Abziehen, v. unregelm. (
s. Ziehen). I) trs. 1) Durch
Ziehen absondern. Den Ring abziehen. Einem Thiere die Haut abziehen; auch, ein Thier abziehen. Den Braten, die Handschuh abziehen. † Ein geladenes Gewehr abziehen, den Schuß herausziehen. Uneigentlich, Einem die Larve abziehen, seine Verstellung endigen, ihn in seiner wahren häßlichen Gestalt zeigen. Seine Hand von jemand abziehen, nicht mehr mit Rath und That für ihn sorgen. 2) I gemeinen Leben, und bei mehrern Handwerkern von verschiedenen Arten der Absonderung, Wegschaffung, und dadurch bewirkten Vollendung. Den Hut abziehen, abnehmen. Saiten abziehen, sie vom Wirbel zurücklassen und abnehmen; in Gegensatz von aufziehen. Bohnen abziehen, die langen Fasern, längs den beiden Kanten absondern. Das Wasser von den Wiesen, aus dem Teiche abziehen; auch, den Teich abziehen, ihn ableiten. Wein und Bier abziehen,
d. h. in ein anderes Faß oder in Flaschen füllen. Brantwein, Weingeist abziehen, ihn mit den flüchtigen und kräftigen Theilen anderer Dinge, als Kräuter durch die Wärme verbinden, und ihm ihre Kraft mittheilen. Blumen, Kräuter abziehen, ihre flüssigen und flüchtigen Theile, durch eine darauf gegossene Flüssigkeit in der Wärme ausziehen lassen. Abgezogene Wasser. Daher auch uneigentlich, das Beste aus einer Sache absondern. »— weil die Sprache aus allen Mundarten abgezogen (destillirt) und emporgetrieben (sublimirt) wird.« Nüdiger. — I Weinbaue, ablegen, absenken, auf die Art, daß die Enden der Weinstöcke in die Erde abgebogen werden bis sie anwurzeln. — I Salzwerken, die Pfanne abziehen, sie vom Herde losmachen und ausheben. Bei den Kürschnern, ein Fell abziehen, die Fleischseite desselben völlig rein schaben. Bei den Tischlern, die Arbeit abziehen, sie mit der Ziehklinge glatt und glänzend machen. — Bei den Färbern, die Farbe abziehen, sie aus einem gefärbten Zeuge aussieden; auch abklören. — Bei Buch= und Kupferdruckern, einen Bogen abziehen, ihn abdrucken, doch nur von einzelnen,
z. B. von Dursichtsbogen. Eine Kupferplatte abziehen, ein Probeblatt von derselben abdrucken; auch überhaupt Abdrücke davon nehmen. Er hat von dieser Platte nur 200 Abdrücke oder Blätter abziehen lassen. — Bei den Metallarbeitern heißt diejenigen Stücke, welche zusammengelöthet werden sollen, abziehen, so viel als sie ganz gerade feilen. Auf ähnliche Art bedeutet Gewichte abziehen, sie eichen, wobei oft mit der Feile noch etwas abgenommen werden muß. — Bei den Markscheidern, abmessen, einen Schacht an den Tag bringen, daß man am Tage weiß, wo man in der Grube bauet. — Bei Scherenschleifern, Messerschmieden , ein Messer und dergl. abziehen, dasselbe, nachdem es geschliffen worden, zur Wegschaffung des Grathes auf dem Abziehsteine oder auf einem ledernen Riemen streichen, und dadurch glatt und scharf machen. — Bei den Schustern, das Leder abziehen, es mit Bimstein abreiben. — I den Küchen, die Suppe mit einem Ei abziehen, ein Ei hineinschlagen, und ihre Bereitung dadurch vollenden. 3) I einigen uneigentlichen Bedeutungen. (1) Dem Gemüthe nach von etwas entfernen. Einen von seinem Vorsatze, von einem Plane, einer Partei, vom Wege der Tugend abziehen. Sein Herz von etwas abziehen. So auch, sich von der Welt abziehen. (2) Der Zahl, dem Maße, dem Gewichte nach vermindern. I der Rechnungskunst besonders heißt abziehen (subtrahiren), von einer größern Zahl eine kleinere wegnehmen, um zu sehen wie viel von jener übrigbleibt. Dann, Einem etwas abziehen, von dem, was er bekommen hat, etwas zurückbehalten. Einem etwas von seinem Lohne, vom gefoderten Preise, von dem ihm beschiedenen Theile des Essens abziehen. So auch, sich etwas abziehen. (3) I Gedanken ganz absondern, ganz allein denken, die allgemeinen Merkmahle und Bestimmungen der Dinge für sich betrachten (abstrahiren). Daraus entsteht ein abgezogener Begriff. Abgezogen betrachtet erscheint die Sache so. Abziehen ist in dieser Bedeutung keinesweges verwerflich oder dem Absondern nachzusetzen. S. C. Verdeutschungswörterb. Abstract. II) rec. Sich abziehen. 1) Sich durch vieles Ziehen entkräften, vom Zugvieh. 2) † Von den frisch gedruckten Bogen, die sich abziehen, wenn sie beim Schlagen und Pressen die Schwärze fahren lassen. 3) ≠ Sich zurückziehen. »Gegen Abend ward man gewahr, daß das bisher bei Doberschütz gestandene Korps (der Heerhaufen) sich abgezogen hatte.« Ungen. III) intrs. mit sein, sich mit seinem Gepäcke von einem Orte entfernen. Der Feind zog wieder ab. Die Wache zieht ab. Uneigentlich. Mit Schimpf und Schande, mit einer langen Nase abziehen. Du kannst nur immer abziehen, verächtlich für gehen. Vom Gesinde gebraucht, bedeutet es aus dem Dienste ziehen. Zu Weihnachten zieht das Gesinde gewöhnlich ab. Ehemahls bedeutete abziehen überhaupt, sich mit seiner Habe aus einer Stadt oder Gegend wegbegeben, wofür man aber gewöhnlicher wegziehen sagt. Uneigentlich vom Rauche für, sich entfernen. Der Rauch zieht durch die Röhre ab. — Das Abziehen. Die Abziehung.