pflug,
m. aratrum. ein altes (
dem goth. jedoch fehlendes)
lehnwort, das die Germanen schon vor der zeit der ersten lautverschiebung auf ihren wanderungen müssen angenommen haben (
vgl. gramm. 1, 397. 3, 414):
langobardisch in latinisierter form plovus, plous (
lex Roth. 293
um die mitte des 7.
jahrh.);
ahd. plôh, pluag,
verschoben phluog, phluoch, fluoc, fluog;
mhd. phluoc, pfluoc;
md. phlûc, phlûch, plûc;
mnd. plôch, plûch (Schiller-Lübben 3, 349
b),
nd. ploog, plaug (Schambach 156
a);
mnl. ploegh (Kilian 407
b),
nnl. ploeg;
ags. plôh (Leo 521, 20),
altengl. plow,
neuengl. plough;
altfries. ploch,
neufries. pluwge,
nordfries. plog (Richthofen 980
a);
altn. plôgr,
schwed. plog,
dän. ploug, plov.
dazu stimmt die wol aus dem germanischen entlehnte (
gramm. 3, 414,
dagegen wird gesch. der d. sprache 56
entlehnung aus dem slav. vermutet)
lituslav. sippe: lit. pliugás,
altslav. russ. plugŭ,
poln. plug,
böhm. pluh Miklosich 574
b.
die etymologie des wortes harrt noch der endgültigen aufklärung, die auch hier nicht gegeben werden kann; nur einige ältere und neuere vermutungen über die abstammung mögen aufgezählt werden: Egenolff
historie der deutschen sprache (1735) 1, 147
leitet es ab von griech. πολεῑν (
mit und ohne γῆν,
das erdreich umwenden, umpflügen, lat. bei Ennius polare agros); J. Grimm
geschichte der d. sprache 56
stellt pflug
mit sanskr. plava
schiff, griech. πλοῖον zusammen ('
sowie die Arier von einem das meer durchpflügenden schiff sprachen, so sprachen sie auch von einem über die felder hinsegelnden pflug, und so kam es, dasz derselbe name beiden werkzeugen beigelegt wurde'
M. Müller
vorlesungen über d. wissenschaft der sprache 1, 214),
während Zehetmayr 337
b es zu dem aus derselben wurzel wie sanskr. plava
abgeleiteten lat. plaustrum (
wagen)
hält; Wackernagel im
handwb. 226
b leitet es ab von pflegen (
wegen der 3.
bedeutung),
wogegen schon der ablaut uo
spricht; übrigens hat schon Steinbach 2, 183
diese ableitung aufgestellt: pflug, womit man was pflegt; Scherer
hält es (
stamm plôga)
für ein germanisches wort, s. zeitschrift für d. alterthum 22, 235.
gesch.2 270; Fick
in Kuhns zeitschrift stellt es zum lakonischen εὐλάκα pflugschar. Das altgerm. besasz aber auch einheimische ausdrücke für dieses älteste und wichtigste ackergeräth: goth. Luc. 9, 52 hôha,
ahd. huoho
zu folgern aus dem dim. huohili (
vgl.haken,
hakenpflug th. 4
2, 178);
ags. sulh (Leo 634, 58),
urverwandt mit lat. sulcus;
alts. erida,
altn. arðr
urverwandt mit lat. arare (
goth. arjan),
s. gramm. 3, 414
f. gesch. der d. sprache 56.
vergl.arl theil 1, 551
und Lexer
kärnt. wb. 8
f. 11)
der pflug
ist das den acker durchschneidende und umbrechende geräth: in Italien erfand künig Sabatius, Saturnus zuegenambt, pflueg sichel sengs
u. s. w. Aventin. 4, 93, 10; einen pflug nennet man das instrument, damit man ackert, oder damit man erstlich brachet, wendet, stürtzet und arnet. Colerus 2, 144
a (
worauf die theile des pfluges beschrieben werden, s. die zusammensetzungen); schwärer, gebogner, krumber pfluog. Maaler 318
a; hültzene, eiserne pflüg. J. D. Wunderer
in Fichards Frankf. archiv 2, 191
ff. (
vom jahre 1590); des hackigen pfluges erfinder. Voss
Verg. georg. 1, 19; des gebogenen pflugs kernholz. 1, 162; diesz ding von eisen, das nur wenge schätzen .., diesz werkzeug, das unschuldger als das schwert dem frommen fleisz den erdkreis unterworfen
u. s. w. Schiller 11, 350.
im einzelnen ist nach der construction hervorzuheben 1@aa) pflug
als subject: uns errent (
uns ackern) sîne pluagibî jâron ia ginuagi. Otfrid 2, 4, 43; pfluog, der tieff im erdtrich gadt. Frisius 120
b; die eilfte wochen nach weihnachten soll der pflug auf dem acker sein. Colerus 1, 41
b; ein pflug kan einen acker einen tag ... wol pflü
gen. 2, 125
a; ich sah den pflug, wie sanft er glitte, den boden von einander theilt. Brockes 7, 494; zwar die natur bedeckt dein hartes land mit steinen, allein dein pflug geht durch, und deine saat errinnet (
geht auf). Haller
die alpen 52; hier hat der pflug geschnitten, hier der sech gegraben. Gleim 6, 106; lockerung (
des bodens) ahmet der pflug nach. Voss
Verg. georg. 2, 204; der scharfe pflug, er rottet unkraut und wurzeln, dorn und disteln aus, damit die wüstenei zum garten werde. Herder 1, 227
H.; erst musz der pflug den harten grund zerspelten, eh fröhlich sich die junge saat erhebt. Schulze
Cäcilia 64, 11; (
grund,) den tief der pflug gefurcht. Alxinger
Bliomb. 11, 22; der gierge pflug wird in die gräber dringen. Lenau (1880) 1, 84; die pferde waren im gang und der pflug strich. Auerbach
ges. schriften 17, 73; die pflüge gingen voran und wühlten den boden auf.
zur guten stunde 2, 182.
sprichwörtlich: das uns zuwegen bringt der pflug, darf nit besorgen falsch und trug. Kirchhof
wendunm. 2, 258 (2, 2, 110)
Öst.; was soll ein pflug, darin kein schar? Eyering 2, 532; borgen macht sorgen, darumb soll man nicht mehr verzehren, als der pflug kan ernehren. Lehmann 1, 122, 9; der degen hat den kaiser arm gemacht; der pflug ists, der ihn wieder stärken musz. Schiller 12, 70 (
Piccol. 1, 2); der pflug erhält die welt; ein gebrauchter pflug blinkt, rostet nicht; scharfe pflüge machen tiefe furchen; was der pflug gewinnt, friszt das gesind
u. a. bei Wander 3, 1331
ff.; wo der pflug hingeht, da geht auch der zehent hin. Hillebrand
rechtssprichw. nr. 252; wo der pflug fehlt, da kann der acker nicht gebauet werden. Möser 3, 258. 1@bb) pflug
als object (
oder passivisch als subject): ein pfluoc
an si (
ochsen) geheftet was mit starken isen, den si begunden wîsen unde ziehen durch den wert (
insel). Konrad
troj. krieg 9748; swen sî den pfluoc begrîfent bî dem horn.
minnesinger 3, 213
b; ob ich dir ie gemente od phluoc in furch gedente (
den pflug durch die furchen zog).
meier Helmbrecht 308; ich (
der bauer) muost lassen sten mein pflüge.
fastn. sp. 472, 22; vil griffen den pfluog an gar resch. S. Brant 84
überschrift; du muost ... den pfluog angriffen und die hend an den geitz richten. Keisersberg
post. 3, 60
a; den pfluog richten, heben, umbkeeren. Maaler 318
a; es ist hinfort die zeit, den pflug zu stertzen.
V. Triller,
Wackernagels kirchenl. 4, 67, 4; den pflug führen, halten, lenken: wann der akhersman im frieling seinen pflug geen akher ausfirt.
weisth. 3, 680; es hat nit fug, das der menknecht hab den pflug.
fastn. sp. 716, 29; er treibt die pferd, sie hält den pflug. Kirchhof
wendunm. 2, 259 (2, 2, 12)
Öst.; (
welcher) den pflug hin lenkt auf dem brachfeld. Voss
Od. (1793) 13, 32; den pflug, den ältsten siegeswagen, lenkte .. ich (
kaiser Joseph) durch des landmanns hufen. A. Grün
ges. werke 2, 49; der pflug wurde nicht tief geführt. Gotthelf
Uli d. knecht (1854) 191; er drückt den pflug zu tief ein und bringt schlechten lettenboden herauf. Auerbach
ges. schriften 17, 73; (
bildlich) die wortgestalten einer auserwählten sprache für fruchtbare forschungen sicher kennen zu lernen, wird weniger durch ausdehnung des gebiets als durch heilsame schranke erleichtert, die den pflug ohne noth zu tief eingehn läszt bis auf stellen des bodens, wo kies und lehm mächtig werden. J. Grimm
kl. schriften 3, 170; den pflug (
die pflugthiere) ein-, ausspannen, treiben (wer den pflug hält, treibt die ochsen. Wander 3, 1332): denn die sorge begleitete uns.., es möchten der bürger etzliche die pflüge ausspannen und uns reitend einholen.
polit. maulaffe 151; der wache feldmann eilt mit singen in die felder und treibt vergnügt den schweren pflug. Haller
morgengedanken 18;
holsteinisch plog drieben,
die pferde vor dem pfluge führen Schütze 3, 219. —
sprichwörtlich: wer den pflug in die hand nimbt und sich ubet, der lernet ackern. Lehmann 777, 15; wer den pflug hält, treibt die ochsen; wer den pflug nicht führt, dem macht er keine furchen; wie man den pflug führt, so wird die furche; den pflug ziehen (
schwere arbeit verrichten)
u. a. bei Wander 3, 1332
ff.; (
wir) müssen auch im silberhaar unsre pflüge ziehen. Göthe 3, 352
H. den pflug
keilen, verkeilen (
s. keilen 2): wie man den pflug verkeilt, so ackert er. Wander; einem den pflug keilen,
ihm zusetzen, auf den leib rücken (
s. keilen 2,
c): also musz man den bauren den pflug keilen. Gryphius
lustsp. 336
P. 1@cc)
präpositionale fügungen in alphabetischer reihe: vil legen ir hant
an (
vgl. in) den pfluog. S. Brant 84, 1; wer seine hand an den pflug leget (
goth. ana hôhan), und sihet zurück, der ist nicht geschickt zum reich gottes.
Luc. 9, 62; dahero mein rath wäre, weiln er nunmehro die hand einmahl an pflug gelegt, bei demselbigen zu bleiben.
Salinde 306; an den pflug spannen (
s. 2); niemand wil gern an den pflug. Stieler 1449; das sie (
bauern) wider treten an den pfluog. Murner
narrenbeschw. 79, 71;
mit dativ: am pfluog ston. Maaler 318
a; am pfluge, wie die chronik lehrt, philosophirten unsre väter. Schiller 1, 261; du keuchst so schwer an deinem pflug. 247; und wieder wird ein bauer schmerzverhalten
bei seinem pfluge stehn. Meiszner
Ziska 180; die scheun' ist vollgedrängt von garben, die wir
durch pflug und sens' erwarben. Voss
ged. 2, 63; damit spant er in (
ochsen)
für den pflug. Waldis
Es. 2, 17, 4;
hinder dem pfluge hergehen. Stieler 1449; es sei denn, das wir glauben wollen, ... Hesiodus sei hinter dem pfluge gegangen. Opitz
poeterei 12
neudr.; wer hinter seinem pfluge über die scholle schreitet. Freytag
bilder (1867) 3, 459; hinterm pflug der bauer. Rückert
brahm. 15, 130; nioman sententi sîna hant
in phluog (
vgl.an) inti widarscowônti ist gifuoglîh gotes rîhhe.
Tatian 51, 4; wann man zwei ungleiche (ein iungs und ein alts) zesamen spant in die ee, so ist es eben als so man zwei ungleiche thier zusamen in ein pfluog spant, dy ziehent nimmer gleich miteinander. Keisersberg
evangelibuch (1515) 167
c; einen in den pflug spannen (
ihm die wahrheit derb sagen). Mathesius
Sar. 25
a;
mit dativ: den ochsen in dem pfluog anwätten. Forer
Gesners thierbuch 116
a; das rind wil nit im pfluog ziehen. Maaler 318
a; sô bouwe
mit dem phluoge.
meier Helmbrecht 545; die von rehte solten phlegen bûwes mit ir phluoge. Neidhart 84, 22; mit eime phluoge wolte ich ern (
pflügen) ûf einem harten griene. Konrad
troj. krieg 21932; ge und pau mit deinem pfluog.
fastn. sp. 472, 28; wenn man mit dem pfluge tiefer hinein arbeiten wil. Colerus 2, 144
b; aber der ackerer furcht mit gebogenem pfluge das erdreich. Voss
Verg. georg. 2, 513; dann duld' ich gern, dasz mir ein ackermann den sand der gruft mit dem klingenden pfluge bricht. W. Wackernagel
zeitged. 68; dann lehnt er (
der pflügende landmann) sich
über den wühlenden pflug, wirft braune wellen aufs erdreich. H. v. Kleist (1771) 2, 9; ein ackermann, so ein guth
unter dem pfluge hat (
es bebaut).
weisth. 3, 272; wenn auch der orden solche gütter unter seinen pflug nemen oder selbs brauchen wolte. Lennep
lands. 2, 108 (
vom jahre 1561); ein erd unter dem pflug sagt, ich leide. Abr. a S. Clara
Judas 4, 224; wildes land kriegte man unter den pflug. Gotthelf
Uli der knecht (1854) 191; ganz werde dir jährlich dreimal und viermal der grund durchschnitten
vom (
vgl. a) pflug. Voss
Verg. georg. 2, 399; aber ein salziges land .. nicht vom pfluge gezähmt wirds. 2, 239; knecht, der zwei schöne rappen vom pflug abspannt. Auerbach
zur guten stunde 2, 179; dann arbeite mir schon
vor dem tief eindringenden pfluge keichend der stier. 1, 45; der ochs vorm pflug einher, und hinterm pflug der bauer. Rückert
brahm. 15, 130; darum soltu wider
zu dem pfluog gan (
bauer sein).
fastn. sp. 349, 19; was zum pflug geboren ist, das dienet nicht zum hasen hetzen. Lehmann 543, 109. 22) pflug
in bildlicher verwendung wie schon theilweise bei 1: dâ von uns leider sint erlegen der êren pflüege, sît daʒ uns die ohsen sint verstorben.
minnes. 3, 12
a; wê, lasters pfluoc ert (
pflügt) nu durch mîne klûse. 23
a; euwer hertzen seint die acker ... und seint bereit worden durch dise heilige zeit mit dem pfluog meiner zungen und anderer predicanten. Keisersberg
narrenschiff (1520) 94
b; die fünf ochsen (
fünf sinne) sie mit fug bald spannen an des geitzes pflug. Spangenberg
ganskönig H 5
a; zwar könnt ich meinen pflug mit fremden kälbern treiben und ein geborgtes wort auf diese fluren schreiben. Stoppe
ged. 1, 3; so wollt' er in die noch ganz brach liegende landesgeschichte von ... seinen pflug einsetzen. J. Paul
Qu. Fixlein 172; der schwere scharfe pflug des lebens, der mühsam an der ernte arbeitet.
Tit. 4, 167. — mit einer den pflug ziehen (
mit ihr in den pflug gespannt, verheiratet sein). S. Brant 64, 82;
obscen: einer einen ungerischen pfluog richten. Keller
erz. 216, 14; den pflug zu beth füren. Lindener
schwankb. 46
Lichtenstein. 33)
eine andere bildliche verwendung liegt darin, dasz der pflug (
manchmal in verbindung mit acker
u. a.)
als ein hauptwerkzeug des nährstandes die allgemeinere bedeutung des hauptsächlichsten erwerbsmittels, des geschäftes, gewerbes und des dadurch gewonnenen lebensunterhaltes angenommen hat (
vergl. oben 1,
a der pflug kann ernähren, erhält die welt, was der pflug gewinnt
u. s. w.; sich vom pflug ernähren. Wander 3, 1333):
mhd. im gêt sîn phluoc (
geschäft, wirtschaft) harte wol, sîn hof ist alles râtes vol. Hartmann
armer Heinrich 787; von anders nihtiu gienc sîn pfluoc (
von nichts anderm gewann er seinen lebensunterhalt). Wolfram
Parz. 544, 15; ich nenn iu sînen besten phluoc: ze reht er phlac der wâfen.
Willehalm 244, 22; liegen, triegen ist ein pfluoc, der hât ackerliute genuoc. Freidank
2 168, 13; des wuochers pfluoc ist sô beriht, er bûwet noch enrüeret niht: er gewinnet nahtes alsô vil sô tages. 27, 15; geloben ist judisten pfluoc.
Renner 8635; nît, valsch sint noch des tiufels pfluoc. 15597;
nhd. anders zimt es sich gar wol vil wort zuo bruchen in dem gebett, als wir geistlichen ietzt in der fasten thuond und nit unbillich, wenn wir hond sust nüt anders zuo schaffen, .. es ist unser hantwerk und pfluog. Keisersberg
post. 2, 7
a; dann kriegen ist allein ir pfluog. Gengenbach
die x
alter 428; gib ich (
der arzt) nicht ein, so stät mein pfluog, drümb muosz purgiern haben fuog. Schwarzenberg 137
a; auf die beut ziehn ist unser pflug. Gilhusius 139; dann der krieg ist euer acker und pflug. Zinkgref 2, 55; amts-, berufs-, nahrungspflug Stieler 1448
f.; 'das ist mein pflug und rad' spricht man, wenn man von etwas sagen will, dieses sei eines seine handthierung und nahrung. Hübner
naturlex. 1403; die bettelhafte pfaffen wolten mich nicht absolviren, als wenn ich mein handtierung, meinen lauf, meinen acker und pflug niderlegte. Sturz 2, 385; und diese kunst ist sein acker und sein pflug. Rückert
mak.4 42;
nd. dat is siin peerd un ploog, dat is siin
haken un ploog, siin wagen un ploog,
davon hat er seinen unterhalt, damit erwirbt er sich sein brot Dähnert 355
b.
brem. wb. 3, 339; dat is min egg und min ploog,
mein tägliches geschäft Schütze 3, 219;
noch allgemeiner die übung, der gebrauch (
vgl.pflege 1): (
ich hoffe dasz) du mir gebst materi gnuog, zuo eren dich in feders pfluog. Liliencron
volksl. 183, 142 (
vom j. 1493). 44)
eine grosze rolle spielt das umziehen des pfluges
in den alten und theilweise noch erhaltenen (Meier
schwäb. sagen 21, 374. Rochholz
mythen 24)
fastnachtsgebräuchen, wobei der pflug an die stelle des wagens oder des noch älteren schiffes getreten ist, das zur zeit des beginnenden frühjahrs (
namentlich in Schwaben)
umhergezogen wurde '
ohne zweifel zu ehren der gottheit (
der terra mater),
von welcher man fruchtbares jahr und gedeihen der aussaat erwartete'
myth.4 218.
diese umziehen mit dem pfluge wird in Augsburger und Ulmer rathsprotokollen des 16.
jahrh. mehrfach verboten: man sol auch an bemelter escheriger mitwoch des umziehens mit dem pflug müssig steen, alles und jedes bei der straff, die darauf gesetzt worden ist. H. H. Mairs
memorialb. (im Augsburger archiv) 86
b,
vom j. 1510,
s. Birlinger 94
a; gleicher gestalt wil auch ein ersamer rat das pflugziehen und tragen in die wassertrög ernstlich abgestellt und verboten haben.
ebenda 151
a;
in einem Ulmer verbote vom j. 1530
kommt neben dem pfluge
noch das schiff
vor: es sol sich nieman mer weder tags noch nachts verbuzen, verkleiden noch einige fasznachtkleider anziehen, ouch sich des herumfarens des pflugs und mit den schiffen enthalten, bei straf ein gulden. C. Jäger
schwäb. städtewesen des mittelalters 1, 525 (
myth.4 218).
andere gebräuche melden davon, dasz jungfrauen in den pflug gespannt wurden, so am Rheine und in Franken und Sachsen: an dem Rein, Frankenland und etlichen andern orten samlen die jungen gesellen all dantzjunkfrauwen und setzen sy in ein pfluog, und ziehen ihren spilman, der auf dem pfluog sitzt und pfeift, in das wasser. an andern orten ziehen sy ein feürinen pfluog, mit einem meisterlichen darauf gemachten feür angezündet, bisz er zuo trimmern felt. Frank
weltb. 51
a; fastnacht führten böse buben einen pflug herum, und spannten die mägdlein darein, welche sich nicht mit geld lösten; andere folgten nach, säeten heckerling und sägespäne. E. Widmann
chronik von Hof (
herausgegeben von Wirth)
myth.4 218; und das wir das weibervolk auch mit zur fastnacht nach altem und bösem gebrauch der heiden inn pflug spannen. Mathesius
Sar. 25
a;
in Nürnberg, Augsburg, Regensburg und Leipzig (
myth.4 219)
geschah das mit jungfrauen, die nicht männer genommen hatten ('
das scheint anzudeuten, dasz die umziehende göttermutter zugleich dem band der liebe und ehe hold war und versäumnisse strafte'
mythol. a. a. o.): was heur von meiden ist uberblieben und verlegen, die sein gespant in den pflug und in die egen, dasz sie darinnen ziehen mussen und darinnen offenlich puessen.
fastn. sp. 247, 7; die den pflug zu der fastnacht zoch. Weller
dichtungen des 16. jh. 83 (
Augsburg). H. Sachs
hat darüber einen eignen schwank gedichtet 'die hausmaid im pflug' 5, 179
ff.: zu Regenspurg ich .. sach auf dem platz dort ziehen her sechs schöner hauszmaid in eim pflug
u. s. w. bald fragt ich einen man der mär, was für ein ackerwerk das wer. er sprach: im pflug werden getrieben die hauszmaid, welche sind uberblieben, die fasznacht nit hand mender gnumen
u. s. w.; vgl. auch narrenpflug. 55) silberne pflüge
wurden (
wie silberne schiffe)
als weihgeschenke in die kirchen geliefert (
die heiligen traten an die stelle der alten götter),
im späteren mittelalter auch als abgabe gefordert myth.4 219
anm. 3: wan die empfanger dieser hofstätt absterben, sollen die selbe (
die erben) dem herren von ieder churmodt (
besthaupt) funf mark für einen silberen pfluch zu geben schultig sein.
weisth. 4, 763,
vgl. 1, 64. 2, 648. 659. 730
f. 3, 853. 5, 743. 6, 679. 686. 66)
der pflug
wird auch persönlich gefaszt für den mit ihm pflügenden, den pflüger, so im mhd.: si sprach, dort gêt ein kint her, daʒ sol dem pfluoge z'eʒʒen tragen.
Reinhart fuchs s. 292, 31; dâ vant der gefüege frôn Herzeloyden phlüege.
Parzival 124, 26; eʒ werdent phlüege gesûmet (
pflüger aufgehalten, gehindert).
meier Helmbrecht 1125.
nhd. einer der mit dem bespannten pfluge frohndienst leistet: ein gut hat jährlich 97 pflüge
u. dergl. Adelung.
vgl. pflugdienst, -frohne, -fröhner. 77) pflug
als ackermasz (
darauf man einen pflug halten oder das man mit éinem pfluge bestellen kann Zink
ökon. lex. 2237): in den gränzgegenden zwischen Sachsen und Wenden bei Ülzen unterschied man schon im 11. jahrhundert die hufe und den pflug, oder die kleinere slavische hufe, die bald die hälfte, bald ⅔ der sächsischen hufe ausmacht. Stüve
wesen u. verf. 26; dasz die eintheilung des landes in pflüge schon zu uralten zeiten in gebrauch gewesen ist. Niebuhr
leben 1, 302. einen pflug
oder einen halben pflug führen,
eine ganze oder eine halbe hufe besitzen: auch weiset man dem' der einen pflug führet, macht (
befugnis), zwölf schweine in die mark zu thun .., item ein halber pflug sechs schweine.
weisth. 3, 417 (
vom j. 1461); darum gibt einer, der ein pflug fret, ein halb malter korns, und einer, der ein halben pflug fret, ein firntzel korns, und von eim pflug vier brot und von eim halben pflug zwen brot zu wihennachten den knechten. 1, 452 (
vom jahre 1516). 88)
etwas dem pfluge
und dessen arbeit ähnliches. 8@aa)
das steuerruder, das wie ein pflug gelenkt wird und das wasser durchschneidet: der steurman stund fest am pflug und schnitt solch furchen in den Rein, das das unterst zu oberst schein. Fischart
gl. schiff 384
Kurz. 8@bb)
das sternbild des Orion. Simrock
myth.5 26. 8@cc)
nd. ostfries. ploog
der nuthobel der tischler (
die nute gleicht einer furche). Stürenburg 179
a. 8@dd)
beim wasserbau '
eine aus zwei von einander stehenden oder keilförmig zusammengesetzten brettern bestehende maschine, womit der schlick aus einander getrieben wird, um in der mitte den grund zu vertiefen'. Jacobsson 3, 245
b. 8@ee)
bei erd- und deicharbeiten eine anzahl von neun karrengängern, die unter einem aufseher stehen und die erde ausgraben und in den deich schieben Jacobsson 3, 245
b. Benzler 2, 41.
nd. ploog, ploogvolk
brem. wb. 3, 339.
vgl.pflugmann 2.