brausen ,
aestuare, kommt ahd. nicht vor und ist mhd. selten (Ben. 1, 271),
altn. brûsa,
schw. brusa,
dän. bruse;
das nnl. bruisen
bedeutet zumal spumare, das ags. brŷsan,
engl. bruise
aber conterere, stoszen, braun und blau schlagen. vgl. brausche. 11)
von wein, most und anderm gährendem getränke: du brausender und frischer most, du gährend mark der wilden reben. Hagedorn 3, 119; magnetisch braust im glase der wein. Voss
poet. werke 1835
s. 168; auf des derwischens wol wollen wir den Chier heut brausen hören. Klingers
th. 3, 150; das wasser braust aus dem krug; es siedet und brauset im kessel.
man sagt auch in einigen gegenden, nach einem regen brauset alles,
wächst alles fett und geil, gleichsam gährt von neuem. 22)
vom meer: das meer brause und was drinnen ist.
1 chron. 17, 32.
ps. 96, 11. 98, 7; deine flut rauschen daher, das hie eine tiefe und da eine tiefe brausen.
ps. 42, 8;
die wasserwogen im meer sind grosz und brausen grewlich. 93, 4; o weh der menge so groszes volks, wie das meer wird es brausen.
Es. 17, 12; der das meer bewegt, das seine wellen brausen.
Jer. 31, 5; das ire wellen brausen, wie die groszen wasser.
Jer. 51, 55; und siehe die herlichkeit des gottes Israel kam von morgen und brauset wie ein groszes wasser brauset.
Ez. 43, 2; und das meer und die wasserwogen werden brausen.
Luc. 21, 25; sausen und prausen des meers.
Petr. 219
b; die (
Limmat) wolt sich erstlich etwas strauszen, erzeigt sich wild mit rauschen, prausen.
gl. schif 234; wenn die wind wider einander sausen, die meerwellen toben und prausen.
mückenkr. 1, 401; und näher brausten laut die meereswogen. Bonaventura
s. 125. 33)
vom sturm: Wuotans wilde jagd brauset vorüber; ein gewitter braust heran; er kam gebrûset als ein windes brût.
Engelh. 2775; er brûset in dem hûse rehte sam ein sturmwint.
MSH. 3, 294
b; und praust daher gleichwie der wind. Schmelzl
verl. sohn 9
b; nicht hier, wo sturm und regen braust, will ich zurück dich lassen. Platen 1
a. 44)
von wald und bäumen, die der wind bewegt: der eichwald brauset, die wolken ziehn, das mägdlein wandelt am ufers grü
n. Schiller 49
a. 349
a; durch das brausende gehölze. J. P.
Hesp. 1, 165; näher an uns brauste die kastanienallee. 4, 183. 55)
von geschütz, waffen u. s. w. kanonendonner brauste; man schosz wider zu ihm hinaus, dasz es in dem gottsacker praust. Soltau 382; des königs stücke sausten und brausten. 501; als wir sie lieszen brausen. Fleming 205; die losung braust von heer zu heer, lasz brausen in gottes namen fort! Schiller 7
a; sie brausen daher wie ein ungestüme meer und reiten auf rossen gerüst.
Jer. 6, 23; während von der einen seite die geistlichkeit im ernsten gepränge zum festlichen empfange des herrn heranschritt, brausten von der andern die bürger in waffen heran. Dahlm.
dän. gesch. 1, 237; bis in die späte nacht brausten züge auf der eisenbahn; doch bist du auch nicht fremd im lager, nicht fremd vor den feindlichen wällen, unter brausenden rossen. Lessing 1, 207. 66)
schall und stimme: kann gleich dem meer dieselbe stimme brausen, die einem west im leisen lispel gleicht, wenn er sich sanft durch eine harfe schleicht? Gökingk 1, 92; es brauset und sauset das tambourin. Brentano; schneller brausen jetzt die töne, kühner herzen wilde söhne. Lenau
neu. ged. 30. 77)
athmen und ohrensausen: brauste vor laufen wie ein hamster. Weise
drei erzn. 451; schnob und brauste, vielfältig erregt gottes brausender athemzug menschliche thatkraft. Platen 131; zu ohren braust ihm, wie ein meer, die schreckenspost der dirne. Bürger 52
b; brausen in den ohren. Lichtenberg 3, 110; die muschel, ans ohr gehalten, braust.
unpersönlich, es braust mir,
ich habe schlimme ahndung: landgraf Wilhelm äuszerte mehrmals zu seinen vertrauten dienern, es brause ihm vor jener hochzeit. Rommel
hess. gesch. 5, 549 (
a. 1572). 88)
sieden und braten des fleisches, vgl. 1: daʒ nû der brâte sûste und in der hitze brûste.
GA. 3, 267.
diese bedeutung von sieden und braten litte es, brausen
dem gr. φρύγω,
φρύσσω zu vergleichen, doch geht es nur auf den schall, nicht das backen und rösten selbst. 99)
innere zustände: er brûset in im selbe. êst wunder daʒ er niht zebricht.
MSH. 3, 294
a; phantaseien, welche die dünste des weins im brausenden blute gebildet. Zachariä 2, 15; denn uns bethörte das brausende blut. Schiller 491
a; ganz nur liebe must du kommen, daheim lassen alle deine hofnungen und alle deine brausenden wünsche. Schiller 206
b; zu den jungen leuten, die von einer ganz nutzlosen phantasterei für brausende ideen hingerissen, ihre studien sehr versäumt haben. Niebuhr
leben 2, 500; Dahore hatte das herz aller kinder in seiner weichen hand, blosz weil seines nie brausete und zürnte. J. P.
Hesp. 1, 38; sein brausendes herz. 1, 125; das innere fast schmerzliche brausen der freude. 3, 137; er hielt recht lange das schlummernde haupt an seiner brausenden brust. 3, 221; die flötentöne erstickten im innern brausen seiner von wehmut erfüllten brust. 4, 86; sein inneres brauste. 4, 129; mit brausendem ingrimm.
Tit. 3, 89; die brausende heftigkeit eines gestörten heiszt überhaupt die tobsucht. Kant 10, 19; da loben sie den Faust, und was noch sunsten in meinen schriften braust zu ihren gunsten. Göthe 56, 102. 1010) brausen
heiszt allzumal in saus und braus leben: darzuo hat er die allerbesten und sterksten newen wein, so er ankommen mocht, das gsind muost allesamen voll sein und nur tapfer brausen. Wickram
rollwagen 1590, 76
b,
die ältere Mülhauser ausg. liest aber dapfer bausen,
was auch recht ist; in stetem wolleben sausen und brausen.
Pierot 2, 108. 1111) brausen,
schwärmen und lärmen, vgl. 9: sie werden brausen und den raub erhaschen.
Es. 5, 29; welches geistes noch viel brausens und schwermens übrig ist. Luther 4, 1
a; mit menschenleren prawsen. Soltau 275; er hat lange alhier gebrauset,
jam diu hic instrepuit. Stieler 223; in diesen brausenden vergnügungen wurde die ganze nacht bis zum anbruch der morgenröthe hingebracht. Wieland 1, 297; das volk, in dem feuer seiner brausenden zuneigung. 2, 111; die wildesten brausendsten genüsse. Klinger 11, 204; wenn alles um uns sich bewegt und braust. Göthe 17, 191; und stimmt ihm dessen (
des herzens) ausspruch bei, vergiszt er gern das lobgeschrei der brausenden amphitheater. Gotter 1, 120; er war zu brausend und zu ehrgeizig. J. P.
Hesp. 1, 79; konnte ich ruhig sein, wo ich sonst gebraust hatte.
Dyanasore 2, 162; dasz mein sohn weiter nichts als ein brausender jüngling wäre! Gotter 3, 9.
vgl.brausejahre; brausende gewaltthaten. 1212)
transitives brausen: erhebet ihn ihr meere! braust sein lob! ihr flüsse rauschet es! E. von Kleist 1, 8; Calmuck (
das pferd) braust aus der nase dampf. Zachariä 1, 66; da sah er den Cyper mit glühenden augen, welcher höllische flammen aus seinem nasenloch brauste. 1, 292.
vgl.abbrausen,
anbrausen,
aufbrausen, ausbrausen, durchbrausen, verbrausen.