lautwandel 53 Wörterbücher · 2,7 Mio. Artikel
Wildcard · " Volltext

Aggregat · alle Wörterbücher

webern

nhd. bis Dial. · 5 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
Anchors
7 in 5 Wb.
Sprachstufen
2 von 16
Verweise rein
16
Verweise raus
17

Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

webern verb.

Bd. 27, Sp. 2665
webern, verb. eine bewegung machen, bes. mit einem körpertheil, schweben, hin und hergehen, geschäftig sein. ein auf das hochd. beschränktes wort, das erst im 14. jahrh. auftritt; doch spricht für eine alte bildung (ahd. *webarôn) das daneben stehende gemeingerm. wabern, sowie die ins mhd. zurückreichenden webeln und wabeln, auch die nebenform wäfern (sp. 249 s. auch wefern) beweist (aus weBr- neben weBar-) das alter der bildung. das wort ist nur wenig in die litteratursprache eingedrungen, lebt aber noch jetzt in den mundarten, alem. schwäb. Seiler 307 (sonst aus der Schweiz nicht belegt). Martin-Lienhart 2, 779b. zeitschr. f. d. mda. 1913, 367. 1916, 346 (Baden). Schmid 520, bair. österr. Schmeller 2, 830. Castelli 265. Loritza 141. Hügel 187. Unger-Khull 621b (auch webbern). Lexer 252 (ummerwöbern), rhfr. Kehrein 440. Crecelius 897 und ostfr. Heilig wb. des Taubergrundes 20. in den ostmd. mda. ist es jetzt nur spärlich vertreten (dafür webeln, doch oberlaus. dort komm se reingewäwert Müller - Fraureuth 2, 644b), musz aber früher verbreitet gewesen sein, da es bei Luther, Justus Jonas und Mathesius (der es besonders liebt) vorkommt. aus dem nd. wird es nicht angeführt. litterarisch - begegnet das wort im 15. jahrh. bei Steinhöwel und ist im 16. nicht selten (neben weben bei S. Franck, H. Sachs), wenn es auch durchaus nicht von allen gebraucht und nur bei Alberus (ich weber, moveor, deambulo S s 1b) aufgeführt wird, im 17. tritt es nur vereinzelt bei Spangenberg, Grimmelshausen und Scriver auf, im 18. fehlt es ganz; das vorkommen bei Luther liesz aber das wort nicht ganz veralten, Adelung und Campe (dieser mit anknüpfung an nd. bewern) wiesen auf die Lutherstelle hin, und so hat Jahn das wort wieder verwendet, nach ihm tritt es nicht nur bei solchen auf, die es aus ihrer mundart kennen, wie Scheffel, Rosegger, Handel-Mazzetti, Weigand, sondern auch bei Niederdeutschen, wie Droste-Hülshoff, Liliencron, Frenssen. das wort scheint als kennzeichnender ausdruck wieder eine gewisse beliebtheit zu gewinnen. bedeutung. 11) als 'eine bewegung machen' mit den händen, armen, füszen, beinen, dem kopf, ist das wort noch jetzt sehr üblich: mit händen und füszen webern (als mundartlich) Adelung; in dem er schlau lächelte und mit der hand am ohr weberte Frenssen Hilligenlei 165; von kindern zappeln, unruhig sitzen, mit den füszen schlenkern beim sitzen (els. österr.); els. von den letzten zuckungen: er wewert noch, auch von sterbenden thieren. im folgenden beleg schlieszt sich ein acc. an (vgl. sp. 2640 die hand weben): also gerad thund wir durch all unser arbeit nit mehr, dann das wir wie der vogel ausfliehen, unser hend hin und her webern und gots segen suchen S. Franck sprichw. 1, 150b. von den bewegungen des kindes bei der geburt: (die hebamme soll) das kindt ... nicht übersich dringen noch webern lassen Ruoff hebammenbuch 75. von den bewegungen beim schwimmen Heilig a. a. o.: ich konte auch gleich so wol als die wassermännlein mit geringer mühe in der see herum webern Simpl. 2, 56, 12 Kurz. 'schwanken beim gehen' Unger-Khull a. a. o.: vacillirn, wancken, hin und her wipffen oder gnappen, mit den fszen webern Roth dict. (1572) Q 5a. übertragen: wie derselbigə (Cyklop), da er dasselbe (auge) verlor, hefftig wütet, und doch eitel feilschlege that, also auch webert das gewaltig gros kriegsvolck nach Alexandri tod, on ein gewisses heubt, fiel itzt dahin, itzt daher Melanchthon, prophet Daniel ausgeleget deutsch v. J. Jonas (1546) 117. 22) andere bedeutungen gehen von 'schweben' aus. sich geisterhaft hin und her bewegen (vgl.weben von geistern sp. 2649) Crecelius a. a. o.: unhörbar schwebt es (das gespenst) durch den raum ... und aller orten legt es an sein richtmasz, webert auf und nieder, und leise zuckt das spiel der glieder. v. Droste-Hülshoff 2, 505 Kreiten; doch eh sie (die seele) in die ewigkeit gegangen, umschwebte sie den ort noch webernd, wehte auf einen zweig. D. v. Liliencron 12, 38. unpersönlich: es webert, es geht um, spukt (Aschaffenburg) Schmeller 2, 830; dasz es in den ruinen 'webbert', weisz heute noch jedermann in der gegend Wolf hessische sagen 52. übertragen (vgl. weben vom geiste sp. 2650): ihr zeitgeist wehet in Frankreichs zeitlosen zeitblättern, und wie er daher webert, lassen sie ihn bei sich wudeln F. L. Jahn werke 2, 750. vom hin und her fliegen von insekten: was machet sie (die mücke) in der lufft so frölich webern und spielen, vornehmlich, wenn beständiges gutes wetter verhanden ist Scriver andachten (1721) 349. bei neueren auch von der bewegung der flamme (wie wabern), von flatternden gegenständen u. dgl.: weberndes flammenschlosz Grimm deutsche sagen nr. 282; um uns flackte das webernde leben des biwaks D. v. Liliencron 1, 180; die staatsmäntel und seidenschweife rauschten und weberten Handel-Mazzetti Stephana Schwertner 2, 146. 33) am häufigsten ist früher die (auch in den jetzigen mundarten verbreitete) bedeutung 'hin und her gehen' (gern mit adv.: umwebern, hin und her, hin und wieder, aus und ein webern). in einem raume: enmitten under dem hülen und wainen der andern umbwebernden wyben Steinhöwel de claris mul. 229, 5 Drescher; hett auch im thurn gehorth die rosz eszen, das futter schwingen und viel leuth darinn webern verhandl. über Thomas von Absberg 26 Baader; als er in den königlichen saal kame, und gesehen, wie irer viel treffentlicher herren, mit groszem pracht, und kostbarer kleidung, hin und wider durch einander gewebert Xylander Plutarchus (1560) 39b. im kampfe den platz wechseln: im kampff detten sie hin und wider weberen. H. Sachs fab. u. schw. 5, 758, 10 Götze-Drescher. umherschweifen, vagari: da merk (an der Europa), wie unzimlich sye den junkfrowen hin und her nach fryem willen ze webern und allen schmaichenden worten der jüngling ... ire oren dar zebieten Steinhöwel de claris mul. 49, 1 Drescher. umherlaufen, von thieren: auff dem (Zirel-berg) hetten in staines wend ir wonung stainböck und die gemsen. die sach ich ausz klüfften und klemsen auff den stafligen felsen klebern, aintzig in dem gebirg umb webern. H. Sachs 3, 149, 10 Keller; wie fast alle lebhaffte thier gerne under den schattechten bäumen und grünem grasz webern und wandelen anm. weiszheit lustgarten, vorr. besonders aber 'seines weges ziehen, hin und her wandeln, bestimmter verrichtungen wegen, seinen geschäften nachgehen': do er bei Simeontem dem flusz mit dem vihe webert G. Alt buch der chronicken (1493) 43a; aldo vorzeiten ein gyftiger wurm oder trach sich enthalten hat, undt von im sein viel leuth in der insel, so darvor gewebert, hoch beschädigt worden Otto Heinrich pfalzgraf bei Rhein bei Röhricht u. Meisner deutsche pilgerreisen 392; nach dem die tor versperret ..., so wöllten dann etlich auch irer arbait auszerhalb der statt gewarten mit irem viehe und anderm dem iren aus und ein webern quellen z. gesch. des bauernkriegs aus Rotenburg a. d. T. 85 Baumann; die pawrn, so hieher in die statt zu webern und zu handeln hetten 92; wurden die thore in der stat alle zugelassen ..., doch liesz man denjhenen, so aus- und einzufaren und sunst zu rosz und fusz zu webern heten, mit gewarsame offen geschichtsquellen der stadt Hall 1, 284, 37 (1533) Kolb; das ist auch die ursach gewesen, das die Türcken frei gewebert, wo sie gewolt J. Jonas ursprung des türkischen reichs (1538) J 4a; noch an orten, da es der arbeiten und webernden leuth halb gefarlich sein mage, zu schieszen oberrhein. stadtrechte 1, 523 (Heidelberg um 1545); solle der wirt ... die verdächtige personen verwaren, doch die inlendischen und bekanten, so one argwon webern, hier in auszgenommen württemb. ländliche rechtsquellen 1, 25, 9 (1559); sehen sie, da drüben webert schon so ein halunke! (ein handelsmann) W. Weigand die Frankenthaler (1901) 195; er sprach: es ist ein groszer wandel (zu Salzburg), ein namhaft und ein genge stras der Tewtschen, so an unterlas da webern mit gwerbiger hant durch das gepürg in das Welschlant und in andre lant hin und wider. H. Sachs 22, 484, 34 Götze. hierher gehört auch die Lutherstelle: du machst frölich was da webert beide des morgens und abends (anfangs: die ausgehen beide frue und spat) ps. 65, 9. webern neben gehen, wandeln, wandern u. dgl.: das mit brinnenden lichtern one laternen in schüren, stelle oder andere orte, da der wandel sorglich ist, nit gegangen, gewebert noch gewandelt werde kains wegs urkundenbuch der stadt Stuttgart 553 (1490); auch sol der gemelt Beyfus ... auch unser frey sicherheit und geleidt ... zu wasser und zu landt nach seiner notdurfft zu webern und zu wandern haben Guden cod. dipl. Mogunt. 4, 581 (1513); er sei der meinung, dasz es recht und wol gethan, wenn die Indianer unverhindert zu webern und zu wandern hetten, wohe sie hin wolten A. Scherdiger novae novi orbis historiae (1591) 165; das man darnach ain weil spacier und weber quelle bei Schmid 520. es kann ganz für 'gehen' eintreten: wird aber ir dieheinre also siech, daʒ er nit webern mag ..., deme sollent die burgere ouch geben sinen solt Keutgen urkunden zur städt. verfassungsgesch. 496 (Speyer 1310); die weil ich diser zeit meins leibs halben ze webern ganz ungeschickt bin urkunde von 1492 bei Schmeller; der nimmer sonst krank worden, macht die grosz ibung, die er teglichs mit reiten und webern gehapt Zimmerische chronik2 3, 615, 27. aber auch für 'auf dem meer fahren': ob wol bergleute auch ihre gefahr warten müssen, dennoch ist es alles kinderspiel gegen denen, so auff dem meere webern Mathesius Syrach 3, 65b; die schiffleute ... auff dem meer desto sicherer webern können 3, 96b. G. Hauptmann hat die bedeutung 'hin und her ziehen' aufgefrischt: dasz ich gute kundschaft hab' und glaublich bericht't bin, dasz alle haufen der bauern uf Würzburg zuziehn und dasz, solange die welt steht, kein solches reisen, webern und inhaufenziehen gewesen ist Flor. Geyer vorsp. 23. 44) webern kann auch eine beschäftigung oder arbeit bezeichnen, bei der man sich körperlich tummelt: alle berg und hügel, und was drinne webert und sich nehret Mathesius Sarepta (1571) vorr. 2a; wer auffm felde webert, soll die vögel und lilien anschawen, spricht Christus, wer bergkwerck bawet, der soll die metall anschawen 75a; alle die in hütten auffzusehen und zu webern und sonderlich die solche empter zu bestellen oder dienstleut fürzuschlagen befelh haben 150b; das er (Adam) nicht in mühe, arbeit und in seinem nasenschweis webern solte bisz an jüngsten tage, sondern verordnet ihm ein ruhebettlein in der külen erden Syrach 3, 31b; yedes handwerck sein webern hat, darmit ein yeder möcht mit ehrn weib und kind kleiden und ernehrn. H. Sachs 8, 418, 24 Keller; am landeplatze stöhnt der dicke krahnen und angelt ball' um ballen vom verdeck. ja, wacker rührt sichs im ameisenhaufen, wo ordnung, sagt man, stark und sittig macht. kein schelten stört, kein fechten und kein raufen. gewebert wird — es ist die helle pracht! Scheffel frau Aventiure13 148; die frau webert den ganzen tag im hause herum 'ist geschäftig' Schmeller; meine mutter die webert und webert in ihrem häusel, dasz es eine freude ist Rosegger I, 6, 51. 55) aus der bedeutung 'sich regen, thätig sein' entwickelt sich (wie bei weben s. u.leben und webern) weiter die bedeutung 'ein leben führen': bleibt noch wol ungewiszt, weil wir beide im liecht der vernunfft und der gnaden webern Mathesius Sarepta 39b; wo die regiment eins sein ... da kan man handeln und wandeln und rühlich webern, da kan man zucht und ein erbar wesen erhalten auszlegung des 133. psalms A 8a; sind und bleyben wir doch ... so lang wir inn disem sündigen leyb webern, unnütze knechte historie d. Luthers 190, 11 Lösche; darzu dörffen wir nit eigentlich des teglichen brods, sondern der newe mensch lebet und webert im wort gottes hochzeitpr. 247, 21 Lösche; wunderbarlich hat er in dem jungfrewlichen leib wollen getragen werden, auff erden webern, am creutz hangen, auff dasz er allezeit die welt, wie von anfang, erfüllete J. Calvin institutio christianae religionis 1 (1572) 310; fressen und sauffen, hunger und durst leiden, huren und buben ... war ihr gantzes thun und wesen ... sie weberten in ihren wercken immer emsig fort Simpl. 1, 55, 21 Kurz.
12286 Zeichen · 206 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Webernv., intrs

    Campe (1807–1813) · +3 Parallelbelege

    Webern , v. intrs . s. Weben .

  2. modern
    Dialekt
    webernschw.

    Pfälzisches Wb. · +2 Parallelbelege

    webern schw. : 1. 'weben', wewwere (wewərə) [ LA-Venn ]. a. 1310: Wirt aber ir die heinre also siech, daz er nit webern …

Verweisungsnetz

20 Knoten, 25 Kanten

Tap auf Knoten öffnet Detail · Drag zum Umpositionieren · Scroll zum Zoomen

1-Hop 2-Hop
Filter:
Anchor 4 Kompositum 13 Sackgasse 3

Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit webern

8 Bildungen · 4 Erstglied · 1 Zweitglied · 3 Ableitungen

Zerlegung von webern 2 Komponenten

web+ern

webern setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

webern‑ als Erstglied (4 von 4)

webern I

SHW

webern I Band 6, Spalte 319-320

webern II

SHW

webern II Band 6, Spalte 321-322

webernest

DWB

weber·nest

webernest , n. webefehler, knäuel von verwickelten fäden im gewebe. ein obd. wort schweiz. id. 4, 840. Martin-Lienhart 1, 790 b . zeitschr. …

webernot

DWB

weber·not

webernot , f. Treitschke d. gesch. 5, 521 . G. Hauptmann die weber 49 (3. akt ). —

webern als Zweitglied (1 von 1)

gewebern

DWB

gewe·bern

gewebern , verb. , s. geweber : auch hat ich selber willen bi uch zu riden, da viel mich ein swacheit an, daʒ ich nit geweberne kunde (1411)…

Ableitungen von webern (3 von 3)

bewebern

PfWB

be-webern schw. : sich b. 'sich bewegen, regen'. Bewewweʳ (bəwęwəʳ) dich doch e bißsche! [ NW-Haßl ].

gewebern

DWB

gewebern , verb. , s. geweber : auch hat ich selber willen bi uch zu riden, da viel mich ein swacheit an, daʒ ich nit geweberne kunde (1411)…

verwebern

DWB

verwebern , v. , zu webern hin- und herbewegen: ich förchtete, es möchte sich irgends gerunnen blut gesetzt haben ..., welches, ehe es über …