fegen ,
purgare, mundare, rein oder schön reiben, wie purgare
zu purus, mundare
zu mundus, scheuern =
goth. skeirjan
zu skeirs,
gehörig zum goth. fagrs
aptus, ahd. fagar
pulcher, ags. fäger,
engl. fair,
und nah verwandt mit fügen
aptare, ahd. fuogan,
mhd. vüegen,
also ein fagan fuoc
voraussetzend, das wiederum auf älteres fëhan fah fâhun =
goth. faihan fah fêhun
zurückgeht. mehr hiervon und ob es sich auch mit fahan faifah,
ahd. fâhan fienc
berühren könne, unter fü
gen. weder goth. fagjan fagida,
noch ahd. fegan, fegita
begegnen, dürfen aber gemuthmaszt werden. altn. fægja fægði
mit langem vocal würde gothischem fêhjan
entsprechen und lautet schw. feia,
dän. feie.
mhd. vegen,
mit dem e
laut von legen, regen (
movere), wegen (
commovere),
nhd. fegen,
wie legen, regen, bewegen,
wenn gleich Maaler
und Frisius fägen
schreiben; vocab. ex quo (
Eltvil 1469)
gibt feigen,
eruderare, rudera ejicere und uszfeigen,
wie auch Alberus im
barfüszer Eulenspiegel 264 feigfewr
neben fegfewer
darbietet und wie sich feige
in ohrfeige
erhielt. selbst dies ei
zeugt für e (
gramm. 1, 107. 185)
und gegen ë. 11) schwert und waffen fegen,
polire ensem, arma (
fr. fourbir,
mhd. fürben):
mhd. dër mordere ructe ein swërt impor wol geveget unde scharf.
pass. H. 366, 88; si hieʒen ir îsengwant vegen unde riemen.
Er. 2409; si hieʒen die halspërge schœne machen unde vegen ( : rëgen).
Eracl. 4481; wol gestælet ir swërt, geveget ir halsbërge. Herbort 8701.
nhd. do koufe den hengst, dort beslach das pfert, do vege den harnsch, do vege das swert.
namenbuchl. s. 126; herr Eisengrein, wie far ir so? ich ker mich nit an eur dro, ja ich trag auch ain gneiten hie an meiner seiten, den wil ich lassen fegen und hat mirn der regen und der wint verderbt. ich sich dört ain maister stan, den wil ich mirs vegen lan.
fastn. 426, 26; 'mein swert ist mir verrost. was mich das gen euch kost, das solt ir mir vegen, das lon will ich euch gern geben'. 427, 8; das schwert ist gescherft und gefegt, es ist gescherft, das es schlachten sol, es ist gefegt, das es blinken sol.
Ez. 21, 9. 10; aber er hat ein schwert zu fegen geben, das man es fassen sol, es ist gescherft und gefegt, das mans dem todschleger in die hand gebe. 21, 11; einem den harnisch, panzer fegen
hiesz auch figürlich ihn übel mitnehmen, ihn abstrafen, ihm den buckel fegen: ich wil den harnisch dir basz fegen. H. Sachs I, 224
a; so müst man dir den harnisch fegen. I, 230
a; im ward der harnisch wol gefegt. I, 516
a; wir wolten dir dein golter fegen. I, 473
d; das glas das ist mein degen, die kanne mein pistol, die klinge kann ich fegen und hiermit schieszen wol.
ped. schulfuchs 214.
s. schwertfeger. 22) gold fegen,
reinigen: und wil leutern, wie man silber leutert und fegen, wie man gold feget,
vulg. et uram eos sicut uritur argentum et probabo eos sicut probatur aurum.
Zachar. 13, 9. 33) das gehörn fegen: der hirsch schläget oder feget sein gehörn, um solches gegen den august von dem rauhen bast zu reinigen, welches auch von den damhirschen und rehböcken geschiehet. Heppe
wolredender jäger 260; der hirsch so er sein gehörn wieder aufgesetzt und vereckt hat, so schlegt oder feget er den rauhen bast ab. Döbel 1, 8. 44) den magen fegen,
reinigen: ein gläschen rum fegt den magen; wiltu mir volgen, so mustu den magen fegen.
fastn. 62, 1; des musz ich dir dein magen fegen. H. Sachs I, 466
d.
altn. fægja sâr,
mundare vulnera, die wunden säubern, reinigen; das hirn fegen: und hetten mer von nöten der nieswurz, das sie das hirn fegten. Frank
lob der torh. 33
b; wolten ihnen den rücken fegen und nachjagen.
Garg. 265
b,
wie es daselbst auch heiszt einem die flöh abstreichen
und vorhin einem den harnisch fegen. 55) darumb feget den alten sawrteig aus, auf das ir ein newer teig seid (
vulg. expurgate vetus fermentum,
goth. ushraineiþ þata fairnjô beist).
1 Cor. 5, 7; und musz meine hand wider dich keren und deinen schawm aufs lauterst fegen (
vulg. excoquam puram scoriam tuam).
Es. 1, 25. 66) die asche, den staub, den unrath fegen,
tergere, verrere, wischen, kehren: sie sollen auch die aschen vom altar fegen und eine scharlacken decke drüber breiten.
4 Mos. 4, 13; er wird seine tenne fegen und den weizen in seine scheunen samlen (
vulg. et permundabit aream suam,
ahd. inti gisûbirit sîn tenni).
Matth. 3, 12.
Luc. 3, 17 (
vulg. et purgabit aream suam,
goth. gahraineiþ gaþrask sein); beutel und scheune war gefegt und hatten keine ehre eingelegt. Göthe 2, 284; was meint der himmel doch mit so gehäuftem regen? wil von des krieges schmutz befleckte welt er fegen? Logau 2, 6, 13; und es feget den zarten staub ein sträubender borschtwisch. Zachariä 1, 267; das haus, den saal, hof, die gasse, die stube, das zimmer fegen,
kehren, tische, bänke, stühle fegen,
wischen; es ist schon alles gefegt, es ist noch ungefegt; feur machen, unsubre ding als kleider und dergl. reinigen. Keisersberg
selenp. 14
b; da hilft auch kein waschen noch wischen, fegen noch keren. Luther 3, 311
b; das auch gott selbs die ganze welt wil mit fewr fegen und reinigen. 3, 180
a; mancher kehrt und fegt auswendig vorm haus und inwendig läszt ers ungefegt. Lehmann 100; kehre jeder vor seiner eignen thür (
ehe er andere tadelt),
dän. feie for sin egen dör. etliche zur thür hinaus gefeget wurden.
Felsenb. 2, 366. den boden fegen (
von sich selbst)
heiszt auch den boden, den platz räumen, putzen, sich aus dem staub machen. verschiedentlich besteht ein unterschied zwischen kehren, streichen, fegen
und wischen,
staubiges geräth wird gewischt,
nicht gefegt
oder gekehrt (
doch abgekehrt); die stube ist schon gestrichen,
ausgestrichen, gekehrt, ausgekehrt. im Unterelsasz gilt fegen
für trocken kehren, im Sundgau für aufwaschen, mit wasser aufputzen, von zimmern und treppen, und trocken kehren
heiszt wischen. einem die schuhe, stiefel, füsze fegen,
abkehren, abstreichen, abwischen, putzen. ähnlich unterscheiden sich die substantiva feg, wisch
und streich. 77) flüsse, bäche, graben, brunnen fegen,
von schilf reinigen und den schlamm ausheben: item die von Agersheim sollen den Rein fegen bis gein Studernheim, die von Studernheim bis an die eichholzgraben, die von Edikheim sollen heruf fegen bis uf die von Studerheim.
fischereiordn. auf dem Altrhein bei Oggersheim von 1488
in Mones
zeitschr. 4, 88; bronnenfeger, die lieber die fesser fegeten (
leerten). Fischart
groszm. 78.
ebenso kanal, schleuse
und winkel fegen. 88) herd und ofen fegen, rauchfang und schornstein: der töpfer musz mit seinen armen aus dem thon sein gefesz formieren und musz sich zu seinen füszen müde bücken, er musz denken, wie ers fein glasure und frue und spat den ofen fegen.
Sir. 38, 24. 99) feld, haus
und dach fegen: sturm, schnee und regen fegt die flur; ein tosender hagel fegte dächer und fenster; der thauwind kam vom mittagsmeer, er fegte die felder, zerbrach den forst, auf seen und strömen das grundeis borst. Bürger 36
a; das schneedach fegt des sturmes saus. Schmidt von W. 231. 1010) kisten und kasten fegen,
ausräumen, plündern: wie sie (
die landsknechte) den pauren ire kisten fegen.
meisterlieder 23
no 208; auch thust du pawren kisten fegen. H. Sachs II. 4, 2
c; her her, ir gesellen all mit mir! zerschlagen werd wir schlosz und thür und kisten fegen wie mans nent. Wickram
Tobias C 5
b; ich hab mich nicht versaumpt mit kisten fegen.
rollw. 28.
ebenso beutel fegen. die schüssel fegen,
rein ausessen, aufräumen, nnl. wij zullen dien schotel mit der haast geveegd hebben.
nnl. auch den neus vegen,
nares emungere, die nase putzen, het is op, eer iemand zijnen neus geveegd heeft,
es ist schnell gethan. 1111) das wir nie gedacht allen euszerlichen gottesdienst wider zu fegen. Luther 3, 269
b; darnach wil ich auch die luft helfen fegen. 3, 396
b; aus der ursachen haben wir uns dis buch fürgenomen zu fegen und im ein wenig besser gestalt zu geben. 5, 269
b; was sonst nutz und nicht schedliche fabeln sind, wöllen wir mit der zeit auch leutern und fegen. 5, 270
a; der die lehre, so im bapsthumb vermenget, verdüstert, verblichen und verderbet war, wieder scheiden, abtreiben, scheuren, ausbrennen, beuteln, fegen und durch den ofen des heil. kreuzes hat gehen lassen. Mathesius 63
b; deine art zu fegen, und nicht etwa aus dem kehricht gold zu sieben, sondern den kehricht zur lebenden pflanze umzupalingenesiren, legt mich immer auf die knie meines herzens. Göthe
an Herder mai 1775 (Herders
nachlasz 1, 53). 1212) einen fegen,
ihn quälen, plagen, scheren, mishandeln, schelten, ihm derben verweis geben: der wirt wil uns nit porgen, das ist mein gröszte klag, er vegt mich nacht und tag umb gelt. Wolkenstein
s. 169; nimpt er ein weib von wollust wegen, unfal, angst, not die tut in fegen.
meisterl. 23
no 217; und wer hie pös und übels pflegt, vil ander frummer menschen fegt. Schwarzenberg 155, 2; und solle ihn (
gott) umb solcher mishandlung und bösen vortheil, wie heimlich es ist, fegen und strafen, wie die alten Teutschen reden. Mathesius 150
b; sie musz geführet sein durch eine wüste bahn auf eine steingruft zu und da hinein gethan mit speise wie man sonst auf ein altar kaum leget, damit die stadt von ihr nur werde so gefeget. Opitz 1, 186; lasz unsre sinne fegen durch seiner liebe glut, auf dasz wir von uns legen das alte sündentuch. 3, 323; am allerwenigsten musz er andere verachten und fegen. Claudius 1, 13; ich will ihn schon fegen,
ihm etwas anders sagen, ihn abstrafen, ihm einen wisch, hieb, streich versetzen, seinen harnisch, panzer, pelz, buckel fegen.
verschieden von diesem einen fegen
ist die jetzt veraltete fügung 'einem fegen': dem obristen Senseshaim hat der wind bishero ubel gefeget (
übel geweht, intransitiv, wie unter 14). Opitz in einem
brief vom 10
dec. 1637,
gedruckt in der fruchtbr. ges. erzschrein s. 124. 1313)
refl. sich fegen,
sich reinigen, läutern: es ist nicht das ende, es ist aber der weg, es glüet und glinzet noch nicht alles, es feget sich aber alles. Luther 1, 406.
schweiz. er hat sich gefegt,
aus dem staube gemacht. siehe 14. 1414)
intransitiv für fortwischen, stürmen, in pedes se conjicere, schnell hinzu oder davon gehen: her Burkhart sprach 'nu schullen wir Bertschin retten, volgend mir!' 'das ist pilleich' sprachen sei. zuo Bertschin vegtens alle drei.
ring 8
c, 27; fegend ward er her und hin, zuom türlein ein stund im der sin. 9
c, 24; es mag gar licht ein wind har fegen, er duot den frowen die sturz abwegen (
die schleier abwehen). Brant 110
b, 98; im walde sicher rumb der bär und bärin fegen, zusammen sich in fried der löw und löwin legen. Werders
Ar. 5, 1, l'orsa con l'orso al bosco sicura erra, la leonessa appresso il leon giace; wo dat de fruwens schliken (
schleichen) un fegen um den heerd. Lappenbergs
Lauremberg s. 116; er habe ihrentwegen den ganzen tag verwandt, bei nebelduft und regen, die straszen auf und ab zu fegen. Wielands
Klelia 1, 398,
wenn die straszen auf und ab
hier adverbialisch steht, wird es aber von fegen
regiert, so fällt die stelle unter 6
oder 9.
vgl.fätschen sp. 1363. es haben die neun wol angelegt, acht kugeln haben vorbei gefegt. Chamisso
ged. 184.
wir sagen: wo fegst du her?; er fegt auf und davon; fegte davon wie der wind.
auch von einem stürmisch tanzenden 'im saal auf und nieder fegen'.
s.abfegen,
ausfegen,
durchfegen, fortfegen, herfegen, hinfegen, panzerfegen, wegfegen.