finger,
m. digitus, durch alle unsere sprachen gehend, goth. figgrs,
ahd. finkar, fingar,
mhd. vinger,
ags. engl. finger,
alts. fingar,
nl. vinger,
fries. finger,
altn. fîngr,
schw. dän. finger,
wofür in den urverwandten sprachen kein ausdruck nahe liegt, nur einzelne sich von ferne heranziehen lassen. ein merkwürdiges zeugnis von der alten abgrenzung unsers idioms. mit finger
unmittelbar in der wurzel verwandt wurde schon sp. 1311 fangen
dargestellt, d. h. ein der reduplicativform fangen fieng
vorangegangnes, längst erloschnes fingen fang,
wie auch andere reduplicationen auf ältere ablaute zurückschlieszen lassen. geht ein eben besprochnes fingeln
alt hinauf, so läge darin bestätigung des fingen,
und das lat. pangere, compingere
entspräche. dasz seinem begriffe nach finger
aus fangen
herfliesze ergibt sich von allen seiten. fang
ist das fangende, greifende, des raubvogels krallen heiszen fänge,
warum könnten sie nicht auch den namen finger
führen? ain iegleich vogel, der vinger hât an den klâen, der væht oder raubt. Megenberg 165, 7; eʒ sint vil vogel krummer vinger, die wenig airent. 195, 1; der eisvogel hât zwên vinger an dem fuoʒ und krum negel oder klâen dar
an. 202, 15.
vom greifen
sind sie ebenwol griffe
genannt. nach Haltrich
zur deutschen thiersage s. 38
hat die siebenbürgische mundart fnjer
für finger.
baskisch leitet sich atza
finger von asir, atzi
greifen. selbst unser hand,
goth. handus,
malbergisch channu
verleugnet nicht seinen zusammenhang mit hinþan
capere, ahd. hunda, hunta
ist captura, fang, beute, der hund
das fangende thier, welches wort uns durchsichtiger wird als die entsprechenden formen den übrigen sprachen. skr. kara,
gr. χείρ,
finn. käsi
bindet sich mit hri
capere, ir. lamh,
welsch llaw
mit λαμβάνω.
weil aber daume
der vornehmste finger,
so darf dessen finnischer name peukalo,
est. päk, peial
und versetzt lapp. pelge,
lat. pollex,
böhm. palec
allerdings an die buchstaben von finger
rühren, ja das poln. palec
besagt geradezu finger. ihren ursprung bergen lit. pirsztas
finger, zehe, kralle, lett. pirksts,
altsl. pr'st'',
russ. perst'',
böhm. prst.
nicht unthunlich schiene etwa, der form nach, finger
mit digitus,
it. dito,
sp. dedo,
prov. det,
fr. doigt
zu vereinbaren, einen tausch der anlaute f
und d
anzunehmen oder gar bezüge zwischen fahen, fangen
und dikan thiggian
zu vermitteln. allein digitus
entspricht offenbar unserm zehe,
ahd. zëha,
ags. tâh,
altn. tâ (
GDS. 240),
die von finger
abliegen und ihre klare wurzel (
goth. teihan)
zu erkennen geben. die einzelnen fingernamen verzeichnet meines bruders abhandlung zur exhortatio s. 30
ff. 53
ff. und die meisten werden im wörterbuch, jeder an seiner stelle, aufgeführt, ich will hier aus Göthe 24, 186
nachholen, wie ein claviermeister die finger zu bezeichnen pflegte: 'die däumerlinge und deuterlinge, die krabler und zabler',
unter welchen beiden letzten doch der dritte, vierte und fünfte insgemein begriffen scheinen. beiwörter, ausdrücke, redensarten sollen nun der reihe nach folgen. 11)
wie alles zählen an den fingern
begann (
ἐπὶ δακτύλων συμβάλλεσθαι.
Herod. 6, 63),
heiszt es von rohen völkern, dasz sie nicht einmal fünfe, oder nicht über fünf zählen können (
GDS. 239),
was dann auf beschränkte, unbesonnene köpfe angewandt wird: darunder manger ist betaubt, das er nit fünfe zelen kan. Wolkenstein
s. 96; stest du da mit dinen gesellen, als kontestu keine vive tellen.
Soester Daniel 88.
eine mnl. thierfabel von fuchs und elster läszt Reinaert zu ver Ave (
frau Ava)
sagen: ic soude u leren tellen twê ende daer toe twê, al êr wî scieden (
belg. mus. 6, 414).
merkwürdig, da naturforscher beobachtet haben, wenn in eine hütte, die unter dem nest der elster steht, weniger als fünf oder gerade fünf jäger gehen und dann einzeln wieder heraus, so wartet sie ab, bis alle heraus sind, ehe sie wieder zu neste fliegt. was aber über fünf ist, merkt sie nicht mehr. 2 + 2
ist =
vier, über welche vier finger der daume als fünfter hinaus geht, wie das erste jahr der zweiten olympias ein fünftes ist. ebenwol heiszt es: als ob sie nit recht dreu kün zeln. Haupt 8, 516; ob er nicht über drei kunde zeln. Garthener 384; hängen die köpfe als wenn sie nicht drei zählen könten.
Schlampampes tod 44. an sîme vinger ër dô las und zalte vil rëhte ir beider geslehte. Herb. 5938; ich konnte es an den fingern abzählen (
es war leicht zu erkennen), dasz du mir nicht beistimmen würdest; nit das
[] man dir alle ding müsz an den fingern uszzelen. Murners
geuchmat (
Scheible) 926; beim itzigen statswesen könte man die gerechten an den fingern zählen, die in bösen gewissen verhaften aber mit vil tausenden. Butschky
Patm. 244; ich hatte das allerwenigste hierwieder einzuwenden, zumalen da ich an allen meinen fingern abzehlen konte, dasz eine stärkere macht erfordert würde, die insel mit gewalt der waffen einzunehmen.
Felsenburg 4, 298; was zählen sie denn an den fingern? was hat ihnen denn der arme nagel gethan, dasz sie ihn so zerbeiszen? Lessing 1, 289; ein mann, der seine wolthaten schon ausposaunet, der sie einem jeden auf den fingern vorzurechnen weisz. 1, 238; ich kann mir doch wol an den fingern abzählen, woher sie den ring kannte. 1, 548; auf den fingern herzählen. 8, 243; ja sie werden einen solchen rechenmeister brauchen, der an den fingern abzählen musz, wie lange er in den tag hineinschläft. 'narr, das ist eine ganz andere rechnung. wo man nach krügen und gläsern zählt, braucht man der finger nicht'. Weisze
kom. opern 2, 203; das stand doch wol an den fingern abzuzählen.
Siegfr. von Lindenb. 1, 57; hast du vergessen, wer dir den klugen gedanken eingab, sie zu verlassen? soll ich sie dir an den fingern herzählen? Göthe 10, 98; ich weisz es auf den fingern (
sehr genau). Gotter 3, 283. an den knöpfen des rocks abzählen können
ist ein gleichnatürlicher ausdruck. sam vil dër jâr als sich ein hant gevingert. Albr.
Tit. 2866
umschreibt dichterisch fünf jahre.
die fünf finger
bezeichnen aber auch einen handschlag: solches knarren währete solange bisz Florindo sich erbarmete und mit fünf fingern auf seinen backen spielete. Weise
erzn. 149; welche thaten der groszen weltbeschrienen heldengeschichten oftmals mit solchen schwachheiten angefüllet sind, dasz man die erzlügen mit allen fünf fingern greifen kann (
handgreifliche lügen).
Jucundiss. 191; da aber die stichelworte allzu gemeine wolten werden, sahe sich Solande genötigt los zu brechen und dem gröszten under dem haufen eine hand voll finger auf die nasen zu werfen.
pol. stockf. 286; und wenn sie etwas kaufen, so zahlen sie was billig ist und plagen einen nicht mit märten (
markten), dasz es einem duecht, man möchte ihnen fünf finger usgwicht geben. Gotthelf
bilder u. sagen 5, 6.
Hesiod nennt die hand πέντοζον,
fünfzack, πενταδάκτυλον ist das fünffingerkraut. sechs finger,
die als spiel der natur vorkommen (
s. bilfinger),
schreiten von dem decimal in das duodecimalsystem: da war ein grosz man, der hatte ja sechs finger und sechs zehen, die machen vier und zwenzig und er war auch von den riesen geborn.
1 chron. 21, 6,
sie weisen unnützen, störenden überflusz und es heiszt von etwas unpassendem: schickt sich wie sechs finger in ein händschuch.
bienenk. 173
b; reimt sich wie sechs finger in einen handschuh.
böse weiber (1683)
s. 85.
für die finger beider hände zusammen wird auch gern alle zehn finger
gesagt: er leckt alle finger darnach, er bleibt alle finger lang (
jeden augenblick) stehn, es kommt mir in alle finger. Gotthelf
Uli 326;
oder sinnlicher: alle zehn finger lecken,
höchst lüstern sein, einen mit allen zehn fingern herbeiziehn.
des eilften fingers
geschah schon oben sp. 110
meldung, in den fastnachtspielen tritt er oft auf 99, 14. 100, 10. 154. 156. 242, 32. 244, 2. 313, 7. 22)
der ausgestreckte finger, zumal der rechten hand deutet, mit dem finger deuten
ist weisen: mit mînem vinger wîsete ich in.
pass. H. 95, 58; mit dem finger auf mich zeigen. H. Sachs I, 541
d; als deine mutter dich in unsre reihen brachte, da lief er auf mich zu und sprach 'die schäferin', und wies dabei auf dich mit seinem finger hin, 'die nimmt mir etwas weg, was soll ich jetzo machen? ich weisz nicht wie mir ist'. Rost
schäferged. 117; ein loser, schedlicher mensch gehet mit verkeretem munde, winket mit augen, deutet mit füszen, zeiget mit fingern.
spr. Sal. 6, 13; so du niemand bei dir beschweren wirst, noch mit finger zeigen.
Es. 58, 9; ich komme auch in keinen hof, da man mit fingern auf mich zeige.
Aimon n 5
a; hier wo jedermann sie kennt, mit den fingern auf sie weist. Lenz 1, 246.
gewinkt wird mit dem zeigefinger
oder mit der ganzen hand, gedroht mit dem zeigefinger,
der vierte finger
heiszt der namenlose
oder ungenannte (
impudicus),
finn. nimetöin sormi,
und wenn auch den nordamericanischen Mönitarris der dritte finger 'der ohne namen'
genannt wird, ist es doch unser vierter, weil sie den daumen besonders rechnen und vom ersten finger zu zählen beginnen. reise des prinzen von Wied 2, 567; rühr es
[] mit dem ungenanten finger der rechten hand. Seuter 196;
unter allen fingern
ist der kleine der klügste und witzigste, wie von den sieben knaben der däumling
d. i. le petit poucet; er hat mehr im kleinen finger als ein andrer in der ganzen hand; dar scal denne hant sprëchan, houpit sagên, allërô lidô huelîh unzi in dën luzigun vinger.
muspilli 95. 96; erst gestern fragt ich noch den kleinen finger aus, der prophezeit mir wol. Günther 387; sacht, ihm erzählt es ein vögelchen oder sein finger. Voss 2, 25;
fr. mon petit doigt me l'a dit,
obschon man auch hört: wie mir mein daumen erzählt (2, 850). 33)
für schön gelten an frauen lange, feine, zarte, runde finger, kleine, rane finger. Maaler 136
a: si truoc zwô linde hende blanc, dâ stuonden kleine vinger lanc schôn und lusteclîchen ane.
tr. kr. 19992; ir wolstênden hende, ir vinger lanc als einer küneginne.
MS. 2, 67
a; ir hende und ir vinger lanc, âne bühel und âne bërc.
Flore 6910; rôte und linde ballen, die man an schœnen frouwen siht, ich wæne dërn hêt si niht.
Wigal. 163, 15; schône hende, finger lanc, glander negel. Herbort 2496; an wîʒen handen vinger lanc.
MSH. 3, 468
a; ir hend überschœnet sint mit liehter varwe glanz, ir vinger grüeblecht und ganz.
Ls. 3, 102; vinger sinwël überal, gedræt als ein kërzestal; lons et gresles avoit les doiz. Mèon 4, 148; kaulichte (
kugelichte, ründliche) finger. Ettners
hebamme 802; die jungfer hat feine helle augen und geziegene subtile fingerchen.
unw. doct. 327,
wo vielleicht geriegene
oder gediegene
zu lesen. 44)
in anderm sinne sind lange
oder krumme finger
diebische, stehlende: lange finger machen,
wonach reichen, es entwenden. J. P.
grönl. proc. 2, 25.
substantivisch, das ist das verächtliche heer der langen finger (
der spitzbuben und gauner). Schiller 149
b; warneten, dasz sie sich solten wol fürsehen für denjenigen, welche nach uns kommen würden, weilen sie krumme finger hatten.
fr. Simpl. 2, 103; ich hab noch nie gehöret, dasz auch der frechiste dieb hat auf einem jahrmarkt krumme finger gemacht, wann ihm der stadtrichter hat zugeschauet. Megerle
Judas 1, 284; geschwinde finger.
Pierot 2, 363.
hingegen, die finger sich krumm
und lahm arbeiten; die finger krump an garn winten.
fastn. 267, 14; da musten stets die finger gehn und am verwünschten rade drehn. Weisze
kom. op. 2, 68; auch sind mir die finger ganz verklommen, so kalt ist es schon. Lessing 12, 470; starre, erstarrte finger, lahme, erlahmte. die finger spitzen, spitze finger machen
will sagen, etwas nur mit den enden der finger zierlich und reinlich fassen: wo die geputzten herren und damen im garten spazieren und mit spitzigen fingern die blumen reichen und halten. Göthe 40, 262; hab ich einem gegenstand nur die spitze des fingers abgewonnen, so kann ich mir die ganze hand durch hören und denken wol zueignen,
vgl. fingerspitze. nackte, blosze finger
sind die ohne handschuh, aber auch die von ringen entblöszten: nächst war Melan ein knecht, und muste, da der schmaus den letzten trauring frasz, mit nackten fingern betteln. Günther 529. reine, unbefleckte finger
stehn entgegen den klebrigen, schmutzigen, geldzählenden des wucherers: das keim an fingern nichts pleib kleben.
fastn. 792, 12; er hat geld an den fingern kleben lassen,
veruntreut; zehlt immerhin, ihr kargen thoren, die finger blau, das silber blank. Günther 172; freund, kenne doch die welt! der gröszre dient geringern, an weisen haftet staub und gold an kargen fingern. Dusch
verm. werke 304 mit regen, schnellen, aufmerksamen fingern etwas durchsuchen: mit den aufmerksamsten fingern forschte dieser grosze gelehrte diesem niedlichen gotte durch alle kupferbücher nach und wo ihm nur ein kleiner nackter bube vorkam, da schrie er Amor! Amor! Lessing 8, 219. 55) meine hende troffen mit myrrhen und myrrhen liefen über meine finger an dem rigel am schlosz.
hohelied 5, 5;
[] sich das bast,
die haut von den fingern melken
oder winden
schon 1, 1149
angeführt, doch mag hier die eine stelle vollständiger platz finden: die sonne sticht und brennt, das biszchen gras verwelkt, dasz man sich abends fast das bast von fingern melkt, und wenig milch bekömmt. Rost
schäfergedichte 63,
weil die schlaffen euter härter gezogen werden müssen. in den folgenden redensarten mangelt der artikel nicht: und war schon der und der wie vor uns andern todt, du strichest sein beschwer als mit dem finger weg. Fleming 86,
du halfst ihm mit leichter hand. er erschrack bis in den finger (
bis in die fingerspitzen).
pers. rosenth. 1, 5,
was die ausg. von 1775
verdirbt: bisz sich in die finger. er ist geschwind, schnell mit den fingern, fingerfix. so viel man mit den fingern erfaszt, ergreift, eine faust voll,
pugillus. er ist mir unter den fingern (händen) todt geblieben. leute, welche die finger im spiele haben (
sich einmischen). Gotthelf
erz. 3, 204. aber Belial verwundert sich mit den fingern (
machte verwundernde gebärde). Ayrer
proc. 1, 6. sei so thöricht nicht, dasz wenn du eine untugend siehest, du dieselbige auf den fingern tragest und einem jedern anzeigest.
pers. baumg. 7, 30; und kommt mir vor, dasz diejenige (
dame), mit welcher e. maj. geredet, schon würklich es umb zwei finger höcher traget, als die andern, so das glück nicht gehabt (
a. 1712).
archiv für österr. gesch. 16, 224. die saugen mirs nicht aus den fingern.
Schlampampe krankh. 51; wie manche hübsche duenna ist mir bei der gelegenheit unter die finger gekommen! Göthe 10, 95; wie froh erschrack ich, als mir unvermuthet ein briefchen in die finger kam. Schiller 262
b. den handschuh von den fingern ziehen, abstreifen, reiszen. 66) das thierchen ist nur eines fingers
oder einen finger lang; das band ist nicht einmal fingers breit; ich weiche nicht fingers, nicht um einen finger breit (
ne digitum transversum); und weiche keinen finger breit von gottes wegen ab. Hölty 48; der tisch steht noch einen finger weit ab; es ist kaum einen finger (
schritt) vor tage; die schminke liegt fingers dick. Lessing 1, 378; er rieb sich erst den schlaf und den mehlstaub aus den augen, der ihm fingers dicke auf seinen borstigen wimpern lag. Weisze
jubelhochzeit 33.
diese fügungen sind vorzüglicher und freier als die heute beliebten uneigentlichen composita. es ist so nah, dasz man es mit dem finger reichen kann. 77)
die finger
helfen einander, wie alle glieder thun. der wirt und der landjäger sind wie zwei finger an einer hand. Gotthelf
schuldenbauer 29; deux bons amis sont les deux doigts de la main; er ist so gesund, ihm thut kein finger weh,
optime valet. 88) gottes finger,
gottes spur in der ganzen natur, ein wink gottes: dis ist des herren wort. hier, hier ist gottes finger. Gryphius 1, 289; wälder, felder mit dem vieh zeigen gottes finger hie. Joach. Neander
bundeslieder. Bremen 1680
s. 162; der unmittelbare finger der allmacht. Kant 8, 361; gute gemüther sehen so gerne den finger gottes in der natur. Göthe 19, 343; aber wenn ich gottes finger sehe. Kotzebue
dram. sp. 2, 200; herr obrister, hier ist gottes finger. 3, 318; da sprachen die zauberer zu Pharao, das ist gottes finger.
2 Mos. 8, 19; gab er im zwo tafeln, die waren steinern und geschrieben mit dem finger gottes. 31, 18; und mir der herr die zwo steinern tafeln gab, mit dem finger gottes beschrieben.
5 Mos. 9, 10; so ich aber durch gottes finger die teufel austreibe, so kompt je das reich gottes zu euch.
Luc. 11, 20.
s. fingerzeig. 99) einem den finger auf den mund legen,
ihm dadurch kraft verleihen: fingar thînan dua ana mund mînan, theni ouh hant thîna in thia zungûn mîna. O. I. 2, 3; legete im die finger in die ohren und spützet und rüret seine zunge (
goth. lagida figgrans seinans in ausôna imma jah speivands attaitôk tuggôn is).
Marc. 7, 33; die juden wan sie hörten got lestern, so stieszen sie ein finger in éin or. Keisersberg
narrensch. 180
a.
stillschweigen gebietet, wer den zeigefinger
auf eines andern mund oder auf seinen eignen legt: ër legete in dën vinger uber dën munt, dâ mite tëte ër in kunt daʒ sie ëʒ nieman wolten sagen noch künden solten. Uolrich 648;
[] das macht das er den finger uf das mul leit und schwigt stil. Keisersberg
bilger 1
b; und schwig du mir, so schwig ich dir, man kan wol halten finger für die ougen, das man säch dar usz und wachend tuon als ob man rusz. Brant 33, 10; ich legte meinen finger an die nase und sann lange nach. Gellert 8, 4. 1010)
keine fingergebärde kommt häufiger vor, als jenes halten der finger vor die augen,
das lat. connivere
oder blinzen, gr. καταμύειν,
καμμύειν,
etwas wie unbemerkt oder ungerügt hingehn lassen. schon in Stolles
thüring. chron. do sogen (
sahen) die forsten dorch die fingere. 196; die hern zu Missen toten keins dar zu, sundern sie sogen dorch die fingere;
die fortsetzung des mnl. Reinaert hat 4251 (
Willems): leren door die vinger sien.
nhd. drümb sih ich durch die finger zu. Schwarzenberg 119, 2; ob die magt das von der frauwen dem junkern sol sagen, oder sol sie von dem junkern der frauwen sagen oder sol sie durch die finger sehen, als ietz geschicht, man schenkt ir ein mantel oder ein schleier, so schweigt sie und hilft auch darzuo. Keisersberg
s. d. m. 72
b; das gott durch die finger sicht und sein straf verlengert.
predigen 143
a; und wo das volk im lande durch die finger sehen würde.
3 Mos. 20, 4 (
LXX ὑπερίδωσιν τοῖς ὀφθαλμοῖς,
vulg. blosz negligens
und parvipendens); durch die finger sehn. Luther 5, 148
a; denn er kan wol eine zeitlang durch die finger sehen. 6, 271
a; nun ich musz es lassen geschehen und darzu durch die finger sehen. H. Sachs III. 2, 242
b; so er heuchlisch durcht finger sech.
V. 316
a; darumb gott durch die finger hat gesehn. Frank
last. der trunkenh. H 2
a; durch dfinger sehen one brill. Kirchhof
wendunm. 43
b; und secht in (
den kindern) nit durch dfinger zuo. Schmelzl
verl. son 4
b; gott doch tyrannen nicht stets durch die finger seh. Gryphius 1, 116; kann chach zu diesem stück auch durch die finger sehn. 1, 172; ach wie oft wird den gröszern hansen durch die finger gesehen. Abele
gerichtsh. 1, 398; das er seinen söhnen zu vil nach und durch die finger sahe. Butschky
kanzl. 332; ob die menschen schon zu geringen sünden durch die finger sehen können, so wil es doch gott nicht.
Patm. 871; geräth das kind übel, üm das der vater durch die finger gesehen. 378; dem duell durch die finger sehen. Kant 10, 286; wir sehen mit den einheimischen handwerkern durch die finger. Möser
p. ph. 1, 204; ich könnt ihnen manche frau nennen, die ihren mann mit lauter liebe zu tode quält. 'weil sie seinen unarten nicht durch die finger sehen will'. Gotter
Jeannette 1
aufz. 4
auftr.; freilich sieht er einem auch einmal durch die finger. Göthe 8, 209; dasz auch mir, wie billig, eine schönheit in dem kühlen, wenn ich sie suche, gern begegnen mag. 'wir wollen freundlich durch die finger sehen'. dagegen wiszt ihr, dasz ich schonen kann. 9, 116; der amtmann möchte durch die finger sehn, wenn man dem menschen zur flucht behülflich wäre. 16, 148; der vater hatte das alles zu veranstalten erlaubt, er selbst schien nur durch die finger zu sehen. 18, 24; dasz man von oben herein durch die finger zu sehen und alles, was sich ereignen könnte, dem zufall zu überlassen geneigt sei. 30, 314; ich solle mich davon machen, sie wollten mir durch die finger sehen (e che loro m'arieno fatte spalle). 34, 316; der poet mag hierüber mit seinem gewissen übereinkommen, der leser aber musz gefällig durch die finger blicken. 38, 299. Mösers
mit statt des dativs ist undeutsch. ganz etwas anders ist einem
auf die finger sehn,
ins gesicht fassen was er in seinen fingern hat oder damit thut: indem der (
bote) mittwochs oder sonnabends früh in mein zimmer kommt, wird auf die finger gesehen, ob er nicht einen brief von ihnen bringe.
an Schiller 431. 1111) die finger aufrecken,
erheben zu schwur oder feierlichem handel und gelübde: wëlt ir sëhen sînen kouf, recket einen vinger ouf. Helbling 1, 1314; und wer mir trauren helfen will, der heb ein finger auf! Görres
meisterl. 90; und welcher mit mir woll, der reck mit mir auf einen finger!
meisterl. f. 23
no 89;
[] welhen fortan sein weib nit uberlisten kan, der selb reck auf ein finger!
no 213; wers thon will reck ein finger auf! H. Sachs III. 3, 12
b; machten also ein ufrur unter dem haufen, dasz sie zusammen schwuren und die finger ufreckten. Götz v. B.
lebensb. 209; ein eid mit ufgereckten fingern schweren.
weisth. 2, 194.
ebenso die hand recken,
extendere manum, goth. ufrakei handu þeina.
Marc. 3, 5.
anders: du aber leg die finger auf die brus. und schwöre mir mit einem theuren eid. Uhlands
Ernst 14.
statt recken, strecken
heiszt es auch die finger spreizen, ausspreizen,
eigentlich auseinander in die höhe halten. 1212)
spöttisch gesagt ist zu einem ritter: lât iu dën vinger ziehen!
Parz. 599, 8,
den im kampf versehrten, verrenkten streichen und zurecht ziehen? auch im spiel von der upstandinge (Ettm. 956): gi sint helde, dar man schal flên, sittet neder, lât ju den dûmen tên!
in einem nhd. büchlein, betitelt der complimentist s. 290
findet sich 'die finger ziehen oder schnappern lassen',
wol an den gelenken ziehen, dasz sie knacken: die finger krachen, die männer wachen.
Garg. 168
d. mit den fingern schnippen
heiszt den auf den daumen gedrückten mittelfinger schallend auf die maus gleiten lassen: der sich immer in die lippen beiszt, durch die zähne zischt, mit dem kopfe schüttelt und mit den fingern schnippt. Weisze
kinderfreund 8, 103.
höhnisch oder scherzend 'ein schnippchen schlagen'. lustig mit den fingern schnellt. Günther 195.
meint bei Göthe 5, 265,
der eine houri sagen läszt: wieder einen finger schlägst du mir ein! weist du denn wie viel aeonen wir vertraut schon zusammen wohnen? 'nein! wills auch nicht wissen. nein!'
auch eine solche handbewegung? dasz epileptische den daumen, den finger einschlagen (
sp. 274)
gehört nicht dahin. 1313) an den fingern kauen, nagen, beiszen
hat mehr als éinen sinn. es kann bedeuten was die finger wonach lecken: wir suln ein niuweʒ briuwen, dar nâch si die vinger kiuwen an den triuwen. Neidhart 13, 36; die (
dotter) wolt ich in ein smalz schlagen, so wurden die bauren die finger nach nagen.
fastn. 212, 26.
es meint aber auch nahrung daraus saugen, nach alten überlieferungen sogar wissenschaft, kenntnis, weisheit daran saugen. in einem altirischen lied von Ossian und Patrik 136: 'snach raibh do mhaith a Bhfionn fein ás a cognadh a mheir go smaois,
Finn selbst vermöchte ja gar nichts, wenn er nicht an dem finger kaut, mér,
heute mear (
gen. meir)
ist finger, daume. bei uns von einem wissenden: er hat es aus seinem daumen gesogen; er hat es nicht aus seinem kleinen finger gesogen.
Schlampampe leben 8 (
siehe oben 2). dan ir habts usz den fingern gesogen. Murner
luth. narr 2049; usz got und nit den fingern gesogen. 2332. Gengenbach
läszt s. 129
einen ehmann zu Venus sagen: du bist die mich jetzt fröwt allein. wib und kind wil ich verlan und wil allein dir hangen an, dir koufen röck, mäntel und schuben, mein fraw lassen die finger sugen,
sie mag an den fingern saugen und sich so das leben fristen, wie der bär an den tatzen saugt (Döbel 1, 33
a).
in folgender stelle ist etwas in die finger beiszen
soviel als verbeiszen, unterdrücken: welches wir aber alles bis zu seiner zeit in die finger beiszen (
a. 1585). Rommel
hess. gesch. 5, 644. an den fingern nagen,
in die nägel beiszen, zum zeitvertreib: der junge zephyr fand das gute ding (
die Iris), das fleiszig wache stand, vor langer weil an seinen fingern nagen. Wieland
Juno und Ganymed 872.
auch verlegene, reuige menschen beiszen sich in die finger,
fr. s'en mordre les doigts,
s'en repentir, vgl. Stalder 1, 370. 1414) sich die finger verbrennen
und schaden davon haben, anlaufen, fr. se brûler les doigts: wer einmal so unglücklich gewesen ist sich die finger zu verbrennen. Lenz 1, 105; der unvorsichtige hatte zugegriffen und sich die finger häszlich verbrannt:
[] der unparteiische correspondent (
Hamburger zeitung), der sich nur selten die finger verbrennt. Kl. Schmidt
kom. dicht. 349 meine 119 riesz groszfoliopapier (
die Voss zum druck seiner Odyssee gekauft) kann ich noch nicht anbringen, ob ich gleich die wolfeilsten preise angeboten habe. es scheint die buchhändler freuen sich, dasz doch einmal ein selbstverleger die finger verbrannt. Voss
briefe 2, 269.
man kann den ausdruck auch vom gottesurtheil herleiten: ich möchte für die wahrheit einer behauptung meinen finger nicht ins feuer halten, je n'en mettrais pas mon doigt au feu. 1515) den finger dazwischen stecken und klemmen: nu wil ich mein finger nicht stecken zwischen die irrigen händel. Luthers
br. 1, 314.
ursprünglich, zwischen holz und rinde, zwischen ambosz und hammer stecken. 1616) die finger rühren, mit dem finger anrühren: ich mag darum keinen finger rühren; nun nit ein finger an ein ding legen, sich niener umb arbeiten. Maaler 136
b; ja die hofeehre, würde, gewalt und höhe wolten sie wol gern haben, aber die hofemuhe und erbeit wollen sie nicht mit einem finger anrüren. Luther 6, 162
b; werdet ihr mir nur noch einmal eins (
von den kindern) mit dem finger anrühren, so will ich euch das loch weisen, welches der zimmermann im hause offen gelassen hat.
Jucundiss. 119; ich setze keine feder mehr an, rühre keinen finger mehr für ein so undankbares volk. Wieland 14, 190; und dem soll eine frau eine hand geben, ihn mit einem finger berühren? J. P.
Siebenk. 4, 80.
vgl.anrühren, nicht rühr an 1, 431. 1717) die finger werfen,
fr. jeter les doigts,
bei Maaler 136
a micare digitis, geheimen wink geben, aber auch nur legen: hier warf Amint, mit neuer lust, die finger auf die warme brust (
der Doris), worauf er, wie er zärtlich glaubte, die freiheit mehr zu rauben raubte. Rost
schäfererz. 49.
schäferged. 73. 1818) den finger bieten, reichen: wenn man ihm den finger gibt, so will er gleich die ganze hand; man darf der jugend nur einen finger bieten, sie wird gar bald die ganze hand hernach ziehen. Weise
erzn. 61; wenn man ihnen den finger reicht, so reiszen sie einen bei der hand an sich. Bettine
br. 1, 218. 1919) wir konnten keinen finger stille halten (
zitterten an allen gliedern).
Leipz. avant. 1, 86. 2020) er ist so weich und nachgibig, dasz er sich um den finger wickeln läszt; schon kann ich ihn um einen finger wickeln. Lessing 1, 237. 2121) einem auf die finger klopfen,
ihn gelinde züchtigen, fr. donner sur les doigts. 2222) finger am handschuh,
was die finger bedeckt. 2323) finger am dorn: das flöckchen hielt der dorn in scharfen fingern fest. Rückert.