sutzeln,
vb., '
saugen'
; da ein vb. sutzen
nur dialektisch vereinzelt zu belegen ist (sutzen '
saugen' Hertel
Thür. 241)
bleibt die annahme einer -l-
ableitung aus sutzen (<
*suckezen
zu sucken '
saugen'
s. oben sp. 911)
problematisch (
vgl. ähnlich jüngeres kitzen
neben älterem kitzeln Wilmanns
gr. 2
2, 100);
eher liegt selbständige lautnachahmung (
für die ableitende suffixe charakteristisch sind)
oder eine bildung mit intensivierendem -(e)z-
suffix aus 1suckeln
vor (
s. oben sp. 909
und Wilmanns
gr. 2
2, 108),
also *suck(e)zeln > sutzeln;
vgl. (
bair.-österr. und luxemb.)
daneben stehendes zutzeln (
teil 16, 877),
das wohl erst sekundär aus sutzeln
umgeformt ist, wobei dem anlautenden z
ein lautmalender charakter zukommt (
vgl. etwa zutschen '
saugen'
teil 16, 876),
wenn nicht kontamination mit zulpen, zullen, zutschen
in betracht zu ziehen ist. sutzeln
ist erst seit dem frühen 16.
jh. bezeugt; ob es dem kosewort suzelîn,
n. (du myn liebs suzelin und ayniges herczen aller liebstes lieb [15.
jh.]
Alemannia 3, 142)
zu grunde liegt, ist fraglich, vgl. F. Bech
ebda 4, 18 (
jedoch erscheint mhd. ʒ
in dem text sonst als sz
oder ssz,
vgl. oben unter süszlein
sp. 1347);
lexikalisch seit dem 17.
jh. gebucht, vgl. sutzlen
sugere, succum labris extrahere Schönsleder
prompt. (1618) H h 5
b; '
stark und öfters saugen bavar. sutzeln
quasi saugeln
succiolare, succiocciare' Kramer
t.-ital. (1702) 2, 435
a; sutzlen, saugen
sugere Aler
dict. (1727) 2, 1868
b: wenn der papst den leib Christi genommen hatt, sutzellt er durch eyn gulden rörlin ausz dem kelch das blut Christi Wenzeslaus Linck
bapsts gepreng (1539) l 4
a; mein zuoversicht mir hattest schon bestelt, als ich noch klain an milchbrüsten suozelt meiner saigamme P. Schede-Melissus
psalmen 79
ndr.; doch wöllen ettliche Scotisten doctor, er (
Olgier) hab sein leibliche muter (
keine amme) gesutzelet, und ausz ihren brüsten viertzehen hundert zwen reingäuisch viertheyl und neun masz für jedes mal auszzepffen können Fischart
Gargantua 168
ndr.; do magstu wol an den fingern sutzlen und an den neglen saugen Guarinonius
greuel d. verwüst. (1610) 261; o verfluchter neyd! du sutzlest und saugest ausz der gall das hönig und ausz dem hönig die gall Abr. a
s. Clara
Judas (1686) 1, 82; allwo sie (
die biene) ... den süszen safft zu dem honigseim herausz suzelte A. Jos. Conlin
d. christl. weltweise (1706) 3, 1, 2; kauffet schleckerwerck, sutzlet, kuofflet und beiszet den gantzen tag
glücks- und unglückshafen (1716) 128; welche immer in wirthshaus so lange hocken und sutzeln an der pippen, bisz weib und kinder nichts zu päppen haben Joh. Val. Neiner
tändlmarckt (1734) 286; denn, fuhre er fort, dieses schwein ist ein ... in hohen bedienungen stehender mensch gewesen, welcher so lange an den weinflaschen zu sutzlen pflegete, bisz er in eine vollkommene sau verwandelt ware H. Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 156;
in neuerer zeit noch bei autoren mit ausgesprochen dialektischer sprache: der Spiegelschwab fing nun an, an dem brodlaib mehr zu sutzeln als zu beiszen L. Aurbacher
volksbüchlein (1839) 2, 281,
vgl. 346; und án jede aft sutzelt und lutzelt und höckt, und i denk má schen stád: gsegn dárs gott, dástá schmöckt! Frz. Stelzhamer
ausgew. dicht. 1, 229
Rosegger. mundartlich vorwiegend bair.-österr. breit bezeugt, seltener schwäb., im schweizer. und luxemb. nur vereinzelt, vgl. sutzeln saugen Schmeller-Fr. 2, 350; 'sutzeln,
kleinweise saugen, einen saft ganz gemach in sich ziehen, z. b. an einer birn
oder einem saftigen bein sutzeln, die hönigwabe aussutzeln, der bär sutzelt an seiner bratze' Höfer
Österr. 3, 204; suzúln Lexer
kärnt. 246, sutzeln Schöpf
tirol. 732; sutzeln
saugen, undeutlich sprechen Hügel
Wiener dial. 161; suzln Schacherl
Böhmerwald 38; sutzeln
saugen, aussutzeln
aussaugen Zaupser
bair.-oberpfälz. 75; 'sutzle
n den speichel mit der zunge zwischen den stockzähnen hervorziehen' Staub-Tobler 7, 1786; ussuzla '
ausschlürfen'
Tyrolerspiel (
v. j. 1743)
ebda; sutzle
zullen, saugen K. Reiser
Allgäu 2, 741; sutzle
n Fischer
schwäb. 5, 1975
u. 6, 2, 3264; suzelen
an der saugflasche trinken lux. ma. 532.