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Gift

ae. bis spez. · 30 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Meyers
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Eintrag · Meyers Konv.-Lex. (1905–09)

Gift

Bd. 7, Sp. 835
Gift (verwandt mit »geben«, daher auch »vergeben« statt »vergiften«; lat. Venēnum, Virus), ein Stoff, der durch Hineingelangen in die Säftebahn des Menschen oder Tieres schon in kleiner Menge die Tätigkeit einzelner Organe schädigt und dadurch krankhafte Zustände oder den Tod veranlaßt. Eine genaue scharfe Bestimmung des Begriffes G. ist schwierig. Wenn man Cyankalium, Arsenik, Strychnin, die in Bruchteilen eines Gramms schädlich wirken, zweifellos als Gifte bezeichnet, so kann man zweifelhaft sein, ob man auch bittere Mandeln oder gar Kochsalz hierher rechnen soll. Kobert gibt folgende Definition: »Gifte sind solche, teils organische, teils anorganische, im Organismus entstehende oder von außen eingeführte, teils künstlich dargestellte, teils in der Natur vorgebildete, nicht organisierte Stoffe, die durch ihre chemische Natur unter gewissen Bedingungen irgend welches Organ lebender Wesen so beeinträchtigen, daß das (relative) Wohlbefinden dieser Wesen dadurch vorübergehend oder dauernd schwer geschädigt wird«. Damit sind mechanisch wirkende Gifte (Glaspulver, Stecknadeln) und schädliche Bakterien ausgeschlossen. Dagegen müssen die schädlichen Stoffwechselprodukte der letztern als G. angesehen werden. Besonderes Gewicht ist auf die Bedingungen, unter denen das G. zur Wirkung kommt, zu legen, da dieselbe Menge desselben Stoffes je nach der Anwendungsweise schädlich oder unschädlich sein kann. Auch für die Rechtsprechung werden diese Erwägungen von Wichtigkeit sein; im Einzelfall entscheidet der Richter nach Anhörung des Sachverständigen, ob ein Stoff als G. zu bezeichnen ist oder nicht. Arzneien und Gifte sind häufig in stofflicher Beziehung identisch, und nur die verhältnismäßige Größe der Gabe und die Anwendungsweise macht den betreffenden Stoff zum G. oder zur Arznei. Daher ist der nicht selten gegen die Medizin erhobene Vorwurf, daß sie mit »Giften« zu wirken suche, haltlos; die Grenzen zwischen Heilwirkung und Giftwirkung schwanken nur mit der Art der Verwendung; es kann z. B. das Wasser, das für gewöhnlich nicht als G. gilt, dennoch, reichlich in sehr reiner Form (als Schmelzwasser von Eis und Schnee, Gasteiner »Giftbrunnen«) genossen, starke schädliche Wirkungen hervorbringen. Man kann die Gifte einteilen in solche, die grobe anatomische Veränderungen (Ätzung, Entzündung) an bestimmten Stellen oder Organen des Körpers, besonders an dem Anwendungs- oder dem Ausscheidungsort hervorbringen; dann in solche, die vor allem Veränderungen des Blutes und erst in zweiter Linie anderweitige Störungen verursachen. Eine dritte Gruppe umfaßt sehr zahlreiche Gifte, die ohne gröbere anatomische Veränderungen besonders auf das Nervensystem und das Herz einwirken. Wichtige Gifte der erstgenannten Gruppe sind die Säuren (Schwefelsäure, Salzsäure etc.) und die Alkalien (Ätznatron, Ätzkali, Kalk etc.), die direkt ätzend wirken und das Gewebe durch Gerinnung oder Verflüssigung zerstören. Ähnlich wirken zahlreiche Metallsalze, namentlich diejenigen der Schwermetalle. Hierher gehören mehrere sehr schwere Gifte, z. B. das Sublimat (Quecksilberchlorid), das Arsenik, ferner die Chromsalze, Baryumsalze und viele andre. Auch eine Reihe von Giften, die aus dem Pflanzen- und Tierreich stammen, und viele chemische Kunstprodukte sind hier zu nennen wegen ihrer reizenden Lokalwirkung, die besonders auch in parenchymatösen Entzündungen innerer Organe (Leber, Darm, Nieren) zum Ausdruck kommen, z. B. das Kantharidin (aus den spanischen Fliegen gewonnen), das G. der Insekten, der Schlangen und Skorpione, der Muscheln und Fische, das Krotonöl, die Kockelskörner, die Pilzgifte (teilweise), das Mutterkorn, der Phosphor und zahllose andre Stoffe. In einzelnen zeigt die Wirkung dieser Gifte allerdings sehr zahlreiche, oft dem Einzelnen besonders zukommende und für sie charakteristische Besonderheiten. Auch zahlreiche Gase gehören vermöge ihrer direkt reizenden oder ätzenden Wirkung hierher, z. B. das Chlor, das Ammoniak, die schweflige Säure. Die Blutgifte wirken, indem sie teils mit dem Blutfarbstoff Verbindungen eingehen, die ihn zur Sauerstoffaufnahme und damit zur Vermittelung der Atmung untauglich machen, oder allein durch ihre Anwesenheit den Sauerstoffaustausch unmöglich machen, z. B. das Kohlenoxyd, der Schwefelwasserstoff, die Blausäure. Andre verändern und zersetzen den Blutfarbstoff in weitergehender Weise, z. B. das chlorsaure Kali, das Nitrobenzol. Zu den Blutgiften gehören auch die Hämolysine (s. Immunität), welche die Blutkörperchen auflösen. Dieselbe Wirkung hat das G. der Lorchel, die Helvellasäure und viele andre. Endlos ist die zur dritten Gruppe gehörige Reihe von Giften. Sie umfaßt als wichtigste die Narkotika, wie Chloroform, Äther, Opium und Morphium, Alkohol, Atropin und Kokain, ferner die Krampfgifte, z. B. Strychnin, Brucin u. a. Sehr viele dieser Stoffe gehören zur chemischen Gruppe der Alkaloide und sind ausgezeichnet durch ihre starke Wirkung bei sehr kleiner Gabe. Von den Herzgiften sind die Digitalisgifte, das Helleboreïn und das Muskarin die wichtigsten. Die Aufnahme der Gifte erfolgt am häufigsten durch die Verdauungswege, ferner durch die Haut (aus giftführenden Pflastern, Kleidungsstücken), häufig durch die Atmung (Blei, Phosphor, Quecksilber bei Arbeiten mit diesen Stoffen, Blausäure, Kohlenoxyd), endlich durch Wunden (Schlangenbiß). Von der Schnelligkeit und Reichlichkeit der Aufnahme hängt zum großen Teil der Verlauf ab. Man unterscheidet den akuten, stürmischen Verlauf durch rasche Aufnahme großer Mengen, den subakuten bei Aufnahme mittlerer Gaben; besonders häufig und wichtig aber ist auch die chronische Vergiftung. Sie entwickelt sich nach oft wiederholter Aufnahme kleiner Gaben, z. B. bei dauerndem Gebrauch von Morphium, bei Arbeitern in Arsenbergwerken, Schwefelhölzerfabriken (Phosphor), Spiegelfabriken (Quecksilber), bei Schriftsetzern und Malern (Blei, s. Gewerbekrankheiten, S. 793), bei Trunkenbolden (Alkohol und Fuselöl) etc. Die Erscheinungen der chronischen Vergiftung sind so von den akuten Symptomen der gleichen Giftsubstanz verschieden, daß man oft keinerlei, oft nur teilweise Ähnlichkeit mit dem akuten Vergiftungsanfall entdecken kann. Nicht selten entwickeln sich bei langer Einwirkung der Schädlichkeit schleichende kachektische Zustände, wie z. B. die sogen. Quecksilberkachexie, Phosphornekrose, Bleilähmung, Säuferdyskrasie etc. Die im Organismus aufgenommenen Gifte erleiden verschiedene Schicksale, entweder werden sie unverändert durch Nieren, Darm, Haut, Lungen ausgeschieden, oder dasselbe geschieht nach ihrer Zersetzung mit den hierbei entstandenen Produkten, in andern Fällen legt der Organismus das G. an bestimmten Stellen fest und sucht dasselbe dann langsam durch Ausscheidung zu bewältigen; dies geschieht vor allem in der Leber (z. B. mit Blei, Arsenik, Strychnin); wieder in andern verfügt der Körper über Stoffe und chemische Vorgänge, die sich mit dem G. zu harmlosen Verbindungen vereinigen, bez. es so verändern, daß es rasch seiner zerstörenden Wirkung beraubt wird. Solche Stoffe sind die Glykuronsäure, ferner schwefelsaure Salze, die mit vielen Giften harmlose Verbindungen bilden, ferner Reduktions- und Oxydationsvorgänge (schwefligsaure Salze werden z. B. in ungiftige schwefelsaure umgewandelt) und zahlreiche Umlagerungsprozesse. Dies führt uns zu jenen Schutzvorrichtungen des Organismus, die als Gewöhnung, Giftfestigkeit und Immunität bekannt sind. Vgl. Giftfestigkeit und Immunität. Das Wesen der Giftwirkung ist in den meisten Fällen noch sehr rätselhaft. Am wenigsten da, wo grobe anatomische Störungen entstehen, und wo es die starke chemische Aktivität der Giftstoffe (Säuren, Laugen) ist, die in gleicher Weise Lebendiges und Totes ergreift. Die ungeheuer sein abgestuften Wirkungen der Nervengifte dagegen sind weniger leicht begreiflich. Wir müssen in den meisten Fällen annehmen, daß sich hier die Giftmoleküle vermöge ihrer eigentümlichen Struktur und der des lebenden Protoplasmas in bestimmter Weise an dieses anlagern und es hierdurch beeinflussen; so würde verständlich, warum geringe Unterschiede der chemischen Konstitution die Giftwirkung weitgehend verändern oder gar aufheben können. Diese geringen Unterschiede können auch auf Seite des Protoplasmas sein, so daß dieses jene Anlagerung unmöglich macht, dann ist die Masse oder das Individuum, dem dieses Protoplasma zukommt, giftfest oder immun. In andern Fällen bedingt die Lösungsmöglichkeit eingeführter Gifte in den Bestandteilen bestimmter Organe die Giftwirkung, es löst sich z. B. das Chloroform besonders leicht in den fettreichen Zellen des Gehirns, lagert sich hier auch bei spärlichem Gehalt des Blutes reichlich ab und betäubt das Gehirn auf diese Weise; so erklärt sich die narkotische Wirkung dieses und ähnlicher Stoffe. Die tödlich wirkende Menge ist bei verschiedenen Giften eine äußerst verschiedene und wechselt auch bei einem G. stark, je nach Art der Einverleibung und der Widerstandskraft des Vergifteten. Bei Oxalsäure beträgt sie 5 g und mehr, bei Arsenik 0,1 g und mehr, bei Akonitin 3 mg, bei dem G. des Starrkrampfes (Tetanus) nur Bruchteile eines Milligramms; 0,0000003 g des letztern Giftes tötet eine Maus. Vgl. Giftfestigkeit. Die Behandlung erstrebt bei akuten Fällen rascheste Entfernung des Giftes. Ist das G. noch im Magen, so kann es durch Ausspülen mit der Sonde entfernt werden; außerdem sucht man durch reichliches Trinken Schweiß- und Harnabscheidung, durch Einläufe und Abführmittel Darmentleerung herbeizuführen. Bei Herzschwäche sind Reizmittel (schwarzer Kaffee, Kampfer, Wein), bei Atmungsstillstand künstliche Atmung erforderlich; vergiftete Wunden sind zu reinigen und zu ätzen, am besten auszubrennen. In manchen Fällen sind Gegenmittel (s. d.) nützlich, aber meist nur, wenn das G. noch im Magen ist. Bei der chronischen Vergiftung ist zunächst die fernere Zufuhr von G. zu verhindern, dann aber sind die entstandenen Krankheiten besonders zu behandeln, z. B. Bleikolik mit Opium, Lähmungen mit Elektrizität etc. Vgl. die betreffenden Artikel: »Arsenik-, Blei-, Phosphorvergiftung, Kriebelkrankheit, Säuferkrankheit, Schlangengift«. Vergiftungen bei Haustieren. Für Menschen giftige Substanzen entfalten im allgemeinen dieselbe Wirkung auch bei den Haustieren, wenn auch manche Tierarten sich gegenüber einzelnen Giften durch besondere Empfindlichkeit oder durch das Gegenteil auszeichnen. Die häufigern Vergiftungen bei den Haustieren haben folgende Ursachen: 1) zwischen den Futterkräutern in größerer Menge gewachsene Giftpflanzen, besonders häufig Herbstzeitlose, Taumelkolch, Fingerhut, Bilsenkraut und Stechapfel, Wasserschierling und gefleckter Schierling, Hahnenfuß und Eisenhut, Schöllkraut, Wolfsmilch, die Gänsesterbe (s. das Verzeichnis der Giftpflanzen, S. 840f.). 2) Futterpflanzen, die nur bisweilen oder in großen Mengen genossen giftig wirken; hierher gehören besonders die Lupinen (s. Lupinose), ferner einige Papilionazeen (s. Lathyrismus), auch die Kornrade (Agrostemma Githago), eine Kleeart (s. Kleekrankheit) und der Buchweizen (s. Buchweizenausschlag). 3) Teile von Bäumen und Sträuchern, die von den Haustieren im Freien gelegentlich aufgenommen werden; besonders gefährlich ist Taxus baccata, Oleanderblätter, Juniperus Sabina, Daphne, Atropa Belladonna, Cytisus Laburnum. Die Bucheckern, die mit Vorteil zur Schweinemast verwendet werden, sind für Pferde und Esel in kleinen Mengen tödlich. 4) Durch Verfälschung giftig gemachte Futtermittel, besonders gefälschte Futterkuchen, die Senföl und Rizinussamen enthalten. 5) Bei der Aufbewahrung verdorbenes Futter, auf dem sich giftige Pilze entwickelt haben, oder aus dessen Bestandteilen sich bei der Zersetzung organische Gifte bilden (oft beides zugleich). Die Schimmelpilzvergiftung durch angeschimmeltes Futter (Heu, Hafer, Mais. Futterkuchen, Kartoffeln, Brot) ist mit die häufigste Vergiftung bei Haustieren. Ferner sind zu nennen angefaulte Kartoffeln, beim Seetransport verdorbenes Baumwollsamenmehl, Heringslake, die häufig mit Küchenabfällen an Schweine verfüttert wird und zersetzte organische Substanzen von schärfster Giftwirkung enthält. 6) Pilze, die sich auf wachsenden Futterpflanzen angesiedelt haben; Kartoffelpilze (Kartoffelkrankheit); Rost- und Brandpilze (Uredineen und Ustilagineen) des Getreides, von denen der gefährlichste für die Haustiere Tilletia caries (Weizenbrand) ist; Pyrenomyzeten oder Kernpilze, das Mutterkorn, besonders am Roggen. Ebenso können die gewisse spezifische Infektionskrankheiten erzeugenden Spaltpilze, wie z. B. der Milzbrandbazillus, auf Futterpflanzen vegetieren. 7) Durch anorganische Substanzen verunreinigtes Futter; Hüttenrauch, mit gewissen Abflußwässern verunreinigte Bäche, die über die Ufer treten, können auf Futterpflanzen arsenige Säure, Blei, Zink, Kupfer ablagern, deren Genuß bei Haustieren chronische Arsenik-, Blei- etc. Vergiftung erzeugt; die letztere ist in gewissen Gegenden sehr häufig bei Rindern (Symptome: Trägheit, Appetitlosigkeit, beschleunigtes Atmen, Speichelfluß, Zuckungen, Abmagerung, schließlich Anfälle von Tobsucht). 8) Anorganische Substanzen, die zu wirtschaftlichen Zwecken Verwendung finden. Mittel zum Vergiften von Ungeziefer (Arsenik, Phosphor, Strychnin) werden, wenn auf Brot etc. gemischt, häufig von Hunden und Katzen verzehrt. Ablecken bleihaltiger Farben, Verzehren von Körnern und Pflanzen, die mit Kupfervitriol (gegen Ungeziefer) getränkt sind, Verzehrung giftiger Dungmittel, besonders von Salpeter (eventuell mit den Futterpflanzen, falls der Dünger über diese, z. B. Rübenblätter, gestreut ist) bedingen öfters Vergiftungen. Kainitdüngung ist ungefährlich. 9) Vergiftungen durch Arzneimittel, besonders anorganische, infolge zu hoher Dosis, unrichtiger Anwendung oder besonderer Zufälle (wie das Ablecken giftiger Salben etc.). Hierbei spielt die spezielle Empfindlichkeit der Tierart und des Individuums eine große Rolle; so sind Rinder ganz besonders empfindlich gegen Blei, Kupfer und Quecksilber; die bei andern Tieren vorteilhafte und unschuldige Anwendung quecksilberhaltiger Arzneimittel unterbleibt bei Rindern am besten ganz, weil auch bei größter Vorsicht häufig Vergiftung eintritt. Katzen sind äußerst empfindlich gegen Chloroform. Für alle Tiere relativ giftig können viele (namentlich karbolsäurehaltige) Desinfektionsmittel werden, wenn sie andauernd, in großen Mengen oder sehr konzentriert angewendet werden müssen. 10) Autointoxikationen, d. h. Vergiftungen durch im Körper selbst sich bildende Stoffe, s. Hämoglobinämie und Gebärparese. Die Geschichte der Gifte reicht weit hinter das historische Zeitalter zurück. Die griechische Sage macht Hekate zur Erfinderin giftiger Wurzeln und läßt sie ihre Erfahrungen auf ihre Töchter Medea und Kirke übertragen. Waffen vergiftete man schon zu den ältesten Zeiten (s. Pfeilgift). Im Mittelalter waren in Venedig und an andern Orten G. enthaltende Ringe gebräuchlich, mit denen man beim Händedruck dem Opfer Wunden beibrachte. Namentlich waren die Araber eifrige Förderer der Giftkunde, von denen sie zu den medizinischen Schulen des Abendlandes überging. Aber erst in der neuern Zeit erhob sich die Giftkunde als Toxikologie vom Boden roher Empirie zu einer Lehre mit wissenschaftlicher Grundlage. – über Gifthandel s. d. Vgl. Orfila, Lehrbuch der Toxikologie (a. d. Franz. von Krupp, Braunschw. 1853, 2 Bde.); Otto, Anleitung zur Ausmittelung der Gifte (7. Aufl., das. 1896); Husemann, Handbuch der Toxikologie (Berl. 1862–67); Hasselt, Handbuch der Giftlehre (a. d. Holländ. von Henkel, Braunschw. 1862, 2 Bde.); Bandlin, Die Gifte und ihre Gegengifte (Basel 1869–73, 3 Bde.); Hermann, Lehrbuch der experimentellen Toxikologie (Berl. 1874); Böhm, Die Gifte (in Ziemssens »Handbuch der Pathologie«, Leipz. 1879); Hendeß, Allgemeine Giftlehre (2. Abdr., Berl. 1889); Falck, Lehrbuch der praktischen Toxikologie (Stuttg. 1880); Lewin, Lehrbuch der Toxikologie (2. Aufl., Wien 1897); Kobert, Lehrbuch der Intoxikationen (2. Aufl., Stuttg. 1902ff., 2 Bde.) und Kompendium der praktischen Toxikologie (4. Aufl., das. 1903); Loew, Natürliches System der Giftwirkungen (Münch. 1893); Autenrieth, Die Auffindung der Gifte etc. (3. Aufl., Tübing. 1903); Jaksch, Die Vergiftungen (in Nothnagels »Spezieller Pathologie und Therapie«, Bd. 1, Wien 1897); Kunkel, Handbuch der Toxikologie (Jena 1901); Blücher, Gifte und Vergiftungen, sowie die erste Hilfe in Vergiftungsfällen (Leipz. 1899); Firgau, Gifte und starkwirkende Arzneimittel in gerichtlicher, hygienischer, gewerblicher Beziehung (Berl. 1901); Kionka, Grundriß der Toxikologie (Leipz. 1901); Schünemann, Die Pflanzenvergiftungen (2. Aufl., Berl. 1897); vgl. auch Literatur bei Gerichtliche Analyse.
16725 Zeichen · 202 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

Pro Sprachstufe der prominenteste Beleg. Klick auf eine Form öffnet das Wörterbuch.

  1. 8.–11. Jh.
    Altenglisch
    giftst. F. (i), st. N. (i?)

    Köbler Ae. Wörterbuch

    gift , st. F. (i), st. N. (i?) nhd. Gabe, Belohnung, Geschenk, Anteil, Brautgabe, Mitgift, Hochzeit, Heirat Vw.: s. feoh…

  2. 8.–14. Jh.
    Altnordisch
    giftst. F. (i)

    Köbler An. Wörterbuch

    gift , st. F. (i) Hw.: s. gipt

  3. 8.–11. Jh.
    Althochdeutsch
    giftst. f.

    Althochdeutsches Wörterbuch · +2 Parallelbelege

    gift st. f. , mhd. gift, nhd. gift n. m., älter f. ; mnd. gift, gifte, mnl. gifte, gift; afries. ieft, iefte, iefta f.n.…

  4. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    giftstf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +5 Parallelbelege

    gift ( Gr. 2,197. Graff 4,124 ) stf. 1. gabe. wider gift sal man gâbe warten Wernh. v. Elmend. 496,2. das gift. daʒ diu …

  5. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    giftst. F.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +8 Parallelbelege

    gift , st. F. nhd. Gabe, Geschenk, Morgengabe, Mitgift, Vermächtnis, Vergabung, Vergebung, Besetzung einer Kirchenstelle…

  6. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    1. Gift

    Adelung (1793–1801) · +5 Parallelbelege

    1. Die Gift , plur. die -e, eine jede Sache, welche man einem andern gibt, eine Gabe, und in engerer Bedeutung, ein Gesc…

  7. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Gift

    Goethe-Wörterbuch · +1 Parallelbeleg

    1 Gift neutr, 1/7 der etwa 115 Belege erkennbar mask (dies vereinzelt in vorital Zeit, später bevorzugt mit historisiere…

  8. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Gift

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +1 Parallelbeleg

    Gift , nennt man alle sowohl organ. als unorgan. Stoffe, welche schon in verhältnißmäßig geringer Quantität eine schnell…

  9. modern
    Dialekt
    Gift

    Elsässisches Wb. · +8 Parallelbelege

    Gift [Kìft, Keft allg. ] 1. n. ( Hf. Wh. ) Gift. Bildl. eim G. gë be n, rede n verletzend sprechen; G. bekumme n zornig …

  10. Spezial
    Gift

    Deutsch-Ladinisch (Mischí)

    Gift n. (-[e]s,-e) 1 tosser (-i) m. 2 ‹ant› aunëi (-s) m. ▬ Gift und Galle speien ‹fig› (sehr wütend sein) spodé fe y to…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit gift

850 Bildungen · 738 Erstglied · 96 Zweitglied · 16 Ableitungen

gift‑ als Erstglied (30 von 738)

gift(e)leⁿ

Idiotikon

gift(e)leⁿ Band 2, Spalte 136 gift(e)leⁿ 2,136

Giftapfel

SHW

Gift-apfel Band 2, Spalte 1357-1358

Giftblase

SHW

Gift-blase Band 2, Spalte 1357-1358

Giftblatt

SHW

Gift-blatt Band 2, Spalte 1357-1358

Giftblume

SHW

Gift-blume Band 2, Spalte 1357-1358

Giftbrühe

SHW

Gift-brühe Band 2, Spalte 1357-1358

giftgrün

SHW

gift-grün Band 2, Spalte 1359-1360

Gifthafen

SHW

Gift-hafen Band 2, Spalte 1359-1360

Giftheft

SHW

Gift-heft Band 2, Spalte 1359-1360

Gifthorn

SHW

Gift-horn Band 2, Spalte 1359-1360

Gifthütte

SHW

Gift-hütte Band 2, Spalte 1359-1360

Giftkorn

SHW

Gift-korn Band 2, Spalte 1359-1360

Giftkraut

SHW

Gift-kraut Band 2, Spalte 1359-1360

Giftkrott

SHW

Gift-krott Band 2, Spalte 1359-1360

Giftlattich

SHW

Gift-lattich Band 2, Spalte 1359-1360

Giftmaul

SHW

Gift-maul Band 2, Spalte 1359-1360

Giftmichel

SHW

Gift-michel Band 2, Spalte 1359-1360

Giftmischer

SHW

Gift-mischer Band 2, Spalte 1359-1360

Giftmücke

SHW

Gift-mücke Band 2, Spalte 1359-1360

Giftnickel

SHW

Gift-nickel Band 2, Spalte 1359-1360

Giftnudel

SHW

Gift-nudel Band 2, Spalte 1359-1360

Giftpiddel

SHW

Gift-piddel Band 2, Spalte 1359-1360

Giftpoche

SHW

Gift-poche Band 2, Spalte 1359-1360

Giftsack

SHW

Gift-sack Band 2, Spalte 1359-1360

giftsauer

SHW

gift-sauer Band 2, Spalte 1359-1360

gift als Zweitglied (30 von 96)

Mitgift

RDWB1

Mitgift f Braut ohne Mitgift - см. RDWB1 Braut

abgift

DWB

abgift , f. donum, exactio, verhält sich, der form nach, zu abgabe wie gift zu gabe, und gilt zumal bei gerichten: der staat duldete es nich…

adderengift

KöblerMnd

adder·en·gift

adderengift , F. nhd. Natterngift Hw.: s. adderenvörgift E.: s. adder (2), gift W.: s. nhd. Ottergift, Otterngift, F., Otterngift, Ottergift…

adderenvörgift

KöblerMnd

adderenvörgift , F. nhd. Natterngift Hw.: s. adderengift E.: s. adder (2), vörgift (2) L.: MndHwb 1, 12 (adder[e]nvorgift)

anagift

AWB

ana·gift

anagift st. f. — Graff IV, 125. ana-gifti: dat. sg. O 2,1,7. das Hervorbringen, Entstehenlassen, der Anbeginn: êr alleru a. theru druhtines …

angift

DWB

ang·ift

angift , f. arrha, was angabe, angeld. schon ahd. ein anagift, aber in allgemeinem sinn, wie es scheint, für principium ( Graff 4, 125 ).

antgift

MWB

ant·gift

antgift stF. ‘Gegenmittel’, mit dem man einen Zauber brechen kann: alle, die da gelauben an antgift, aniganch [...] und an ander ding Jeline…

aufgift

DWB

auf·gift

aufgift , f. traditio: über liegend gut aufgift und wehrschaft thun. Frankf. ref. II. 3, 6. 7. 12. 14. nach Haltaus 58 resignatio. vgl. aufg…

Ausgift

DRW

aus·gift

Ausgift nd. utgift; mnl. auch m. I Herausgabe umme de utgifft unde de betalinge des goldes 1427 OstfriesUB. I 317 Faksimile II Ausgabe, Unko…

begift

MWB

beg·ift

begift stF. ‘Gift, Verderben bringende Gabe’ pfi dich! waz din [der Welt] lon hie git / swær und hertzen laiden! / under dinen claiden / beg…

brūtgift

KöblerMhd

brūt·gift

brūtgift , st. F. nhd. „Brautgift“, Brautgabe, Mitgift Hw.: vgl. mnd. brūtgift E.: s. brūt, gift W.: nhd. DW- L.: Lexer 27c (brūtgift), DRW

Chor(n)gift

Idiotikon

Chor(n)gift Band 2, Spalte 135 Chor(n)gift 2,135

Chüegift

Idiotikon

Chüegift Band 2, Spalte 135 Chüegift 2,135

dīkgift

KöblerMnd

dīk·gift

dīkgift , F. nhd. Deichabgabe, Deichpflichtleistung E.: s. dīk, gift (1) L.: MndHwb 1, 426 (dîkgift)

eitergift

DWB

eiter·gift

eitergift , n. aconitum, giftkraut. Oberlin 299 . im voc. rerum ed. Wackernagel steht eitergift für virus.

erbgift

DWB

erb·gift

erbgift , f. was erbgabe. Frisch 1, 229 c . 349 b .

erfgift

MNWB

erf·gift

erfgift , f. , feste, dauernde, erbliche Schenkung.

ervegift

KöblerMnd

erve·gift

ervegift , F. nhd. „Erbgift“, erbliche dauernde Gabe, feste Schenkung, erbliche Schenkung E.: s. erve (1), gift W.: s. nhd. (ält.) Erbgift, …

feohgift

KöblerAe

feohgift , st. F. (i), st. N. (i?) nhd. Schenkung eines Schatzes, wertvolles Geschenk E.: s. feoh, gift L.: Hall/Meritt 115a, Lehnert 74a

firgift

AWB

fir·gift

fir- gift st. f. , mhd. vergift st. f. n. m., nhd. vergift f. n. ; mnd. vorgift, mnl. vergift; got. fragifts. — Graff IV, 125. fir-gift-: da…

frumagift

AWB

fruma·gift

frumagift st. f. ; vgl. ae. frumgifu; an. frumgjöf. — Graff IV, 126. frumi-kift: acc. sg. Gl 1,287,51 ( Jb-Rd ); frume- gifte: acc. pl. Np 1…

gegengift

DWB

gegen·gift

gegengift , n. m. antidotum, alexipharmacum Stieler 651 , arzenei die gegen genommenes gift wirkt. gern bildlich: die treflichen poeten, die…

Ableitungen von gift (16 von 16)

begift

MWB

begift stF. ‘Gift, Verderben bringende Gabe’ pfi dich! waz din [der Welt] lon hie git / swær und hertzen laiden! / under dinen claiden / beg…

begifte

BMZ

begifte swv. begabe. Haltaus 116.

begiften

DWB

begiften , dotare, donare, begaben, nnl. begiftigen: drumb hat gott ... disz herlich neuw edict reichlich begiftet und gespickt, mit brief u…

begiftung

DWB

begiftung , f. : auf das aber auf der churfürsten erlangete kaiserliche begiftunge an dem entfang der lande kein abbruch geschehe. Micrälius…

entgiften

DWB

entgiften , veneno privare, venenum adimere, nnl. ontgiftigen: der blitz, welcher die giftigen thiere entgiftet. Lohenst. Arm. 1, 620 ; die …

Entgiftung

LDWB2

Ent|gif|tung f. (-,-en) dejintossiamënt (-nc) m.

ergiften

DWB

ergiften , acerbissime irasci, in gift und galle gerathen: welcher sich sowol als der cantor dergestalt ergiftet hatte, dasz er kein glied s…

gifte

BMZ

gifte ( Gr. 2,196 ) stf. — die gifte venena N. Boeth. vgl. Graff 4, 125. — 1. gabe. daʒ was ein sælec gifte livl. 500. er sante ze Littowen …

ungift

DWB

ungift , n. , gth. von gift: das gifft von dem ungifft zu separiren Basilius Valentinus chymische schr. 1, 360 ( Lange 1677 ). unüblich. —

ungifte

KöblerMnd

ungifte , F. Vw.: s. ungicht*

urgift

DWB

urgift , f. , ahd. urgift reditus, restitutio Graff 4, 125 zu argeban (ur- A 1); mhd. urgift Lexer 2, 2004 . rechtssprachlich Haym 1288 . vi…

vergift

DWB

vergift , f. n. gift, mhd. vergift, ahd. firgift, goth. fragifts, zusammensetzung mit dem einfachen gift, hat einen diesem und dem zeitwort …

vergifte

Lexer

ver-gifte , ver-gift stf. vergiftung, toxicatio Dfg. 590 b . Schm. Fr. 1,876. daʒ sü an der vergift schuldig wêrent Chr. 8. 127,17 ;

vergiften

DWB

vergiften , verb. gift beibringen, mhd. vergiften, ahd. fargiftjan, zusammensetzung mit dem einfachen giften, welches schenken und vergiften…

vergiftlich

KöblerMhd

vergiftlich , Adj. nhd. vergiftet, giftig, vergiftend Hw.: vgl. mnd. vörgiftlīk Q.: Tauler (vor 1350) (FB vergiftlich) E.: s. vergiften W.: …

vergiftung

DWB

vergiftung , f. substantivbildung zu vergiften, dessen verschiedene bedeutungen es theilt, zunächst jene ältere ( die hingabe, abtretung ): …