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Finger

ae. bis spez. · 24 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
26 in 24 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Finger

Bd. 2, Sp. 157
Der Finger, des -s, plur. ut nom. sing. Dimin. das Fingerchen, Oberd. Fingerlein. 1. Überhaupt, die äußersten in mehrere Theile getheilten Enden an den Händen und Füßen der[] Menschen und Thiere, so fern sie zum Fassen geschickt sind. In dieser weitesten Bedeutung werden nur noch die Klauen oder Fänge an den abgerichteten Falken bey den Jägern Finger genannt. 2. In der engern und üblichsten Bedeutung, das in fünf bewegliche Theile getheilte Ende der Hand. 1) Eigentlich. Mit Fingern auf jemanden weisen, zum Zeichen der Verachtung und Verspottung, so wie es bey den Griechen und Römern ein Merkmahl der Ehre und des Verdienstes war. Eines Fingers breit, dick, lang. Vier Finger hoch, d. i. so hoch, als die Breite von vier Fingern beträgt. Mit den Fingern essen, ohne Hülfe des Messers und der Gabel. Der kleine Finger, der letzte und kürzeste Finger an der Hand. S. Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger, Goldfinger, Ohrfinger. Im gemeinen Leben hat man von diesen uns so nothwendigen Gliedmaßen eine Menge figürlicher Redensarten. Einem etwas auf den Fingern vorrechnen, sehr genau und umständlich. Er weiß es auf oder an den Fingern herzuzählen, sehr genau. Er ist schon so zahm, daß man ihn um einen Finger wickeln könnte, schon kann man ihn um einen Finger wickeln, er ist äußerst nachgebend. Einem auf die Finger klopfen, ihn wegen eines Versehens oder Vergehens mäßig bestrafen. Man muß ihm fleißig auf die Finger sehen, genau Acht auf ihn haben, damit er nichts veruntreue. Lange Finger machen, oder die Finger kleben lassen, bey Gelegenheit gern etwas entwenden, von diebischer Gemüthsart seyn. Das habe ich nicht aus den Fingern gesogen, ich habe es nicht erdichtet. Mein kleiner Finger hat es mir gesagt, ich weiß es auf eine geheime Art, eine besonders gegen Kinder übliche Art des Ausdrucks. Durch die Finger sehen, Nachsicht brauchen. Einem durch die Finger sehen, nachsichtig gegen ihn seyn. Den Finger auf den Mund legen, schweigen. Wir wollen hier den Finger auf den Mund legen, und die Wege Gottes in Demuth verehren. Sich die Finger verbrennen, unvermutheten Schaden von einer Handlung haben, anlaufen. Wenn man ihm einen Finger gibt, so will er gleich die ganze Hand, er ist nicht mit wenigem zufrieden. Die Finger nach etwas lecken, in der niedrigen Sprechart, sich über den Genuß einer Sache außerordentlich ergetzen. 2) Figürlich. (a) Macht, Gewalt, doch nur in der biblischen Schreibart, und von Gott. Das ist Gottes Finger, 2 Mos. 8, 19. Ich treibe die Teufel durch Gottes Finger aus, Luc. 11, 20; und Ps. 8, 4 heißen die Himmel ein Fingerwerk Gottes. (b) * Ein Ring, der an den Finger gesteckt wird, ein Fingerring; in welchem Verstande ehedem das Diminutivum Fingerlein, vermuthlich für Fingerling üblich war. In den Merseburgischen Statuten werden unter andern auch Ringe, Fingerlein, Hostlein u. s. w. mit zur Gerade gerechnet. (c) Die Bekleidung der Finger an den Handschuhen. Ein Handschuh mit Fingern. S. Fingerhandschuh. Anm. Finger, bey dem Ulphilas Figgr, welches nach Art der Griechen Fingr, gelesen werden muß, bey Isidors Übersetzer Fingro, bey dem Ottfried Fingar, lautet im Niedersächs. Dän. Engl. und Angels. gleichfalls Finger, im Isländ. aber Fingr. Viele haben geglaubt, daß es von der Zahl fünf abstamme, weil dieser Finger gemeiniglich fünf an jeder Hand sind; eine sehr unwahrscheinliche Ableitung, welche der Art, wie die ältesten Völker ihre Wörter bildeten, zuwider ist. Die Endsylbe -er, zeiget ein Werkzeug an; es bleibet also nur die Sylbe Fing zu bestimmen übrig, und diese gehöret ohne Zweifel zu dem Verbo fangen, fassen, ergreifen, welches dadurch bestätiget wird, daß die Klauen der Raubthiere aus eben derselben Ursache bey den Jägern noch jetzt Fänge heißen. Das Latein. Digitus, ist vermuthlich[] auf eben diese Art von dem alten Verbo tigga, nehmen, gebildet.
3863 Zeichen · 64 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Altenglisch
    fingerst. M. (a)

    Köbler Ae. Wörterbuch

    finger , st. M. (a) nhd. Finger ÜG.: lat. digitalis Gl, digitus Gl Vw.: s. lǣw-, scyte-, -docca Hw.: s. fīf?; vgl. got. …

  2. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    fingerst. M.

    Köbler Mhd. Wörterbuch

    finger , st. M. Vw.: s. vinger

  3. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    fingerM.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    finger , M. Vw.: s. vinger (1)

  4. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Finger

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Der Finger , des -s, plur. ut nom. sing. Dimin. das Fingerchen, Oberd. Fingerlein. 1. Überhaupt, die äußersten in mehrer…

  5. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Finger

    Goethe-Wörterbuch

    Finger Kleinschr T1,334,14 v [9.4.]87 1 Teil der menschl Hand; auch in Bildbeschreibung, gelegentl im mythol Bereich a k…

  6. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Finger

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Finger (digitus) , die kleineren, sehr beweglichen Gliedmaßen am Vordertheile der Hand. Sie bestehen aus 3 getrennten Kn…

  7. modern
    Dialekt
    Finger

    Elsässisches Wb. · +8 Parallelbelege

    Finger [Feər allg.; Fær M. ] Pl. ebenso, nur W. teilw. Fingere n ; Demin. Fingerle ; m. 1. Finger. Langi F. han stehle…

  8. Sprichwörter
    Finger

    Wander (Sprichwörter)

    Finger 1. De êrst de Finger warin 1 hett, kriggt boll 2 de ganze Hand derin. ( Ostfries. ) – Bueren, 131; Eichwald, 508;…

  9. Spezial
    Fingerm

    Dt.-Russ. phil. Termini · +1 Parallelbeleg

    Finger , m палец , м

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit finger

366 Bildungen · 326 Erstglied · 38 Zweitglied · 2 Ableitungen

Ableitung von finger

fingern + -er

finger leitet sich vom Lemma fingern ab mit Suffix -er, auf Verb-Stamm zurückgeführt.

Zerlegung von finger 2 Komponenten

fin+ger

finger setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

finger‑ als Erstglied (30 von 326)

finger · 40+ Belege

KöblerAfries

finger 40 und häufiger , st. M. (a) nhd. Finger ne. finger (N.) ÜG.: lat. digitus AB (90, 28), AB (90, 29) Vw.: s. gold-, skot- Hw.: vgl. go…

Finger(e)teⁿ

Idiotikon

Finger(e)teⁿ Band 1, Spalte 865 Finger(e)teⁿ 1,865

finger(s)dick

Idiotikon

finger(s)dick Band 12, Spalte 1248 finger(s)dick 12,1248

Fingerbau

SHW

Finger-bau Band 2, Spalte 737-738

fingerdick

SHW

finger-dick Band 2, Spalte 737-738

Fingerhut

SHW

Finger-hut Band 2, Spalte 739-740

fingerlang

SHW

finger-lang Band 2, Spalte 739-740

finger als Zweitglied (30 von 38)

Chnolle(n)finger

Idiotikon

Chnolle(n)finger Band 1, Spalte 864 Chnolle(n)finger 1,864

Diebesfinger

Wander

diebe·s·finger

Diebesfinger Du hast wohl einen Diebsfinger in der Tasche. Zu dem, der besonderes Glück beim Spiel hat. (S. Erpel.)

Dūme(n)finger

Idiotikon

Dūme(n)finger Band 12, Spalte 1820 Dūme(n)finger 12,1820 o.

fünffinger

DWB

fuenf·finger

fünffinger , ein pl., die finger der hand zusammen: es schwere oder gebe gleich brieff und siegel von sich und drücke seine fünffinger gar d…

Fü(n)ffinger

Idiotikon

Fü(n)ffinger Band 1, Spalte 864 Fü(n)ffinger 1,864

goldfinger

DWB

gold·finger

goldfinger , m. , der vierte finger jeder hand, an dem gewöhnlich die ringe getragen werden. seit dem 12. jh. bezeugt, vgl. anularis goltvin…

Grōssfinger

Idiotikon

Grōssfinger Band 1, Spalte 864 Grōssfinger 1,864

herzfinger

DWB

herz·finger

herzfinger , m. goldfinger, vierter finger. Henisch 1102, 27 : folget der vierte, der gold- und herzfinger, also genannt, weil man etwa die …

Hërzfinger

Idiotikon

Hërzfinger Band 1, Spalte 864 Hërzfinger 1,864

Hēr(r)e(n)finger

Idiotikon

Hēr(r)e(n)finger Band 1, Spalte 864 Hēr(r)e(n)finger 1,864

kaufleutfinger

DWB

kaufleutfinger , m. der daumen. Henisch 1102 . Stieler 485 , wol vom geldzählen bei dem der daumen eine wichtige person ist, oder scherzhaft…

Knölplifinger

Idiotikon

Knölplifinger Band 1, Spalte 864 Knölplifinger 1,864

Lëckfinger

Idiotikon

Lëckfinger Band 1, Spalte 864 Lëckfinger 1,864

lǣwfinger

KöblerAe

lǣwfinger , st. M. (a) nhd. Zeigefinger Hw.: s. lǣwan E.: s. lǣwan, finger L.: Hh 193

mittelfinger

DWB

mittel·finger

mittelfinger , m. : mittelfinger an der hant, verpus, medius. voc. inc. theut. n 8 b ; also weit, als ein mittelmann ( mann von mittlerer gr…

Nopperifinger

Idiotikon

Nopperifinger Band 1, Spalte 864 Nopperifinger 1,864

Ohrfinger

Adelung

ohr·finger

Der Ohrfinger , des -s, plur. ut nom. sing. der fünfte und letzte Finger an der Hand, weil man vor Alters die Ohren damit zu säubern pflegte…

querfinger

DWB

quer·finger

querfinger , m. der finger der breite nach, als maszbestimmung ( die fingerbreite ), vgl. finger 6: ettliche gäng seindt nur drei quärfinger…

ringfinger

DWB

ring·finger

ringfinger , m. dieselbe bezeichnung im dän. schwed. nld. engl., digitus annularis, der goldfinger ( s. dieses ), der vierte finger vom daum…

Schwörfinger

DRW

Schwörfinger, m. zum Eid gebrauchter Finger, Schwurfinger; idR. Daumen, Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand Sachhinweis: Rechtswahrzeic…

scytefinger

KöblerAe

scytefinger , st. M. (a) nhd. Zeigefinger Hw.: vgl. afries. skotfinger E.: s. scyte, finger L.: Hall/Meritt 299b

skotfinger

KöblerAfries

skot·finger

skotfinger , st. M. (a) nhd. Schießfinger, Zeigefinger ne. shooting-finger Hw.: vgl. ae. scytefinger Q.: H, S, W E.: s. skot, finger W.: nno…

Ableitungen von finger (2 von 2)

befingeren

WWB

be-fingeren V. a) betasten. — b) mit Geschick bewerkstelligen, in Ordnung bringen. Fī wett dä Sāke woa befingern ( Dor Wl ).

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „finger". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/finger/adelung?formid=F01396
MLA
Cotta, Marcel. „finger". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/finger/adelung?formid=F01396. Abgerufen 13. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „finger". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/finger/adelung?formid=F01396.
BibTeX
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