 2 Mos. 2, 2; welches Ebr. 11, 23 durch ein schönes Kind erkläret wird. Eine feine Dirne, Esth. 2, 7. Es ist ein feiner Knabe. Ja lockig Haar steht fein, Gell. Fein sagt in diesem Verstande weniger als schön, ungefähr so viel wie ganz artig. 2) Figürlich. (a) Reinlich, wohl gekleidet, geputzt; eine nur im Niedersächsischen übliche Bedeutung, wo sich fein machen so viel ist, als sich putzen. Im Hochdeutschen sagt man in der vertraulichen Sprechart, er trägt sich ganz fein, er geht fein gekleidet, d. i. ganz artig, dem Wohlstande gemäß. (b) Der Absicht, den Bedürfnissen gemäß, einen geringern Grad des Vorzuges auszudrucken, als viel, schön u. s. f. anzeigen würden; in der vertraulichen Sprechart. Sie kriegt nach ihres Vaters Tode einen feinen Thaler Geld, Gell. Er hat ein feines Vermögen. Er hat ein feines Auskommen. Du schreibest einen feinen, (ganz artigen) Brief. Er hat feine Gaben. Ich war ein Kind guter Art, und habe bekommen eine feine Seele, Weish. 8, 19. Linden und Buchen, denn die haben feine Schatten, Hof. 4, 13. Ein verhungert Hühnchen fand Einen feinen Diamant, Haged. O welch ein schöner Kopf! wie fein die Miene ist! Willam. Wie mancher siegt durch eine feine Miene, Der blöder ist als Holz und Stein! Gell. Oft auch höhnisch. Eine feine Frage! Ey das wäre fein! Wie fein zerbrichst du den Tempel? Marc. 15, 29. Wie fein hast du uns bracht in ein Land u. s. f. 4 Mos. 16, 14. S. auch den folgenden Artikel. (c) Dem Wohlstande, bey guten Sitten gemäß. Er ist ein recht feiner, artiger, Mensch. Es ist ein[] ganz feiner Mensch, Gell. Das ist nicht fein. Die feine Lebensart, die den angenommenen Gesetzen des Wohlstandes gemäß ist. Es waren viel feine Leute da, von gutem Stande und von guter Lebensart. Die feinere Welt. Ingleichen den göttlichen und menschlichen Gesetzen gemäß, wo es besonders in der adverbischen Gestalt üblich ist. Euer Ruhm ist nicht fein, 1 Cor. 5, 6. Er wandelte, das nicht fein war, 2 Chron. 21, 20. Ey, das ist weder vom Junker noch von Lieschen fein, Weiße. Ihr Männer, dieses klingt nicht fein, Gell. Der Streich mit dem Lotteriezettel ist doch keine feine Sache, ebend. In dieser ganzen ersten Bedeutung braucht man fein als ein gemildertes Lob, entweder von Dingen, die an und für sich selbst weiter nichts als ihrer Absicht gemäß sind, oder auch von vorzüglichern Sachen, wenn man ihnen aus gewissen Absichten kein höheres Lob beylegen will. 2. Zart, dünne, subtil, mit dem Nebenbegriffe des guten Ansehens oder des daran gewandten Fleißes, im Gegensatze des Groben. 1) Eigentlich. Feiner Zwirn, feines Garn, feines Tuch, feine Leinwand. Der Zeug ist sehr fein. Feines Mehl, fein geriebene Farben. Etwas zu einem feinen Pulver stoßen. Ein feiner Hut, feine Strümpfe. Ein feiner Sandstein, der aus feinen Theilen bestehet, ein feines Korn hat. Eine Sache erst aus dem Groben, und dann ins Feine arbeiten. 2) Figürlich. (a) Von fremden Zusatze gereiniget, geläutert. Feiner Zucker. Der Zucker ist nicht sehr fein. Feines Gold, feines Silber. Eine Sache wieder in das Feine bringen, figürlich sie wieder in Ordnung bringen, wofür man auch sagt, sie in das Reine bringen. (b) Aus kostbaren Materien, dergleichen feines Gold u. s. f. sind, verfertiget. Der feine Leuchter, 2 Mos. 31, 8. Der Leuchter von feinem Golde, Michael. Der feine Tisch vor dem Herren, 3 Mos. 24, 6. Im gemeinen Leben verstehet man unter feinen Waaren oft solche, die aus Gold, Silber, Seide, und andern kostbaren und theuern Materien verfertiget sind. (c) Mit Kunst und besonderm Fleiße verfertiget. Er machte das Bild mit aller Kunst auf das feinste, Weish. 14, 19. Feine Stahlarbeit. Feine Waaren, im gemeinen Leben, auch künstliche Waaren. Feine Arbeit machen, im Gegensatze der groben. In noch weiterer Bedeutung, von der besten Art, in welchem Verstande die Krämer und Kaufleute ihr sehr fein, extra-fein und super-fein, von Waaren aller Art zu gebrauchen pflegen. (d) Was nur einen Theil des Gegenstandes vorstellet, und den andern mit Wohlgefallen errathen lässet. Ein feiner Gedanke. Ich sagte es ihm auf eine feine Art, mit einer feinen Manier. Das war eine sehr feine Antwort. Ein feines Lob, ein feiner Tadel. Eine feine Politik. Feine Vergnügungen. Was die Einbildungskraft auf eine feine Art reitzet und kitzelt. (c) Fähig, auch die verborgensten Eigenschaften einer Sache zu entdecken. Ein feiner Kopf, der tief in eine Sache eindringt. Ein feiner Geschmack, der auch die kleinsten Schönheiten und Fehler empfindet. Er ist von dieser Art von Schönheit eben nicht der feinste Kenner. Ein feines Gefühl für die Ehre. (f) Geschickt, bey seinen Handlungen seine wahre Absicht zu verbergen. Er ist sehr fein. Er ist ein feiner Fuchs. Wie fein! wie listig! In Niedersachsen nennet man einen Pietisten, so fern man ihn für einen Heuchler hält, einen Feinen. Anm. Dieses Wort lautet in den meisten der obigen Bedeutungen im Nieders. und Dän. fiin, im Schwed. fin, im Engl. fine, im Franz. fin, im Ital. fino, im mittlern Lat. finus. Das Griech. φαεινος kommt in der ersten Bedeutung genau damit überein, daher auch die Bedeutung des guten Ansehens die erste zu seyn scheinet. Im Schwed. ist wän gleichfalls schön,[] im Angels. bedeutet vine geliebt, und im Wallis. gwen weiß und schön. Die Lat. vinulus und venustus, kommen genau damit überein. In den ältesten Oberdeutschen Denkmählern hat sich dieses Wort bisher noch nicht wollen finden lassen. Da die ältern und neuern Sprachen die Hauch- und Blaselaute gar oft mit einander zu verwechseln pflegen, so scheinen schön und Schein durch Vorsetzung des Zischlautes aus fein enstanden zu seyn; S. diese Wörter, ingleichen Fenster und Funke. Herr Rect. Scheller handelt in seinen Gedanken von den Eigenschaften der Deutschen Schreibart, S. 42-64 auf eilf Blättern von dem was fein Deutsch ist, wirft aber daselbst mehrere Bedeutungen dieses Wortes unter einander, von welchen doch einige von der Sprache und Schreibart nicht einmahl üblich sind.
6444 Zeichen · 144 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    feinAdj.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    fein , Adj. Vw.: s. vein

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Fein

    Adelung (1793–1801) · +7 Parallelbelege

    Fein , -er, -este, adj. et adv. welches unter zwey Hauptbedeutungen bekannt ist, von welchen jedoch die zweyte eine bloß…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    fein

    Goethe-Wörterbuch

    fein Die relativ hohe Frequenz (rd 750 Belege) entspr der zeitgenöss Verbreitung des Worts 1) u bedingt durch die häufig…

  4. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Fein

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Fein , Georg, geb. 1803 zu Helmstädt, studierte die Rechte, war nach der Julirevolution 1830 Mitredactor der deutschen T…

  5. modern
    Dialekt
    fein

    Mecklenburgisches Wb. · +5 Parallelbelege

    Wossidia fein und Abl. s. MeckWB fin .

  6. Sprichwörter
    Fein

    Wander (Sprichwörter)

    Fein 1. Allzu fein taugt nicht. Dän. : Alt for fiint er og skarn. ( Prov. dan., 26. ) 2. Auswendig fein, inwendig ein Sc…

  7. Spezial
    feinadj

    Dt.-Russ. phil. Termini · +2 Parallelbelege

    fein , adj тонкий , п

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit fein

316 Bildungen · 285 Erstglied · 26 Zweitglied · 5 Ableitungen

fein‑ als Erstglied (30 von 285)

Feinreiter

SHW

Fein-reiter Band 2, Spalte 413-414

feinäderig

PfWB

fein·aederig

fein-äderig Adj. : ' von dünnen Adern durchzogen ', feiⁿäderich [ NW-Frankeck ]. SHW Südhess. II 413 .

feinarbeit

DWB2

fein·arbeit

feinarbeit f. (zu DWB2 A 8 ): ⟨1912⟩ Morgenstern stufen (1918)117. 1979 frankf. rundschau 44,9.

Feinarsch

PfWB

fein·arsch

Fein-arsch m. : spöttisch von einem, der immer fein daherkommt, Feinaaʳsch [ KU-Krottb ]; vgl. PfWB fein 6.

feinbarchen

DWB

feinbarchen , von feinem barchent: auch feinbarchene kissen mit schwanflaum. Luise a. l. h. 199 .

fein als Zweitglied (26 von 26)

Allzu fein

Wander

allzu·fein

Allzu fein 1. Allzu fein hält nicht. 2. Allzu fein ist eitel Schein. Holl. : Al te fijn is maar schijn.

bergfein

DWB

berg·fein

bergfein , vom silber, so fein es in der hütte erhalten werden kann. man nennt so das gewachsene silber, welches beinahe 16 löthig ist, und …

dorfein

DWB2

dorf·ein

dorfein adv. : 1907 Strausz u. T. n. balladen 83.

dünkelfein

DWB

duenkel·fein

dünkelfein , adj. und adv. anmaszend und listig. o solche und dergleichen sprüche sind grosze treffliche und recht königliche sprüche wider …

extrafein

DWB

extra·fein

extrafein , superfein, ganz besonders fein: extrafeines tuch, extrafeine hüte.

haarfein

DWB

haar·fein

haarfein , adj. , schwed. hrfin, von der feinheit eines haares: das glas hat einen haarfeinen sprung; hier ist eine haarfeine ritze; abstra…

kaltfein

DWB

kalt·fein

kaltfein , ein wort Lavaters als physiognomiker: nun dies gesichtchen, läszt sich ein feineres, kaltfeineres — durch verstand empfindenderes…

Katzenfein

Wander

katzen·fein

Katzenfein Katzenfeyn, Gold und Geld werden gleich in jener Welt. Frz. : Fiente de chat, or et argent seront tout un au jugement. ( Kritzing…

lustfein

DWB

lust·fein

lustfein , adj. fein zur lust: die lamien sinds, lustfeine dirnen, mit lächelmund und frechen stirnen, wie sie dem satyrvolk behagen. Göthe …

mittelfein

DWB

mittel·fein

mittelfein , adj. mittelmäszig fein, nicht ganz fein: mittelfeiner hut. mittelfein tuch. Jacobsson 6, 573 b .

nadelfein

DWB

nadel·fein

nadelfein , adj. fein wie eine nadel: die spitzen ( des stachelstockes ) sind nadelfein, so dasz sie wol durch die haut ( des stieres ) drin…

pickfein

PfWB

pick·fein

pick-fein Adj. : ' sehr fein ', umgspr. Er kummt pickfein doher [FR-Bockh, verbr.]. RhWB Rhein. VI 806 .

piekfein

Pfeifer_etym

piek·fein

piekfein Adj. ‘ganz besonders fein, exklusiv’, Übernahme des im Nd. entstandenen, eigentlich tautologischen Kompositums pǖkfein, dessen ǖ im…

sittenfein

DWB

sitten·fein

sittenfein , adj. fein von sitten: ich habe diesen feinen, sehr genialen, frommen, erfahrungsvollen, lebendigen, geistreichen gelehrten, ehe…

spitzigfein

DWB

spitzig·fein

spitzigfein , adj. : Melanchthon's witzige und spitzigfeine scherzreden. Gersdorfs repertorium 1842 heft 3, s. 477.

superfein

DWB

super·fein

superfein , adj. , selbständige zusammenrückung des deutschen, bei der an kein unmittelbares vorbild im lat. oder frz. zu denken ist ( frz. …

überfein

DWB

ueber·fein

überfein , adj. u. adv. 1 1) soprafino Kramer (1678) 1068 a ; ganz fein, auszerordentlich fein Schwan dict. suppl. (1798) 176 b ; leicht stu…

unfein

DWB

unfein , adj. adv. , im allgemeinen gegentheil von DWB fein . mhd. unvîn. mnl. onfijn, -icheit. dän. ufin, -hed. zwar von Stieler , Dentzler…

wunderfein

DWB

wunder·fein

wunderfein , adj. 1) älter meist nur soviel wie ' sehr gut ': dann was ich ( der teufel ) ihr ( der hexe ) thu blasen ein, das als verbringt…

zwirn(s)fadenfein

DWB

zwirnsfaden·fein

zwirn(s)fadenfein , adj. , übertragen auf akustische erscheinungen ( vgl. oben zwirndünn): wär deine stimme nicht so zwirnfadenfein Pöhnl dt…

Ableitungen von fein (5 von 5)

entfeinen

DWB

entfeinen , venustatem delere, deformem reddere. Stieler 459 . s. verunfeinen.

feine

DWB

feine , f. subtilitas, puritas, nitor, besser, doch ungebräuchlicher als feinheit: die feine des goldes, silbers; die feine halten, sich als…

unfein

DWB

unfein , adj. adv. , im allgemeinen gegentheil von DWB fein . mhd. unvîn. mnl. onfijn, -icheit. dän. ufin, -hed. zwar von Stieler , Dentzler…

unfeine

DWB

unfeine , unfeinheit , f. Stieler. das erste trotz Campe ungebräuchlich: die unfeinheit des zeitalters war nicht ... jene rohe natureinfalt,…

verfeinen

DWB

verfeinen , verb. fein machen, eigentlich etwas dickes schmal machen, mit dem begriff des dicken verbinden wir leicht den begriff plump, dah…