Eintrag · Etym. Wb. des Deutschen (Pfeifer)
Burg f.
Burg f.
Burg f. ‘(hochgelegener) befestigter Wohn- und Verteidigungsbau’, ahd. burg ‘Burg, Stadt’ (8. Jh.), mhd. burc ‘Burg, Schloß, Stadt’, asächs. burg, mnd. borch, mnl. borch, burch, (selten) borcht, nl. burcht, burg, afries. burg, aengl. burg, burh, engl. borough, anord. borg (auch ‘Anhöhe, Wall’), schwed. borg, got. baúrgs ‘Stadt’, vereinzelt auch ‘Turm, Burg’ (germ. *burg-). Burg steht wohl im Ablautverhältnis zu Berg (s. d.), wäre also ursprünglich die (als Fluchtburg dienende) ‘befestigte Höhe’. Die schwundstufige Bildung germ. *burg- entspräche dem kelt. *brig- in mir. brī ‘Hügel’ (Akkusativ brig). Umstritten ist das Verhältnis des gemeingerm. Wortes zu spätlat. burgus m. ‘Festungs-, Wachtturm, kleine Grenzfestung’, später f. ‘befestigte Wohnstätten (längs der Grenze), kleine Stadt’ und dem schon in der Ilias belegten griech. pýrgos (πύργος) ‘Turm, Mauerturm’, später auch ‘Belagerungsturm’ und ‘Wirtschaftsgebäude’. Die griech. Bezeichnung gilt allgemein als Lehnwort (entweder kleinasiat. Herkunft oder aus einer anderen ie. Sprache, aber wohl kaum über nordbalkan., eventuell makedon. Vermittlung aus dem Germ.). In spätlat. burgus sind offenbar zwei Entlehnungen zusammengeflossen; zunächst Wiedergabe von griech. pýrgos ‘Turm’, gerät spätlat. burgus an den Grenzen des Römischen Reichs formal (Genuswechsel) und semantisch (im Zusammenhang mit dem Ausbau alter Volksburgen zu befestigten Wohnstätten, die die alten römischen Wachttürme des Limes ersetzen) unter Einfluß des germ. Femininums. Ein frühes Zeugnis für das Vorhandensein des Wortes wie der Sache auf deutschem Boden ist der bei Tacitus in latinisierter Form überlieferte Name des Teutoburger Waldes Teutoburgiēnsis Saltus, der ein latinisiertes *Teutoburgium voraussetzt, eine ‘Volksburg’ (zum Bestimmungswort mit der Bedeutung ‘Volk’ s. deutsch). Reiche Bezeugung von -burg in Ortsnamen setzt auf hd. wie nd. Sprachgebiet im 8. Jh. ein. Das Grundwort bezeichnet Ortschaften, die im Schutz einer alten Volks- oder Fluchtburg (Würzburg), eines alten Römerkastells (Augsburg, Regensburg) oder eines befestigten Feudalsitzes (Naumburg) entstanden. Bis ins 12. Jh. bleibt in Deutschland die Bezeichnung -burg für stadtähnliche Siedlungen charakteristisch, spätere, unter anderen Bedingungen entstandene Ansiedlungen zeigen andere Namensbildungen, z. B. auf -stat (s. Stadt). Dafür steigt seit dem 10. und besonders seit dem 12. Jh. die Zahl der Burgenbauten zum Schutz gegen kriegerische Einfälle und zum Ausbau der Feudalherrschaft. Das Appellativum Burg wird allmählich auf die Ritterburg eingeschränkt.