Eintrag · Mittelhochdeutsches Wb. (MWB)
brant stM.
1.1 ‘brennendes Scheit, angebranntes Stück Holz’
1.2 ‘Fackel’
1.3 ‘(flammendes, blitzendes) Schwert’ (häufig im Mnl.; vgl. MNW 1,1419f.)
1.4 ‘Brenneisen’
2 Vorgang oder Zustand des Brennens
2.1 ‘Feuer, Feuersbrunst; Brandstiftung; Brandschatzung’
2.1.1 eigentl.
2.1.2 übertr. ‘Glut, Hitze’ , meist mit Gen.
2.2 ‘Platz im Wald, wo durch Brand gerodet wurde, Neubruch’
2.3 ‘eingebranntes Zeichen (als Eichmarke)’
2.4 ‘Schmelzen und Reinigen von Silber, Gewinnung von Feinsilber’
2.5 in med. Kontext
2.5.1 ‘Brandwunde’
2.5.2 ‘Brennmittel, um dem Körper Feuchtigkeit zu entziehen’
2.6 im Strafrecht: ‘Feuertod; Brandmarkung’
1 brennender oder zum Brennen dienender Gegenstand 1.1 ‘brennendes Scheit, angebranntes Stück Holz’ kein viur hât ouch sô grôze craft, / [...] man enmüges sô vil zesenden / mit einzelen brenden, / biz daz ez swache brinnet Tr 19446; vil kezzel wart gerüeret, zefüeret manic brant NibB 959,3; VMos 34,7; VRechte 260; Herb 2023. 3863. – weri abir daz enimi man wurdi ein brant edir ein briph vur sini turi gihangin, da min umi den mortbrant miti cundigiti Mühlh 174,20. 175,15. – vnde hiz die gazzen reinen / von boumen vnde von steinen, / die hofstete von brenden Herb 1765; HeslApk 17882. – brende schürn: dane [in der Küche] schürte niemen viuwer noch brant Wh 289,10; ich muͦste shuͤrn die brende / und in zuͤbern wazzer tragen Rennew 17854; Kudr 996,4. – brinnender/glüender ~ : als ein liuhtende lieht, daz alle zît liuhtet, und als ein brinnender brant, der alle zît brinnet Eckh 2:30,6; VMos 33,29; er hiez dem kúnege ein gluͤjenden brant / gen in die hant RvEWchr 9051; ChristhChr 12080; Wh 286,3. – häufig swarz als ein ~ : si was swarz als ein ander brant Wh 318,30; Orites ist ein stein genant, / der ist swarz als ein brant Volmar 558; ain mor was schwartz als ain prant HvNstAp 19098. 14282; Ottok 33635; ErzIII 6,465; Eilh Rm,19. – und wære si nacket sam mîn hant / unde swerzer dan ein brant Er 653; ez [das Pferd] schein noch swerzer, denne ein brant KvWTroj 3792. 22485; KvWTurn 557; nâch den branden / gevarwiu wâpenkleit Helbl 7,268. – übertr.: und lasse mich dur die kolen der minne ziehen und mit den brenden der smacheit sclahen Mechth 3: 3,26; der sele arzt, lesch ab der sünden brende / und strich genaden salben [...] in unsers herzen wende Mügeln 322,10 (oder zu 2.5.1?) 1.2 ‘Fackel’ eine strâle von golde / hêt er [ Amor ] in der zeswen hant, / in der andern einen brant Wig 837; da von so tun sie molen / min [Amors] bilde mit eim strolen, / wie ich den hab in einer hant / und in der andern einen brant, / durch zundet wol mit fure Minneb 2116; ebenso KLD:Alex 7,72 1.3 ‘(flammendes, blitzendes) Schwert’ (häufig im Mnl.; vgl. MNW 1,1419f.): ich [Bischof Turpin] en [ihnen] doe mit desem brande, / den ich hye voren in mynre hande, / sulche vesper syngen, / dat man sy horet clingen, / schrien och ind we Karlmeinet 453,30; wol gevazzet [mit einem Band befestigt; vgl. veʒʒel stM.] was der brant. / dâ von leit er eine hant / ûf den knopf des swertes vor, / daz ez hinden stuont enbor Helbl 1,333; einen brant niwen / von Piestinc Ottok 77085 1.4 ‘Brenneisen’ welch gast brengit sensin, brende, kessele, pfannin, glockin vnde sin glich UrkBresl 112 (a. 1327) 2 Vorgang oder Zustand des Brennens 2.1 ‘Feuer, Feuersbrunst; Brandstiftung; Brandschatzung’ 2.1.1 eigentl.: und habent betracht und besorgt den grozzen schaden, den diu stat genomen hat von dem fewr und von prant StRMünch 478,8; mit brande / sachend sy ain burg enzuntt GTroj 13110; Lanc 374,30; Mechth 2:26,3. – swelhe brvder oder swester ainen menschen toͤttet oder brant tvet oder stilet SpitEich 17,23; wiert iemand um prant gevangen, der schol mit dem gericht verurtailt werden StRBrünn 359. – mîner mâge tôt, des landes brant Wh 261,7; in Walwanes lande / scholtu wuͤsten mit brande / alle sine veste WhvÖst 6342; RvEWchr 16787; die vînde sach man phlegen / niht wan brandes unde wuostens Ottok 8428; Rol 276. – häufig in der Formel roup und ~ : mit roube und ouch mit brande wuosten si daz lant NibB 176,3; die Crichen zv furten vnser lant / mit roube vnde mit brande Herb 2563; und heretin in dem lande / mit roube und mit brande Tr 394; KvWSchwanr 165; Rennew 19784; GTroj 19932. – roͮb unde brant unde hoͮr scult ir uermiden Spec 141,26; er wendet roup, mort unde brant Tannh 1,46; diepstâl, roup unde brant, / zouber, manslaht unde mort / sint der grœsten sünden hort RvEBarl 10622; StRAugsb 133,18; KLD:Kzl 16:20,11. – roup und ~ stiften: si bewarten wol zwâren, / daz si ie roub oder brant / gestiften in unse lant SAlex 6545; si ritent in diu lant, / si stiftint ruͦb unde brant Rol 202; GrRud δ 18; SM:JvR 1:2,2 2.1.2 übertr. ‘Glut, Hitze’, meist mit Gen.: wem en sal din wisheit niͤt werden bekant, / we ensal niͤt vernemen dins herzen brant? MarlbRh 92,28; des zornes brende Mügeln 375,8 u.ö.; ein enzúndunge [...] in dem brande der minne Tauler 166,27. 230,3 u.ö.; Eckh 2:168,4; brant der untruwen HeslApk 6747. – Seraphin is he drümb genant, / wand in gar entfengt der minnen brant. / he birnet suͤzelich ind sere, / des minsamen gods groz minnere MarlbRh 88,20; Eckh 2:217,3 2.2 ‘Platz im Wald, wo durch Brand gerodet wurde, Neubruch’ (vgl. Schmeller, BWB 1,360; Dalby, Mediaeval Hunt, 37b): ûf einem brant hôrt ich die hunde erleschen [mit Bellen aufhören] Hadam 130,5; in walde, ûf dem brande, / an wazzer, ûf den traten [Weide] ebd. 508,1. 131,2. 406,4 2.3 ‘eingebranntes Zeichen (als Eichmarke)’ und all fuͤtrer und gastgeben suͤllen gerechtew und prantew viertail haben, oder [...] der stat 1 pfunt pfenning von dem prant StRMünch 411,25 2.4 ‘Schmelzen und Reinigen von Silber, Gewinnung von Feinsilber’ daz man alles silber, daz man prennet hie in der stat, zehant nach dem prant zaichen sol StRMünch 458,25; vmb zwienzich mark sielbers Nevrenberger brandes UrkCorp 3394,16; funf und zwainzig mark silbers loͤtiges Friburger brandes und gewaͤges UrkMägdeb 297 (a. 1347). – ‘Prüfung des Silbergehalts einer Münze’ vnd sol er vnd der rât [...] die selben phenninge zem brande tragen, vnd sol mans da versvͦchen in dem fúre nach rechte UrkCorp 1325A,10. 188,43 2.5 in med. Kontext 2.5.1 ‘Brandwunde’ lylien wuͦrzeln [...] hilfet zu dem brande, ob man di stat mit bestrichet Macer 16,1; swer sich uerbrennet. der sal uf den brant legen e er blatern gewinne uerbrantez mirtel loup SalArz 79,45. 2.5.2 ‘Brennmittel, um dem Körper Feuchtigkeit zu entziehen’ sô [durch diese Methode] gêt all diu pœs fäuhten her für, diu in dem glit ist, reht als von aim prand, und ist als guot sam manig prant [ cauterium ] , der ain jâr wert BdN 300,10; sein [des slintpaum ] asch ist gar durchpeizent, wenn man in mit ezzeich mischet, und dar umb machet man prend [ cauteriorum vulnera ] dâ mit an den painen oder anderswâ ebd. 325,1. 475,6; sumeliche machent [bei Kopfschmerzen] einen brant uf den armen. sumeliche hinden an deme houbite SalArz 31,20; man sneit sîn âder manigen ende / und macht im ûf dem houbet brende / und leit im drûf vil herbiu phlaster LvRegFr 3616. – übertr.: so sol dir apt tvͦn als ein wise arzat, het er dar irbottin [...] die arznia dir heiligon scrifton vnde zeivngist den brant dir virmeinsamvnga [ ustionem excommunicationis ] BrEng 28 2.6 im Strafrecht: ‘Feuertod; Brandmarkung’ unde wirt er darnach begriefen, so sol man uber in rihten mit dem brande, wande er mortlichen gebrennet hat StRAugsb 94,13. 96,6. – den [Dieb] sol man merkchen mit dem prant und sol er darzu dem rihter ze puͦzze geben sehs schillingen der langen StRMünch 271,12
MWB 1 967,48; Bearbeiter: Hoffmann