gegend,
f. franz. contrée, it. contrada (
s. I, 5). II.
Form, bildung, nebenformen. I@11) I@1@aa)
in reiner form hochd. gegende regio (
neben gegene) Graff 4, 142,
nur ein paarmal und nur aus dem 12.
jh.; auch mhd. selten, aber wol häufiger als die wbb. zeigen: in der gegende wîte. Wernher
Mar. 3466
Feif. (gegene 4071); dô wart ein michel mære in die gegende getragen, er künde vil wol wâr sagen. Stricker
kl. ged. 7, 47 (
hss. gegent).
auch mhd. aber schon gegent (Lexer 1, 780),
z. b.: daʒ mære dô snellîch erschal in der gegent über al. Lichtenst. 542, 16. I@1@bb)
auch im alten md. nicht häufig: dâ lît bî des meres strant ein gegende heiʒet Kurlant.
livl. chr. 351
Pf.; dô quam der heiden her ûf eine gegende gerant, Slackenkappen ist si genant. 9479,
in erster stelle mit var. daʒ heist (15.
jh.),
als gienge daʒ
auf gegende;
vergl. das n. in dem böhmischen ins geinde
entgegen sp. 2202
m., es wäre wol zu begreifen aus einflusz der form gegenôte (
s. 2),
da bei dieser bildung f. und n. wechseln (
vgl. unter kleinod I,
b).
Öfter md. geinde (Lexer 1, 780),
was doch jenes mit bezeugt, d. h. wie gein
für gegen (
sp. 2195),
während ein md. keinde
o. ähnl. neben dem da beliebten kein (
sp. 2198)
nicht bezeugt ist, weil dabei kein ent- (en-)
abfallen konnte. I@1@cc)
noch im 15.
auch voll gegende,
ora, regio, territorium voc. 1482 k 5
a,
auch bequemer gegede
contrada, contractus k iij
a,
nach art der part. praes. im oberd.; aber im voc. inc. teut. gegent
districtus, plaga h 4
a,
wie bair.: von dieser gegent und lant.
deutsche chron. II, 383, 39.
noch jetzt siegerl. begähnde
f., dem geinde
unter b entsprechend, doch mit be-
wie nrh. 16.
jahrh. begegenheit
gegend (
s. gegenheit)
nach begegen
gleich gegen. I@22)
daneben ein volleres gegenôte. I@2@aa)
nicht hd., aber am Mittelrhein, schon um 1100: giegenode,
territorium. Nyerup
symb. 311, Schm. 2, 21 (
mit gi-
für gj-,
wie nrh. gieven
für geven
sp. 1108); in der gegenôte stûnt eine burg gûte.
Alex. 5360
W. und überhaupt md., bis in den osten, z. b.: ein gût bischof nam des war der gegenôte ...
pass. K. 355, 55; der der gegenôte houbtman zû den zîten was. Jeroschin 70
a; binnen den zwên gegenôten. 159
b.
noch im 15.
jahrh.: municipium, creis
vel lant
vel gegenote.
Bresl. hs. voc. (
vgl. u. II, 1,
c).
und ebenso nd. nl. jegenôde,
s. Sch.
u. L. 2, 405
b, Oudemans 3, 262,
z. b.: in der yegenode darumme (
umgegend).
Göttinger urk. 2,
nr. 48; unde vordreven heren Wilhelm ut Ludick unde ut der ganzen jegenoden.
Lüb. chr. 2, 420.
auch jeghenade Homeyers
Ssp. II, 1, 417
var. I@2@bb)
md. wieder auch geinôte, gênôte,
wie gein, gên
für gegen,
z. b.: der geinôte ist doch gnûk .. die sunderlich recht wollen haben, alsô Holzsêʒen (
Holstein) und Sturmêre.
Sachsenspiegel III, 64, 3
Leipz. hs., nd. bei Homeyer jegenôde (
var. jegende), geinôte
schon bei Pilatus 344; eʒ was ein ritterlîcher man geseʒʒen verre sô hin dan von dirre gênôte (: nôte).
pass. H. 389, 69.
auch jênôte, wie jegen, jên
für gegen
sp. 2196
fg.: wo (
für swâ) her gesessen were, in welchir yenote adir dorfe.
Magd. frag. s. 129.
auffallend ist dasz sich keine spur von umlaut zeigt, da -ôte
doch wol -ôti
hinter sich haben musz; vgl. kleinod I,
c. I@2@cc)
auch gegenôt,
entweder gekürzt wie gegent 1,
a aus gegende
oder auch nicht (
vgl. unter kleinod): daʒ dritte teil hin kêrte zum Calmin in di gegenôt (: nôt). Jeroschin 100
a;
selbst im pl.: und sante si .. in alle stete und gegenôt, war her kunftic was (
kommen wollte).
Beheims ev. Luc. 10, 1,
vulg. vicos.
anderseits mit kürzung des ô: daʒ si gên in di nêhstin dorfere und gegenet.
Marc. 6, 36,
was sich denn dem oberd. gegent
nähert und doch noch nahe genug bei gegenôt
bleibt. auch nd. jegenet
und jegenede Sch.
u. Lübben 2, 405
b, 37
fg., vergl. gegende 405
a, 18.
auch nah beisammen mit o
und e: wante se ne wisten, war de jegenode was (
von Christi grabe) ... in der selven jegenede.
deutsche chron. II, 122, 26. 30. 32. I@33)
andere nebenformen sind einmal einfacher gegene (
s. d.),
anderseits noch völliger gegenheit (
s. d.).
ob aber gegenôte
und gegend ein und dasselbe sind? wie bei dem md. und nd. gegenet
und jegenet
daran kein zweifel ist, so weist auch bair. gegnet Schm. 2, 21
nicht auf mhd. gegende,
sondern gegenôte,
das doch vielleicht nur zufällig nicht zur niederschrift kam. anderseits kann aber mhd. gegende
nicht daraus gekürzt sein, wie z. b. mhd. heimôte
zwar nhd. als heimet
erscheint, in md. mundarten jetzt auch als heimte (hêmte),
aber nicht mhd. hinter dem gegende
musz ein ahd. geginda,
genauer geginida
liegen, gebildet wie z. b. zierde,
ahd. ziarida,
dem auch beide nebenformen zur seite stehen wie hier, einmal mhd. ziere,
ahd. ziarî (
nhd. zier),
anderseits zierat,
das eigentlich dem gegenôte
entspricht (
vgl.jeghenade 2,
a zuletzt). I@44)
merkwürdig anklingend dän. egn
gegend, gau u. ä., omegn
umgegend, älter schwed., in der bibelübers. engd
f., s. Rydqvist
sv. spr. lagar 3, 295
fg., wonach ein einflusz von gegend,
genauer nd. jegend, jegene
nicht zu bezweifeln ist, zumal nach dem f., aber in vermischung mit altschwed. ägn,
auch ägnd
eigenthum, grundstück, norw. altn. eign
f., altdän. egn Molbech
dansk. gl. 1, 182,
wo doch auch schon aus dem 16.
jh. eghn og landskaff,
in der heutigen bedeutung, belegt ist. etwas ähnliches liegt vielleicht bei uns vor in eygenode
territorium Dief. 580
b aus einem rhein. voc., d. h. iegenode (
s. giegenôde
unter 2,
a)
umgebildet nach eigen;
vgl.gegend als besitzthum unter II, 1,
d. I@55)
gleichgebildet auch bei Romanen ital. contrada,
franz. contrée (
engl. country).
unser gegend
ist so sehr eignes gewächs, dasz jene unserm alten worte bei Langobarden, Franken nachgebildet sein müssen; s. das folgende. IIII.
Begriff, entstehung, gebrauch. II@11) gegende,
wie gegene
und gegenôte, gegenheit
sind begriffliche bildungen zu gegen
oder gagen, gagan:
was mir vor augen steht oder liegt in gewisser weite (
eig. schuszweite)
mit gewissen beziehungen, eigentlich aber diese weite und diese beziehungen selber, also ursprünglich gleich gegenwart;
man sehe die ausführung unter gegen II, 4,
besonders ze gegen
mit gen. gleich ze gegenwart
sp. 2202
m. II@1@aa)
die entstehung aus dem kriegs- und jagdleben wie der genaue ursprüngliche begriff sind glaub ich noch erkennbar aus einem tirol. worte von heute: keine gegent haben,
ganz das ziel verfehlen, irren, keine gegent!
bei weitem nicht Schöpf 182,
eigentlich doch wol nicht treffen, nicht die rechte schuszweite haben, s. unter gegen II, 4,
b a. e. auch andere verwendungen im kriegsleben werden an ununterbrochenem faden in die alte zeit zurückgehen, z. b.: die gegendt zum läger fügsam und bequemlich. Kirchhof
mil. disc. 99; es ist überflüssigem volk (
einem übergroszen heere) gut abbrechen ... leiden oft groszen schaden von wenigen (
gegnern), vorausz an den wassern, brücken und engen gegenden. Avent.
chr. 75
a. II@1@bb)
dicht an das ursprüngliche schlieszt sich auch der begriff sehbereich an, aus dem sich alles weitere entwickelt hat, der uns aber auch heute noch der nächstliegende ist, z. b.: darnach do schifftens an das landt, die gegent was in unbekandt.
lied von herz. Ernst 24 (Haupt 8, 485); hier wo von weiten (
in der ganzen runde) die gegend lacht. S.
Dach 711
Öst.; hier (
auf dem altan des Straszburger münsters) verlor sich alles gespräch in der betrachtung der gegend, alsdann wurde die schärfe der augen geprüft
u. s. w. Göthe 25, 316; wenn man von dem Baschberg die völlig paradiesische gegend überschaute. 319; ich ritt
weiter vor, wo ich .. ob es gleich nacht war, die gegend beurtheilen konnte. 30, 283,
zugleich militärisch, vor dem belagerten Mainz (
das gebildete deutsch sagt da terrain); hatte den birnbaum im auge (
als richtpunkt), den groszen, der auf dem hügel stand, die gränze der felder ... er war in der gegend weit und breit gesehn und berühmt die früchte des baumes. 40, 266; gestern als wir nachts von Apolda zurückritten, war ich vorn allein bei den husaren (
als vorreitern) .. da fiel mirs auf, wie mir die gegend so lieb ist, das land! der Ettersberg! die unbedeutenden hügel!! und mir fuhrs durch die seele
u. s. w. an fr. v. Stein 1, 48,
wo sichs von selbst zugleich erweitert zu dem begriffe unter 2,
a. II@1@cc)
gleichfalls vom ursprung her begreiflich ist die ausweitung des begriffs zu umgegend,
eigentlich was ich um mich herum vor mir habe oder sehe. so besonders die gegend, umgegend
einer stadt (
mhd. gegene,
s. d. I,
b),
eigentlich was man da vor den thoren oder von den mauern aus rings übersehen kann, zugleich die stadt oder burg als beherschender mittelpunkt oder hauptsache gedacht: slosz oder vesten mitten in einer gegende ..
municipium. voc. 1482 ee 1
a (
vgl. unter I, 2,
a); Regensburg liegt gar schö
n. die gegend muszte eine stadt herlocken. Göthe 27, 7; die stadt liegt in einer feinen gegend. Ludwig 711; die gegend oder gelegenheit einer stadt.
das.; die ganze umherliegende gegend,
all the country round about. das.; und so ward er durch die gegend umher ein rath und helfer der siechen. Neubeck
gesundbr. 20.
wie das deutlichere umgegend
entstanden ist, durch abkürzung, ist noch aus jetzigem gebrauch zu sehen, z. b.: und ihre wiesen, dacht ich, und all die gegend um ihr jagdhaus — Göthe
Werther 1775
s. 174 (
der junge G. 3, 342),
wie die gegend um Frankfurt
u. dergl., jetzt lieber die umgegend von Frankfurt,
aber jenes ist noch das volksmäszige, wie im 16.
jh.: von der gegend um Jerusalem her.
Neh. 12, 28;
mnd. in der yegenode darumme Sch.
u. L. 2, 405
b, 29,
vgl. md. unter gegene II, 2,
a. auch so: um diese gegend wird sehr viel safran gebaut.
ungr. Simpl. 167; das gras ist um diese gegend so hoch ... 168,
eigentlich: in dieser gegend umher (
vgl. Kiechel
unter gegene II, 2,
b). II@1@dd)
der begriff nach dieser seite ist recht deutlich in meine gegend,
die ich irgendwie behersche: du hoher schwarzer tannenhain .. du flusz .. nicht euch will ich izt sehen, izt sey das gras um mich her meine gegend, diese bewundernswürdige welt im kleinen .. S. Geszner 3, 142 ('die gegend im grase'),
zugleich zu 2,
e. einst auch von wirklichem beherschen, gleich ländel
im folg.: der selb ritter hiet ein läntel nahent an dem lant der Römer, daʒ der (
deren) gepieter gern gehabt hiet .. und redt mit im und sprach: ge und gewinn mir ein swarz ros
u. s. w. tuost du des nicht, so hast du dein gegend verlorn.
gesta Rom. 80,
c. 53 (
nicht landgut wie im mhd. wb.);
vergl. regio, territorium unter I, 1,
c. 2,
a, auch die vermischung unter I, 4.
auch die heimat heiszt meine gegend (heimatliche gegend),
z. b. ich kenne ihn, er ist aus meiner gegend; in unserer gegend ists nicht so beschaffen,
about us. Ludwig 711;
so schon in alter zeit, wie auch altfranz. ma contrée,
z. b.: und dô ich (
ein pilger) wider wande mich kegn mîner gegenôt. Jeroschin 8205; si fuoren in ir gegene .. heim wider in ir lant. Wernh.
Maria 4071
Feif. II@1@ee)
scharf unterschieden von diesem begriff der umgegend oder gegend um mich ist der einer richtung, von mir aus bestimmt, der aber gleichfalls unmittelbar aus dem ursprung flieszt, ihm selbst näher steht (
vgl. besonders das norw. gjegne
unter gegen II, 4,
a a. e.).
man fragt noch z. b. von einem aussichtspunkte aus, in welcher gegend
der und der ort liegt, nach welcher gegend
man zu gehen habe, wie es heiszt der ort liegt gegen den berg hin, gegen osten (
vgl. sp. 2211); er (
der Donnersberg) leitet das auge nach der gegend, woher die Nahe flieszt. Göthe 43, 297;
die ganze gegend
wird also wieder nach gegenden
eingetheilt, wie sie eben wieder der blick ermiszt. Daher fragt man, aus welcher gegend der wind kommt (
himmelsgegend, s. nachher), nach allen gegenden
u. ä.: der herzog war wenige stunden in der stadt, als sich seine begleiter, gleich losgelassenen spürhunden, nach allen gegenden zerstreuten. Schiller VII, 314, 8,
vergl. mnd. in allen enden und gegenen, in de veer jegene der werlt Korner 23
a (Sch.
u. L. 2, 405
a),
s. Maaler
unter gegene II, 3,
noch jetzt aus allen vier weltgegenden, nach allen vier himmelsgegenden,
nach und an welchen man den gesichtskreis ausmiszt, einen ort auf der erde wie von oben bestimmt u. a.: noch lieszen wütrische stürme die rauhe dumpfigte stimm aus Islands gegend ertönen. Kleist
frühl. (1754) 17.
aber auch mit dem begriff 2,
b, an den himmel versetzt: gegend des himmels,
plaga, positio, regio caeli, unter einer gegend des himmels,
sub eodem climate. Aler 864
a; in welcher umwölkten gegend des himmels Sirius strahlt und Arktur. Neubeck
gesundbr. 19. II@22)
der begriff gesichtskreis erweitert zu gedankenkreis, d. i. was ich vom lande in gedanken übersehe oder zusammenfasse. II@2@aa)
der übergang liegt z. b. nahe in der briefstelle Göthes 1,
b a. e.: die vom Ettersberge u. s. w. begränzte gegend
die er übersieht, in der vorstellung erweitert zu dem ländchen Weimar überhaupt, daher der zusatz das land.
aber eben auch gegend
selber so; z. b. als wir in die gegend von Wien kamen,
eigentlich den gesichtskreis, wie ihn der Stephansthurm bestimmt, kann doch auch bedeuten: in den bereich, wo Wien als mittelpunkt die gedanken und das leben beherscht (
vgl. ebenso gegen Wien
sp. 2211).
was von land und leuten als éin ganzes gedacht wird, gewöhnlich kreisförmig (
wie ein aussichtskreis),
heiszt eine gegend,
z. b.: er hatte diesen kleinen ort (
Niederbrunn) dem grafen von Leiningen .. abgekauft, um in der gegend bedeutende eisenwerke einzurichten. Göthe 25, 331; frau Fama gehet vor und bläst des helden (
Gust. Adolf) sachen, die thaten, die für sich ihn herrlich können machen, in ganzer gegend aus. Fleming 139 (
L. 45).
auch das schon mhd., s. unter I, 1,
a in der gegende wîte (
wo der zusatz den begriff ausweiten hilft),
ein märe wird in die gegende getragen.
eine gegend
hat ihre eigenen gewohnheiten: von welcherlei notturft man arbeiten müg am veiertag oder wie vil, das steet .. an der gewonheit der gegent und frommer lewt. Geffken
bilderkatech. 2, 118.
natürlich auch von den leuten besonders, wie land
u. a.: und des festlichen tags, an dem die gegend im jubel trauben lieset und tritt. Göthe 40, 265 (
Herm. u. D. 4). II@2@bb)
daher im unterschied von land,
als ein theil vom lande,
das als aus gegenden
bestehend gedacht wird, also fast wie gau (
vergl. districtus unter I, 1,
c und dän. egn I, 5),
aber so dasz der begriff dem politischen fern bleibt (
doch s. u. gegene II, 2,
b),
sich nur nach den bedingungen des lebens bestimmt (
vgl. c): und so fortan bis uf 1 ehln des reinesten duech (
leinwand), daran 9 gebund sind .. reiner duech machen die leineweber in dieser
gegend lands nicht.
Pfälzer leinweberordnung 1571, Mones
zeitschr. 9, 180; o edler ritter mein, wer dir müglich in Britannien zu sehen und kein gegendt darinn (
dir) verborgen.
Galmy 282.
daher im plur.: die menner aus den gegenten.
Neh. 3, 22; drüben am ufer (
des Rheins) her sieht man scharen ziehen, wagen fahren, schiffe aus den oberen gegenden landen daselbst. Göthe 43, 259; die famose krankheit überfällt auch unversehends in diesen gegenden viele menschen.
an frau v. Stein 2, 204,
aus Koburg; du wirst diese gegenden und meine hütte bald verlassen. Geszner 4, 55; in den Elbgegenden, Rheingegenden,
wie sing. in der Wesergegend,
meist in der bestimmten nächsten vom sprecher aus; die ganze gegend am Jordan.
1 Mos. 13, 10.
auch von städten
und ländern
unterschieden: ir habt vor verstanden und vernomen die land, stett und gegent (
pl.), dorinn ich in der heidenschaft gewesen bin. Schiltberger 157,
vgl. gegine und stete
unter gegene 1;
von städten
und bergen: wir blieben und reizten einander wechselsweise, städte, berge und gegenden, bald mit bloszem auge, bald mit dem teleskop, zu entdecken. Göthe 16, 237.
auch als welttheile: so viel gegenden der welt sind,
orae partesque terrarum. Steinbach 1, 579; in allen zonen und gegenden. Göthe 49, 134.
vgl. im 16.
jh. gegene II, 2,
a von Germanien, Schlesien, als theilen ihres ganzen, doch zugleich nach c. II@2@cc)
bestimmt wird die gegend
besonders durch ihre eigenart in natur und leben: ich habe zu eingang dieses abschnittes gesagt, dasz das clima und die landesgegend zu dem charakter der nationen etwas merkliches beitragen. Bodmer
poet. gem. 447,
er spricht aber dort von weltgegenden: die ungleiche beschaffenheit der weltgegenden
s. 436,
d. h. er schlieszt dort das clima
mit ein, das er hier besonders nennt (
s. u. 1
a. e. clima
als gegend des himmels); der preis der ersten ausgabe war ein preis, welcher die reichere gegend, wo sie besorgt worden, zu verrathen schien. Lessing 4, 101. eine fruchtbare gegend, eine korngegend, weingegend,
wo korn, wein gedeihen, sandgegend, ärmliche, dürftige, wüste gegend.
auch berg-
oder gebirgsgegend, küsten-
oder seegegend
u. a. II@2@dd)
alt ist schöne gegend,
nur anfangs anders als für uns jetzt; z. b. wenn bei Herbort
Priamus über das verwüstete Troja klagt: owê schône geine (
s. gegene), owê burg reine, daʒ dâ wassen sol daʒ gras.
troj. kr. 1737,
so ist das gewiss nicht anders gemeint, als folgendes: ene schone jegene van holte, watere unde weide. Korner
chr. 25
c (Sch.
u. L. 2, 405
a); und daselbs herumb ain schöne gegent von traid und weingewechs antroffen. Ernstinger 170,
was denn im volke noch jetzt so heiszt, auch eine schöne holzgegend
u. ähnl. für den gebildeten aber musz seit dem 18.
jahrh. eine schöne gegend
einen mehr empfindsamen genusz schöner natur bieten, was denn selbst wilde gegenden leisten können und wo menschenfleisz wol stören kann: da er (
der gartenkünstler) blosz die natur in schönen gegenden nachahmen soll (
nach der regel des Batteux), wo selten etwas gerades oder vollkommen ebenes ist .. Sulzer
theorie d. sch. k. (1792) 2, 298
b,
vgl. dens. unter e; du bist das liebste womit ich (
mir) alle schöne gegenden ziere. Göthe
an frau v. Stein 2, 343;
Mondecar. sie sollten so ungern von Aranjuez sich trennen?
königin. von dieser schönen gegend wenigstens. Schiller
Carlos 1, 3; reizende gegenden. Abbt 2, 52. II@2@ee)
daher gegend
überhaupt mit dem auge des gemüts- oder kunstgenusses angesehen: der mahlerische lenz kann nichts so sinnreich bilden, als jene gegenden von hainen und gefilden
u. s. w. Hagedorn 3, 86 (
der frühling); was für ein sanftes entzüken flieszt aus dir izt mir zu, herbstliche gegend! Geszner 3, 94 (
vgl. dens. unter 1,
d); die scene stellt eine einsame gegend mit gesträuch und bäumen vor. 4, 5; der anblick der schönen natur reiszet oft die seele so ganz in sich und spannet so ganz alle andere gedanken ab ... in jeder landgegend von gefälligem anblick neigt sich alles in uns zu sanften empfindungen. Zimmermann
eins. 4, 4; auszerordentlich wilde gegenden, wüsten, gebirge, wasserfälle sind rührend (
in der künstlerischen schilderung), aber nur so fern sie bekannte ideen wecken, die uns schon beiwohnen. Herder
kr. w. 2, 109; man arbeitet (
in dem salon) blumen aus federn und stroh .. schneidet alpengegenden aus postpapier. Sturz 1, 105 (12.
brief aus Paris); jede gegend ist einsam, aber bei diesem allgemeinen charakter kann eine grosze verschiedenheit des empfindsamen statt haben. Sulzer
th. 2, 331
b,
von gegend
und landschaft
in der malerei. dazu denn und zu d ein spöttisches scherzwort, von einer flachen und eintönigen gegend, wol aus Berlin: da sieht man lauter gegend, nichts als gegend,
sieht viel und weit, eigentlich aber nichts; das bleibt denn zugleich noch beim ursprünglichen begriffe. II@2@ff)
bemerkenswert im 16. 17.
jh. genitivisch dér gegend,
in der gegend: zu Saltzingen, Waltershausen und derselben gegenden. Alberus
wider Witzeln G 2
a; als nun dieses wilde thier (
der betrunkene) der gegend kam, wurden sie alle im gemüth verwirret. Olearius
pers. baumg. 4, 6,
also selbst für in die gegend, wie nordd. komm hier
für hierher (
s.kommen II, 3,
c).
ebenso früher dés ortes,
und jetzt noch dér zeit,
gegenwärtig. II@33)
der begriff nach andrer seite erweitert. II@3@aa)
dem vorigen begriff entsprechend und doch zugleich anders: dann erreichten wir die mittlere gegend des Aetna, welche auch die waldige genannt wird. Fr. Stolberg
reise in Deutschl. u. s. w. 4, 244; bald begann nun die hohe unfruchtbare gegend. 246;
jetzt wäre da region
der ausdruck, wie im folg.: jene (
eisgebirge des Berner oberlandes) sind wie eine heilige reihe von jungfrauen, die der geist des himmels in unzugänglichen gegenden ... für sich allein in ewiger reinheit aufbewahrt. Göthe 16, 237.
auch so: die menschliche seele ... die vormalige bewohnerin seliger gegenden (
nach Plato). Herder IV, 205.
s. auch geistig unter c. II@3@bb)
überhaupt wird es nach 2,
b manigfach angewandt, um von irgend einem räumlichen ganzen ein theilgebiet ungefähr zu bestimmen, z. b. es wird gefragt, in welcher gegend der stadt
einer wohne, er wohnt in der gegend des neuen brunnens
u. ä., die gegend
als ungefährer kreis um den brunnen gedacht, d. h. noch immer im kreise des alten begriffes; vgl. unter gegene II, 2,
b Maaler,
schon spät mhd. ähnlich: mahte eine cappelle .. in der wiltnisse bi der Yllen bi Strosburg, do nu sant Arbogast closter ist, und wonete dicke do in sinre andaht, wan es gar eine heimeliche gegene was.
Straszb. chr. 746, 18.
so im walde, wenn man etwas verloren hat: es musz in der gegend dieses baumes liegen.
selbst im hause, im zimmer: die gegend, wo es sich finden musz, weisz ich.
und so selbst bis ins kleinste. auch in büchern: in der gegend der schriften des englischen lehrers (
philosophen), wo ich diese vergleichung zu suchen ursache hatte .. suchte ich sie vergebens. Kästner
verm. schr. 2, 11 (1772).
s. weiter e. II@3@cc)
auch geistig, und im gröszten: wer seine reisen bis in diese neuentdeckten gegenden der heutigen philosophie erstrecken will. Bodmer
poet. gem. 19,
die philosophie als ein land oder welttheil gedacht, heute wäre auch hier region
das beliebte, oder gebiet,
wie im folgenden meistens; man hat es längstens angemerkt, dasz der übergang von einem besondern falle zu einem andern durch die gegend des allgemeinen geschehe. Abbt 1, 5,
oder auch gebiet; ich will es nicht läugnen, dasz mir diese ganze gegend helle zu werden scheint und mir eben dadurch die hofnung des richtigen weges verschaffet. 4, 86,
von ganz abstract metaphysischer untersuchung; man beschwerte sich, dasz diese gegend des deutschen witzes (
gute briefe) noch am wenigsten angebaut oder doch nur hin und wieder von pedanten .. bewohnt sei. Rabener (1755) 3, 3; anmerkungen über misverstandene, folglich scharfbestrittene gegenden der kunstgeschichte. Herder
plastik 117; wir wollen uns hüten, dasz wir nie in diese gegend der hyperkritik des gesunden verstandes gerathen, wo man ohne materialien bauet
u. s. w. gott 166; der kreis, den die menschheit auszulaufen hat, ist bestimmt genug ... will man ihr auch eine spiralbewegung zuschreiben, so kehrt sie doch immer wieder in jene gegend, wo sie schon einmal durchgegangen. Göthe 53, 4,
wie ein himmelskörper auf seiner bahn; die neuentstandene kunst (
in Florenz), die sich an religion festhielt, verweilte in den höheren gegenden, in denen sie allein gedeiht. 35, 340,
was wir uns nun durch regionen
übersetzen müssen. II@3@dd) gegend der seele,
wie in unserm seelenraume: ich kann (
vor liebe) gar nicht mehr zu meinen eigenen gedanken kommen. sie verbergen sich in die entlegenste gegend von meiner seele. Julchen denkt und sinnt und redt in mir. Gellert
lustsp. 1748
s. 43 (
zärtliche schw. 2, 3); wir sind gleichsam thierartige geister. unsere sinnlichen kräfte scheinen, wenn ich so sagen darf, in masse und raum genommen, eine gröszere gegend unsrer seele auszufüllen, als die wenigen obern. Herder IV, 27; nach der präcision, mit welcher Baumgarten diese gegend der seele (
der sogenannten untern kräfte) bestimmt hat.
lebensb. I, 3
1, 332; wenn einmal die jahre alle elysische felder, die ganze gegend unserer freude tief überschneit haben. J. Paul
uns. loge 3, 91. II@3@ee) gegend des gehirns
u. ä.: dasz diese fähigkeiten nicht örtlich von einander getrennt sein können, als ob in dieser gegend des gehirns der verstand, in jener das gedächtnis .. wohnen. Herder
ideen 1, 197.
auch sonst in und am körper: ein stechen in der gegend der nieren fühlen, in der nierengegend, nabelgegend, schamgegend, herzgegend, milzgegend
u. s. w.; eine wunde in der gegend des ohres,
immer noch als ungefähre bestimmung eines gebietes.