sturmhaube,
f. ,
seit dem 16.
jh. verzeichnet. 11)
die kopfbedeckung. 1@aa)
ursprünglich wohl eine haube aus festem stoff zum schutz des kopfes: (
das wasserrosz) hat ... ein harte haut, darausz man schyltlin und sturmhauben machet v. Eppendorff
Plinius (1543) 8, 61; vergönnt mir zuvor dem eigenen herzen luft zu machen, denn es wird von der liebe gepreszt wie das leder zu einer sturmhaube A. v. Kotzebue
sämtl. dram. w. 25, 221;
scherzhaft: weintrichter warn ir sturmhaubn, ir pulverflasch gebraten tauben H. Sachs 5, 339
lit. ver. aber schon bald wird sturmhaube
gleichbedeutend mit '
helm'
gebraucht, vgl. cassis sturmhauben Dentzler
clavis ling. lat. (1716) 2, 281
a; helm, eine sturmhaube Gottsched
dtsch. sprachkunst (1748) 78; merckt ihrs ir eyerbrütling, warumb ir im helm geboren werd und warumb ihr weint, wann man euch dieselb sturmhaub abzieht? Fischart
Gargantua 309
ndr.; auch wenn antiken göttern die sturmhaube
beigelegt wird, ist natürlich immer der helm gemeint: die (
Pallas) hat umb die sturmhaub von öhlbaum einen kranz Weckherlin
ged. 2, 356
lit. ver.; der wilde krieg ... ist den wissenschaften hold, und ich glaube, dasz die wissenschaftsgöttin Minerva um deswillen eine sturmhaube, lanze und andere kriegsrüstung trage, auf dasz man erkenne, wie wol die wissenschaft und der degen zusammen stehen Lindenborn
Diogenes (1742) 1, 63; wann ich erst Alexander dem Groszen seine sturmhaube mit füssen tretten werde Zend. a Zendoriis
teutsche winternächte (1682) 425;
auch sonst geht aus dem zusammenhang vielfach hervor, dasz unter sturmhaube
direct ein helm zu verstehen ist: wenn man die rüstung fieret, soll ein jeder ruckhen und krebs, schurz und ermel, auch kragen und plechhandschuch, auch alle einspennige, junckhern und knecht ire sturmhauben füeren (16.
jh.)
pfälz. hofordnung 2, 191
Kern; da sahen sie von der lincken seiten her vier reuter mit panzern und sturmhauben herzunahen Bucholtz
Herkuliskus (1665) 110; ihre groszen schilde, ihre schweren harnische ... und das gewicht ihrer sturmhauben hindert sie von allen seiten zu fechten
M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 2, 79;
besonders aus der beschreibung: auf dem kopf hatte er eine von messing gegossene sturmhaube J. Chr. Beer
Asia (1681) 1, 205
b; bedeckt euer haupt mit der drohenden sturmhaube, ergreift das breite gute schwert! E. T. A. Hoffmann
sämtl. w. 11, 39
Grisebach; die krieger muszten glühende ... flocken von ... den reichbefiederten sturmhauben losschütteln Fouqué
jahreszeiten (1812) 2, 47.
im 19.
jh. ist dann auch die soldatische kopfbedeckung ebenfalls noch sturmhaube
genannt worden; zunächst ironisch von der preuszischen 1843
neueingeführten pickelhaube: tragen sie ... casketts von glänzendem wachsleinen, oder haben sie auch die preuszische sturmhaube schon über sich kommen lassen, ich weisz es nicht K. Gutzkow
ges. w. 4, 404;
nach Bächtold
nennt der Schweizer soldat heute sein käppi sturmhube
aus leben u. spr. d. Schweizer soldaten (1916) 60.
vgl. auch sturmhube
helm der '
feuerläufer' Staub-Tobler 2, 954;
von hier übertragen: demokratische sturmhaube '
heiszsporn'
ebda. 1@bb)
gelegentlich wird aus der ähnlichkeit heraus auch eine frauenkopfbedeckung als sturmhaube
bezeichnet, vgl. auch sturm III 2: sturmhube
frauenhaube mit sog. '
stürmen' (17.
jh.) Staub-Tobler 2, 954; den bürgerfrauen muszte es oft untersagt werden, nicht mit ... sturmhauben einherzustolziren Becker
weltgesch. 5, 217. 1@cc)
aus demselben grunde findet man die —
allerdings seltene —
verwendung von sturmhaube
als '
maske'
im 18.
jh.: statt der masque, deren sich Nestan im zweeten aufzug bedient, musz sturmhaube gesetzt werden Löwen
schr. (1765) 4, b 7
a; ich habe sie schon gesehen ... diese komödienspieler ..., die den kopf in ... sturmhauben stecken hatten Wieland
Lucian v. Samosata (1788) 4, 349.
vielleicht hiesz auch so im 18.
jh. eine art strafmaske für verbrecher: damit auch vor allen dingen hierbey die heylsame justiz in acht genommen werde, ist noch hierzu unentbehrlich ein jagdlandknecht oder jagdvoigt, welcher ... die verbrecher oder rebellische bauern schlieszen und feste machen, und einem verbrecher die sturmhaube gewöhnlich auffsetzen kan H. v. Fleming
vollk. jäger (1719) 1, 276. 1@dd)
ebenso hatten die männer im 18.
jh. eine art hohen hutes, den sie sturmhaube
nannten (
vgl.stürmer 2 e): ich ... verlor auf dem alten neumarkte meine sturmhaube vom kopfe
der Leipziger avanturieur (1756) 1, 196; ach Phyllis! um gleich jenen knaben in sturmhaub und perrück und stern so froh die fluren zu durchtraben Lenz
ged. 113
Weinhold; wir sind beyde zu gutmüthig, um nicht jedem seine sturmhaube ... zu gönnen Thümmel
reisen 4, 261;
im 19.
jh. bestand zwar noch das hutformat, aber der alte name nur noch vergleichsweise: er hatte nicht unterlassen ..., einen hut aufzusetzen, der mit hoch emporragender krempe einer sonderbaren sturmhaube glich E. T. A. Hoffmann
sämtl. w. 11, 52
Grisebach. 22)
aus gründen der ähnlichkeit finden mehrfach übertragungen in wissenschaftlicher nomenclatur statt. 2@aa)
cassis, der helm, die sturmhaube oder haube
das obere und gröszere, helm- oder mützenförmige kelchblatt bei aconitum Bischoff
wb. d. beschr. botanik 32. 2@bb) sturmhaube
wolfswortel, munnikskapjes Kramer-Moerbeek (1768) 333
c. 2@cc)
eine schneckenart: buccina cassidea Nemnich 583;
s. auch Zappe
mineral. handlex. 1, 235; Ritter
erdk. 1, 832. 2@dd)
ein schmetterling: phalaena libatrix Nemnich 583. 2@ee)
medicinisch: '
eine besondere art eines heftigen kopfschmerzes, der ringsum den kopf wie ein breites band oder wie eine sturmhaube einschlieszt',
neuralgia (18.
jh.)
bei Höfler
krankheitsnamen 221.