sturm,
m. ,
vereinzelt f. (
vgl. I C; III 1).
herkunft und form. sturm ist ein gemeingermanisches wort: ahd., mhd. sturm,
as., mnd., mnl., nd., nl., ags. engl. storm,
anord. stormr,
schwed., dän. storm.
das fehlen im got. ist wohl zufällig. ital. stormo '
schar',
afrz. estorm,
prov. estor '
sturm, kampf'
sind nicht unmittelbar aus storm
entlehnt, sondern ableitung von dem aus germ. sturmjan
entlehnten ital. stormire,
afrz. prov. estormir,
s. Meyer-Lübke 8337.
germ. sturm-a-
gehört wahrscheinlich mit an. styrr '
lärm, tumult',
dän. styr,
nhd. stören
zu einer wurzel ster,
die auszerhalb des germ. nicht wiederkehrt, vgl. Fick III
4 505; Falk-Torp 1174; 1194; Walde-Pokorny 1, 750.
die differenz im wurzelvokal sturm — storm
beruht auf einer differenz im suffix: -mi
gegen -mo.
bedeutung und gebrauch. germ. sturmi (sturma)
bedeutet sowohl '
impetus, tumultus' (
s. u. I)
als '
procella, tempestas' (II).
welche der beiden bedeutungen die ältere ist, ist nicht zu beantworten. II.
primäres '
lärm, tumult, durcheinander'
u. ä., bezogen auf den menschen sowie davon abgeleitete bedeutungen. I@AA.
am stärksten hat sich die anwendung auf den kriegerischen kampf durchgesetzt, s. W. Grimm
kl. schr. 3, 549
ff. I@A@11)
allg. '
kampf, streit': sturm, storme
conflictus Diefenbach 141
c. I@A@1@aa)
ahd.: sie diezzent in iro sturme also dratiu wazzer Notker
ps. 68, 15; sichure wortene alles wuotiges sturmes
ders. 1, 21
Piper; im mhd. ritter- und heldenepos ist sturm
der übliche ausdruck für den kampf: dô gart er sich zi sturm
Annolied 127; dô huoben sî dâ von einen sturm harte grôz Hartmann v. Aue
Gregorius 1990; tiefe wunden, die sie ûz stürmen bringent
Kudrun 32, 4;
auch in der spruchdichtung: daz wilt und daz gewürme die strîtent starke stürme Walther v.
d. Vogelweide 9, 1; der snecke und der regenwurm die habent selten grôzen sturm
Freidank 146, 21.
durch die jahrhunderte hindurch hat sich diese bedeutung bis heute gehalten: und als die nun kommen warn, da was der sturm erst ergangen, und lagen die erschlagnen
noch auf dem acker (15.
jh.)
städtechron. 5, 263; an disem sturmb schlug der edel fürst Wilwolten,
auch vil ander ritter
Wilwolt v. Schaumburg 37; Lambert meint, wir sollen ihn straks für einen helden wan er uns von stürmen sagt achten, J. Grob
dichter. versuchg. (1678) 83; der feige miethling verläszt im kampf die fahne, zu der er geschworen hat — mit der rechten fasz ich sie im wilden sturm, mit der linken dich
F. M. Klinger
n. theater (1790) 1, 210; Gerold, den markgrafen, sandte Adelger ab, dasz er den Schwaben die mark wehrete. er focht mit ihnen einen starken sturm W. Grimm
dtsch. sagen 2, 110. I@A@1@bb)
besonders beliebt in verstärkenden synonymen verbindungen; hier geht wohl auf german. zeit die stabreimende verbindung mit streit
zurück, die Notker
aus dem formelschatz des heldenliedes in seine psalmenübersetzung aufnahm: wazzer heizzent die mit rehte, die wazzeren ieo gelicho diezzent in sturme unde strite
ps. 68, 2;
sie ging ebenso in die formeln des mhd. epos über: in strîte und in sturme Lamprecht
Alexander 4219
Wesle; in sturmen und in strîten
Laurin 6;
Alpharts tod 99, 221, 225;
Biterolf 265;
vgl. auch J. Grimm
rechtsaltert.4 1, 10; wo mir die (
jungfrau) nit wirt, so seit des sturms und streitt von mir warten Arigo
decamerone 276; tag und nacht ist sturm und strit
N. Manuel
v. papst u. s. priestersch. v. 917
Bächtold; nun rüest euch, es ist zeit, ins Ungerlant mit schalle zv sturme und zv streit! H. Sachs 22, 377
lit. ver.; zu stürmen vnd zu streit bereit C. Scheit
fröl. heimfart h 3
a; so gibt es zwar rath vnd befehl, wie man beyd streit vnd sturm anstellt Rollenhagen
froschmeuseler G g 2
b; so lieget sturm und streit und aller trotz im drecke Logau
sämtl. sinnged. 190
Eitner; er suchte sturm und streit J. v. Besser
schr. (1732) 1, 30; sturm und streit hat sich gelegt Triller
poet. betracht. (1750) 6, 618; schiffbruch bracht ihn in den hafen, sturm und streit zum rechten frieden
F. W. Weber
Dreizehnlinden 59;
daneben tauchen seit dem 16.
jh. andere zusammenstellungen auf und leben teilweise ebenfalls noch heute: ein küner held, der in stürmen und schlachten vil umbracht hat J. Wickram 2, 377;
vgl. 6, 115; Pyrrhi gewonnen sturm und schlacht Kirchhof
wendunmuth 2, 29
lit. ver.; wenn bei sturm und schlacht Martis donner kracht v. Erlach
volksl. 3, 90; weder sturm, weder schlacht führt in Delischem land den feldherren, weil er den stolz drohender könige beugte, glorreich zum kapitol Ramler
lyr. ged. (1772) 196; meine frühste kindheit hat nie etwas anders als waffen und läger und schlachten und stürme geträumt Lessing 2, 355
L.-M.; da sollen sie von stürmen und schlachten sagen A. v. Arnim 21, 17;
verstärkt: wie viel sind in stürmen, schlachten und scharmützlen erschossen worden Paracelsus
opera (1616) 2, 293; in scharmützln, stürmen und feldschlachten H. Sachs 9, 8
lit. ver.; in stürmen, schlachten und scharmützeln S. v. Birken
ostl. lorbeerhayn (1657) 162;
ähnlich: artelerey, so man in kriegszleufften vnnd stürmen gebrauchet Mathesius
Sarepta (1571) 146
a; unter sturm und kriegen B. Neukirch
ged. (1744) 6; das macht einen theil der geschichte unserer zeit aus, und wenn sich alles nicht unwürdigem drucke beugen will, so sieht man auch nur stürme und kriege oder gänzlicher abhängigkeit in den künftigen tagen entgegen graf v. Fugger
in briefw. Platens 2, 120
Bornstein; späte alliteration: manchen strausz und sturm Th. Höck
blumenf. 87
ndr.; mit alamodischem fremdwort: in bataillen und stürmen v. Fleming
vollk. soldat (1726) 143; denen auch sturm und kampf regelmäszig zum gedeihen und zur kräftigung ausschlägt D. Fr. Strausz
Schubart 1, 3. I@A@1@cc)
übertragen auf den todeskampf: do horde ik van Jhesu groten storm, he want sik also ein worm, darna moste he sterven
Redent. ostersp. v. 421; (
wenn der tod kommt,) do dut man den rechten sturm S. Brant
bei Ch. Schmidt
elsäss. ma. 347;
die reimformel ist stehend, doch die bedeutung von sturm
nicht fest: gleich wie ein wurmb litt er (
Jesus) ain sturmb, veracht von allen leüten Reusner
bei Wackernagel
kirchenl. 3, 140;
deutlich abweichend (
zu I C): (
er) vergieng als ein geringer wurm, zu stark war jhm desz todes sturm Spreng
Ilias (1610) 181
b. I@A@22)
enger, '
angriff'. I@A@2@aa)
im militärischen, eigentlichen sinn: sturmkronen gab der oberste dem, der in stürmen zuo erst den feind angreiff Heyden
Plinius (1565) 43; Vulcani wöhr vnd waffen scharff ich zu der arbeyt nit bedarff, noch einer grossen anzahl schiff, zu disem sturem vnd angriff Spreng
Äneis (1610) 174
b; Rhemetalces hatte mit seinen Thraciern zuförderst dem ersten sturme der Deutschen zu begegnen erwehlet Lohenstein
Arminius 1, 41
b; wo der dichter den sturm der schaarwachen beschreibt Dusch
verm. krit. u. sat. schr. (1758) 13; der mut in den stürmen und im freywilligen unternehmen der gefährlichen angriffe Haller
Usong (1771) 57; ha, vater Putnam lenkt den sturm und theilt mit uns gefahr Schubart
sämtl. ged. (1825) 3, 90; von dort braust uns ein neuer sturm hervor, es reiszt ein strom sich durch die Englischen, das kriegsgeschrei tönt näher Tieck
schr. (1828) 1, 375; als die Latiner nicht mehr dem sturm der feinde hielten stand Uhland
ged. (1898) 1, 297; dann ... war schon sturm hier, dort, überall — wüthend an der Schweden seite, wie nie Stifter
s. w. 1, 319.
im militärischen kommando löste sturm
im 19.
jh. das seit dem 17.
jh. eingebürgerte attaque
ab, zuerst in dem exerzierreglement, dann in der umgangssprache; attaque
bleibt seitdem der kavallerie vorbehalten; seitdem auch in der literatur: die trommel, die ... den europäischen krieger beim commando: 'sturm!' vor einer plötzlichen paraplegie der bewegungsorgane zu bewahren hat Gutzkow
ges. w. 7, 461. I@A@2@bb)
in übertragenem sinne taucht sturm
in der bedeutung '
angriff'
zuerst bei den mystikern des 14.
jhs. auf und hält sich bis zur gegenwart in den verschiedensten geistigen bezirken; zunächst im religiösen bereich am reichhaltigsten: vnd denn zuomal so kompt die welt mitt jren starcken stürmen vnd ficht den menschen an Joh. Tauler
sermones (1508) 32
a; aber menschenlere sind eyttel sturme wider den glewben und reyne lere Luther 10, 1, 1, 606
W.; darzu auch wider gottes wort haben gethan manch harten sturm H. Sachs 18, 352
lit. ver.; sant Petrus, der solche anleuff vnnd stürme etlich mal erfaren Mathesius
leichenreden 141
Lösche; dein geist hält unsers glaubens liecht, wenn alle welt dawider ficht mit sturm und vielen waffen P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenlied 3, 345
b; du sahst der sünde sturm und feinde sich erheben Neukirch
anfangsgründe (1724) 763;
auch in mancherlei anderen bezirken: mit siegendem sturme kämpft die bange welt der stummen verzweiflung kampf Stägemann
kriegsgesänge (1813) 19; der rede ward gelacht, ich hatte kaum geschwiegen, da kam ein sturm auf mich von sieben vollen krügen Rachel
sat. ged. 89
ndr. in einem von sturm II
beeinfluszten bilde: der sturm des abgeordneten Erzberger gegen den grafen v. Hertling ... hatte hochgehende wogen aufgepeitscht Ludendorff
kriegserinnerungen (1919) 580. I@A@33)
speciell der streit um einen befestigten ort (
burg, stadt, lager)
und der ansturm dagegen zum zwecke seiner eroberung (sturm
in der bedeutung '
erstürmung'
s. u. 3 c
γ). I@A@3@aa)
im eigentlichen sinne: diu burc was harte veste ... vür stürme Hartmann v. Aue
Iwein 4361; decheinem sturm si (
die burg) widersaz Wolfram von Eschenbach
Parzival 399, 23; da hat es (
das schlosz) manigen sturm gelitten gar vest
liederb. d. Hätzlerin 153; er beraite sich zu dem sturm (
auf Syrakus) A. v. Eyb
spiegel d. sitten (1511) d 4
a; Regenspurg wol erbaute, auf stürme hüpsch gericht R. v. Liliencron
hist. volksl. 3, 320; dem Neidelhart er sagen liesz, er solt den sturm (
auf die stadt) bald richten zu Maximilian
Teuerdank 187
Gödeke; vnd obgleych die eusser gemauerte schütte mit groszem volck vnd gewaltigem sturm gewinnen wurde Albr. Dürer
vnderr. z. befest. d. stet (1527) d 11
b; thet er das schlosz ... befesten, also das er keynen sturm förchtet
gesch. von hertzog Aymont (1535) i 2
a; der lantzknecht hauff zstürmen anfieng, eh es zum sturm beschlossen ward W. Schmeltzl
zug ins Hungerland (1556) a 3
b; geschrey, so Barziman durch den anlauff vnd sturm vor dem schlosz füret
Amadis 1, 372
lit. ver.; vnd gehet darauff der sturm an, in welchem ... endlich die stad übergehet Micrälius
altes Pommerland (1640) 2, 222; die belagerte ... hielten sich sehr tapffer ..., also das der feind drey stürme verlohren v. Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 168; liesz er aus bloszem neiden vom sturme blasen ab Lohenstein
Ibrahim (1680) 22; die Peloponnesier unternahmen einen sturm auf ihre vestungswerke Heilmann
pelop. krieg (1760) 375; lassen sie doch einen abgematteten feind, der den letzten fruchtlosen sturm gewagt hat, ruhig abziehen Lessing 2, 340
L.-M.; gleichwie aber ein belagerer, wenn ihm ein zu früher sturm abgeschlagen worden, oft nicht weisz, welche miene er ... annehmen soll Nicolai
Seb. Nothanker 2, 163; im letzten sturm war ich zerfleischt vom wall herabgefallen Pfeffel
poet. versuche 6, 207; nachts glückte den unsern der sturm auf Weiszenau und die schanze oberhalb der karthause Göthe 33, 290
W.; bei dem sturm ... hat er czako und tornister verloren Wilh. Grimm
an Jacob 273; wir haben uns streng an Arrian gehalten, der selbst zeuge dieses sturmes gegen Theben ... war J. G. Droysen
gesch. Alex. d. gr. (1833) 85
anm.; auf den anhöhen ... angelangt, konnte der sendbote schon den sturm auf die stadt ... überblicken Ebner-Eschenbach
ges. schr. 2, 97; die festungswerke Wittenbergs waren zwar keineswegs stark, aber ein breiter und tiefer graben sicherte sie doch vor einem sturme
F. Meinecke
generalfeldm. v. Boyen 1, 331; doch da ihm schier der sieg gewisz und unsern wall sein sturm zerrisz Leibl
aus unerlöst. lande (1925) 14.
oft in bildlichem gebrauch; religiös: Jesus, din nam ein starker turn, den nit zerstört enkeiner sturn H. Seuse
dtsch. schr. 400; der am creutz ist meine liebe, sünde, du verlierst den sturm (
auf mich) A. Fritsch
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 5, 520
b;
sturm auf das herz, auf gefühle: umb dar söllen wir unsere herzen krefftigen und starke brustwery dar für buwen und dem ersten sturm sich widerstellen Stainhöwel
de claris mulieribus 84
lit. ver.; dasz der eitelkeit zum schmerze noch nicht auf ihr ofnes herze ein gewünschter sturm geschah J. E. Schlegel
werke 4, 166; ich musz einen sturm auf dein herz wagen Meisl
theatr. quodlibet 1, 123; mit der aufforderung, einen sturm auf die barmherzigkeit ihrer madonna zu sagen Holtei
erz. schr. 1, 171;
insbesondere der sturm zur gewinnung der frau: begierig nach der süszen beut kannstu den sturm wiedrumb ernewen Zinkgref
auserl. ged. 41
ndr.; er läszt es bey diesem zärtlichen sturme nicht bewenden Rabener
sämtl. werke 5, 107; die stecknadeln, mit denen die frauenzimmer sich verschanzen, halten keinen sturm aus Hippel
üb. d. ehe (1774) 36;
vgl. noch: (
dasz das) capital einen zweiten sturm gegen die bäuerliche wirthschaft vorbereitete Mommsen
röm. gesch. 2, 75. I@A@3@bb)
in verbalen verbindungen. I@A@3@b@aα)
den (einen)
sturm anlaufen, jünger laufen,
seit dem 17.
jh. auch ohne den artikel: da lies Judas ausruffen im gantzen heer, das das kriegsvolck eine ordnung machen solt und den sturm anleuffen, ein jeder hauff an seinem ort Luther 5, 168; so offt sie die pfort oder einen sturmb anlieffen S. Franck
chron. Germ. (1538) 105
a; nachdem der türkisch hauffen wolt umb die zehen or ainen sturm anlauffen H. Sachs 22, 144
lit. ver.; ein horn, so das geblasen wirt, das dann die andren z rechter hirt (
zeit) den sturm mit gwalt fry louffind an Bächtold
schweiz. schausp. d. 16. jhs. 3, 119; als die feind lieffen an den sturm J. Ayrer
opus theatricum (1618) 388
b; lies auch zugleich sturm anlauffen Micrälius
altes Pommerland (1640) 5, 273; als nun die bürger mit dem feuerleschen zu thun hatten, liesz er sturm anlauffen, eröberte die stadt J. Prätorius
winterflucht (1678) 344; herr! ich bin mein lebtag nicht sturm gelaufen, bin auch kein soldat, sondern ein schneider Stranitzky
ollapatrida 271
Wiener ndr.; lauf sturm wider die ringmauer Schiller 2, 188
G.; ein infanterist, der mitten im winter sturm läuft gegen eine feindliche mauer Jean Paul 7, 140
Hempel; seid eins mit uns! lauft männlich sturm und stürzt ... den kerkerthurm des Rheinbunds in den staub Stägemann
kriegsgesänge (1813) 105;
variiert: schon sammeln wir uns, sturm zu rennen wider Wien H. Watzlik
o Böhmen (1917) 161.
bis ins 18.
jh. auch in präpositionaler verbindung mit zu: lasz dein volck die statt zum sturm an allen orten anlauffen Herold-Forer
Gesners thierbuch (1563) 54
a; vnd liesz zu sturm lauffen Schütz
hist. rer. Pruss. (1592) 1, e 3
a; am S. Mauritij tag lieffen die künigischen zu sturm mit groszem geschrey H. Rätel
Joach. Curäi schles. chron. (1607) 350; soll denn aller feinde hauffen gegen mir zu sturme lauffen Hoffmannswaldau
getr. schäfer 17; welcher (
hut) ... grosz war, und das ansehen davon war, als ob ich einen thurm aufhatte, oder wolle zu sturme laufen
der Leipz. avanturieur (1756) 1, 195 (
vgl. dazu stürmer 2 e).
oft bildlich: gegen welchem sie nit gleich mit der purgierenden artzney zu sturm lauffen Guarinonius
greuel (1610) 967; und schiene es, als wollte er zu sturme lauffen, nicht weisz ich, ob er die prinzessin küssen, oder nit gar an ihr vergreiffen wolte Ziegler
asiat. Banise (1689) 142; die seuffzer lasse man an statt der bomben seyn; laufft sturm, besucht sie (
die liebste) offt, braucht bitten statt den stücken Henrici
ernst-, scherzh. u. sat. ged. 1, 334; ich bin deinetwegen beym lieben gott sturm gelaufen Hippel
lebensläufe 1 (1778) 242; wenn eure eide zu so viel teufeln würden, sie könnten sturm gegen den himmel laufen Schiller 3, 46
G.; liefen sie eifrig sturm gegen die neue verwaltung Häusser
dtsch. gesch. 3, 185; vergebens läuft der genius sturm, die burg des unsinns zu bezwingen Herwegh
ged. eines lebendigen (1843) 2, 116; man läuft sturm gegen den kapitalismus H. v. Kahlenberg
fam. Barchwitz (1902) 106; gegen diese verfügung, die den liberalen immer ein dorn im auge war, versuchte nun Pfizer sturm zu laufen, allerdings mit demselben negativen erfolge wie in dem früheren fall O. Glück
beiträge zur gesch. d. württ. liberalismus (1931) 81. I@A@3@b@bβ)
zu sturm gehen, bis zum barock: ze sturme gân Heinrich v. Veldeke
Eneit 189, 19
Ettmüller; und traten ab zu fuss die zwei teil und gingen zu sturm an daz slosz (15.
jh.)
städtechron. 2, 65; hettin sie gesehen, das man sich kein in begerlich gestalt hette, danne hetten sie von stad an recht zu storme gegangen (1429)
cod. dipl. Lus. sup. 2, 90; ains morgens gar früe giengen sy aber zu sturm
rock Christi (1512) e 3
a; (
sie) giengen des andern tags mennlich zu storm, und worffen fewer ein
M. Dreszer
sächs. chron. (1596) 10;
vereinzelt, wie oben a, sturm angehen: also ginge dieser unvergleichliche held den sturm an, deme Artabanus, ... und der ... parthische adel, nachfolgten Anton Ulrich von Braunschweig
Octavia (1677) 1, 167. I@A@3@b@gγ)
bis in die gegenwart den sturm antreten u. ä.: zuo letst, do sie sich nit ergeben wolten, tratt er eynen sturm an, das die bürger alle der mawren zuolieffen Carbach
Livii röm. hist. 12
a; Otho belägert Mentz, warff die mauren nider, liesz offt an sturm trätten Stumpf
Schweizerchron. (1606) 74
a; worauff bey des hertzogen ankunfft von Bamberg, die soldaten mit guter resolution den sturm angetreten v. Chemnitz
schwed. krieg 2 (1653) 39; gegen abend um fünf traten die truppen den sturm an Ranke
s. w. 4, 32. I@A@3@cc)
in verbindung mit präpositionen, z. t. ohne artikel, seit dem mhd.: I@A@3@c@aα)
mit sturm: der die burc mit sturme gewinnet Wernher v. Elmendorf
v. 670; mit sturme si irwischten auch den kunic Joachim
Daniel v. 124
Hübner; hat der lantgrave die stad Odernheym mit dem storm geweldicklichen herobert Wig. Gerstenberg
chron. 317
Diemar; (
sie) giengen ... der burg mit sturm zu
rock Christi (1512) e 5
a; so ein statt vnd schlosz mit stürm gewonen wurdt Reutter v. Speir
kriegsordn. 13; welcher ... die h. statt Jerusalem selbsten mit sturmb erstigen
F. A. v. Brandis
tirol. adlers ehrenkräntzel (1678) 102; es war der tag, als Saint Quentin mit sturm erobert wurde Schiller 4, 105
G.; als der sandwirth von Passeier Innsbruck hat mit sturm genommen Böhme
volksthüml. lieder 77;
bildlich: hette ichs mit dem sturm angriffen, wie die propheten, so weren die hertzen gefangen blieben gen aller welt
flugschriften a. d. kampff der schwärmer gegen Luther 3, 13
ndr.; die beweise sind strenge mittel der überzeugung; man erobert da mit sturm Ramler
einl. in d. schön. wissensch. (1758) 4, 43; ich will die myologie nochmals angreifen und sehn, ob ich bresche schieszen und sie mit sturm erobern kann Göthe IV 9, 50
W.; von erotischen eroberungen: er solte, mein ich wol, dort auch nicht unterliegen, wo frauenzimmer feind, die küsse kugeln sein und was man sonsten da mit sturme nimmet ein, da ist er wol versucht P. Fleming
dtsch. ged. 1, 49
L.; ich sag euch, mit dem schönen kind gehts ein für allemal nicht geschwind. mit sturm ist da nichts einzunehmen, wir müssen uns zur list bequemen Göthe 14, 130
W.; dein jungfräuliches bette (
will ich) mit sturm ersteigen Schiller 2, 112
G. I@A@3@c@bβ)
zum sturm, nur in älterer sprache: er meint, er (
der turm) solt fallen zum storm R. v. Liliencron
hist. volksl. 4, 408; anno dom. 1441 hat hertzog Albrecht von Oesterreich das schlosz Lauffen ... belägert und zum sturm gebrochen Stumpf
Schweitzerchron. (1606) 417
b. I@A@3@c@gγ)
im sturm. in älterer sprache vereinzelt mit der bedeutung '
erstürmung': Terentius ... ist ... bürtig aus der stadt Carthagius; als er aber im sturm gemelter statt gefangen ist gefürt worden ... gen Rom Boltz
Terenz (1539) a 4
b;
in neuerer sprache wird der gebrauch formelhaft, '
jählings', '
überraschend'
; schon in manchen der eigentlichen belege klingt dies an: indem St. Philipp im sturme fällt und der brittische scepter in America zerschmettert wird Zimmermann
v. d. nationalstolze (1758) 17; er gewann die burg im sturme Uhland
ged. (1898) 1, 170; Aquileja fiel im sturm und ging in flammen auf br. Grimm
dtsch. sagen 2, 18;
bildlich: dasz Durban so im sturm des sultans gunst erstiegen Eschenburg
beispielsammlung 1, 217; einer der liebsten menschen, unter den vielen, die mein herz im sturme auserkohr Schubart
leben u. ges. 1, 186; im sturm erringt er den minnesold Schiller 12, 58
G.; aber das alles sollte ohne vorarbeit, im sturme erreicht werden Häusser
dtsche gesch. 1, 189; als Winckelmann nach Rom zurückkam, wurden alle auszenwerke der vertraulichkeit in wenig tagen im sturm überschritten Justi
Winckelmann 2, 1, 294; was brauchte er ... noch zu sein, um die ... zustimmung der eltern im sturme zu erobern Ebner-Eschenbach
ges. schr. 1, 134;
vgl. schweizerisch im sturm
in übereilung Hunziker
Aarg. wb. 264. I@BB. '
tumult, aufruhr',
gelegentlich unter einflusz der bedeutung II.
vereinzelt (
schwäbisch)
als femininum (
vgl. den beleg unten B 2),
wohl in anlehnung an III 1. I@B@11)
allg. sturm
motus ahd. gl. 1, 695, 11
Steinm.-Siev. (
zu 1.
Macc. 13, 44:
factus est motus in civitate);
früh mit starker hervorkehrung des akustischen moments: sturm, crhadum
strepitum gl. 4, 19, 41 (
ähnlich 2, 762, 9); sturm
tumultum 1, 293, 41 (
zu 2. Mos. 32, 17:
audiens autem Josue tumultum populi voci ferantis); si begunden mûren einen turn, dâ von huop sich ein grôzer sturm
genes. 32, 18
Diemer; mit groszem sturm und ungefüegem heulen, schauren, prausen, liesz sich der küng, küng aller küng ... Pilato smächlich wider weisen für Oswald v. Wolkenstein 280
Schatz; unde nympt dar de burmester, boddel unde den voget gevangen myt grotem storme
städtechron. 17, 374; fiel fewr vom himmel: das gab ein gleuff vnd sturm durchs gantze land Stumpf
Schweizerchron. (1606) 131
a; es (
das volk) rottet sich im sturm zusammen Schiller 11, 272
G.; übrigens ist ... der ... tumult eines ... wortgefechts mit ... wohlberechneten mitteln dargestellt und besonders dadurch, dasz, als er die äuszerste höhe erreicht, der sturm ins orchester verlegt wird, der feine anstand auch des komischen effects gewahrt O. Jahn
Mozart 3, 285; das eine der mädchen weinte, die andere schalt, und die dazu gehörigen jungen männer hatten zu thun, den sturm zu besänftigen und allerlei angriffe von sich selbst abzuhalten G. Keller
ges. w. 3, 87. I@B@22)
im besonderen politisch, '
aufruhr, empörung, revolution, erhebung': sturma
seditiones ahd. gl. 2, 145, 51; aufrur und tötlich stirm R. v. Liliencron
hist. volkslieder 4, 337; das folck was die vorcht gottes zuo ruggen stoszen, herttenclich dem sturm anhangen, trowtend nit ruow noch rast haben (
ende 15.
jahrhunderts) Gallus Öheim
Reichenauer chron. 81
Barack; duo (
Luther) wilt vns ie zuo einer grossen vffruoren bewegen, ich sihe aber niemans, der deinem sturm zuolaufft, spiesz oder hellenparten zucke Murner
an d. adel 9
ndr.; (
der haufe zu Babenhausen besteht aus ungefähr 3000
bauern,) darzu, so die sturm angeet, was inen zulauft und thund sich zu Babenhausen vergraben (1525)
zs. d. hist. ver. f. Schwaben 9, 23; die pauren ... hand ein sturm lassen angehn durchs gantz land (1525)
bei Baumann
quellen z. gesch. d. bauernkriegs 487; hiervon erhuob sich ein sturm durch das gantze Turgow hindersich Stumpf
Schweizerchron. 408
b; seyd ihr dieser, so gestern den sturm mit anrichten und vermehren helffen Schoch
com. vom stud.-leben (1657) l 3
b; das volk steht auf, der sturm bricht los! (1813) Th. Körner 1, 140
Hempel; die politischen stürme Europas oder flüchtige skizze der vorzüglichsten unruhen, welche während des jahrs 1830 in Europa stattfanden (1831)
titel eines anonymen buches von G. W. Becker;
in diesem sinne betitelte J. H. Mackay
eine gedichtsammlung: sturm (2.
aufl. 1890)
und G. Quidde
eine kurzlebige wochenschrift: der sturm (1921).
vgl. unten sturmjahr. I@B@33)
in die jüngste phase trat diese bedeutung durch die in Berlin 1910
von Herwarth Walden
begründete revolutionäre künstlerische vereinigung sturm,
die mit einem gleichnamigen verlag und einer gleichnamigen zeitschrift (1910-30)
verbunden war und diejenigen künstler aller zweige in sich umschlosz, die später im europäischen geistesleben eine wichtige, ja mitunter umwälzende rolle spielen sollten; sie wurden sturmkünstler
oder sturmdichter
genannt; 1912
wurde die erste sturmausstellung
der '
futuristen'
eröffnet; von 1914-17
erschien die schriftenreihe: das sturmbuch,
von 1915-23
eine andere: das sturmbilderbuch,
und 1916
kamen ausgewählte gedichte dieses kreises unter dem sammeltitel sturmabende
heraus. I@B@44)
in verbaler verbindung mit läuten, schlagen, blasen
u. s. w., gelegentlich auch im sinne der bedeutung I B,
als lärmzeichen belagerter, gebraucht. I@B@4@aa)
zu sturm läuten, auch ohne präposition sturm läuten: er lûte die glocken vaste ze sturme
Reinhard fuchs v. 1473; mit alln glocken zu sturme leuten B. Waldis
Esopus 2, 39. er hab auch gehort, dweyl er bey gemeltem pfaffen gelegen, das man in desselben art sturm geleuttet
verhandlungen über Thomas v. Absberg 69
lit. ver.; als die schlacht geschächen ..., lutt man sturm mit der grossen gloggen zum münster Platter 76
Boos; das büblein ... schrey, als ob man lauttet sturm Fischart
flöhatz 17
ndr.; wir wollen in die nächsten dörfer und sturm läuten Göthe 13, 1, 239
W.; ich steige selbst auf den thurm und läute sturm A. Bäuerle
kom. theat. 1 (1820) 10; die reuter zogen sich zurück, als man in den nahen dörfern sturm läutete Dahlmann
franz. rev. (1845) 375; hört mal — in Reichenbach leuten sie sturm G. Hauptmann
die weber (1892) 102;
selten mit dem artikel: damals schlug tambourmarsch den sturm auf allen wegen, und herrlichste musik der erde hiesz uns kugelregen E. Stalder
der aufbruch (1914) 31; was hilft es, dasz wir sturm läuten in unserer einsamkeit Schleiermacher
sämtl. w. I 5, 43; ihr aber zwangt den dichter, sturm zu läuten G. Herwegh
ged. eines lebend. 2 (1843) 1; wir haben den sturm der freiheit geläutet W. Hasenclever
tod u. auferstehung (1917) 58. (
zu)
sturm schlagen: sie schrien: feinde, feinde, und auch schlugen zue sturme, wie in denne befolen war S. Grunau
preusz. chron. 2, 239; der Polacke ... überfallt uns in einem flecken bei nacht, läszt zu sturme schlagen und will mit uns daran v. Schweinichen 30
Österl.; derhalben (
haben) die bürger zu sturm schlagen lassen Cyr. Spangenberg
mansfeld. chron. (1572) 235
a; auff ein genante stund, so man in jeder stat die glocken leütet vnd sturm schlieg S. Franck
chron. zeytbuch (1531) 190
b; dieser liesze nun gleich, so bald er jn kommen sahe, sturm schlagen
Amadis 1, 376; so ein vbelthäter in Hispania vermerckt wird, schlecht man hin und här sturm an die glocken Stumpf
Schweizerchron. (1606) 12
b; (
sie) schlugen derowegen sturm an
grillenvertreiber (1670) 145; nicht ohne noth sturm zu schlagen Justus Möser
phantasien 2, 43;
mit scherzhaftem bild: wann die freszglock im magen sturm schlegt und der klipffel verstopfft ist Fischart
Gargantua 25
ndr.; nun möchte ich ordentlich zu tisch sitzen, dann die eszglocken schlägt sturm in meinem leib Harsdörffer
frauenzimmergesprächsp. 2, 318;
in politischer hinsicht: eine jede regierung ... ist ... verbunden, nicht ohne noth sturm zu schlagen, sondern ... mit weisheit den ... fall der noth zu untersuchen J. Möser
sämtl. w. 2, 47. (
zu)
sturm blasen, rufen, knallen: letzlichen fieng an der thumpfaffe von der newen zeittung aus Hungern zureden, wie der Türck Pest und Ofen gestürmet, ... welche tragödiam sie beide (
der pfaffe und die wirtin) auch spielen wolten ... do nun der lerm wold angehen, ... bleset Clawert mit ungestüm unter dem bette heraus zu sturme B. Krüger
H. Clawerts werckl. hist. 15
ndr.; sturm blasen Kramer 2 (1702) 1028
a; ein geschrey machen, gleichsam zum sturme rufen Gottsched
dtsch. sprachk. (1748) 157; die fuhrleute knallten sturm Holtei
erz. schr. 18, 206.
vgl. noch: schturm un schlâch lôpen
rennen, um einen zweck zu erreichen Damköhler
Nordharz. wb. 182. I@B@4@bb)
besondere erwähnung verdient die wendung über jemanden sturm schlagen, läuten,
als warnung vor jemandem: (
sie) möchten vielleicht sturm über in schlahen
zimm. chron. 1, 375; da fiengen die bauren an und schlugen sturm über mich Götz v. Berlichingen
lebensbeschr. 27
Bieling; darnach ... kamend aber die höwstöffel ... also, dasz man zu Zürich ... sturm über sie lütet mit allen glocken Äg. Tschudi
chron. Helvet. 1, 461. I@CC.
von oben B 4 a
weiterschreitend, ist sturm
dann '
sturmgeläut': denn wie ein glock, der zu einr frist der klöppel ausgefallen ist, ob man sie gleich im hohen thurm beweget, macht gar keinen sturm B. Ringwaldt
lauter warheit v. 192; durch ein sturm das ganze landvolk besammeln Stumpf
Schweizerchron. (1606) 647
a; der bischoff versammlet sin volck, dann liesz er ein sturm mit der glocken gan Äg. Tschudi
chron. Helvet. 1, 161; heiszt das die zeit genützt? wenn man die federn drückt, bis uns der glocken sturm die faulheit vorgerückt? B. Neukirch
ged. (1744) 112; hört ihrs wimmern hoch vom thurm! das ist sturm! Schiller 11, 311
G.; hoch die glocken gehn im sturme, tief das rasseln wilder trommeln Cl. Brentano
ges. schr. 3, 111; nirgends durfte die glocke zum gottesdienst angezogen werden; wenn man sie hörte, bedeutete es sturm Ranke
sämtl. w. 2, 132.
unter einflusz von III 1
gelegentlich als femininum: und daruf die sturm mit allen glocken geleutet werd (1497) Klüpfel
urkunden z. gesch. d. schwäb. bundes 1, 225. I@DD.
zu oben B
stellt sich im uneigentlichen sinne ein literarisches schlagwort, der sturm und drang. I@D@11)
seinen ursprung verdankt es bekanntlich dem drama F. M. Klinger
s, das dieser 1776
in Gotha dem genieapostel Christoph Kaufmann
vorlas, der an stelle des ursprünglichen titels '
wirrwarr'
ihm diesen namen aufdrängte. aber Kaufmann griff damit glücklich eine gefühlsgesättigte phrase auf, die in dieser empfindungsreichen zeit schon für seelische dinge verwendet worden war und noch lange so weiter verwendet wurde; einige belege mögen das bezeugen: noch zwei wörtchen ... aus sturm und gedrängtheit heraus (1773) Lavater,
s. zs. f. dtsch. wortforsch. 6, 114; aus dem sturme der erbtheilung ... und einer unausstehlichen gedrängtheit heraus diese zeile (1774)
ebda; ich lebe so hin, bald in drang und sturm, bald in gelinden säuslen (1777) Klinger
bei Rieger
Klinger in der sturm- u. drangperiode 1, 407; daz ich verstumme vor dem drange und sturm in meiner brust Hase
gesch. eines genies (1780) 1, 293; mein drang und sturm, an sie (
anr.) zu schreiben (1780) Hamann 6, 148
Roth; und endlich sind noch andre umstände dabey, die den ganzen plan für mich zu einem vergeblichen sturm und drang machen (1782) Heinse 10, 154
Schüddekopf; lange schon in manchem sturm und drange wandeln meine füsze durch die welt Bürger (1792) 2, 11.
aber auch nach der geniezeit blieb der ausdruck in geltung und behielt seine innere wärme: er war blosz in Baireuth dem freundschaftlichen sturm und drang seines leibgebers mit seinem sonst wahren herzen gegen einen freund erlegen Jean Paul 11-14, 482
Hempel; der fleisz, das schleppen und schleifen und dann wieder der sturm und drang (1803) Göthe IV 16, 232
W.; ich habe alle begeisterung, sturm und drang, so der mensch fühlen kann, in meinem herzen gefühlt W. Raabe
hungerpastor (1864) 3, 113; des deutschen volks geschichte, sturm und drang und bittres ende Scheffel
trompeter 74; aus den herzen der eingeschlossenen jungfrauen war der sturm und drang der zeit aber hierdurch nicht entfernt Hans Grimm
volk ohne raum (1926) 1, 127. I@D@22)
infolge des aufsehenerregenden Klingerschen stückes wurde der ausdruck nun vielfach ironisiert. natürlich begannen damit die aufklärerischen gegner, aber bis ins 19.
jh. bleibt diese ironische note neben dem ernsten gefühlsgehalt bestehen: (
genies) immer schreiend von kraft und stärke, sturm und drang, schmähen über pedanterei und schulgelehrsamkeit maler Müller (1778)
werke 2, 20; es war daher zu viel sturm und drang in ihr (und das mag ein mitleidenswürdiger zustand sein ...), dasz sie im grunde nicht wuszte, was sie that Hase
gesch. eines genies (1780) 1, 292; seht, von dem Rhein zur Spree ist nichts als sturm und drang Lichtenberg (1783) 5, 100; nicht sturm und drang war diese begeisterung, sondern fortwirkendes leben Herder 24, 153
S.; der könig löwe hatte lange sein volk regiert, als unerhört und plötzlich sich, mit sturm und drange das thierreich gegen ihn empört Tiedge
werke (1823) 4, 183; aber es blieb der einzige (
hieb), genügend als lebenslang sichtbares wahrzeichen, dasz es auch ihm an sturm und drang nicht gefehlt habe W. H. Riehl
kulturgesch. charakterköpfe (1891) 192.
als bezeichnung einer bestimmten literarischen strömung ist die phrase erst im 19.
jh. verwendet worden, wogegen die sturm- und drangmänner
und die sturm- und drangperiode (
s. u.)
schon früher in vieler munde waren. I@D@33)
zusammensetzungen. z. t. direct anknüpfend an sturm und drang
als literaturgeschichtliche epoche, z. t. mit weitergeführter bedeutung im sinne jugendlich überschwänglichen gefühls. sturm- und drangempfindung: was man späterhin und zu hause aus solchen ersten augenblicklichen sturm- und drangempfindungen zusammenstylisiert und korrigiert, verliert nothwendig die erste frische und unmittelbarkeit der auffassung B. Goltz
ein kleinstädter in Egypten 541; -geist: man merkts deutlich, dass sie in den blättern eines witzlings, eines sturm- und dranggeistes gelesen haben J. C. Haffner
sechs freier und keine braut (1787) 82; -himmel: wir dürfen uns daran erinnern, dasz wir dennoch zusammen gehören, vom volke in einen kessel geworfen, von der nachwelt hoffentlich in einen und denselben sturm- und dranghimmel gesetzt werden P. Cornelius
literar. werke 2, 567; -jugend: diese sturm- und drangjugend erträgt starke dosen A. v.
d. Elbe
brausejahre (1885) 233; -mann: die ganze charakteristik der sogenannten originalgenies, jener sturm- und drangmänner
F. G. Kühne
portraits u. schatten 1, 228; -partei: es ist auch schon eine weile her, ... seit unter der sturm- und drangpartei ... die phrase im schwange ging D. Fr. Strausz
ges. w. 5, 192; -periode
in der 1.
hälfte des 19.
jh. aufgekommene bezeichnung, 1810
bereits im schwedischen zitiert, s. zs. f. dtsch. wortf. 10, 18: wir haben jene zeit halb ... vergessen ..., den neueren critikern und wählern ist fast nur der stehende beiname der sturm- und drangperiode im gedächtnis geblieben L. Tieck
in Lenz
schriften (1828) 1,
einl. 7; der ganzen epoche der sturm- und drangperiode Fr. L. Jahn
werke 1, 266; diese blätter gehören zu den wichtigsten dokumenten unserer groszen sturm- und drangperiode Immermann 20, 116
Boxberger; das ganze streben jener dunklen sturm- und drangperiode Gervinus
gesch. d. dtsch. dichtung (1853) 5, 100; der genius der sturm- und drangperiode ... liegt uns näher ... als der des ausgehenden 16. jahrhunderts D. Fr. Strausz
ges. w. 1, 29;
übertragen auf das '
Junge Deutschland': mancher litterat der jungdeutschen sturm- und drangperiode W. H. Riehl
kulturgesch. charakterköpfe (1891) 115;
allgemeiner: auf die sturm- und drangperiode jenes früheren lebens ist die milde windstille des alters gefolgt B. Weber
charakterbilder 262; es war denn für Sophie in dieser sturm- und drangperiode nichts empfindlicher, als dasz der trauliche cirkel ... so gut wie gestört war Spielhagen 2, 229; von den strapazen dieser sturm- und drangperiode erholte er sich im juli in Kissingen
Grillparzerjb. 8, 96; -seele: zwei junge drang- und sturmseelen B. Weber
Oswald von Wolkenstein 251; -stil: in einerlei zeit schreibt er (
Wieland) privatbriefe in dem neuen groben sturm- und drangstyl und in dem alten süszlichen ton der schäferfreundschaft Gervinus
gesch. d. dtsch. dichtung (1853) 2, 278; -stimmung: am liebsten zeichnet er in solchen sturm- und drangstimmungen riesige kohlenskizzen an die wand R. Waldmüller
wanderstudien 1, 59; -stück: ich ... studierte nichts als sturm- und drangstücke ein Schmieder
d. seelenverkäufer (1784) 96; -wesen: das möchte vielleicht eben ein criterium fürs genie sein, ein sichreres, als das sturm- und drangwesen, was sich erst abklären soll
M. Hauptmann
an Franz Haurer 2, 133
Schöne; -zeit: es ist das erste mal, dasz der autor auf den ausdruck so hohen werth legt, den er in der sturm- und drangzeit, dem inhalt gegenüber, als 'elendes mittelwerk' glaubt betrachten zu dürfen Herder 12, 375
S.; unberührt von den umwälzungen der sturm- und drangzeit freute er sich noch als greis seines Gleims
F. Meinecke
generalfeldm. v. Boyen 1, 51. I@EE.
im zusammenhang mit A
und B
bildet sich eine bedeutung wie '
schnelle bewegung': sol er ... hin und her wandern oder spazieren, doch nicht mit louff oder sturm (1492)
bei Fischer
schwäb. wb. 5, 1931;
auch hier hat sich wie unter I A 3 c
die präpositionalverbindung mit (
später im) sturm
besonders herausgearbeitet, unter vermengung mit sturm '
eroberung', '
angriff'
und '
unwetter': die gantze herd sew stürtzete sich mit einem sturm ins meer
Luc. 8, 33; also der hund mit groszem sturm hin und her zuckt mit dem wurm, das er im kampff nit wurd verkürtzet H. Sachs 2, 275
lit. ver.; gieb diesen sachen einige aufmerksamkeit, dasz sie nicht blosz im sturm geschehen Göthe IV 21, 227
W.; siehe, da kam im sturm daher gebraust ein cabriolett Bettine
Cl. Brentanos frühlingskranz 79; mir das blut durch alle adern im sturm jagen Deihnardstein
ges. dram. w. 3, 176; deine phantasie, die im sturm alle wirklichkeit zerstiebt, bleibt ... in verzückung stecken Bettine
d. Günderode (1840) 1, 234; (
sie) rasen im sturm um ihre freiheit und um deine Fr. Rückert 1, 29. IIII.
sturm im elementarischen bereich. II@AA. '
procella', '
der starke wind'
; eigentlich besonders oft der sturm auf der wasseroberfläche, seesturm. II@A@11) swie vil er sturmes dolde,der frage bin ich erveret. von reht er erben soldeden anker in dem sturm, ez ist beweret
jüng. Titurel 5686; es sint gar mangerlay sturm und ungestümy des meres und der vallenden waszer Stainhöwel
Äsop 48
Ö.; das arm schiff ... von dem grausamen mere der groszen stösze und stürme nicht mer erleyden mochte Arigo
decameron 106; (
sie) gebrauchten sich auch des gemeinen trostes, dasz ein auszreiszender (
ausbrechender) sturm mit dem ersten gange den gröszten schaden thut Schütz
hist. rer. Pruss. (1592) 1, e 2
a; wan nach einer stille ein grosser sturm auf dem meer entstehet v. Chemnitz
schwed. krieg 1 (1648) 26; allein es kam ein sturm, der schmisz die wellen Chr. Reuter
ehrl. frau 38; ein gewaltiger sturm, der uns überfiele A. U. v. Braunschweig
Octavia (1677) 1, 141; o könte ich hagel, blitz, ..., sturm und erdbeben erwecken! Rist
friedejauchz. Deutschland (1653) 194; die ... flotte verschonte der sturm Herder 23, 120
S.; ähnlich einer barke, deren volle segel ein sturm zerrissen maler Müller
werke 1, 180; die flotte war auf dem punkt, durch einen heftigen sturm mit der ganzen armee zernichtet zu werden
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutsch. 1, 80; wenn ... der sturm die wogen zu hohen bergen ... auftrieb Solger
Erwin (1815) 1, 28; überhaupt dieses schiff wogt nun frank und frei auf allen meeren, und stürme werden ihm so wenig anhaben wie seeräuber fürst Pückler
briefw. u. tageb. 83; in den unteren schichten der atmosphäre bemerkt man bei stürmen bisweilen ähnliche erscheinungen der begrenzten luftströmung Humboldt
kosmos 1, 326;
speciell seemännisch: stinkender sturm
ein hoher grad des sturms, fast ein orkan s. Bobrik
naut. wb. 676;
ähnlich fliegender sturm
ebda; in allgemeinerem gebrauch ist sturm
dann überhaupt '
unwetter'
vgl. die frühnhd. glossierung mit '
tempestas',
z. b. Diefenbach 576
a;
selten: auch dein (
gottes) sturm ... bringet segen J. A. Cramer
sämtl. ged. 2, 173; schier dreiszig jahre bist du (
der mantel) alt, hast manchen sturm erlebt Holtei
ged. (1861) 525 (
mantellied).
hierher das sprichwort: auf sturm folgt sonnenschein.
oft in vergleichen: alsdann stieg freilich der gedanke, vor dem er zusammenfuhr, wie ein sturm empor Jean Paul
werke 7, 414
Hempel; da kommts aber wie ein sturm angerannt Bettine
dies buch gehört dem könig (1843) 15; ein entsetzliches heer von totengerippen, mit schwarzen fahnen, kam wie ein sturm von dunkeln bergen herunter Novalis
schr. 4, 191
Minor; o mir, mir beugte die grösze der alten wie ein sturm das haupt Hölderlin
ges. dichtungen 2, 77
Litzmann; ihn trieb der schlachtengott wie sturm und flammen gegen die feinde G. Freytag
ges. werke 17, 78. II@A@22) sturm
neben einem gleichgeordneten substantiv. dieses ist mit sturm
synonym und verstärkt es: do sturm unde wint gelac Gottfried von Straszburg
Tristan v. 8828
Ranke; dann sie (
die kriegsschiffe) ... auch den sturm und wind besser denn andere erleiden Fronsperger
kriegsbuch 1 (1573) 201
b; auf groszem meer sein grosze wellen, viel klippen, stürm und grosze wind Opitz
teutsche poemata 131
ndr.; da wind und sturm sich legen P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 369
a; schwimmt mein schiff durch sturm und wind Gottsched
ged. (1751) 1, 217; wenn dich sturm und wetter schreckt P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 320; stürm, wetter man dick sicht gar grausammlich gepǎren
liederb. d. Hätzlerin 252; er ist der herr, des wege in wetter und sturm sind
Nahum 1, 3; sobald sturm und wetter vorbey war U. Bräker
sämtl. schr. 1, 6; durch sturm und wetter bin ich getrieben von sehnsucht und hoffnung umhergelaufen, bis ich sie fand E. T. A. Hoffmann 12, 22
Grisebach; bildlich: aber Falk, du schweigst, mein junge? auf der dingstadt sturm und wetter, heute ohne lung und zunge? Fr. W. Weber
Dreizehnlinden (1907) 336.
das subst. gibt eine das wetter betreffende ergänzung: ob er schon sahe sturm vnd regen vmb vnd vmb D. v.
d. Werder
ras. Roland (1636) 2.
ges., str. 28; (
wenn) ein artiger herr im sturme und regen den hut unter dem arme trägt Schwabe
belustigungen d. witzes u. verst. 3, 106; kein sturm und regen schadet dir Chr. Fel. Weisze
lieder f. kinder (1767) 10; wir lauschen busen an busen gedrängt, stürmen und regen und gusz Göthe 1, 257
W.; ihr schreiben durch den Engländer kam gestern in sturm und regen hier an Bismarck
ged. u. erinn. 1, 268
volksausg.; bildlich: im glück ist er verwegen: kömmt aber sturm und regen, fällt herz und muth dahin Paul Gerhardt
lieder 267; die sonne scheint nach sturm und blitzen Gottsched
ged. (1751) 1, 314; von sturm und blitz unüberwunden
Z. Werner
Martin Luther (1807)
prolog 15; wenn sturm und donner kracht maler Müller
werke 1, 288; mit hagel oder sturm ein sündlich land zu schlagen Gerstenberg
recensionen 136
lit. denkm.; das subst. stellt einen gegensatz zu sturm
dar: gott ists, der sturm und heitre macht E.
M. Arndt 5, 200
Rösch-Meisner; wochenlang wechseln sturm und stille ab Kircheisz
weltumsegelung 246; was der geist geweihten sehern offenbart in sturm und stille Fr. W. Weber
Dreizehnlinden 14; sturm und sonnenschein
u. ä. oft bildlich, mit beziehung zu C 2: wir sind im lager! da ists nun nicht anders, da wechseln sturm und sonnenschein geschwind Schiller 12, 284
G.; wer redlich thut, traut gott im sonnenschein und sturm J. H. Voss
sämtl. ged. (1802) 2, 149; treu bist du in sturm und sonnenschein geblieben, bleibst mir treu, wenn einst mich alles, alles flieht Hölderlin
ges. dichtungen 1, 52
Litzmann; und dann, hätt ich dies haupt an sechzig jahre aufrecht getragen unter sturm und sonne, damit ein junger fant sich mutig fühlte zu mehr, als drausz zu lärmen vor der thür? Grillparzer (1892) 6, 158.
das substantiv stammt nicht aus der wetteratmosphäre, steht aber doch in engerer beziehung zu sturm: (
so werde ich) mit der schaar der frommen ausz sturm und wellen kommen
Königsb. dichterkreis 75
ndr.; und dasz in allen fällen er mir zur rechten steh und dämpfe sturm und wellen und was mir bringet weh P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 387
b; mit solcher hofnung sieht der schiffer im ocean über wellen und stürme hinweg J. G. Zimmermann
einsamkeit 1, 58; am steuer herrschend über sturm und welle Göthe 16, 254
W.; mit bergen wollen wir gen himmel wachsen, auf stürmen und wellen dahin brausen Schiller 1, 70
G.; bildlich: toben stürme, unglückswellen, wenn die feinde noch so bellen, bin ich ruhig, denn mein gott half mir noch aus aller noth J.
M. R. Lenz
ged. 12
Weinhold. II@A@33)
oft ist sturm
mit bezeichnenden verben verbunden, z. b. hinsichtlich des gehörseindrucks: wann wilde stürme brausen E.
M. Arndt
sämtl. w. 4, 13
R.-M.; stürme, die den wald durchbrausen Hölty
ged. 5
Halm; es überbraust der sturm die zarte stimme Göthe 10, 22
W.; die stürme sausten mit fürchterlicher wuth
ders. 18, 380
W.; wenn der sturm das feld durchsaust Hoffmann
Struwwelpeter 24; der heftige sturm, der über uns im gewölbe kracht Gerstenberg
Ugolino 224
nat. lit.; der sturm heult aus norden Klinger 3, 13; die stürme heulen im schlote O. J. Bierbaum
irrgarten (1902) 31; dröhnender sturm E. Leibl
zelt unterm stern (1931) 18;
hinsichtlich seiner intensität: ein heftiger sturm trieb ihn aus dieser bai J. G. Forster
sämtl. schr. 4, 53; in einer nacht, wo sturm und wetter rasen
Z. Werner
söhne des thales (1803) 1,
vorr. 1; den kahlen, von stürmen gepeitschten gipfel Justi
Winckelmann 2, 1, 101; zwischen den von sturm gerüttelten baumwipfeln Ebner-Eschenbach 4, 217; allein so weit dieser sturm auch tobte Ranke
sämtl. werke 1, 300; brechend kiel und mast durchtobte sturm die weisze wasserwüste Fr. W. Weber
Dreizehnlinden 33;
ähnlich in verbindung mit einem subst. infinitiv oder einem verbalsustantiv: denn der stärksten stürme brausen bläst die glut nur heftig an v. Schönaich
Heinr. d. Vogler (1757) 64; und heller und heller, wie sturmes sausen hört mans näher und immer näher brausen Schiller 11, 222
G.; wie das getöse eines sturmes im weltmeer S. Geszner
schr. 1, 169; das toben des sturms liesz einen augenblick nach A. v. Droste-Hülshoff 2, 267; aller stürme trutz Heräus
ged. u. inschr. (1721) 8. II@A@44)
sturm im glase wasser siehe Büchmann
geflügelte worte26 (1926) 294:
schon bei Athenaios (
deipnos. 8, 19)
verspottet der flötenspieler Dorion die tonmalerei des zitherspielers Timotheus, der einen seesturm spielen wollte, mit den worten: er habe in einem siedenden kochtopf schon einen gröszeren sturm gehört, und Cicero (
de leg. III 16, 36)
gebraucht als sprichwörtlich: excitare fluctus in simpulo '
die wellen in einem schöpflöffel erregen'
; nach Honoré de Balzac
le curé de Tours (
œuvres compl. 6, 48)
hat Montesquieu
die wirren in der zwergrepublik San Marino une tempête dans un verre d'eau
genannt und damit den ausdruck geprägt. der Engländer sagt: that is a storm (tempest) in a teacup (tea-pot) Lüpkes
seemannsspr. (1900) 75; 212.
in der literatur sind die belege selten: kurhessische zustände seien in Preuszen unmöglich; ein sturm im glase wasser lasse sich nicht vergleichen mit einem solchen conflict in einem groszstaate Bismarck
polit. reden 2, 31
Kohl; einen sturm im glase wasser Treitschke
hist. aufs. 473;
vgl. auch: es stehet geschrieben: wer wind säet, der wird sturm ernten. meine freunde, wir säen nicht blosz wind, wir säen diesen wind auch in den wind, und was wir dabei ernten, ist blosz ein sturm im bierglase H. Sudermann
sturmgeselle Sokrates (1903) 77. II@BB.
personificierung. oft wird der sturm
im bilde eines lebenden wesens vorgestellt, vornehmlich dichterisch, besonders seit dem barock, z. t. wohl unter antikem einflusz. der sturm vermenschlicht, mit menschlichen fähigkeiten, eigenschaften, gefühlen: er hat den sturm gereizt und mag ihn wieder stillen Gottsched
dtsch. schaubühne 4, 55; soll ich blinder als die fluthen, tauber, als die stürme seyn?
ders. ged. (1751) 1, 220; ist es der sturm, der droben kämpft? Göthe 3, 221
W.; dann übernachten stürme auf seinen schwellenden schultern maler Müller
werke 1, 5; zürnt doch der sturm ... dem schilfe nicht Körner
werke 1, 114
Hempel; lasz den sturm los, und er entwurzelt den stamm E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Dtsch. 1, 277; wenn sturm mit alten eichen ringt Gaudy
sämtl. w. 1, 67; der sturm soll seine sturmvögel vorausschicken Fr. Th. Vischer
ästhetik 3, 38; der kalte sturm vergeudet seinen zorn an den unerschütterlichen mauern der Hartburg Holtei
erz. schr. 5, 33; was weinst du, sturm? Dehmel
ges. w. 1, 129;
insbesondere als reiter: wann der sturm sich tummelt auf schaumgem rosse über blauer tiefe Mohnike
Tegnèrs Frithjofsage (1842) 42; der sturm will jagen: auf fährt er vom sitz in seinem zerklüfteten schlosse, er ruft seinen diener, den flüchtigen blitz, und schwingt sich jauchzend zu rosse Fontane
ged. (1908) 132; stürme reiten hinab vom gebirge, stürme jagen heran aus den steppen, stürme kommen vom meere gefahren E. Leibl
zelt unterm stern (1931) 23;
der sturm
als tier: gleich ... kommt ein sturm und friszt sie auf Lenau
s. w. 12
Barthel; insbes. als hund: doch Tohro donnert, und winkt seinen bellenden stürmen Kretschmann
sämtl. w. 1, 106;
als reittier: reiten sie auf stürmen? H. v. Kleist 2, 127
Schm.; als ein geflügeltes wesen: auf flügeln des sturms Klopstock
Messias ges. 3,
v. 579; wie rauscht des sturmes flügel Becker
mildheim. liederbuch (1799) 8; heulend kommt der sturm geflogen der die flamme brausend sucht Schiller 11, 311
G.; und der sturm mit eisger schwinge auf einmal zu schweigen scheint, der laut am gebrochenen fenster sein trauriges lied geweint Rollett
wanderbuch (1846) 145.
vgl. unten sturmflügel. II@CC.
uneigentlicher gebrauch. zumeist noch mit starkem bildgehalt, vgl. insbesondere C 2. II@C@11)
von äuszeren stürmischen zuständen, besonders kriegerischen und revolutionären läuften: wir leben als ein paar einsiedler mitten in den stürmen, wo nicht ganz glücklich, doch gewisz unendlich glücklicher als die, welche sie erregen Pfeffel
pros. vers. (1810) 5, 75; genieszen sie mit den ihrigen, nach so viel stürmen, der früchte des friedens und einer neuen ordnung der dinge Göthe IV 15, 211
W.; ich rühme mich nun freylich nicht des tiefen politischen blicks des schöpfers, der jeden sturm von weitem ausspäht Klinger
sämtl. werke 3, 67; durch diesen (
des tyrannen) sturz war eine ... verfassung hergestellt, die sich auch ohne stürme ... erhielt K. O. Müller
die Dorier (1824) 2, 165; nachrichten, die stürme weissagen, welche gerade jetzt der hochschule drohen Dahlmann
an W. Grimm 1, 435
Ippel; die wenigen, denen das wohl der kirche am herzen lag, waren voll schwerer gedanken an die stürme, welche die weise ... hand des ... herrschers nun nicht mehr zurückhielt Justi
Winckelmann 2, 1, 222; wir haben nicht verhehlt, ... wie nothwendig es war, dasz die führer der bewegung mitten in dem sturme, den sie hervorgerufen, doch nicht weiter gingen, als ihr vorhaben unbedingt erheischte Ranke
s. w. 4, 4; (
das) würde ... einen heftigen sturm in diplomatie und presse erregen Bismarck
ged. u. erinn. 2, 32.
manchmal mit der richtung auf eine einzelne person: an ihn blosz hieltest du bey jenem sturme dich fest, der auf dem Regenspurger tag sich gegen dich zusammenzog Schiller 12, 232
G.; eine besprechung Jean Pauls zum beispiele erweckte einen sturm gegen mich H. Laube
ges. schr. 1, 176; sein gutachten ist ein schönes denkmal ... überlegener einsicht, aber eben damit zog er ... den ganzen sturm auf sich selber L. v. Ranke
s. w. 1, 185; Planitz berichtet, er habe darüber viel hoffärtige böse worte hinnehmen, einen starken sturm bestehen müssen 2, 44.
oft neben einem näher bestimmenden adjectivattribut: da die politischen stürme ... in der ferne brausten E.
M. Arndt
s. w. (1892) 1, 54; die familie hatte sich aus dem politischen sturme hierher gerettet Börne
ges. schr. 2, 136; wenn ... sie nicht der gefahr ausgesetzt werden sollten, an den literarischen stürmen und überschwemmungen stückweise fortgeführt zu werden Müllner
dram. werke (1828) 8, 52; nach dem verlauf der umwälzenden stürme in staat und literatur Gervinus (1853)
gesch. d. dtsch. dichtung 5, 12; die genferische kirche trug das gepräge der republikanischen stürme, unter denen sie sich durchgesetzt hatte L. v. Ranke
s. w. 8, 129; so würde die deutsche ... kirche ... eine wahrhaft selbständige stellung gewonnen haben, in der sie die ... doctrinellen stürme ... hätte überdauern können 1, 31.
mit erweiterung durch ein genetivobject: die ... anfänge der neuen zeit gingen unter in den stürmen und greueln des bürgerkriegs Justi
Winckelmann 2, 1, 166; so gehen sie unter in den völkerverschlingenden abgründen und stürmen der geschichte Brentano
ges. schr. 5, 406; in allen stürmen der jahrhunderte E.
M. Arndt
schr. für u. an s. l. Deutschen 2, 50; in jenen stürmen der ersten jahrzehnte des sechzehnten jahrhunderts Ranke
s. w. 38, 170; im sturme der schlesischen kriege Holtei 40
jahre 1 (1843) 32; die stürme der reformationszeit Fr. A. Lange
gesch. d. materialism. (1866) 101; die stürme der revolution Mommsen
röm. gesch.4 3, 15; in den stürmen der völkerwanderung Mommsen
röm. gesch. 5 (1894) 113; zwar auch er ist bedrängt von den stürmen der zeit, die ihm eine behagliche ruhe verkümmern Göthe 41, 1, 362
W.; die stürme und wellen der tieferregten zeit Nitzsch
dtsche studien (1879) 221;
seltener, besonders früher, im singular: nicht anders hat auch euch ... das elendt dieser welt geführet eure sinnen zu dem, was weder feind noch sturm der zeit zerstört W. Opitz
teutsche poemata 65
ndr.; den, der durch so viel klug sich sicher ein kan führen bey dieser zeiten sturm in guten glückes port Logau
sämtl. sinnged. 633
Eitner. II@C@22) '
widerwärtigkeit, drangsal, unglück': jedoch gehen hie die rechten stürme und püffe an J. Gigas
postilla (1595) 1, 109
b; der kan ... dem widerwärtigen glücke mitten in den äuszersten stürmen trotz bieten Chr. Weise
polit. reden (1677) 46; der himmel wolle diesen sturm von unserem besten wohlthäter abwenden Knigge
roman meines lebens (1781) 2, 54; die freundschaften in jener zeit geschlossen ... halten im sturme Iffland
theatral. werke 1, 189; ja, ich will von allen stürmen ausruhen, die so oft den horizont meines lebens trübten Tieck
schr. (1828) 6, 22;
vielfach gehören die belege noch der rein bildlichen sphäre an: nur gönne mir den port, den nach dem rauhen sturm die liebe mir gegeben A. Gryphius
trauersp. 305
Palm; jedoch versichert euch, dass ihr hier, nach überstandenem sturm, in den hafen eurer wohlfarth angelandet seyd Ziegler
asiat. Banise (1689) 39; dasz du dem himmel traust, ... wird unsre feinde mehr ... denn alle schwerdter zwingen, und uns im schwersten sturm dennoch zum haven bringen Weichmann
poesie der Niedersachsen (1721) 1, 45; doch treue Sachsen auf! erheitert das gesicht! weil euch ein freudenstrahl aus diesem sturme bricht v. König
ged. (1745) 4; ach, warum ist er nicht hier geblieben! ach, der sturm! verschlagen weg vom glücke! Göthe 2, 73
W.; ein leuchtthurm war dein kopf mir in dem sturme, dein treues herz war mir ein guter hafen Heine
werke 1, 61
Elster; aber diesem rascherblühten lenze der liebe folgte ein verheerender sturm Immermann 1, 58
Boxberger; durch ein genetivobject erweitert: dein wort als eine lamp und liecht, herr, leuchtet mir, die finsternusz und sturm der welt durchzupassieren G. R. Weckherlin
ged. 1, 383
lit. ver.; ach, dieses herz wird leider durch den sturm der welt aus seinen liebsten träumen gerissen! Göthe 17, 179
W.; aber nicht ohne seinen meister darf das kind sich in die stürme der welt wagen E. T. A. Hoffmann
s. w. 1, 164; so allein und einzeln und jedem feindlichen sturme des weltalls es ausgesetzt scheinet Herder 5, 6
S.; wo ihr die donnerkeile, die stürme rauen glücks als felsen in der see ohn eine furcht besiegt Gryphius
trauersp. 107
Palm; die gelassenheit, mit der er bisher alle stürme des widrigen glücks ausgehalten Wieland
Agathon (1766) 1, 26; die einzigen freunde, die ich in Türkheim hatte, und durch alle stürme des lebens behielt Bahrdt
gesch. s. lebens (1790) 3, 28; der aus den stürmen des lebens gerettete greis
F. M. Klinger
s. w. 4, 6; der in manchen stürmen des lebens aufrecht gestanden Göthe IV 41, 34
W.; dieses tiefe gepräge der seele wird von den stürmen des schicksals nicht ausgelöscht
allg. dtsch. bibl. 2, 1, 211; die stürme des widrigen schicksals sollen meine empfindung emporblasen Schiller 3, 372; ermattet von den stürmen seiner jüngsten vergangenheit Holtei
erzähl. schr. 3, 47; wir wollen nicht mehr im romane ausruhen von den schlägen und stürmen der wirklichkeit W. Alexis
d. hosen d. herrn v. Bredow (1846)
einl. 7. II@C@33)
von seelischer unruhe, aufregung, entzückung: mein hertze leydet grossen sturm Heinrich v. Neustadt
Apollonius 15684
Singer; ach mensch, bloder worm! noch tribet hohfart in dir storm
ders., gottes zukunft 2318; desse sulve slange efte worm klaghede hir myt groteme storm
Reinke de vos (1498) 4581; (
der) gemächlichkeit für sturm, für kämpfe wollust tauschte Gotter
ged. 2, 142; kühlere köpfe dürfen gegen ihn (
den schwärmer) ihre auslegung nicht wagen, wenn sie nicht, durch seinen sturm und seine blitze, gottselig wollen geschleudert seyn in jene schwarzen tiefen J. G. Zimmermann
über die einsamkeit 2, 62; um von den süszen stürmen auszurasten, die seit einigen wochen uns immer wieder aus einem wonnestrudel in den andern geschleudert haben Pfeffel
pros. vers. (1810) 5, 142; lebt er nicht immer in wildem sturm und liebt die freyheit
F. M. Klinger
werke 1, 238; kein sturm düstert die seelenruh Hölty 96
Halm; besänftige den sturm, der dich bisher getrieben Göthe 9, 18
W.; so vertaumelt sich der schönste theil des lebens ohne sturm und ohne ruh
ders. 1, 77
W.; das wird einige thränen kosten bey einer wahrhaftigen vorstellung, wenn ichs mache, laszt die zuhörer nach ihren augen sehen! ich will sturm erregen, ich will einigermaszen lamentiren
Shakespeare 1, 191; so giebt es verwitterte physiognomien, in welchen alle leidenschaften den ausdruck ihrer zerstörenden stürme zurückgelassen haben Hegel 10, 1, 194; gestern abend zum zweiten male bei Schnorr; ich sah mischungen von Eder, Horny und steinzeichnungen von
F. Olivier; welchen sturm erregen solche sachen in mir! o wie weit bin ich noch zurück! L. Richter
lebenserinnerungen 560; das wesen der dramatischen helden ist befangenheit, sturm, starke erregtheit G. Freytag
ges. w. 14, 269; aus stiller hut reiszt mich ein ungeheurer ruf in allen sturm und seligkeit der erde E. Stadler
der aufbruch (1914) 50;
manchmal wie '
innerer drang': woher dieser sturm, das all zu erfassen? J.
M. R. Lenz
anm. übers theater (1774) 13;
der seelische ort, der erregt ist, wird genannt: den sturm in deiner brust zu beschwören Lessing 10, 26
L.-M.; es wird ein verworrenes geschwätz, wenn ein reiszender sturm in der brust tobt, und die aufmerksamkeit in eine zitternde gedankenlosigkeit auflöst Novalis
schr. 4, 167
Minor; uns jagt, so weit es schneit und hagelt, des eignen busens sturm umher E.
M. Arndt
werke 3, 31
Rösch-Meisner; es war so still im zimmer, dasz man das leise knistern des mieders hörte, das vom sturm des jungen busens bewegt wurde H. Seidel
vorstadtgesch. (1880) 73; du dich in deinem hertzen zu so starckem sturmb bereit findest Fr. v. Spee
güld. tugendbuch (1649) 64; herz! wenn sich dein sturm nicht legt, herz! wo sind dann deine freuden? J.
M. R. Lenz
ged. 108
Weinhold; dein herz vor stürmen ... bewahren Pfeffel
poet. vers. 2, 161; Albano kam langsam oben in den gängen daher; er hatte sein auge von thränen rein gemacht und sein herz von stürmen Jean Paul
werke 15, 377
Hempel; das arme herz, hienieden von manchem sturm bewegt, erlangt den wahren frieden nur so es nicht mehr schlägt v. Salis
ged. (1793) 36; dennoch gehet mein herz in sturm und aufruhr über Bürger
werke 322
a Bohtz; und bezwang die stürme des herzens J. H. Voss
Ilias ges. 1,
v. 569; es hat der sturm im herzen ausgetobt A. v. Chamisso
werke (1836) 4, 162; aber ganz war der sturm in seinem herzen noch nicht geschwichtigt Scheffel
ges. w. 2, 149; den sturm, der in meinem kopfe war Bahrdt
gesch. s. lebens 2, 114; kein rauschendes blatt hat mich zitternd gemacht, es war ein recht gewaltiger sturm, der meine ganze seele erschütterte Gottschedin
briefe 1, 19; sein ... angesicht tobte vom sturm seiner seele Gerstenberg
Ugolino 247
nat.-lit.; der seele sturm Schiller 11, 26
G.; vorher hatte es in Siegwarts seele ungestüm gestürmt, jetzt folgte dem sturm ein sanfter regen Miller
Siegwart (1777) 2, 447; die liebe machte einen sturm in der seele und setzte alles in bewegung Heinse
s. w. 3, 154; der sturm in Oswalds seele war vorübergebraust; mir aber gehen so manche stürme durch die seele, dasz sie sich einer stets gleichmäszigen temperatur nicht rühmen darf fürst Pückler
briefwechsel 1, 333; so schwand er doch bald wieder vor dem sturm des beängsteten gemütes zurück Fouqué
altsächs. bildersaal 2, 67; der sturm der gemüther war indessen vorüber ... milderes wetter stellte sich ein K. Gutzkow
zauberer von Rom 5, 151; als ich im palast Durazzo die porträts der schönen Genueserinnen sah, und unter diesen ein bild, das in meiner seele einen süszen sturm erregte Heine
werke 3, 287
Elster. II@C@44)
gegenüber dem vorigen verengt, '
zorn, grimm, wut'
u. ä.: ibi video iram er ghet ynn eim sturm und mit der faust Luther 34, 2, 94
W.; vgl. 7, 298; nun wird sich euer grimm und sturm einmal zu friden gäben P. Gerhardt
bei Fischer-Tümpel
kirchenl. 3, 304; er gieng auch im grimm und sturme davon Lohenstein
Arminius 2, 1133
a; das darf ich nicht, ist Gäthchens wort, sonst setzt es einen sturm (
des vaters) Ramler
fabellese 3, 116;
Capulet: was habt ihr, vetter? welch ein sturm? wozu?
Tybalk: seht, oheim! der da ist ein Montague
Shakespeare 1, 40; der alte graf aber, der die beispiellose heftigkeit seiner 'königin der nacht' nur zu gut kannte, hielt es ... für angebracht, auch der bloszen möglichkeit eines sturmes vorzubeugen Fontane
ges. werke I 5, 28.
in ober- und westmitteldeutschen mundarten ist die bedeutung stark ausgeprägt: sturm
schwindelige leidenschaft, zorn, starrsinn Stalder
schweiz. id. 2, 416; storm
das mürrischsein, der zorntummel Tobler
appenzell. 412; den sturm haben
übler laune sein Fischer
schwäb. 5, 1930;
ähnlich Schmeller-Fr. 2, 782; Follmann
lothr. 511; Christa
Trier 201.
von hier aus mundartlich noch weiter fortgebildet: schturm
zank Damköhler
Nordharzer wb. 182; sturm
lärmender auftritt; verweis Jakob
Wien 187; storn
wunderlicher einfall Schmeller
cimbr. wb. 176. II@C@55)
von physischen zuständen. in allen mundartgebieten '
rausch, betrunkenheit',
z. b. Schöpf
tirol. 726; Damköhler
Nordharz. 182;
öfter in der redensart: er ist im sturm Christa
Trier 201; Hertel
Thüring. 240; Meyer
d. richt. Berliner (1925) 175;
die bedeutung ist auch mehrfach in die schriftsprache übergegangen: ich glaube, du bist schon ein wenig im sturme! H. Hanke
die schriftstellerinn 270; alles im sturme rings, groszes und klein; wag ich darunter mich nüchtern allein? (
um 1840) H. v. Mühler
im allg. dtsch. kommersbuch135 621; bis der könig ... auf seiner wasserparthie nach dem heiligen lande mit mann und maus unterjeht, weil die ritter sehr im sturm waren Glasbrenner
Buffey's wallfahrt (1845) 39; solche dinge beschlieszt ein vernünftiger mann nicht im sturme G. Kinkel
erzählungen (1849) 136; die dienstboten ... entschuldigen sich mit dem beispiel des wirthes und der wirthin, welche, wie jene behaupteten, ihren ehelichen hasz versaufen und schon in aller frühe 'im sturme' sind Holtei
erz. schr. 39, 20; er trank, schwatzte, lachte ... so dasz einer der anwesenden dem wirthssohne zuflüsterte: 'du, dein gestrenger hat 'n sturm' H. Kurz 5, 103
Heyse. ganz verblaszt: den sturm kriegen
ohnmächtig werden Fischer
schwäb. 5, 1930; sturm
anfall einer krankheit Schön
Saarbrück. 206;
vgl.: ich habe einige anfälle von krankheit gehabt ..., und noch ergreift mich zuweilen ein sturm Heinse 10, 355
Sch. merkwürdig: sturm
zustand zwischen schlaf und wachsein Schmeller-Fr. 2, 782. II@DD. sturm
als sturmbewegung der luft erfährt vielfach übertragungen noch im bereich des sinnlichen, vornehmlich aber innerhalb des elementarischen geschehens; solcher gebrauch greift sodann reichlich auf inconcreta über. die so veränderte, gegenüber A
im sinne der grundbedeutung erweiterte ist dann allgemein '
heftige, stürmische bewegung', '
durcheinander', '
gequirle'
u. ä., vgl. sturm fluctus, fluvius, fluxus Diefenbach 240
c;
gurges 271
b: die tuvele machten in der vlut vil storme an grozen vlagen
passional 48
Köpke; dâ wart von starken slünden ein sturm, daz von den ünden diu drozze wart ze enge, daz sich von dem wâcgedrenge diu güsse begunde werren, blôdern unde kerren als ein windesprût ûf dem mere.
weinschwelg 135
E. Schröder; der wassersturz, das felsenriff durchbrausend ... von sturz zu sturzen wälzt er jetzt in tausend, dann aber tausend strömen sich ergieszend, hoch in die lüfte schaum und schäume sausend. allein wie herrlich, diesem sturm ersprieszend, wölbt sich des bunten bogens wechseldauer Göthe 15, 1, 7
W. feuersturm: er (
der drache) sieht, wie sie (
die seelen in der hölle) der sturm zerfriszt
ders. 37, 5. sturm
im menschlichen leib: er macht dem geheimen gemach einen besuch, und der sturm in seiner bauchhöhle legt sich Bremser
medizin. parömien (1806) 161.
meist mit einem präpositionalen oder einem genetivobject als bestimmender ergänzung, so schon ahd., vgl. nymphorum wolcno sturm
gl. 1, 213, 36
Steinm.-Siev.; ähnlich 2, 316, 48
u. 49; schwefel und peche und windes sturm P. Schede
ps. 43
ndr.; der winde sturm Hohberg
georg. curiosa 1, 25; wenn mein nache zerfällt, wenn ihm der lüfte sturm und die welle des meers segel und mast und boort, ruder, steuer entreiszt Herder 27, 95
S.; du sichst es, wenn in meiner brust, so wie der wellen sturm, sich meine lüste regen v. Canitz
ged. (1727) 37; ihn schrecket weder sturm noch fluth der nie beschifften see Gottsched
neueste ged. (1750) 88; nach des wilden wetters sturm, nach des harten donners krachen Grob
dichterische versuchgabe (1678) 15; nicht mehr im sturm der gewitter entzündet sich kindlich dein haar W. Hasenclever
neue ged. (1917) 41;
akustische übertragungen: im sturme der siegenden harfe Denis
lieder Sineds (1772) 57; wie kann der heilige sturm der töne nur ein stäubchen rücken, indes die roh bewegte luft aschenberge versetzt Jean Paul 15, 645
Hempel; der sturm einer Haydnischen symphonie Brentano
ges. schr. 5, 339; dazwischen hört ich eine stimme wehen, die sanft den sturm der chöre unterbrach Mörike 1, 54
Göschen; dem sturm geweihter melodien wird auch der letzte feind entfliehen G. Herwegh
ged. eines lebendigen 2, 37;
ähnlich: dasz ich gebohren bin, allenthalben, wo ich gehe und stehe, den sturm von bösen zungen auf mich und meine profession gerichtet zu sehen Bode
Yoricks empfinds. reise (1768) 2, 111; pfui, welcher rechtliche mann möchte einen solchen sturm von ausrufungen über sich ergehen lassen
Shakespeare 6, 226; die zuschauer erhoben, als sich dieses paar zeigte, einen unglaublichen sturm des beifalls Stifter 4, 1, 85;
dann in verbindung mit den verschiedensten abstracten: und hüllet schlau die gluth der überraschten scham in einen sturm von wuth Gotter
ged. 2, 65; alle stürme des zornes Bodmer
Noah (1750) 37; wie der sturm erregter sinnen wütet A. G. Kästner
verm. schr. 1 (1775) 143; das genie musz meister über seine begeisterung sein, die vernunft musz in dem temperamente seiner fähigkeiten oben an sitzen und im sturme der leidenschaften selbst das steuer nicht verlieren
briefe, die neueste litteratur betreffend (1759) 6, 220; frau, welchen sturm gefährlicher gedanken weckst du mir in der stillen brust! Schiller 14, 285
G.; die besonnenheit mitten im sturm der gefühle Bettine
dies buch gehört dem könig (1843) 2, 322; dieser begeisterung sturm, er schlummert reizend Th. Körner
werke 1, 114
Hempel; nach beendigung des tonstückes, während der sturm des entzückens immer lauter ... nachbrausete, ward er (
Paganini) in die hofloge beschieden Holtei
erz. schr. 11, 324; sie verwies ihr die übergrosze heftigkeit und den sturm ihrer empfindungen K. Gutzkow
ritter v. geiste 4, 35; durch den sturm der ereignisse im dunkeln herumgetrieben, kommt einem volk die klarheit über sich selbst erst dann, wenn es eine masse erfahrungen beisammen hat und diese gegeneinander abwägt Hebbel I 9, 226; den religiösen gedanken nun aber aufrecht zu erhalten unter menschen, welche bei ganz anderen gesinnungen hergekommen und im sturme der begebenheiten zu ihm übergegangen waren, hatte fast noch eine gröszere schwierigkeit, als ihn zu pflanzen Ranke
s. w. 8, 122. IIIIII.
concretisierungen. die meisten sind aus sturm I
hervorgegangen, doch bleibt eine anknüpfung gelegentlich unsicher. III@11)
im zusammenhang mit I B 4
und C (
s. sp. 583
u. 584)
ergibt sich die bedeutung '
sturmglocke'
; da jedoch sturm
hier femininum ist, musz primär an verkürzung aus dem comp. sturmglocke
gedacht werden. die bedeutung reicht über das 16.
jh. nicht hinaus: ist in bepfolhen ... allenthalben die sturm zu leuten
städtechron. 2, 85; aber man schlug hie an die storm und zoch man ausz eilend gen Bairn
ebda 5, 37;
vgl. auch 32, 113; an stund slueg man an dy sturm Füetrer
bayr. chron. 206
Spiller; mit dem anschlagen der sturm (1497) Klüpfel
urkunden z. gesch. d. schwäb. bundes 1, 242; das man die storme oder gemperlin ludet oder clencket (1505) Bücher
berufe d. st. Frankf. 81
a; als aber das der wechter uff sant Michelsthurn ersach, leut er die sturm J. Herolt
chron. 112
Kolb; der ist sicher, so zun waffen an die sturm schlecht Wirsung
Calixtus x 2; schlug man die sturm (1525) Baumann
quellen zur gesch. d. bauernkrieges 24; soll die sturm über den armen (
der zur hinrichtung geführt wird) bis zum thor geschlagen werden (1568)
bei Schmeller-Fr. 2, 782.
weitere belege bei Fischer
schwäb. 5, 1931. III@22)
mit sturm
wird im frühnhd. (
alem.)
sowie noch in modernen alem. mundarten der hutrand, die krämpe, also der ursprünglich wohl gegen besondere unbill der witterung dienende teil des hutes bezeichnet, vgl. viridis umbella ein breitlachter huot mit breiten stürmen für die sonnen und das wätter, ein schynhuot oder wätterhuot Frisius (1556) 1399
b;
in dem abschnitt '
vestitus monastichus'
: pilei (
der filzkappe, kapuze)
partes: πωδία τοῦ γυροῦ,
circumferentia infima et latissima der sturm Crusius
annales Suevici (1595) 3, 804; (
hüte von ungefärbtem filz mit kleinen) stürmen und hohen gupfen
bei Birlinger
aus Schwaben 2, 522; man trägt zuschnitten und zustochen, gesteppt, verbremt, geritzt, zurissen, vermummt, verbörtelt und zusplissen. man braucht auch kappen, zöpfe, stürme und grosz gekröse wie die thürme, es scheint, man will den himmel stürmen Brodtkorb
teutsche warheit (1700) 107;
componiert: (
der cardinal überantwortet den eidgenossen) einen köstlichen rotten sammatinen, von hermelinen gefütterten hertzogshut, mit einem guldinen knopf und vehemsturm (
krämpenverbrämung?), auf welchem ein tauben ... von gold und perlin ... gesticket war
M. Stettler
annales Helvet. (1627) 1, 463;
mundartlich: storm
krämpe an einem hute Tobler
appenzell. 412.
hierher wohl auch sturm
als pferdekopfschmuck, im 16.
jh.: darnach waren die von der herrn trinckstuben bis in vierczig pferdt ... alle leichte harnesch mit armzeug und ringen, settlen und stirm auf den rossen, alle gancz gleich
städtechron. (
Augsburg) 25, 369; darunder waren sehs halbkirisser, die andern all mit leichten armzeugen und der merer thail leicht settel und sturmen auf den rossen
ebda. III@33)
aus I A
entwickelt ist sturm
als bezeichnung einer militärischen untergruppe, abteilung: die gesamte artillerie war in stürme (batterien) getheilt, jeder sturm enthielt drei bis sechs geschütze G. Freytag
ges. werke (1886) 18, 295;
in der gegenwart insbesondere die kleinste unterabteilung der nationalsozialistischen parteitruppe, der S.-A. ('
sturmabteilung'),
etwa einer compagnie entsprechend: und sieht man uns, so sagt man, wenn wir vorüberziehn: das sind die Hitlerleute vom ersten sturm, Berlin! Horst Wessel
bei H. H. Ewers
H. Wessel (1933) 40; im anschlusz an diese rundfunkaffäre hat am dienstag ein sturm der politischen organisation der NSDAP das sendehaus der ostmarkenrundfunkgesellschaft besetzt
deutsche allg. ztg. 26.
april 1933,
abendausg.; während der verhandlung, zu der der angeklagte in S.-A.-uniform mit abzeichen und hakenkreuzbinde erschienen war, ... versuchte er, die armbinde heimlich zu entfernen und gab dann an, er gehöre dem Berliner sturm 64 ... an
ebda; schlieszlich wird bei manchen modernen bewegungsspielen wie fuszball, hockey der angreifende teil als sturm
bezeichnet. im 17.
jh. bezeichnet sturm
überhaupt eine unbestimmte menge, einen haufen von etwas; beide begriffe sind nebengeordnet: er hat auch so einen knützschel schaafe und so ein storm klein und grosz vieh, dasz einer sich davor kreutzigen und segnen möchte Schoch
studentenleben (1657) d 2
b; aber was sind die kerl nütze; einer musz ihnen so einen sturm geld geben und kriegt keinen guten bissen davor zu fressen
ebda f 6
r; es sind ja noch mehr solche kerl, die degen tragen; sie haben immer ein storm geschrieben zeug in fäusten, reden immer mit sich selber
ebda; ein gantzer sturm leute, soldaten, buben, vögel Kramer 2 (1702) 1027
c. III@44)
auf I B
und II D
weist sturm
als gährendes getränk; österreichisch: sturm
eine bestimmte mischung von frischem weinmost und älterem weine Unger-Khull
steir. 588
a;
der heurige wein im übergang zum klarwerden Hügel
Wiener dialect 160;
in gährung übergegangener weinmost Jakob
Wien. 187. III@55) sturm
unsteter, unbedachtsamer mensch, verwirrt in reden und handeln Seiler
Basel 284 (
zu I B). III@66)
in den westmitteldeutschen mundarten erlangt sturm
eine bedeutung wie '
weile, augenblick': jetz hat er mol ruh for e sturme Follmann
lothr. 510; et huet mat štirem (
zeitweise) gerent a geschneit
wb. d. lux. ma. 432; waord naoch ö sdorm Christa
Trier 201; es es schon e guter sturm her Schön
Saarbrück. 206;
vgl. auch Authenrieth
pfälz. id. 137.
weitergebildet, '
arbeit, die in kurzer zeit vollbracht wird': s isch numme e sturmen Follmann
lothr. 511. III@77)
ein gegenstück zu 2strudel (
s. oben sp. 99)
und wohl mit dem gleichen bedeutungsgang, in schweizerischen maa.: sturm
warme speise, z. b. von obst und erdäpfeln, wie zu einem brei eingerührt Stalder 2, 416;
ähnlich Hunziker
Aarg. 264;
meist componiert: apfel-, kirschensturm Stalder
a. a. o. IVIV.
zusammensetzungen. das wort ist eine überreiche fülle von zusammensetzungen eingegangen, vornehmlich ausgehend von sturm '
procella'
und '
impetus',
bei diesem wieder besonders reich auf dem gebiet militärischer belagerungstechnik. während die hauptmasse dieser zusammensetzungen in der alphabetischen reihe erscheinen, wird im folgenden eine anzahl von hauptsächlich dichterischem gepräge aufgeführt, die, einzeln ohne fortwirkung, in ihrer gesamtheit doch typischen rang beanspruchen. IV@11)
participia präteriti; nur wenige schlieszen an sturm I
an, z. b. sturmbegeistert: viele unserer besten, sturmbegeisterten soldaten Hindenburg
aus meinem leben 198; -berannt: (
dasz) Barcellona sturmberannt (
ist) Regis
Bojardos verl. Roland (1840) 21; -ergraut: ein sturmergrauter held W. Hertz
ges. dicht. 358.
die grosze masse schlieszt an sturm II
an; eine auslese folge. sturmbefittigt: ein dithyramb, ein glänzender, musz luftig, recht dunkel, nebelhaft und nachtblau sein, und sturmbefittigt Seeger
Aristophanes 2, 205; -befreit: von sturmbefreyten höhn Wieland I 1, 224
akad.-ausg.; in dem stillen, sturmbefreiten äther Schubart
sämmtl. ged. (1825) 2, 244; -beherrscht: auf den sturmbeherrschten meeren Platen
dramat. nachl. 88
lit.-denkm.; -beherzt: und sturmbeherzt und donnerfroh hinfuhr der segler im triumph Strachwitz
ged. (1850) 262; -beladen,
s. Campe 4, 736
a; -beschützt: aus ihres glückes sturmbeschützter ruh Grillparzer (1892) 7, 19; -bestrichen: ich stand auf sturmbestrichnem, granitnem bergeshaupt H. Conradi
ges. w. 1, 56; -betäubt,
s. Campe 4, 736
a; -durchbraust; des lebens wilden, sturmdurchbrausten baum O. Ludwig 3, 198; wie sturmdurchbrauster wald Arent-Conradi-Henckell
mod. dichtercharaktere (1885) 277; -durchbrüllt: in sturmdurchbrüllter winternacht H. C. L. Lindenmeyer
ged. 128; -durchheult: von sturmdurchheultem hagel, regen G. A. v. Maltitz
Hans Kix 143; -durchjagt: da hatte rings am sturmdurchjagten feuer sich seine bande hingestreckt G. A. v. Maltitz
Hans Kix (1827) 170; -durchnäszt: aber nicht bei mast und tau, nicht auf planken sturmdurchnäszten Freiligrath
ges. dicht. 3, 198; -durchrast: beruhigend das sturmdurchraste reich E. Ortlepp
lieder eines politischen tagwächters (1843) 141; auf sturmdurchrastem meere O. v. Redwitz
Thomas Morus 289; -durchsaust: des firmamentes leuchtendes gewölbe schüttelt sich wie eine sturmdurchsauste eiche Grabbe 1, 250
Blumenthal; eine finstere, eine sturmdurchsauste nacht R. Hamerling 9, 353; -durchtobt: wenn der schiffer auf der sturmdurchtobten see verzagen will Grabbe 1, 248
Blumenthal; -durchtost: das schicksal segn' ich, dasz es mich die zelle liesz finden, die mich so in sturmdurchtoster welt, ganz von sturm schied und nicht ganz von helle Fr. Rückert 3, 136; -durchweht: aus dem sturmdurchwehten buche Cl. Brentano
ges. schr. 3, 386; auf sturmdurchwehtem bette Grillparzer (1892) 4, 80; -durchwogt: nach sturmdurchwogter nacht G. H. Wegener
maurerische gedichte 7; -durchwühlt: aus sturmdurchwühltem meer Eichendorf
sämtl. w. 4, 249; bis zum sturmdurchwühlten Pontus graf Schack
ges. w. 3, 62; in der weiten sturmdurchwühlten wasserwüste meines daseins J. Krebs
d. mod. rübezahl (1837) 1, 80; -durchwütet: da fluthete wilder des unterweltdonnrers sturmdurchwüthete, blutende brust
F. v. Sonnenberg
Donatoa (1807) 2, 1, 179; vom strand des sturmdurchwütheten Baikals Kanngieszer
Tataris 232; -entastet: jene sturmentastete tanne J. W. Petersen
Ossian (1782) 170; -entfacht: und falbe nebel schleifen, sturmentfacht Arent-Conrad-Henckell
mod. dichtercharaktere (1885) 173; -entflohen: des sturmentflohnen meeres hohe brandung Baggesen
poet. w. 4, 85; -entlaubt: ihre mirthe, sturmentlaubt K. v. Haugwitz
ged. (1804) 101; -entmastet: ähnlich dem sturmentmasteten schiff Pyrker
Tunisias 11, 17; -erfüllt: ein sturmerfüllter wind J. v. Sandrart
iconologia deorum (1686) 44
b; -erkrankt: verzweifelter pilot! nun treib auf einmal dein sturmerkranktes schiff in felsenbrandung!
Shakespeare 1, 162; -erschreckt: die sturmerschreckte nacht v. Maltitz
Hans Kix 86; -erschüttert: führest den frieden zurück in die sturmerschütterten gauen Pyrker
sämtl. w. 2, 82; -erstarrt: enkel! deine stirn ein sturmerstarrtes meer! Grabbe 3, 456
Blumenthal; -erwühlt: wie am nordstrand ringsumher die wellen sturmerwühlt aufbranden und zerschellen A. Ruge
sämtl. w. 10, 62; -erzeugt: aus den sturmerzeugten seen G. Herwegh
Lamartine 5, 709; -gebauscht: in sturmgebauschtem gewande Laistner
nebelsagen (1879) 195; -gebeugt: du sturmgebeugte ähre Cl. Brentano
ges. schr. 1, 489; am sturmgebeugten baum A. v. Droste-Hülshoff 2, 160;
uneigentlich: du folgst dem armen sturmgebeugten mann Rollett
wanderbuch (1846) 212; -gebläht: ein schwarzes segel, sturmgebläht D. v. Liliencron 9, 47; -gebrochen: warum haut ihr den mast der sturmgebrochenen fichte Herder 26, 134
S.; im gegensatz sturmgebrochener kraft und herrlichkeit Kosmeli
harmlose bemerkungen (1822) 27; -gedämpft: ein sturmgedämpfter chor C.
F. Meyer
ged. (1900) 9; -gefährdet: nachdem das grosze portugiesische admiralschiff ... zweimal um das sturmgefährte haupt der guten hoffnung gefahren E. Francisci
lufftkreis (1680) 1145; -gefaszt: denn der stunden rohe hast warf ihn in den lärm des lebens sturmgefaszt Körner 1, 131
Hempel; und vor dir trieb ein fahrzeug, sturmgefaszt Freiligrath
ges. dicht. (1870) 5, 36; -geflügelt: windfüszigem renner rannt' er sturmgeflügelt nach Rückert 12, 137; -gegeiszelt: sturmgegeiszelt stürzen die wälder in den abgrund J. W. Petersen
Ossian 418; -gehäuft: und traurend hängt der sturmgehäufte himmel Harries
Thomsons jahreszeiten 257; -gehetzt: das sturmgehetzte schiff E. Müller
Simson und Delila 14; -gemischt: durch sturmgemischten regen J. v. Pietsch
ges. schr. (1740) 74; -geprüft: ein sturmgeprüftes, düster gefaltetes wolkenmeer Arent-Conrad-Henckell
mod. dichtercharaktere (1885) 215; wenn sie fliegt, wird stets der taube flug ein sturmgeprüfter himmelsflug sein J. Frey
ges. dichtg. (1899) 223; -gequält: gleich einem sturmgequälten schiff Spielhagen 3, 572; -gerüttelt: aus sturmgerüttelter hütte kreis G. Hauptmann
Pippa 82; -geschaukelt: des meeres sturmgeschaukelte fluth Pyrker
Tunisias 12, 165; im leichten sturmgeschaukelten boot graf Schack
ges. w. 2, 363; -gescheucht: durch sturmgescheuchte wolken v. Maltitz
Hans Kix 64; -geschirmt: aus Putlitz sturmgeschirmten wogen E.
M. Arndt 5, 145
Rösch - Meisner; -geschlagen: das sturmgeschlagne meer Grabbe 1, 23
Blumenthal; -geschliffen: auf der berge stolzen, blanken, sturmgeschliffenen felsenkronen C. Hepp
weiszdorn (1890) 132; -geschüttelt: wie ein sturmgeschüttelter bergwald Hamerling 8, 91; -geschützt: an sichre sturmgeschützte orte A. v. Droste-Hülshoff 2, 42; das thal scheint so sturmgeschützt J. Nordmann
meine sonntage 62; -geschwellt: die sturmgeschwellten segel J. D. Gries
Ariostos ras. Roland 4, 166; -geschwungen: die sturmgeschwungnen abendglocken J. Nordmann
ged. 26; -gesichert: baut ihr von stein und eisen ein sturmgesichert haus G. Keller 10, 39; -gestählt: diesz sturmgestählte herz
M. v. Collin 3, 312; -gewohnt: nicht sturmgewöhnt sind eure blonden locken Herwegh
Lamartine 5, 73; bange wards den sturmgewohnten an dem heimatlichen strand A. Schlönbach
Stedinger freiheitskampf (1864) 64; -geworfen,
s. Campe 4, 738
a; -umheult: und wüthend von den sturmumheulten Andes herabgeschleudert Harries
Thompsons jahreszeiten 114; -umsaust: horch! in dumpfer ferne braust meerestosen, sturmumsaust E. Müller
Simson u. Delila 92; -umtobt: an den sturmumtobten fels
F. L. v. Stolberg
ges. w. 15, 3; am sturmumtobten mast Grillparzer (1892) 5, 23; -umwettert: in deinen zügen, fast von mädchenweiche, wer ahnt darin den künftigen gewaltigen, den sturmumwetterten, den erzgestaltigen der da zerschlagen wird und aufbaun reiche?
F. Dahn
gedichte (
auswahl 1908) 433; -umwirbelt: von fliegenden monden sturmumwirbelt, herab stürzt sich des Kronos sohn Baggesen
poet. w. 2, 141; -umwütet: zum Altai hinauf und dem sturmumwütheten Sagan P.
F. Kanngieszer
Tataris 112; -verschlagen: wie sturmverschlagne schiffer graf Schack
ges. w. 3, 51; -verschont: das alltagsglück, das sturmverschonte, junge E. v. Schönaich-Carolath
ged. 63; -verschüttet: das bleiche dörrende gebein von sturmverschütteten kamelen graf Schack 3, 293; -versehrt: und mitten inne dieser schlucht erhebt ein baum sich, sturmversehrt Freiligrath 2, 210; -vertragen: der see in der tiefe trug flammende streifen, als schwämmen da und dort sturmvertragene feuerbrände über die flut E. Zahn
Luk. Hochstraszer 7; -vertraut: sturmvertraut ist mein panier
F. Dahn
ged. (
auswahl 1908) 226; wenn des lüftedurchsegelnden sturmvertrauten adlers trübere tage kommen J. Frey
ges. dichtungen (1899) 189; -verweht: die täuschung neu entzündeter, sturmverwehter flamme Waiblinger
ged. aus Italien 43
Grisebach; über ... sturmverwehten greisen haaren C.
F. Meyer
ged. (1900) 146; -verwirrt: dies sturmverwirrte lied Cl. Brentano 1, 399; -zerfetzt: die sturmzerfetzten segel Grabbe 1, 24
Blumenthal; die sturmzerfetzten wolken Hebbel I 8, 11; -zernagt: auf sturmzernagtem pfade graf Schack 2, 245; -zerpeitscht: (
die birke) paszte so gut dahin, die halbkahle, sturmzerpeitschte, wurmstichige H. Löns
heidebilder 110; -zerrissen: dasz durch den mantel doch, den sturmzerrissnen, der nacht, der um die köpf uns hängt, ein einzges sternbild schimmernd niederblickte! H. v. Kleist 2, 415; ich lieb den sturmzerrisznen kahn J. Nordmann
ged. 291; -zerschlagen: unter den Kretern hab er ihn bessern gesehen die sturmzerschlagenen schiffe J. H. Voss
Odyssee 262
Bernays; das fahle, sturmzerschlagne laub im herbste Freiligrath 2, 208; -zerstört: ein alter turm mit sturmzerstörten mauern G. Etzel
John Keats ged. 72; -zerwühlt: die sturmzerwühlte see Freiligrath 5, 28. IV@22)
participia präsentis: sturmatmend: sturmathmende gottheit Göthe 2, 70
W.; die vierschrötigen, sturmathmenden Alpengeister
Grillparzerjb. 6, 49; -aufrauschend: im sturmaufrauschenden weltmeer
F. v. Sonnenberg
ged. (1808) 91; -blendend: ja, der ist ein sturmblendendes gewitterhaupt — Beethoven P. Hille
ges. w. 407; -dröhnend: stimmen und das klappern der billardbälle schallen in die sturmdröhnende nachteinsamkeit J. Schlaf
der narr (1902) 102; -bergend: weithinblauendes, stürmebergendes, nie ergründetes meer! G. Renner
ged. 167; -brausend: so donnert dann sein lied herab, das sturmesbrausende O. Ludwig
ges. schr. 1, 65; -bringend: dunkel zieht sie (
eine wolke) und stürmebringend über die wogen
F. L. v. Stolberg
ges. w. 11, 127; -brütend: wie stürmebrütend graungewölk sich unstät an dem himmel ergeuszt Ahlwardt
Ossian 1, 162; -erregend: alle sturmerregenden winde Winckelmann
s. w. 8, 291; -höhnend: sturmhöhnender fels! J. W. Petersen
Ossian (1782) 352; -knarrend: und ging mit dem topf essen im arm durch die dunkelzerwühlten sturmknarrenden kiefern
F. Hugin
Hahn Berta (1908) 134; -leidend: wie du nu, herr, allzeit der sturmleydenden port (
bist) Weckherlin
ged. 1, 334
Fischer (
s. auch 431); -rasend: auf diesem meere, auf diesem sturmrasenden elemente B. Goltz
jugendleben (1852) 2, 109; -rufend: und kaum war die schlachtordnung gebildet, so flog sie auch wieder nach allen seiten sturmrufend auseinander Fouqué
jahreszeiten (1814) 4, 87; -schüttelnd: der sturmschüttelnden Ägis Minervens vergleichbar E. Gerhard
akad. abhandlungen (1866) 1, 321; -trotzend: diese (
eichel) zum tausendjährigen stürmetrotzenden baume gedeiht C.
F. Cramer
Neseggab 8, 16; -verachtend: der sturmverachtende waidmann J. H. Voss
Luise 3, 2, 330; -verhöhnend: eine sturmverhöhnende fichte J. W. Petersen
Ossian (1782) 68; -verkündend: das schwirrende kreischen der sturmverkündenden möwen E. T. A. Hoffmann 3, 162
Grisebach; die, lange von den seeleuten gefürchtete, sturmverkündende erscheinung A. v. Humboldt
kosmos 3, 342;
übertragen: im auge eine verfinsterung, durch welche es sturmverkündend blitzte J. v. Düringsfeld
die literatur 1, 116; -wehrend: sturmwehrende völker beschirmen mauern und schlosz P.
F. Kanngieszer
Tataris 242; -wetternd: (
wut, die) ... sturmwetternd ihn bedreute J. D. Gries
Ariostos rasend. Roland 4, 357; -wütend: (
nun) stürzten gewitter wie riesengebirge zu tausendmal tausend ... über das haupt des todesolymps sturmwüthend herunter Fr. v. Sonnenberg (1807)
Donatoa 2, 1, 117.