weben,
verb. auf dem webstuhl verfertigen; sich hin und her bewegen, sich zeigen und wirksam sein; wehen. II.
herkunft und verwandtschaft. vom historischen standpunkt aus müssen drei worte unterschieden werden, von denen die beiden ersten vielleicht dieselbe etymologische grundlage haben, das dritte ist ursprünglich ein ganz anderes wort, ist aber später mit dem zweiten zusammengeworfen worden. I@11) weben '
texere'
ist mhd. weben,
ahd. weban Graff 1, 644,
dazu mnd. weven Schiller-Lübben 5, 703,
mndl. weven Verdam 691,
wfries. weevje weve Dijkstra 3, 417, weefje 477,
nfries. (
in Sylt) weev Möller 297,
ags. wefan '
weben, veranstalten' Bosworth-Toller 1182
a (
daneben das schw. verb. webbian),
mengl. wefen Stratmann-Bradley 681,
nengl. weave,
anord. vefa '
weben, flechten, schlingen' Fritzner 2, 886 (
daneben das schw. verb. vefja),
schwed. väfva,
dän. väve,
im got. nicht belegt. eine ins indogerm. zurückreichende bildung: dazu gr. ὑφή,
ὕφος '
gewebe',
ὑφάω,
ὑφαίνω '
webe',
skr. ūrṇavābhi- '
spinne'
eig. '
wollenweber', ubhnti, umbháti '
schnürt zusammen, bindet',
avest. ubdaēna '
aus webstoff' Fick
4 3, 391;
nach Feist
kultur der Indogermanen 230
gehört auch avest. vawžaka- '
spinne',
neupers. bāfad '
webt',
alb. veń
dazu. neben der indogerm. wurzel vebh
steht gleichbedeutend vedh, avedh
in lit. áudmi '
webe', ũdis '
einmaliges weben' (
weiteres hierhergehöriges s. unter wat); Wood
indog. forsch. 22, 134
nimmt einen alten wechsel von bh
und dh
an, während wahrscheinlicher Fick
zeitschr. f. vgl. sprachf. 41, 199
und Persson
zur lehre v. d. wurzelerweiterung 54
die consonanten als angetreten betrachten an die indog. wurzel vē
in skr. váyati '
webt', utá- '
gewoben',
avest. unā- '
gewebe',
gr. ἤτριον '
aufzug des gewebes'.
diese wurzel wird wieder von Persson 113
und Feist
a. a. o. mit der von
lat. vieo '
binde, flechte',
lit. vejù výti,
asl. vzj viti '
drehen, flechten'
in verbindung gebracht. I@22) weben '
sich hin und her bewegen'
ist seinem ursprung nach schwer zu beurtheilen, da es im mhd. nur selten und nur im präsens vorkommt und im ahd. überhaupt nicht belegt ist: sonst erscheint es nur im nd. (
erst nnd. belegt in leven un weven ten Doornkaat Koolman 3, 525),
im älteren ndl. Verdam 691 (
noch jetzt dialektisch Cornelissen
en Vervliet 1439)
und wfries. Dijkstra
a. a. o. als
ahd. form wird (
da die alemann. formen und die reime im Reinfrid auf offenes ë
hinweisen) weban
oder webên
auszusetzen sein; letztere form (
mit ë
aus i)
ist dann anzunehmen, wenn man an zusammenhang mit ahd. weibôn '
schwanken'
und wîb (
s. th. 14, i, 329)
denkt, doch ist alter e-
laut als stammvocal wahrscheinlicher. weben
ist das grundwort zu webeln, wiebeln,
webern, wäfern;
dazu mit ablautendem vocal wabeln, wafeln, wabern, wafern,
auch wabben, wappen (
nach Fick
4 3, 391
auf wabbôn
zurückzuführen),
das grundwort waben
ist im älteren deutsch nicht belegt; ferner mit germ. ê
anord. váfa '
schweben, schwanken'
und ags. wǽfre '
wankend, flackernd'.
als intensivum stellt sich wol zu weben
mhd. wepfen
und wipfen '
hüpfen, springen',
dazu bei Notker wephare '
histrio',
in Appenzell wepfa '
im ungewissen schweben' Tobler 440
b (
vorhd. *weppôn
und *wippjan,
hinsichtlich der bildung vgl. mhd. schopfen
und schupfen
zu schieben),
vielleicht gehört auch ahd. wipph '
momentum'
bei Otfrid, wipphôn '
errare' Steinmeyer-Sievers
gl. 2, 678, 19,
mnd. wippen '
sich auf und nieder bewegen'
hierher (
gewöhnlich mit den —
doch in der bedeutung ferner stehenden —
got. weipan '
bekränzen',
mhd. wîfen '
winden, schwingen', weifen '
haspeln'
und lat. vibrare
verbunden Fick
4 3, 412).
auszerhalb des germ. führt nur lit. vebżdti '
wimmeln, sich durcheinander bewegen',
das im vocal mit weben
übereinstimmt. man zieht aber gewöhnlich auch die sippe von weben '
texere'
heran, indem man annimmt, dasz diese bedeutung aus der von '
sich hin und her bewegen'
hervorgegangen ist. es wäre indes doch auffallend, wenn die ursprüngliche bedeutung nur in einem beschränkten gebiet spuren hinterlassen hätte; andrerseits kennzeichnet sich weben '
texere'
durch seine verbreitung als uraltes indogerm. wort. es wird daher eher die bedeutung '
sich hin und her bewegen'
aus der von '
texere'
hervorgegangen sein, wie auch sonst alte handwerksworte vielfach allgemeinere verwendung finden. die bewegung von einer seite zur andern tritt bei der thätigkeit am webstuhl besonders hervor, und in anknüpfung daran konnten im germ. die verschiedenen bildungen für bewegungsvorgänge geschaffen werden. eine späte analogie dazu bildet weben (
neben webern)
vom pferd '
den kopf hin und her bewegen',
das sicher von weben '
texere'
ausgeht (
man sagt auch leinewebern);
auch wird anord. vefjast '
sich hin und her bewegen'
von vefja '
falten, winden' (
zu vefa)
nicht zu trennen sein. doch bleibt die möglichkeit, dasz die beiden wörter weben
ihrem ursprung nach ganz verschieden sind. I@33) weben '
wehen'
ist von Luther
in die schriftsprache eingeführt worden, später aber nur der dichtersprache verblieben, wo es von dem zweiten weben
nicht mehr geschieden werden kann. Luther
fuszte zweifellos auf einem dialektischen wêwen
für mhd. wæjen.
formen mit inl. w
für j
werden von Franck
altfr. gramm. § 69, 7
und Weinhold
mhd. gramm. § 180
aus älteren md. quellen nachgewiesen; dazu Diefenbach
gl. 238
c flare, wewen
vel busten.
nach den angaben Wrede's im
anzeiger f. d. alt. 22, 330
f. über nähen, mähen
finden sich w-
oder b-
formen jetzt zwischen Kocher, Jagst und Tauber, an der Rhön und dem westlichen Thüringerwald und in Oberhessen, vgl. auch die formen bei Hertel
unter drehen, glühen, säen, wehe
und oben webe,
f. 2. Luther
wird also weben
seinem angestammten thüringischen dialekt verdanken; er gab hier das gesprochene inl. w
durch b
wieder (
während er drehen, seen
usw. schreibt)
in anknüpfung an das bei ihm beliebte weben '
sich hin und her bewegen'
; ähnlich wurde später auf fränkisch thüringischem boden für wehe webe (
in sand-schnee-windwebe)
gesetzt. Luthers
beispiel folgten im 16.
jahrh. einige andere Mitteldeutsche und im anschlusz an ihn zeigt sich dies weben
später bei dichtern auch in andern gegenden. IIII.
flexionsformen. II@11) weben '
texere'
flectirt im mhd. stark: praet. wap, wâben,
part. geweben.
daneben steht seit dem 13.
jahrh. auch ein schwach flectirendes weben (
auch mnd. weven
schwankt in der flexion Lasch
mnd. gramm. 8, 429
a. 5);
zu den 4
belegen bei Lexer 3, 718
tritt noch M. v. Beheim
Joh. 3, 23. Mentels
bibel, Jes. 25, 7.
im 16.
jahrh. kommen starke formen im praes. nur noch bei Oberdeutschen vor: 1.
sg. wibe Franck
sprichw. 1, 102
a. 3.
sg. wibt Frisius 941
b.
Züricher bibel, Hiob 7, 6. Heroldt
von der zung (1544) 24
c. Nas
das antipap. eins und hundert 5, 431
b.
dagegen: telarium, ein spuol da man mit webet Diefenbach
gl. 575
c (
gemma 1512); webt Schaidenreiszer (
s. III A 1
a); ich web Alberus
dict. 9
b.
jetzt begegnen formen mit i
im praes. sg. noch in einigen mundarten der Schweiz zeitschr. f. hd. mda. 2, 236 (
Simmenthal), 6, 82 (
Aargau),
auch in Mülhausen heiszt es ich wip Martin-Lienhart 2, 779
b;
andre alem. mundarten haben hier e (
zeitschr. f. hd. mda. 1, 365),
auch bei Hebel
die spinne v. 31 sie webt.
das praet. wab
steht im 16.
jahrh. nur noch bei Wickram 7, 258
in den Metamorphosen, wo es aus dem mhd. text Albrechts
übernommen ist. sehr verbreitet ist aber noch das part. geweben (
besonders bei Süddeutschen): Diefenbach
gl. 582
b textus (
auch gewaben). Dasypodius 452
a. Maaler 508
b.
Züricher bibel, 5. Mos. 22, 11 (
beide gewäben). Ecks
bibel, 5. Mos. 22, 11. Alberus
dict. 9
b. Eppendorff
Plinius (1543) 7, 35. Ryff
confectbuch (1548) 131
b. Widmann
chronica von Hall 41.
Gesners thierbuch v. Herold
u. Forer 45. Münster
cosmographey (1588) 230. Kettner
beschreibung desz königreichs China (1589) 27. Garzoni
schawplatz (1595) 382. Calepinus
XI ling. (1598) 325
a.
auch noch im 17.
jahrh. kommt es vor: J. de Acosta, America (1605) 112. Megiser
Malta (1610) 5. Opitz
poemata (1624) 190
neudr. Schlettstadter stadtrechte 1006, 2 (1628)
Geny. Grimmelshausen
Simpl. 118, 29. 891, 11. 18
Keller (gewebet
Kurz). Tabernaemontanus (1664) 66. Aitinger
jagd- u. weidbüchlein (1681) 241; verweben
noch bei Geszner (1762) 3, 3.
dagegen gewebt Schmoller
Straszburger tucher- u. weberzunft 131 (1521). 140 (1529)
u. ö. und meist bei Mitteldeutschen (Clajus 95
Weidling führt weben
unter den schwachen verben an).
auch jetzt ist geweben
in den mundarten noch vielfach zu finden: Wipf
mda. v. Visperterminen (Wallis) 154. Schmid
mda. des amtes Entlebuch 156.
zeitschr. f. d. mda. 1907, 313 (
bei Interlaken).
ndalem. zeitschr. f. hd. mda. 1, 365
bair. Schmeller 2, 830.
südfr. zeitschr. f. d. mda. 1908, 180.
zeitschr. f. hd. mda. 1, 26.
oberhess. Crecelius 897.
zeitschr. f. hd. mda. 1, 16. (
auch ndl. heiszt es geweven,
nfries. weewen Schmidt-Petersen 161
a. Möller 297).
die form gewoben
ist aus dem 16.
jahrh. noch nicht zu belegen, doch ist sie auch gewisz alt, wenn auch kaum dem anord. ofinn,
später vofinn
gleichzusetzen (
ein vorauszusetzendes gi-woban
etwa für gi-oban
eingetreten),
vielmehr wo < we
wie in gewogen
aus gewegen (
vgl. mengl. woven
neben weven); Weinhold
mhd. gramm. § 348
führt sie als mhd. an, doch ohne beleg. für das alter spricht das auftreten in mundarten, wo schriftsprachlicher einflusz nicht wahrscheinlich ist, vor allem in der Schweiz zeitschr. f. hd. mda. 2, 25. 236. 6, 82 (
Bern, Aargau). Enderlin
mda. v. Keszwil im Oberthurgau 171. Vetsch
laute der Appenzeller mda. 68;
auch Hebel
die spinne v. 24
hat gwobe.
die form hat übergang zur 2.
ablautreihe hervorgerufen, praet. conj. wübi;
ein praet. ind. wub
kommt auch schon bei J. v. Watt 2, 269
vor. auch oberhess. heiszt es wub Crecelius 897
neben dem part. geweben (
aber gewoben
zeitschr. f. hd. mda. 5, 349).
diese form läszt sich aus dem 17.
jahrh. für Nassau nachweisen: es sollen auch die kernthücher weniger nicht dann uff fünfzig gängen gewoben ... werden
Nassaw-Catzenelnbogische policey-ordnung (1615) 2.
theil § 24.
die schriftsprache hält gewoben
und das unter dem einflusz des part. (
vgl. engl. wove)
stehende wob
auszerordentlich lange fern. im 17.
und in der 1.
hälfte des 18.
jahrh. kommen (
abgesehen von vereinzeltem geweben)
nur schwache formen vor, die sich auch in den mundarten vielfach eingebürgert haben (
im nd. wol ausschlieszlich vorkommend).
bei Schottel, Stieler, Gottsched
erscheint weben
nicht unter den starken verben, von wörterbüchern steht nur bei den Süddeutschen Hulsius 136
b und Dentzler 134
a das part. geweben,
sonst gewebet
oder gewebt. Adelung
erwähnt 1780 wob, gewoben
oder geweben
als '
längst veraltet',
was nur für geweben
zutrifft, während wob, gewoben,
wenn auch landschaftlich schon vorhanden, in der schriftsprache ganz modern sind. die formen treten zuerst bei Haller
auf, der sie seiner berndeutschen sprache verdankt: sie sind noch tiefer als des Johns fransen in das werk selber eingewoben
ged.8 52 (
zuerst 1748); andere woben sammte
Usong (1771) 199; einen weiszen von glänzender seide gewobenen schleyer
Alfred (1773) 117.
dann kommt gewoben 1768
in Mösers
Osnabrück. gesch. 1, 106 (
nach Heyne 3, 1339), 1780
bei Wieland 22, 145
im Oberon, 1781
bei Schiller 1, 314
in der anthologie und 2, 163
in den räubern, 1782
bei Kl. Schmidt (
s. die stelle oben sp. 2615),
vor, in den ersten jahrzehnten des 18.
jahrh. sind die starken formen in der dichtersprache (
z. b. bei Tieck, Uhland, Heine, Platen,
auch bei Göthe 3, 22. 5, 193
Weim. ausg.)
allgemein, ohne die schwachen formen zu verdrängen; in die prosasprache finden sie weniger eingang, fehlen aber auch hier nicht (
z. b. bei Göthe
in den briefen 23, 23). II@22)
von weben '
sich hin und her bewegen',
mit dem weben '
wehen'
zusammengefallen ist, kommen ursprünglich nur schwache formen vor. erst gegen die mitte des 19.
jahrh. (
z. b. bei Rückert, Stifter, Freytag, Geibel)
bilden auch diese verben starke formen. IIIIII.
bedeutung und gebrauch. III@AA. weben '
texere'. III@A@11)
von der menschlichen thätigkeit am webstuhl. III@A@1@aa)
trotz der vervollkommnung der webegeräte und des webverfahrens wird an dem indogerm. ausdruck festgehalten. doch tritt in der mhd. zeit wirken (würken)
in concurrenz mit weben,
indem es seine allgemeine bedeutung auch zu '
nähend, stickend, webend verfertigen'
verengert s. Lexer 3, 929.
beide ausdrücke nebeneinander: daʒ wâpenkleit man marht geweben und gewarht in der selben varb und gestalt. Ottokar
reimchronik 72657; daʒ minem man (
einem weber) widerumb erlabt und vergunnen werd ... ze wircken und ze weben
urkunden zur gesch. Maximilians I. 495; sitzend mitten
under iren meydten webt und würckt sy (
Penelope) mit iren henden den langen tag über und über Schaidenreiszer
Odyssea (1537)
vorr. 3
b.
in den frühnhd. glossaren wird '
texere'
auch durch wircken, wercken
wiedergegeben. weben
behauptete sich besonders durch die composita, in die wirken
nur wenig eingang fand, auch durch das nomen agentis weber,
für das fast nur in zusammensetzungen wirker
eindrang. doch ist in mundarten vielfach weben
ganz durch wirken
verdrängt worden, dies wird für Mittelschwaben (
Bayerns mundarten 1, 53),
Baiern Schmeller 2, 830 (
wo webern
daneben üblich geblieben ist),
Kärnten Lexer 252,
die Lausitz (
lausitz. magazin 30, 251),
Schlesien Berndt 159,
das preusz. Samland Fischer 168
angegeben (
vgl. auch Frischbier 2, 474).
die schriftsprache versucht einen unterschied zu machen, indem sie unter gewebten
stoffen solche versteht, die aus rechtwinkelig sich durchkreuzenden fäden gebildet werden, unter gewirkten
solche, bei denen die fäden in schlangenlinien oder auf andere weise so miteinander verschlungen sind, dasz sie maschen bilden Krünitz 235, 187. III@A@1@bb)
am häufigsten schlieszt sich an weben
ein acc. an, der das auf dem webstuhl hergestellte bezeichnet. tücher, ein gewand, strümpfe, bänder, teppiche
usw. weben: niwâne, theip thir gelbô:thia tunichûn span si (
Karitas) selbo, selbo wab sie Kriste thaʒ,bî thiu ist iʒ allaʒ sô âlangaʒ. Otfrid 4, 29, 28; dir (
Christus) wab ein kleit der frône geist mit götelichen kammen in der megde lîbe guot. K. v. Würzburg
lieder u. sprüche 345, 27
Bartsch; Jesu wab die muoter sin von wehem werke ein rökelin. W. v. Rheinau 104, 51
Keller; sie (
Aragne) erfund in dem leben sueptile leinwat weben. H. Sachs 22, 198, 9
Götze; inn zorn thet sie die spindlen zucken, domit sie solche arbeit wab. Wickram 7, 258 (
Met. 6, 283)
Bolte; der enden du mit eigner handt vil groszer tepich müstest weben. Spreng
Ilias 81
a; o wie fliegt das weberschiff, das den sterbekittel webet!
d. neueste a. d. anmuth. gelehrsamkeit 1757, 740; der geliebten freundin hand hatte schmuck und band gewebet. v. Schönaich
Heinrich d. Vogler 26; sie webt' ein groszes gewebe, glänzend und doppelt gereiht. Bürger 207, 6 (
Il. 3, 125); wir alle sitzen nun um dich her, singen und weben, blau und grau, den hochzeitgürtel der artigsten frau. Fr. Müller 2, 369; ist dein brautbett schon gewoben? spinnst du schon fün's todtenhemd? Uhland
ged. (1898) 1, 237; ein fluch dem mann, dem weber, welcher wob den taft, — woraus der dunkle schauderhaft infame vorhang ward gemacht. Heine 2, 84
Elster; das sie (
die tücher) nach aller notturft gngsamlichen geweben und gewalcket und gekart syent
zeitschr. f. gesch. d. Oberrheins 9, 148 (
markgrafschaft Baden 1486); ander thuch wird da nicht geweben, wiewol grosze menge wollen da ist J. Kellner
beschreibung desz königreichs China (1589) 27; denn er seine kleider selbst gesponnen, gewöbet, gefärbet und gantz gemacht Butschky
Pathmos 279; es werden da eine ziemliche anzahl leichte wollene zeuge und wollene strümpfe gewebt Nicolai
reise durch Deutschland 1, 312; ich trug damals strohgelbe pantalons, die ein nüchterner Chinese in Nanking gewebt Heine 3, 191
Elster; sie (
die tuchmacher) webten und wirkten die blauen und weiszen röcke und die bunten strümpfe für das landvolk bis weit nach Polen hinein Freytag 1, 28.
man sagt auch: an einem kleide
usw. weben.
ungewöhnlich zu etwas weben: das garn dem weber hingebracht, der hat's gewebt zu leinewand. v. Chamisso 3, 63. III@A@1@cc)
im acc. kann auch der stoff stehen, der verwebt wird: der wollen man ir varwe gab, do man sie span und wab.
Passional 83, 2
Köpke; ir schönes hor het man wol neben gespunnen gold und seiden gweben. Wickram 7, 38 (
Met. 1, 942)
Bolte; so hat Minerva gefunden die wollen zugeprauchen und zuweben A. v. Eyb
d. schriften 1, 70; durch sie kam die kunst seiden zu weben in das gantz Siciliam Münster
cosmographey (1550) 290; es war die glückseligte zeit, als ... man auf grase, nicht auf gewebter baumwolle sasz v. Lohenstein
Arminius 1, 108
a.
neben acc. des gewebes anreihung mit aus: tchlin so ausz baumwollen gewäben
Gesners thierbuch v. Herold
u. Forer 45; geyszhaar, darausz die Türcken iren schamlot wäben Sebiz
feldbau 143; daher auch die alten Römer das Malteser gewandt, so aus baumwollen geweben, sehr hoch gerümbt haben Megiser
Malta (1610) 5; die schuhbändel (
waren) aus rinden von lindenbäumen gewebet
Simpl. 1, 66, 6
Kurz; die röcke und die strümpfe ..., die die handwerker ... aus der wolle ... webten Nicolai
Seb. Nothanker 1, 23; hängematten, aus den blattstielen der mauritia gewebt A. v. Humboldt
ansichten d. natur 1, 26; es sollte aus dem flachse ... das brautlinnen für ihre junge herrschaft gewebt werden Storm 1, 70; ein aus asbest gewebter schleyer wird schön und reine durch das feuer. Triller
poet. betrachtungen 1, 67;
seltener mit von: auch sie bedeckt ein kleid, von dichtem stoff gewebt. Wieland
suppl. 1, 159; dazu den mantel wählt von glänzender seide gewebt, in bleichem purpur schimmernd. Schiller 14, 46 (
braut v. Mess. 1, 7).
so auch in bildlichen wendungen und vergleichen: wie du (
natur) endlos deinen schleier webst aus sonnenmondenlicht. Rückert
ges. ged. 5, 5; sein (
des satans bei Marino) vormals leuchtender mantel ist nunmehr aus flammen und finsternisz gewebet Gottsched
crit. dichtkunst 211; die langen weiten ärmel, wie vom blütenschnee gewoben, wurden von zierlichen goldenen spangen gehalten v. Eichendorff 3, 124; ein tischtuch, wie von lilien gewoben, war darüber (
über die tafel) gebreitet Aurbacher
volksbüchlein 39. III@A@1@dd)
ein acc. kann auch angeben, was in das gewebe zur zierde, namentlich an bildlichen darstellungen, eingewebt ist: die vogele maneger slahte swebten dar inne, geweben mit solhem sinne, rehte sam sî lebten. Hartm. v. Aue
Erec 7647; manic bilde was daran (
in den mantel) geweben. Ottokar
reimchronik 7930. etwas in etwas weben: dâ (
in die borte) wâren în von golde ... geweben dise buochstaben. K. v. Würzburg
Engelhard 2553; manic samît grüene als ein gras, darin von golde was geweben vogel, tier unde reben. Ottokar
reimchronik 15759; wie man yetz hüpsch bluomen in dammast wibt Frisius (1556) 941
b; schöne bilder in teppiche weben Stieler 2450; eine lange tafel war mit gewirktem linnenzeug gedeckt, worein laubwerk mit hirschen, jägern und hunden mit grüner seide und goldfäden gewoben war G. Keller 5, 190.
bildlich: weberin, webe fort, web' in des teppichs prunk alle deine lieb' und leid. Fouqué
held des nordens 1, 82. III@A@1@ee) weben
wird seit der mhd. zeit auch häufig absolut gebraucht: auch ensal nymand me weben dan uf zweyn gezauwen Keutgen
urkunden z. städt. verfassungsgesch. 380 (
Frankfurt 1377); der ... was geboren von
s. Gallen und wub (
gedr. ist wuob) zuo Kempten (
kaum '
war thätig, geschäftig',
dann zu weben B) J. v. Watt 2, 269
Götzinger; wie im land der bruch ist, das vast alle wiber wäben wie auch näien können Th. Platter 5
Boos; dasz der kund verhien zwey jahr bey ime geweben
Schlettstadter stadtrechte 2, 1004 (1628)
Gény; du spanntest wolle und webtest Wieland
Lucian 1, 130; wir sâʒen unde wâben.
Servatius 2880; si wab, span und nâte. W. v. Rheinau 29, 53
Keller; nüt mag man an eym solchen gewynnen, denn das man yn setz nider spynnen, und so die man ir sachen triben, das er sitz weben by den wyben. Murner
gäuchmatt 4487; ich kan ohn ruhm wol halten hausz, so kan ich wol weben und stückn, von golt hauben und porten strickn. Ayrer 194
Keller; die einen mahlen den waizen, andre sitzen und weben, geschickt die fäden verwechselnd. Göthe 4, 327
Weim. ausg.; als ich geselle noch war und webte geschäftig beim meister. v. Arnim (1853
f.) 7, 306; dann tritt sie an den webestuhl und wirft mit zager hand die spul', es rauscht und saust in wilder hast, als wöben geisterhände zu gast. Uhland
ged. (1898) 1, 275. III@A@1@ff)
der inf. erscheint häufig substantivirt, da die abstractbildung webung
wenig verbreitung gefunden hat: man ne bedarf da wevel noh warf, spinnen noch weben.
daʒ himilrîche 256; weben si ze dem êrsten vant und macht die gespunst zehant ze tuoch. Enikel
weltchronik 1445
Strauch; erdacht sie (
Minerva) das weben, wie die vor gezetelten feden durch einander verrigget und zesamen gedrungen ain tch wurden Steinhöwel
de claris mul. 39, 25
Drescher; ich habe ... allen meinen töchtern das weben gelehrt Möser
werke 1, 214; wir waren an einen ort gelangt, wo neben dem spinnen das weben ernstlicher getrieben wird Göthe 25, 117
Weim. ausg.; da sie die kunst des webens nicht verstehen Ritter
erdkunde 5, 18; woll und flachsz geben viel arbeit mit spinnen, nehen, stricken, weben und wircken Kirchhof
wendunmuth 3, 348; auch das vornehmste frauenzimmer schämte sich nicht sich mit weben und spinnen abzugeben
M. J. Schmidt
gesch. der Deutschen 1, 98; (
die hausmagd) welche gehaspeltes garn von der wind' abspulte zum weben. Voss 2, 279. III@A@1@gg)
das part. praes. in adjectivischem gebrauch ist nicht häufig. webendes schiff '
webschiff': glänzend umwindet der goldne lein die tanzende spindel, durch die saiten des garns sauset das webende schiff. Schiller 11, 87 (
spaziergang).
kühn webender stuhl '
webstuhl': lehrt in den drückenden netzen uns spielen, worin auf Lachesis webenden stülen sich das geheimnisz des lebens verschlieszt. Arndt
werke 3, 58. III@A@1@hh)
über den adjectivischen gebrauch des part. praet. gewoben
s. th. 4, 1, 6441 (geweben 4, 1, 5393),
vgl. auch oben b und c. es verbinden sich damit gern adverbia wie dünn, dick, eng, weit
usw.: sein tuch wäre gar zu dinn geweben
Schlettstadter stadtrechte 2, 1006 (1628)
Gény; seihe es wol durch ein leyntuoch dasz dick geweben sei Ryff
confectbuch 131
b; darnach spant man ein weit gewebenes leinin tuch darüber Tabernaemontanus (1664) 66; und als er wieder kam, stellt' ihm der fürst ein neues fein gewebtes fallnetz auf. Bürger 171
b; von sîden banier wol geweben. K. v. Würzburg
troj. krieg 27874; ein neuer modesammt, aus aschenfarbger seide, voll laubwerk schön gewebt, dient ihm zum oberkleide. Zachariä
schriften 1, 71.
bildlich: die wolle, sie ist gut und fein, jedoch die arbeit nicht zu loben, mag leidlich gekrempelt, gesponnen sein, aber abscheulich schlecht gewoben. Göthe 5, 193
Weim. ausg.; der dichter soll seine umrisse auf ein weitläufig gewobenes zeug aufreiszen, damit der musicus vollkommenen raum habe seine stickerey ... auszuführen
briefe 23, 23. III@A@1@ii)
sprichwörtliches: wer gut webt, der gut lebt Hauptmann
die weber 10 (1, 1); jung gewebt, alt gelebt Wander 4, 1839; wer nicht will weben, kann nicht leben
ebenda; gah hen un lehr't wefen, denn kannst'n amt (
das aber wenig einbringt) Kern
u. Wilms
Ostfriesland 44; selbst gewebt und selbst gemacht ist die beste kleidertracht Wander 4, 1839; wer betrug spinnt, webt sich verderben v. Düringsfeld
sprichw. 1, 335
a; groszer herren staat ist von arbeit gesponnen und von gefahr gewebet Wingkler 2000
gutte gedancken C 3
b. III@A@22)
von insekten. III@A@2@aa)
uralt ist der gebrauch des wortes von der spinne; man sagt sie webt ein netz
oder nur sie webt: III@A@2@a@aα) der wurm (
die spinne) hât die art, daʒ er auʒ seim gedirm fädem spinnet und netzel webt K. v. Megenberg 294, 26; eine spinne, die ihr zerrisznes netz vergiszt, ein neues webt, und ruhig ist. Goekingk 1, 182; man beobachte ein spinne, wie sie ihr netz webt Jahn
werke 1, 201. III@A@2@a@bβ) (
die spinne) zohe ein zu einem armen mann, begundt gemächlich an zu heben, zu spinnen, haspeln, spülen, weben. Waldis
Esopus 1, 212 (2, 31, 158)
Kurz; so wie der thiere witz nur eine kunst vollbringet, die spinne nichts, als webt. Kästner
verm. schriften 1, 109; spinnen, die ihr künstlich webt, webt an einem andern ort.
Shakespeare, sommernachtstraum 2, 2; ja, ich mögte jetzt lieber lauschen, wie die spinnen weben und wie die vögel ihre nester bau'n, als dich begleiten! Hebbel 5, 101 (
Siegfrieds tod 3, 4).
mit einmischung von weben B: sehe mann die spinnen mit irem weben und schweben an, wie sie tag und nacht würcket strick netze und garen die armen fliehen (
l. fliegen) dar mit zu fahen
Petrarche trostbücher 108
b. III@A@2@bb)
auch von den gespinsten von würmern: er (
der erste mensch) konte von dem bieber lernen holtz fällen, spalten, bauen; von dem maulwurfe graben; von dem wurme spinnen, weben, bohren, sagen Bodmer
v. d. wunderbaren 187; sol dieser seidenwurm dir ein begräbnüs weben? v. Lohenstein
Sophonisbe 176, 25. III@A@2@cc)
alt ist auch der gebrauch des wortes vom zellenbau der bienen und wespen (
vgl. dies und wabe): das ist die verkertest art uff erd, die wie die hummel nit allein nicht thuon weben oder eintragen, sonder auch was ander bynen eintragen fressen S. Franck
sprichw. 2, 108
b; keyne bine mag müszig gehn, sondern sie schaffen und weben alle mit eynander Sebiz
feldbau (1580) 299; ein cleines thir an allen zitter durch fleisze wibet das edel honick gleich dem zücker triffet, das fleis und natür wiffet. Folz
meisterlieder 86, 60
Mayer; man sieht sie (
die bienen) friedlich leben ohn eigennutz und streit, in steter mühe weben zu lenz und winterszeit. Mittler
d. volksl. 466.
im vergleich: warum darf, bienen gleich, sie (
die kunst) nicht ihr zellchen weben, wo freundschaft und geschmack ihr gern ein obdach leihn? Gotter 1, 279; man findet oft menschen, die voller poesie stecken, die einen ganzen bienenschwarm lyrischer gedanken, in sich den süszesten honig webend, verbergen Gutzkow 7, 102. III@A@33)
die erweiterung von '
weben'
zu '
flechten, schlingen' (
wie bei lat. texere),
die auch dem nordischen und englischen bekannt ist, tritt in der gewöhnlichen prosasprache nur selten auf: wann mans (
das metall) nur wol zerstoszen hat, sibt mans alszdann durch geweben kupfferdraht
J. de Acosta, America (1605) 112.
in der seemannssprache ist weben '
die wewelienen (
s. webeleine)
an die wanten schlagen oder scheren' Röding 6, 900. v. Hoyer
u. Kreuter
5 1, 838
a,
nach nd. weven
brem. wb. 5, 247,
ndl. weven.
häufiger erscheint sie in der dichtersprache, z. b. ein netz weben (
allgemein nur von der spinne) 4
a Müllner; der hut, aus falbem stroh gewoben. v. Salis
ged. 30; die rose um den becher weben 4
e γ Platen.
vom vogel, ein nest weben: und wenn der vogel singend schwebt, bald mit der sie ein nestlein webt. Hebel (1838) 2, 164; und dieser zug ist der zum nest, das sie (
die vögel) gemeinsam weben. Rückert
ges. ged. 5, 413;
vgl. auch sich weben '
sich verschlingen'
von menschen 4
d U. v. Lichtenstein
und von schlangen 4
e δ Gerstenberg.
im allgemeinen aber tritt dieser bedeutungsübergang nur bei übertragungen auf, wo er sehr beliebt ist. III@A@44)
übertragener gebrauch. die früher in jedem hause geübte und allgemein bekannte thätigkeit des webens hat zu zahlreichen übertragungen geführt. in gröszerer masse erscheinen sie aber doch erst seit dem 18.
jahrh., früher treten sie mehr vereinzelt auf, von mhd. dichtern machen nur einige (K. v. Würzburg, Boppe, Hermann Damen, Nic. v. Jeroschin)
häufiger davon gebrauch. aber schon im mhd. ist vielfach völlige loslösung von der zu grunde liegenden sinnlichen vorstellung eingetreten, während man andrerseits bis in die neuzeit, auch bei verwendung in der rein geistigen sphäre, gern an die thätigkeit des webens in ihren einzelheiten anknüpft, so dasz die ausdrucksweise mehr oder weniger eine bildliche ist. manche gebrauchsweisen sind erst neuerdings, unter einflusz von weben '
sich hin und her bewegen',
in aufnahme gekommen. III@A@4@aa)
mythische vorstellungen liegen zu grunde bei weben
vom schicksal; es mischen sich aber auch biblische anklänge ein, so Hiob 7, 6,
wo das ende des menschen mit dem abreiszen des fadens durch den weber verglichen wird. weben
wird dann auch von andern mächten gesagt, die über das menschliche leben gewalt haben. zunächst noch in ausgeführtem bilde: die (
die hohen mächte), droben waltend über tod und leben, des schicksals dichtes knäulgeheimnisz weben. Arndt
werke 5, 98; die stadt ..., wo sich ihr unglück entsponn, wo vielleicht schon jetzt das schicksal den faden zu dem meinigen im dunkeln webt Klinger 4, 61; kann ich nicht die lebensfäden, die mir jenseits gewoben sind, so leicht zerreiszen wie diesen? Schiller 2, 163, 16 (
räuber, schausp. 4, 5).
mit einmischung einer andern vorstellung: so wollen wir mit schön vereinten streben, der hohen schönheit sieben heilge zahlen, dir, herrliche, den lebensteppich weben. 15, 1, 14 (
huldigung d. künste).
man sagt dann das leben, lebenslos u. ä. weben: und der rosenfarbnen tage zahl, die für dich des schicksals töchter weben. Gotter 1, 326; sie vor ihren schwestern allen hätte Hymens huld umschwebt, und ein leben ihr gewebt, wie es in Kronions hallen Hebe mit Alciden lebt. Bürger 73
a; du (
gott) wirst uns allen mit der zeit ein eignes plätzchen geben, wo liebe, mit zufriedenheit uns goldne tage weben. Langbein
schriften 1 (1841) 58; er redete zunächst doch nicht ... weil ihn der schelmische genius, der sein los zu weben hatte, davon abhielt
M. Meyr
erzähl. aus dem Ries 1, 237.
weiter heiszt es vom menschen selbst, dasz er jemandes schicksal webt: das schicksal der nachwelt ist in unsrer hand, wir haben den faden geerbt, wir weben ihn, und spinnen ihn weiter Herder 17, 110
Suphan; in deiner hand steht's: tod und leben, gelück und unfall mir zu weben. v. Lohenstein
Arminius 1, 1128
b; könnt' ich so sein schicksal weben, wie ich webe dieses netz! Müllner
dram. werke 1, 5 (29.
februar 1).
reflexiv das schicksal webt sich: wie sonderbar spinnen und weben sich oft die schicksale eines menschenlebens! Herder 23, 275
Suphan; führst du sie mir, die ich liebe, gott weg! weg, durch dein schicksal, welches unsichtbar sich dem auge fortwebt, immer ins dunklre webt! Klopstock
oden 1, 73
Muncker. III@A@4@bb)
auch sonst ist die vorstellung des webens noch lebendig, wenn beim verbum stehende bestimmungen auf die thätigkeit am webstuhl hinweisen, besonders wenn sich ein subst. wie faden, gewebe
usw. damit verbindet (
beispiele im folgenden).
doch ist oft die verbindung des verbums mit dem subst. mehr eine formelhafte, ohne dasz die thätigkeit des subjects noch deutlich als ein weben vorgestellt wird (
anders z. b. h ε Hagedorn): so vermisset man auch in jedem ganzen seiner gesänge den faden, den innerlich der wein, äuszerlich der tanz webt und leitet Herder 1, 69
Suphan; heil'ge ordnung, segenreiche himmelstochter, die das gleiche frey und leicht und freudig bindet ... eintrat in der menschen hütten, sie gewöhnt zu sanften sitten und das theuerste der bande wob, den trieb zum vaterlande! Schiller 11, 315 (
glocke); einen schleier nach dem andern, der das kaum ja auch auszusprechende verhüllte, wob schon gleich wieder das leben in der ... fülle seiner anregungen Gutzkow
zauberer v. Rom 5, 194.
da der gedanke an die menschliche thätigkeit ganz zurücktreten kann, kommt auch reflexive ausdrucksweise vor: oft, wenn sie vor ihm steht, drückt sie des gatten hand stillschweigend an die brust, und lächelnd hält sie thränen zurück im ernsten aug'. ein neues zartres band webt zwischen ihnen sich. Wieland 23, 57 (
Oberon 7, 90 4); wehe, weh mir! welche qual schieszt jach in's herz mir! ein rother schleier webt vor meinen augen sich. Geibel 6, 59 (
Brunhild 3, 5). III@A@4@cc)
die meisten übertragungen haben es zur voraussetzung, dasz die bedeutung in die von '
flechten, schlingen'
übergegangen ist. III@A@4@c@aα)
so heiszt es: ein netz, eine kette, einen kranz
usw. weben;
die ältesten belege sind nachbildungen lat. wendungen: iedoch hân ich ain klain angehebt ze spinnen von der lieb an ainer andern stat und main, ich well ain guldein keten dar auʒ weben (
catenam texere) K. v. Megenberg 278, 33; die jungfrauen ... webten mit blicken und bewegungen ketten und netze, den blühenden Grimaldi zu bestricken Klinger
werke 1, 29 (
zwillinge 2, 1); die disputirer weben ihr hasengarn ausz opinion und dünckel (
lat. retem texere) Lehman (1662) 1, 150; fern vom getümmel der stadt, wo dem redlichen unausweichliche fallstricke gewebt sind S. Geszner
schriften (1777) 1, 128; ein netze weben, darinne man selbst gefangen. wird,
plagam contra se texere Hederich (1753) 2586.
dann in der dichtung seit der 2.
hälfte des 18.
jahrh.: sie, die im zärtsten netz, das Amor je gewoben, zugleich mit ihm sich fing. Wieland 21, 276 (
Klelia 5, 168); heil dir, wenn, der lieb' enthoben, die dir ketten einst gewoben, nur der kranz dein haupt umschwebt, den die schöpfung ewig webt. Rückert
ges. ged. 4, 266; leichte abendwölkchen schweben hin im sanften mondenglanz, und aus bleichen rosen weben sie dem todten tag den kranz. Lenau
ged. 1 (1857), 52. doch schien ich mir zu nichts bestimmt, als nur das schöne weit und breit zu krönen durch erhabnes lob, und solche kronen webt' ich auch. Platen 87 (
gas. 130); von der sonne droben reisz' ich das strahlend rote gold, und webe draus ein diadem für dein geweihtes haupt. Heine 1, 163
Elster. und den nimbus der verklärung webten seine phantasie'
n. v. Gaudy 3, 20. III@A@4@c@bβ) einen kreis, einen reihen weben: was ziehst du durch die schatten grüne ringe, verlöschend lämpchen! webst so trübe kreise? Fr. Kind
ged. 4, 56; nymphen und hirten ..., wenn sie auf grünem anger, in raschen tänzen, die bunten reihen webten Bode
gesch. des Thomas Jones 2, 86; wo mondschein die duftige primel umbebt, da werde der luftige reigen gewebt. Matthisson
ged. 55.
vgl. der tanz webt,
unten B 1
δ. III@A@4@c@gγ)
von zweigen eines baumes, ein gebüsch, eine halle
usw. weben: immer reizest du (
mond) mich, wenn du durch das geweb', das der lindenbaum webt, lächelnde blicke wirfst. Hölty
ged. 68
Halm; tochter der schönen geselligkeit, du; den schwüleren tagen webst du ein schattengebüsch; ruhe verweilet sich dort. Overbeck
verm. ged. 128; ich fand dich schlafend hier in diesem thale, das einer wiege gleich dich bettete. ein schützend flordach webten dir die zweige. H. v. Kleist 1, 76 (
fam. Schroff. 3, 1)
E. Schmidt; ein schöner lichtgrüner grund, über welchem frische eichen ihre kühlen hallen woben v. Eichendorff 2, 264; bunt am bach ein bad zu weben, bauen büsche baldachine. Platen 14. III@A@4@c@dδ) sich weben: in Reutlingen am zwinger, da ist ein altes thor, längst wob mit dichten ranken der epheu sich davor. Uhland
ged. (1898) 1, 285.
sich zusammenfügen': wenn sich verwandtes zu verwandtem findet, musz sich der bund für alle zeiten weben. Körner 1, 264; als rasch zum sturz der Franken der mächt'ge bund sich wob. Platen 42; wie alles sich zum ganzen webt, eins in dem andern wirkt und lebt! Göthe 14, 30 (
Faust I, 447)
Weim. ausg. III@A@4@dd)
schon im mhd. kommen wendungen wie zusammen, ineinander weben,
von der verknüpfung von zettel und einschlag ausgehend, dann allgemeiner '
verschlingen, verflechten',
vor: dâ ein man und ouch ein wîp vor liebe werdent des enein, daʒ sich ir arme und ir bein von herzenlieb zesamne wept. U. v. Lichtenstein 511, 19; daʒ golt und daʒ gesmîde ir schîn zesamen gâben, dô sich die rotten wâben zein ander alsô vaste. K. v. Würzburg
Engelhard 2724; nû daʒ die schar sich under ein ze beiden sîten wolten weben.
troj. krieg 3517; ir beider tôt, ir beider leben diu wâren alse in ein geweben. G. v. Straszburg
Tristan 14336; ir zweiger muot was under ein alsô gevlohten und geweben, daʒ der eine wolte leben, swie der ander im gebôt. K. v. Würzburg
troj. krieg 6477; der sinem vater ist her und eben, und an daʒ vrone kriuze wart gezwikket, des gotheit ist in ein geweben, unt doh in drilich gevlohten unt gestrikket. Boppe,
minnesinger 2, 380
b Hagen. im nhd. wenig entwickelt: keine luft auf dem bilde, keine hauptlichter und schatten, die ... die farben in einander webten A. W. v. Schlegel 9, 43; ich erkenne die schicksalsgöttin der politik darin, die phantasie und wirklichkeit in einander webt Bettine
dies buch gehört dem könig 1, 119. durcheinander weben: indem er schnell gehend die vor ihm durch einander gewebten gesträuche zerrisz S. Geszner (1762) 2, 30; welche sich mit ihm in die betrachtung der vergangenheit und gegenwart, die sich so lieblich durch einander webt (
auf dem bilde), gern vertiefen mögen Göthe 48, 166
Weim. ausg. III@A@4@ee)
bei der wendung etwas um etwas weben '
umschlingen',
die auch schon im mhd. vorkommt, kann III@A@4@e@aα)
im bilde noch an die thätigkeit des webens angeknüpft werden, wenn die umgebende hülle als band, schleier
u. s. w. bezeichnet ist: alle geister der verdammnisz muszt' er zu hülfe rufen, der diesz band um eure hellen sinne wob. Schiller 12, 414 (
Mar. Stuart 1, 4); du lispelst leis', o lösche das licht! und plötzlich, tief verhüllend, webt die nacht den schleier um die heil'ge liebe. H. v. Kleist 1, 143 (
fam. Schroff. 5, 1)
E. Schmidt; auch wir gesunden sehen die dinge nicht, wie sie sind, uns selber unbewuszt webt unser inneres eine hülle um sie her Storm 3, 122. III@A@4@e@bβ)
aber auch ein geflecht, einen kranz, ein dach um etwas weben: gedrenge leit er ûf dem wal von hürteclicher presse ... ein hac wart umbe in dâ geweben von liuten unde ein dicker zû
n. K. v. Würzburg
troj. krieg 31348; der dichter wöb' ein blumiges geflecht leis' um die frauen her aus bunten reimen. Rückert
werke 3, 123; und (
die wellen) woben um die bucht den kranz von schaum. v. Gaudy 2, 26; verschwiegne schatten weben ein obdach um dich her, das nur der gottheit blick durchdringt. Gotter 2, 441; schon senkt der schlaf das thauende gefieder, um solche schönheit kühl ein dach zu weben. Brentano 2, 98. III@A@4@e@gγ) blumen, zweige um etwas weben: mich (
die gefüllte rose) wird die jugend um den becher weben, und um die schläfe, wenn sie trinkt und tanzet. Platen 29; ich bin die reb', o komm, und sei der rebe die ulm', um die ich meine ranken webe. Rückert
ges. ged. 2, 426; ich wollte stolz mich überheben, in hochbegeistertem gesang hinfort nur blut'ge lorbeern weben um vaterländ'scher waffen klang.
werke 1, 278.
reflexiv: wohlauf, mein liebender gedanke, wohlauf, zu ihrem lager hin! und webe, gleich der eppichranke, dich um die traute schläferin! Bürger
abendphantasie eines liebenden, erster druck im Götting. musenalm. 1777
s. 86; die hecken und ranken woben sich um den fürstenbau. Uhland
ged. (1898) 1, 321. III@A@4@e@dδ)
von schlangen: es können drachen um dich schweben! es können hydren sich um deine schenkel weben! Gerstenberg
verm. schriften (1815) 2, 76. III@A@4@e@eε)
auch lichterscheinungen und düfte erscheinen als umgebende hülle: stoup und ouch gesteines mel umb in ein vinsternisse wap. K. v. Würzburg
turnei von Nantheiʒ 855
Bartsch; uns ist die weisheit wiegengesang; sie webt ums aug' ihr heilig dunkel. Hölderlin 1, 206
Litzmann; durch das laub des pisangs zittern abendroth und morgenglanz, weben um die zarten glieder wechselnd glut und silberlicht. Fr. Kind
ged. 1, 259; so schlug die nachtigall, wie du zuerst hierher mich pflanztest, und so wob der mond um sie und der granatbaum all sein gold. O. Ludwig 3, 394; er (
Max) machte mir die wirklichkeit zum traum, um die gemeine deutlichkeit der dinge den goldnen duft der morgenröthe webend. Schiller 12, 875 (
Wallenst. tod 5, 3); so lange er (
Homer) mich in dieser poetischen welt ... vest hält ... so lange sehe ich auch diesen nebel eben so gläubig, als den gott selbst, der die wolke um seinen liebling webt Herder 3, 107
Suphan. reflexiv: widerspruch, geheimnisz, rätzel schweben bang' über diesem tag; und immer düstrer weben sich wolken um uns her. Gotter 2, 126. III@A@4@e@zζ)
noch mehr verflüchtigt ist die grundvorstellung bei abstracten als object: dir unterbrechend den kaum um dich gewebten süszen schlaf. Fouqué
held des nordens 3, 89; ach, säh'st du, wie sie um dein (
Christi) leben, um deine stille lichtgestalt geheimniszträum' und irrlicht weben. Tiedge 3, 173; fremder länder schöpfungswunder weben um euch einen traum. Rückert
ges. ged. 5, 84; dasz mir der abschied dunkles trauren um die umwölkte stirne webt. Arndt
ged. (1860) 13.
reflexiv: dasz der wehmuth süszer schmerz um seine rauhe rinde weich sich webet.
werke 3, 29. III@A@4@ff)
weit seltener ist etwas über etwas weben
als hülle: und die augen der nacht, ... legen den schleier an, den der kommende tag über alle gestirne webt. Hölty
ged. 65
Halm; die hervorbrechende abendsonne ... wob einen lockenden schimmer über das baummeer eines waldes Laube
schriften 15, 102.
reflexiv: er sasz ... so lange, bis endlich das dunkel mit immer gröszerer schnelligkeit sich über see, gebirge und himmel webte Stifter
werke 3, 321.
ebenso etwas durch etwas weben (
ursprünglich als einschlag): dem skepticismus, der durchs ganze werk gewebt ist Gerstenberg
recensionen 391
neudr.; da flocht ich trunken meine ideale, durch wolkendunkel webt ich mondesglanz. Brentano 2, 288. etwas unter etwas weben
begegnet nur mhd.: dâ bôt durchliuhteclichen schîn diu gimme und daʒ gesmîde: der purper und diu sîde ir glanz dar under wâben. K. v. Würzburg
troj. krieg 1167. (
vgl. under ein weben
oben d.) III@A@4@gg)
dagegen hat etwas in etwas weben
grosze verbreitung gewonnen. die zu grunde liegende sinnliche vorstellung tritt hier nur noch selten in bildlichen wendungen hervor: wenn Adlerkant in sein gespräch, was gut und edel ist, mit feinem einschlag webte. Goekingk 2, 177; (
liebe) webet freud' in das längste lebenskleid. Blumauer
ged. 48. weben
kann '
flechten'
sein: die in Florens bunte kronen ein dunkles veilchen webt. v. Salis
ged. 15; ehret die frauen! sie flechten und weben himmlische rosen ins irrdische leben. Schiller 11, 32 (
würde der frauen).
meist ist die bedeutung zu '
mit etwas verweben, fest verbinden'
verflüchtigt: als mein geliebter sohn, in dessen geistvoll leben mein geist gewebet war, den athem aufgegeben. Bodmer
bei Haller
gedichte 8 197; o, der gottheit groszer wille webte in sein wesen selbst den wunsch hinein. S. Mereau
ged. 1, 9; sie (
Epimeleia) bildet' Hephaistos mit prunkendem schein, da webten die götter verderben hinein. Göthe 40, 320 (
Pandora 474)
Weim. ausg.; reizend betrügt sie die glücklichen jahre, die gefällige tochter des schaums, in das gemeine und traurigwahre webt sie die bilder des goldenen traums. Schiller 14, 49 (
braut v. Mess. 1, 7); muthig und still wirft der jüngling den glühenden sinn auf das eine und in jeglichen traum webt er der lieblichen bild. Körner 1, 151; des gemütes vereitelten wunsch vergisz, und was quälendes sonst in das leben ein dämon wob. Platen 120; lasset uns noch einige meisterzüge betrachten, die der alte naturweise in sein gemälde (
die schöpfungsgeschichte) webte Herder 13, 423
Suphan; so lange nährte sich der süsze trieb nach einem freunde ... in unserer brust. ihn auszurotten ist das unmöglich, da er in unser blut gewebt ist Salzmann
Carl v. Carlsberg2 1, 26.
reflexiv: dieser schmuck webte sich in meiner kindheit tags und nachts in meine gedanken Brentano 4, 140.
ungewöhnlich einen in etwas weben '
mit etwas umweben': mädchen, wenn du leicht vorüberschwebest, und mich rund in deinen zauber webest. Seume 594. III@A@4@hh)
bei weben
mit dem acc. hat sich auch oft die bedeutung '
etwas in die richtige ordnung bringen, künstlich bilden, herstellen'
entwickelt. hier hat neben der vorstellung des verflechtens, verschlingens auch nur die des kunstgerechten zusammenfügens aus mehreren theilen vermittelt. III@A@4@h@aα)
vom geordneten wechsel der tages- und jahreszeiten: drinn (
in den angewiesenen bahnen) lauffet ihr (
die gestirne) noch heut zu tag und webet unsz die zeiten, thut mit geschecktem underschlag den tag und nacht bereiten. Spee
trutznacht. 142; da ja vielmehr dein blick hat volle macht, die jahreszeiten wie er will zu weben. Rückert
ges. ged. 2, 302.
ähnlich: äonen weben den gang der gestirn' und erden und menschen. Herder 28, 263
Suphan. III@A@4@h@bβ)
von der bildenden thätigkeit der natur: so scheint es billig auch zu glauben, dasz das so die natur formiert so künstlich webt ... nur blosz von ungefehr geschehe. Brockes 4, 266; ist nicht der thiere leib mit gleicher kunst gewebt? Wieland
suppl. 1, 164; am leichnam eines geliebten todten nehmen wir noch in seinem grabe theil ... so sympathetisch webte die allgemeine mutter ... den menschlichen körper Herder 13, 157
Suphan; blumenschmuck soll Flora weben. Bürger 2
a; Aglaja ... bildete die lilie: Thalia und Euphrosyne webten mit schwesterlicher hand ... die jungfräuliche rose Herder 28, 140
Suphan. III@A@4@h@gγ)
alt ist der gebrauch des wortes vom dichten, wo der gedanke an die composition, daneben auch an die verschlingung der reime den ausgangspunkt bildet. es können sich auch noch andere bildliche vorstellungen einmischen: weil manchen faden ich hab aber noch zu weben ... lasz ich Rinaldo jetzt im ungestumen meer. D. v.
d. Werder
ras. Roland 34; unterdessen sasz der dichter an dem webstuhl des gedankens, tag und nacht, und webte emsig seines liedes riesenteppich. Heine 1, 365
Elster. einen sang, ein lied, verse weben: ir sank gemeʒʒen (unde) ebene stat; kunden, gesten ist er nach prise geweben. H. Damen,
minnesinger 3, 163
b Hagen; muszt ein groszes lied ersinnen und es endlos weben. Rückert
ges. ged. 6, 6; wozu erst verse weben? D. v. Liliencron 11, 235.
daher weben
für '
dichten': möge diesz der sänger loben! ihm zu ehren war's gewoben. Göthe 2, 21
Weim. ausg.; und was ich freundliches für dich gewoben, send' ich dir nach in fremdere gefilde. Platen 100 (
son. 53
an Jean Paul); mag er (
der dichter) zorn'gen kampf erheben, wenn's der augenblick gebeut; doch dazwischen soll er weben was sich fort und fort erneut. Geibel 3, 56. III@A@4@h@dδ)
von der verbindung von worten: unsre freuden, unsre schmerzen hauchen wir ins warme lied, weben sinnig unsre worte zu der saiten tiefem klang. Körner 1, 262; wenn meister Duns gleich izt noch phrasen webt.
Z. Werner
ged. 5; die rede, die ihr schlau gewebet, ruft er, so wahr mein könig lebet, scheint mir ein trügendes gebild. Grothe
Joseph (1807) 11; (
er) webte labyrintische perioden Schubart
leben und gesinnungen 1, 23.
absolut: aller anreden gewärtig und gewisz, machen sie auszer der verbeugung nichts ... sogar nach der ersten antwort passen die weltmänner gelassen von neuem, weil kein anderer als der gekrönte kopf fort zu weben hat J. Paul
flegelj. 4, 130. III@A@4@h@eε)
von gedanken, erfindungen, einfällen, gern in bildlichem ausdruck: ein leitstern lichtbedürftger künste, ein junger metaphysicus, webt ein durchsichtiges gespinnste und stellt und heftet schlusz an schlusz. Hagedorn 3, 59; tiefsinnig mag er (
der scholastiker) trennen, was die natur verband, und zank und zweifel weben, wo jeder wahrheit fand. Dusch
verm. werke 242; da webte die vernunft kein labyrinth von lehren. 254; ein klapperer, derselbs wibt aus ime selbs, eben wie ein spinn, ein gantzen hauffen fablen und lügen J.
F. Heroldt
von der zung (1544) 24
c.
reflexiv: ich soll erkennen, dasz mich niemand haszt, dasz niemand mich verfolgt, dasz alle list und alles heimliche gewebe sich allein in meinem kopfe spinnt und webt! Göthe 10, 205 (
Tasso 4, 3)
Weim. ausg. vgl. ein gedanke
u. dgl. webt,
unten B 5
a. III@A@4@h@zζ)
von tönen: es weben all die wundertöne nur einen einzigen accord: süsz ist süsz lieb', sie ist das schöne, das linde, liebe, wahre wort. Brentano 2, 225; und da ist ein saitenspiel erklungen, goldne töne ernsthaft mich umschweben. wer hat also kühn den klang geschwungen? wer mag also frei die töne weben? 2, 498.
vgl. ein klang webt,
unten B 5
d γ. III@A@4@h@hη)
bei bilder weben
wirkt die vorstellung von einem teppich nach, der bildliche darstellungen enthält; daran schlieszt sich trugbilder, träume weben: es (
das künstlerische gewissen) mildert ihnen (
den gedanken) oft die farben, wenn sie bilder weben v. Ebner-Eschenbach 1, 86; da wob vor meinen sinnen ein dreifach bild der traum. Geibel 4, 198; ich will euch meine geister senden, und solche truggebilde weben ... dasz Macbeth, von dem blendwerk voll, verwirrt und tollkühn werden soll! Schiller 13, 98 (
Macbeth 4, 2); sie schlummert ein, und, ihren muth zu stützen webt Oberon ein neues traumgesicht vor ihre stirn. Wieland 22, 190 (
Oberon 5, 2); mich fesselt düstere betäubung, gleich dem kranken, der wachend träume webt. Gotter 2, 71; die gräser und blumen schwankten leise hin und her über mir, als wollten sie seltsame träume weben v. Eichendorff 3, 142.
vgl. der traum webt,
unten B 5
a. III@A@4@h@thθ)
beliebt ist weben
von lichterscheinungen, deren auffassung als gewebe oder geflecht bis ins mhd. zurückreicht (
vgl. e ε): hell, gleich einem vom lichte gewebten ätherischen vorhang zieht sich ihr (
der sonnen) glanz um den himmel herum. Klopstock
Messias 1, 195; tiefer wald! von stamm zu stamme wob die dämmrung graue fäden. Weber
Dreizehnlinden 342; es (
das licht) webte uns einen teppich von figuren Herder 22, 74
Suphan; mitten durch diese sterne war ein schimmerndes, breites, milchiges band gewoben Stifter
werke 5, 1, 242; das flimmernde gespinst, das die untergehende sonne über den äckern wob Viebig
das schlafende heer 2, 313; sieh an des glimmers reinen scheiben den strahl sich mit geflatter reiben, ein silbernetz auf felsen webend. v. Droste-Hülshoff 2, 154
Kreiten; schon begannen die ersten schüchternen mondstrahlen über den beweglichen menschenköpfen ihr netz zu weben Heyse
nov. 1, 131.
fehlen hinweise auf ein solches gewebe, so ist weben
als '
hervorbringen'
zu nehmen, auch darf wol das intransitive weben (B 5
d α)
herangezogen werden, an das hier ein object angeschlossen worden ist: des himmels blau, der sonne gold verschweben um eure (
der berge) gipfel, weben den heitern tag, und all mein herz erwarmet. Platen 17; da der fenster gluthend licht dämmer webt und helle bricht. Greif
gedichte 2 272; helles sonnenlicht ... drang die gewundenen treppen hinan und webte ein sattes, freundliches halbdunkel Anzengruber 2, 272.
ähnlich von dünsten, mit deutlicher anknüpfung an das andere weben (B 5
d β): verdichtet schwankt der nebelrauch und wächst und webt, er webt undeutliche gestalten. Göthe 16, 360 (
Epimenides 527)
Weim. ausg. III@A@4@h@iι)
auch in den folgenden fällen bildet das intransitive weben (B 5
c)
den ausgangspunkt: in mildem lichte leuchtet der lenz; auf lauen lüften, lind und lieblich, wunder webend, er sich wiegt. R. Wagner 6, 25 (
Walk. 1); dunkle geheimniszvolle nacht webt rosen Bettine
briefwechsel mit einem kinde 3, 16; in der sommernacht, die schafft und werdendes webt H. v. Kahlenberg
Eva Sehring 24. III@A@4@h@kκ)
am meisten abgeschwächt ist weben
in mhd. quellen, wo es '
vollführen, thun'
ist (
von einflusz war wol würken,
das sowohl '
vollführen'
als '
weben'
ist): swem natûr gibt, der schepfet hiur sô vil als einer vert: gots wille eʒ wibt. H. v. Meiszen
sprüche 321, 17
Ettmütter; doch sî irin vreisin mût und ungeloubin leitin ab, als got daʒ an in wab.
N. v. Jeroschin 15992
Strehlke; glicherwys alsam by tage wandern di waʒ woltat weben, alsust die ebrecher beneben wandern in der vinsternisse.
md. paraphrase des buches Hiob 9749
Karsten (
bene agentes).
auf gleicher linie steht sich weben '
ausgeführt werden, geschehen'
bei N. v. Jeroschin: unde (
man) bat irbarmin sich al dî cristinheit gemein ubir den sô leidin mein der sich widdir gôt dâ wab. 21666
Strehlke; ähnlich buch der Maccabäer 967
Helm. III@A@4@ii)
die bedeutung '
herstellen'
zeigt sich auch, wenn eine bestimmung mit aus
angeschlossen wird, am häufigsten an das part. praet. III@A@4@i@aα)
bildliche wendungen sind hier wenig entwickelt: (
man musz) die fäden zusammenschieszen, aus welchen sie (
die seele des künstlers) das kunstwerk webt und wirkt O. Jahn
Mozart 2, 128; so jung, so schön, so ganz aus lauter liebeszunder gewebt, wer kann sie sehn und nicht vor sehnsucht glühn? Wieland 22, 272 (
Oberon 6, 51). III@A@4@i@bβ)
auf die grundlage weist aber noch die wendung aus einem stoffe weben, gewebt: dasz sie (
die natur) ... den menschen aus einem stoffe webte dies grosze vielerlei (
auf erden) zu ertragen Herder 13, 27
Suphan; seyd ihr aus festerm stoff gewebet, als der, so in den hütten lebet? Bock
d. neueste a. d. anmuth. gelehrsamkeit 2, 435; allein gewebt aus freierem stoff war meiner heldinn seele. Gotter 1, 90; Venus ist um den zehnten theil dichter, als die erde, alle übrigen planeten nebst der sonne sind aus dünnerem stoffe gewebt v. Schubert
verm. schriften 2, 46; ich seh' aus goldnem stoff gewoben des erdenleibes herrlichkeit. Rückert
ges. ged. 3, 84. III@A@4@i@gγ)
ein anklang an die entstehung des gewebes aus zettel und einschlag ist es, wenn mit aus
zwei gegensätzliche begriffe angereiht werden: so webt der himmel sich aus morgenroth und grau. Herder 29, 63
Suphan; denk dir ein weib im reinsten jugendlicht, nach einem urbild von dort oben aus rosengluth und lilienschnee gewoben. Wieland 22, 145 (
Oberon 4, 6); im schönen traum der sommernacht, gewebt aus lust und schauder. Heine 2, 48
Elster; das sonderbare gefühl, gewebt aus lust und unlust, betäubte meine sinne E. Th. A. Hoffmann 10, 47. III@A@4@i@dδ)
sonst wird aus etwas gewebt (gewoben)
von concreten oder abstracten, auch von personen, gebraucht: wie im morgenwind ein wölkchen schmilzt, aus blumenduft gewebet. Wieland 23, 114 (
Oberon 8, 75); dann, wie aus nacht und duft gewoben, vergeht dein leben unter dir. Mörike 1, 147; nicht aus begier und aus genusz gewoben war unsre liebe, nicht in staub versunken. Platen 95 (
son. 22); er sagte ihr mit der sanftesten, aus seufzern gewebten stimme, er brauche nichts J. Paul
Hesp. 2, 105; ich lernte neulich die frau kennen: ihre seele ist aus heiszer luft gewoben! Gutzkow
zauberer von Rom 4, 366; hier — wo ein weib, ein sterblich schwaches weib, ein weib aus thon gewoben, sich erfrecht. Schiller 1, 314; er ist selber wie gewoben aus den reinsten phantasien. Tieck 1, 28. III@A@4@i@eε)
selten von etwas gewebt: da er (
der mensch) von besonnenheit gewebt ist Herder 5, 100
Suphan; o es war ein liebes bild, gewebt von grösze und leiden! Hölderlin 2, 159
Litzmann. III@A@4@i@zζ)
mhd. kommt einmal auf etwas gewebt '
darauf angelegt, darnach geschaffen'
vor: so ist si ye dar uff gewebt mit guter gebärd und geducht, daʒ si in scham in wibes zucht kan als ain erber tochter sol eʒ iederman erbieten wol.
liedersaal nr. 50, 288. III@A@4@kk)
von adv. wird namentlich zart
gern mit gewebt (gewoben)
verbunden, um die kunstvolle herstellung von etwas zu bezeichnen: es ist so blüht' als laub so zart und dünn geweb't, und so durchleuchtig, so durchsichtig, dasz ein daran gehalten licht durch ihr subtiles wesen bricht. Brockes 2, 34; das wie aus filz zartgewobene edelweisz Scheffel 3, 107.
auch häufig von menschen: Olimpias reize waren zart gewoben, von seltner art. A. W. Schlegel 3, 117 (
ras. Roland 11, 66); verklärte Helena, so zart gewebt, dasz sichtbar sich dein herz im busen hebt!
Shakespeare, sommernachtstraum 2, 2; wie leicht und zierlich, klar und zart gewoben, schwebt, seraph gleich, aus ernster wolken chor, als glich es ihr, am blauen äther droben, ein schlank gebild aus lichtem duft empor. Göthe 3, 22
Weim. ausg.; noch immer blickte durch das zartgewebte gesicht (
Lianens) ein klostergedanke J. Paul
Titan 3, 15; des schaffens süsze lust, wie sie, zu fühlen, belauscht sie kühn der zart gewebte sinn. Hölderlin 1, 111
Litzmann. selten ist verbindung mit andern adv.: ich sah zu spät, wie leicht ihr herz gewoben.
Ariosto's ras. Roland übers. v. Gries 1, 157; groszes herz, leb wohl! wie eingeschwunden, schlecht gewebter ehrgeiz! (
ill-weav'd ambition).
Shakespeare, Heinrich IV. I, 5, 4. III@A@4@ll)
blosz die am webstuhl gemachte bewegung bildet den ausgangspunkt bei weben (
auch webern, leinewebern)
von pferden; man versteht darunter die üble angewohnheit, dasz sie den kopf und das ganze vordertheil beständig von einer seite des standes zur andern bewegen, wodurch sie eine wiegende stellung einnehmen Falke
univ. lex. der thierarzneikunde 2, 66.
encykl. der gesamten thierheilkunde 11, 266
b: dabei trat der kleine hauptmann in höchster erregung von einem fusz zum andern, wie ein im stande webendes pferd v. Ompteda
Sylvester v. Geyer 2, 179. III@A@4@mm)
ebenfalls von der bewegung ist auszugehen an folgender stelle, wo wol eine obscöne bedeutung anzunehmen ist (
vgl. sich zwicken lan
fastnachtsp. 882, 10): die schriber ... die dirne kunnen zwicken oder weben in der kamer under dem tach all her fur zu in in ir ungemach. Liliencron
hist. volksl. 1, 265 (54, 26
v. j. 1415). III@BB. weben '
sich hin und her bewegen, wehen, lebendig sein, sich zeigen und wirksam sein'.
der gebrauch dieses wortes beruht hauptsächlich auf Luthers
bibelsprache. schon vor Luther
kommt es in der md. dichtung des 14.
jahrh. vor und schon um 1300
in zwei alemannischen quellen; auch jetzt noch lebt es auszer in der Schweiz (
s. 1
a c)
im elsäss. als '
mit händen und füszen zappeln, schaukeln, unruhig sitzen' Martin-Lienhart 2, 779,
ebenso lothr. Follmann 539,
sonst wird es —
von wewen '
wehen'
abgesehen —
nur in leben und weben
aus der volkssprache angegeben. Luther
hat das wort mit vorliebe gebraucht und auch für sein dialektisches wêwen (
s. 2)
eintreten lassen, auszerdem erweitert er seine verwendung, indem er es auch als transitivum setzt und auf eine art des alttestamentlichen opfers (1
f)
bezieht. im 16.
jahrh. wird das wort sonst von Mitteldeutschen, auch H. Sachs (
bei dem es mit beben
zusammenfällt),
und Alemannen (
besonders S. Franck)
gebraucht, aber nicht gerade häufig. einige, wie die Hessen Waldis
und Wicel,
kennen es nur als '
wehen'.
später setzen sich neben den resten der ursprünglichen bedeutung, besonders in weben und schweben,
die wendungen der bibelsprache mit leben und weben
durch; im zusammenhang damit findet sich weben
auch selbstständig gebraucht als '
in lebendiger bewegung sein, lebendig sein'.
in dieser bedeutung verzeichnet Stieler
das sonst meist gar nicht aufgeführte wort. weben '
wehen'
tritt seit ende des 17.
jahrh. auch auszerhalb seines ursprünglichen gebietes in der dichtung auf und ist besonders durch Herder
in aufnahme gekommen, der das wort häufig verwendet und dabei auch sonst an Luthers
bibelsprache anknüpft, ohne überall erfolg zu haben. den weitest gehenden gebrauch hat aber (
besonders in den jahren 1772—75) Göthe
von dem wort gemacht, vielleicht durch sein rheinfr. webern (
s. d.)
beeinfluszt; er kennt es auszer für bewegungsvorgänge sowohl für vorgänge im menschlichen innern, wie für das walten der naturkräfte und hat in beiden verwendungen viel nachfolge gefunden. auch Klopstock, Wieland, Bürger, Schiller
u. a. haben gern zu dem wort gegriffen, so dasz es in der gehobenen sprache bürgerrecht errang. hatte noch Adelung,
der die bedeutung '
sich langsam bewegen'
längst veraltet nennt, die einführung des wortes in die '
witzige schreibart'
getadelt, so konnte Campe
bemerken, dasz es als ein '
altes und ausdrucksvolles wort'
der edlen schreibart sehr wohl anstehe. hervorgehoben sei noch die vorliebe der romantiker für das wort, das mehr gefühlsmäszigen charakter hat, als begrifflich klar ausgeprägt ist. in der neueren dichtung ist es dann namentlich noch für naturerscheinungen sehr beliebt geworden. auch die wissenschaftliche prosa bedient sich seiner, besonders für ein unbewusztes walten von kräften. dabei ist der allgemeinen sprache nach wie vor nur leben und weben,
landschaftlich vielleicht noch die eine oder andere wendung (
s. 1
c Busch),
eigen. III@B@11)
die ursprüngliche bedeutung. III@B@1@aa)
sich wiederholt hin und her bewegen z. b. von den flügeln eines vogels, den wellen, einer vom winde bewegten pflanze, dem herzen: sinen kruog er (
Jesus) dike hieng an des liechten sunnen schin und rande mit im hin geliche recht, alsam ein snuor, daʒ webende der kruog dar an fuor. W. v. Rheinau
Marienleben 95, 37
Keller; bei Luther
meist in verbindung mit andern verben (leben und weben
s. 3): sie (
die groszen) sind pfeyle ynn seyner hand, müssen weben und faren, wo und wie er will 15, 376, 24
Weim. ausg.; aber es sind wort, da mit sie yhr unsichers gewissen gerne bergen und schmücken wolten, das niemand mercken solle, wie yhr hertz ynnwendig wackelt und webt als ein rhor vom winde bewegt 23, 89, 6; so jemerlich zurissen ding ists umb menschen hertz, das gehet, webt und wancket, das kein wind noch wasser so beweglich und unbestendig ist 28, 77, 10; so habt ihr gewonnen, und werdet ihr toben nit anders achten, denn wie der fels des meers wellen und bulgen achtet. es ist eitel wellen und weben, was sie schreiben
briefe 2, 88; hat sich der bär überfüllt, so suocht er ein omeyszhauffen, streckt die geyfferig sein lällen oder zungen auff den hauffen und laszt sy also leysz darob weben, bisz dasz sy voller omeyszen wirdt
Gesners thierbuch v. Herold
u. Forer 15
b; die zwischen seinem leib und der andern augen webende lufft entweder mit liecht oder finsternisz bewegen Mengering
gewissens-recht (1653) 751; beug (
heiliger geist) zu recht was streydt und strebt, bedeck das von kelte webt, breng zum weg was veryrrt ist. W. Cyclop,
Wackernagels kirchenlied 3, 591, 4; da wirdt gar tick sein das getrayd. sein frucht wirdt weben (Luther: beben) mit beschaid wie Libanen, wann der windt geht. H. Sachs 6, 254, 12 (
psalm 72, 16)
Keller; herr, da du allein her-zogest vor dem volcke dein in der wüsten, da webt die erd. 18, 267, 16; das meer thut alles webend werden, auch werden zittrend berg und thal, wenn gott heimsucht das land zumal. 19, 66, 2; von zehern triebet er den brunnen, die im von seinen augen runnen, das wasser davon webet s hr, das er den schatten sah nit mehr. Wickram 7, 153 (
Met. 3, 1172)
Bolte; die lerch sich hoch erhebet und flieget über sich, mit iren flügeln webet und singet seuberlich. Ringwald
christl. warnung M 6
b; es weben seine füsz' als wie die weberbanck. Harsdörffer
Diana 3, 211.
die alte bedeutung (
auf die Stieler
und Frisch
mit '
moveri'
noch hindeuten)
verschwindet dann aus der allgemeinen schriftsprache fast völlig. im 18.
jahrh. tritt sie in der dichterischen sprache wieder auf, aber meist von der bewegung durch den wind, wo auch weben '
wehen'
von einflusz sein kann (
vgl. auch 4
a '
wimmeln'
und 6 weben
in verbindung mit andern verben): es webet, wallt und spielet das laub um jeden strauch, und jede staude fühlet des lauen zephyrs hauch. Hagedorn 3, 69; so schwingt mit webendem gefieder ein adler sich zu seiner sonne hin. Wieland
Antiovid (1752) 30; das welke farrenkraut rauscht näher mir und mischt sich, wie es webt, mit Ossians haar. Herder 16, 325
Suphan; auf grünen hügeln ... weben die blumen! 25, 423; ein webend rohr — wohin es weht das lüftchen, dasz es mit ihm geht. 29, 43; von deinem (
der hoffnung) flügel düftet ein balsam für den schmerz; bei seinem weben lüftet sich das beklommne herz. Bürger 8
a; er hielt den webenden schild (
ἀσπίδα θοῦριν) sich vor die brust, und schwang empor die eherne lanze. 232
a (
Il. 20, 162); noch webet das laub, noch schwanken die gipfel (
nach dem sturm) Herder 22, 50; sein herz webte so rasch von secunden wie eine uhr Arnim (1853
ff.) 10, 136; schlägt der wind wellen, so webt das korn
bäuerlicher spruch aus der Schweiz. III@B@1@bb)
mhd. übertragen vom kampf '
schwanken': alsus der strît gie webende hin und har mit sigenunst.
Reinfrid v. Braunschweig 20480
Bartsch. bei Luther '
schwankend, unsicher sein': aber das bleybt gleych wol, das ein gelt, das man auff eynen grund mag legen, gar vil zunympt an dem ersten interesse und abnympt an dem andern interesse gegen dem gelt, das ym handel webt 6, 55, 5
Weim. ausg.; darumb müssen sie entwedder disze spruch alle drey lassen faren als untüchtig, yhre sach zu bestetigen, die weil sie yn zweyffel weben, odder müssen andere spruch füren 6, 311, 28. III@B@1@cc)
von menschen kann es (
wie webern) '
zappeln'
sein (
vgl. oben elsäss.),
in streben und weben: der säugling zeigt sich äuszerst heiter. er strebt und webt mit händ und füszen, er läszt sein mäulchen überflieszen. W. Busch
Balduin Bählamm 63. '
heftige bewegungen machen, gestikuliren' (?): swie er in dirre sache nicht wil den goten opfere geben, sit er die vursten zornec weben ob im, des ist er unervorcht.
Passional 382, 36
Köpke. dann auch '
hin und her gehen, umherziehen' (
häufiger so webern): es ist vergebens, wann ir gleich, nach dem ir ain wenig geruoet habt, seer fre auffstehet, hin und her webende nimmer nider sitzt S. Franck
paradoxa 92
b; schickt er seinen sohn Cassorum mit den deutschen reutern vorab, dem streiffenden und webenden feinde zu begegnen G. Klee
berümter leute leben (1589) 1, 15; 's ist en ebigs webe-n-uf dirre strasz Usteri
dichtungen 1, 129
Hesz. (
vgl. 4
a '
wimmeln').
es kann sich die bedeutung auch (
wie bei webeln
und webern)
zu '
sich tummeln, bethätigen'
entwickeln: dô tet im antwurte schîn der fürste und sprach: herre mîn .., würkende unde webende wil ich sunder valschen spot in iuwer dienstlîch gebot biʒ ûf mîn ende iemer sî
n. Reinfrid v. Braunschweig 12032; denn ich auch ausz keyner ander ursach szo mit starckem mut, worten und schreyben gewebt und gerumort hab, das ich die nyder legt und stillet, die ich wol sahe myr weyt zu gering seyn Luther 7, 9, 23
Weim. ausg. die bedeutung '
wirksam sein, schaffen' (
meist von abstracten)
tritt in der neueren sprache wieder hervor s. 5
b. c und 6. III@B@1@dd)
in der verbindung mit schweben (
vor- oder nachgestellt),
die seit Luther
vorkommt und auch später üblich bleibt, ist weben '
sich bewegen, schwanken' (
früher auch in übertragenem sinn)
und verstärkt oft nur schweben: die weyl ich denn weysz, wie deyn h(eiligkeit) webt und schwebt zu Rhom, das ist auff dem hochsten meher, mit untzelichen ferlickeyten auff allen orten wütend 7, 10, 35
Weim. ausg.; wo yemant in der schrifft also her geet und webet und schwebet, ... der lasz es gantz ligen 10, 208, 11; so beleybt die vernunfft ymmer weben und schweben 10, 209, 21; er (
gott) ... richtet ein feste zu, das ist: das rohe finstere gewisser, das vor nichts denn ein schwebend und webend ding war, macht er hie feste 24, 33, 20; dein blind gemüt, das zwischen der hoffnung und forcht hin und herwider webet und schwebet
Petrarche trostbücher 202
b; die wunder der natur die wir unablässig vor augen weben und schweben haben Fischart
Bodins dämonomania vorr.; er wird komen in der wolcken, wird uber uns schweben und weben, uns schutz und schirm halten Joh. Pomarius
grosze postilla (1590) 1, 33
a; das meer darin das schifflein webet und schwebet, ist diese wüste wilde und ungestüme welt 1, 243
a; o die vielgeliebten, schwebenden, webenden wolken Stifter
werke 1, 220; sie (
die sonne) da lauffet, nie verschnauffet, webet, schwebet überall. Spee
trutznacht. 326; was nur immer schwebt und webet, lobet diesen starcken kriegesheld. Adersbach
Königsberger dichterkreis 119
neudr.; dir, dir, dir hier, o gott, stimmt an, was schwebt, was webt, was beben kann, ein loblied deiner güte. S. v. Birken
forts. d. Pegnitz-schäferey 3; sie (
die menge) schwebt und webt und schwankt und schwirrt; bis sie endlich wieder einheit wird. Göthe 3, 236
Weim. ausg.; wie webet und schwebet das grüne dach, wie stehn die ew'gen eichen. Brentano 2, 425.
unpersönlich (
wie es lebt und webt): (
am hafen,) da es stets von kaufschiffen schwebet und webet Ant. Ulr. v. Braunschweig
Octavia 3, 873. III@B@1@ee) weben
kann auch nur durch den reim mit schweben
verbunden sein; auch dann steht es diesem in der bedeutung sehr nahe: auff ein sehr weit grosz rad (
glücksrad) gesetzt, das oben in den lüfften schwebt, nach der breyt wie ein wolcken webt.
Froschmeuseler O 6
b (I, 2, 18); ich weisz da euer geist schon auf der zungen schwebte und der zu frühe tod jetzt auff den lippen webte, und wolte nun hindurch. gott schaffte weisen raht, dasz die verhauchte krafft in cörper wieder trat. Tscherning
vortrab des sommers deutscher gedichte (1655) 57; ach! könnt' ich doch auf berges-höhn in deinem lieben lichte gehn, um bergeshöhle mit geistern schweben, auf wiesen in deinem dämmer weben. Göthe 14, 28 (
Faust I 395)
Weim. ausg. seit dem 18.
jahrh. kann in präpositionellen wendungen weben
ganz für schweben
eintreten (
vgl. auch 4
c und 5
b d): schwarzes haar auf runder stirne webet, auf den wangen ew'ger frühling lebet. Göthe 4, 361; auf diesem (
dem schild der Athene) webten hadergeist und kraft und wilde mordbegier. Bürger 167
a (
Il. 5, 740); also steht sie dort, und hebt sanft den blick auf ihn (
den toten), und ein täuschend lächeln webt flüchtig über ihn. Rückert
werke 3, 30; eine solche ferne scheint doch niemals einsam, das leben des unbeseelten webet über ihr A. W. Schlegel 9, 22; ja des himmelsknaben bildnisz webt so schön vor stirn und auge. Göthe 3, 13; purpurschwärze (
des haares) webt mir vor dem auge dicht. Mörike 1, 145. '
schweben'
von geistern s. 5
b. von tanzenden: auf! hie hebet sich leicht webender schatten tanz! Herder 27, 85
Suphan; nebelgrau webt im thau elfenreigen. Matthisson
schriften 1, 115; im dunkeln uferschilfe webt leichter irrwischtanz. 1, 139.
vgl. einen reihen weben,
oben A 4
c β. III@B@1@ff)
Luther gebraucht weben
auch transitiv als '
bewegen': er wirt seyn gepott nit szo lassen hyn und her weben (
huc atque illuc inflecti) nach unszerm willen 10, i, 1, 698, 9
Weim. ausg. heben und weben: weil der text nicht gibt, ob es Christus habe in die hende genommen und einem jglichen selbs fürgelegt, müssen wir auch harren, bis kund wird, auff das wyrs nicht heben odder weben, anders denn Christus 18, 115, 15.
absolut '
rühren': denn der teuffel sihet, das er widder die helle sonne der warheit nichts kan, darumb webt er ynn den staub und wolt gerne einen nebel fur unsern augen machen 26, 174, 2.
in der späteren sprache fortgepflanzt hat sich nur die biblische wendung die hand weben: zu der zeit wird Egypten sein wie weiber, und sich fürchten und erschrecken, wenn der herr Zebaoth die hand uber sie weben wird
Jes. 19, 16; denn sihe, ich will meine hand uber sie weben, das sie sollen ein raub werden
Sacharja 2, 9; sols dann umbsonst sein umb und umb, dasz mein hertz so unstrefflich leb, und ich mein hend mit unschuld web? H. Sachs 18, 286, 33
Götze; ein weben meiner hand auf euch, und ihr liegt schmerzhaft nieder. Herder 12, 49
Suphan; du bist eingegangen! gott webe seine hand über deinen staub! lebe wohl! v. Hippel
lebensläufe 3, ii, 150. III@B@1@gg)
wenig nachfolge fand auch Luthers
gebrauch von weben
als '
hin und herschwingen' (
wie engl. wave)
für eine art des alttestamentlichen opfers, vgl. webe,
f. und webeopfer: legs alles (
fleisch und brot) auff die hende Aaron und seiner söne, und webe es dem herrn (hebs auf und beweg sy vor dem herrn
Züricher bibel)
2. Mos. 29, 24; und solt die brust nemen vom wider ... und solts fur dem herrn weben
2. Mos. 29, 26; so neme er ein lamb zum schuldopffer zu weben, in zuversünen
3. Mos. 14, 21; so solt ir eine garben der erstlinge ewr erndten zu dem priester bringen. da sol die garbe gewebd werden fur dem herrn
3. Mos. 23, 11; sol der priester von irer hand das eieropffer nemen, und zum speisopffer fur dem herrn weben, und auff dem altar opffern
4. Mos. 5, 25; Aaron sol die Leviten fur dem herrn weben von den kindern Israel, auff das sie dienen mügen an dem ampt des herrn
4. Mos. 8, 11; also soltu sie reinigen und weben 8, 15.
in späteren werken begegnet das wort fast nur in anspielungen auf diese stellen z. b. H. Sachs 15, 171, 6
Götze. Dannhawer
catechismusmilch 1, 509.
vereinzelt in übertragung auf den katholischen kultus: disz fest weret mit usztailen der gnaden und papstlichen aplas achttag, welche den gegenwürtigen im tempel durch ain segen, so mit dem monstranzen des sacraments, crüzwis von dem priester hin und her uf und ab gewebet, überraicht ward J. Kessler
sabbata 55. III@B@1@hh) Herder
und dichter des 18.
jahrh. haben das transitive weben
als '
wiegen'
wieder in aufnahme zu bringen versucht: der palmbaum webete seine zweige Herder 26, 353
Suphan; als er (
Hektor) das kind geküszt und auf den armen sanft gewebt (
πῆλέ τε χερσίν). Bürger 174
b (
Il. 6, 474); da nahm ihn die liebe, webete den knaben auf weichem arm, athmete leben des himmels ihm ein.
F. L. Stolberg 10, vi; als ich aufgehoben mich plötzlich fühlte ... heil'ge lüfte kamen und webten zärtlich mich. Schiller 1, 218. III@B@22) weben '
wehen'
wird im 16.
jahrh. fast nur von Luther
und nach seinem vorbild von einigen andern, denen ebenfalls ein dialektisches wêwen
eigen war, gebraucht. Luther
verwendet es sehr häufig (
ebenso auch verweben '
verwehen')
; dabei geht an vielen stellen aus der construction hervor, dasz an weben '
sich hin und her bewegen'
nicht gedacht werden darf. später ist es allerdings mit diesem zusammengeworfen worden und hat weitere verbreitung gewonnen. die dichtersprache gebraucht es auch (
seit Herder)
von der luft, dem hauch und (
wie schon bei Luther)
dem geiste, aber fast ausnahmslos nur als intransitivum. III@B@2@aa)
vom winde gebraucht Luther weben
transitiv und intransitiv. an den bibelstellen ist dafür später wehen
eingesetzt: kom sudwind, und webe durch meinen garten
hohel. 4, 6; jetzt sihet man das liecht nicht, das in den wolcken helle leucht, wenn aber der wind webd, so wird's klar
Hiob 37, 21; er lies weben den ostwind
ps. 78, 26; da nun ein platzregen fiel, und kam ein gewesser, und webeten die winde, und stieszen an das haus
Matth. 7, 27; woltet ir ein rhor sehen, das der wind hin und her webd? 11, 7; da aber der sudwind webd
ap.-gesch. 27, 13; auff das wir nicht mehr kinder seien, und uns weben (
seit 1528 wegen) und wigen lassen, von allerley wind der lere
Ephes. 4, 14; denn wer da zweivelt, der ist gleich wie die meeres woge, die vom winde getrieben und gewebd wird
Jac. 1, 6.
einmal ist weben
später beibehalten worden für '
vom winde bewegt werden',
weil anlehnung an weben 1
nahelag: die menge die dich zustrewen werden so viel sein, als ein dünner staub, und die menge der tyrannen, wie eine webende sprew (
vgl. ps. 1, 4 wie sprew, die der wind verstrewet)
Jes. 29, 5.
in den werken: disse sind brunne on wasser, wolcken, die der wind hynn und her webt 10, ii, 117, 20; also leret und thut, ... und last euch keynen andern wind der lere bewegen, er webe von Rom odder von Jerusalem 12, 149, 27; er will keyn rhor seyn, das der wind webt 18, 210, 6; er keme wo yhn der wind hyn webte 19, 197, 6; der teufel, der lust hat die hertzen zu rütteln allenthalben und lesst sie auff keinen teil gewis und sicher sein, sondern pampeln und schweben, darnach sein wind webt, wie ein espenlaub 23, 244, 29; das er drey meylen ynn die erden sey gesuncken und drey meylen oben hinweg gewebet vom winde 24, 228, 8; das er aus dem lande sol faren und weys nicht wohin, gehet dahin wo yhn der wind hinwebet 24, 247, 23.
übertragen: wie wir sehen, das der bapst mit seynen gesetzen die welt webt und treybt, wo er hynn wil 8, 30, 11; wie der wind die wolcken treibt, also gehet es dem evangelio auch ..., die welt webd und bleset so lange, bis sie es verjagt 19, 611, 17.
hierher gehört auch: hie hatts scharff gewebt Luthers
sprichwörtersammlung nr. 282
Thiele (
vgl. Waldis
verl. sohn 984 dar hefft eyn scharper wyndt geweydt).
dies weben
begegnet in anspielung auf die bibelstellen auch sonst mehrfach, so bei Melanchthon
corpus doctr. christ. 291. Mathesius
historie d. Luthers 402
Lösche. Calvin
institutio christianae religionis (1572) 549. Dannhawer
catechismusmilch 1, 231. W. Scherffer
Hermanni Hugonis ... drey bücher 109; H. Sachs
hat es einmal 6, 38, 34
Keller (
komödie von Hiob),
auch in anlehnung an Luther: da thet über die wüst her weben ein grausam starcker sturme-wind.
in selbstständigem gebrauch zeigen es zunächst nur Hessen und Thüringer (
im Plinius des aus der Eifel stammenden J. Heyden
gehört es vielleicht dem autor nicht an)
: flo, ich web,
req. windt
Alberus dict. C 1
b; welchs ... das windtlein ist, so zwischen morgen und abend sanfft webet Wicel
annotationes (1536) 3
b; und wurffst mich hin und widder wie ein fedder so der windt furet und webt Hafernitz
Job (1530) 211
a; woher er denn vermerckt, dasz der wind weben werde, stopffet er das loch gegen demselbigen ort wol und tigen zuo Heyden
Plinius (1565) 189; im sommer gehn und weben viel winde von morgen hero, sind den einwohnern sehr verdrieszlich und schedlich Scherdiger
novae novi orbis historiae (1591) 441; der starcke sudwesten-windt sich hebt, und in dem waldt gar hefftig webt. Waldis
Esopus 1, 149 (1, 100, 2)
Kurz; in dem ein groszer windt her webt, ein grausam sturm sich baldt erhebt. 1, 344 (3, 55, 7); er liesz darnach den ostenwind under dem himel weben.
psalter 135
b (
ps. 78, 26); durch sein verborgen göttlich kunst leszt er die winde wehben. 184
b (
ps. 104, 3); in des thet sich ein wind erheben, die bletter von den beumen weben, macht ein gereusch so in dem wald. Eyering
prov. copia 2, 235; ein wild ... vor ängsten bebet, wenn ein rauschend windlein webet
Venusgärtlein 86, 128
neudr. seit ende des 17.
jahrh. bürgert es sich in der dichtersprache ein, der es (
sich an weben
von andren naturerscheinungen, unten 5
d, anschlieszend)
verblieben ist (
auch häufig im substantivirten inf.): der sanffte westen-wind, bereit sie abzukühlen, liesz seinen othem gleich auff diese wellen spielen ... es wiegte gleichsam sie sein angenehmes weben. Neukirch
Hoffmannswaldaus u. a. Deutschen ged. 1, 168. der Thetis weibischen und schnellen unbestand scheint Eurus webend einzuwiegen. Hagedorn 2, 69; schau, welch ein linder west in seinen haaren webet. Drollinger
ged. 75; den west, der sie umwebet, schöpft sie voll lüsternheit. Wieland
suppl. 1, 90; und das meer lag still und eben, einem reinen spiegel gleich, keines windes leises weben regte das krystallne reich. Schiller 11, 340,
vgl. windesweben 12, 27 (
Wallenst. lager 6). 14, 48 (
braut v. Mess. 1, 7). weben
neben wehen: nichts kommt an die thür, als des windes gebrause, ein wehen und weben und wogen. Rückert
werke 1, 165. III@B@2@bb)
im anschlusz an diesen gebrauch ist weben
auch von der luft in der neueren dichtersprache üblich: die webende luft ward eine erwärmende muttertaube Herder 12, 11
Suphan; auf der lüfte heilgem weben, in der schöpfung tiefstem leben ... siehe, sieh, da ist der herr! siehe, sieh, da wandelt er! 28, 118; mit dem sanften weben der freyen luft. Wieland 18, 368 (
vogelsang); die luft umfängt den erdenball, weht hier und dort, weht überall ... durchwandelt gar das erdenrund, wo sie durch alle höhlung webet. Bürger 42
a; fühle, was ich in dem weben dieser himmelsluft gefühlt. Göthe 5, 64
Weim. ausg.; die linden lüfte sind erwacht, sie säuseln und weben tag und nacht. Uhland
ged. (1898) 1, 29; und leise wallend an den stäben die fahnen hob der lüfte weben. v. Droste-Hülshoff 2, 320
Kreiten; wo gestern bäum' und reben der sturmwind niederschlug, hört man jetzt leises weben von lauer lüftchen flug. Langbein
schriften 1 (1841) 148. III@B@2@cc)
ebenso der hauch, atem webt: mir ist ein götterwort erkommen! leises weben prophetenhauchs Herder 12, 321
Suphan; die stille luft antwortete ihm: 'ich bin der athem gottes, das weben seiner erquickenden gegenwart' 26, 348; alles war reinlich und sauber umher und der hauch ihrer nähe webte noch in dem kleinen zimmer Immermann
Münchhausen2 4, 47; da hielt ich an den odem, davor bang, den sprechenden möcht' er zu stürmisch weben, und stören ihrer unterredung gang. Rückert
werke 3, 168; durch das haus (
die synagoge) geheimnisvoll zieht ein wispern und ein weben, und der unsichtbare hausherr atmet schaurig in der stille. Heine 1, 434
Elster. III@B@2@dd)
schon bei Luther
kommt vor der geist webt: ich wil nicht imerdar haddern, und nicht ewiglich zörnen, sondern es sol von meinem angesicht ein geist weben (
später wehen), und ich wil odem machen
Jes. 57, 16; und will solichs gras dürre werden und die blume fellt dahyn ... weyl der geyst gottis durch seyn wort drein webet und scheinet so heys drauff durch das evangelion
werke 15, 28, 8; du (
heiliger geist) bist der krefftig trost, wenn wir weinen heisz, o volbring solchs in uns durch dein weben leisz. Wicel,
Wackernagels kirchenlied 5, 1151, 4.
auch das hat Herder
aufgenommen: dort morgenland! die wiege des menschengeschlechts ... wenn religion in aller kalten welt verachtet und verglüht sein sollte: ihr wort dorther, feuer- und flammengeist dorther webend 5, 562
Suphan; haben sie ... den webenden geist gefühlt, der vor dem erwachenden tage sich von himmel wie ein hauch gottes ... auf die fluten niederläszt 6, 133; liebe ... der beseelende, webende geist der ideenschöpfung 22, 120; was lauschest du, o volk der Alemannen, den rufern: »hier, hier webet gottes geist, ...« du hörst sein wehn; doch weiszt du nicht von wannen, und nicht, wohin der strom des windes reiszt. Voss 5, 72.
von der gottheit selbst: der gipfel rauschte! das ist webende gottheit! der wilde fällt nieder und betet an Herder 5, 53; in den frischen eichenhainen webt und rauscht der deutsche gott. Uhland
ged. (1898) 1, 33.
über die weitere entwicklung s. 5
b. III@B@33)
die gröszte verbreitung hat weben
in der verbindung leben und weben
gefunden, die sich auch in der allgemeinen sprache eingebürgert hat. sie tritt schon vor Luther
in der md. geistlichen dichtung auf: schuf der hochgelobte got ... eine sele, di daʒ lebn gibt dem lichnam und daʒ webn. Tilo von Kulm
von siben ingesigeln 5326
Kochendörffer. dasz sie aber zu Luthers
zeit nicht allgemein üblich war, zeigt sich darin, dasz sie an den drei biblischen stellen in der Züricher bibel, bei Dietenberger
und Eck
durch andere wörter ersetzt wird; Luther
gibt an den beiden ersten hebr. rāmaś
wieder, zunächst '
schleichen, kriechen',
dann '
wimmeln, sich regen': gott sprach, es errege sich das wasser mit webenden und lebendigen thieren
1. Mos. 1, 20 (läbendige seelen, die sich regind oder sträbind
Zür. bibel); und gott schuff grosze walfische und allerley thier, das da lebt und webt, und vom wasser erreget ward, ein jglichs nach seiner art 1
Mos. 1, 21 (allerley läbende, kriechende seelen
Zür. bibel, alle lebendige seel und bewegliche Eck); er (
der herr) ist nicht ferne von einem jglichen unter uns, denn in im leben, weben (
κινούμεθα), und sind wir
apostelgesch. 17, 28 (läbend, sträbend, und sind wir
Zür. bibel, leben, schweben und seind wir Eck).
sonst ist leben und weben
bei Luther
nicht häufig: der selb glaub lebt und webt, der dringt durch und endert den gantzen menschen 7, 553, 33
Weim. ausg.; ehe ich noch war, lebete, webete und ichts thun kunde 8, 315
b Jen. ausg. die biblischen wendungen (
fast immer mit vorstellung von leben)
dringen bald auch auszerhalb der kirchlichen litteratur durch, und ihnen schlieszen sich einige andere gebrauchsweisen an. III@B@3@aa)
voll leben und bewegung sein. III@B@3@a@aα) was lebet und webet, was odem nur hat.
M. Apelles,
Fischer-Tümpels kirchenlied 1, 340; und also thut auch immerfort, was webt und lebt an jedem ort. P. Gerhardt,
ebenda 3, 433; was lebt und webt ist doch nur ein gedanke der allmacht, die das werde rief. Göthe 13, ii, 9
Weim. ausg.; indessen hat sein wehklagen alles was in den waldigen bergeshöhen lebt und webt aus der morgendlichen ruhe aufgeregt 49, 143; was lebet, was webet, fühlet odem des lebens Fr. Müller 1, 41; ein fünkchen aus dem himmelslichte, was in dir lebt und webt und quillt. Arndt
werke 5, 343. III@B@3@a@bβ) und am frühen morgen ward's getümmel, und dem schlaf entjauchzt uns der matrose, alles wimmelt, alles lebet, webet, mit dem ersten segenshauch zu schiffen. Göthe 2, 72
Weim. ausg.; es webt und lebt alles an diesem knaben,
this boy is full of life Ludwig 2309; war von klassischen autoren, philosophie, geschichte, schönen wissenschaften die rede, so lebt' und webte alles in der schule Schubart
leben u. gesinnungen 1, 24. III@B@3@a@gγ) es lebt und webt in triften, in wassern und in lüften. Voss 4, 68; wo man nur den bulten (
der kartoffeln) hebt, schaut, wie voll es lebt und webt! 5, 28; wie lebte und webte es auf dem turnplatze, wenn die jungen ... ihre unerhörten künste übten Treitschke
d. gesch.2 2, 385; mit der dämmerung, welche in das reinste goldene morgenrot überging, schien es zu leben und zu weben um die stille gestalt (
die tote), bis sie deutlich im hellen tage da lag G. Keller 2, 77. III@B@3@a@dδ) sie (
die kinder) leben und weben mit frischen trieben und kräften um uns her Ed. Devrient
briefw. 56.
von einer örtlichkeit: des hügels rücken, der vom tanze froher lämmerheerden lebt und webt. Bürger 98
a. III@B@3@a@eε)
das part. lebend (lebendig) und webend: welche beyde sonst alle lebende und webende creaturen umbringen Thurneiszer
magna alchymia 4; allerley lebendigen, webenden, fixen und unfixen creaturen Paracelsus
op. 2, 532; die lufft hat ihren ursprung von der hitze und kälte, ... davon wird eine lebende und webende bewegung Jac. Böhme
morgenröte (1656) 3; das wasser quallet auch in allen lebendigen und webenden dingen in dieser welt 4; auf offnem allweiten meere ... mitten im schauspiel einer ganz andern, lebenden und webenden natur Herder 5, 169
Suphan; Fama, ein unheil, so schnell, als keins auf erden; in tausend gliedern lebend und webend, gestärkt an kräften im wandern. Bürger 246
b. III@B@3@a@zζ)
der inf. substantivirt '
leben und bewegung, leben und treiben': sieh das leben und das weben dieser graziengestalt, sieh es ruhig an und kalt: fühle nicht das wonnebeben vor der anmuth allgewalt! 74
a; das ist Italien, das ich verliesz. noch stäuben die wege, ... leben und weben ist hier, aber nicht ordnung und zucht. Göthe 1, 308
Weim. ausg.; mir ist die kunst gegeben, dazu bin ich bestellt, das leben und das weben zu sehn in aller welt. Rückert
werke 2, 104; das leben und weben auf und in und um diesen ameisenhauffen Lessing 10, 262; wir rollten schnell, durch viele enge, von menschen wimmelnde straszen, und freuten uns dieses regens, lebens und webens der freyen menschlichen industrie G. Forster
briefe 77
Leitzmann; dasz dieses volksfest (
der carneval), wie ein anderes wiederkehrendes leben und weben, seinen entschiedenen verlauf hatte Göthe 32, 279; in den vorstädten war überall ein sommerabendliches leben und weben, wie in den kleinen landstädtchen v. Eichendorff 2, 223; durch naturforscher ... ist das leben und weben in ihren tiefen (
der meere) an das tageslicht gekommen Ritter
erdkunde 1, 38. III@B@3@bb)
bei vollem leben sein. III@B@3@b@aα) diese (
die Abderiten) leben und weben immer noch fort, wiewohl ihr ursprünglicher wohnsitz längst von der erde verschwunden ist Wieland 20, 302; ihr elastisches daseyn ... lebet und webt froh und frei Herder 22, 28
Suphan; und so entstand eine art von heydnischem judenthum, das noch bis auf den heutigen tag lebt und webt Göthe
briefe 27, 237
Weim. ausg.; die trümmer und träume des alten städtelebens, in der form, wie sie namentlich in den ehemaligen reichsstädten jetzt noch leben und weben und von neuer sitte durchwachsen sind Riehl
land und leute8 126. III@B@3@b@bβ)
auch nur '
in der einbildungskraft lebendig sein, leibhaftig vor augen stehen': alle (
anekdoten) mit dem siegel der wahrheit bezeichnet. in allen lebt und webt Peter Herder 23, 440
Suphan; dasz ihnen die Römer klar, verständlich, vertraut wie zeitgenossen, mit ihren einrichtungen und ihrer geschichte vor dem blick stehen, leben und weben Niebuhr
röm. gesch. 1, 6. III@B@3@b@gγ) in etwas leben und weben '
lebendig sein': sondern (
gott hat) sein wort in allen dingen gelassen, das es alles erhalte, regir, sein natur und wesen gebe, trage, das er darinn lebe, webe, wachs S. Franck
de vanitate 104
a; hergegen lebet und webet in unserer edlen hoch-deutschen sprache die natur solcher gestalt Zesen
Helikon (1656) 1, 208; dieser feine geist des weltmanns ... lebe und webe überall in Fränklins schriften Zimmermann
über die einsamkeit 2, 37; wenn solch männlein nun selbst 'ne schrift fertigt ... darin lebt und webt denn nun nichts, ist noch kraft noch anmuth Klopstock 12, 127; so dasz was in ihm lebt und webt und ist, nie seine kraft, nie seinen geist vermiszt. Göthe 2, 215
Weim. ausg.; o mai, was frag' ich viel nach dir, der frühling lebt und webt in ihr (
der geliebten). Bürger 13
a. III@B@3@b@dδ) weder leben noch weben: und mag auszerhalb gott weder leben noch weben Weigel
gülden griff (1613) H 3
b; ohne die lufft kan nichts leben, weben, noch schweben Scheräus
sprachenschule (1619) 23; es giebt gewisse dinge, ohne die ich weder leben noch weben kann Wieland 8, 9. III@B@3@b@eε)
der inf. substantivirt '
volle lebensbethätigung': alle creatur ... haben ihr wesen, leben, weben und natur mer in gott, dann in in selbs S. Franck
de vanitate 104
a; inn summa, ir wesen, leben und wäben ist zum aller höchsten zu wunderen Sebiz
feldbau 300; es (
das element) ist das weben oder leben des innern himmels, als das wahre englische leben nach der creatur Jac. Böhme
schriften 2, 58; wen er als ein gott erschaffen, wesen, athem, leben und weben geben, der ist auch dannenhero seiner bottmäszigkeit ... unterworffen Dannhawer
catechismusmilch 1, 44; ihr leben und weben in der einfalt und schönheit der unverdorbenen natur Kretschmann 1, 9; der menschen leben und weben hängt ab von den gestirnen Bode
Montaigne 3, 574; aber lächerlich ist es, dem ungestümen leben und weben des genies schranken zu setzen Schubart
ästhetik der tonkunst 61; ich ahnte das leben und weben der liebe, und es war mir, als müszte ich nun das gute mädchen alsogleich sehen G. Keller 1, 234. III@B@3@cc) in einem leben und weben
im anschlusz an ap.-gesch. 17, 28 '
mit allen lebensäuszerungen jemand angehören': weil wir nun in ihm leben, weben, und in gottes krafft daher faren S. Franck
paradoxa (1558) 55
b; gott ... durch den alles erhalten und regiert werde, in welchem alles webe, schwebe und lebe Dannhawer
catechismusmilch 1, 67.
gröszeren umfang gewinnt die jüngere wendung in etwas leben und weben '
sich in seinem lebenselement befinden': in dieser (
der griechischen sprache), als in seinem ur-elemente, lebt und webt er (
der hexameter), wie der fisch im wasser Bürger 177
b; einem Winkelmann, ihm der sich so ganz nach den alten gebildet, der in Griechenland lebet und webet ... — diesem mann zeigen, dasz er Homer nicht gelesen Herder 3, 8
Suphan; das geeinte zu entzweien, das entzweite zu einigen, ist das leben der natur; diesz ist ... das ein- und ausathmen der welt, in der wir leben, weben und sind Göthe
naturw. schriften 1, 296
Weim. ausg.; (
sie) berührten zärtlicher das leichte klare schmeichelnde meer, in dem sie lebten und webten Hölderlin 2, 106
Litzmann. dann '
ganz einer sache hingegeben sein, völlig in ihr aufgehen': in einem der hintersten zimmer verschlossen ... lebte und webte er in der shakespearischen welt, sodasz er auszer sich nichts kannte noch empfand Göthe 21, 298; bei allem aber, was er las, war und blieb nun die idee vom theater immer bei ihm die herrschende — in der dramatischen welt lebte und webte er Moritz
Ant. Reiser 176, 20
neudr.; mein clima ist das theater, in dem ich lebe und webe Schiller
briefe 1, 175
Jonas; herr Schubarth lebte und webte in Göthe Gutzkow 12, 19; seine seele lebt und webt in den kirchlichen überlieferungen Ranke 3, 101; ich lebte und webte in meinem dienst Gotthelf 1, 161; ein künstler lebt und webt in seiner kunst. Grillparzer 6, 31 (
weh dem, der lügt! 2). III@B@44)
auch weben
für sich erscheint in bedeutungen, wie sie bei leben und weben
ausgeprägt sind. wenn diese auch aus der grundbedeutung gewonnen werden können, so sind sie doch offenbar hauptsächlich unter dem einflusz der verbindung entwickelt, seit dem 14.
jahrh. wird weben
auf leben
gereimt oder erscheint sonst in deutlicher beziehung auf leben.
im 17.
jahrh. und später tritt aber auch ein ganz selbständiges weben
auf als '
wimmeln'
oder '
leben'.
gegenüber leben
wird versucht diesem weben
einen besonderen bedeutungsinhalt zu geben, indem man es für lat.-rom. vegetare
setzt. daran schlieszt sich weben
von dem walten der naturkräfte, vgl. 5
c. III@B@4@aa)
in lebendiger bewegung sein, wimmeln, von thieren und menschen: die fisch im meer, das viehe auff dem felde, und alles was sich regt und webt (Luther wegt) auff dem lande
Hes. 38, 20 (
jüngerer text); alles was auf erden lebet, inn lüften und wassern webet.
M. Weisze,
Wackernagels kirchenlied 3, 287; was kan on dich auf erden leben? was inn lüften schweben und inn wassern weben? 3, 329, 3; denn gott ernährt was fleugt und webt. Cramer
ged. 2, 383; doch was lebendiges in straszen webt, jagt nach gelde. Herder 27, 256
Suphan; gleich uns bewegen sie sich all' und weben, jauchzen um ihn her. Göthe 39, 204 (
Prometheus 2)
Weim. ausg.; (
ich) sehe nur das rege leben durch die engen straszen zieh'n; wie sie wallen, wie sie weben, und der sorge nicht entflieh'
n. Körner 1, 266; wie nah war ihnen der webende heerzug (
der insekten), welcher, immer gewendet, sich nun, schnell wie der wind, herwirbelte. Klopstock
oden 2, 103
Muncker; wann schlägt die nachtigall, der glühwurm webet. Arndt
ged. (1860) 375; unter tausenden, die unter uns (
auf dem Straszburger münster befindlichen) weben, ist gewisz kaum einer, der den ausgedehnten begriff so eines händedrucks zu umfaszen vermag v. Thümmel
reise 1, 157 (1791); wenn sie mir fremd geworden wären alle diese dort webenden menschen, alle dort tosenden stimmen Görres
ges. briefe 1, 24.
der substantivirte inf. ist (
unter dem einflusz von leben)
häufig: wenn ... die millionen mückenschwärme im letzten rothen strahle der sonne muthig tanzten, und ihr letzter zuckender blick den summenden käfer aus seinem grase befreite; und das schwirren und weben um mich her mich auf den boden aufmerksam machte ... Göthe 19, 74
Weim. ausg.; das weben der eidexen auf den stufen des amphitheaters in der abendsonne
tageb. 1, 213; da lehnt sie oft, von ahnungen gedrückt, an einem blüh'nden baum, und freuet sich des webens und sumsens und gedrängs und allgemeinen lebens in seinem schoosz. Wieland 23, 102 (
Oberon 8, 53, 5); der natur genius an der hand soll dich führen durch alle land, soll dir zeigen alles leben, der menschen wunderliches weben, ihr wirren, suchen, stoszen und treiben. Göthe 16, 125
Weim. ausg. '
voll sein von etwas': zeigst dem erstaunten blick den ganzen stoff belebt und wie das sandkorn selbst von regen thierchen webt. Wieland
suppl. 1, 160. III@B@4@bb)
lebenskraft besitzen, am leben sein (
vgl.webern 5),
vigere, vegetare et vegetari Stieler 2448;
animalis, seelhafftig, webend, lebend Dentzler 1, 48;
vgl. auch webelhaft, webelich 3, webicht. III@B@4@b@aα) und dasselbig leben der bürdin, die darvon webt und in leben ist, mit unvergleichlicher würdin fürsetzen C. Hedio 4
bücher von der christl. leer (1552) 4
a; das er (
Zeus) ein lebend machender gwalt seye, und allem so do wäbt, das leben gebe Herold
heydenweldt (1554)
f 4
a; die lufft kan nicht weben, sie habe denn das wasser, denn das wasser ist der lufft mutter Jac. Böhme
von den 3
princip. göttl. wesens 14, 23; allen dingen, die nur weben, ist das süsze lieben kund S. v. Birken
Margenis 74; überall, wo luft und sonne ist, wo wir sind und weben, ist gottes stuhl v. Hippel
lebensläufe 3, i, 50; ich hab genuog das Joseph lebt, ich will ihn sehen weil er webt. Th. Gart
Joseph 2067
Schmidt; was ist es, dasz man lebet ümm eine hand voll blut und was darinnen webet, das hier gefühlet wird? Fleming 133 (
poet. wälder 3); ich bin gewisz, dasz meine seele lebet, wenn mir mehr nichts an diesem leibe webet. 286 (
oden 1, 3); eurem matten sinne, der kaum für eigner kranckheit webt. 315 (
oden 2, 5); denn so soll ein neues leben in verjüngter erden weben. 340 (
oden 2, 14); kaum entschlich Pervonten dieses wort, so scheint ein thierisch leben auf einmal in dem holz zu weben. Wieland 18, 131; und nun ward, in ihr zu leben, mir so innig zur natur, wie, in licht und luft zu weben, jeder erden-creatur. Bürger 43
b; wo wieder junge würmchen schwimmen, wo wieder eine seele webt. Schiller 1, 24.
der substantivirte inf.: und di sele gibt gerichte dem libe wesen unde lebn und gibt yclichem lyde webn.
paraphrase des buches Hiob 1106
Karsten; czu jungest unser ende ist ein ewicliches lebn und ein engelisches webn. Tilo von Kulm
von siben ingesigeln 2732
Kochendörffer; man fühlt sich selbst in allen wesen leben, vom blümchen, das der erd' entspringt, zum vogel, der in hohen wipfeln singt, scheint alles uns vom seinen was zu geben, verwebt uns alles mit ins allgemeine weben. Wieland 9, 138; geburt und grab, ein ewiges meer, ein wechselnd weben, ein glühend leben. Göthe 14, 32 (
Faust I 506)
Weim. ausg.; nur phantasie schaut in das ew'ge weben, wie stets dem tod erblüht verjüngtes leben. Tieck 1, 11. III@B@4@b@bβ)
auch nur '
leibhaftig vor augen stehen' (
vgl. 3
b β) was wir nicht sehn, durch das wort so in des lebens glut, so wahr die gestalt zu bilden, dasz es, als web' es vor uns! wandelt der schein. Klopstock
oden 1, 229
Muncker. III@B@4@b@gγ)
eine nachwirkung der grundbedeutung des wortes ist es, dasz bei weben
vorzugsweise an körperliche lebensbethätigung gedacht wird. so heiszt es sprichwörtlich: desz hertzen leben stehet in dencken und weben, wer nicht kan dencken und weben, der kan nicht lang leben Lehman (1662) 1, 261.
eine weitere beschränkung zeigt sich, wenn es als wissenschaftlicher ausdruck vom leben der pflanzen steht: darnach faren sie fürt das leben auch anzuoschauwen, und so sie es on sinnligkeit weben befinden, wie dann das leben der baum ist, sie ihm ein empfintlich leben, wie das leben des vichs ist, und diszem widerumb ein verstendig leben, wie der menschen ist, fürsetzen C. Hedio
Augustinus (1532) 4
c; die webende seele,
anima vegetabilis, qualis in plantis est Stieler 2448; daher kommen so viel besondere seelen, denen sie gewisse wirkungen zuschreiben, als da sind, in den gewächsen eine webende seele, welche sie ernehre, wachsen mache, und vermehre Scheuchzer
physick (1711) 1, 38; jedes gewächs hat seine webende seele Muralt
eidg. lustg. 5.
nachklänge dieses gebrauchs s. 5
d δ. III@B@4@b@dδ)
übertragen '
voll leben sein': sein auge spielt und webt, und schimmert voller kraft; man siht auf wang und mund den warmen lebenssaft. Drollinger
ged. 75; ein webender verstand webet und lebet in seinem gemüt,
vegetum ingenium in vivido ejus pectore viget Stieler 2448. '
gedeihen': die kaufmannschaft webet und überwebet allda,
mercatura in ista civitate floret ac dominatur 2448.
abgeschwächt '
ein leben führen, sich befinden': rittergeist der mittleren zeiten, in welchem palaste würdest du weben! Herder 4, 525
Suphan; tagtäglich aber unter ihnen zu weben und mit ihnen umzugehn, ist wirklich keines braven teufels spasz mehr Fr. Müller 2, 22; alles, was in meinem kreise webt, hab' ich um ihre kindheit hergelagert. Göthe 10, 252 (
nat. tochter 1, 1)
Weim. ausg. (
vgl. 45, 188); gleich einer weiszen taube, schwebest du, die flügel breitend, über dieses leben und netzest keine feder an dem schlamm, in dem wir ab uns kämpfend mühsam weben. Grillparzer
5 5, 158 (
Medea 2). III@B@4@cc) in etwas weben
kann auch sein (
vgl. 3
c) '
einer sache völlig hingegeben sein' (
mit einmischung der bedeutung '
schweben'): Lucia, so webtest du einmal in des frühlings wollüsten. Schubart (1825) 2, 243; sie webte still im häuslichen kreis, und trat gar selten in's leben. Körner 1, 230; herr, du hast vielleicht noch viel beschlossen für dies kurze ruhelose leben, ob ich soll in qualen hingegossen, ob ich soll in allen freuden weben v. Droste-Hülshoff 1, ii, 88
Kreiten. ach, von den dingen, drin du webtest, siehst du dich plötzlich losgetrennt; du fühlst, dasz du in goldnen träumen lebtest. Geibel 2, 68; es giebt eine groszstädterei, die das vaterland ... eines pflastertretenden zierlings, in höheren reichen webenden hochgeistes unwürdig hält Jahn
volksthum 213. III@B@55)
sonstige gebrauchsweisen der neueren sprache. das durch Luther
der schriftsprache zugeführte wort, im älteren nhd. nicht besonders häufig, ist jetzt, namentlich durch Herders
und Göthes
einflusz, ein lieblingswort der dichterischen sprache geworden. begrifflich ist das wort nicht immer mit bestimmtheit zu erfassen, so dasz beim gebrauch der dichter oft mehrere auffassungen möglich sind. alle auftretenden gebrauchsweisen aus der grundbedeutung '
sich bewegen, regen, schweben' (
die natürlich vielfach noch durchschimmert)
abzuleiten, wäre gewisz nicht richtig, vielmehr sind anregungen auch von anderer seite gekommen; sowohl '
wehen' (2)
als '
lebenskräftig, lebendig sein' (4
b)
hat eingewirkt. auszerdem ist auch der übertragene gebrauch von weben '
texere'
als '
bilden, gestalten, herstellen'
von einflusz gewesen, aus dem die unter a—
c aufgeführten verwendungen auch meist abgeleitet werden könnten. es ist also thatsächlich oft ein zusammenfall der beiden verba eingetreten (
vgl. auch A 4
h θ ι).
ein besonderer fall ist der, dasz sich neben das transitivum ein intransitivum stellt, das den durch die handlung bewirkten zustand bezeichnet, z. b. einen traum weben (A 4
h η)
und der traum webt.
der substantivirte infinitiv ist auch hier überall beliebt. III@B@5@aa) weben
von gedanken und vorstellungen, die sich im menschlichen innern regen (
vgl.weben A 4
h ε von gedanken): schau' ich nicht aug' in auge dir und drängt nicht alles nach haupt und herzen dir, und webt in ewigem geheimnisz unsichtbar sichtbar neben dir? Göthe 14, 174 (
Faust I 3449)
Weim. ausg.; Shakespear, der den werth einiger jahrhunderte in seiner brust fühlte, dem das leben ganzer jahrhunderte durch die seele webte 37, 226; das ist es, was immer durch die seele des künstlers webt, was in ihm nach und nach sich zum verstandensten ausdruck drängt 37, 317; hier sind die menschen zu träge, mit jedem schritt, mit jeder handbewegung, mit jedem wort auszusprechen: das bin ich. sie denken's lieber und meinen, es müszte dann die ganze welt auf ihrer stirn lesen, was dahinter webt und strebt Scheffel
Ekkeh. 132.
der substantivirte inf.: hier lag das kind! mit warmem leben den zarten busen angefüllt, und hier mit heilig reinem weben entwirkte sich das götterbild! Göthe 14, 134 (
Faust I 2715); war unser umgang nicht ein ewiges weben von der feinsten empfindung, dem schärfsten witze? 19, 12; in dieser stirne (
Brutus') ist nichts gedächtnisz, nichts urtheil, es ist ewig gegenwärtiges, ewig würkendes, nie ruhendes leben, drang und weben! 37, 357; still und verschwiegen soll's auf diesem herzen kleben, bis der kalte tod mir das leben raubt; so sey mein weben stiller wunsch, gebeth zu ihr Fr. Müller 3, 44; das rege und geheimniszvolle weben, das aus der innersten seele ... hervorlauscht v. Gentz
schriften 1, 11; der glauben hat hierdurch den inhalt, der sein element erfüllte, verloren, und sinkt in ein dumpfes weben des geistes in ihm selbst zusammen Hegel 2, 432; elemente mannichfachster art wurden angezogen von ihm, abgestoszen, verschmolzen in jenem geheimniszvollen weben des innenlebens, das kein geschichtlicher blick ganz durchdringt Dilthey
leben Schleiermachers 1, 364; ach, so begegnet immer seltner ein verwandtes mir, und wenige nur verstehn das weben dieser tiefen brust. Platen 55 (
Faust's gebet). weben
vom geiste s. auch b. von hoffnungen, träumen: die erinnerung vergangener tage, wo wir zwanzig jahre jünger waren und andere träume und hoffnungen uns um die stirn webten Arndt
schriften 3, 138; die sehnsucht und der träume weben sie sind der weichen seele süsz, doch edler ist ein starkes streben und macht den schönen traum gewisz. Uhland
ged. (1898) 1, 154; das stille weben und träumen seiner seele verstand die herzogin nicht, zarte scheu ist in anderer augen thorheit Scheffel
Ekkeh. 301; elend müszten sie zu grunde gehen ... irregeführt durch deine webenden träume v. Ebner-Eschenbach 1, 177; man soll mich nie eines eingriffs zeihen in das stille feierliche weben der liebe Brentano
Godwi 1, 206. III@B@5@bb) weben
von geistern schlieszt sich an 2
d an und geht von '
wehen'
aus. so heiszt es im Urfaust: in lebensfluthen, im thatensturm. wall ich (
der erdgeist) auf und ab, webe hin und her. Göthe 39, 224
Weim. ausg., wo 1790 wehe
gesetzt ist. es entwickelt sich dann die bedeutung '
wirken, thätig, lebendig sein'.
an den folgenden stellen mischt sich auch die bedeutung '
schweben'
ein (
vgl. auch webern
von geistern): o gibt es geister in der luft, die zwischen erd und himmel herrschend weben. Göthe 14, 57 (
Faust I 1119);
Faust. was weben die dort um den rabenstein?
Mephistopheles. weisz nicht was sie kochen und schaffen. 14, 238 (
Faust I 4399); nun erst, o schicksal, bin ich genesen. rund um mich weben mächtige wesen. seliger geister freystadt ist hier. Gotter 3, 455; den guten geistern, die um herd und saal geschäftig weben, üb' ich frommen brauch Freytag 3, 180 (
Fabier 3); so sind wir durch unsern wald gewandert und haben ... auf die geister gelauscht, die um sie (
die bäume) wehen und weben und von ihnen auf die menschenkinder herabspielen Arndt
werke 1, 243.
vom geiste der natur, der kunst: aber oben mit den dunkeln ästen sieht sie (
die tanne) schönres leben, sieht durch laub die sonne funkeln und belauscht des geistes weben. Freiligrath
ged. (1840) 175; doch nicht im himmelsraum dort oben wohnt nur der geist, er webt auch hier (
in der natur). Pichler
marksteine 4; glühend webst du über deinem grabe, genius! Göthe 2, 172
vom menschlichen geist: in ihm webt Molierens geist lebendig, und die natur hat seinen körper für seine gaben gebaut Sturz
schriften 1, 96; verständige leute fühlten und erkannten den geist, der in diesem leibe webte Wieland 20, 292; er (
Wieland) fühlte den platonischen geist in sich weben Göthe 36, 320; wir folgen nicht, so sehr der wille strebet, dem eigenen, dem dünkelhaften triebe: es ist der geist, der in uns wirkt und webet. Platen 58. sinn, gedanke webt: wie natur im vielgebilde einen gott nur offenbart; so im weiten kunstgefilde webt ein sinn der ew'gen art. Göthe 3, 115; hoch über der zeit und dem raume webt lebendig der höchste gedanke. Schiller 11, 259.
von der gottheit: der gedanke an die gottheit, die, wie durchs universum, so auch im tode webet Schiller 1, 168.
von sittlichen mächten: aus dem müszigen zelt, wo der mann herrschte, war eine hütte der arbeit geworden, ... es webte neue tugend durch alles, die wir ägyptischen fleisz, bürgertreue nennen wollen Herder 5, 488
Suphan; ach! das ist ein leben, wenn es weht und klingt, wenn dein stilles weben (
der freiheit) wonnig uns durchdringt. Schenkendorf 72; Erinnys ist's, die flammend hier um leichen webt, die götterzorn traf. Göthe 41, ii, 44; etwas wie gerechtigkeit webt und wirkt in mord und grauen. C.
F. Meyer
ged.9 255.
von anderem, das über das menschenleben gewalt hat: zerstörung webt wohl überall hienieden voll allgewalt in dieser pilgerwelt. Novalis 1, 205
Minor; zwei gewalten, spricht der weise. weben über'm erdenringe; mächtig ist nicht blos dein wille, mächtig, mensch, sind auch die dinge! Halm 7, 71; wie zaubers kräfte unbegreiflich weben. Schiller 14, 71 (
braut v. Mess. 2, 5); in küssen webt ein zaubersegen. Tieck 16, 377: geheimniszvoller zauber webt im herzenfesselnden gesicht. v. Gaudy 4, 23; und unterm mond und überm mond was anders ist's als liebe und liebe was überall athmet, wirkt und webt, und alles bildet, alles belebt. Wieland 21, 3 (
Gandalin, prol. 6); behörden nannten in ihrer rohen weise das hereinragen der höheren welt in die gassen von Weinsberg einen lästerlichen unfug, und ihre hand begann drückend über dem wirken und weben der zarten sphäre zu lasten Immermann
Münchh.2 1, 171; eine hauptperson, in welcher die macht eines pathos webt und wirkt O. Ludwig 5, 188.
von empfindungen der lust und unlust, die den menschen ergreifen: sie tanzen einen reihen im sommerabendroth und warme jugendfreude webt in dem abendroth. Göthe 4, 188; Pompejus geist ist um uns! hats gehört! es webt um uns welch grausen! der mitternacht! Herder 28, 15
Suphan; so lang' im deutschen eichenthale, natur! dein hehrer schauer webt. Matthisson
schriften 1, 1; es webt vom götterhaine noch im gehölz ein grau'
n. M. Greif
ged.2 145; das wehen und weben der räthselhaft mordgeschichtlichen romanzen ist hier (
in dem liede) höchst lebhaft zu fühlen Göthe 40, 350. III@B@5@cc)
auch von naturkräften und der natur selbst wird gesagt, dasz sie weben '
wirksam, lebendig sind' (
was sich auch an 4
b '
lebenskräftig sein'
anschlieszt): und so taumle ich beängstigt, himmel und erde und ihre webenden kräfte um mich her Göthe 19, 76
Weim. ausg.; man singe das kartoffellied wirklich auf dem acker, wo die völlig wundergleiche ... vermehrung nach langem stillem weben und wirken vegetabilischer kräfte zum vorschein kommt 40, 268; eine grosze schwungkraft belebt die unendlichkeit, alle kräfte weben und wirken durch einander von ewigkeit berechnet Tieck 8, 14; noch mehr, als das lebendige weben der schönen, aber seelenlosen natur, erfreute mich der umgang mit der gemahlin des grafen Schubart
leben 2, 125; dasz die kunst als blosze abschrift der natur gegen das ewige regen und weben derselben unendlich zurückstehen müszte A. W. v. Schlegel 9, 24; so beschlich mich (
beim malen) ein stolzes gefühl, in welchem mir meine erfahrung und das weben der natur eins zu sein schienen G. Keller 2, 49; in jenen träumerischen zustand, ... von dem in der sommerstille, inmitten der webenden natur, so leicht ein junges paar beschlichen wird Storm 4, 18.
von den jahreszeiten, von tag und nacht: der frühling webet im neuen raum. der saft, er strebet im feigenbaum. Herder 28, 98
Suphan; der frühling webt schon in den birken und selbst die fichte fühlt ihn schon. Göthe 14, 195 (
Faust I 3845); ein park, wo frühling ewig webet. Gotter 1, 438; und jetzt erklärt sich das heimliche beben, jetzt ahn' ich erst, frühling, dein wirken und weben, jetzt weisz ich erst, was die nachtigall singt. Körner 1, 298; frühling, dein weben macht mich nicht froh. Rückert
werke 2, 309; (
es) war das erste lautlose weben des frühlings im walde, die ersten blumen streckten ihre häupter aus dem moos herfür Scheffel
Ekkeh. 228; sodann begannen sie (
die monate) eine liebliche musik, welche das walten und weben der jahreszeiten darstellte H. Seidel 3, 319; die nacht begann ihr weben, ihren geheimnisvollen haushalt in dem stillen walde O. Ludwig 2, 101.
allgemein ein weben
von vorgängen, die sich in der natur abspielen, wahrnehmbaren äuszerungen der naturkräfte: er fühlt um sich ein wunderbares weben ... er fühlt, wie sich des baumes wurzeln unter ihm regen Brentano 5, 301; ich schaute im dämmerlicht ein märchenhaftes weben. es stiegen nebelbilder aus den feldern, umschlangen sich mit weiszen, weichen armen; die veilchen sahn sich zärtlich an, sehnsüchtig zusammenbeugten sich die lilienkelche ... Heine 1, 139
Elster; der morgenwind strich vor der sonne her, als wollte er busch und kraut wach fächeln, und ein geheimnisvolles weben und regen begann in der luft Anzengruber 2, 24; nur des getierleins schwirrn und schweben vernahm er, das sich an ihn hing, und das geheimnisvolle weben des waldes, das den sinn umfing. J. Wolff
d. fahr. schüler (1900) 369;
vgl.waldweben sp. 1208. III@B@5@dd) weben
von einzelnen naturerscheinungen ist am spätesten entwickelt und gehört im ganzen erst dem 19.
jahrh. an. vorbereitet wurde es durch präpositionelle wendungen, wie um etwas weben,
wo weben
als '
schweben'
genommen werden kann. man sagt dann das licht, die wolke, der nebel webt,
wie weben
vom wind und von der luft (2)
schon früher üblich war. dabei ist auch hier ein zusammenhang mit weben '
texere'
wol nicht in abrede zu stellen. die vorstellung, dasz lichterscheinungen und düfte eine hülle über die gegenstände werfen, tritt schon früher auf, vgl. A 4
e ε, 4
f und 4
h θ.
bei absolutem gebrauch hat sich dies weben
zur bezeichnung des naturvorgangs selbst entwickelt, sodasz also die bedeutungen '
texere'
und '
moveri'
zusammengeflossen sind. III@B@5@d@aα)
am häufigsten ist weben
von lichterscheinungen: es war, als sähen sie auf seinem angesicht die dämmerung von einem neuen leben und wie von reinem himmelslicht den widerschein um seine stirne weben. Wieland 23, 147 (
Oberon 9, 40); es giebt so viel zu beleuchten, o holde strahlen des lichts, was webt ihr denn gespenstisch um jene stätte des nichts. Hebbel 6, 202, ein gold- und purpurschimmer wob drüber (
über das laub) nur, doch blieb darunter eben immer der grüne dunkle trieb. Rückert
ges. ged. 5, 49; wo der sonnen ewig gold gewoben, ist die heimat finstrer geister nicht. v. Stägemann
kriegsgesänge 36; dieses mondlichts süszes weben. Geibel 1, 123; überall und aller enden webt des mondes helle pracht.
M. Greif
ged.2 131; und webte auch auf jenen matten noch jene mondesmärchenpracht. Storm 1, 113; die rotte jauchzt, ob fühllos schon das weben des goldnen lichts auf grüner fluth sie sieht. Fr. Kind
ged. 1, 71; ein zarter glanz, ein dünner duft, lag wie vibrierend in der luft, und aus dem leeren weben höre aus alter zeit ich leise chöre. Bierbaum
ged. 1, 50; eine flimmernde, summende welt von licht, käfern und schmetterlingen, bienen und namenlosen glanztierchen webte über den gräbern hin und her G. Keller 1, 181; damit eilte ich wieder in die stadt hinunter, in deren gassen jetzt die morgensonne webte 2, 127; denn die jungfrau kam immer näher, umspielt von dem goldenen abendlichte, das durch die grüne dämmerung des waldpfades webte 6, 68; bei der fülle des lichtes, die drauszen webte, konnte er ihre ganze gestalt erkennen Storm 1, 111; als die feurige lohe (
der abendsonne) ausgebrannt war, woben bernsteinbraune und tiefviolette töne wunderbar durcheinander v. Polenz
sühne 506.
auch von schatten, der dämmerung: und die harmlosen gedanken besuchten einander in den webenden schatten der nacht Immermann 3, 32
Hempel; durch die blauen lüfte webet abenddämmrung ruhig mild. Rückert
ges. ged. 3, 16; dämmerung webt noch still in des thales verschlungener tiefe. Körner 1, 341; suchen, die milden grauen augen (
der blinden), aber dunkel webt, wohin die arme schreitet. Bierbaum
ged. 1, 63.
übertragen: ein steter dämmer webt um die gläsernen augen (
der Baiern) Laube 8, 156; heute webt in meinem herzen eine gleiche dämmerung, in den nebeln süszer schmerzen schwimmt die liebe licht und jung. Schwab
ged. 1, 14. III@B@5@d@bβ)
von rauch, wolken, nebel: verdichtet schwankt der nebelrauch und wächst und webt, er webt undeutliche gestalten. Göthe 16, 360 (
Epimenides 1, 15)
Weim. ausg.; sahen wir einen blauen glänzenden rauch aus der heidenstube dringen und ... ein fremdartiges weib in der webenden rauchwolke stehen G. Keller 1, 249; bei tag der wolken formumformend weben! bei nacht des sternenheeres glühend leben! Göthe 4, 132; nur an der Jungfrau stirne rein gleich aufgelöster thränen schein ein flockicht wölkchen webt und flimmt es schmilzt — es gleitet — es verschwimmt. v. Droste-Hülshoff 2, 175
Kreiten; den geier seh' ich einsam schweben, und mein gedanke holt ihn ein, der wolke dunstbild seh' ich weben, und ihr verhaltner groll ist mein. Geibel 3, 11; da der helle sternenschein an dem himmel stand, und ganz leichte nebel um die gründe woben Stifter
werke 2, 195; gestern sah ich das weben des nebels; in der ferne blau, in der nähe weisz, zog und schwellte er um alle formen her I. v. Düringsfeld in der
heimath 156.
von düften: ein leiser herbstduft wob über den feldern Auerbach
dorfgesch. 4, 333; dasz die leisen weinesdüfte weben über meine grüfte. Rückert
ges. ged. 4, 89; es webt um meine (
der alten tanne) wipfel noch der erinnrung duft.
werke 1, 141.
von dingen, die sich im duft befinden: oben stand der ebenfalls tiefdunkle himmel ... und an dem rande woben die violetten duftigen berge Stifter
werke 4, i, 118; weit in graue, webende fernen schweifte der blick auf fröhlichen fittichen. Bierbaum
irrgarten der liebe 109. III@B@5@d@gγ)
von klängen: der mond kommt still gegangen mit seinem goldnen schein ... im traum die wipfel weben, die quellen rauschen sacht. Geibel 1, 11; mein grünes heimatleben, wie tauchst du mir empor! des Schwarzwalds wipfel weben herüber an mein ohr. 3, 90; das eintönige kochen und weben in den tannenwipfeln, die der abendwind bewegte Storm 5, 317; so spiegelt sich mein ganzes leben ... in wundersamer töne weben. Fouqué
altsächs. bildersaal 2, 546. III@B@5@d@dδ)
von der vegetation: bunte reichgeschmückte beete sie umzingelt ein palast; alles webt in duft und röthe, wie du nie geträumet hast. Göthe 2, 40
Weim. ausg.; aber schaut nach dem gebüsche, wo gedrungener efeu webt. Mörike 1, 104; flache ufer, aber reich an zierlichem gebüsche und dörfer zwischen dem weben ihrer nahen und fernen gesträuche v. Meyern
hinterl. kl. schriften 1, xli; im innern erscheint er (
der wald) als eine selbstständige, in ungestörter ursprünglichkeit webende pflanzenwelt Vischer
ästhetik 2, 99. III@B@5@d@eε)
zuweilen kommt unpersönlicher gebrauch vor: am klavier dort in der nische sasz sie, wenn des abends frische klar ins offne fenster drang; golden wob's um ihre locken. Geibel 4, 43; die bienen ... wie musik wob und summte es über tausend veilchenkelchen Storm 4, 179. III@B@66)
daraus, dasz der begriffsgehalt von weben
meist nicht scharf herausgebildet ist, erklärt es sich, dasz es wie schon bei Luther
so auch in der neueren sprache gern mit bedeutungsverwandten, namentlich allitterirenden und reimenden, verben verbunden wird; in den allitterirenden verbindungen wird weben
überwiegend vorangestellt, in den andern meist nachgestellt. III@B@6@aa) beben und weben, wanken und weben (
s. 1
a Luther), wogen und weben, gähren und weben, regen und weben (
s. 4
a in der bibel und 5
c Schlegel), weben und wimmeln: waldlerchen dir singen, die fische dir springen, es bebet und webet im thauigen gras. Fr. Müller 2, 369; aufgeregte höllenbilder, zeigt euch wild und immer wilder ... euer wanken, euer weben sind gedanken; sollt' ich beben vor dem selbstgeschaffnen wahn? Göthe 16, 361 (
Epimenides 1, 15)
Weim. ausg.; ein chaos ... in dem die alten elemente noch unverdaut wogten und webten Ruge
briefw. u. tageb. 2, 53; was wild in ihren kräften gährt und webet, umkleidet sie (
die natur) mit milder schönheit blüthe. W. v. Humboldt 3, 400; was auch noch alles da regt und webt, genug, der frühling er wirkt und lebt. Göthe 3, 38; es webt und regt sich jetzt mehr in allen menschlichen köpfen, als sonst Engel
schriften 5, 28; da webte und wimmelte es nun auf einmal in dem städtchen wie in einem ameisenhaufen, wenn ein knabe mit dem stock hineinstöszt Riehl
geschichten a. alter zeit 1, 209. III@B@6@bb) treiben und weben, thun und weben: schon fast vierzehn tage hier, im treiben und weben des hofs Göthe
briefe 2, 306
Weim. ausg.; also trägt uns oft das leben über menschen-thun und weben.
werke 13, i, 138. streben und weben (
s. 1
b Busch
und 5
a Scheffel): diese strebende webende lebensart v. Eichendorff 2, 193; wie wonnig fühlen wir im allgemeinen weben und streben der natur auch unser neues leben! Wieland
suppl. 1, 186. III@B@6@cc) wandeln und weben: die bürger einer solchen stadt wandeln und weben zwischen ewigen melodien Göthe 48, 213. weben und wesen: Gabriele webet und weset (
im roman) in der vornehmeren ausgebildeten welt 41, ii, 6; (
ich bin) gewisz ihrer freundlichen theilnahme an meinem weben und wesen
briefe 19, 91; was alles dort, auch für mich, gutes wes't und webt 31, 53; ich stand heute in der frühe schon mit einer fülle von ahnungen von meinem lager auf. die strümpfe sahen mich so bedeutend an, in den pantoffeln war ein stilles wesen und weben Immermann
Münchh. 2 2, 15; das durchdringendste untrügliche gefühl von ihrem (
der tonkunst) wesen und weben bis in ihre einfachste gliederung hinein Marx
Beethoven 4 1, 54. III@B@6@dd) weben und wirken (
vgl. auch 5
b und c): der nun auftretende Gallier (
der französische dichter Salvandy) ist schon kühner, er webt und wirkt in den neuesten zeiten Göthe 41, ii, 126; zu meinem weben und wirken seid ihr mir unentbehrlich worden Schiller
briefe 1, 326
Jonas; das innere weben und wirken der göttlichen kräfte Solger
vorlesungen über ästhetik 393. weben und walten: mit vereinter macht in unserm reiche weben wir und walten. Rückert
ges. ged. 1, 218; darum soll man in gewissen epochen die einzelnen menschen nicht zu schwer anklagen, sondern den geheim webenden und waltenden geist der zeiten Arndt
schriften 1, 319; es war ein stumm geschäftiges weben und walten um uns herum, dessen sinn wir zu deuten wuszten L. v. François
frau Erdmuthens zwillingssöhne 221; hier schien vornehmlich ein unbewusztes walten und weben die bewegung hervorzubringen Eucken
geistige strömungen d. gegenwart 254.