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Scham

mhd. bis spez. · 23 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
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31 in 23 Wb.
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Scham

Bd. 3, Sp. 1345
Die Scham, plur. car. ein Wort, welches in einer doppelten Hauptbedeutung üblich ist. 1. Der Zustand, da man sich schämet. 1) Eigentlich, die mit Schamröthe verbundene Unlust, oder unangenehme Empfindung über die Sichtbarkeit unserer Blöße, und in weiterm Verstande, unserer Unvollkommenheit. Vor Scham roth werden. Scham empfinden. Vor Scham die Augen nicht aufschlagen können. Sich in Scham verhüllen, in der dichterischen Schreibart. 2) In weiterer Bedeutung. (a) Das Vermögen, die Fähigkeit, Unlust über die Sichtbarkeit unserer Blöße, unserer Unvollkommenheit, zu empfinden. Wo keine Scham ist, da ist keine Ehre. Weder Scham noch Schande haben. Aller Scham den Kopf abgebissen haben, in der niedrigen Sprechart, die Fähigkeit sich zu schämen verloren haben. (b) * Die Fertigkeit, alles zu vermeiden, was die Blöße des Leibes zeigen, und in weiterer Bedeutung, Neigung zur Unkeuschheit verrathen kann; eine jetzt veraltete Bedeutung, in welcher es ehedem sehr häufig für Zucht, Züchtigkeit, Schamhaftigkeit u. s. f. gebraucht wurde. Scham ist ein Krone Die zieret frowen schone, Burkhard von Hohenfels. Diu Scham alsam ein reines kint in schoner frowen schozen spilt; Schame zieret reiniu wib und wirdet edelen man; Schame kan leiden of den ban, Da nie schandentrit kam an, der Marner. Die Schwäbischen Dichter sind voll von Lobsprüchen dieser Scham, besonders bey dem weiblichen Geschlechte. Scham machet große Gunst, Sir. 32, 14. Die Weiber sollen sich mit Scham und Zucht schmücken, 1 Tim. 2, 9. 3) * Figürlich, dasjenige, dessen man sich zu schämen hat, die Sichtbarkeit unserer Blöße, und in weiterm Verstande, unserer willkührlichen Unvollkommenheiten; eine gleichfalls veraltete Bedeutung, in welcher es ehedem für Schande und das nahe verwandte Schimpf sehr üblich war. Ihre Scham war offenbar, Ezech. 23, 18. Mit Scham bekleidet werden, Ps. 35, 26. Du weißest meine Schmach, Schande und Scham, Ps. 69, 20. Mit Scham unten an sitzen, Luc. 14, 9. 2. Die Blöße des Leibes. 1) Überhaupt, wo man es nur noch in der im gemeinen Leben üblichen R. A. gebraucht, seine Scham nicht bedecken können, seine Blöße, halb nackend gehen. 2) In engerer Bedeutung ist es eine ehrbare und anständige Benennung der Geburtsglieder beyder Geschlechter, derjenigen Theile des Leibes, welche die Schamhaftigkeit zu bedecken befiehlet, deren Blöße vornehmlich Scham erwecket, und welche man auch die Schamglieder, die Schamtheile zu nennen pflegt. In diesem Verstande,[] in welchem es schon bey dem Winsbeck die Schame lautet, ist es in der Deutschen Bibel und bey andern Schriftstellern sehr gangbar, für die anständige Schreibart aber auch schon zu unedel. In engerer, besonders in der Anatomie üblichen Bedeutung, ist die Scham, Latein. Pubes, die unterste Gegend des untern Schmerbauches unmittelbar über den Geburtsgliedern. In einer gegen das Ende des 15ten Jahrhundertes gedruckten Deutschen Bibel, welche Schelhorn im 8ten Bande der Kritischen Beyträge S. 1. f. beschreibt, kommen dafür die Ausdrücke Schnödigkeit und Laster vor. Anm. In der ersten Hauptbedeutung schon bey dem Kero Scamu, bey dem Notker Scama, im Nieders. Schaam, und mit einem andern Endlaute Schämte, im Angels. Scame, im Engl. Shame, im Schwed. Skam. S. Schämen. In der zweyten Hauptbedeutung wird es gemeiniglich als eine Figur der ersten angesehen, und durch dasjenige erkläret, dessen man sich zu schämen hat. Allein es ist wahrscheinlicher, daß der Begriff der Blöße hier der herrschende ist, der wieder eine Figur des Lichtes ist, daher es in dieser Bedeutung unmittelbar mit dem veralteten Schämen oder Schemen, das Bild, der Schatten, Schein, und den Intensivis Schimmel und Schimmer zusammen hängt. Auch die Scham, als eine Empfindung betrachtet, setzet im eigentlichsten Verstande die unanständige Blöße voraus. Das Wort Blöße selbst wird in der edeln Sprechart zuweilen von denjenigen Theilen gebraucht, welche der Wohlstand zu entblößen verbiethet. Siehe Schämen.
3950 Zeichen · 61 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    SCHAM

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +8 Parallelbelege

    SCHAM s. ich SCHIM .

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    schamAdj.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    scham , Adj. nhd. armselig, bedürftig Hw.: s. schāmel (1); vgl. mhd. scham (2) E.: s. schāme (1) L.: MndHwb 3, 44 (scham…

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Scham

    Adelung (1793–1801) · +6 Parallelbelege

    Die Scham , plur. car. ein Wort, welches in einer doppelten Hauptbedeutung üblich ist. 1. Der Zustand, da man sich schäm…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Scham

    Goethe-Wörterbuch

    Scham auch -aa-; mehrf in Paarformeln wie ‘S. und Schande’, ‘S. und Scheu’ 1 Schamgefühl a Schamhaftigkeit, Schüchternhe…

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Schâm

    Meyers Konv.-Lex. (1905–09) · +2 Parallelbelege

    Schâm (arab. asch-schâm ), Syrien und die Hauptstadt dieses Landes, Damaskus, das jedoch zur Unterscheidung gern mit ein…

  6. modern
    Dialekt
    Scham

    Elsässisches Wb. · +5 Parallelbelege

    Scham [ʿSâm Co. Mütt. K. Z. ; auch mit Kürze ʿSàm] f. Scham, Schamgefühl, aber beide selten. Wo ke i n S. is t , do is t…

  7. Sprichwörter
    Scham

    Wander (Sprichwörter)

    Scham 1. Besser Scham im Gesicht als Weh im Herzen. Holl. : Beter is de schaamte in de oogen, dan eene vlek in het hart.…

  8. Spezial
    Scham

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Scham f. 1 (Schamhaftigkeit, Schamgefühl) dodanza (-zes) f. , dodadú m. 2 (starke Verlegenheit) dodanza (-zes) f. 3 (Sch…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit scham

505 Bildungen · 489 Erstglied · 8 Zweitglied · 8 Ableitungen

scham‑ als Erstglied (30 von 489)

Scham I

Idiotikon

Scham I Band 8, Spalte 755 Scham I 8,755

Scham II

Idiotikon

Scham II Band 8, Spalte 756 Scham II 8,756

Scham'mal

DRW

Scham'mal, n. oder Bestw. eine verschliffene Form von Schand-? wie ¹Schamwunde bdv.: Schandmal (I) wass nicht handt und halss antrifft, alss…

Scham'pfand

DRW

Scham'pfand, n. zu Scham (III) hier: Geschlechtsakt als Pfand (I) ob frei mann oder weiber zu ainem wirt kämen und ir gelt bei im zertn, so …

Scham(e)lot

Idiotikon

Scham(e)lot Band 8, Spalte 766 Scham(e)lot 8,766

scham(e)lotin

Idiotikon

scham(e)lotin Band 8, Spalte 766 scham(e)lotin 8,766

Schamlippe

SHW

Scham-lippe Band 5, Spalte 175-176

Schamreise

SHW

Scham-reise Band 5, Spalte 177-178

Schamrock

SHW

Scham-rock Band 5, Spalte 177-178

schamrot

SHW

scham-rot Band 5, Spalte 177-178

scham

KöblerMhd

scham... , . Vw.: s. schame...

Schamachel

RhWB

scham·achel

Schamachel , Pl. -ələ Sieg-Fussh f.: verächtl. klatschsüchtiges Weib.

schamade

DWB

scha·made

schamade , f. , franz. chamade, zeichen durch trommel oder trompete zur übergabe einer festung an den feind ( zu lat. clamare) Diez wb. 4 54…

Schamadi

Wander

scha·madi

Schamadi Er schlot Schamadi. – Sutermeister, 92. Er gibt sich verloren.

Schamadrossel

Meyers

Schamadrossel ( Kittacincla macroura Gmel .), Vogel aus der Familie der Drosseln, von der Größe der Rotdrossel, mit auffallend langem Schwan…

Schamakoko

Meyers

Schamakoko , südamerikan. Indianerstamm mit eigner Sprache, der in kleinen Gruppen einen großen Waldbezirk des Gran Chaco südlich von Coimbr…

Schamane

Pfeifer_etym

scha·mane

Schamane m. ‘Zauberpriester, Geisterbeschwörer’, entlehnt (Ende 17. Jh.) aus tungus. šaman, weiteres ungewiß. Letztlich vielleicht aus aind.…

Schamanen

Herder

scham·anen

Schamanen , von den Grönländern Angegoks genannt, die Priester, Geisterbeschwörer u. Zauberer vieler Volksstämme im nördl. Theile der Erde, …

schamanisch

GWB

scha·manisch

schamanisch dämonisch, unheimlich, nicht geheuer Zugleich schicke ich Ihnen [ in Vorbereitung eines Auftritts der Adressatin als Schamanin, …

Schamanismus

Meyers

scha·manismus

Schamanismus , das Religionssystem der meisten niedern Naturvölker, deren geistige Führer sich als Zauberer und Herren über die Natur gebärd…

schamarêren

MNWB

*+ (schamarêren) , swv. (nur Part. prät. schamarêrt [chamarrert]), ausstaffieren, herausputzen (Lauremberg ed. Lappenberg 50; franz. chamarr…

Schamari

RhWB

scha·mari

Schamari  , Pl. -rīə Wend-Pfeffelb m.: verächtl. langer Sch. hageres Weib.

schamarēren

KöblerMnd

schamarēren , sw. V. nhd. ausstaffieren, herausputzen E.: franz. chamarrer, V., verbrämen (Gamillscheg 2, 207b) L.: MndHwb 3, 44 (schamarêre…

Schamas

PfWB

scha·mas

Schamas m. : 1. 'billiger baumwollener (meist blauer) Stoff älterer Zeit, der bes. für Schürzen und Werktagskleider verwendet wurde', Schama…

scham als Zweitglied (8 von 8)

Frau(w)e(n)scham

Idiotikon

Frau(w)e(n)scham Band 8, Spalte 756 Frau(w)e(n)scham 8,756

gescham

DWB

ges·cham

gescham , f. pudenda Dief. nov. gl. 308 a ( von 1429); östr. das gescham, die schamtheile Hügel 72 a .

houbetscham

KöblerMhd

houbet·scham

houbetscham , st. F. nhd. „Hauptscham“ Q.: Reinfr (nach 1291) E.: s. houbet, scham (1) W.: nhd. DW- L.: DRW

hundsscham

DWB

hunds·scham

hundsscham , f. weibliches glied eines hundes; auch cynometra, eine ostindische pflanzengattung.

Kretscham

Pfeifer_etym

Kaschemme f. ‘schlechte Kneipe, Ganovenkneipe’, im 19. Jh. aus rotw. katschemme, gertschemiha, gritschimm übernommen, das über romani katšim…

lasterscham

KöblerMhd

laster·scham

lasterscham , st. F. nhd. „Lasterscham“, Schmach, Schande Q.: MinnerII (um 1340) (FB lasterscham), MinneR481 E.: s. laster, scham W.: nhd. D…

Nobiskretscham

Wander

nobis·kretscham

Nobiskretscham In Nobis-Kretscham, da man die Aepffel auff den Fensterrahmen zu braten pflegt. – Fischer, Psalter, 169, 2.

Ableitungen von scham (8 von 8)

beschamen

Lexer

be-schamen swv. BMZ refl. mit gen. od. infin. sich schämen Ms. Griesh. kirchen unde pfründen die sint worden veile, sît man sich wirde niht …

erschamen

Lexer

er-schamen swv. BMZ intr. u. refl. voll scham werden, in scham geraten über ( gen. od. nachs. ) Kl. Walth. Greg. daʒ ich michs erschamt Neid…

gescham

DWB

gescham , f. pudenda Dief. nov. gl. 308 a ( von 1429); östr. das gescham, die schamtheile Hügel 72 a .

geschamen

Lexer

ge-schamen swv. BMZ refl. mit gen. scham empfinden über Iw. Trist. Nib.

¹schām(e)

MNWB

1 schām(e) , f. , 1. Scham, Schamgefühl, Keuschheit, Sittsamkeit; Schande, Unehre, sch. unde schande krîgen, nôt unde sch. lîden. 2. Scham, …

unscham

DWB

unscham , adj. : Wackernagel kirchenlied 5, 749 . vgl. unschad. —

unschame

Lexer

un-schame stf. impudentia Dfg. 290 b , impudenda n. gl. 212 a .

verschamen

BMZ

verschamen swv. 1. sich verschamen aufhören sich zu schämen, die scham verlieren. sô er sich denne verscamet Genes. fundgr. 21,10. durch waʒ…