strahlen,
verb. radiare, fulgere, fulminare. 11)
entspr. strahl 2
vom niederfahrèn des blitzes: es (hatte) einen gantzen mittag ... gewittert, gedonnert, gestralet, gehagelt Dannhawer
catechismusmilch 5, 1299; man musz gleich auf den sehen, ders gegeben hat, der gestrahlt und einmal dahinein geblitzt hat Zinzendorf
gemeinreden (1749) 11; die ainod Kades drob erschrickt,
das halb Araberland erstickt, wann es so stralt und wittert Fischart
gesangb. 160, 4
Kurz; hierher auch: als zween seiner jünger auf die Samariter ... mit feuer strahlen wolten ... Zinzendorf
Socrates (1726) 82.
vergleichsweise: kein blitz stralt so schnell, als dieses edelmanns sinn sich verändert Harsdörfer
Heraclitus (1661) 48;
vgl.stralen oder einen plötzlichen stral von sich werfen, der gleich aufhöret wie der blitz Ludwig (1716) 1885;
denn so geschwind der blitz von osten bis gen westen strahlet, so ... Zinzendorf
Matth. 24, 27.
übertragen: auch in der wiegen strahlt der sinnen hoher blitz, und jeder spricht: so musz ein held von helden stammen Ziegler
asiat. Banise (1689) II 22)
entspr. strahl 3
a: es strahlten die kerzen, es klangen die gespräche Stifter
w. 2, 169;
schon früher (
bildlich): die fackel strahlt
vgl. Dusch
verm. w. (1754) 35;
auch: mit tausend flammen str.
vgl. Stieler
geharn. Venus 19
ndr. (in allen farben G. Keller
w. 3, 109): 2@aa)
besonders entspr. strahl 3
b: str.-en, immerfort stralen von sich werfen, wie die sonne thut Ludwig (1716) 1885; die güldene morgenröt schwunge die flügel, sie strahlte, bemahlte die felder und hügel S. v. Birken
ostländ. lorbeerhayn (1657) 1 (Treuer
Dädalus 1, 342); wenn mir der sonne schimmer vom meere strahlt Göthe 1, 58
W.; die sonne strahlt am ersten hier, am längsten weilet sie bei mir, ich bin der knab vom berge! Uhland
ged. 1, 17
krit. ausg. (Erlach
volksl. 3, 111); es strahlte der mond Heinse
w. 3, 483
Sch.; auch: über ihm strahlet der himmel Schubart
br. 1, 128
Strausz; die ungezählten sternenscheiben, in welchen sein (
des schöpfers) unschätzbar nachtgewand, das blaue firmament, so herrlich stralt Triller
poet. betrachtungen (1750) 1, 3; da strahlt der morgen mit der lieben frische Tieck
schr. 2, 90.
einem str.: um der edlern willen strahle deine liebe sonn der welt Schubart
ged. (1825) 1, 24 (Wieland I 1, 275 [
moral. br. 8, 89]
ak. ausg.);
vgl. ihr zu liebe strahlen lenz und sommer hie Göthe 4, 237
W. mit einer localen bestimmung, so aus: welten, die aus unbegreiflichen fernen durch blosse gläser zu uns strahlen J. G. Zimmermann
v. d. nationalstolze (1758) 128; der hohe stern des abends stralet aus wolken, welche um ihn glühn Schiller 1, 280
G. (Herder 23, 19
S.; aus dem tiefblau des himmels Helmine v. Chezy
erz. 1, 39).
nieder: lange strahlt die sonne nieder Arnim
w. 12, 17.
durch: die Venus, welche als abendstern einzeln durch die leichten wolken strahlte Nicolai
reise 2, 475 (durch blütenzweige Salis
ged. [1793] 40); ihr wälder, wo kein licht durch finstre tannen strahlt, ... seid mir ein bild der ewigkeit A. v. Haller
ged. 150
H.; (durch die luft A. Gryphius
trauersp. 152
Palm); gebrochnes licht, das durch die dünste strahlet A. G. Kästner
verm. schr. (1755) 1, 69.
auf u. s. w.: diese zerschmelzen, ... sobald die sonne ... darauf strahlet Butschky
Pathmos (1677) 700 (Ramler
fabellese 1, 4); und wie der mond auf teiche stralt J. G. Jacobi
w. 1, 11.
in: die aufgehende sonne strahlt beyden gerad in die fenster Bräker
der arme mann im Tockenburg 1, 11; sonne, die auch nach ihrem niedergang
noch mit erquickendem widerschein in des menschen gemüt strahlt Scheffel
w. 1, 151;
vgl. ach! strale doch mit hellem lichte auch Zions feinden ins gesichte Gottsched
ged. (1751) 1, 303. 2@bb)
bildlich als cigenschaft des glaubens, der hoffnung, des menschlichen ruhmes u. s. w. oft in deutlicher anknüpfung an den vorigen gebrauch, so im vergleich: dann werden die gerechten strahlen wie die sonne Zinzendorf
Matth. 13, 43 (Raupach
dram. w. kom. gatt. 3, 325); das kleinod eurer jugend strahlt als ein grosser stern Neukirch
anfangsgründe (1724) 45; wann, o lächelndes bild, welches wie morgenroth durch die seele mir stralt, find ich auf erden dich? Hölty
ged. 102
Halm; dasz ich wie eine sonne strahle dem vaterland und meinem haus! Mörike
w. 1, 134 (Stägemann
kriegsgesänge 53).
so mit entspr. bestimmung: (
die meinung,) ihm werde die sonne des glücks nie wieder str. Treitschke
deutsche gesch. 1, 326 (die sonne der verherrlichung Castelli
w. 10, 51; ein hoffnungstern Deinhardstein
dram. w. 1, 1 (14); doch hat das licht der reinen lehre erst schwach gestralt, dann hell geblitzt Gottsched
ged. (1750) 148 (der kenntnis licht Klopstock
oden 2, 147
M.-P.); ob der tag das recht verkehre, ewig strahlt der stern der ehre, kühn in heilger nacht enzündet Eichendorf
w. 1, 371 (der annerkennung sonnenschein Hoffmann v. Fallersleben
schr. 5, 315).
auch: die tugend strahlt mit ihrem sonnenlichte tyrannen mehrenteils so kräftig ins gesichte Lohenstein
Ibrahim sultan 37.
so menschliches wiedergespiegelt im bereich des makrokosmus: eine schönere sonne und ein milderer Hesperus stralt im inneren ihm Herder 27, 33
S.; nacht musz es sein, wo Friedlands sterne strahlen Schiller 12, 292 (
Wallensteins tod 3, 10)
G. (die sonne des französischen hofes Herder 18, 152
S.).
sogar: aber seine (
des todes) gefürchtete nacht zeigt auch heller das himlische licht, welches dicht hinter ihr strahlt! Klopstock
oden 1, 144
M.-P. 2@b@aα)
richtungsmäszig bestimmt: ihre (
der brüder Grimm) prunklose genialität strahlt mit einem sanften glanze
durch die kommenden zeiten W. Scherer
kl. schr. 1, 14; mir wird der schöne tod zu einem hellen licht, das als ein schimmernd stern wird durch die nachwelt stralen A. Gryphius
trauersp. 607
Palm; seht den bejahrten fleisz erfahrner generalen auch
aus der dunkelheit der nebelwolken strahlen Pietsch
geb. schr. (1740) 24; die fähler werden schön und tugend strahlt aus schwächen A. v. Haller
ged. 62
H.; wenn einmal wieder ... das bild eines helden
in die nacht meiner seele strahlte, dann ... Hölderlin
dicht. 2, 47
L. (Novalis
schr. 4, 123
M.): mir strahlte dein vater ... gleich ins herz Hippel
lebensläufe (1778) 1, 249; ach so strahlet trost und freude auch in meinem gröszten leide mir ins matte herz hinein Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustg. (1657) 57.
auch: bald werden wir in jenen höhn, o freund, ihn (
Young) selber strahlen sehn J. A. Ebert
episteln (1789) 113.
vgl. auch: dort, dort strahlen die herrlichsten wahrheiten Adelung
magazin 2, 2, 71; wo strahlt ein trost der seele? Arnim
w. 22, 352 (über alle 15, 387); nach Wien, von wo Hildebrands ruhm strahlte K. E. v. Bär
reden 1, 6; und keine friedenshoffnung strahlt von fern Schiller 12, 8 (
Ws. lager, prol.)
G. 2@b@bβ)
mit angabe über wesen, wirkung u. s. w.: (hier,) wo ihm die göttlichkeit des geläuterten christenthums mit voller klarheit in die seele stralte Lavater
verm. schr. (1774) 1, 155 (mit ungeborgtem glanz Eschenburg
beispielsamml. 2, 406; im magischen lichte Gotter 3, lxxvi). und heiter stralt die wissenschaft J. H. Vosz
ged. (1802) 5, 37 (
Odyssee 127
Bernays; hoffnungsreich
M. Beer
w. 8
Klytemnestra 1, 2).
vgl. noch: mein freund, der stern ist im gehirne, der dir so unglückselig straalt Chr. Weise
überfl. gedanken 18
ndr. 2@b@gγ)
selten absolut: es sind wohl mehr als zweihundert gulden; ja, ja, das glück hat mir gestrahlt Kotzebue
dram. w. 1, 249. 33)
entspr. strahl 4: das auge strahlt Ramler
lyr. ged. (1772) 308 (Gottsched
ged. [1751] 1, 106); in der fülle der jugendkraft strahlte sein auge Freytag 4, 13;
auch: ein schwarzer schleier,
durch den .. der unsichere feuerblick des mannes strahlte Holtei
erz. schr. 2, 4;
vgl. auch durch der theologie schleier strahlt neu ein licht, ein tugendfeuer Brentano
schr. 2, 14. 3@aa)
mannigfach gewendet: weil majestät bei huld
aus seinen augen strahlt Heräus
ged. (1721) 43; da nun auch unter andern dero tugenden die freigebige dankbarkeit aus ihren helsten äugelein stralet, so ... Petrasch
lustp. 1, 135 (kein herrscherblick v. König
ged. [1745] 118); gerührt durch einen blick, in dem die tugend glühet, aus dem die arbeit strahlt, aus dem die liebe lacht Cronegk
in samml. v. schausp. (1764
ff.) 4;
vgl. auch schr. 2, 116 (Grabbe
w. 1, 179
Bl.);
auch: aus ihrem schönen aug stralt reiz mit ernst vermählt Wieland I 1, 123
ak. ausg. (launiger scharfsinn H. P. Sturz
schr. [1779] 1, 10; muth und ergebung Thümmel
reise 8, 219; hohe andacht Bahrdt
gesch. s. lebens [1790] 2, 147; friede des himmels Gotter 3, 124); wenn aus den groszen schönen, sonst matten augen die freudigkeit des himmels strahlte H. Steffens
was ich erlebte 1, 155 (die freude Castelli
w. 14, 36; zuversicht und friede und freudigkeit Aurbacher
volksbüchlein [1835] 99; ein reines unverdorbenes gefühl Deinhardstein
dram. w. 1, 29 [
liebelei u. liebe 1, 8]); aus den blauen augen dieser krieger str.-t altpreussischer heldenmut H. Seidel
Leberecht Hühnchen 80; das glück, sich endlich einmal aussprechen zu dürfen, strahlte aus seinen dunklen augen Polenz
Grabenhäger 1, 109;
nur vereinzelt daneben blick
und offenbar als weniger anschaulich empfunden: welche überirdische grösze strahlte aus jedem blick der herrlichen frau E. Th. A. Hoffmann
w. 2, 15
Gr.; sie liest. ich seh ihr edles wesen, das ihr aus blick und minen stralt Gottsched
ged. (1751) 1, 189; da strahlet freud aus seinen blicken Kretschmann
w. (1784) 1, 64;
in barocker verschränkung: welch ein heitres augenlicht stralt mit unschuldvollen blicken Gottsched
ged. (1751) 1, 351;
vgl. auch ach deines schöpffers huld strahlt voller gnadenblicke B. Schmolcke
trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 88;
von: seine augen strahlten von einem lebhaften feuer v. Lön
kl. schr. (1749) 1, 41 (von entzücken Immermann
w. 1, 57
H.; von liebe und zärtlichkeit G. Freytag
w. 11, 130; von unschuld Mörike 1, 97
G.); sein sanftes auge stralt von einem heitern lichte Gottsched
ged. (1751) 1, 12;
auch: blaue und dunkle augen str.-en von einem und demselben feuer Holtei
erz. schr. 5, 196 (von einer eigenen bläue Immermann
w. 2, 136
H.)
seltner in: (
ein frauenbild,) dessen augen in sanftem und lieblichem feuer strahlten G. Keller
w. 5, 235; ihr antlitz strahlt in freude ganz Brentano
schr. 2, 16;
instrum. mit: ihre schwartzbraune augen strahleten ... mit liebreitzenden blicken Grimmelshausen 4, 590
Keller. 3@bb)
begrifflich sich erweiternd, vom antlitz, der miene u. s. w.: ein antlitz, das vor wohlbehaglicher selbstgefälligkeit glänzte und strahlte Eichendorf
w. 2, 151 (O. Jahn
Mozart 3, 464); das feine gesichtchen strahlte ganz von stolz und anmuth Storm 1, 65 (vor freude Ebner-Eschenbach
schr. 4, 64); (
es) begann Thiels gesicht sich aufzuhellen, bis es förmlich strahlte von innerer glückseligkeit G. Hauptmann
bahnwärter Thiel (1892) 14 (von lust Müllner
dram. w. 2, 63 [
schuld 2, 4]); es strahlt unschuld und liebe dir klar von allen gesichtern, wie vorzeiten im vaterland Novalis
schr. 1, 255
M.; aus jeder kindischen miene stralte die morgenröthe eines verstandes, einer leutseligkeit Lessing 2, 267 (
S. Sampson 1, 1)
M. (J. G. Forster
schr. 1, 34); (
ein) graf, aus dessen minen schon staatsklugheit, witz, verstand ... strahlet
briefe die neueste litt. betr. (1761) 11, 66; (
das) mädchengesicht, dessen züge von der lieblichsten freude strahlten O. Ludwig
schr. 2, 448; nicht eher, herr, als bis ihr eure züge, die menschlichen, die euch vom antlitz strahlen, wahr macht durch eine tat der menschlichkeit H. v. Kleist 1, 432 (
zerbr. krug. 12)
Schm. sogar: jenes sanfte lächeln, aus welchem die reinste tugend zu stralen schien
theater der Deutschen (1768) 12, 130; durch die thränen der sultanin strahlte ... ein spöttisches lächeln Klinger
w. 10, 169; all ihr winken und deuten strahlte von feierlichkeit O. Ludwig
schr. 2, 54. 3@cc)
als ausdruck der gesamtpersönlichkeit: dieser strahlte, als sein auge auf die eng beschriebenen bogen fiel Fontane
w. I 1, 147; du strahlst und blühst — ich aber stehe schon an meiner spätsten jugend rande! Freiligrath 1, 130; könig Max Joseph strahlte vor freude, als ... Treitschke
deutsche gesch. 3, 192 (vor wallender freude Klopstock
Messias 4, 1040); und bald strahlt er wieder von kecker siegeszuversicht Treitschke
hist. u. polit. aufsätze 1, 81 (von jugend, schönheit und seelenhoheit E.
M. Arndt
w. 1, 171
R.-M., vgl. kinder- u. hausmärchen 1, 385); im hellen zorne strahlen Lenau
Faust 84 (in eitler lust Holtei
erz. schr. 24, 262); (
die braut) strahlte in harmloser seligkeit B. Auerbach
schr. 15, 138 (in der blüthe der jugend L. Steub
drei sommer 1, 218); aber vor allem strahlt Äneas im glanze der schönheit Bürger 246
Bohtz. noch vergleichsweise: wie die sonne strahlte die muthwillige Heinse
w. 4, 57
Sch. recht wie ein sternlein strahlte die kleine Katharin Mittler
volksl. 409; (Erlach
volksl. d. Deutschen 3, 554; wie ein engel
Pfeffel pros. vers. 5, 86); im lichte wird ein neues licht entzündet, so strahlt die braut verklärt in reiner schöne A. W. Schlegel
im Athenäum 2, 141; wie die wellenschaumgeborne strahlt mein lieb in schönheitsglanz Heine 1, 72
E.; doch wenn es (
ein volk in seinem siegeskranz) nicht von wie eine hochbeglückte braut, güte strahlet so ist sein lohn ihm ausgezahlet, und seine freiheit fährt ins kraut G. Keller 10, 59 (
revolution). 3@dd)
mit einer weiteren bestimmung: erröthend strahlen Bismarck
br. a. s. braut 235; wenn ich beschau dein äugelein, nenn ich sie sternelein, die tugendlich prahlen und wonniglich strahlen Ang. Silesius
heilige seelenlust 33
ndr.; es strahlen perlend die augen von himmlischem thau Schiller 11, 34
G.; gute botschaft harret dein, denn fröhlich strahlt der blick des kommenden 14, 36 (
braut v. M. 532)
G.; da ward ihr auge voll thränen so klar, es strahlte so wonnig, so eigen Chamisso 3, 54; ihr feuchtes auge strahlte minniglich A. v. Droste-Hülshoff 2, 204 (
Walther 2).
durch vergleich: bis sein gesicht im reflex des goldenen herzens strahlte, gleich einer sonne ... Ebner-Eschenbach
schr. 4, 370. mir strahlt kein stern so schön als Selims blicke Hagedorn
poet. w. 3, 103 (A. v. Droste-Hülshoff
w. 2, 327). 44)
entspr. strahl 5: von gold und silber str.
radiare d'oro e d'argento Kramer
dict. 2 (1702), 996
a; (
die) angelsächsische krone, die auf Edgars haupte strahlte Ranke
w. 14, 20;
vgl.es sind bald hundert jahre verflossen, seit die preuszische krone zum ersten male strahlte Fr. L. Jahn
w. 1, 21
E. gern bildlich: wo die krone des lohns, keine vergängliche strahlt! Klopstock
oden 1, 177
M.-P.; (Schubart
ged. 2, 283); die krone der ewiglichen wonne S.
Brunner erz. 1, 130; in silber str.
vgl. Overbeck
verm. ged. (1794) 242 (in ihren perlen und diamanten
jb. d. Grillparzer-ges. 8, 86); da der schimmer des goldes und des putzes in ihre augen strahlte Klinger
w. 3, 98 (
vgl. Schwabe belustigungen [1741] 1, 201); brillantringe strahlten an ihren fingern Castelli
w. 10, 67; bring eine goldne kette, häng sie ihm um hals und schultern, dasz auf seiner brust mein (
des königs) bild ihm strahle Stolberg
w. 4, 59 (
vgl. Rückert
w. [1867
ff.] 1, 82); im schwarzen haar strahlt heller steine zierde A. v. Droste-Hülshoff 2, 224 (
Walther 4);
vgl. halbes erbgut strahlt an ihm und dem gefolg und pferden und carossen, er schimmert an dem hof Wieland I 1, 277
ak. ausg.; auch: sein schwert zum tödten fertig stralt Denis
lieder Sineds (1772) 31
u. ö. (der glanz des helms Kretschmann
w. 1, 48); er trug ein funkelndes stahlgewand, das blitzte hinunter und strahlt und glimmt Strachwitz
ged. 55. (
bildlich:) und von seinem wappenschilde strahlet die gerechtigkeit Böhme
volksth. lieder 15; eine wohnung strahlt
vgl. J. H. Vosz
Odyssee 113
Bernays; in den wohlhabenden familien strahlten die festräume von verarbeiteten gold- und silbermassen G. Freytag
w. 17, 286;
auch der purpur strahlt Gottsched
ged. 1 (1751), 151; was strahlet, was prahlet, was blitzen vor spitzen in diesem fürtreflichen zimmer allhier? Zesen
vermehrter Helikon (1656) 1, 142;
vgl. es strahlet und pralet, bemahlet, das stickwerk der erden S. v. Birken
pegnitzschäferei (1645) 34; die niedre kammer tausch ich um mit zimmern, wo decken strahlen, wo tapeten schimmern Göthe 13, 1, 136
W.; dazu: farbe, wie sie sich auch menget, striemet und stralet Schottel
haubtsprache (1663) 82;
von den goldbuchstaben einer inschrift: wenn du mein grabmal siehst, worauf die inschrift strahlt: Ramler
einl. (1758) 1, 400; des dichters nam allein, der von der urne stralt Mastalier
ged. (1774) 115;
vgl. das wort, das an das creutz gemahlt im blutrubinenfeuer strahlt, das heiszt: hier hängt Immanuel Zinzendorf
teutsche ged. (1766) 365.
auch (
bildlich)
im hinblick auf den gedankeninhalt einer schrift J. D. Falk
satiren (1800) 1, 43. 4@aa)
in der blumenschilderung: und der goldne krokos stralet J.
M. Miller
ged. (1783) 2; (
blumen,) die noch der perlen tau befeuchtet, strahlt und leuchtet Zesen
rosenmând (1651) 2.
auch: (
früchte,) die auf dem ambrosischen tische strahlten G. Keller
w. 7, 438;
begrifflich erweitert: ach du lichtgrüne welt und wie strahlst du voll lust! Böhme
volksth. lieder 221 (J. A. Cramer
ged. 1, 6);
und in einer vermischung mit 2: um so trübseliger ..., je klarer drauszen der sommer strahlte Holtei
erz. schr. 19, 94. 4@bb)
bildlich: die tugend stralet auch im finstern
la virtù radia, risplende anco nell' oscuro Kramer
dict. 2 (1702), 996
a; du, o tugend, schön strahlst du in des menschen seele! Schiller 1, 68
G. (
vgl. J. E. Schlegel
w. [1761
ff.] 4, 71); der hohepriester, auf dessen brust licht und recht strahlen sollte Hippel
lebensläufe 3, 1, 211; die hohe schönheit (
das ideal des schönen), die ewig in mir stralet Jean Paul
Hesperus 1, 61
R.; Lisett und Silvie, ihr perlen unserer zeit ... aus eurem wesen strahlt selbst die vollkommenheit Hoffmannswaldau
ged. 2, 32; die gute laune, welche aus ihren scenen strahlt Freytag
w. 14, 42 (seine religiöse gesinnung Ranke
s. w. 4, 193). 4@cc)
von personen '
sich hervorthun, sich glanzvoll auszeichnen, ruhmvoll leben'
u. s. w.: ich Damocles schlug die krone aus, um im glanz der unerwarteten that hell zu str. Klinger
neues theater 2, 139 (Th. Abbt
w. 2, 41, 58); Westermann ... strahlte als heerführer in den schluchten und forsten der Vendée H. v. Kleist 4, 170
Schm.; Robespierre, der seit seinem rücktritt von der macht in allem glanze der selbstverläugnung strahlte Dahlmann
franz. revolution (1845) 401; prof. Gans strahlt im reichen glanze seiner beredten und oft kühnen vorträge fürst Pückler
briefw. 3, 362; so löscht der gröszre glanz den kleinern aus: ein stellvertreter strahlet wie ein könig, bis ihm ein könig naht
Shakespeare 4, 138 (
kaufm. v. Venedig 5, 1).
von einem ganzen zeitalter: dasz ich ohne neid darf mustern jegliche zeit, weil in hellestem scheine vor jeder strahlt die meine Rückert
w. (1867
ff.) 1, 44. 55)
entspr. strahl 6: kleine löchlein, wodurch die milch str. musz Gehema
säugamme (1698) B 5
b; sin blot sach men dar stralen Uhland
volksl. 939.
auch: '
urinieren' (
vom pferd)
vgl. Fischer schwäb. wb. 5, 1821,
wie sonst stallen (
th. 10, 2
sp. 616
ff.). 66)
prägnant '
wiederstrahlen': der sonne bild, das dort auf deinem spiegel strahlt S. Gessner
w. (1778) 2, 11; sie (
die wellen) sahen Auroren und strahlten ihr bild Herder 25, 606
S.; gehört das bild mir, das der spiegel strahlt? H. v. Kleist 1, 254
Schm.;
vgl.denn dort (
in jenem leben) ... strahlen dem redlichen nächte nicht minder als tage die sonne Klinger
w. 4, 41;
auch: bei aller sättigung kann die farbe dennoch von vielem lichte strahlen Göthe II 3, 58
W. vgl. dazu (
entspr. 4
a): narzissen und rosen die strahlen allhier (
auf den wangen) Neumark
fortgepfl. musik.-poet. lustwäldchen (1657) 1, 232; ins gefild hin, wo die ähr und die winzerin strahlt Klopstock
oden 1, 175
M.-P. (G. Keller
w. 1, 202);
übertragen: (flaggen,) die von Venedigs altem ruhme strahlten Platen
w. 1, 165
R. bildlich: dass unser sieg in deinem lied aufs neu verherrlicht strahle Geibel
w. 2, 107; gegenwart strahlte im sonnenlicht Herman Grimm
Michelangelo 1, 326 (Gervinus
gesch. d. deutschen dicht. 5, 588). 77)
beispiele einer richtungsbestimmung: herauf Eichendorf
w. 2, 81; es (
das blümchen) strahlt empor mit glutverlangen Körner
w. 2, 16
H. nieder Klopstock
Messias (1780) 4, 99: sein leben entsprach seinen predigten; denn es stralte die volle würde eines erleuchteten gottesgesandten herunter Schubart
leben 1, 76; zu: sie strahlen Cekrops geschlechte zu! Stolberg
w 4, 32.
gegen: da stand sein engel und strahlte gegen ihn Kretschmann
w. (1784) 1, 307; (einem entgegen
vgl. Pfeffel
pros. vers. 5, 55). die liebenswürdige Sophie stralte diesen tag mit mehr munterkeit und witz hervor als gewöhnlich J. J. Chr. Bode
Thomas Jones 2, 108; um sich str. Jung-Stilling
w. 3, 357; als dumpfe empfindung, die über den ganzen leib strahlte Ompteda
Sylvester v. Geyer 2, 113. 88)
mit einem acc. der wirkung, des inhalts u. s. w., so entspr. 1: er blizet bliz auf bliz, er strahlet strahl auf strahl und dundert klapf auf klapf mit jamer, grewel, wunder Weckherlin
ged. 2, 42
F.; ein auge strahlt blitze
vgl. J. A. Schlegel
verm. ged. (1787) 1, 67.
entspr. 2: die lampe ... strahlte ein gedämpftes licht Laube
schr. 15, 173; mit der sonne, die kam und gottes herrlichkeit strahlte Klopstock
Messias 14, 137; und hoffnung strahlte dir die grosze sternenwelt Tiedge
w. (1823) 2, 170; keine flamme der erleuchtung hat der göttliche geist in die herzen gestrahlt! Bettine
dies buch gehört dem könig (1843) 1, 253;
vgl. auch 1, 123; dieser wird mein glück befördern, der wird seiner günste schein auf mich, seinen diener strahlen Neumark
neuspr. deutscher palmb. (1668) 348; ihr auge stralte himmelsglanz Herder 25, 135
S. diese anwendung auf auge und antlitz des menschen begegnet öfter: deine sünde ist vor mir hinweg gethan, mein antlitz strahlt dir lauter gnade (1757) Wieland
ges. schr. I 2, 376
akad.; sein antlitz scheint eine freudige nachricht vor sich her zu strahlen
ebda I 3, 12; die augen ... strahleten liebe Ramler
einl. (1758) 1, 354; vereint sterben wir, und linderung der qualen wird mir dein blick, Zamor, wird dir der meine strahlen Gotter
w. (1787) 2, 463; muth thront ihm auf der stirn; und herzensgüte strahlt der sanfte blick
ebda 2, 69; sonnenschein und frühlingslust ist kein bild, die wärme auszudenken, die ihr blick in meine seele stralte J.
M. Miller
briefw. dr. akad. freunde (1778) 1, 242; und entbunden von den goldnen kindern stralt das auge sonnenpracht (1781) Schiller 1, 211
G.; und aus den augen, friede strahlend, bricht die goldne sonne des gefühls hervor
ebda 13, 249
G. bildlich vom auge: ihm (
dem crystall) gleicht an werth kein edelstein, er leuchtet ohne je zu brennen, das ganze weltall saugt er ein ... und doch ist, was er von sich strahlet, oft schöner, als was er empfing
ebda 13, 390
G.; der sohn blühte wie sonst, seine augen strahlten das vorige feuer Klinger
w. (1815) 8, 118; farbe des todes liegt auf dem hageren antlitz, nur dein auge strahlt heiterkeit Novalis
schr. 1, 258
M.; (
die) gestalt mit ... den liebe und sanftmuth strahlenden augen J. Kerner
bilderb. (1849) 333; 99)
refl. sich strahlen (
bei der kristallisation)
strahlenförmige gestalt annehmen, s. o. strahl 8a,
sp. 769
und unten strahlig 2,
sp. 809;
mehrfach in den schriften Leonhart Thurneissers,
sicherlich weiter verbreitet: disen gereinigten und durch ein leder getruckten mercurium lasset ... stehn uber nacht, so coagulirt oder salsirt und stralet sich diser vnd setzt sich in dem wasser zuosamen
wirckungen aller fremden erdgewechsen (1578) 138; der aluminische schwefel ... mag sich dem allaun (weil er vor der feuchte, in deren er sich stralet) nicht wider einleiben, dann er bleibt vnd schwebt allezeit ...
oben magna alchymia (1583) 6; derhalben wirdt (
der salpeter) allein digeriert und kocht so lang, bisz ungefahrlich der 3. oder 4. teil noch ubrig, als dann so lest man es stehen, damit es sich strale und zusammen wachse, welches an einer kalten unnd feuchten statt geschehen sol, dann zwar die feuchte ein treibende, die kalte aber ein zusammenziehende art an sich hat
von kalten wassern (1572) 48;
vgl.: dann allein diese drey ding (
vitriol, alaun, salpeter) schiessen stralen in den minerischen selbs wachsenden dingen, sonst sindt noch vil ding, die schiessen oder wachsen und zum stralen gemacht werden
ebda 46; so es salpeter wer, so wird der gewachsen stral etwas trüb und langspiessig sein und nicht also gevierdt und dreieckig wie dann der vitrill wechst
ebda 46. 1010)
strahlend, part. präs. zu strahlen,
das in neuerer sprache sich zu einem selbständigen adjectiv mit eigenen verwendungen entwickelt. 10@aa)
von einer lichtquelle, besonders von den leuchtenden gestirnen, s. o. strahlen 2,
sp. 795: für menschliche augen zu strahlend, ... ist die sonne das echte sinnbild ihres unermeszlichen schöpfers A. v. Haller
Usong (1771) 70; der morgenstern nicht von gleicher strahlender herrlichkeit Göthe I 24, 186
W.; da geht im osten die sonne auf und beschreibt im königlichen laufe den strahlenden bogen durch den mittag bis zum fernen westen Ritter
erdkunde (1822) 1, 10; schöne regenbogen und besondre strahlende und farbige phänomene in westen Göthe III 3, 155
W.; die sonne erhob sich strahlend in einem unermeszlichen blau Stifter
s. w. 5, 1 (1908) 89; der vollmond steht meinen fenstern strahlend gegenüber
quelle a. d. j. 1892; eine strahlende lampe
ebda 4, 150;
bildlich: er glich der mächtig strahlenden sonne, die froh auf ihrem hügel weilt Bürger
s. w. 284
Bohtz; den zusammenhangenden stralenden gang, den die kunst über völker und zeiten genommen, (
nicht sehen) Herder 2, 124
S. durchaus üblich in dem erweiterten gebrauch: die pracht eines strahlenden sommermorgens Kürnberger
nov. (1861) 1, 86; strahlender hochsommer Laube
ges. schr. (1875) 1, 257; in jener von licht und leben strahlenden fruchtebene Nitzsch
dt. studien (1879) 126;
vgl. oben sp. 795: ihr zu liebe strahlen lenz und sommer hie Göthe I 4, 237
W. von licht- auf wärme- und energiequellen übertragen, besonders in der fachsprache: die strahlende wärme Lichtenberg
verm. schr. (1800) 9, 257; prozesse, welche ... von der strahlenden wärme oder der fortpflanzung der lichtquellen abhängen A. v. Humboldt
kosmos (1845) 1, 65; strahlende energie Boltzmann
schr. (1905) 150; strahlende hitze
hwb. d. staatsw. 4, 255; bei beginnender weiszgluth, bei weiszgluth und bei strahlender weiszgluth (
als letztem grad) Muspratt
chemie (1888) 5, 851. 10@bb)
vom widerschein des lichtes, besonders vom reflex in einer spiegelnden metallenen oberfläche, s. strahlen 4
u. 6,
sp. 798
u. 800: von gold und silber stralend
radiante d'oro e d'argento Kramer
dict. 2 (1702) 996
a; wenn man ... einen spiegel gegen die sonne hält und denselben hin- und herrückt, bis der schein oder die strahlende reperkussion ins rohr (
der kanone) blincke v. Fleming
teutscher soldat (1726) 62; strahlende fäden S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 2, 112; das strahlende erz in den händen, ordnete (
sie) zweymal oft eben dasselbige haar A. W. Schlegel
im Athenäum 1, 1, 132; strahlendes gewand Fouqué
held d. nordens (1810) 3, 87; o mein sohn, dessen strahlende locken alle tage die meernymphe Cymodoce gestriegelt maler Müller
w. (1825) 1, 156; strahlender putz B. Auerbach
schr. 16, 161;
auch: die blinkenden equipagen mit strahlenden damen brausten vorüber Laube
ges. schr. 8 (1877) 82;
bildlich: die schöne knospe, die wir gekannt haben, ist nun eine entfaltete strahlende blume in gottes garten
bei Weinhold
Boie 112;
von der leuchtkraft der farben: man wird in der mitte ein schönes papageigrün erblicken, weil gelb und blau sich strahlend vermischen Göthe II 5, 1, 29
W.; kropf und brust (
des bienenfressers) schön blaugrün ... mit einem strahlenden gelbgrün angeflogen Naumann
naturgesch. d. vögel (1820) 5, 465;
gern vom glanz der waffen: fahnen und standarten und strahlende paniere Gerstenberg
schlesw. lit.-br. 98
lit.-denkm.; in ehrner waffenrüstung strahlend Bürger 166
a Bohtz; die ersten rittersleute ..., die ihm (
Parzival) strahlend schienen wie der gott, von dem ihm seine mutter gesagt Gervinus
gesch. d. dt. dicht. 1 (1853) 395; er träumt, wie aus des himmels reichen er selber steig im ritterkleid, in waffen strahlend ohne gleichen, und zieh hinan zum fernen streit Rückert
ges. poet. w. (1867) 3, 24; über der weissen strasse hellem reigen wandeln leuchtende sonnen, ungesehen von dem menschen ... ... aber der geist erblickt die heerschar, und vernimmt der strahlenden heere gottes donnernden kriegsgang Stolberg
w. (1821) 1, 268. 10@cc)
vom leuchten des menschlichen auges und antlitzes, doch erscheint strahlend
nicht in einem gleich weiten anwendungsbereich wie strahlen (
s. d. 3,
sp. 796),
sondern im wesentlichen nur als ausdruck für die sichtbare freudige erregung: freudig ward sein herz jetzt und entzücken strömt' aus seinen strahlenden augen maler Müller
w. (1825) 1, 14; (
er sagte) mit ganz strahlenden augen (1838) Dahlmann
an Jacob Grimm, s. briefw. 1, 117
Ippel; Walpurga sah strahlenden auges auf die königin B. Auerbach
schr. (1892) 1, 134; (
sie) blickte ihn mit strahlenden augen an Gustav Freytag
ges. schr. (1887) 9, 100; sie trat dem gast ... mit strahlenden augen entgegen ..., beide fühlten sich so froh und glücklich
ebda 13, 37; sie gab ihm nochmals die hand ... und mit strahlenden augen, die sich mit tränen füllten, sagte sie: ich danke ihnen für ihre edle neigung Gottfr. Keller
ges. w. (1889) 6, 221; als er die thür geöffnet hatte, sagte sein strahlendes gesicht alles; wie durch einen zauberschlag entzündet, glänzte sein glück auf dem antlitz der geliebten
M. Meyr
erz. a. d. Ries (1868) 1, 158; das schöne mädchen, strahlend vor freude Fontane
ges. w. I 6, 210; 'zum reichsten paladin von westen bis nach osten mach ich dich ohne kosten'. 'was soll ich thun? so fragt der held mit strahlender geberde' Pfeffel
poet. vers. (1816) 4, 49.
die anwendung auf die freudige erregung ist so fest, dasz jede nähere bestimmung fehlen kann: eines tages kam er strahlend und sagte ... Laube
ges. schr. 1 (1875) 401; herabgestiegen von der kanzel rauscht er strahlend, kopf und schulter wiegend rasch vorbei Mörike
ges. schr. 1, 183
G.; (
er) kam strahlend aus der haustür zurück: 'gott sei dank, (
sie) ist garnicht daheim' A. Seghers
die toten bleiben jung (1950) 233.
in jüngerer zeit erweitert sich der anwendungsbereich: (
diese klagende melodie) wird bald abgelöst durch den strahlenden siegeston: 'der held aus Juda siegt mit macht' J. Müller-Blattau
J. S.
Bach, leben und schaffen 48
Reclam; nach e
weisend: dies von stunden höchster beglückung und strahlenden selbstgefühls unterbrochene leben H. Hesse
glasperlenspiel (1943) 1, 81;
s. auch zusammenrückungen wie: strahlend vergnügt Kahlenberg
Eva Sehring (1901) 152.
der gebrauch greift auch auf das verbum über: (
er) strahlte, als sein auge auf die eng beschriebenen zwei bogen fiel Fontane
ges. w. I 1 (1905) 147; (
er) strahlte vor wohlwollen Carossa
tag in Terracina (1947) 37.
mit anderem ausgangspunkt: es war ein blick strahlenden zornes und ein tief entrüstetes antlitz Stifter
s. w. 1 (1904) 23;
dazu vgl.: vor zorn strahl und feuer schicken Spreng
Ilias (1610) 27
a,
ebenso 57
a,
s. o. sp. 757;
ferner: im hellen zorne strahlen Lenau
Faust 84,
s. o. sp. 798
und das compositum zornstrahl (
bezeugt seit Jacob Böhme,
s. teil 16,
sp. 120)
überleitend zum folgenden: dieses duftende haar der Melite, die stralenden augen, ihre göttergestalt einem altare zu weihn Herder 26, 34
S. 10@dd)
von der glanzvollen äuszeren erscheinung; auch hier kann ein näher bestimmender zusatz fehlen: so kam die göttin an, und des gefolges menge, die strahlend sie umringt, macht fast den saal zu enge Zachariae
poet. schr. (1763) 1, 35; du stehst auf den sonnigen gipfeln der Alpen ..., und wohin du blickest im weiten kreise des auges, naht die göttin dir sichtbar in herrlich strahlender bildung
Athenäum 3 (1800) 35; strahlend von gesundheit, frisch und kräftig fürst Pückler
briefw. (1873) 4, 102; sie ist auch ohne gold und edelstein so voll, groß und strahlend wie eine königin Tieck
schr. 19 (1845) 128; (
sie) schlosz die in dem mächtigsten liebreiz strahlende Emanuela in die arme E. T. A. Hoffmann
s. w. 9, 171
Gr.; weitergreifend: wie sie fallen, fallen der Griechen strahlende söhne Grillparzer
s. w. 5, 181
S.; Electra ... mit der aschenurne des Orest in den armen, diesem nichts von dem strahlenden, den sie einst fortliesz Justi
Winckelmann (1866) 1, 154; (
Brunhild) weisz, dasz der vielkundige strahlende Sigurd allein die feuerflamme, die sie umgiebt, durchdringen kann W. Grimm
an Lachmann, s. briefw. 2, 797
L.; überleitend zum folgenden: bei dem allen stand (
Ludwig XIV.) doch zuletzt auch in der abendstunde seines lebens strahlend da Dahlmann
franz. revol. (1845) 5. 10@ee)
weiterhin dann, dem persönlichen begriff ferner rückend, im sinne von '
glanzvoll, leuchtend',
besonders von ruhm und ansehen: stralende vollkommenheiten S. v. Laroche
frl. v. Sternheim (1771) 182; der liebe volle, strahlende verklärung Schiller 5, 105
G.; schauplätze ihres (
der ketzer) triumpfs und ihrer strahlenden tugend
ders. 7, 118
G.; von der strahlendsten herrlichkeit machtvollen geisteslebens bis zu seiner völligen verdunkelung Justi
Winckelmann (1866) 1, 459; viele haben länger geschaltet und strahlender, wenige wohltätiger (
als Waldemar d. Gr.) Dahlmann
gesch. v. Dännemark 1 (1840) 323; eines künstlers strahlender ruhm Herman Grimm
Michelangelo 1 (1890) 315; alle groszen, strahlenden gefahren hat mein schicksal von mir abgewandt Novalis
schr. 1, 147
M.; die strahlende kraft des ruhms St. Zweig
welt von gestern (1947) 61;
substantivisch: es liebt die welt das strahlende zu schwärzen und das erhabene in den staub zu ziehn Schiller 11, 336
G.; vom leuchtenden vorbild: (
von solchen kämpfen) meldet die geschichte in drei strahlendsten beispielen E.
M. Arndt
schr. f. u. an s. lb. Deutschen 3 (1845) 186; strahlende wunden Jung-Stilling
s. schr. (1835) 1, 533; strahlende taten Jean Paul
w. 45/47, 296
H. 10@ff)
in der botanischen fachsprache vom stand der blüten und blütenblätter, vgl. strahl 8 b,
sp. 769:
radians strahlend '
wenn in einem blüthenstande, dessen blüthen gleich hoch gestellt sind ..., die randblüthen gröszer sind und eine strahlige einfassung bilden'
z. b. in den blüthenkörbchen von helianthus, chrysanthemum Bischoff
wb. (1839) 166; etwas strahlend Schlechtendal
flora v. Deutschl. 27, 193;
wegen des abstehenden, strahlenden kelches Ratzeburg
standortsgewächse (1859) 80.