FEGEN vb. ahd. fegôn,
mhd. vegen.
as. fegōn,
mnd. vēgen;
mnl. vēghen,
nnl. vegen
werden zu einer idg. wz. *pek̑‐
‘hübsch machen, vergnügt sein’ gestellt. in den übrigen germ. sprachen und im baltischen ist für das vb. von einer anderen ablautstufe auszugehen; vgl. Kluge/S.
et. wb. 23255a. 1
reinigen. hauptgebrauch. a
von unerwünschtem wie schmutz, rost u. dgl. befreien, säubern; gegenwartssprachlich, besonders im norddt. sprachraum, mit dem besen reinigen, kehren: ⟨u1185⟩ nû lebete disiu ritterschaft/ mit gewonlîcher vreuden kraft/ .. si hiezen ir îsengewant/ vegen unde riemen Hartmann
Erec 32410 ATB. ⟨u1270⟩ krut, gras, legders wart der berc do ane./ er hiez in vegn und slifen eben, daz er gleiz alsam der mane Albrecht v. Scharfenberg
Titurel 338,4 DTM. 1379 es sal auch iderman alle vir wochen oder manet sin schornstein fegen, das icht schade da von gesche
obrhein. stadtrechte I 318. 1482 auch laß dir mensch ein warnung seyn:/ hab allten, starcken, claren weyn/ .. er sterckt das hercz und fegt das plut Folz
reimpaarsprüche 44,177 F. u1520 er sal das korn vff den kornhewszern alle fronfasten wenden vnd alle jhor eyn male fegen lasszen
mainzer hof 37 M. 1581 golt, silber, eysen, ertz, bley, messing, vnd alles was durch die flammen gezogen kan werden, solldurch das fewr gefeget werden Miletus
spiegel 206. 1616 zum andern sol dasselbige korn vom staub rein gefeget, der abgang gewogen, gleichßfalß angemercket werden S. Müller
brodtbacken 14. ⟨E17.jh.⟩ die waßergräben und waßerflüße in fluhr und feldern sowohl auch uf den brühlen sollen von einem ieden bürger vor dem seinigen iährlich gefeget und ausgeräumet werden
stadtrechte Eisenach 366 S./D. ⟨1712⟩ die schulden werden kleiner,/ die hertzen immer reiner/ mit dieser fluth gefegt Schmolck
sabbath (1715)31. 1786 ehe das malz in die mühle geschaft wird, muß es vorher von den auswüchsen gereiniget und gefegt werden Schwabe
stadt-physikus 1,53. ⟨v1827⟩ nun feget aus den alten staub/ und macht die laube blank! W. Müller
ged. 263 DLD. 1899 niemals sah ich sie müßig, denn wenn alle andere arbeit, wie reinmachen, fegen, scheuern, einholen und kochen besorgt war, saß sie am fenster und nähte oder strickte H. Seidel
erz. schr. 1,38. 1935 wir pausen einenaugenblick, fegen den schweiß vom gesicht Lersch
pulsschlag 72. 1994 nur die bobs sind abermals das sorgenkind: ihnen weht schneetreiben die rinne voll. besentrupps fegen sie eifrig immer wieder frei
frankf. allg. ztg. 30,26. –
phraseologisch vor der eigenen tür fegen
sich ausschließlich um eigene angelegenheiten kümmern: ⟨v1666⟩ ein jeder sehe in seinen spiegel, und fege für seiner thür Dannhauer
catechismvs milch 10(1673) 31. ⟨1844⟩ es ist leichter, den weg zu weisen, als den weg selbst zu gehen, leichter und angenehmer, vor anderer leute thüre zu fegen, als vor der eignen Besser
bibelstunden (1854)1,246. 1884 sie antwortete spitz, jeder müsse vor seiner eigenen thür fegen Stinde
familie Buchholz 21,62. ⟨1928⟩ jeder soll vor seiner türe fegen Ringelnatz
u. auf einmal (1955)222. 1992
Duden redewendungen 742a. b
von sünden befreien, (durch leiden) läutern. seit dem 17. jh. veraltend: ⟨E12.jh.⟩ also tut unser herre dem menschin, er vegt in mit sůche, mit armůte und mit manigen andern leide; so lůtert er sine holden .. als daz golt in dem ovene
altdt. pred. 1,138 Sch. ⟨M13.jh.⟩ und ist ouch diu selbe arbeit des strîtes zuo manigen dingen nütze; si veget, si diemüetet, si üebet, si lêret, si prüevet alsô fiur daz golt
dt. mystiker 1,353 P. ⟨M/E14.jh.⟩ got der tuot gar lútzel menschen also die er hie in der zit also strengliche umb ire súnde veget, aber er spart es in unze in gine zit
Nicolaus v. Basel 87 Sch. 1483 aͤinen ieglichen boͤßen menschen den leßet got darvͤmb leben: aͤintweder das er sich von seynen suͤnden beker oder das ein gůter durch in geuͤbt vnd gefegt werde
b. d. zehen gepot 52b. ⟨v1510⟩ gedenck das es
(das leid) dir geben würd als ein purgierung, ein reinigung, die die sele sol reinigen vnd fegen von sünden Geiler
bilgerschafft (1512)69a. 1576 damit vns der frid werd zu thail,/ wir durch sein wunden wurden hail/ vnd durch sein plut rain gfeget
kirchenlied 4,828b W. ⟨1623⟩ dann er
(gott) hatte beschlossen einen andern fürsten zu senden, durch welchen er den menschen wolte von seiner kranckheit vnd tode erlösen; vnd die erde durchs fewer gottes bewehren vnd fegen Böhme
mysterivm (1640)88. 1692 der
(glaube) faßt des vaters huld, so uns als kinder heget/ und das verdienst des sohns, der uns von sünden feget T. Richter
Gerhard, andachten 101. 1768 ein amor ../ der seele führer wird, sie in die wolken hebt,/ und wenn er sie zuvor in einem kleinen bade/ von flammen wohl gereinigt und gefegt, .. Wieland
Musarion 59. 2
sich, etwas bewegen. vor dem 20. jh. nur vereinzelt bezeugt. a
sich mit großer geschwindigkeit fortbewegen. intrans.: ⟨1277/87⟩ ich begaf dat essen und geinc vegin,/ so ich mich balste moicht bewegin
(Köln) chr. dt. städte 12,180. A15.jh. ‘daz ist pilleich’, sprachen sei;/ zuo Bertschin vegtens alle drei Wittenwiler
1121 DLE. 1874 während man nun ziersträucher und culturpflanzen .. baldmöglichst unter hohem schnee verbirgt, besorgt dies hier die natur selbst, indem der über das hochplateau fegende sturm gleich den ersten schnee in die gärten der thalschluchten treibt Aubel
polarsommer 363. ⟨1909⟩ mit einem hui, eine schneewolke hinter sich werfend, fegte der alte feldhase aus dem pott, schlug ein halbes dutzend haken, .. sauste dann geradeaus Löns
s. w. 4,13 C. 1993 die jubelstürme der leichtathleten fegten von Stuttgart aus wie ein wirbelwind durchs land
frankf. allg. ztg. 206,27. b
etwas (wischend) über eine fläche hin bewegen, etwas berühren: 1599 lang oberröck trugen
(sie) all wegen,/ mit denen sie den boden fegen Frischlin
hochzeit 33 B. ⟨1696⟩ dann feget, oder schüttet oder bringet man auf eine andere art, die hierzu am bequemsten ist, die bienen, so noch in dem gefässe seynd, zu dem könig in den stock Grüwel
bienen-kunst (1719)256. 1761 der filz ist bereits gedacht worden. er bestehet aus einem streifen hutfilzes .. man feget ihn auf dem schlamme des oelsteins schmuzzig Halle
werkstäte 1,208. ⟨1844⟩ das lokal
(theater) ist allerdings lächerlich elend, eine große tanzstube im ‘wilden manne’ .. wo die schauspieler zwei fuß über dem boden agieren und doch mit den federbüschen die decke fegen Droste‐H.
br. 2,290 Sch.K. 1868 tief auf den sattel gebückt, die wade wieeisen am gurt, jagten die preußischen husaren dahin, beinahe die erde fegend mit den leibern ihrer pferde
skizzen feldzug 1866 35. 1907 die schleppe fegt den sand Strausz u. T.
n. balladen 90. ⟨1946⟩ sie .. fegte mit den spitzenmanschetten .. die weißbrotkrümel vom tisch Langgässer
siegel (1948)363. c
jmdn. oder etwas heftig, mit ausholender gebärde fortbringen, vertreiben, verjagen: ⟨1386⟩ vnd das man schlecht ein spitzigen pfol von hitziger liebe durch das hertz der alle sünd vnd trost dannen veget vnd auch alle vinsterung also verr vertreib Otto v. Passau
(1480)102b. ⟨1698⟩ so müssen wir mit ernster reu/ den saurteig schlimmer heucheley/ aus unsern hertzen fegen Gryphius
wälder (1707)1,746. 1788 doch ließ sich Leander von dannen nicht fegen Langbein
ged. 89. 1829 es wandelt da/ am elbstrom der zertrümmerer, des feder,/ als er an Wittenbergs schloßkirche/ die wahrheit schrieb ../ .. gleich dem kometenschweife wuchs und wuchs,/ bis daß sie über Deutschland und die Schweiz drang,/ und eurem papst die dreigetürmte kron/ vom haupte fegte! Grabbe
1,480 ak. ⟨1896⟩ reiche sind willkommen uns, doch nicht minder alle,/ die die frommen klostersleut’ fegen aus der halle Hille
ges. w. (1916)163. 1931 mit einer wütenden bewegung fegte sie die prospekte, obgleich sie vor papa lagen, auf den boden Werfel
geschwister 185. 1994 diesen wissenschaftskitsch fegt die junge essener historikerin endgültig aus der welt
frankf. allg. ztg. 211,B5.Katzmann