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sturm

ahd. bis spez. · 23 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

sturm m.

Bd. 20, Sp. 576
sturm, m. , vereinzelt f. (vgl. I C; III 1). herkunft und form. sturm ist ein gemeingermanisches wort: ahd., mhd. sturm, as., mnd., mnl., nd., nl., ags. engl. storm, anord. stormr, schwed.,n. storm. das fehlen im got. ist wohl zufällig. ital. stormo 'schar', afrz. estorm, prov. estor 'sturm, kampf' sind nicht unmittelbar aus storm entlehnt, sondern ableitung von dem aus germ. sturmjan entlehnten ital. stormire, afrz. prov. estormir, s. Meyer-Lübke 8337. germ. sturm-a- gehört wahrscheinlich mit an. styrr 'lärm, tumult', n. styr, nhd. stören zu einer wurzel ster, die auszerhalb des germ. nicht wiederkehrt, vgl. Fick III4 505; Falk-Torp 1174; 1194; Walde-Pokorny 1, 750. die differenz im wurzelvokal sturm — storm beruht auf einer differenz im suffix: -mi gegen -mo. bedeutung und gebrauch. germ. sturmi (sturma) bedeutet sowohl 'impetus, tumultus' (s. u. I) als 'procella, tempestas' (II). welche der beiden bedeutungen die ältere ist, ist nicht zu beantworten. II. primäres 'lärm, tumult, durcheinander' u. ä., bezogen auf den menschen sowie davon abgeleitete bedeutungen. I@AA. am stärksten hat sich die anwendung auf den kriegerischen kampf durchgesetzt, s. W. Grimm kl. schr. 3, 549 ff. I@A@11) allg. 'kampf, streit': sturm, storme conflictus Diefenbach 141c. I@A@1@aa) ahd.: sie diezzent in iro sturme also dratiu wazzer Notker ps. 68, 15; sichure wortene alles wuotiges sturmes ders. 1, 21 Piper; im mhd. ritter- und heldenepos ist sturm der übliche ausdruck für den kampf: dô gart er sich zi sturm Annolied 127; dô huoben sî dâ von einen sturm harte grôz Hartmann v. Aue Gregorius 1990; tiefe wunden, die sie ûz stürmen bringent Kudrun 32, 4; auch in der spruchdichtung: daz wilt und daz gewürme die strîtent starke stürme Walther v. d. Vogelweide 9, 1; der snecke und der regenwurm die habent selten grôzen sturm Freidank 146, 21. durch die jahrhunderte hindurch hat sich diese bedeutung bis heute gehalten: und als die nun kommen warn, da was der sturm erst ergangen, und lagen die erschlagnen noch auf dem acker (15. jh.) städtechron. 5, 263; an disem sturmb schlug der edel fürst Wilwolten, auch vil ander ritter Wilwolt v. Schaumburg 37; Lambert meint, wir sollen ihn straks für einen helden wan er uns von stürmen sagt achten, J. Grob dichter. versuchg. (1678) 83; der feige miethling verläszt im kampf die fahne, zu der er geschworen hat — mit der rechten fasz ich sie im wilden sturm, mit der linken dich F. M. Klinger n. theater (1790) 1, 210; Gerold, den markgrafen, sandte Adelger ab, dasz er den Schwaben die mark wehrete. er focht mit ihnen einen starken sturm W. Grimm dtsch. sagen 2, 110. I@A@1@bb) besonders beliebt in verstärkenden synonymen verbindungen; hier geht wohl auf german. zeit die stabreimende verbindung mit streit zurück, die Notker aus dem formelschatz des heldenliedes in seine psalmenübersetzung aufnahm: wazzer heizzent die mit rehte, die wazzeren ieo gelicho diezzent in sturme unde strite ps. 68, 2; sie ging ebenso in die formeln des mhd. epos über: in strîte und in sturme Lamprecht Alexander 4219 Wesle; in sturmen und in strîten Laurin 6; Alpharts tod 99, 221, 225; Biterolf 265; vgl. auch J. Grimm rechtsaltert.4 1, 10; wo mir die (jungfrau) nit wirt, so seit des sturms und streitt von mir warten Arigo decamerone 276; tag und nacht ist sturm und strit N. Manuel v. papst u. s. priestersch. v. 917 Bächtold; nun rüest euch, es ist zeit, ins Ungerlant mit schalle zv sturme und zv streit! H. Sachs 22, 377 lit. ver.; zu stürmen vnd zu streit bereit C. Scheit fröl. heimfart h 3a; so gibt es zwar rath vnd befehl, wie man beyd streit vnd sturm anstellt Rollenhagen froschmeuseler G g 2b; so lieget sturm und streit und aller trotz im drecke Logau sämtl. sinnged. 190 Eitner; er suchte sturm und streit J. v. Besser schr. (1732) 1, 30; sturm und streit hat sich gelegt Triller poet. betracht. (1750) 6, 618; schiffbruch bracht ihn in den hafen, sturm und streit zum rechten frieden F. W. Weber Dreizehnlinden 59; daneben tauchen seit dem 16. jh. andere zusammenstellungen auf und leben teilweise ebenfalls noch heute: ein küner held, der in stürmen und schlachten vil umbracht hat J. Wickram 2, 377; vgl. 6, 115; Pyrrhi gewonnen sturm und schlacht Kirchhof wendunmuth 2, 29 lit. ver.; wenn bei sturm und schlacht Martis donner kracht v. Erlach volksl. 3, 90; weder sturm, weder schlacht führt in Delischem land den feldherren, weil er den stolz drohender könige beugte, glorreich zum kapitol Ramler lyr. ged. (1772) 196; meine frühste kindheit hat nie etwas anders als waffen und läger und schlachten und stürme geträumt Lessing 2, 355 L.-M.; da sollen sie von stürmen und schlachten sagen A. v. Arnim 21, 17; verstärkt: wie viel sind in stürmen, schlachten und scharmützlen erschossen worden Paracelsus opera (1616) 2, 293; in scharmützln, stürmen und feldschlachten H. Sachs 9, 8 lit. ver.; in stürmen, schlachten und scharmützeln S. v. Birken ostl. lorbeerhayn (1657) 162; ähnlich: artelerey, so man in kriegszleufften vnnd stürmen gebrauchet Mathesius Sarepta (1571) 146a; unter sturm und kriegen B. Neukirch ged. (1744) 6; das macht einen theil der geschichte unserer zeit aus, und wenn sich alles nicht unwürdigem drucke beugen will, so sieht man auch nur stürme und kriege oder gänzlicher abhängigkeit in den künftigen tagen entgegen graf v. Fugger in briefw. Platens 2, 120 Bornstein; späte alliteration: manchen strausz und sturm Th. Höck blumenf. 87 ndr.; mit alamodischem fremdwort: in bataillen und stürmen v. Fleming vollk. soldat (1726) 143; denen auch sturm und kampf regelmäszig zum gedeihen und zur kräftigung ausschlägt D. Fr. Strausz Schubart 1, 3. I@A@1@cc) übertragen auf den todeskampf: do horde ik van Jhesu groten storm, he want sik also ein worm, darna moste he sterven Redent. ostersp. v. 421; (wenn der tod kommt,) do dut man den rechten sturm S. Brant bei Ch. Schmidt elsäss. ma. 347; die reimformel ist stehend, doch die bedeutung von sturm nicht fest: gleich wie ein wurmb litt er (Jesus) ain sturmb, veracht von allen leüten Reusner bei Wackernagel kirchenl. 3, 140; deutlich abweichend (zu I C): (er) vergieng als ein geringer wurm, zu stark war jhm desz todes sturm Spreng Ilias (1610) 181b. I@A@22) enger, 'angriff'. I@A@2@aa) im militärischen, eigentlichen sinn: sturmkronen gab der oberste dem, der in stürmen zuo erst den feind angreiff Heyden Plinius (1565) 43; Vulcani wöhr vnd waffen scharff ich zu der arbeyt nit bedarff, noch einer grossen anzahl schiff, zu disem sturem vnd angriff Spreng Äneis (1610) 174b; Rhemetalces hatte mit seinen Thraciern zuförderst dem ersten sturme der Deutschen zu begegnen erwehlet Lohenstein Arminius 1, 41b; wo der dichter den sturm der schaarwachen beschreibt Dusch verm. krit. u. sat. schr. (1758) 13; der mut in den stürmen und im freywilligen unternehmen der gefährlichen angriffe Haller Usong (1771) 57; ha, vater Putnam lenkt den sturm und theilt mit uns gefahr Schubart sämtl. ged. (1825) 3, 90; von dort braust uns ein neuer sturm hervor, es reiszt ein strom sich durch die Englischen, das kriegsgeschrei tönt näher Tieck schr. (1828) 1, 375; als die Latiner nicht mehr dem sturm der feinde hielten stand Uhland ged. (1898) 1, 297; dann ... war schon sturm hier, dort, überall — wüthend an der Schweden seite, wie nie Stifter s. w. 1, 319. im militärischen kommando löste sturm im 19. jh. das seit dem 17. jh. eingebürgerte attaque ab, zuerst in dem exerzierreglement, dann in der umgangssprache; attaque bleibt seitdem der kavallerie vorbehalten; seitdem auch in der literatur: die trommel, die ... den europäischen krieger beim commando: 'sturm!' vor einer plötzlichen paraplegie der bewegungsorgane zu bewahren hat Gutzkow ges. w. 7, 461. I@A@2@bb) in übertragenem sinne taucht sturm in der bedeutung 'angriff' zuerst bei den mystikern des 14. jhs. auf und hält sich bis zur gegenwart in den verschiedensten geistigen bezirken; zunächst im religiösen bereich am reichhaltigsten: vnd denn zuomal so kompt die welt mitt jren starcken stürmen vnd ficht den menschen an Joh. Tauler sermones (1508) 32a; aber menschenlere sind eyttel sturme wider den glewben und reyne lere Luther 10, 1, 1, 606 W.; darzu auch wider gottes wort haben gethan manch harten sturm H. Sachs 18, 352 lit. ver.; sant Petrus, der solche anleuff vnnd stürme etlich mal erfaren Mathesius leichenreden 141 Lösche; dein geist hält unsers glaubens liecht, wenn alle welt dawider ficht mit sturm und vielen waffen P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenlied 3, 345b; du sahst der sünde sturm und feinde sich erheben Neukirch anfangsgründe (1724) 763; auch in mancherlei anderen bezirken: mit siegendem sturme kämpft die bange welt der stummen verzweiflung kampf Stägemann kriegsgesänge (1813) 19; der rede ward gelacht, ich hatte kaum geschwiegen, da kam ein sturm auf mich von sieben vollen krügen Rachel sat. ged. 89 ndr. in einem von sturm II beeinfluszten bilde: der sturm des abgeordneten Erzberger gegen den grafen v. Hertling ... hatte hochgehende wogen aufgepeitscht Ludendorff kriegserinnerungen (1919) 580. I@A@33) speciell der streit um einen befestigten ort (burg, stadt, lager) und der ansturm dagegen zum zwecke seiner eroberung (sturm in der bedeutung 'erstürmung' s. u. 3 c γ). I@A@3@aa) im eigentlichen sinne: diu burc was harte veste ... vür stürme Hartmann v. Aue Iwein 4361; decheinem sturm si (die burg) widersaz Wolfram von Eschenbach Parzival 399, 23; da hat es (das schlosz) manigen sturm gelitten gar vest liederb. d. Hätzlerin 153; er beraite sich zu dem sturm (auf Syrakus) A. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) d 4a; Regenspurg wol erbaute, auf stürme hüpsch gericht R. v. Liliencron hist. volksl. 3, 320; dem Neidelhart er sagen liesz, er solt den sturm (auf die stadt) bald richten zu Maximilian Teuerdank 187 Gödeke; vnd obgleych die eusser gemauerte schütte mit groszem volck vnd gewaltigem sturm gewinnen wurde Albr. Dürer vnderr. z. befest. d. stet (1527) d 11b; thet er das schlosz ... befesten, also das er keynen sturm förchtet gesch. von hertzog Aymont (1535) i 2a; der lantzknecht hauff zstürmen anfieng, eh es zum sturm beschlossen ward W. Schmeltzl zug ins Hungerland (1556) a 3b; geschrey, so Barziman durch den anlauff vnd sturm vor dem schlosz füret Amadis 1, 372 lit. ver.; vnd gehet darauff der sturm an, in welchem ... endlich die stad übergehet Micrälius altes Pommerland (1640) 2, 222; die belagerte ... hielten sich sehr tapffer ..., also das der feind drey stürme verlohren v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 168; liesz er aus bloszem neiden vom sturme blasen ab Lohenstein Ibrahim (1680) 22; die Peloponnesier unternahmen einen sturm auf ihre vestungswerke Heilmann pelop. krieg (1760) 375; lassen sie doch einen abgematteten feind, der den letzten fruchtlosen sturm gewagt hat, ruhig abziehen Lessing 2, 340 L.-M.; gleichwie aber ein belagerer, wenn ihm ein zu früher sturm abgeschlagen worden, oft nicht weisz, welche miene er ... annehmen soll Nicolai Seb. Nothanker 2, 163; im letzten sturm war ich zerfleischt vom wall herabgefallen Pfeffel poet. versuche 6, 207; nachts glückte den unsern der sturm auf Weiszenau und die schanze oberhalb der karthause Göthe 33, 290 W.; bei dem sturm ... hat er czako und tornister verloren Wilh. Grimm an Jacob 273; wir haben uns streng an Arrian gehalten, der selbst zeuge dieses sturmes gegen Theben ... war J. G. Droysen gesch. Alex. d. gr. (1833) 85 anm.; auf den anhöhen ... angelangt, konnte der sendbote schon den sturm auf die stadt ... überblicken Ebner-Eschenbach ges. schr. 2, 97; die festungswerke Wittenbergs waren zwar keineswegs stark, aber ein breiter und tiefer graben sicherte sie doch vor einem sturme F. Meinecke generalfeldm. v. Boyen 1, 331; doch da ihm schier der sieg gewisz und unsern wall sein sturm zerrisz Leibl aus unerlöst. lande (1925) 14. oft in bildlichem gebrauch; religiös: Jesus, din nam ein starker turn, den nit zerstört enkeiner sturn H. Seuse dtsch. schr. 400; der am creutz ist meine liebe, sünde, du verlierst den sturm (auf mich) A. Fritsch bei Fischer-Tümpel kirchenl. 5, 520b; sturm auf das herz, auf gefühle: umb dar söllen wir unsere herzen krefftigen und starke brustwery dar für buwen und dem ersten sturm sich widerstellen Stainhöwel de claris mulieribus 84 lit. ver.; dasz der eitelkeit zum schmerze noch nicht auf ihr ofnes herze ein gewünschter sturm geschah J. E. Schlegel werke 4, 166; ich musz einen sturm auf dein herz wagen Meisl theatr. quodlibet 1, 123; mit der aufforderung, einen sturm auf die barmherzigkeit ihrer madonna zu sagen Holtei erz. schr. 1, 171; insbesondere der sturm zur gewinnung der frau: begierig nach der süszen beut kannstu den sturm wiedrumb ernewen Zinkgref auserl. ged. 41 ndr.; er läszt es bey diesem zärtlichen sturme nicht bewenden Rabener sämtl. werke 5, 107; die stecknadeln, mit denen die frauenzimmer sich verschanzen, halten keinen sturm aus Hippel üb. d. ehe (1774) 36; vgl. noch: (dasz das) capital einen zweiten sturm gegen die bäuerliche wirthschaft vorbereitete Mommsen m. gesch. 2, 75. I@A@3@bb) in verbalen verbindungen. I@A@3@b@aα) den (einen) sturm anlaufen, jünger laufen, seit dem 17. jh. auch ohne den artikel: da lies Judas ausruffen im gantzen heer, das das kriegsvolck eine ordnung machen solt und den sturm anleuffen, ein jeder hauff an seinem ort Luther 5, 168; so offt sie die pfort oder einen sturmb anlieffen S. Franck chron. Germ. (1538) 105a; nachdem der türkisch hauffen wolt umb die zehen or ainen sturm anlauffen H. Sachs 22, 144 lit. ver.; ein horn, so das geblasen wirt, das dann die andren z rechter hirt (zeit) den sturm mit gwalt fry louffind an Bächtold schweiz. schausp. d. 16. jhs. 3, 119; als die feind lieffen an den sturm J. Ayrer opus theatricum (1618) 388b; lies auch zugleich sturm anlauffen Micrälius altes Pommerland (1640) 5, 273; als nun die bürger mit dem feuerleschen zu thun hatten, liesz er sturm anlauffen, eröberte die stadt J. Prätorius winterflucht (1678) 344; herr! ich bin mein lebtag nicht sturm gelaufen, bin auch kein soldat, sondern ein schneider Stranitzky ollapatrida 271 Wiener ndr.; lauf sturm wider die ringmauer Schiller 2, 188 G.; ein infanterist, der mitten im winter sturm läuft gegen eine feindliche mauer Jean Paul 7, 140 Hempel; seid eins mit uns! lauft männlich sturm und stürzt ... den kerkerthurm des Rheinbunds in den staub Stägemann kriegsgesänge (1813) 105; variiert: schon sammeln wir uns, sturm zu rennen wider Wien H. Watzlik o Böhmen (1917) 161. bis ins 18. jh. auch in präpositionaler verbindung mit zu: lasz dein volck die statt zum sturm an allen orten anlauffen Herold-Forer Gesners thierbuch (1563) 54a; vnd liesz zu sturm lauffen Schütz hist. rer. Pruss. (1592) 1, e 3a; am S. Mauritij tag lieffen die künigischen zu sturm mit groszem geschrey H. Rätel Joach. Curäi schles. chron. (1607) 350; soll denn aller feinde hauffen gegen mir zu sturme lauffen Hoffmannswaldau getr. schäfer 17; welcher (hut) ... grosz war, und das ansehen davon war, als ob ich einen thurm aufhatte, oder wolle zu sturme laufen der Leipz. avanturieur (1756) 1, 195 (vgl. dazu stürmer 2 e). oft bildlich: gegen welchem sie nit gleich mit der purgierenden artzney zu sturm lauffen Guarinonius greuel (1610) 967; und schiene es, als wollte er zu sturme lauffen, nicht weisz ich, ob er die prinzessin küssen, oder nit gar an ihr vergreiffen wolte Ziegler asiat. Banise (1689) 142; die seuffzer lasse man an statt der bomben seyn; laufft sturm, besucht sie (die liebste) offt, braucht bitten statt den stücken Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. 1, 334; ich bin deinetwegen beym lieben gott sturm gelaufen Hippel lebensläufe 1 (1778) 242; wenn eure eide zu so viel teufeln würden, sie könnten sturm gegen den himmel laufen Schiller 3, 46 G.; liefen sie eifrig sturm gegen die neue verwaltung Häusser dtsch. gesch. 3, 185; vergebens läuft der genius sturm, die burg des unsinns zu bezwingen Herwegh ged. eines lebendigen (1843) 2, 116; man läuft sturm gegen den kapitalismus H. v. Kahlenberg fam. Barchwitz (1902) 106; gegen diese verfügung, die den liberalen immer ein dorn im auge war, versuchte nun Pfizer sturm zu laufen, allerdings mit demselben negativen erfolge wie in dem früheren fall O. Glück beiträge zur gesch. d. württ. liberalismus (1931) 81. I@A@3@b@bβ) zu sturm gehen, bis zum barock: ze sturme gân Heinrich v. Veldeke Eneit 189, 19 Ettmüller; und traten ab zu fuss die zwei teil und gingen zu sturm an daz slosz (15. jh.) städtechron. 2, 65; hettin sie gesehen, das man sich kein in begerlich gestalt hette, danne hetten sie von stad an recht zu storme gegangen (1429) cod. dipl. Lus. sup. 2, 90; ains morgens gar früe giengen sy aber zu sturm rock Christi (1512) e 3a; (sie) giengen des andern tags mennlich zu storm, und worffen fewer ein M. Dreszer sächs. chron. (1596) 10; vereinzelt, wie oben a, sturm angehen: also ginge dieser unvergleichliche held den sturm an, deme Artabanus, ... und der ... parthische adel, nachfolgten Anton Ulrich von Braunschweig Octavia (1677) 1, 167. I@A@3@b@gγ) bis in die gegenwart den sturm antreten u. ä.: zuo letst, do sie sich nit ergeben wolten, tratt er eynen sturm an, das die bürger alle der mawren zuolieffen Carbach Liviim. hist. 12a; Otho belägert Mentz, warff die mauren nider, liesz offt an sturm trätten Stumpf Schweizerchron. (1606) 74a; worauff bey des hertzogen ankunfft von Bamberg, die soldaten mit guter resolution den sturm angetreten v. Chemnitz schwed. krieg 2 (1653) 39; gegen abend um fünf traten die truppen den sturm an Ranke s. w. 4, 32. I@A@3@cc) in verbindung mit präpositionen, z. t. ohne artikel, seit dem mhd.: I@A@3@c@aα) mit sturm: der die burc mit sturme gewinnet Wernher v. Elmendorf v. 670; mit sturme si irwischten auch den kunic Joachim Daniel v. 124 Hübner; hat der lantgrave die stad Odernheym mit dem storm geweldicklichen herobert Wig. Gerstenberg chron. 317 Diemar; (sie) giengen ... der burg mit sturm zu rock Christi (1512) e 5a; so ein statt vnd schlosz mit stürm gewonen wurdt Reutter v. Speir kriegsordn. 13; welcher ... die h. statt Jerusalem selbsten mit sturmb erstigen F. A. v. Brandis tirol. adlers ehrenkräntzel (1678) 102; es war der tag, als Saint Quentin mit sturm erobert wurde Schiller 4, 105 G.; als der sandwirth von Passeier Innsbruck hat mit sturm genommen Böhme volksthüml. lieder 77; bildlich: hette ichs mit dem sturm angriffen, wie die propheten, so weren die hertzen gefangen blieben gen aller welt flugschriften a. d. kampff der schwärmer gegen Luther 3, 13 ndr.; die beweise sind strenge mittel der überzeugung; man erobert da mit sturm Ramler einl. in d. schön. wissensch. (1758) 4, 43; ich will die myologie nochmals angreifen und sehn, ob ich bresche schieszen und sie mit sturm erobern kann Göthe IV 9, 50 W.; von erotischen eroberungen: er solte, mein ich wol, dort auch nicht unterliegen, wo frauenzimmer feind, die küsse kugeln sein und was man sonsten da mit sturme nimmet ein, da ist er wol versucht P. Fleming dtsch. ged. 1, 49 L.; ich sag euch, mit dem schönen kind gehts ein für allemal nicht geschwind. mit sturm ist da nichts einzunehmen, wir müssen uns zur list bequemen Göthe 14, 130 W.; dein jungfräuliches bette (will ich) mit sturm ersteigen Schiller 2, 112 G. I@A@3@c@bβ) zum sturm, nur in älterer sprache: er meint, er (der turm) solt fallen zum storm R. v. Liliencron hist. volksl. 4, 408; anno dom. 1441 hat hertzog Albrecht von Oesterreich das schlosz Lauffen ... belägert und zum sturm gebrochen Stumpf Schweitzerchron. (1606) 417b. I@A@3@c@gγ) im sturm. in älterer sprache vereinzelt mit der bedeutung 'erstürmung': Terentius ... ist ... bürtig aus der stadt Carthagius; als er aber im sturm gemelter statt gefangen ist gefürt worden ... gen Rom Boltz Terenz (1539) a 4b; in neuerer sprache wird der gebrauch formelhaft, 'jählings', 'überraschend'; schon in manchen der eigentlichen belege klingt dies an: indem St. Philipp im sturme fällt und der brittische scepter in America zerschmettert wird Zimmermann v. d. nationalstolze (1758) 17; er gewann die burg im sturme Uhland ged. (1898) 1, 170; Aquileja fiel im sturm und ging in flammen auf br. Grimm dtsch. sagen 2, 18; bildlich: dasz Durban so im sturm des sultans gunst erstiegen Eschenburg beispielsammlung 1, 217; einer der liebsten menschen, unter den vielen, die mein herz im sturme auserkohr Schubart leben u. ges. 1, 186; im sturm erringt er den minnesold Schiller 12, 58 G.; aber das alles sollte ohne vorarbeit, im sturme erreicht werden Häusser dtsche gesch. 1, 189; als Winckelmann nach Rom zurückkam, wurden alle auszenwerke der vertraulichkeit in wenig tagen im sturm überschritten Justi Winckelmann 2, 1, 294; was brauchte er ... noch zu sein, um die ... zustimmung der eltern im sturme zu erobern Ebner-Eschenbach ges. schr. 1, 134; vgl. schweizerisch im sturm in übereilung Hunziker Aarg. wb. 264. I@BB. 'tumult, aufruhr', gelegentlich unter einflusz der bedeutung II. vereinzelt (schwäbisch) als femininum (vgl. den beleg unten B 2), wohl in anlehnung an III 1. I@B@11) allg. sturm motus ahd. gl. 1, 695, 11 Steinm.-Siev. (zu 1. Macc. 13, 44: factus est motus in civitate); früh mit starker hervorkehrung des akustischen moments: sturm, crhadum strepitum gl. 4, 19, 41 (ähnlich 2, 762, 9); sturm tumultum 1, 293, 41 (zu 2. Mos. 32, 17: audiens autem Josue tumultum populi voci ferantis); si begunden mûren einen turn, dâ von huop sich ein grôzer sturm genes. 32, 18 Diemer; mit groszem sturm und ungefüegem heulen, schauren, prausen, liesz sich der küng, küng aller küng ... Pilato smächlich wider weisen für Oswald v. Wolkenstein 280 Schatz; unde nympt dar de burmester, boddel unde den voget gevangen myt grotem storme städtechron. 17, 374; fiel fewr vom himmel: das gab ein gleuff vnd sturm durchs gantze land Stumpf Schweizerchron. (1606) 131a; es (das volk) rottet sich im sturm zusammen Schiller 11, 272 G.; übrigens ist ... der ... tumult eines ... wortgefechts mit ... wohlberechneten mitteln dargestellt und besonders dadurch, dasz, als er die äuszerste höhe erreicht, der sturm ins orchester verlegt wird, der feine anstand auch des komischen effects gewahrt O. Jahn Mozart 3, 285; das eine der mädchen weinte, die andere schalt, und die dazu gehörigen jungen männer hatten zu thun, den sturm zu besänftigen und allerlei angriffe von sich selbst abzuhalten G. Keller ges. w. 3, 87. I@B@22) im besonderen politisch, 'aufruhr, empörung, revolution, erhebung': sturma seditiones ahd. gl. 2, 145, 51; aufrur und tötlich stirm R. v. Liliencron hist. volkslieder 4, 337; das folck was die vorcht gottes zuo ruggen stoszen, herttenclich dem sturm anhangen, trowtend nit ruow noch rast haben (ende 15. jahrhunderts) Gallus Öheim Reichenauer chron. 81 Barack; duo (Luther) wilt vns ie zuo einer grossen vffruoren bewegen, ich sihe aber niemans, der deinem sturm zuolaufft, spiesz oder hellenparten zucke Murner an d. adel 9 ndr.; (der haufe zu Babenhausen besteht aus ungefähr 3000 bauern,) darzu, so die sturm angeet, was inen zulauft und thund sich zu Babenhausen vergraben (1525) zs. d. hist. ver. f. Schwaben 9, 23; die pauren ... hand ein sturm lassen angehn durchs gantz land (1525) bei Baumann quellen z. gesch. d. bauernkriegs 487; hiervon erhuob sich ein sturm durch das gantze Turgow hindersich Stumpf Schweizerchron. 408b; seyd ihr dieser, so gestern den sturm mit anrichten und vermehren helffen Schoch com. vom stud.-leben (1657) l 3b; das volk steht auf, der sturm bricht los! (1813) Th. Körner 1, 140 Hempel; die politischen stürme Europas oder flüchtige skizze der vorzüglichsten unruhen, welche während des jahrs 1830 in Europa stattfanden (1831) titel eines anonymen buches von G. W. Becker; in diesem sinne betitelte J. H. Mackay eine gedichtsammlung: sturm (2. aufl. 1890) und G. Quidde eine kurzlebige wochenschrift: der sturm (1921). vgl. unten sturmjahr. I@B@33) in die jüngste phase trat diese bedeutung durch die in Berlin 1910 von Herwarth Walden begründete revolutionäre künstlerische vereinigung sturm, die mit einem gleichnamigen verlag und einer gleichnamigen zeitschrift (1910-30) verbunden war und diejenigen künstler aller zweige in sich umschlosz, die später im europäischen geistesleben eine wichtige, ja mitunter umwälzende rolle spielen sollten; sie wurden sturmkünstler oder sturmdichter genannt; 1912 wurde die erste sturmausstellung der 'futuristen' eröffnet; von 1914-17 erschien die schriftenreihe: das sturmbuch, von 1915-23 eine andere: das sturmbilderbuch, und 1916 kamen ausgewählte gedichte dieses kreises unter dem sammeltitel sturmabende heraus. I@B@44) in verbaler verbindung mit läuten, schlagen, blasen u. s. w., gelegentlich auch im sinne der bedeutung I B, als lärmzeichen belagerter, gebraucht. I@B@4@aa) zu sturm läuten, auch ohne präposition sturm läuten: er lûte die glocken vaste ze sturme Reinhard fuchs v. 1473; mit alln glocken zu sturme leuten B. Waldis Esopus 2, 39. er hab auch gehort, dweyl er bey gemeltem pfaffen gelegen, das man in desselben art sturm geleuttet verhandlungen über Thomas v. Absberg 69 lit. ver.; als die schlacht geschächen ..., lutt man sturm mit der grossen gloggen zum münster Platter 76 Boos; das büblein ... schrey, als ob man lauttet sturm Fischart flöhatz 17 ndr.; wir wollen in die nächsten dörfer und sturm läuten Göthe 13, 1, 239 W.; ich steige selbst auf den thurm und läute sturm A. Bäuerle kom. theat. 1 (1820) 10; die reuter zogen sich zurück, als man in den nahen dörfern sturm läutete Dahlmann franz. rev. (1845) 375; hört mal — in Reichenbach leuten sie sturm G. Hauptmann die weber (1892) 102; selten mit dem artikel: damals schlug tambourmarsch den sturm auf allen wegen, und herrlichste musik der erde hiesz uns kugelregen E. Stalder der aufbruch (1914) 31; was hilft es, dasz wir sturm läuten in unserer einsamkeit Schleiermacher sämtl. w. I 5, 43; ihr aber zwangt den dichter, sturm zu läuten G. Herwegh ged. eines lebend. 2 (1843) 1; wir haben den sturm der freiheit geläutet W. Hasenclever tod u. auferstehung (1917) 58. (zu) sturm schlagen: sie schrien: feinde, feinde, und auch schlugen zue sturme, wie in denne befolen war S. Grunau preusz. chron. 2, 239; der Polacke ... überfallt uns in einem flecken bei nacht, läszt zu sturme schlagen und will mit uns daran v. Schweinichen 30 Österl.; derhalben (haben) die bürger zu sturm schlagen lassen Cyr. Spangenberg mansfeld. chron. (1572) 235a; auff ein genante stund, so man in jeder stat die glocken leütet vnd sturm schlieg S. Franck chron. zeytbuch (1531) 190b; dieser liesze nun gleich, so bald er jn kommen sahe, sturm schlagen Amadis 1, 376; so ein vbelthäter in Hispania vermerckt wird, schlecht man hin und här sturm an die glocken Stumpf Schweizerchron. (1606) 12b; (sie) schlugen derowegen sturm an grillenvertreiber (1670) 145; nicht ohne noth sturm zu schlagen Justus Möser phantasien 2, 43; mit scherzhaftem bild: wann die freszglock im magen sturm schlegt und der klipffel verstopfft ist Fischart Gargantua 25 ndr.; nun möchte ich ordentlich zu tisch sitzen, dann die eszglocken schlägt sturm in meinem leib Harsdörffer frauenzimmergesprächsp. 2, 318; in politischer hinsicht: eine jede regierung ... ist ... verbunden, nicht ohne noth sturm zu schlagen, sondern ... mit weisheit den ... fall der noth zu untersuchen J. Möser sämtl. w. 2, 47. (zu) sturm blasen, rufen, knallen: letzlichen fieng an der thumpfaffe von der newen zeittung aus Hungern zureden, wie der Türck Pest und Ofen gestürmet, ... welche tragödiam sie beide (der pfaffe und die wirtin) auch spielen wolten ... do nun der lerm wold angehen, ... bleset Clawert mit ungestüm unter dem bette heraus zu sturme B. Krüger H. Clawerts werckl. hist. 15 ndr.; sturm blasen Kramer 2 (1702) 1028a; ein geschrey machen, gleichsam zum sturme rufen Gottsched dtsch. sprachk. (1748) 157; die fuhrleute knallten sturm Holtei erz. schr. 18, 206. vgl. noch: schturm un schlâch lôpen rennen, um einen zweck zu erreichen Damköhler Nordharz. wb. 182. I@B@4@bb) besondere erwähnung verdient die wendung über jemanden sturm schlagen, läuten, als warnung vor jemandem: (sie) möchten vielleicht sturm über in schlahen zimm. chron. 1, 375; da fiengen die bauren an und schlugen sturm über mich Götz v. Berlichingen lebensbeschr. 27 Bieling; darnach ... kamend aber die höwstöffel ... also, dasz man zu Zürich ... sturm über sie lütet mit allen glocken Äg. Tschudi chron. Helvet. 1, 461. I@CC. von oben B 4 a weiterschreitend, ist sturm dann 'sturmgeläut': denn wie ein glock, der zu einr frist der klöppel ausgefallen ist, ob man sie gleich im hohen thurm beweget, macht gar keinen sturm B. Ringwaldt lauter warheit v. 192; durch ein sturm das ganze landvolk besammeln Stumpf Schweizerchron. (1606) 647a; der bischoff versammlet sin volck, dann liesz er ein sturm mit der glocken gan Äg. Tschudi chron. Helvet. 1, 161; heiszt das die zeit genützt? wenn man die federn drückt, bis uns der glocken sturm die faulheit vorgerückt? B. Neukirch ged. (1744) 112; hört ihrs wimmern hoch vom thurm! das ist sturm! Schiller 11, 311 G.; hoch die glocken gehn im sturme, tief das rasseln wilder trommeln Cl. Brentano ges. schr. 3, 111; nirgends durfte die glocke zum gottesdienst angezogen werden; wenn man sie hörte, bedeutete es sturm Ranke sämtl. w. 2, 132. unter einflusz von III 1 gelegentlich als femininum: und daruf die sturm mit allen glocken geleutet werd (1497) Klüpfel urkunden z. gesch. d. schwäb. bundes 1, 225. I@DD. zu oben B stellt sich im uneigentlichen sinne ein literarisches schlagwort, der sturm und drang. I@D@11) seinen ursprung verdankt es bekanntlich dem drama F. M. Klingers, das dieser 1776 in Gotha dem genieapostel Christoph Kaufmann vorlas, der an stelle des ursprünglichen titels 'wirrwarr' ihm diesen namen aufdrängte. aber Kaufmann griff damit glücklich eine gefühlsgesättigte phrase auf, die in dieser empfindungsreichen zeit schon für seelische dinge verwendet worden war und noch lange so weiter verwendet wurde; einige belege mögen das bezeugen: noch zwei wörtchen ... aus sturm und gedrängtheit heraus (1773) Lavater, s. zs. f. dtsch. wortforsch. 6, 114; aus dem sturme der erbtheilung ... und einer unausstehlichen gedrängtheit heraus diese zeile (1774) ebda; ich lebe so hin, bald in drang und sturm, bald in gelinden säuslen (1777) Klinger bei Rieger Klinger in der sturm- u. drangperiode 1, 407; daz ich verstumme vor dem drange und sturm in meiner brust Hase gesch. eines genies (1780) 1, 293; mein drang und sturm, an sie (anr.) zu schreiben (1780) Hamann 6, 148 Roth; und endlich sind noch andre umstände dabey, die den ganzen plan für mich zu einem vergeblichen sturm und drang machen (1782) Heinse 10, 154 Schüddekopf; lange schon in manchem sturm und drange wandeln meine füsze durch die welt Bürger (1792) 2, 11. aber auch nach der geniezeit blieb der ausdruck in geltung und behielt seine innere wärme: er war blosz in Baireuth dem freundschaftlichen sturm und drang seines leibgebers mit seinem sonst wahren herzen gegen einen freund erlegen Jean Paul 11-14, 482 Hempel; der fleisz, das schleppen und schleifen und dann wieder der sturm und drang (1803) Göthe IV 16, 232 W.; ich habe alle begeisterung, sturm und drang, so der mensch fühlen kann, in meinem herzen gefühlt W. Raabe hungerpastor (1864) 3, 113; des deutschen volks geschichte, sturm und drang und bittres ende Scheffel trompeter 74; aus den herzen der eingeschlossenen jungfrauen war der sturm und drang der zeit aber hierdurch nicht entfernt Hans Grimm volk ohne raum (1926) 1, 127. I@D@22) infolge des aufsehenerregenden Klingerschen stückes wurde der ausdruck nun vielfach ironisiert. natürlich begannen damit die aufklärerischen gegner, aber bis ins 19. jh. bleibt diese ironische note neben dem ernsten gefühlsgehalt bestehen: (genies) immer schreiend von kraft und stärke, sturm und drang, schmähen über pedanterei und schulgelehrsamkeit maler Müller (1778) werke 2, 20; es war daher zu viel sturm und drang in ihr (und das mag ein mitleidenswürdiger zustand sein ...), dasz sie im grunde nicht wuszte, was sie that Hase gesch. eines genies (1780) 1, 292; seht, von dem Rhein zur Spree ist nichts als sturm und drang Lichtenberg (1783) 5, 100; nicht sturm und drang war diese begeisterung, sondern fortwirkendes leben Herder 24, 153 S.; der könig löwe hatte lange sein volk regiert, als unerhört und plötzlich sich, mit sturm und drange das thierreich gegen ihn empört Tiedge werke (1823) 4, 183; aber es blieb der einzige (hieb), genügend als lebenslang sichtbares wahrzeichen, dasz es auch ihm an sturm und drang nicht gefehlt habe W. H. Riehl kulturgesch. charakterköpfe (1891) 192. als bezeichnung einer bestimmten literarischen strömung ist die phrase erst im 19. jh. verwendet worden, wogegen die sturm- und drangmänner und die sturm- und drangperiode (s. u.) schon früher in vieler munde waren. I@D@33) zusammensetzungen. z. t. direct anknüpfend an sturm und drang als literaturgeschichtliche epoche, z. t. mit weitergeführter bedeutung im sinne jugendlich überschwänglichen gefühls. sturm- und drangempfindung: was man späterhin und zu hause aus solchen ersten augenblicklichen sturm- und drangempfindungen zusammenstylisiert und korrigiert, verliert nothwendig die erste frische und unmittelbarkeit der auffassung B. Goltz ein kleinstädter in Egypten 541; -geist: man merkts deutlich, dass sie in den blättern eines witzlings, eines sturm- und dranggeistes gelesen haben J. C. Haffner sechs freier und keine braut (1787) 82; -himmel: wir dürfen uns daran erinnern, dasz wir dennoch zusammen gehören, vom volke in einen kessel geworfen, von der nachwelt hoffentlich in einen und denselben sturm- und dranghimmel gesetzt werden P. Cornelius literar. werke 2, 567; -jugend: diese sturm- und drangjugend erträgt starke dosen A. v. d. Elbe brausejahre (1885) 233; -mann: die ganze charakteristik der sogenannten originalgenies, jener sturm- und drangmänner F. G. Kühne portraits u. schatten 1, 228; -partei: es ist auch schon eine weile her, ... seit unter der sturm- und drangpartei ... die phrase im schwange ging D. Fr. Strausz ges. w. 5, 192; -periode in der 1. hälfte des 19. jh. aufgekommene bezeichnung, 1810 bereits im schwedischen zitiert, s. zs. f. dtsch. wortf. 10, 18: wir haben jene zeit halb ... vergessen ..., den neueren critikern und wählern ist fast nur der stehende beiname der sturm- und drangperiode im gedächtnis geblieben L. Tieck in Lenz schriften (1828) 1, einl. 7; der ganzen epoche der sturm- und drangperiode Fr. L. Jahn werke 1, 266; diese blätter gehören zu den wichtigsten dokumenten unserer groszen sturm- und drangperiode Immermann 20, 116 Boxberger; das ganze streben jener dunklen sturm- und drangperiode Gervinus gesch. d. dtsch. dichtung (1853) 5, 100; der genius der sturm- und drangperiode ... liegt uns näher ... als der des ausgehenden 16. jahrhunderts D. Fr. Strausz ges. w. 1, 29; übertragen auf das 'Junge Deutschland': mancher litterat der jungdeutschen sturm- und drangperiode W. H. Riehl kulturgesch. charakterköpfe (1891) 115; allgemeiner: auf die sturm- und drangperiode jenes früheren lebens ist die milde windstille des alters gefolgt B. Weber charakterbilder 262; es war denn für Sophie in dieser sturm- und drangperiode nichts empfindlicher, als dasz der trauliche cirkel ... so gut wie gestört war Spielhagen 2, 229; von den strapazen dieser sturm- und drangperiode erholte er sich im juli in Kissingen Grillparzerjb. 8, 96; -seele: zwei junge drang- und sturmseelen B. Weber Oswald von Wolkenstein 251; -stil: in einerlei zeit schreibt er (Wieland) privatbriefe in dem neuen groben sturm- und drangstyl und in dem alten süszlichen ton der schäferfreundschaft Gervinus gesch. d. dtsch. dichtung (1853) 2, 278; -stimmung: am liebsten zeichnet er in solchen sturm- und drangstimmungen riesige kohlenskizzen an die wand R. Waldmüller wanderstudien 1, 59; -stück: ich ... studierte nichts als sturm- und drangstücke ein Schmieder d. seelenverkäufer (1784) 96; -wesen: das möchte vielleicht eben ein criterium fürs genie sein, ein sichreres, als das sturm- und drangwesen, was sich erst abklären soll M. Hauptmann an Franz Haurer 2, 133 Schöne; -zeit: es ist das erste mal, dasz der autor auf den ausdruck so hohen werth legt, den er in der sturm- und drangzeit, dem inhalt gegenüber, als 'elendes mittelwerk' glaubt betrachten zu dürfen Herder 12, 375 S.; unberührt von den umwälzungen der sturm- und drangzeit freute er sich noch als greis seines Gleims F. Meinecke generalfeldm. v. Boyen 1, 51. I@EE. im zusammenhang mit A und B bildet sich eine bedeutung wie 'schnelle bewegung': sol er ... hin und her wandern oder spazieren, doch nicht mit louff oder sturm (1492) bei Fischer schwäb. wb. 5, 1931; auch hier hat sich wie unter I A 3 c die präpositionalverbindung mit (später im) sturm besonders herausgearbeitet, unter vermengung mit sturm 'eroberung', 'angriff' und 'unwetter': die gantze herd sew stürtzete sich mit einem sturm ins meer Luc. 8, 33; also der hund mit groszem sturm hin und her zuckt mit dem wurm, das er im kampff nit wurd verkürtzet H. Sachs 2, 275 lit. ver.; gieb diesen sachen einige aufmerksamkeit, dasz sie nicht blosz im sturm geschehen Göthe IV 21, 227 W.; siehe, da kam im sturm daher gebraust ein cabriolett Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz 79; mir das blut durch alle adern im sturm jagen Deihnardstein ges. dram. w. 3, 176; deine phantasie, die im sturm alle wirklichkeit zerstiebt, bleibt ... in verzückung stecken Bettine d. Günderode (1840) 1, 234; (sie) rasen im sturm um ihre freiheit und um deine Fr. Rückert 1, 29. IIII. sturm im elementarischen bereich. II@AA. 'procella', 'der starke wind'; eigentlich besonders oft der sturm auf der wasseroberfläche, seesturm. II@A@11) swie vil er sturmes dolde,der frage bin ich erveret. von reht er erben soldeden anker in dem sturm, ez ist beweret jüng. Titurel 5686; es sint gar mangerlay sturm und ungestümy des meres und der vallenden waszer Stainhöwel Äsop 48 Ö.; das arm schiff ... von dem grausamen mere der groszen stösze und stürme nicht mer erleyden mochte Arigo decameron 106; (sie) gebrauchten sich auch des gemeinen trostes, dasz ein auszreiszender (ausbrechender) sturm mit dem ersten gange den gröszten schaden thut Schütz hist. rer. Pruss. (1592) 1, e 2a; wan nach einer stille ein grosser sturm auf dem meer entstehet v. Chemnitz schwed. krieg 1 (1648) 26; allein es kam ein sturm, der schmisz die wellen Chr. Reuter ehrl. frau 38; ein gewaltiger sturm, der uns überfiele A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 141; o könte ich hagel, blitz, ..., sturm und erdbeben erwecken! Rist friedejauchz. Deutschland (1653) 194; die ... flotte verschonte der sturm Herder 23, 120 S.; ähnlich einer barke, deren volle segel ein sturm zerrissen maler Müller werke 1, 180; die flotte war auf dem punkt, durch einen heftigen sturm mit der ganzen armee zernichtet zu werden M. I. Schmidt gesch. d. Deutsch. 1, 80; wenn ... der sturm die wogen zu hohen bergen ... auftrieb Solger Erwin (1815) 1, 28; überhaupt dieses schiff wogt nun frank und frei auf allen meeren, und stürme werden ihm so wenig anhaben wie seeräuber fürst Pückler briefw. u. tageb. 83; in den unteren schichten der atmosphäre bemerkt man bei stürmen bisweilen ähnliche erscheinungen der begrenzten luftströmung Humboldt kosmos 1, 326; speciell seemännisch: stinkender sturm ein hoher grad des sturms, fast ein orkan s. Bobrik naut. wb. 676; ähnlich fliegender sturm ebda; in allgemeinerem gebrauch ist sturm dann überhaupt 'unwetter' vgl. die frühnhd. glossierung mit 'tempestas', z. b. Diefenbach 576a; selten: auch dein (gottes) sturm ... bringet segen J. A. Cramer sämtl. ged. 2, 173; schier dreiszig jahre bist du (der mantel) alt, hast manchen sturm erlebt Holtei ged. (1861) 525 (mantellied). hierher das sprichwort: auf sturm folgt sonnenschein. oft in vergleichen: alsdann stieg freilich der gedanke, vor dem er zusammenfuhr, wie ein sturm empor Jean Paul werke 7, 414 Hempel; da kommts aber wie ein sturm angerannt Bettine dies buch gehört dem könig (1843) 15; ein entsetzliches heer von totengerippen, mit schwarzen fahnen, kam wie ein sturm von dunkeln bergen herunter Novalis schr. 4, 191 Minor; o mir, mir beugte die grösze der alten wie ein sturm das haupt Hölderlin ges. dichtungen 2, 77 Litzmann; ihn trieb der schlachtengott wie sturm und flammen gegen die feinde G. Freytag ges. werke 17, 78. II@A@22) sturm neben einem gleichgeordneten substantiv. dieses ist mit sturm synonym und verstärkt es: do sturm unde wint gelac Gottfried von Straszburg Tristan v. 8828 Ranke; dann sie (die kriegsschiffe) ... auch den sturm und wind besser denn andere erleiden Fronsperger kriegsbuch 1 (1573) 201b; auf groszem meer sein grosze wellen, viel klippen, stürm und grosze wind Opitz teutsche poemata 131 ndr.; da wind und sturm sich legen P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 369a; schwimmt mein schiff durch sturm und wind Gottsched ged. (1751) 1, 217; wenn dich sturm und wetter schreckt P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 320; stürm, wetter man dick sicht gar grausammlich gepǎren liederb. d. Hätzlerin 252; er ist der herr, des wege in wetter und sturm sind Nahum 1, 3; sobald sturm und wetter vorbey war U. Bräker sämtl. schr. 1, 6; durch sturm und wetter bin ich getrieben von sehnsucht und hoffnung umhergelaufen, bis ich sie fand E. T. A. Hoffmann 12, 22 Grisebach; bildlich: aber Falk, du schweigst, mein junge? auf der dingstadt sturm und wetter, heute ohne lung und zunge? Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 336. das subst. gibt eine das wetter betreffende ergänzung: ob er schon sahe sturm vnd regen vmb vnd vmb D. v. d. Werder ras. Roland (1636) 2. ges., str. 28; (wenn) ein artiger herr im sturme und regen den hut unter dem arme trägt Schwabe belustigungen d. witzes u. verst. 3, 106; kein sturm und regen schadet dir Chr. Fel. Weisze lieder f. kinder (1767) 10; wir lauschen busen an busen gedrängt, stürmen und regen und gusz Göthe 1, 257 W.; ihr schreiben durch den Engländer kam gestern in sturm und regen hier an Bismarck ged. u. erinn. 1, 268 volksausg.; bildlich: im glück ist er verwegen: kömmt aber sturm und regen, fällt herz und muth dahin Paul Gerhardt lieder 267; die sonne scheint nach sturm und blitzen Gottsched ged. (1751) 1, 314; von sturm und blitz unüberwunden Z. Werner Martin Luther (1807) prolog 15; wenn sturm und donner kracht maler Müller werke 1, 288; mit hagel oder sturm ein sündlich land zu schlagen Gerstenberg recensionen 136 lit. denkm.; das subst. stellt einen gegensatz zu sturm dar: gott ists, der sturm und heitre macht E. M. Arndt 5, 200 Rösch-Meisner; wochenlang wechseln sturm und stille ab Kircheisz weltumsegelung 246; was der geist geweihten sehern offenbart in sturm und stille Fr. W. Weber Dreizehnlinden 14; sturm und sonnenschein u. ä. oft bildlich, mit beziehung zu C 2: wir sind im lager! da ists nun nicht anders, da wechseln sturm und sonnenschein geschwind Schiller 12, 284 G.; wer redlich thut, traut gott im sonnenschein und sturm J. H. Voss sämtl. ged. (1802) 2, 149; treu bist du in sturm und sonnenschein geblieben, bleibst mir treu, wenn einst mich alles, alles flieht Hölderlin ges. dichtungen 1, 52 Litzmann; und dann, hätt ich dies haupt an sechzig jahre aufrecht getragen unter sturm und sonne, damit ein junger fant sich mutig fühlte zu mehr, als drausz zu lärmen vor der thür? Grillparzer (1892) 6, 158. das substantiv stammt nicht aus der wetteratmosphäre, steht aber doch in engerer beziehung zu sturm: (so werde ich) mit der schaar der frommen ausz sturm und wellen kommen Königsb. dichterkreis 75 ndr.; und dasz in allen fällen er mir zur rechten steh und dämpfe sturm und wellen und was mir bringet weh P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 387b; mit solcher hofnung sieht der schiffer im ocean über wellen und stürme hinweg J. G. Zimmermann einsamkeit 1, 58; am steuer herrschend über sturm und welle Göthe 16, 254 W.; mit bergen wollen wir gen himmel wachsen, auf stürmen und wellen dahin brausen Schiller 1, 70 G.; bildlich: toben stürme, unglückswellen, wenn die feinde noch so bellen, bin ich ruhig, denn mein gott half mir noch aus aller noth J. M. R. Lenz ged. 12 Weinhold. II@A@33) oft ist sturm mit bezeichnenden verben verbunden, z. b. hinsichtlich des gehörseindrucks: wann wilde stürme brausen E. M. Arndt sämtl. w. 4, 13 R.-M.; stürme, die den wald durchbrausen Hölty ged. 5 Halm; es überbraust der sturm die zarte stimme Göthe 10, 22 W.; die stürme sausten mit fürchterlicher wuth ders. 18, 380 W.; wenn der sturm das feld durchsaust Hoffmann Struwwelpeter 24; der heftige sturm, der über uns im gewölbe kracht Gerstenberg Ugolino 224 nat. lit.; der sturm heult aus norden Klinger 3, 13; die stürme heulen im schlote O. J. Bierbaum irrgarten (1902) 31; dröhnender sturm E. Leibl zelt unterm stern (1931) 18; hinsichtlich seiner intensität: ein heftiger sturm trieb ihn aus dieser bai J. G. Forster sämtl. schr. 4, 53; in einer nacht, wo sturm und wetter rasen Z. Werner söhne des thales (1803) 1, vorr. 1; den kahlen, von stürmen gepeitschten gipfel Justi Winckelmann 2, 1, 101; zwischen den von sturm gerüttelten baumwipfeln Ebner-Eschenbach 4, 217; allein so weit dieser sturm auch tobte Ranke sämtl. werke 1, 300; brechend kiel und mast durchtobte sturm die weisze wasserwüste Fr. W. Weber Dreizehnlinden 33; ähnlich in verbindung mit einem subst. infinitiv oder einem verbalsustantiv: denn der stärksten stürme brausen bläst die glut nur heftig an v. Schönaich Heinr. d. Vogler (1757) 64; und heller und heller, wie sturmes sausen hört mans näher und immer näher brausen Schiller 11, 222 G.; wie das getöse eines sturmes im weltmeer S. Geszner schr. 1, 169; das toben des sturms liesz einen augenblick nach A. v. Droste-Hülshoff 2, 267; aller stürme trutz Heräus ged. u. inschr. (1721) 8. II@A@44) sturm im glase wasser siehe Büchmann geflügelte worte26 (1926) 294: schon bei Athenaios (deipnos. 8, 19) verspottet der flötenspieler Dorion die tonmalerei des zitherspielers Timotheus, der einen seesturm spielen wollte, mit den worten: er habe in einem siedenden kochtopf schon einen gröszeren sturm gehört, und Cicero (de leg. III 16, 36) gebraucht als sprichwörtlich: excitare fluctus in simpulo 'die wellen in einem schöpflöffel erregen'; nach Honoré de Balzac le curé de Tours (œuvres compl. 6, 48) hat Montesquieu die wirren in der zwergrepublik San Marino une tempête dans un verre d'eau genannt und damit den ausdruck geprägt. der Engländer sagt: that is a storm (tempest) in a teacup (tea-pot) Lüpkes seemannsspr. (1900) 75; 212. in der literatur sind die belege selten: kurhessische zustände seien in Preuszen unmöglich; ein sturm im glase wasser lasse sich nicht vergleichen mit einem solchen conflict in einem groszstaate Bismarck polit. reden 2, 31 Kohl; einen sturm im glase wasser Treitschke hist. aufs. 473; vgl. auch: es stehet geschrieben: wer wind säet, der wird sturm ernten. meine freunde, wir säen nicht blosz wind, wir säen diesen wind auch in den wind, und was wir dabei ernten, ist blosz ein sturm im bierglase H. Sudermann sturmgeselle Sokrates (1903) 77. II@BB. personificierung. oft wird der sturm im bilde eines lebenden wesens vorgestellt, vornehmlich dichterisch, besonders seit dem barock, z. t. wohl unter antikem einflusz. der sturm vermenschlicht, mit menschlichen fähigkeiten, eigenschaften, gefühlen: er hat den sturm gereizt und mag ihn wieder stillen Gottsched dtsch. schaubühne 4, 55; soll ich blinder als die fluthen, tauber, als die stürme seyn? ders. ged. (1751) 1, 220; ist es der sturm, der droben kämpft? Göthe 3, 221 W.; dann übernachten stürme auf seinen schwellenden schultern maler Müller werke 1, 5; zürnt doch der sturm ... dem schilfe nicht Körner werke 1, 114 Hempel; lasz den sturm los, und er entwurzelt den stamm E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Dtsch. 1, 277; wenn sturm mit alten eichen ringt Gaudy sämtl. w. 1, 67; der sturm soll seine sturmvögel vorausschicken Fr. Th. Vischer ästhetik 3, 38; der kalte sturm vergeudet seinen zorn an den unerschütterlichen mauern der Hartburg Holtei erz. schr. 5, 33; was weinst du, sturm? Dehmel ges. w. 1, 129; insbesondere als reiter: wann der sturm sich tummelt auf schaumgem rosse über blauer tiefe Mohnike Tegnèrs Frithjofsage (1842) 42; der sturm will jagen: auf fährt er vom sitz in seinem zerklüfteten schlosse, er ruft seinen diener, den flüchtigen blitz, und schwingt sich jauchzend zu rosse Fontane ged. (1908) 132; stürme reiten hinab vom gebirge, stürme jagen heran aus den steppen, stürme kommen vom meere gefahren E. Leibl zelt unterm stern (1931) 23; der sturm als tier: gleich ... kommt ein sturm und friszt sie auf Lenau s. w. 12 Barthel; insbes. als hund: doch Tohro donnert, und winkt seinen bellenden stürmen Kretschmann sämtl. w. 1, 106; als reittier: reiten sie auf stürmen? H. v. Kleist 2, 127 Schm.; als ein geflügeltes wesen: auf flügeln des sturms Klopstock Messias ges. 3, v. 579; wie rauscht des sturmes flügel Becker mildheim. liederbuch (1799) 8; heulend kommt der sturm geflogen der die flamme brausend sucht Schiller 11, 311 G.; und der sturm mit eisger schwinge auf einmal zu schweigen scheint, der laut am gebrochenen fenster sein trauriges lied geweint Rollett wanderbuch (1846) 145. vgl. unten sturmflügel. II@CC. uneigentlicher gebrauch. zumeist noch mit starkem bildgehalt, vgl. insbesondere C 2. II@C@11) von äuszeren stürmischen zuständen, besonders kriegerischen und revolutionären läuften: wir leben als ein paar einsiedler mitten in den stürmen, wo nicht ganz glücklich, doch gewisz unendlich glücklicher als die, welche sie erregen Pfeffel pros. vers. (1810) 5, 75; genieszen sie mit den ihrigen, nach so viel stürmen, der früchte des friedens und einer neuen ordnung der dinge Göthe IV 15, 211 W.; ich rühme mich nun freylich nicht des tiefen politischen blicks des schöpfers, der jeden sturm von weitem ausspäht Klinger sämtl. werke 3, 67; durch diesen (des tyrannen) sturz war eine ... verfassung hergestellt, die sich auch ohne stürme ... erhielt K. O. Müller die Dorier (1824) 2, 165; nachrichten, die stürme weissagen, welche gerade jetzt der hochschule drohen Dahlmann an W. Grimm 1, 435 Ippel; die wenigen, denen das wohl der kirche am herzen lag, waren voll schwerer gedanken an die stürme, welche die weise ... hand des ... herrschers nun nicht mehr zurückhielt Justi Winckelmann 2, 1, 222; wir haben nicht verhehlt, ... wie nothwendig es war, dasz die führer der bewegung mitten in dem sturme, den sie hervorgerufen, doch nicht weiter gingen, als ihr vorhaben unbedingt erheischte Ranke s. w. 4, 4; (das) würde ... einen heftigen sturm in diplomatie und presse erregen Bismarck ged. u. erinn. 2, 32. manchmal mit der richtung auf eine einzelne person: an ihn blosz hieltest du bey jenem sturme dich fest, der auf dem Regenspurger tag sich gegen dich zusammenzog Schiller 12, 232 G.; eine besprechung Jean Pauls zum beispiele erweckte einen sturm gegen mich H. Laube ges. schr. 1, 176; sein gutachten ist ein schönes denkmal ... überlegener einsicht, aber eben damit zog er ... den ganzen sturm auf sich selber L. v. Ranke s. w. 1, 185; Planitz berichtet, er habe darüber viel hoffärtige böse worte hinnehmen, einen starken sturm bestehen müssen 2, 44. oft neben einem näher bestimmenden adjectivattribut: da die politischen stürme ... in der ferne brausten E. M. Arndt s. w. (1892) 1, 54; die familie hatte sich aus dem politischen sturme hierher gerettet Börne ges. schr. 2, 136; wenn ... sie nicht der gefahr ausgesetzt werden sollten, an den literarischen stürmen und überschwemmungen stückweise fortgeführt zu werden Müllner dram. werke (1828) 8, 52; nach dem verlauf der umwälzenden stürme in staat und literatur Gervinus (1853) gesch. d. dtsch. dichtung 5, 12; die genferische kirche trug das gepräge der republikanischen stürme, unter denen sie sich durchgesetzt hatte L. v. Ranke s. w. 8, 129; so würde die deutsche ... kirche ... eine wahrhaft selbständige stellung gewonnen haben, in der sie die ... doctrinellen stürme ... hätte überdauern können 1, 31. mit erweiterung durch ein genetivobject: die ... anfänge der neuen zeit gingen unter in den stürmen und greueln des bürgerkriegs Justi Winckelmann 2, 1, 166; so gehen sie unter in den völkerverschlingenden abgründen und stürmen der geschichte Brentano ges. schr. 5, 406; in allen stürmen der jahrhunderte E. M. Arndt schr. für u. an s. l. Deutschen 2, 50; in jenen stürmen der ersten jahrzehnte des sechzehnten jahrhunderts Ranke s. w. 38, 170; im sturme der schlesischen kriege Holtei 40 jahre 1 (1843) 32; die stürme der reformationszeit Fr. A. Lange gesch. d. materialism. (1866) 101; die stürme der revolution Mommsen m. gesch.4 3, 15; in den stürmen der völkerwanderung Mommsen m. gesch. 5 (1894) 113; zwar auch er ist bedrängt von den stürmen der zeit, die ihm eine behagliche ruhe verkümmern Göthe 41, 1, 362 W.; die stürme und wellen der tieferregten zeit Nitzsch dtsche studien (1879) 221; seltener, besonders früher, im singular: nicht anders hat auch euch ... das elendt dieser welt geführet eure sinnen zu dem, was weder feind noch sturm der zeit zerstört W. Opitz teutsche poemata 65 ndr.; den, der durch so viel klug sich sicher ein kan führen bey dieser zeiten sturm in guten glückes port Logau sämtl. sinnged. 633 Eitner. II@C@22) 'widerwärtigkeit, drangsal, unglück': jedoch gehen hie die rechten stürme und püffe an J. Gigas postilla (1595) 1, 109b; der kan ... dem widerwärtigen glücke mitten in den äuszersten stürmen trotz bieten Chr. Weise polit. reden (1677) 46; der himmel wolle diesen sturm von unserem besten wohlthäter abwenden Knigge roman meines lebens (1781) 2, 54; die freundschaften in jener zeit geschlossen ... halten im sturme Iffland theatral. werke 1, 189; ja, ich will von allen stürmen ausruhen, die so oft den horizont meines lebens trübten Tieck schr. (1828) 6, 22; vielfach gehören die belege noch der rein bildlichen sphäre an: nur gönne mir den port, den nach dem rauhen sturm die liebe mir gegeben A. Gryphius trauersp. 305 Palm; jedoch versichert euch, dass ihr hier, nach überstandenem sturm, in den hafen eurer wohlfarth angelandet seyd Ziegler asiat. Banise (1689) 39; dasz du dem himmel traust, ... wird unsre feinde mehr ... denn alle schwerdter zwingen, und uns im schwersten sturm dennoch zum haven bringen Weichmann poesie der Niedersachsen (1721) 1, 45; doch treue Sachsen auf! erheitert das gesicht! weil euch ein freudenstrahl aus diesem sturme bricht v. König ged. (1745) 4; ach, warum ist er nicht hier geblieben! ach, der sturm! verschlagen weg vom glücke! Göthe 2, 73 W.; ein leuchtthurm war dein kopf mir in dem sturme, dein treues herz war mir ein guter hafen Heine werke 1, 61 Elster; aber diesem rascherblühten lenze der liebe folgte ein verheerender sturm Immermann 1, 58 Boxberger; durch ein genetivobject erweitert: dein wort als eine lamp und liecht, herr, leuchtet mir, die finsternusz und sturm der welt durchzupassieren G. R. Weckherlin ged. 1, 383 lit. ver.; ach, dieses herz wird leider durch den sturm der welt aus seinen liebsten träumen gerissen! Göthe 17, 179 W.; aber nicht ohne seinen meister darf das kind sich in die stürme der welt wagen E. T. A. Hoffmann s. w. 1, 164; so allein und einzeln und jedem feindlichen sturme des weltalls es ausgesetzt scheinet Herder 5, 6 S.; wo ihr die donnerkeile, die stürme rauen glücks als felsen in der see ohn eine furcht besiegt Gryphius trauersp. 107 Palm; die gelassenheit, mit der er bisher alle stürme des widrigen glücks ausgehalten Wieland Agathon (1766) 1, 26; die einzigen freunde, die ich in Türkheim hatte, und durch alle stürme des lebens behielt Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 3, 28; der aus den stürmen des lebens gerettete greis F. M. Klinger s. w. 4, 6; der in manchen stürmen des lebens aufrecht gestanden Göthe IV 41, 34 W.; dieses tiefe gepräge der seele wird von den stürmen des schicksals nicht ausgelöscht allg. dtsch. bibl. 2, 1, 211; die stürme des widrigen schicksals sollen meine empfindung emporblasen Schiller 3, 372; ermattet von den stürmen seiner jüngsten vergangenheit Holtei erzähl. schr. 3, 47; wir wollen nicht mehr im romane ausruhen von den schlägen und stürmen der wirklichkeit W. Alexis d. hosen d. herrn v. Bredow (1846) einl. 7. II@C@33) von seelischer unruhe, aufregung, entzückung: mein hertze leydet grossen sturm Heinrich v. Neustadt Apollonius 15684 Singer; ach mensch, bloder worm! noch tribet hohfart in dir storm ders., gottes zukunft 2318; desse sulve slange efte worm klaghede hir myt groteme storm Reinke de vos (1498) 4581; (der) gemächlichkeit für sturm, für kämpfe wollust tauschte Gotter ged. 2, 142; kühlere köpfe dürfen gegen ihn (den schwärmer) ihre auslegung nicht wagen, wenn sie nicht, durch seinen sturm und seine blitze, gottselig wollen geschleudert seyn in jene schwarzen tiefen J. G. Zimmermann über die einsamkeit 2, 62; um von den süszen stürmen auszurasten, die seit einigen wochen uns immer wieder aus einem wonnestrudel in den andern geschleudert haben Pfeffel pros. vers. (1810) 5, 142; lebt er nicht immer in wildem sturm und liebt die freyheit F. M. Klinger werke 1, 238; kein sturm düstert die seelenruh Hölty 96 Halm; besänftige den sturm, der dich bisher getrieben Göthe 9, 18 W.; so vertaumelt sich der schönste theil des lebens ohne sturm und ohne ruh ders. 1, 77 W.; das wird einige thränen kosten bey einer wahrhaftigen vorstellung, wenn ichs mache, laszt die zuhörer nach ihren augen sehen! ich will sturm erregen, ich will einigermaszen lamentiren Shakespeare 1, 191; so giebt es verwitterte physiognomien, in welchen alle leidenschaften den ausdruck ihrer zerstörenden stürme zurückgelassen haben Hegel 10, 1, 194; gestern abend zum zweiten male bei Schnorr; ich sah mischungen von Eder, Horny und steinzeichnungen von F. Olivier; welchen sturm erregen solche sachen in mir! o wie weit bin ich noch zurück! L. Richter lebenserinnerungen 560; das wesen der dramatischen helden ist befangenheit, sturm, starke erregtheit G. Freytag ges. w. 14, 269; aus stiller hut reiszt mich ein ungeheurer ruf in allen sturm und seligkeit der erde E. Stadler der aufbruch (1914) 50; manchmal wie 'innerer drang': woher dieser sturm, das all zu erfassen? J. M. R. Lenz anm. übers theater (1774) 13; der seelische ort, der erregt ist, wird genannt: den sturm in deiner brust zu beschwören Lessing 10, 26 L.-M.; es wird ein verworrenes geschwätz, wenn ein reiszender sturm in der brust tobt, und die aufmerksamkeit in eine zitternde gedankenlosigkeit auflöst Novalis schr. 4, 167 Minor; uns jagt, so weit es schneit und hagelt, des eignen busens sturm umher E. M. Arndt werke 3, 31 Rösch-Meisner; es war so still im zimmer, dasz man das leise knistern des mieders hörte, das vom sturm des jungen busens bewegt wurde H. Seidel vorstadtgesch. (1880) 73; du dich in deinem hertzen zu so starckem sturmb bereit findest Fr. v. Spee güld. tugendbuch (1649) 64; herz! wenn sich dein sturm nicht legt, herz! wo sind dann deine freuden? J. M. R. Lenz ged. 108 Weinhold; dein herz vor stürmen ... bewahren Pfeffel poet. vers. 2, 161; Albano kam langsam oben in den gängen daher; er hatte sein auge von thränen rein gemacht und sein herz von stürmen Jean Paul werke 15, 377 Hempel; das arme herz, hienieden von manchem sturm bewegt, erlangt den wahren frieden nur so es nicht mehr schlägt v. Salis ged. (1793) 36; dennoch gehet mein herz in sturm und aufruhr über Bürger werke 322a Bohtz; und bezwang die stürme des herzens J. H. Voss Ilias ges. 1, v. 569; es hat der sturm im herzen ausgetobt A. v. Chamisso werke (1836) 4, 162; aber ganz war der sturm in seinem herzen noch nicht geschwichtigt Scheffel ges. w. 2, 149; den sturm, der in meinem kopfe war Bahrdt gesch. s. lebens 2, 114; kein rauschendes blatt hat mich zitternd gemacht, es war ein recht gewaltiger sturm, der meine ganze seele erschütterte Gottschedin briefe 1, 19; sein ... angesicht tobte vom sturm seiner seele Gerstenberg Ugolino 247 nat.-lit.; der seele sturm Schiller 11, 26 G.; vorher hatte es in Siegwarts seele ungestüm gestürmt, jetzt folgte dem sturm ein sanfter regen Miller Siegwart (1777) 2, 447; die liebe machte einen sturm in der seele und setzte alles in bewegung Heinse s. w. 3, 154; der sturm in Oswalds seele war vorübergebraust; mir aber gehen so manche stürme durch die seele, dasz sie sich einer stets gleichmäszigen temperatur nicht rühmen darf fürst Pückler briefwechsel 1, 333; so schwand er doch bald wieder vor dem sturm des beängsteten gemütes zurück Fouqué altsächs. bildersaal 2, 67; der sturm der gemüther war indessen vorüber ... milderes wetter stellte sich ein K. Gutzkow zauberer von Rom 5, 151; als ich im palast Durazzo die porträts der schönen Genueserinnen sah, und unter diesen ein bild, das in meiner seele einen süszen sturm erregte Heine werke 3, 287 Elster. II@C@44) gegenüber dem vorigen verengt, 'zorn, grimm, wut' u. ä.: ibi video iram er ghet ynn eim sturm und mit der faust Luther 34, 2, 94 W.; vgl. 7, 298; nun wird sich euer grimm und sturm einmal zu friden gäben P. Gerhardt bei Fischer-Tümpel kirchenl. 3, 304; er gieng auch im grimm und sturme davon Lohenstein Arminius 2, 1133a; das darf ich nicht, ist Gäthchens wort, sonst setzt es einen sturm (des vaters) Ramler fabellese 3, 116; Capulet: was habt ihr, vetter? welch ein sturm? wozu? Tybalk: seht, oheim! der da ist ein Montague Shakespeare 1, 40; der alte graf aber, der die beispiellose heftigkeit seiner 'königin der nacht' nur zu gut kannte, hielt es ... für angebracht, auch der bloszen möglichkeit eines sturmes vorzubeugen Fontane ges. werke I 5, 28. in ober- und westmitteldeutschen mundarten ist die bedeutung stark ausgeprägt: sturm schwindelige leidenschaft, zorn, starrsinn Stalder schweiz. id. 2, 416; storm das mürrischsein, der zorntummel Tobler appenzell. 412; den sturm haben übler laune sein Fischer schwäb. 5, 1930; ähnlich Schmeller-Fr. 2, 782; Follmann lothr. 511; Christa Trier 201. von hier aus mundartlich noch weiter fortgebildet: schturm zank Damköhler Nordharzer wb. 182; sturm lärmender auftritt; verweis Jakob Wien 187; storn wunderlicher einfall Schmeller cimbr. wb. 176. II@C@55) von physischen zuständen. in allen mundartgebieten 'rausch, betrunkenheit', z. b. Schöpf tirol. 726; Damköhler Nordharz. 182; öfter in der redensart: er ist im sturm Christa Trier 201; Hertel Thüring. 240; Meyer d. richt. Berliner (1925) 175; die bedeutung ist auch mehrfach in die schriftsprache übergegangen: ich glaube, du bist schon ein wenig im sturme! H. Hanke die schriftstellerinn 270; alles im sturme rings, groszes und klein; wag ich darunter mich nüchtern allein? (um 1840) H. v. Mühler im allg. dtsch. kommersbuch135 621; bis der könig ... auf seiner wasserparthie nach dem heiligen lande mit mann und maus unterjeht, weil die ritter sehr im sturm waren Glasbrenner Buffey's wallfahrt (1845) 39; solche dinge beschlieszt ein vernünftiger mann nicht im sturme G. Kinkel erzählungen (1849) 136; die dienstboten ... entschuldigen sich mit dem beispiel des wirthes und der wirthin, welche, wie jene behaupteten, ihren ehelichen hasz versaufen und schon in aller frühe 'im sturme' sind Holtei erz. schr. 39, 20; er trank, schwatzte, lachte ... so dasz einer der anwesenden dem wirthssohne zuflüsterte: 'du, dein gestrenger hat 'n sturm' H. Kurz 5, 103 Heyse. ganz verblaszt: den sturm kriegen ohnmächtig werden Fischer schwäb. 5, 1930; sturm anfall einer krankheit Schön Saarbrück. 206; vgl.: ich habe einige anfälle von krankheit gehabt ..., und noch ergreift mich zuweilen ein sturm Heinse 10, 355 Sch. merkwürdig: sturm zustand zwischen schlaf und wachsein Schmeller-Fr. 2, 782. II@DD. sturm als sturmbewegung der luft erfährt vielfach übertragungen noch im bereich des sinnlichen, vornehmlich aber innerhalb des elementarischen geschehens; solcher gebrauch greift sodann reichlich auf inconcreta über. die so veränderte, gegenüber A im sinne der grundbedeutung erweiterte ist dann allgemein 'heftige, stürmische bewegung', 'durcheinander', 'gequirle' u. ä., vgl. sturm fluctus, fluvius, fluxus Diefenbach 240c; gurges 271b: die tuvele machten in der vlut vil storme an grozen vlagen passional 48 Köpke; dâ wart von starken slünden ein sturm, daz von den ünden diu drozze wart ze enge, daz sich von dem wâcgedrenge diu güsse begunde werren, blôdern unde kerren als ein windesprût ûf dem mere. weinschwelg 135 E. Schröder; der wassersturz, das felsenriff durchbrausend ... von sturz zu sturzen wälzt er jetzt in tausend, dann aber tausend strömen sich ergieszend, hoch in die lüfte schaum und schäume sausend. allein wie herrlich, diesem sturm ersprieszend, wölbt sich des bunten bogens wechseldauer Göthe 15, 1, 7 W. feuersturm: er (der drache) sieht, wie sie (die seelen in der hölle) der sturm zerfriszt ders. 37, 5. sturm im menschlichen leib: er macht dem geheimen gemach einen besuch, und der sturm in seiner bauchhöhle legt sich Bremser medizin. parömien (1806) 161. meist mit einem präpositionalen oder einem genetivobject als bestimmender ergänzung, so schon ahd., vgl. nymphorum wolcno sturm gl. 1, 213, 36 Steinm.-Siev.; ähnlich 2, 316, 48 u. 49; schwefel und peche und windes sturm P. Schede ps. 43 ndr.; der winde sturm Hohberg georg. curiosa 1, 25; wenn mein nache zerfällt, wenn ihm der lüfte sturm und die welle des meers segel und mast und boort, ruder, steuer entreiszt Herder 27, 95 S.; du sichst es, wenn in meiner brust, so wie der wellen sturm, sich meine lüste regen v. Canitz ged. (1727) 37; ihn schrecket weder sturm noch fluth der nie beschifften see Gottsched neueste ged. (1750) 88; nach des wilden wetters sturm, nach des harten donners krachen Grob dichterische versuchgabe (1678) 15; nicht mehr im sturm der gewitter entzündet sich kindlich dein haar W. Hasenclever neue ged. (1917) 41; akustische übertragungen: im sturme der siegenden harfe Denis lieder Sineds (1772) 57; wie kann der heilige sturm der töne nur ein stäubchen rücken, indes die roh bewegte luft aschenberge versetzt Jean Paul 15, 645 Hempel; der sturm einer Haydnischen symphonie Brentano ges. schr. 5, 339; dazwischen hört ich eine stimme wehen, die sanft den sturm der chöre unterbrach Mörike 1, 54 Göschen; dem sturm geweihter melodien wird auch der letzte feind entfliehen G. Herwegh ged. eines lebendigen 2, 37; ähnlich: dasz ich gebohren bin, allenthalben, wo ich gehe und stehe, den sturm von bösen zungen auf mich und meine profession gerichtet zu sehen Bode Yoricks empfinds. reise (1768) 2, 111; pfui, welcher rechtliche mann möchte einen solchen sturm von ausrufungen über sich ergehen lassen Shakespeare 6, 226; die zuschauer erhoben, als sich dieses paar zeigte, einen unglaublichen sturm des beifalls Stifter 4, 1, 85; dann in verbindung mit den verschiedensten abstracten: und hüllet schlau die gluth der überraschten scham in einen sturm von wuth Gotter ged. 2, 65; alle stürme des zornes Bodmer Noah (1750) 37; wie der sturm erregter sinnen wütet A. G. Kästner verm. schr. 1 (1775) 143; das genie musz meister über seine begeisterung sein, die vernunft musz in dem temperamente seiner fähigkeiten oben an sitzen und im sturme der leidenschaften selbst das steuer nicht verlieren briefe, die neueste litteratur betreffend (1759) 6, 220; frau, welchen sturm gefährlicher gedanken weckst du mir in der stillen brust! Schiller 14, 285 G.; die besonnenheit mitten im sturm der gefühle Bettine dies buch gehört dem könig (1843) 2, 322; dieser begeisterung sturm, er schlummert reizend Th. Körner werke 1, 114 Hempel; nach beendigung des tonstückes, während der sturm des entzückens immer lauter ... nachbrausete, ward er (Paganini) in die hofloge beschieden Holtei erz. schr. 11, 324; sie verwies ihr die übergrosze heftigkeit und den sturm ihrer empfindungen K. Gutzkow ritter v. geiste 4, 35; durch den sturm der ereignisse im dunkeln herumgetrieben, kommt einem volk die klarheit über sich selbst erst dann, wenn es eine masse erfahrungen beisammen hat und diese gegeneinander abwägt Hebbel I 9, 226; den religiösen gedanken nun aber aufrecht zu erhalten unter menschen, welche bei ganz anderen gesinnungen hergekommen und im sturme der begebenheiten zu ihm übergegangen waren, hatte fast noch eine gröszere schwierigkeit, als ihn zu pflanzen Ranke s. w. 8, 122. IIIIII. concretisierungen. die meisten sind aus sturm I hervorgegangen, doch bleibt eine anknüpfung gelegentlich unsicher. III@11) im zusammenhang mit I B 4 und C (s. sp. 583 u. 584) ergibt sich die bedeutung 'sturmglocke'; da jedoch sturm hier femininum ist, musz primär an verkürzung aus dem comp. sturmglocke gedacht werden. die bedeutung reicht über das 16. jh. nicht hinaus: ist in bepfolhen ... allenthalben die sturm zu leuten städtechron. 2, 85; aber man schlug hie an die storm und zoch man ausz eilend gen Bairn ebda 5, 37; vgl. auch 32, 113; an stund slueg man an dy sturm Füetrer bayr. chron. 206 Spiller; mit dem anschlagen der sturm (1497) Klüpfel urkunden z. gesch. d. schwäb. bundes 1, 242; das man die storme oder gemperlin ludet oder clencket (1505) Bücher berufe d. st. Frankf. 81a; als aber das der wechter uff sant Michelsthurn ersach, leut er die sturm J. Herolt chron. 112 Kolb; der ist sicher, so zun waffen an die sturm schlecht Wirsung Calixtus x 2; schlug man die sturm (1525) Baumann quellen zur gesch. d. bauernkrieges 24; soll die sturm über den armen (der zur hinrichtung geführt wird) bis zum thor geschlagen werden (1568) bei Schmeller-Fr. 2, 782. weitere belege bei Fischer schwäb. 5, 1931. III@22) mit sturm wird im frühnhd. (alem.) sowie noch in modernen alem. mundarten der hutrand, die krämpe, also der ursprünglich wohl gegen besondere unbill der witterung dienende teil des hutes bezeichnet, vgl. viridis umbella ein breitlachter huot mit breiten stürmen für die sonnen und das wätter, ein schynhuot oder wätterhuot Frisius (1556) 1399b; in dem abschnitt 'vestitus monastichus': pilei (der filzkappe, kapuze) partes: πωδία τοῦ γυροῦ, circumferentia infima et latissima der sturm Crusius annales Suevici (1595) 3, 804; (hüte von ungefärbtem filz mit kleinen) stürmen und hohen gupfen bei Birlinger aus Schwaben 2, 522; man trägt zuschnitten und zustochen, gesteppt, verbremt, geritzt, zurissen, vermummt, verbörtelt und zusplissen. man braucht auch kappen, zöpfe, stürme und grosz gekröse wie die thürme, es scheint, man will den himmel stürmen Brodtkorb teutsche warheit (1700) 107; componiert: (der cardinal überantwortet den eidgenossen) einen köstlichen rotten sammatinen, von hermelinen gefütterten hertzogshut, mit einem guldinen knopf und vehemsturm (krämpenverbrämung?), auf welchem ein tauben ... von gold und perlin ... gesticket war M. Stettler annales Helvet. (1627) 1, 463; mundartlich: storm krämpe an einem hute Tobler appenzell. 412. hierher wohl auch sturm als pferdekopfschmuck, im 16. jh.: darnach waren die von der herrn trinckstuben bis in vierczig pferdt ... alle leichte harnesch mit armzeug und ringen, settlen und stirm auf den rossen, alle gancz gleich städtechron. (Augsburg) 25, 369; darunder waren sehs halbkirisser, die andern all mit leichten armzeugen und der merer thail leicht settel und sturmen auf den rossen ebda. III@33) aus I A entwickelt ist sturm als bezeichnung einer militärischen untergruppe, abteilung: die gesamte artillerie war in stürme (batterien) getheilt, jeder sturm enthielt drei bis sechs geschütze G. Freytag ges. werke (1886) 18, 295; in der gegenwart insbesondere die kleinste unterabteilung der nationalsozialistischen parteitruppe, der S.-A. ('sturmabteilung'), etwa einer compagnie entsprechend: und sieht man uns, so sagt man, wenn wir vorüberziehn: das sind die Hitlerleute vom ersten sturm, Berlin! Horst Wessel bei H. H. Ewers H. Wessel (1933) 40; im anschlusz an diese rundfunkaffäre hat am dienstag ein sturm der politischen organisation der NSDAP das sendehaus der ostmarkenrundfunkgesellschaft besetzt deutsche allg. ztg. 26. april 1933, abendausg.; während der verhandlung, zu der der angeklagte in S.-A.-uniform mit abzeichen und hakenkreuzbinde erschienen war, ... versuchte er, die armbinde heimlich zu entfernen und gab dann an, er gehöre dem Berliner sturm 64 ... an ebda; schlieszlich wird bei manchen modernen bewegungsspielen wie fuszball, hockey der angreifende teil als sturm bezeichnet. im 17. jh. bezeichnet sturm überhaupt eine unbestimmte menge, einen haufen von etwas; beide begriffe sind nebengeordnet: er hat auch so einen knützschel schaafe und so ein storm klein und grosz vieh, dasz einer sich davor kreutzigen und segnen möchte Schoch studentenleben (1657) d 2b; aber was sind die kerl nütze; einer musz ihnen so einen sturm geld geben und kriegt keinen guten bissen davor zu fressen ebda f 6r; es sind ja noch mehr solche kerl, die degen tragen; sie haben immer ein storm geschrieben zeug in fäusten, reden immer mit sich selber ebda; ein gantzer sturm leute, soldaten, buben, vögel Kramer 2 (1702) 1027c. III@44) auf I B und II D weist sturm als gährendes getränk; österreichisch: sturm eine bestimmte mischung von frischem weinmost und älterem weine Unger-Khull steir. 588a; der heurige wein im übergang zum klarwerden Hügel Wiener dialect 160; in gährung übergegangener weinmost Jakob Wien. 187. III@55) sturm unsteter, unbedachtsamer mensch, verwirrt in reden und handeln Seiler Basel 284 (zu I B). III@66) in den westmitteldeutschen mundarten erlangt sturm eine bedeutung wie 'weile, augenblick': jetz hat er mol ruh for e sturme Follmann lothr. 510; et huet mat štirem (zeitweise) gerent a geschneit wb. d. lux. ma. 432; waord naoch ö sdorm Christa Trier 201; es es schon e guter sturm her Schön Saarbrück. 206; vgl. auch Authenrieth pfälz. id. 137. weitergebildet, 'arbeit, die in kurzer zeit vollbracht wird': s isch numme e sturmen Follmann lothr. 511. III@77) ein gegenstück zu 2strudel (s. oben sp. 99) und wohl mit dem gleichen bedeutungsgang, in schweizerischen maa.: sturm warme speise, z. b. von obst und erdäpfeln, wie zu einem brei eingerührt Stalder 2, 416; ähnlich Hunziker Aarg. 264; meist componiert: apfel-, kirschensturm Stalder a. a. o. IVIV. zusammensetzungen. das wort ist eine überreiche fülle von zusammensetzungen eingegangen, vornehmlich ausgehend von sturm 'procella' und 'impetus', bei diesem wieder besonders reich auf dem gebiet militärischer belagerungstechnik. während die hauptmasse dieser zusammensetzungen in der alphabetischen reihe erscheinen, wird im folgenden eine anzahl von hauptsächlich dichterischem gepräge aufgeführt, die, einzeln ohne fortwirkung, in ihrer gesamtheit doch typischen rang beanspruchen. IV@11) participia präteriti; nur wenige schlieszen an sturm I an, z. b. sturmbegeistert: viele unserer besten, sturmbegeisterten soldaten Hindenburg aus meinem leben 198; -berannt: (dasz) Barcellona sturmberannt (ist) Regis Bojardos verl. Roland (1840) 21; -ergraut: ein sturmergrauter held W. Hertz ges. dicht. 358. die grosze masse schlieszt an sturm II an; eine auslese folge. sturmbefittigt: ein dithyramb, ein glänzender, musz luftig, recht dunkel, nebelhaft und nachtblau sein, und sturmbefittigt Seeger Aristophanes 2, 205; -befreit: von sturmbefreyten höhn Wieland I 1, 224 akad.-ausg.; in dem stillen, sturmbefreiten äther Schubart sämmtl. ged. (1825) 2, 244; -beherrscht: auf den sturmbeherrschten meeren Platen dramat. nachl. 88 lit.-denkm.; -beherzt: und sturmbeherzt und donnerfroh hinfuhr der segler im triumph Strachwitz ged. (1850) 262; -beladen, s. Campe 4, 736a; -beschützt: aus ihres glückes sturmbeschützter ruh Grillparzer (1892) 7, 19; -bestrichen: ich stand auf sturmbestrichnem, granitnem bergeshaupt H. Conradi ges. w. 1, 56; -betäubt, s. Campe 4, 736a; -durchbraust; des lebens wilden, sturmdurchbrausten baum O. Ludwig 3, 198; wie sturmdurchbrauster wald Arent-Conradi-Henckell mod. dichtercharaktere (1885) 277; -durchbrüllt: in sturmdurchbrüllter winternacht H. C. L. Lindenmeyer ged. 128; -durchheult: von sturmdurchheultem hagel, regen G. A. v. Maltitz Hans Kix 143; -durchjagt: da hatte rings am sturmdurchjagten feuer sich seine bande hingestreckt G. A. v. Maltitz Hans Kix (1827) 170; -durchnäszt: aber nicht bei mast und tau, nicht auf planken sturmdurchnäszten Freiligrath ges. dicht. 3, 198; -durchrast: beruhigend das sturmdurchraste reich E. Ortlepp lieder eines politischen tagwächters (1843) 141; auf sturmdurchrastem meere O. v. Redwitz Thomas Morus 289; -durchsaust: des firmamentes leuchtendes gewölbe schüttelt sich wie eine sturmdurchsauste eiche Grabbe 1, 250 Blumenthal; eine finstere, eine sturmdurchsauste nacht R. Hamerling 9, 353; -durchtobt: wenn der schiffer auf der sturmdurchtobten see verzagen will Grabbe 1, 248 Blumenthal; -durchtost: das schicksal segn' ich, dasz es mich die zelle liesz finden, die mich so in sturmdurchtoster welt, ganz von sturm schied und nicht ganz von helle Fr. Rückert 3, 136; -durchweht: aus dem sturmdurchwehten buche Cl. Brentano ges. schr. 3, 386; auf sturmdurchwehtem bette Grillparzer (1892) 4, 80; -durchwogt: nach sturmdurchwogter nacht G. H. Wegener maurerische gedichte 7; -durchwühlt: aus sturmdurchwühltem meer Eichendorf sämtl. w. 4, 249; bis zum sturmdurchwühlten Pontus graf Schack ges. w. 3, 62; in der weiten sturmdurchwühlten wasserwüste meines daseins J. Krebs d. mod. rübezahl (1837) 1, 80; -durchwütet: da fluthete wilder des unterweltdonnrers sturmdurchwüthete, blutende brust F. v. Sonnenberg Donatoa (1807) 2, 1, 179; vom strand des sturmdurchwütheten Baikals Kanngieszer Tataris 232; -entastet: jene sturmentastete tanne J. W. Petersen Ossian (1782) 170; -entfacht: und falbe nebel schleifen, sturmentfacht Arent-Conrad-Henckell mod. dichtercharaktere (1885) 173; -entflohen: des sturmentflohnen meeres hohe brandung Baggesen poet. w. 4, 85; -entlaubt: ihre mirthe, sturmentlaubt K. v. Haugwitz ged. (1804) 101; -entmastet: ähnlich dem sturmentmasteten schiff Pyrker Tunisias 11, 17; -erfüllt: ein sturmerfüllter wind J. v. Sandrart iconologia deorum (1686) 44b; -erkrankt: verzweifelter pilot! nun treib auf einmal dein sturmerkranktes schiff in felsenbrandung! Shakespeare 1, 162; -erschreckt: die sturmerschreckte nacht v. Maltitz Hans Kix 86; -erschüttert: führest den frieden zurück in die sturmerschütterten gauen Pyrker sämtl. w. 2, 82; -erstarrt: enkel! deine stirn ein sturmerstarrtes meer! Grabbe 3, 456 Blumenthal; -erwühlt: wie am nordstrand ringsumher die wellen sturmerwühlt aufbranden und zerschellen A. Ruge sämtl. w. 10, 62; -erzeugt: aus den sturmerzeugten seen G. Herwegh Lamartine 5, 709; -gebauscht: in sturmgebauschtem gewande Laistner nebelsagen (1879) 195; -gebeugt: du sturmgebeugte ähre Cl. Brentano ges. schr. 1, 489; am sturmgebeugten baum A. v. Droste-Hülshoff 2, 160; uneigentlich: du folgst dem armen sturmgebeugten mann Rollett wanderbuch (1846) 212; -gebläht: ein schwarzes segel, sturmgebläht D. v. Liliencron 9, 47; -gebrochen: warum haut ihr den mast der sturmgebrochenen fichte Herder 26, 134 S.; im gegensatz sturmgebrochener kraft und herrlichkeit Kosmeli harmlose bemerkungen (1822) 27; -gedämpft: ein sturmgedämpfter chor C. F. Meyer ged. (1900) 9; -gefährdet: nachdem das grosze portugiesische admiralschiff ... zweimal um das sturmgefährte haupt der guten hoffnung gefahren E. Francisci lufftkreis (1680) 1145; -gefaszt: denn der stunden rohe hast warf ihn in den lärm des lebens sturmgefaszt Körner 1, 131 Hempel; und vor dir trieb ein fahrzeug, sturmgefaszt Freiligrath ges. dicht. (1870) 5, 36; -geflügelt: windfüszigem renner rannt' er sturmgeflügelt nach Rückert 12, 137; -gegeiszelt: sturmgegeiszelt stürzen die wälder in den abgrund J. W. Petersen Ossian 418; -gehäuft: und traurend hängt der sturmgehäufte himmel Harries Thomsons jahreszeiten 257; -gehetzt: das sturmgehetzte schiff E. Müller Simson und Delila 14; -gemischt: durch sturmgemischten regen J. v. Pietsch ges. schr. (1740) 74; -geprüft: ein sturmgeprüftes, düster gefaltetes wolkenmeer Arent-Conrad-Henckell mod. dichtercharaktere (1885) 215; wenn sie fliegt, wird stets der taube flug ein sturmgeprüfter himmelsflug sein J. Frey ges. dichtg. (1899) 223; -gequält: gleich einem sturmgequälten schiff Spielhagen 3, 572; -gerüttelt: aus sturmgerüttelter hütte kreis G. Hauptmann Pippa 82; -geschaukelt: des meeres sturmgeschaukelte fluth Pyrker Tunisias 12, 165; im leichten sturmgeschaukelten boot graf Schack ges. w. 2, 363; -gescheucht: durch sturmgescheuchte wolken v. Maltitz Hans Kix 64; -geschirmt: aus Putlitz sturmgeschirmten wogen E. M. Arndt 5, 145 Rösch - Meisner; -geschlagen: das sturmgeschlagne meer Grabbe 1, 23 Blumenthal; -geschliffen: auf der berge stolzen, blanken, sturmgeschliffenen felsenkronen C. Hepp weiszdorn (1890) 132; -geschüttelt: wie ein sturmgeschüttelter bergwald Hamerling 8, 91; -geschützt: an sichre sturmgeschützte orte A. v. Droste-Hülshoff 2, 42; das thal scheint so sturmgeschützt J. Nordmann meine sonntage 62; -geschwellt: die sturmgeschwellten segel J. D. Gries Ariostos ras. Roland 4, 166; -geschwungen: die sturmgeschwungnen abendglocken J. Nordmann ged. 26; -gesichert: baut ihr von stein und eisen ein sturmgesichert haus G. Keller 10, 39; -gestählt: diesz sturmgestählte herz M. v. Collin 3, 312; -gewohnt: nicht sturmgewöhnt sind eure blonden locken Herwegh Lamartine 5, 73; bange wards den sturmgewohnten an dem heimatlichen strand A. Schlönbach Stedinger freiheitskampf (1864) 64; -geworfen, s. Campe 4, 738a; -umheult: und wüthend von den sturmumheulten Andes herabgeschleudert Harries Thompsons jahreszeiten 114; -umsaust: horch! in dumpfer ferne braust meerestosen, sturmumsaust E. Müller Simson u. Delila 92; -umtobt: an den sturmumtobten fels F. L. v. Stolberg ges. w. 15, 3; am sturmumtobten mast Grillparzer (1892) 5, 23; -umwettert: in deinen zügen, fast von mädchenweiche, wer ahnt darin den künftigen gewaltigen, den sturmumwetterten, den erzgestaltigen der da zerschlagen wird und aufbaun reiche? F. Dahn gedichte (auswahl 1908) 433; -umwirbelt: von fliegenden monden sturmumwirbelt, herab stürzt sich des Kronos sohn Baggesen poet. w. 2, 141; -umwütet: zum Altai hinauf und dem sturmumwütheten Sagan P. F. Kanngieszer Tataris 112; -verschlagen: wie sturmverschlagne schiffer graf Schack ges. w. 3, 51; -verschont: das alltagsglück, das sturmverschonte, junge E. v. Schönaich-Carolath ged. 63; -verschüttet: das bleiche dörrende gebein von sturmverschütteten kamelen graf Schack 3, 293; -versehrt: und mitten inne dieser schlucht erhebt ein baum sich, sturmversehrt Freiligrath 2, 210; -vertragen: der see in der tiefe trug flammende streifen, als schwämmen da und dort sturmvertragene feuerbrände über die flut E. Zahn Luk. Hochstraszer 7; -vertraut: sturmvertraut ist mein panier F. Dahn ged. (auswahl 1908) 226; wenn des lüftedurchsegelnden sturmvertrauten adlers trübere tage kommen J. Frey ges. dichtungen (1899) 189; -verweht: die täuschung neu entzündeter, sturmverwehter flamme Waiblinger ged. aus Italien 43 Grisebach; über ... sturmverwehten greisen haaren C. F. Meyer ged. (1900) 146; -verwirrt: dies sturmverwirrte lied Cl. Brentano 1, 399; -zerfetzt: die sturmzerfetzten segel Grabbe 1, 24 Blumenthal; die sturmzerfetzten wolken Hebbel I 8, 11; -zernagt: auf sturmzernagtem pfade graf Schack 2, 245; -zerpeitscht: (die birke) paszte so gut dahin, die halbkahle, sturmzerpeitschte, wurmstichige H. Löns heidebilder 110; -zerrissen: dasz durch den mantel doch, den sturmzerrissnen, der nacht, der um die köpf uns hängt, ein einzges sternbild schimmernd niederblickte! H. v. Kleist 2, 415; ich lieb den sturmzerrisznen kahn J. Nordmann ged. 291; -zerschlagen: unter den Kretern hab er ihn bessern gesehen die sturmzerschlagenen schiffe J. H. Voss Odyssee 262 Bernays; das fahle, sturmzerschlagne laub im herbste Freiligrath 2, 208; -zerstört: ein alter turm mit sturmzerstörten mauern G. Etzel John Keats ged. 72; -zerwühlt: die sturmzerwühlte see Freiligrath 5, 28. IV@22) participia präsentis: sturmatmend: sturmathmende gottheit Göthe 2, 70 W.; die vierschrötigen, sturmathmenden Alpengeister Grillparzerjb. 6, 49; -aufrauschend: im sturmaufrauschenden weltmeer F. v. Sonnenberg ged. (1808) 91; -blendend: ja, der ist ein sturmblendendes gewitterhaupt — Beethoven P. Hille ges. w. 407; -dröhnend: stimmen und das klappern der billardbälle schallen in die sturmdröhnende nachteinsamkeit J. Schlaf der narr (1902) 102; -bergend: weithinblauendes, stürmebergendes, nie ergründetes meer! G. Renner ged. 167; -brausend: so donnert dann sein lied herab, das sturmesbrausende O. Ludwig ges. schr. 1, 65; -bringend: dunkel zieht sie (eine wolke) und stürmebringend über die wogen F. L. v. Stolberg ges. w. 11, 127; -brütend: wie stürmebrütend graungewölk sich unstät an dem himmel ergeuszt Ahlwardt Ossian 1, 162; -erregend: alle sturmerregenden winde Winckelmann s. w. 8, 291; -höhnend: sturmhöhnender fels! J. W. Petersen Ossian (1782) 352; -knarrend: und ging mit dem topf essen im arm durch die dunkelzerwühlten sturmknarrenden kiefern F. Hugin Hahn Berta (1908) 134; -leidend: wie du nu, herr, allzeit der sturmleydenden port (bist) Weckherlin ged. 1, 334 Fischer (s. auch 431); -rasend: auf diesem meere, auf diesem sturmrasenden elemente B. Goltz jugendleben (1852) 2, 109; -rufend: und kaum war die schlachtordnung gebildet, so flog sie auch wieder nach allen seiten sturmrufend auseinander Fouqué jahreszeiten (1814) 4, 87; -schüttelnd: der sturmschüttelnden Ägis Minervens vergleichbar E. Gerhard akad. abhandlungen (1866) 1, 321; -trotzend: diese (eichel) zum tausendjährigen stürmetrotzenden baume gedeiht C. F. Cramer Neseggab 8, 16; -verachtend: der sturmverachtende waidmann J. H. Voss Luise 3, 2, 330; -verhöhnend: eine sturmverhöhnende fichte J. W. Petersen Ossian (1782) 68; -verkündend: das schwirrende kreischen der sturmverkündenden möwen E. T. A. Hoffmann 3, 162 Grisebach; die, lange von den seeleuten gefürchtete, sturmverkündende erscheinung A. v. Humboldt kosmos 3, 342; übertragen: im auge eine verfinsterung, durch welche es sturmverkündend blitzte J. v. Düringsfeld die literatur 1, 116; -wehrend: sturmwehrende völker beschirmen mauern und schlosz P. F. Kanngieszer Tataris 242; -wetternd: (wut, die) ... sturmwetternd ihn bedreute J. D. Gries Ariostos rasend. Roland 4, 357; -wütend: (nun) stürzten gewitter wie riesengebirge zu tausendmal tausend ... über das haupt des todesolymps sturmwüthend herunter Fr. v. Sonnenberg (1807) Donatoa 2, 1, 117.
86935 Zeichen · 1696 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    sturmst. M. (a)

    Köbler Ahd. Wörterbuch

    sturm , st. M. (a) nhd. Sturm, Unwetter, Aufruhr, Getöse, Kampf, Getümmel, Tumult ne. thunderstorm, uproar ÜG.: lat. mot…

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    sturmstf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +8 Parallelbelege

    sturm stf. sturmglocke. von der storm, storme zu lûden Frankf. rechenb. 1429.

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Sturm

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Der Sturm , des -es, plur. die Stürme, ein Wort, welches ein heftiges mit Gewalt verbundenes Getöse durch seinen Laut na…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Sturm

    Goethe-Wörterbuch

    Sturm [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Sturm

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +8 Parallelbelege

    Sturm , Angriff der Truppen auf feste Stellungen oder Festungswerke, die mit der blanken Waffe genommen werden sollen. F…

  6. modern
    Dialekt
    Sturm

    Elsässisches Wb. · +8 Parallelbelege

    Sturm [ʿStûrm Liebsd. Mü. ; ʿStùrm Olti. Hi. Co. Str. U. ] m. 1. Sturm Olti. Mü. Zss. Sturmwëtter. 2. Rausch Str. 3. Hut…

  7. Sprichwörter
    Sturm

    Wander (Sprichwörter)

    Sturm 1. Der Sturm bläst das Feuer aus oder facht es an. Dän. : Stormvind enten udslukken ilden, eller gjør den alt for …

  8. Spezial
    Sturm, und Drangm

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Sturm , m und Drang Буря , ж и натиск

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit sturm

734 Bildungen · 660 Erstglied · 71 Zweitglied · 3 Ableitungen

sturm‑ als Erstglied (30 von 660)

Sturm I

SHW

Sturm I Band 5, Spalte 1619-1620

Sturm II

SHW

Sturm II Band 5, Spalte 1621-1622

Sturmband

SHW

Sturm-band Band 5, Spalte 1621-1622

Sturmbock

SHW

Sturm-bock Band 5, Spalte 1621-1622

Sturmbrett

SHW

Sturm-brett Band 5, Spalte 1621-1622

Sturmdach

SHW

Sturm-dach Band 5, Spalte 1621-1622

Sturmglocke

SHW

Sturm-glocke Band 5, Spalte 1621-1622

Sturmhaken

SHW

Sturm-haken Band 5, Spalte 1621-1622

Sturmhaube

SHW

Sturm-haube Band 5, Spalte 1621-1622

Sturmhut

SHW

Sturm-hut Band 5, Spalte 1621-1622

Sturmkappe

SHW

Sturm-kappe Band 5, Spalte 1621-1622

Sturmlampe

SHW

Sturm-lampe Band 5, Spalte 1621-1622

Sturmleiter

SHW

Sturm-leiter Band 5, Spalte 1621-1622

Sturmregen

SHW

Sturm-regen Band 5, Spalte 1621-1622

Sturmriemen

SHW

Sturm-riemen Band 5, Spalte 1621-1622

Sturmrisser

SHW

Sturm-risser Band 5, Spalte 1623-1624

Sturmsenkel

SHW

Sturm-senkel Band 5, Spalte 1623-1624

Sturmstange

SHW

Sturm-stange Band 5, Spalte 1623-1624

Sturmwetter

SHW

Sturm-wetter Band 5, Spalte 1623-1624

Sturmwind

SHW

Sturm-wind Band 5, Spalte 1623-1624

Sturmwolke

SHW

Sturm-wolke Band 5, Spalte 1623-1624

sturm als Zweitglied (30 von 71)

Bildersturm

RDWB1

Bildersturm m иконоборчество, реже иконоклазм

Schneesturm

RDWB1

Schneesturm m вьюга, метель, буран, снежная буря, пурга

anesturm

KöblerMhd

anes·turm

anesturm , st. M. nhd. Ansturm Q.: Schürebr (um 1400) (FB anesturm) E.: s. ane, sturm W.: nhd. Ansturm, M., Ansturm, DW 1, 494, DW2 2, 1435 …

Anke(n)sturm

Idiotikon

Anke(n)sturm Band 11, Spalte 1492 Anke(n)sturm 11,1492

bildsturm

DWB

bild·sturm

bildsturm , m. was bildersturm: gleich als wenig ich zu ainichem bildsturm ervordert worden bin. Schertlins brief vom 26 jan. 1537 in Herber…

Bire(n)sturm

Idiotikon

Bire(n)sturm Band 11, Spalte 1494 Bire(n)sturm 11,1494

Blüemlisturm

Idiotikon

Blüemlisturm Band 11, Spalte 1494 Blüemlisturm 11,1494

Char(r)e(n)sturm

Idiotikon

Char(r)e(n)sturm Band 11, Spalte 1493 Char(r)e(n)sturm 11,1493

chatzeⁿsturm

Idiotikon

chatzeⁿsturm Band 11, Spalte 1500 chatzeⁿsturm 11,1500

chatzsturm

Idiotikon

chatzsturm Band 11, Spalte 1500 chatzsturm 11,1500

Chirsisturm

Idiotikon

Chirsisturm Band 11, Spalte 1493 Chirsisturm 11,1493

chotzsturm

Idiotikon

chotzsturm Band 11, Spalte 1500 chotzsturm 11,1500

chutzsturm

Idiotikon

chutzsturm Band 11, Spalte 1500 chutzsturm 11,1500

Chüechlisturm

Idiotikon

Chüechlisturm Band 11, Spalte 1493 Chüechlisturm 11,1493

füdlo(ch)sturm

Idiotikon

füdlo(ch)sturm Band 11, Spalte 1500 füdlo(ch)sturm 11,1500

Fǖrsturm

Idiotikon

Fǖrsturm Band 11, Spalte 1492 Fǖrsturm 11,1492

Generāl-Sturm

Adelung

general·sturm

Der Generāl-Sturm , des -es, plur. die -Stürme, im Kriegswesen, ein Sturm, der von dem ganzen belagernden Corps auf einen Ort unternommen wi…

Glogge(n)sturm

Idiotikon

Glogge(n)sturm Band 11, Spalte 1492 Glogge(n)sturm 11,1492

hagelsturm

DWB

hagel·sturm

hagelsturm , m. sturm der hagel mit sich führt: sihe, ein starker und mechtiger vom herrn, wie ein hagelsturm, wie ein schedlich wetter, wie…

hauptsturm

DWB

haupt·sturm

hauptsturm , m. : weil das geschrei kam, wie der feind einen allgemeinen hauptsturm wolte anlaufen lassen. Zigler Banise (1700) 549 .

häxeⁿsturm

Idiotikon

häxeⁿsturm Band 11, Spalte 1500 häxeⁿsturm 11,1500

Ableitungen von sturm (3 von 3)

ersturmen

KöblerMhd

ersturmen , sw. V. Vw.: s. erstürmen

Sturme

DRW

Sturme, f. wie Sturmglocke bdv.: Stürmerin weres ... das man die storme ludite, das man iderman zu stont bereit sulde sin uff thorne und lec…

ursturm

DWB

-sturm G. Scheidtmann studien über das junkerthum (1850) 5 .