dirne,
f. virgo puella, famula, meretrix, ahd. diornâ diernâ,
scheint nach Gramm. 2, 336
aus dem einfachen diu
ancilla fortgebildet und eigentlich dîuwarna dioarna
zu sein. mhd. dierne dirne dirn derne Ben. 1, 368
b.
alts. thiorna thierna therna
virgo, nord. þerna
famula, dän. terne tærne.
im 15
ten, 16
ten und 17
ten jahrhundert kommt diern
nicht selten vor und Stieler
stellt dieren
und dirne
auf, auch Schmeller diern
und dirn 1, 397,
sonst findet man im nhd. nur dirne dirn.
die schwache declination ist im ahd. regel, im mhd. erscheint ebenso oft die starke, die im nhd. die oberhand behalten hat; doch Luther
gebraucht noch den dat. sing. dirnen
Amos 2, 7. 11.
virgo, jungfrau, mädchen. der ursprüngliche gegensatz war knecht
in der bedeutung von jüngling, knabe, degen. (
ein weib) dâ er got einen kneht und ein dirnen mit erwarp Strickers
Karl 3
b. junge dirnen unde knehte
ders. Kleinere ged. 7, 28. ie der dirnen wart ein knabe. Ulrich v. Wintersteten
MSHag. 1, 141. junge knehte oder dirnen Enenkel
in K. Roths
dichtungen des mittelalters s. 105. er erkant ein krût in grüener varwe, daz gap er sînen kinden; degen und dirne diu âzen ez begarwe
Jüng. Titurel 3314. er scheidet die knaben und die diren
Ambras. liederb. für junge diern und junggesellen Schmelzl
Hochzeit 7
b.
im Passional wird eine königstochter dirne
genannt (255, 62
Köpke)
und eine begleiterin der jungfrau Maria wîse dirn (366, 14).
Maria selbst bei Wernher aller dirnkinde beste 161, 3.
als sie bei dem kreuz steht, sagt sie owê owê, lieber suon, was sal ich arme terne tuon?
Pass. 72, 84
Hahn. war sol ich arme dirne nuo?
Marien himmelfahrt (Haupts
Zeitschr. 5) 272. wie vergizzest dû der dirnen dîn? 526. daz dû der armen dirnen dîn ze himelrîche hâst begert 688. (
ich) kan ûz einer dirnen ein frowen wol machen
Lieders. 2, 313, 84. da tanzen die pauren mit den diernen.
Fastnachtsp. 446, 12. die Adelheit ist furwar ein schone diern, die spint ausz der maszen guten zwirn 516, 4. so dunk ich mich ein stolze diern, und hor die knaben gern hofiern 519, 25. ich bin ein junge stolze diern, ge mit den knaben gern spaciern 521, 17. ir schült euch wol gehaben, ir jungen dirn, und schült euch den ostern ziern 722, 25. ich trag gern an ein hübschs cleit, darinn da dünk ich mich ein stolze dirn 735, 12. man wolt ein nunn ausz mir machen, so pin ich gar ein stolze dirn 737, 20. in geistlichen rechten man das list, ein junge dirn die zeitig ist, die schülln ir eltern nit verkürzen, das sie ir eer icht werd umb stürzen 749, 13. dieweil die dirnen also under einander schwatzten Steinhöwel
Äsop 7 (1555). und sie (
Rebecca) war eine seer schöne dirne von angesicht, noch eine jungfrau und kein man hatte sie erkand
1 Mos. 24, 16. 28, 55. 57. 61. kanstu mit im (
dem Leviathan) spielen wie mit einem vogel? oder in deinen dirnen (
an einen faden) binden?
Hiob 40, 24. sunst wirt er nit der dirn (
bauerntochter) behagen. Waldis
Esopus 168
a. da (
unter dem birnbaum) war fürhin (
vorhin) ein kleine dirn des morgens mit eim korb gewesen 171
a. heut liebe dirn, morn loser balk Eyering
Sprichw. 1, 165. der könig schickte ihm eine überaus schöne dirne Olear.
Rosenthal 2, 28. es ist eine feine dirne
scita venustula vinnula bella puella est Stieler 2280. wie manche frische dirne schminkt sich aus jenem bach Hagedorn 3, 70. denn oft die natur auf eine der blühenden dirnen ihre glücklichsten reize verschüttet Zachariä. die rechte ironie ist eine gar keusche dirne, enthält sich mit groszer strenge des mitlachens Klopstock 12, 13. nie sollten dirnen freigebig mit ihren küssen sein, nicht einmal beim spiel oder im scherz, nicht einmal als höflichkeitssitte ihn erlauben Veit Weber
Sagen. dirne, dich plagt der mutwill, unartige, lasz mir die leiter. Voss 2. 239, 31. hurtig hinein mit der dirne! sie bringt mir das haus so in aufruhr
ders. Luise 3, 493. nun im frühling ach! ists um die freuden (
der stadt) gethan; ihn ziehen die dirnen, die ländlichen an Göthe 1, 32. die städterin droht euch dirnen den krieg, und doppelte reize behaupten den sieg 1, 33. er (
der schäfer) drückte hastig sich herum, da stiesz er an ein mädchen an mit seinem ellenbogen; die frische dirne kehrt sich um und sagte 'nun das find ich dumm' 12, 53. eine baldige hochzeit prophezein ist jungen dirnen sonst nicht zuwider. Kotzebue
Dramat. spiele 1, 292. und das alles sollte die delicatesse einer bürgerlichen dirne nicht endlich bestechen können? Schiller 196
a. ich wills ihm nur sagen, die dirn ist mein 324
a. einer dirne schön gesicht musz allgemein sein wies sonnenlicht 324
b. hetzt sich lieber herum mit der dirn
das. warum weint die dirn und zergrämet sich schier? 330
b. von der wiese herauf beugt nach dem walde sie ein, rüstig die bräunliche dirne; ihr brennt auf der wange der mittag Mörike
Ged. 154. das dörflein in der sonntagfrühe, wo die frische dirne sich im gärtchen einen busenstrausz zur kirche holet 166.
Im niederd. bezeichnet man damit auch den jungfrauenstand, als ich noch eine dirne war
unverheiratet. in minen derensjaren
Brem. wörterb. 1, 201.
bei den Sachsen in Siebenbürgen ist kerl
und dirne
eine stolze benennung für braut und bräutigam: die jungen hochzeitbitter gebrauchen die herkömmlichen worte 'wir sind abgeschickt worden vom kerl, dem bräutigam, und von der dirn, der braut' Haltrich
zur deutschen thiersage (1855)
s. 7.
in Schwaben bei dem dorfe Remshard heiszt ein kleiner wald zu der dirne,
und darin läszt sich das dirneweibl
sehen, das den leuten aus seinem körbchen nüsse schenkt, welche sich zu haus in gold verwandeln Panzer
Bair. sagen 2, 157. 22.
ancilla. die jungfrau Maria hiesz im mittelalter als gottes magd erweltiu gotes dirne
Goldene schmiede 1847.
Altd. blätter 1, 374. Hermann v. Fritzlar 112, 7.
Passional 15, 30
Hahn. dô du ein dirne dich büte got, dô er dich süezen zeiner muoter wolde grüezen
bruder Eberhart
MS. 1, 28
b.
die heiligen jungfrauen sind gotes dirnen
mägde, mache mich des wert daz ich gezalt werde under dînen dirnen
Vorau. hs. 381, 2.
die hl. Agathe sagt zu Quintianus, ich bin Christes maget. hie von mir harte wol behaget daz ich im dienstes pflege alsô
und er antwortet du wilt haben vrîen namen und doch dabî dich nicht schamen du enwollest dirne sîn genant
Pass. 178, 45
Köpke. dann heiszt sie gotes dirne sîn schône brût 178, 63. zuo dem engel Gabriel spræhtu 'ich pin ein diern gots gehôrsam alle sîns gepots Suchenwirt 141, 151.
so auch von der seele, im tempel daz gestirne lêrt iuch gein himel kriegen, sô daz diu sêle ein dirne sî bî
got. wie in der bedeutung von jungfrau dem jüngling, so steht als magd die dirne
dem knecht
gegenüber, zumal in der bauernwirtschaft, wo eine gewisse würde damit verknüpft ist, wie Schmeller 1, 397
anmerkt. auch dieser gegensatz zeigt sich schon in der alten zeit, si (
gottes wage) teilet vil glîche den armen joh den rîchen; dem hêrren unde dem knehte teilet si vil rehte, der dirnen unde der frowen Hartmanns
Credo 2624. 3640. dirn und knehte unnütze sint
Renner 6261. si ist diern und ich pin knecht: wir füegen auf einander recht
Fastnachtsp. 401, 12.
früherhin hieszen die dienerinnen der königin und edelfrauen ebenso dirnen
wie die mägde der bürger und bauern, nu was si (
die königin) nâch gewonheit mit ir dirnen getreten dâ si kurzewîle heten bî daz wazzer nâch ir ger
Pass. 313, 92
Hahn. diu frouwe sich har umme dô zuo ir dirnen wante, die si mit namen nante
Elisabeth (
Diutiska 1) 467. mîn dirne kumt niht lîse und spricht 'her, hân wir vergezzen daz wir hiute süln ezzen?'
Kolocz. 92, 48. Apollonî, herre mîn, lâ mich dîn eigen dieren sî
n. Heinrichs von der Neuenstadt
Apollonius 13995. Hermann von Fritzlar
unterscheidet zwischen dirne und magd, eine dirne heizet die umme sust dinet oder ûffe genâde, aber ein maget heizet di umme lôn dinet und umme kost 112, 9. mein diern, antwort nicht fur die frauen.
Fastnachtsp. 164, 13. die junge frau spricht zu ir diern 'Alhait, liebu dienarin mein, nim die schlüssel zu dem schrein' 501, 23. si (
die magd) ist sicher ain guote diern und spint dar zu gar guoten zwiern. des will ich sie genieszen lan und will sie länger zu ainer diern han 506, 28. da pracht des küniges tochter die groszen trew ir diern darzu, und wolt auch mit ir sterben Müglein 42
b. gab si die diern eim freien man, wie das (
obgleich) si eigen was 88
b. da west sein hausfrau wol das er gemeinschaft het mit ir diern 88
b. da nam si ein ringes gewand und zwei diern und zwei diener 89
a. dirne diren
ancilla famula serva Vocab. incip. teut. d 4. magd, dirn
serva Frischlin
Nomencl. 345. Ismahel der diern sun Schwarzenberg 156, 1
b. der het ain diern und ain knecht. H. Rosenblüt
in Haupts
Zeitschr. 9, 174. die kriegsleute aber in Syrien waren eraus (
heraus) gefallen und hatten eine kleine dirne weggeführet aus dem lande Israel, die war am dienst des weibs Naeman
2 Könige 5, 2. sie (
die frau) stehet des nachts auf und gibt futter irem hause und essen iren dirnen
Sprüche Sal. 31, 14. sie rief der diern, die war im garten, die pflag sonst stäts auf sie zu warten. B. Waldis
Äsop 233
b. eh denn die diern nun umbhin kam
ders. dirn, noch drei tutzend regelpiren hol Fischart
Garg. 96
b. dirn
nachjungfrau, pedissequa Henisch 715. diern dienstmagd Schönsleder L c. Henisch 715. dieren
und dirne
serva Stieler 315. den anwesenden mägden und kleinen dirnen zum favor Schuppius 230. willst du weinen, willst du zürnen, wenn ihn eine deiner dirnen mit der herrschaft über dich gewinnt? Gökingk
Lieder zweier liebenden 128.
als die dienstmädchen heran kommen, sagt der schüler blitz, wie die wackern dirnen schreiten! herr bruder, komm, wir müssen sie begleiten. Göthe 12, 49. den Roszberg übernehm ich zu ersteigen, denn eine dirn des schlosses ist mir hold, und leicht bethör ich sie zum nächtlichen besuch die schwanke leiter mir zu reichen Schiller 531
a.
s. hausdirne. 33.
mulier impudica; amica, amicula. stuprata, concubina, pellex, meretrix; prostibulum, lupa. man sagt eine leichtfertige, liederliche, unzüchtige, feile dirne. ein kneht der lac verborgen bî einer dirne er slief, unz ûf den liehten morgen der hirte lûte rief 'wol ûf, lâz ûz die hert: des erschrac diu dirne und ir geselle wert. Steinmar
MS. 2, 107
b. der kuninc des wirtes tochter sach wol gestalt, die er beslief. diu dern wart kindes swanger
Pass. 81, 90
Hahn. nachpaur, ich hab ein diern die ist stark und feist und tuot alles gern das mans heiszt
Fastnachtsp. 347, 30.
scraptiae unflätige dirnen Dasyp. 218
c. gemein dirn
meretrix prostibulum scortulum 315
c. dirn, mätze
meretrix Maaler 91
b. ein freie dirne, bubin, hur
meretrix meretricula Henisch 715. diern, unzüchtiges weib Schönsleder L c. es schleft son und vater bei éiner dirnen
Amos 2, 7. gibt es hier im hause solche dirnen, die dem fremden gleich zu willen sind? Göthe 1, 284. du, mit deinen braunen locken, geh mir weg, verschmitzte dirne 5, 211. der, nach dem schauspiel, hofft ein kartenspiel, der eine wilde nacht an einer dirne busen 12, 12. es konnte niemand von mir übels sagen. ach, dacht ich, hat er in deinem betragen was freches unanständiges gesehn? es schien ihn gleich nur anzuwandeln mit dieser dirne grade hin zu handeln 12, 165. indesz sie die gerichtspersonen für eine freche dirne erkannten 18, 74. der henker hole alle liederlichen dirnen! rief der alte mit verdrusz 18, 179. willst du mir folgen, so sage der dirne ins gesicht, dasz sie ein leichtfertiges stück ist, dasz sie sich an einen bettler gehenkt hat Sturz 2, 194. wahr spricht er? mich hätte eine dirne genarrt? Schiller 151
b. und bezahle die scortationstrafe für seine dirne 185
a. dirnen die liesz er gar nicht passiren, muszten sie gleich zur kirche führen 322
b. es wurde der gerichtsgebrauch der residenz erzählt, dasz ein unzüchtiges mädchen jeden, wen eine solche dirne dazu wähle, in den vater ihres wurms verkehren könne J. Paul. doch müsse alsogleich sich eine dirne finden, entschlossen mit dem kerl (
dem zum tod verurtheilten) sich ehlich zu verbinden Kotzebue
Dramat. spiele 1, 176. heda he, was soll das sein? unverschämte dirne? 2, 261.