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Wênn

mhd. bis spez. · 14 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
19 in 14 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Wênn

Bd. 4, Sp. 1490
Wênn, eine Partikel, welche auf gedoppelte Art gebraucht wird. i. Als ein Nebenwort der Zeit, für zu welcher Zeit. Sowohl 1. in der behauptenden oder geraden Form der Rede. Komm, wenn du willst, zu welcher Zeit du willst. Es sey, wenn es wolle. Man merkt es nicht, wenn das Alter geschlichen kommt. Als auch 2. in Fragen. Wenn wirst du kommen? Wenn gehet die Post ab? Wenn ist er angekommen? Seit wenn ist er dein Freund? besser, seit welcher Zeit? Wenn hätte ich denn mit[] mir allein geredet? Wo der Conjunctiv nicht von dem wenn, sondern von dem ungewissen Gemüthsstande herrühret. Auch in weiterer Bedeutung, für unter welcher Bedingung? oder, in welchem Falle? Wenn ist ein Dreyeck einem andern gleich? Wenn soll ich das Geld bekommen? Kann sowohl auf die Zeit, als auch auf die Bedingung gehen. 3. In Verbindung mit dann, dann und wann, d. i. zuweilen, zu manchen Zeiten, gehet es um des Gleichlautes Willen in das Oberdeutsche wann über. II. Als eine Conjunction, welcher Gebrauch bloß eine Fortsetzung der vorigen Bedeutung, und eine unläugbare Figur derselben ist. 1. Als eine consecutive Conjunction, eine Zeitfolge zu bezeichnen, da es diejenige Veränderung ankündiget, mit deren Wirklichkeit, die Wirklichkeit einer andern verbunden ist, sie mag nun im Vordersatze oder Nachsatze stehen, da denn in der behauptenden oder geraden Redeform dann oder so darauf folgen. Wenn ich daran denke, so grauet mir davor; oder, mir grauet davor, wenn ich daran denke. Wenn du da gewesen wärest, so hättest du auch etwas bekommen. Wenn ich dich sehen, o dann hüpft mir das Herz vor Freude, Gesn. Oft wenn du bey meiner schwachen Seite für die Ruhe des matten Alters Freudenthränen weinest, wenn du dann gen Himmel blickest, ach, was empfind ich dann! Gesn. Dem wenn in diesem Falle noch ein daß nachschleichen zu lassen, ist im Hochdeutschen fremd. Wenn daß dein Herze nur die großen Thaler siehet, Opitz. Wird der Fall als ungewiß oder bloß möglich prädiciret, so folget der Conjunctiv. Wenn er Arzeney eingenommen hätte so lebte er noch. Besonders in Fragen. Was wäre daran gelegen, wenn er nun auch käme? Wenn ich es nun thäte, was würdest du sagen? Wo oft noch ein wie vorher gehet. Wie, wenn er nun käme? Aber wenn der andere Fall, nicht aber der, der das wenn vor sich hat, ungewiß ist, so ist der Conjunctiv in diesem fehlerhaft. Es möchte sonst eine Entzündung dazu kommen, wenn ich so lange stünde, richtiger stehe, Gell. Hierher gehöret es auch, wenn diese Partikel einen Wunsch begleitet: O wenn ich König wäre! Wenn ich nur wüßte, wer es gethan hat! Wenn mir meine Braut das schon wäre, was sie nach ihrem Urtheile werden wird! Gell. Wo die Bedeutung im Grunde consecutiv ist, nur daß der Nachsatz verschwiegen ist. 2. Als eine conditionale Conjunction, eine Bedingung zu bezeichnen, unter welcher eine Veränderung möglich werden soll; da denn allemahl so darauf folget. Wenn es seyn kann, so thue es. Wenn man dich fragt, so antworte. Wenn du nicht mein Freund wärest, so hätte ich geschwiegen. Wo aber auch das so verschwiegen werden kann, in welchem Falle aber der Nachsatz voran treten muß. Thue es, wenn es seyn kann. Ich hätte geschwiegen, wenn du nicht mein Freund wärest. Aber auch das wenn kann verschwiegen werden, in welchem Falle aber das Verbum voran tritt. Kann es seyn, so thue es. Wärest du nicht mein Freund, so hätte ich geschwiegen. Will er nicht müßige Weile haben, so muß er sich doch etwas zu thun machen. Ist dieses kein Glück, so muß gar keins in der Welt seyn, Gell. 3. Als eine concessive Conjunction, da es denn gleich, auch oder schon zu sich nimmt, und sowohl im Vordersatze stehen kann, da denn so doch oder dennoch im Nachsatze folgen. Wenn du gleich reich bist, so bist du doch nicht weise. Wenn gleich ihr Auge zürnt, so zürnt es dennoch schön, Gell. Und von einem bloß möglichen Falle mit dem Conjunctive. Wenn du auch hundert Augen hättest, so würde er dich dennoch betriegen. Als auch im Nachsatze. Cajus ist verständiger als Titius, wenn[] dieser gleich gelehrter ist. Wo auch das wenn verschwiegen werden kann, in welchem Falle aber die Wortfolge geändert wird. Bist du gleich reich, so bist du doch nicht weise. Hättest du auch hundert Augen u. s. f. 4. Als eine comparative Conjunction, doch nur nach dem als, und wenn das vergleichende als bloß möglich vorgestellet wird, folglich mit dem Conjunctive. Er schmeichelt mir, als wenn ich ein Fürst wäre. Sie ist so geputzt, als wenn es heute ein Festtag wäre. Wo das wenn auch weggelassen werden kann. Es war mir, als rückten mir alle, die mich sahen, mein Vergehen vor. Du stellest dich, als wüßtest du nicht u. s. f. Anm. Im Isidor huanda, bey dem Kero wenne, bey den Schwäbischen Dichtern swenne, im Engl. when. Das Lateinische quando ist genau damit verwandt. Im Oberdeutschen lautet dieses Wort in allen Fällen mit dem breitern Vocal wann, im Niederdeutschen wenn. Die Hochdeutschen haben die letzte Gestalt beybehalten, das einzige dann und wann, d. i. zuweilen, ausgenommen. Von dem nicht bloß unnöthigen, sondern selbst irrigen Unterschiede, welchen einige unter wann und wenn machen wollen, ist schon bey Wann das nöthige gesagt worden.
5140 Zeichen · 78 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    wenn

    Mhd. Handwörterbuch (Lexer) · +4 Parallelbelege

    wenn , wenne s. wan, wande.

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Wênn

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Wênn , eine Partikel, welche auf gedoppelte Art gebraucht wird. i. Als ein Nebenwort der Zeit, für zu welcher Zeit. Sowo…

  3. modern
    Dialekt
    wënn

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    wënn [wèn Fisl. Dietw. Mü. ; wæn Su. M. ; wèn Obhergh. ; wan Co. Dü. Bf. K. Z. Betschd. ; wæn Str. W. ] Konj. 1. wenn. W…

  4. Sprichwörter
    Wenn

    Wander (Sprichwörter)

    Wenn 1. Wä mer us Wenn Körf macht, da sind de Wiggen dür. ( Bedburg. ) 2. Wann die Wann nit wär, wär' ui'r gleich bei Ue…

  5. Spezial
    wenn

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    wenn conj. 1 (konditional) sce, tl caje che 2 (in Wunschsätzen) sce 3 (temporal) canche. ▬ wenn er nur gesund wird! sce …

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit wenn

79 Bildungen · 62 Erstglied · 9 Zweitglied · 8 Ableitungen

wenn‑ als Erstglied (30 von 62)

wenna · 1+ Belege

KöblerAfries

wenna 1 und häufiger , sw. V. (1) nhd. gewöhnen ne. make (V.) used to Hw.: vgl. ae. wėnna, anfrk. *wennen, as. wennian*, ahd. wennen* (1) E.…

Wenn'acker

MeckWB

wenn·acker

Wenn'acker vereinzelt Winn'- m. Acker, der nach der Brache zum zweiten Mal umgepflügt wurde: Mi 106 a ; Wenn'acker Bri. 1, 123; Ro Ribn ; St…

wennegelt

KöblerMnd

wenne·gelt

wennegelt , N. nhd. Angeld, Handgeld des Schweinehirten? E.: s. wenne (2)?, gelt L.: Lü 572b (wennegelt)

Wenneke

Wander

wenn·eke

Wenneke Wenneke sint kene Unterröcke. ( Hannover ). – Schambach 89. Wenneke, von wennen = wenden, ist eine Art von Frauenrock. Das Sprichwor…

wenneke (wenke)

LW

wenneke·wenke

wenneke (wenke), f. anabolodium, toga, lodix, penula, linea vestis, l. v. feminarum; es scheint ein weites, grobes Kleidungsstück zu bezeich…

Wennelgeld

MeckWB

Wennelgeld n. wie Wenngeld: 'Wendelgeld für ein Schwein und Ziege à Stück 1 ßl (an den Schweinehirten)' (1792) Lohnbest.; weiterer Beleg s. …

Wennels1

MeckWB

Wennels 1 n. in der Zs. Ümwennels .

Wennels2

MeckWB

Wennels 2 n. wie Winnel n.: een Wendels Deeg (eine Menge aus Mehl, Wasser und Hefe zubereiteten Teiges) Mantz. Ruh. 2, 61.

wennen

DWB

wen·nen

wennen , vb. , vereinzelt bezeugte ableitung von 1 wenn ( vgl. ver-wenn-en teil 12, 1, 2216 sowie engl. to if NED. 5, 29): 'wenn es dich ein…

wennen1

MeckWB

wennen 1 , selten winnen wenden: wennen Mi 106 a ; Part. Prät. wenn't, in Zss. auch mit Rückumlaut wann't, s. u. ; wegen lautl. Zusammenfall…

wennen2

MeckWB

wennen 2 1. gewöhnen a. trans. : 'wene dine tunge ..., wat gudes to seggende' (15. Jh.) Wiechm.-Hofm. 1, 5; 'se scholden ym ersten Jare ere …

wennen I

RhWB

wennen I -ę- = wenden (s. d.);

wennen II

RhWB

wennen II -e-, –ę- s. (ge)winnen;

wennen III

RhWB

wennen III -e-, –ę- s. winden;

wennen IV

RhWB

wennen IV -ę- s. (ge)wöhnen;

Wenner

GWB

wen·ner

Wenner [bisher nicht publizierter Wortartikel]

wennescaftōn

KöblerAhd

wennescaftōn , sw. V. (2) Vw.: s. wenneskaftōn*

wenneskaftōn

KöblerAhd

wenneskaftōn , sw. V. (2) nhd. schwingen, den Speer schwingen ne. swing (V.), brandish ÜG.: lat. (mobilitas hastae) N Q.: N (1000) I.: Lüt. …

Wenn'fohr

MeckWB

Wenn'fohr Winn'- f. Wendefurche, das Pflügen nach der Brakfohr, s. Fohr 1 und pläugen I 1 a; Wenn'fohr Wi Bäb ; Stove; Wa KGrub ; öft.; Wend…

wenn'fohren

MeckWB

wenn·fohren

wenn'fohren a. Spr. wendefahren die Wendefurche ziehen, Land umbrechen: offringere 'wendefaren' Chytr. 51.

Wenngeld

MeckWB

wenn·geld

Wenngeld n. Geld, das ein Hirte dafür bekommt, daß er das Vieh an das Weiden in der Herde gewöhnt, vgl. wennen 2 1 a und c: 'VI d. vor wenne…

Wenn'häuken

MeckWB

wenn·haeuken

Wenn'häuken a. Spr. Wendehoike m. Mensch, der den Mantel nach dem Winde dreht, ein Wetterwendischer: hominem duplicem et varium appellamus '…

Wenn'haken

MeckWB

wenn·haken

Wenn'haken m. a. Spr. Handgerät zum Wenden großer Hölzer: '1 wendehake ..., 1 iseren stangen' (1532) Jb. 91, 202.

wenn als Zweitglied (9 von 9)

antwenn

Idiotikon

ant·wenn

antwenn Band 16, Spalte 90 antwenn 16,90

ei(n)wenn

Idiotikon

ei(n)wenn Band 16, Spalte 90 ei(n)wenn 16,90

eswenn

Idiotikon

eswenn Band 1, Spalte 594 eswenn 1,594

etwenn

Idiotikon

etwenn Band 16, Spalte 90 etwenn (Nachtr.) 16,90

grōwenn

KöblerAe

grōwenn , F. nhd. Wiese? Hw.: s. grōwan E.: s. grōwan L.: Hh 139

irge(n)dwenn

Idiotikon

irge(n)dwenn Band 16, Spalte 90 irge(n)dwenn 16,90

Schwenn

Idiotikon

sch·wenn

Schwenn Band 9, Spalte 1881 Schwenn 9,1881

Ableitungen von wenn (8 von 8)

bewennen

MeckWB

bewennen bewenden, aufhören: För ditmal laten S' 't man bewen'n. Dat namm doch tau en klät'rig En'n Reut. 5, 348; s. auch bewandt .

entwennen

MNWB

entwenden , -wendigen (entwennen) , swv. , 1. abwenden, fortwenden, abwehren. 2. entwenden , wegnehmen. 3. abspenstig, abwendig machen.

erwennen

KöblerMhd

erwennen , st. V. Vw.: s. erwinnen

Gewenn

LothWB

Ge-wenn [-wen, Pl. –ər Bo. D. Si. ] n. 1. heftiger Wind. vgl. mhd. gewinden vom Wehen des Windes. — 2. Gewinde, Schraubenmutter. — els. 2, 8…

gewennen

MNWB

gewennen , gewēnen , wen(n)en , swv. , gewöhnen , gewēnen van dem sö̑ghende entwöhnen (noch bei Adelung „gewöhnen ablactare”) , sik gewennen…

verwennen

DWB

verwennen , v. , gelegenheitsbildung im anschlusz an das formelhafte wenn und aber: mit ihren heimlichen karten haben sies ( das recht ) ver…

Verwennung

MeckWB

Verwennung f. 1. Verwendung: dei Snurrersch hett jo woll Verwendung för allens Ro Ribn . 2. Aufwendung: 'zur ... Herstellung der Gebäude Ver…

Wenne

Campe

† Die Wenne , Mz. — n , im Osnabrückschen. 1) Die große Warze an den Beinen der Pferde. 2) Eine Art Geschwulst, welche Menschen am Kopfe, au…

Zitieren als…
APA
Cotta, M. (2026). „wenn". In lautwandel.de — Aggregat aus 53 historischen deutschen Wörterbüchern. Abgerufen am 13. May 2026, von https://lautwandel.de/lemma/wenn/adelung?formid=W01799
MLA
Cotta, Marcel. „wenn". lautwandel.de, 2026, https://lautwandel.de/lemma/wenn/adelung?formid=W01799. Abgerufen 13. May 2026.
Chicago
Cotta, Marcel. „wenn". lautwandel.de. Zugegriffen 13. May 2026. https://lautwandel.de/lemma/wenn/adelung?formid=W01799.
BibTeX
@misc{lautwandel_wenn_2026,
  author       = {Cotta, Marcel},
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  urldate      = {2026-05-13},
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