kochen ,
coquere. II.
Formen und herkunft. I@aa)
ahd. chochôn
und chochên Graff 4, 360,
mhd. kochen,
mnd. coken, kocken Dief. 150
a,
nnd. öfter kaken Dähnert 214
b,
brem. wb. 2, 719,
nl. koken (kookte),
altfries. koka,
nordfries. köge (Haupt 8, 362),
dän. koge,
norw. schwed. koka (
altschwed. Rietz 342
b),
isl. kocka,
engl. cook,
aber ags. alts. altn. nicht nachgewiesen. auch sloven. kuhati. I@bb)
eigen mit a,
wie nnd., auch mitteld., z. b. oberlausitz., wol auch schlesisch nach kach
m. coctio Steinbach 1, 890;
aber auch am andern ende des md. gebietes, schon im 15.
jh. in einem rhein. voc. kachen Dief. 150
a und kach
coquus 130
a;
und in der mitte selbst ins oberd. übergreifend in henneb. kachet
für kochet
n. (
s. d.) Fromm. 3, 474.
diesz md. a
für o (
d. h. urspr. kurzes o)
auch bei koben, kocke, köche,
es ist sonst im nd. heimisch (
gr. 1
3, 253). I@cc)
wie koch
deutlich von coquus, küche
von coquina,
ist kochen
von coquere
gekommen nach der volksmäszigen aussprache cocere (c
als k).
man musz annehmen, dasz wie in andern dingen, z. b. im schreiben,
unsere vorfahren das kochen
als kunst wie etwas neues von den Römern lernten. davor trat dann das heimische sieden
zurück; denn es blieb zwar für das einfache abkochen, aber kochen
ward für das künstliche bereiten der gerichte nach der kochkunst der eigentliche ausdruck, wie der küchenkünstler nur koch,
seine werkstätte nur küche
heiszt. s. mehr unter II, 1,
b. I@dd)
an bedenken dagegen fehlt es freilich nicht. kuchen,
ahd. chuocho,
hat keinen lat. anhalt, allerdings einen romanischen, zeigt aber mit altn. kaka,
engl. cake (
und mit jenem md. kachen?)
deutsches ablautsverhältnis, wie ähnlich kachel
mit dem gleichbed. ahd. chuchmo,
napf, kochgerät (
vergl. kachma
cucuma Haupt 3, 371
b),
von denen das letzte zwar in cucuma
einen guten anhalt hat (
auch altsl. kokma
f. Miklosich 296
b),
das erste aber in cacabus
keineswegs. nd. kuckel
f. herd, herdfeuer Fromm. 5, 418
wird mit quecheln
foculare Dief. 241
a vielmehr zu keck 1,
a gehören. aber nach kachel, kuchen
könnte dem lat. coquere
doch ein ähnlicher oder gar verwandter germ. stamm begegnet sein. vgl. auch chot
bulla unter dem 2. koch 3,
das denselben stamm mit auslautwandel bergen könnte (
ehstn. ist keetma
kochen, vgl. unter kett 4,
a),
wie ahd. chutôn
meditari verglichen mit ags. ceócian
considerare, eig. ruminare (Ettm. 387),
wenn diesz überlegen, eig. wiederkäuen urspr. als ein inneres kochen, verdauen gedacht wäre. IIII.
Gebrauch und bedeutung. II@11)
trans., mit oder ohne das object. II@1@aa) die milch kochen,
gewöhnlich abkochen; der essig musz vorher gekocht werden; wurst kochen,
im wurstkessel; das fleisch ist
noch nicht gar gekocht
oder durchgekocht,
auch weich gekocht, koche es gehörig weich (
accus.). hopfen, garn kochen (Stieler 1000), leim, kleister, seife ( Adelung). II@1@bb)
besonders vom künstlichen bereiten der gerichte, während sieden
das einfache kochen, im groszen, namentlich im kessel bezeichnet. sie lernt das kochen,
die kochkunst. II@1@b@aα)
daher neben sieden: und sie nam einen teig und knettet und sods fur seinen augen und kocht im ein gemüse.
2 Sam. 13, 8, sieden
vom abkochen der masse im wasser (
fleisch mit wasser gesotten
2 Mos. 12, 9), kochen
vom bereiten des gerichts daraus, vulg. liquefaciens in oculis ejus coxit sorbitiunculas.
Es heiszt zwar eier, krebse, kartoffeln sieden,
d. i. im wasser abkochen, aber nie z. b. gemüse sieden;
selbst die einfachste suppe
wird gekocht,
mit zuthaten, nicht ohne kunst. kochen und braten,
auf ein fest los, kochen und sudeln H. Sachs 1, 506
a,
vgl. S.
Frank unter d unten, und sudelkoch. II@1@b@bβ)
doch streift sieden
in seife, salz, met, fische, fleisch, kohl sieden
auch an das künstliche bereiten, und in 'gesotten und gebraten' (
s. z. b. 2, 310)
tritt es wol völlig in diese bed. ein. anderseits ist hie und da, in Leipzig z. b. fast nur kochen
in gebrauch, und sieden
wird mehr als ein wort der höheren und büchersprache empfunden; ebenso bei Weigand
synon. nr. 1732. II@1@b@gγ)
auch gift kochen,
venena coquere: nach seinem tod fand man ein ganze kisten vol mancherlei gekochts gift (
bei Tiberius). Frank
chron. 1536 1, 144
a; als ihr eingeben gekocht gift nicht wolt würken. 144
b;
s. dasselbe bildlich unter 8,
b. auch verhüllend einem ein süpplein kochen,
und merkw. blosz kochen (
wie lat. coctum
gift): daselbst starb er .. i. j. 1523, doch nit one argwon, dann etlich meinten, Brazutus hette im gekochet. Stumpf
Schweizer chron. (1606) 671
a. II@1@cc)
scheinbar intrans.: werde viel zu schauen haben, sagte sie .. und kochte wieder eifrig fort. Bronner
fischerged. (1787) 23; die frau kocht gut,
macht gute, leckere gerichte, auch kocht fett, reichlich
u. dgl.; da war nichts als pur lauter armedei vorhanden, dan sie kocheten mit wasser. Fischart
ehz. 631
Sch., machten die speise nur mit wasser an, statt mit schmalz und zuthat, wie Helmbrecht von seinen bauern sagt ir kint müeʒen eʒʒen ûʒ dem waʒʒer daʒ koch (
mus). 1241.
es ist noch sprichw.: übrigens ist auch nicht alles gold bei ihnen (
den Franzosen) was glänzt, sie kochen mitunter sehr mit wasser. York
brieflich v. j. 1807 (Droysen 1, 177). 'mit wasser sieden' (
s. unter b, α)
ist eben in ordnung, 'mit wasser kochen'
ist aber kein wirkliches kochen.
dagegen mit öl kochen,
coquere ex oleo. Maaler 246
a,
wie die suppe mit wein, das fleisch mit lauch kochen (
auch etwas wein an die suppe kochen).
mit an
zur bezeichnung der noch dauernden arbeit: man kocht noch am brei. Simrock
sprichw. 5804; waran man lang kocht, wirt gemeinglich verkocht. Frank
spr. 2, 173
b. II@1@dd)
früher mit bloszem dativ der person: sie (
die deutschen frauen) sudlen und kochen den männern. Frank
Germ. chr. (1538) 6
b; do zeigt mir mein vatter das ort an welchem er sein groszvatter .. gefragt hatt, ob er nit begere zesterben, und er geantwurtet: jo, wenn ich wiszte, dasz mir dort kochet were.
F. Platter 183.
von gefallenen feinden heiszt es in einem schweiz. siegsliede: denen dorft (
brauchte) man nümmen (
nicht mehr) zkochen. Wolffs
hist. volksl. 584 (Liliencron 2, 426
var.),
wie in einem volksliede des 18.
jahrh.: und ist sie halb todt, und gleich gar todt, so heiszt es: gestorben und recht spars brot. Erk
liederh. s. 116,
wunderh. 4, 364,
daher nd. spârbrôd
von einem gestorbnen Schamb. 202
b.
doch in der alltagsrede noch mit dat., wie im folg.: wer kochet euch (
euer essen),
who dresses your victuals? ich koche mir selber,
bin mein eigner koch. Ludwig
teutsch-engl. wb. 1046.
etwas anders mit für: sie kocht täglich für zwölf leute,
kostgänger; (
der ehelose) sitzt wandersweis wie ein anderer landstreifer im gasthaus, niemand kocht für seinen mund.
Garg. 68
a (114
Sch.),
vgl. mundkoch.
wieder etwas anders mit auf: Margaretha, koch nicht auf mich, wann heint werd zu gast essen ich. H. Sachs 4, 3, 9
c,
richte dich mit dem essen nicht '
auf'
mich ein. II@1@ee)
sprichwörter und redensarten. II@1@e@aα) kochen und backen gerät nicht immer; mancher kann wol kochen, aber nicht anrichten; wer es kocht, der richte es auch an; freundespeise ist bald gekochet. Ludwig; kocht er sich wol, so isset er wol.
das.; denn wie mans kocht, so iszt mans auch. Ringwald
tr. Eck. G 3
b,
vgl. b; es wird nichts so heisz gegessen als gekocht. II@1@e@bβ) in éinem geschirr (hafen) kochen,
von mehreren, wie an éinem strange ziehen, in éin horn blasen, in éine kerbe hauen
u. a.: der babst, der bischof, der cardinal, der geistlich stad gar überal, keiser, kung, herzoge und grafen, die kochent all in einem hafen.
fastnachtsp. 821, Mones
schausp. d. m. 2, 379.
ähnlich: das ist nicht in seinem hafen gekocht,
kommt nicht aus seinem kopfe. II@1@e@gγ) ich kochte einsmals zwei müser in éiner pfannen.
Simpl. 1, 419 (426
Kz.),
wie '
schlug zwei fliegen mit éiner klappe',
spielte mit einem schelmenstück zweien zugleich einen streich; aber sein kuntschafter hetten .. zwen prei in ainer pfannen gekocht.
Wilw. v. Schaumb. 104,
ebenso, man übersehe den scherz nicht den die redensart enthält; s. auch kohl 7,
c. es ist éin kochen (
wie éin aufwasch),
beides kann mitsammen erledigt werden. Ludwig. II@1@ff) kochen
in erweitertem gebrauch: auf türkisch camelsfleisch underm sattel kochen.
Garg. 228
b (
Sch. 428),
durch reiten gar machen. bier kochen; man könne nicht an allen orten gut bier kochen. Schuppius 737. gold,
alchymistisch (
daher goldkoch): aus dem kalten nordenloche kam der handgriff gold zu kochen
u. s. w. Logau 2, 6, 76.
natürlich kocht
auch das feuer
selbst: war ist es, feuer brennt, doch giebt es liecht und schein, wärmt, kocht und schmelzt metall. Opitz 1, 104. II@1@gg)
dazu abkochen, aufkochen, auskochen, einkochen, erkochen (Frisch 1, 530
c), zerkochen,
durchkochen,
verkochen. II@22)
neutral, von dem was gekocht wird. II@2@aa) weil das fleisch kochet.
1 Sam. 2, 13,
d. h. während es über dem feuer stand (
vulg. dum coquerentur carnes); hier kocht der zweite raub der milch dem armen volke. Haller (1777) 39,
in der ersten ausgabe wird gesotten; es dringt der glanz hoch durch den fichtensaal, am niedern herde kocht ein rohes mahl. Göthe 2, 146 (
Ilmenau am 3.
sept. 1783).
das ist wie das fleisch brät,
ist im braten, d. h. die thätigkeit des kochens, bratens ist auf das todte übertragen, das dadurch zum lebendigen wird, ohne unser zuthun gleichsam sich selber kocht; es ist ein umsprung des subjects wie unter kleben 1,
c, nur hier noch näher gelegt durch die folg. bed. (
b).
sagt man doch selbst die linsen kochen gut,
d. i. lassen sich gut kochen, kochen weich,
sonst kochen sich gut, weich. II@2@bb)
im genauen sinne von wasser u. a. überm feuer, das eben wirklich lebendig wird fürs auge, indem es wallend ins sieden
gerät, auf den siedegrad kommt, daher auch mit haben
im perf.: schnell! die milch kocht! lauf, dasz sie nicht überkocht; sie hat schon gekocht (
aber ist übergekocht,
s. c); das wasser im kessel (
dann auch der kessel) kommt ins kochen, ist im kochen; ich kann das fleisch nicht zum kochen bringen, es will nicht kochen,
das fleisch im wasser; das kraut musz lange kochen, wenn es weich werden soll; die töpfe kochen schon lange; nim das beste (
stück) von der herd .. markstück zu kochen, und lasz es getrost sieden und die markstücke drinnen wol kochen.
Ezech. 24, 5; einige wurden durch den blitz des vulcans (
der pulverschiffe), andere durch das kochende gewässer des stroms verbrannt. Schiller 873
b; das wasser ist kochend heisz,
wie siedend heisz,
auch kochheisz.
vgl. verkochen, überkochen, einkochen. II@2@cc)
doch auch mit sein,
aber in etwas anderm sinne: es ist viel fett aus der gans gekochet. Stieler 1001,
durch kochen herausgekommen. II@33)
übertragen von wasser und luft, die zu kochen scheinen. II@3@aa)
von wasser, wallen, brausen, gähren: die aufgewühlten wogen kochen (
im sturme). Wieland 26, 4; durch der Scylla hundegebell und kochenden meerschwall. Platen 128. wann so gar des meeres flut kocht durch die gepresste gluht (
des vulcans). Brockes 1, 358 (1728). II@3@bb)
von der luft: es glüht und kocht die luft (
von der mittagsglut). Brockes 1, 113 (1728); kochend wie aus ofens rachen glühn die lüfte (
von der brunst). Schiller 78
b; die atmosphäre kochte und die unerträgliche glut ... 929
b. II@3@cc)
trefflich von einem gewitter: ein morgengewitter kochte brausend über ihr. J. Paul
Kampanerthal 17.
noch kühner trans.: weil der sonntag vormittags gewitterregen kochte und nachmittags ausgosz.
vorsch. der ästh. 3, 150,
das geht in die bedeutung 7
über. II@44)
verdauen, nach 1,
gar machen. II@4@aa) der mag ist der êrst haven, darinn daʒ eʒʒen kocht wirt. Megenberg 32, 3; knoblauch sterkt daʒ eʒʒenkochen in dem magen. 384, 10,
u. oft; wol kochen oder dewen,
excoquere, percoquere. Dasypod. 365
c; so wirt der magen dardurch gereiniget, also dasz er wol kochen und die speis verdäuen mag. Tabernaemontanus 390; wo nehm ichs (
sagt die leber), das ihr mir abpocht, wenn der magen uns nichts fürkocht? wol, kochen! antwortet der magen, wil man doch nichts zur küchen tragen (
mir nichts zu kochen geben)!
froschmeus. Dd 2
a; im wenigsten aber wissen noch betrachten sie (
die trinker), dasz die speis im magen durch die natürliche und mittelmäszige hitz gekocht und verdäwet werden will. Albertinus
narrenhatz 233; bald hat man zu viel blut, bald fallen scharfe flüsse, bald kocht der magen nicht, bald schwellen uns die füsze. Opitz 3, 319.
ebenso nl. koken,
lat. coquere, concoquere,
gr. πέσσειν; vgl. verkochen,
kochung. II@4@bb)
ähnlich von anderm verarbeiten im körper: gekocht nennen wir (
ärzte) eine krankheitsmaterie, wenn sie sich von den gesunden säften, denen sie beigemischt war, schon so abgesondert hat, dasz der körper sich ihrer entschütten ... kann. Engel
Lor. Stark xi.
nach 2: alsdann (
bei einer krankheit) schäumet, rennet, kochet und verkocht der lebenssaft (
das blut). Brockes 1, 377 (1728). II@55)
die sonne kocht
die früchte, reift sie, macht sie gar gleichsam, wie lat. coquere. II@5@aa) zeitigung der fruchten ist natürliche
kochung, also: was die natur in ihr hat, das kocht sie, und wenn es gekocht ist, so ist die natur ganz. Paracelsus 1589 2, 13; die sonne kocht den wein am stock. Frisch 1, 530
c,
vgl. durchkochen; es haucht die sonne schwüle glut, zu kochen traub und birn. Overbeck
ged. 106; da sie (
die rebe) fühlt, dasz ihre säfte, wohlgekocht, die welt erquickend, werden regsam vielen kräften. Göthe 5, 247; was Arabien kocht, was die äuszerste Thule bereitet. Schiller 76
a (
spaziergang); was der august nicht kocht, kann der september nicht braten,
volksmäszige wetterregel bei Schmitz
sitten und sagen des Eifler volkes 1, 173.
vgl.kochmonat,
kochung. II@5@bb)
auch intr., im herbst kochen und reifen die trauben an der sonne. Ludwig, Adelung. II@66) hagel kochen,
eig. von zauberern oder zauberinnen, wettermacherinnen, die ein gewitter, bes. hagelwetter heraufbeschwören (
s. myth. 1040,
vgl. sp. 588),
es geschah wie dieser ausdruck zeigt durch kochen im zauberkessel (
s. myth. 50. 998
und brauen 1
a. e.);
es ruft einer im zorne: o könt ich jetz ain hagel kochen, ich liesz es doch nicht ungerochen. Fischart
flöhhatz 781
Sch. (2, 12
Kurz).
daher von alten wissenden weibern die alten hagelkocherin Keisersberg
geistl. spinnerin (
granatapfel) O 6
a, hagelsieder
als schelte Mone
schausp. 2, 274 (
gleich zouferer 270), hagelbacher Fischart
flöhh. 842. II@77) kochen
als bild für andres thun und treiben. II@7@aa)
bloszes kochen,
so und so verfahren: es wird ainmal sich alls verkeren, wann das wüst kochen wird aufhören und all leut unter sich ains werden, ain münz und glaub wird sein auf erden. Fischart
flöhhatz 843
Sch. (2, 64
Kz.).
das bild darin ist noch in voller frische in dem nd. latet em kaken un brâen (
braten) so gôd he kan,
laszts ihn machen wie er will. brem. wb. 2, 719.
es war einst selbst gottes nicht unwürdig: so wir im hinhalten und (
ihn) kochen lassen, selbs in uns thuon, auf das ér doctor und theter bleib. Frank
weltb. 123
b,
ihm hinhalten
geduldig aushalten was er verfügt, kochen lassen
walten lassen, bei beidem ist wol eben an den arzt gedacht, bei kochen
an kräuterkochen. vgl. Luther
u. c. aber auch, Fischarts wüstem kochen
näher, von geschützen: kartawnen giengen heftig drein, die bewrin theten grob kochen. Soltau 2, 113,
die geschütze, wie oft, als frauen gefaszt, die hier den belagerten grobe bauernspeise kochen, vergl. in Uhlands
volksl. 472
die belagerer als köche. sie kochten z. b. ein nesselkraut (
gericht): doch thuet man sie verbochen (
stark einschüchtern), ein neszlin kraut in kochen. Mones
anz. 8, 193,
den auf Asberg belagerten. sehr verblaszt ist das bild in mit einem kochen,
so und so thun: ihr müszt nicht denken dasz ihr euern lämmerjungen vor euch habt, mit dem ihr kochen könnt wie ihr wollt. Stoppe
Parnass 526,
vgl. schon Luther
unter c. II@7@bb)
besonders es einem
so und so kochen (es
für das kraut, gericht),
in deutlicher anlehnung an die sprichwörter unter 1,
e: wan man dir es kochet, wie du es essen möchst, und danzte dir nach deiner pfeifen. Ayrer
proc. 1, 5; man muosz ims anderst kochen. Soltau 1, 358,
ihm anders kommen; só musz man es euch bawren kochen, anderst kan man euch nicht herbei bringen. Philander 1650 2, 675.
besonders so in üblem sinne: er sprach, 'ich dirs wol (
ordentlich) kochen sol, du solt mich zwar (
gewiss) nit mehr bekümmern', warf in (
den krug) im zorn zu kleinen drümmern. Waldis
Es. 4, 5, 62; nun ist es wett! du hast mirs hiebevor auch so gekocht, itzt ist dirs eingetränkt (
vergolten).
Simpl. 1, 106
Kurz; westerw. der hat mirs darnach gekocht,
hat es so um mich verdient Schmidt 83; aber schlecht ist das auch von monsieur le baron. ich will es bei seinem herrn vater schon für ihn kochen (
ihm vergelten, rache einfädeln). Lenz 1, 288.
s. in gleichem sinne einem auskochen,
vergelten 1, 895,
bair. es einem kochen,
es ihn fühlen lassen, ihn hart behandeln Schmeller 2, 278,
henneb. es einem recht kochen,
ihm seine meinung tüchtig sagen, wie bei Waldis
vorhin, nur milder geworden. ganz ebenso gilt brauen (3), backen (8), einrühren
u. a., und entsprechend ausessen müssen.
auch den braten riechen
u. ä. (
vgl. Luther
u. d)
gehört daher. II@7@cc)
wieder auch blosz es kochen,
so und so treiben: er (
Karl der kühne) hats in Nidderlande gar wilde gekocht. Haupt 8, 320,
es wild getrieben. und wieder auch es mit einem kochen (
s. unter a zuletzt): wie ers da hatte gekocht mit on (in,
ihnen), sie mochten siner gewalt nicht widerstehn.
das.; auch von gott: wie es gott mit uns machet und kochet, so wollen wirs nicht anbeiszen. Luther 35, 320
Erlanger ausgabe, deutlich aus dem einfachsten hausleben. II@7@dd)
aber auch mit bestimmtem object: (
man könne) underdes seine practicken (
ränke) desto besser kochen und sicher herfür tragen. Kirchhof
mil. disc. 98; grosz krieg und niderlag kocht er (
der potentat) auf jahr und tag. Mezler
odœum 320; weil der teufel nun forthin wird vom kriegen müszig werden (
weil friede ist), wird er sonst gar wirtlich sein, uns zu kochen viel beschwerden. Logau 2, 47.
als küche oder kessel zu diesem kochen
erscheint das herz (
wir würden den kopf
nennen): er hat noch anders was im sinn, das ich lengst wol gerochen habe ... ich weis auch wol, das
d. Carlstad diesen brei lengest hat in seinem herzen gekocht und nie kund anrichten. Luther 3, 59
b,
wie etwas im herzen auskochen 1, 895,
ausbrüten, vergl. noch Günther
unter folgendem. II@7@ee)
auch geistige arbeit wird nämlich kurz als kochen
bezeichnet: die Manicheer haben viel giftiger irrthumb gehabt, und sind viel (
der irrthümer) aus den stoicis gekocht. Melanchthon im
corp. doctr. chr. 455,
er dachte vielleicht an gift kochen (1,
b, γ).
so in einander kochen,
absichtlich vermengen, um etwas bestimmtes daraus zu gewinnen: wiewol nu die wiedersacher .. viel wort und sprüche in einander gekocht haben, da sie mit beweisen wöllen das die messe ein opfer sei.
apol. der augsb. conf. bei Luther 6, 458
a.
ähnlich: ich mus imer solch unterscheid dieser zweier reich (
kirche und staat) einblewen ... denn der leidige teufel höret auch nicht auf, diese zwei reich in einander zu kochen und zu brewen. 6, 154
b.
wunderschön vom herzen und genau im bilde, bei Günther, '
als er sich endlich wagte ihr seine liebe zu entdecken': schweig, mein herz, und halt die plagen deiner leidenschaft geheim, lerne dein verhängniss tragen, koch aus wermuth honigseim! 254. II@88)
jetzt ist kochen
so fast nur in gebrauch von unwillkürlichen vorgängen unseres inneren, nach der 2.
bedeutung. II@8@aa) das herz kocht,
wie ein kochender kessel: der könig ward über diese worte so erhitzet, dasz sein herz wie zu kochen begunte. Olearius
pers. baumg. 6 (1, 6),
man bemerke das erhitzet.
auch trans., rache kochen: verbarg seinen unmuth unter dem scheine der vollkommensten gleichgültigkeit, aber sein herz kochte rache. Wieland 6, 279; rache kochte sein herz. Pyrker
Tunisias 5, 291.
es ist zum theil dem vorigen nahe, über rache brüten, sie gleichsam gar zu machen arbeiten, aber mehr ist das unwillkürliche gähren der empfindungen gemeint. II@8@bb)
gewöhnlich steht das ich
selbst statt des herzens: man hüt sich leicht vor den, die bochen (
lärmen, den zorn ausbrausen), aber nicht den, die lang neid (
hasz) kochen. Fischart
flöhhatz 835
Sch. (2, 57
Kz.); die Reutlinger, auf unsern glanz erbittert, kochten gift. Schiller 12
a (
Eberhard der Gr.),
dahinter könnte zugleich wol das eig. gift kochen
stecken (1,
b, γ); da es nicht angieng meinen verdrusz laut werden zu lassen, so kochte ich stumm und in mich gekehrt ärger und galle, Bronner
leben 3, 173.
so lat. iram coquere.
trefflich vom neid,
dasz er sich selber kocht,
wie er sich selber nagt, friszt: sin eigen glider (
gleich sich selbst) kocht der nid. Brant 89, 21, der neid
statt des neidigen, kochen
ist da mehr zerkochen. II@8@cc)
aber auch die empfindungen selber kochen in uns (
wie das wasser im kessel),
oder leidenschaften, böse oder drängende gedanken, vgl. brüten,
gähren,
brausen in gleichem bilde: es kocht mir im leibe,
manet alta mente repostum. Stieler 1000,
es arbeitet verborgen im innern fort, ich brüte darüber; die gedanken, die in seinem herzen kochten. Wieland 8, 414; er (
der ärger) kochte heimlich fort. Göthe 23, 87; ist diesz ein kindlicher blick? es kocht was (
schlimmes) in ihm. Klinger 1, 22; und wie ich mir dachte, wie sie voll verzweiflung hier herlief, und so rasch das gewaltige messer in die brust stiesz, und wie das tage lang in ihr gekocht hatte. Bettine
br. 1, 75; mitten im kochen des leidens. J. Paul
aesth. 3, 97.
statt des zorns wird auch die galle
genannt: schon fieng die galle mir an zu kochen. Göthe 24, 106. II@8@dd)
auch unpersönlich es kocht,
ganz wie in der küchensprache: da ich einen fürsten der Cherusker vor mir sehe, der zur zeit der entscheidung nicht in der schlacht ist! und in dessen herzen es vielleicht von dem entschlusse, zu den Römern überzugehn, eben jetzt, jetzt hier vor mir, kocht und schäumt! Klopstock 8, 124.
auch ohne schlimme bed., wie gähren: dasz etwas vorgeht innerhalb. es kocht (
in ihm) und soll nicht überkochen. Lessing 2, 267,
Nathan 3, 3; sie antwortete wenig (
auf den heiratsantrag), und durch einander. desto besser! es mag eine zeit kochen. bei mädchen, die durch liebesunglück gebeizt sind, wird ein heirathsvorschlag bald gar. Göthe 8, 85; damals kocht' es und trieb (
in mir, von regem gemütsleben)! jetzt schlepp ich mich an den augen des mädchens so hin. 8, 196. II@8@ee)
aber auch der (
innere) mensch selbst kocht: wie seine mutter kocht (
Maria am kreuze), die zwischen furcht und zagen ihr aufgeschwelltes leid mit kummer kann ertragen. Andr. Scultetus
bei Lessing 8, 283; aber die königin (
Dido), längst zerrissen von innigem aufruhr, blutet' an wunden des herzens und kocht' in heimlicher flamme. Bürger 244
a.
tirol. heraufkochen,
einer unbill sich mit zorn erinnern Frommann 6, 299. II@8@ff)
von unwillkürlich andrängenden gedanken: groszer kochender gedankenschwall hebt sich und hebt sich und hebt sich in mir. Lichtenberg (1800) 1, 100,
satirisch, gegen die kraftgenies. II@8@gg)
auch von den lebenskräften, säften des körpers: dom Pedro, der .. als prior eines klosters an der langen weile krank lag und mit seinem thätigen, feurigen geiste, wie mit seinem gesunden, kochenden körper im kriege lebte. Klinger 10, 104.
vgl.kochung 1,
c. so vom pulsierenden blute: so lange noch das blut in unsern adern kocht, so lang im herzen noch der lebenshammer pocht. Morhof
ged. (1718) 186. II@8@hh)
ähnlich und trefflich von vergossenem blute: o ir wiszt nicht, was blut vermag, es kochet in aim (
mörder) sein lebtag, bisz endlich es ainmal auszbrech und sich an seinem thäter rech. Fischart
flöhhatz 792
Sch. (2, 21
Kz.),
es ist vorher erwähnt, wie das blut der geknickten flöhe von den nägeln geleckt wird, vergl. bluottrinker
sp. 385
mitte. II@8@ii)
sonst vom eigenen blute, von aufregung, ebenso wallen (
vgl. heiszes, kaltes blut): da er über die wallungen seines kochenden geblüts nicht so unmittelbar gebieten kann. Less. 7, 322; kaum gebiet ich dem kochenden blute. Schiller 490
b; mit kochendem blut. Leisewitz
Jul. v. Tarent 56. 86 (3, 2. 5, 2); da dunsten aus dem kochenden herzen feinere und kraftlosere theile. 46 (2, 6),
was ins vorige übergreift; mir wird das blut bei seinem anblick kochen. Kotzebue
dram. spiele 2, 182. II@99)
endlich noch anders bildlich. II@9@aa)
von politischer gährung: wie heftig wilde gährung unten kocht, wie schwäche kaum sich oben schwankend hält. Göthe 9, 324. II@9@bb)
reflexiv (
zu 2,
a zuletzt): es kocht sich an der jünglingglut die liebe reif. J. Paul
uns. loge 1, 185. II@9@cc)
eigen östr. kocht sein,
pfiffig sein Castelli 183,
wie mit allen wassern gewaschen?
ein pfiffiger mensch heiszt aber dort selbst ein koch.
merkwürdig auch bei Keisersberg
post. 2, 45 kocht werden
zürnen (
Scherz 807).