Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
breit Adj.
2 ‘breit, nach links und rechts ausgedehnt’
2.1 als Gegensatz zu ‘schmal, eng’
2.2 ‘von einer bestimmten Breite’ ;
3 ‘groß’
3.1 ‘zahlen- und umfangmäßig groß’
3.2 von Abstrakta: ‘bedeutend, gewichtig, groß’
4 ‘weit verbreitet, bekannt’
1 ‘weit, ausgedehnt, flächenmäßig groß’: – von der Erde: ûf diser breiten erden Eracl 2295; der [...] die praiten erde in siner hant beslozzen hat Konr 11,49; twingende die cristenheit / uber alle die werlt breit HeslApk 19330; breiter denne die welt, tieffer denne das mer Mechth 1: 40,3. – vom Meer: des breiten mers salzes smac Wh 62,12; es was eyn tieff mere und breyt Lanc 6,8. – allg. von einer größeren Fläche (Feld, Wiese, Heide u.a.): da gelobeten si den champh / zu dem braiten uelde Rol 8901; vnde quam an ein gefilde breit Herb 1978; eine schœne wise breit Eracl 1862; der anger und diu heide breit KLD:Kzl 15: 1,2; ein breit insele in dem mer UvZLanz 7995; der hof was wît unde breit Parz 805,24. – von Pflanzen, bes. Bäumen: ein öleboum, der was mâze grôz, / nider unde doch billîche breit Tr 14609; MarlbRh 9,9; Parz 162,8; ein boum mit löubern niht ze breit UvZLanz 4439; gar praiteu pleter BdN 93,18; bluomen breit / siht man ûf den heiden SM:WvT 3: 1,6; uon breites wegeriches saffe SalArz 51,29 . – von Händen und Füßen: er hiez Dodines der wilde / mit den breiten handen UvZLanz 7099; wan er [der Vogel] hât ainen praiten fuoz ze swimmen und hât ainen andern gespaltenen fuoz ze gên auf dem lande BdN 212,5; und der fuoz ist sô prait, daz er ainen grôzen schaten gibt gegen der sunnen ebd. 490,19 (s.a. breitvüeʒe ). – breit alsam ein wanne Iw 443; breit als ein schußel Lanc 529,5; die breiten schilde Eracl 2674; samit vnde pfellile breit Roth 787; ein zobel ze rehte breit Wig 8905; manec teppech breit Parz 82,29; vf einer tabelen breit Herb 9304; schœne frowen / tragent alle hüete breit SM:Had 11: 1,3; Eracl 3819; Wig 2417. – Adv.: da von schinet si [die Sonne] sleht unde breit MNat 1,9; daz ander dinc, daz uns des nidern sunnen schînes irret, daz wir sîn wîte unde breite verirret sîn, daz ist der nebel PrBerth 1:395,10; alse der mân wol verre über lant / liuhtet des nahtes wol lieht unde breit, / sô daz sîn schîn al die welt umbevêt MF:Mor 1: 1,5 2 ‘breit, nach links und rechts ausgedehnt’ 2.1 als Gegensatz zu ‘schmal, eng’: – von Straßen, Wegen, Wasserläufen: ein engez pfat, daz was niht breit Wig 4493; Parz 142,5; der breit wekch der den menschen hintz dem tode laitet PrOberalt 4,4; EvAug 14,2; wir haben noch zwaigere wege gewalt, / [...] der eine ist brait unt wit, / [...] der ander enge unt smal HimmlJer 456; der wâc was in ze breit NibB 1527,3; die brücke [...], / diu über daz breite wazzer gie UvZLanz 7655; Parz 285,6. – von Körperteilen: sîn antlütze was wol ellen breit Iw 437; ir scheitel wîz und niht ze breit Wig 870; ein stirn, die breit ist zu vil, / der uppickeit sich vlizzen wil Physiogn 145; wer praiteu naslöcher hât, der ist unkäusch BdN 45,27; sin schultern waren breit und starck Lanc 328,8. – ~ und smal: mit einem borten [...] / dâ het sie sich gegurtet mite, / der was ze breit noch ze smal Eracl 3807; ir slâ wart smal, diu ê was breit Parz 249,7; Wh 314,11; Will 114,12. – ~ und lanc: ein umbe hanch, / der was breit und lanc VMos 56,28; daz heilige crûce hat uier mazze. ez ist breit, ez ist hoch, ez ist lanc, ez ist tief Spec 104,7; den [ sal ] funden si berihtet den recken über al / mit vil rîchen betten, lanc unde breit NibB 1824,3; sîn bart lanc unde breit Wig 4402 2.2 ‘von einer bestimmten Breite’; mit Maßangabe im Gen. (s.a. breite stF. unter 1): siu [die Stadt] was einer mîle breit VAlex 724; vnde sol iegelich hofstat sin hundert schvͦch lang vnd fûnfzig breit UrkCorp (WMU) 248A,43; umb den helm ein lîste gie / von golde zweier vinger breit Wig 7386; BvgSp 90; der [Sarg] was wol vier fúß breit und zweyer dick Lanc 615,17; kegin eyner spennen breyt Pelzb 129,2. – ze mâze ~ : lengiu swert, ze mâzze breit SM:Go 1: 2,4; zv mazze lanc, zv mazze breit, / als ein sark solde sin Herb 10788; eine schœne strâze, / diu was ze guoter mâze / breit Tr 2579; Wig 7094 3 ‘groß’ 3.1 ‘zahlen- und umfangmäßig groß’ sîn afterchumft wart vile breit Gen 917; wie er nach der toufe stifte / ein ander christenhait, di wuohs sit und ist nu brait AvaLJ 49,3; Eracl 2495; von du wart ime sin len [Lehensgüter] breit Roth 4891. – Alexander und sîn here breit SAlex 3760; eine vil breide menie Roth 2983; Mügeln 352,4 3.2 von Abstrakta: ‘bedeutend, gewichtig, groß’ daz chint was gotes wisheit, / sin gewalt ist michel unte breit VEzzo 180; dâ gotes êre breiter und grœzlîcher ane læge Eckh 5: 21,2; uns ist uon gote geboten, daz wir die minnen, die uns leide toͮnt; so breit ist div minne Spec 136,10; ir rôter munt / hât mih verwunt, / des ist mîn ungemüete breit SM:HvS 1: 3,6; mînes herzen freude breit / was Gahmuretes werdekeit Parz 109,21; RvEBarl 13972. – ~ und lanc/wît: Terramêrs rîcheit / was kreftic, wît und breit Wh 9,28; daz wît gemezzen leit, / beidiu sô lanc und ouch sô breit, / deis al diu heidenschaft enphant ebd. 253,2; SM:Te 13:3,9; sendez trûren lanc breit unde dicke / wirt mir zallen stunden kunt KvWLd 13,15. – ~ werden ‘anwachsen’ sîn riwe smal, sîn vreude breit / wart dô Parz 640,9; über al diz her wirt ze breit / der jâmer durh dich einen Wh 457,6; RvEBarl 3591. 13721; dirre gedanc wart vil breit Herb 1881; TrSilv 388. – ~ machen ‘vergrößern’ sô mache ich iuwer sælde breit / mit guotes grôzer rîcheit RvEBarl 8985; Mechth 5:11,30 4 ‘weit verbreitet, bekannt’ dem kvnige was vil leit, / daz Jasones lop was breit / von lande zv landen Herb 170; der verholniu mære machte breit Parz 643,5; du gebârest vil gelîche / einem man des werdekeit / ist mit mæren harte breit: / bistu Artûs genant, / sô ist dîn name verre erkant ebd. 767,8. – ~ werden ‘sich verbreiten’ schiere wart daz mære breit: / in daz rîche wart geseit, / wie ez was ergangen RvEBarl 8101. 2122; Herb 13708; Parz 63,30
MWB 1 983,3; Bearbeiter: Hoffmann