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weide

mhd. bis spez. · 19 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

DWB
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45 in 19 Wb.
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Eintrag · Grimm (DWB, 1854–1961)

weide f.

Bd. 28, Sp. 540
weide, f. salix. ahd. wîda Graff 1, 773, mhd. wîde mhd. wb. 3, 620a; Lexer 3, 821, md. weide Gerbet vogtl. § 157 anm., mnd. wîde Schiller - Lübben 5, 707, nnl. wijde, wije Kilian (1777) 806a, ags. wíþig Bosworth-Toller 1254a, mengl. wiði Stratmann 691b, nengl. withy Kluge-Lutz 229b, anord. víðir Fritzner 3, 931, schwed. vide. als urgerm. ausgangsformen sind *wīþ(w)ō, *wīþia anzusetzen. zu einer wurzel i 'biegen, biegsam' sind in andern idg. sprachen folgende weidennamen gebildet: gr. ἰτέα (Ϝειτέα Fick in Bezz. beitr. 30, 274), ἶσος, οἶσος, οἰσύη, poln. witwa, apreusz. witwan Berneker 242. 332. die gleiche erweiterung mit k-suffix wie die ags. form weist gr. οἰσάξ auf. mit -ti-suffix zur gleichen wurzel sind gebildet lit. žilvìtis, asl. vitĭ 'weidenstrick', avest. vaeiti 'weidenzweig', pers. bēd Horn npers. etym. 251, mit bed.-verschiebung lat. vītis 'rebe'. dazu mit k-erweiterung lat. vītex, aind. vīṭikā 'binde, band', slov. vitica 'ring'. lat. vīmen steht neben den germ. formen wie ahd. bluomo neben bluot Hoops idg. forsch. 14, 480. — das wort gilt zu allen zeiten überall im deutschen, wird aber in früheren jahrh. mehr nur gelegentlich literarisch, so dasz es z. b. bei Lessing und Wieland völlig zu fehlen scheint. mundartl. wird sein gebrauch eingeschränkt schwäb. und bair.-östr. durch felber, md. durch sale, els. und nd. durch wilge. für die alte zeit wird diese concurrenz deutlich Diefenbach gloss. 508b. 625a; Calepinus XI ling. 1291a. — von dem homonym weide 'pascua' ist unser wort gut geschieden: mhd. steht wîde 'salix' neben weide 'pascua', und so in nd. und alem. mundart noch. wo diphthongiert wurde, bleibt doch die aussprache fast überall verschieden, das zeigt sich u. a. in der schreibung waide, die für 'salix' nur ganz vereinzelt (Sachs 13, 159 Keller), für 'pascua' weithin auftritt. wo die schriftspr. lautgebung den unterschied verwischt, wird doch orthographisch getrennt: Bellin hd. rechtschr. (1657) 137 schreibt weide 'salix' neben weyde 'pascua' vor; entspr. Gueintz rechtschr. (1666) 157; Ravellus (1616) 407b und Lanckisch in s. concordanz zu Luthers bibel (Leipzig 1677) ordnen demgemäsz, und noch Gottsched sprachk. (1752) 141 stellt im 'orth. verz. gewisser zweifelh. wörter' weide 'salix' neben weyde 'pascua', wie sein 'suus' neben seyn 'esse' (th. 10, 244). dazu tritt Gottsched 141 waidwerk, wie 118 haide neben heide und heyde, 124 Mayn neben mein und ich meyne. Schottel, Stieler, Steinbach und Adelung kennen die scheidung nicht, doch findet sich weyde 'pascua' noch Lavater verm. schr. 1 (1774) 263. die bedeutung 'salix' gilt in alter zeit uneingeschränkt. seit beginn des 16. jahrh. werden manche weidenähnliche pflanzen gleichfalls weide genannt, so der spindelbaum (th. 10, 2500): siler ... ein wyde gemma gemm. (Str. 1508) z 6b; pappelbaum, weisze weiden Grüwel brand. bienenk. (1761) 399; lonicera Pritzel-Jessen 77; liguster das. 215; faulbaum 318; kreuzdorn 329; schlinge (th. 9, 728) 435; wilde weide 'knöterich' Hertel thür. 255. eine gröszere rolle spielt auch sprachlich das bemühen, die 160 arten von salix gegen einander zu scheiden: Dietrich vollst. lex. d. gärtn. 8, 371 ff. nachtr. 7, 355 ff.; Perger denkschr. d. Wiener akad., math.-nat. classe 19 (1861) 56 ff.; Pritzel - Jessen 353 ff. dazu werden meist attribute herangezogen: gelbe, kleine, rothe wayde Henisch 1056, 43; weisze Brockes 1, 240; französische, spanische Frege bot. handwb. 2, 138; schwarze weide Mörike 1, 87. 3, 104, vor allem aber müssen die meisten der zus.-setzungen mit -weide diesem zweck dienen (die in früheren bänden übergangenen sind gesperrt): acker-, afterblatt-, ähmts-, amts-, anger-, arints-, armets-, aschen-, bach-, band-, bastard-, baum-, baumwollen-, bein-, berg-, bind-, bitter-, blank-, blau-, brach-, bruch-, busch-, damm-, dotter-, duft-, erd-, faul-, felber-, feld-, felsen-, fieber-, fischer-, flachs-, gebirgs-, gerber-, girl-, glanz-, glas-, gletscher-, gold-, gras-, grau-, grund-, haar-, hage-, hanf-, hängel-, hart-, hecken-, heckenrosen-, heger-, heiden-, hohl-, hopfen-, hügel-, hürden-, kahl-, kamp-, kandel-, kapp-, kiefer-, knack-, knacker-, knapp-, kneil-, knick-, kolb-, kopf-, koppel-, korb-, körblein-, krach-, kraut-, krebs-, kriech-, lorbeer-, mandel-, matten-, moor-, mund-, myrten-, ohr-, öl-, palm-, pappel-, papst-, pfahl-. pfirsich-, polar-, pott-, purpur-, rain-, randel-, reif-, röhr-, rosen-, rosmarin-, rosz-, rot-, sal-, salbei-, sand-, satz-, schaf-, schaft-, schäl-, schlick-, schnee-, schul-, schusz-, see-, seidel-, seil-, silber-, spiesz-, spitz-, sprock-, spröckel-, spröde(l)-, sprol-, steck-, stein-, steinacker-, strauch-, streich-, stroh-, sturm-, stutz-, sumpf-, süszholz-, thränen-, trauer-, ufer-, wasser-, werft-, woll-, wurm-, zäh-, zapfen-, zaun-, zwergweide. 11) weide schlechthin meint den baum: salix haizt ain waid und ist als vil gesprochen als ain springerinn, dar umb, daz der paum snell auf springt und wechst K. v. Megenberg b. d. nat. 347, 7; die falsche etym. von salix auch gemma gemm. (Str. 1508) y 4a. spätere theoretiker halten es für nöthig, ausdrücklich zu sagen, dasz sie den baum meinen: weyd, weydenbaum salix Maaler 491a; weide f. weidenbaum salice Rädlein 1, 1040. sprachlich auf gleicher linie steht die weide als strauch: weide ... ein holtz, welches theils zu einem baum erwächset, theils aber nur wie ein strauch bleibet Chomel öcon. lex. 8, 2282; etliche weiden bleiben strauchartig Chamisso 2, 346. die weide ist jedem vertraut und darum geeignet, fremde bäume der anschauung näher zu bringen, so gleich beim ersten vorkommen: cyprus arbor est similis salice salahun vel uuidun ahd. glossen 1, 551, 21; weiszer diptam ... hat blätter wie die weyden Fleming vollk. t. jäger 7; bäume, die mehrentheils weisze rinde und viel ähnlichkeit mit unsern weiden hatten Forster 2, 292. darum kann die weide zum nordischen ersatz des lorbeers werden: kurfürst: was für ein laub denn flicht er? laub der weide? Hohenzollern: was! laub der weid', o herr! der lorbeer ist's H. v. Kleist 2 (1863) 273 (prinz v. Homburg 1, 1). in ortsnamen ist weide nicht allzu häufig Wimmer gesch. d. d. bodens 221, wol gerade weil der baum allverbreitet und nicht leicht besonderheit eines bestimmten ortes ist. 1@aa) die weide hat in der natur ihre sehr ausgeprägte eigenart. dem Deutschen ist das auffälligste stets ihr stand am wasser gewesen. die alte sprache nimmt das als äuszerlich gegeben: dô sprach er lougenliche: dâ ich daʒ schif vant, bî einer wilden wîden, dâ lôsteʒ mîn hant Nib. 1508, 2, neuere dichter stellen eine innere beziehung zwischen wasser und weide her: wenn der Ilme bach bescheiden schlängelnd still im thale flieszt, überdeckt von zweig und weiden halbversteckt sich weiter gieszt Göthe I 16, 301 Weim.; und als ich sah ... am quellenrande sich die weiden neigen Droste-Hülshoff 2, 115; so viel weiden auch dem bache entgegengehn oder ihm das geleite geben O. Ludwig 2, 37. das sprichwort zieht aus dem engen verh. seine schlüsse: man musz die weiden an den bach setzen und nicht in die dünen Wander sprichw.-lex. 5, 79; wo weiden sind, da ist auch wasser 80. die weide theilt ihre vorliebe mit andern pflanzen, die darum mit ihr am wasser erscheinen: das rohr wuchs wie die haselstecken bey narrenkolben, schilff und weyden Rollenhagen froschm. (1595) C 5b; von da Bürger 315a Bohtz; dort reiszt sie das epheu von der weyde am teich S. Gessner 1, 17; grosze strecken (der pontin. sümpfe) ... sind mit weiden und pappeln angeflogen Göthe I 31, 8 Weim.; bald wurden die ufer ganz flach, mit weiden und pappeln bewachsen und äuszerst ainförmig Moltke 1, 107. am häufigsten wird neben ihr die erle genannt: die wiese ... welche sich sanft zu den erlen und weiden des flusses hinabsenkt Mörike 3, 28; an dem wasser standen erlengebüsche, mehrere weiden standen da Stifter 5 i 56, seltener ulme und birke: wenn ich unter den ulmen und weiden, im schosze des berges sasz Hölderlin 2, 70 Litzmann; ganze gruppen von alten weiden und birken Steffens was ich erlebte 9, 249. die weide wächst rasch und reichlich ohne zuthun des menschen: ich wil meinen geist auff deinen samen gieszen ... das sie wachsen sollen wie gras, wie die weiden an den wasserbechen Jes. 44, 4; danach Hippel lebensl. 2, 486. weitere besonderheiten prägen sich sprachlich erst später aus: der eine stamm trägt nur männliche, der andere nur weibliche blüthen: zweyhäusige (blüthenpflanzen) dioecia. die blüthen stehen auf zwey stämmen. weiden, pappeln, hanf Oken allg. nat.-gesch. 3, 6; im frühling ist sie eine der ersten: der frühling schmückt dort schon am uferrand mit seidner wimper aller weiden augen Cl. Brentano 6, 201. ihre gestalt weicht von der gewohnten baumgestalt weit ab: auf eine niedergebogene weide springen auch die geiszen Wander 5, 79; ihre blüthe gilt als anmuthiger frühlingsbote: hinter einer blühenden weide ... die ganz voll gelber kätzchen hing G. Keller 6, 296. durch ihre früchte wird die weide dem menschen nicht nützlich, ihr saft ist bitter: (Christus hiesz) mit süeʒer vruht vürdringen daz honic von der wîden Rudolf v. Ems Barlaam 20, 9 Pfeiffer; ûf wîden mac niht vîgen werden Hugo v. Trimberg renner 20580 Ehrismann; wenn du auch die weide mit honig begieszest, sie bringt dir keinen zucker Wander 5, 80. im nd. sprichwort als scherzhaft unmögliche zeitbestimmung: wann de wyden prumen dregen das. im alter wird die weide hohl: der gutzgauch hat sich zu todt gefallen von einer holen weiden d texte des mittelalt. 5 nr. 111 v. 2; auch Erlach volksl. 1, 236; (die magd lief) einer hohlen weide zu, in welche sie sich versteckte Grimm sagen 1, 173; streckten die ausgehöhlten stämme alter weiden ihre verkrüppelten arme in die luft G. Freytag 5, 1; je älter die weide, je hohler der stamm Wander 5, 79. die blätter haben eine graugrüne farbe: wie unterscheidet sich das grün, so wir auf linden, von dem, so wir auf weiden finden! Brockes ird. vergn. 2, 98; durch das gräuliche hellgrün seiner lanzettförmigen blätter gleicht der ölbaum viel unserer weide Vischer ästh. 2, 96; das blaue grün der italienischen weiden Pückler briefw. 2, 163. 1@bb) der mensch bemächtigt sich des baumes 1@b@aα) körperlich, zunächst zu wirtschaftlicher nutzung. die weide befestigt den grund: weiden ist ain trost dem lannd vor dem wasser, das es dest mynder den grund mit im nem Hätzlerin liederb. 171; dasz man lose ufer damit befestigen, nasse gründe austrocknen könne Leopold handwb. d. ökon. 324b. die starken äste taugen zum stock: bestellt den bettelstab, weil ihr geld habt, sonst werdet ihr einen knittel von der ersten weide abschneiden müssen Weise erzn. 44 neudr.; stand bewafnet zu dem streite mit dem ast der nächsten weide, als der waldgott kam, schon da Göthe I 37, 15 Weim. am geschätztesten sind die gerten: weide ein laubholz mit sehr biegsamen zähen zweigen ... zu flechtzäunen, zum anbinden der dachstöcke bei stroh- und rohrdächern, zum spriegeln der lehmdecken, als latten ... gebraucht Helfft landbauk. 405b. um die gerten zu gewinnen, werden die weiden gestutzt, das gilt als typische bauernarbeit: wenn die bure wide haue, sitzen wir daheim bi'n fraue schweiz. volksl. 1, 159 Tobler, und wird gern zu anspielungen verwendet, so in einem spottlied auf die Schweizer: stümlen musz man die weiden, aussproszen sie zu vil hist. volkslieder (1515) 3, 178 Liliencron; es wachsen die köpff nicht wider wie die weiden Nigrinus zäub. 266; die weiden köpfen (d. i. ihnen das oberste reis-holtz, als das haar üm den kopf herüm, abschneiden) Zesen rosenmand 224; die weiden und bauren musz man alle 3 jahr behauen, und die äst stümpffen Lehman flor. pol. 2, 605. die weide läszt sich leicht propfen: das da transplantatio bescheh von eim in das ander, wie ein pfersich auff einer weyden Paracelsus 1, 355e; pfropft er freundschaft auf den unedlern zweig wie der verdorbene Römer auf weiden seine limone Schiller 1, 33. eine art militärischer bedeutung hat die weide als gute deckung: (der bürgermeister beschied die ketzer) uff dy selbige nacht vor dy stad under dy widen, dy do vor der stad steen Stolle thür. chron. 1 Hesse; sind aber etliche besser gesinnet ... so halten sie doch hinter der weiden Milich schrapteufel O 3b; du lagst ja halb tot dahier hinger a weida Hauptmann Rose Bernd 130. zum spiel ist die weide brauchbar und beliebt. den kinderscherz, weidenstäbe in streifen halb zu schälen, treiben in alter zeit auch erwachsene, s. weibelrute, Jacob gewinnt damit geschecktes jungvieh Zürcher bibel (1531) 1. Mos. 30, 37, wo Luther von pappelbäumen spricht. die weide ist der pfeifenbaum der buben (s. weidenpfeife): wozu wüchsen die weiden, sollte man sich keine pfeifen schneiden? Wander 5, 80; Meisinger rapp. 225. liebende schneiden ihre namen in die bildsame rinde: die hirten sollen ihn an alle weiden, die jäger an die tannen schneiden Neukirch ged. (1744) 252. die kirche läszt am palmsonntag statt der palmenzweige, die man in Deutschland nicht haben konnte, blüthenzweige der salweide weihen E. H. Meyer bad. volksl. 92, Müller-Fraureuth obersächs. 2, 649b; Schrader reallex. 128; Hoops waldb. 611; geweihte palmkätzchen oder blütenknospen einer art weiden Nicolai reise 5, 115. der geruch der heiligkeit, in den die weide damit geraten ist, fordert den spott heraus: da die weide palmen trug, nannte sie sich gleich einen heiligen baum Wander 5, 79, und leitet zur anspielung auf menschliche schwächen: wenn die weide palmen trägt, spricht sie gern vom morgenlande das. 80. 1@b@bβ) man bemächtigt sich der weide mit der phantasie. hier geht biblischer sprachgebrauch voran: an den wassern zu Babel saszen wir, und weineten, wenn wir an Zion gedachten. unsere harffen hiengen wir an die weiden, die drinnen sind ps. 137, 2. da salix babylonica aus China erst vor 200 jahren nach Vorderasien gelangt ist und in Babylonien nicht gedeiht, meint hebr. garab vielmehr eine pappel, populus euphratica. aber Luthers übersetzung bestimmt alle citate (Treuer d. Dädalus 1, 378; Hoffmannswaldaus u. a. ged. 6, 309; Löwen im Gött. musenalm. 1771, 76 neudr., Kästner 2, 177; Herder 27, 371; Gleim briefw. 2, 140 Körte; Schubart ästh. d. tonkunst 304; ged. 1, 95; F. Schlegel d. museum 4, 154; Brentano 6, 6; Raabe hungerpastor 2, 167; Peschel völkerk. 306; Laube 8, 4) und ist mächtig genug gewesen, die weide zum baum der trauer zu beseelen: gieb mir ein kleines plätzchen, milder bach! häng du deine sinkende blätter auf mein haupt, traurige weide Lenz 1, 200; zweige der weinenden weide, die ich über meinem haupt zusammen flechte Caroline 2, 87 Waitz; traurig säuseln hier die weiden, und im winde bebt das rohr Lenau ged. 1 (1857) 32; die weid' am ufer steht, die weichen äste ringend 258. darum auf gräbern: sie ... pflanzen gerne weinende weiden und rosen auf gräber Zimmermann einsamk. 4, 224; F. Müller 3, 78; Tieck 1, xxvii. 2, 9; o es pflanze dich an das grab der freund mir, weide der thränen Klopstock oden 2, 59 Muncker. weiteres s. u. trauerweide. vorübergehend galt die weide als symbol der reue: die schönheit ist ein berg ... zu oberst mit wermuht bewachsen, und mit weiden, (welche die reue bilden) gleichsam umb setzt Harsdörffer t. secr. 1 (1656) Bbb 7b. unabhängig von der bibel fühlt sich ein deutscher dichter bei den weiden eher zur träumerei gestimmt: verträumt die stillen weiden hingen hinab bis in die wellen kühl Eichendorff 1 (1864) 537. schon hier zeigt sich der standort der weide am wasser als stimmendes element. das motiv wird noch oft fruchtbar, zumal in der romantik: nicht weit vom hause lag ein grauer, stillstehender see, um den uralte verwitterte weiden standen Tieck 9, 231. namentlich das gespenstisch spukhafte ihrer erscheinung zieht die dichter an: mein vater, mein vater, und siehst du nicht dort erlkönigs töchter am düstern ort? — mein sohn, mein sohn, ich seh es genau: es scheinen die alten weiden so grau Göthe erlkönig v. 24; es braucht jemand durchaus nicht an gespenster zu glauben und kann ... in der rechten stimmung doch (bei) der nächsten alten weide irre werden Raabe Horacker 103. darum im zauberspruch: zs. des vereins für volksk. 7. 71 f. mehr zu lehrhafter verwerthung eignen sich ihr wandel von der jungen gerte zum alten knorren und ihre bindkraft: laszt du die wid werden zuo alt und bügst sie, gwisz sie dir zerknalt Wickram 4, 205 Bolte; alte weiden haben dicke köpfe, die weide ist ein geringes holz und kann doch andere bäume binden Wander 5, 79. 22) seltener bezeichnet weide die einzelne weidengerte. die bed. hat sich sichtlich aus der vorigen entwickelt; nach beiden seiten hin sind deutbar: do machet si (Mosis mutter) ein körbelin von binson und von wîdon Grieshaber pred. 2, 111; do machten sy vele korbe von widen Stolle thür. chr. 38 Hesse. eindeutig die gerte wird so genannt seit mitte des 15. jahrh.: wiltu machen, daz du ain wid ainzway schnidest, so ... mache drú crútz úber die wid Basler handschriften I 1, 47 Binz. wie hier ist bis in neue zeit gelegentlich der stecken von weidenholz gemeint: nim baumöl ... schürs fleiszig umb mit einem stecklin von weiden Gäbelkover arzneib. 1, 206; mein weiser schwang mit seiner rechten eine weide Pfeffel poet. vers. 1, 68; wenn die weide tanzt, trauert der rücken Wander 5, 80. viel öfter jedoch ist dieses weide, im wechsel mit wiede (s. d.) das weidenband zum binden oder flechten. gebunden wird in alter zeit viel mit weiden, wozu heute seil und faden dient: (die flösze) haben sie mit weiden ann dem landt bestetigt Xylander Polyb. 148; (palissaden) die dann mit weiden sollen angebunden seyn Fronsperger kriegsb. 1, X 4b; (der held des lügenmärchens) nam die rote weiden, und band das pferd darmit wider zusammen. die weiden bekleibten in dem pferde, und wuchsen so sehr, das ein gantzer wald auff dem pferde ward B. Krüger Clawerts hist. 67 neudr.; hatten nichts an dann lange hembder, mit weiden umbgürtet Stumpf Schwytzerchr. 751b; dort garbet man es (das getreide) auf, und bindet es mit weyden Weckherlin 2, 377 Fischer; die schuhe waren ... zerfetzt, so dasz manche sie mit weiden zusammen binden muszten Laukhard leben 3, 183; ich fand des holzes viel, und doch gebrach's am stricke da sucht' ich weiden an des baches rand Kind ged. 1, 39. geflochten werden nam. kränze, stühle und körbe: er solle ... den ochsen von grünen weiden kräntze auffsetzen Weise kl. leute 36 neudr.; er sitzt auf seinem stühlchen, das er sich aus weiden selbst geflochten hat Cl. Brentano Godwi 1, 115; da ging er aus und schnitt weiden, sie aber muszte anfangen körbe zu flechten Grimm märchen 1, 236; körbe aus binsen oder weiden Peschel völkerk. 173, vereinzelt auch nester: viehbüchl. (1667) 118 und schilde M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen 1, 37. der alten zeit allein gehört die weidenschlinge zum henken: nimt er so bald eine weide von dem baum und schürtzet ihn darein Widmann Fausts leben 142 Keller; er soll mich an ein weiden hencken Schupp (1663) 836; löste ich deinen hals von der weide, die für dich gedreht war Freytag ahnen 1, 295. auch hier ist wiede beliebter.
19171 Zeichen · 368 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    WEIDEstf.

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +10 Parallelbelege

    WEIDE stf. weide. ahd. weida , ags. vâde lat. vagatio, altn. veiði lat. captura, venatio gesch. d. d. spr. 29. Graff 1,7…

  2. 1200–1600
    Mittelniederdeutsch
    weideF.

    Köbler Mnd. Wörterbuch · +12 Parallelbelege

    weide , F. Vw.: s. wēide*? (1)

  3. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    4. Weide

    Adelung (1793–1801) · +10 Parallelbelege

    4. * Die Weide , plur. inusit. die Jagd, ein für sich allein veraltetes, und nur noch in einigen der folgenden Zusammens…

  4. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    Weide

    Goethe-Wörterbuch

    Weide [bisher nicht publizierter Wortartikel]

  5. 19./20. Jh.
    Konversationslex.
    Weide

    Herder (Konv.-Lex., 1854–57) · +2 Parallelbelege

    Weide , lat. salix , Holzgattung aus der Familie der Armentaceae , in mehr als 40 Arten, mit meist lanzettförmigen Blätt…

  6. modern
    Dialekt
    Weide

    Elsässisches Wb. · +2 Parallelbelege

    Weid e [Wait S. O. Str. W.; Wèit M. ; Wæìt K. Z. Betschd. ; Wǽt Barr ; Wát Ndrröd. Lobs. ; Wæt Wh. ] f. Weide, Wiese, Fu…

  7. Sprichwörter
    Weide

    Wander (Sprichwörter)

    Weide 1. Alte Weiden haben dicke Köpfe. 2. Auf eine niedergebogene Weide springen auch die Geissen. 3. Da die Weide Palm…

  8. Spezial
    Weide2

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    Wei|de 2 (Salix sp.) f. (-,-n) ‹bot› saresc m. , lëgn da tortes m.

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit weide

959 Bildungen · 746 Erstglied · 208 Zweitglied · 5 Ableitungen

weide‑ als Erstglied (30 von 746)

Weide I

SHW

Weide I Band 6, Spalte 373-374

Weide II

SHW

Weide II Band 6, Spalte 373-374

weide(n) I

Idiotikon

weide(n) I Band 15, Spalte 529 weide(n) I 15,529

weide(n) II

Idiotikon

weide(n) II Band 15, Spalte 539 weide(n) II 15,539

Weideacker

SHW

Weide-acker Band 6, Spalte 377-378

Weidefeld

SHW

Weide-feld Band 6, Spalte 379-380

Weidegang

SHW

Weide-gang Band 6, Spalte 379-380

Weidehag

SHW

Weide-hag Band 6, Spalte 379-380

Weidekuh

SHW

Weide-kuh Band 6, Spalte 379-380

Weidelos

SHW

Weide-los Band 6, Spalte 375-376

Weidevieh

SHW

Weide-vieh Band 6, Spalte 377-378

Weidewasem

SHW

Weide-wasem Band 6, Spalte 377-378

Weideweg

SHW

Weide-weg Band 6, Spalte 377-378

Weidewiese

SHW

Weide-wiese Band 6, Spalte 377-378

weide als Zweitglied (30 von 208)

drīeweide?

KöblerMhd

*drīeweide? , Adj. nhd. „dreimalig“ Hw.: s. drīeweide E.: s. drīe, weide W.: nhd. DW2-

leiweide

KöblerMhd

*leiweide , Adv. Vw.: s. ander- E.: s. lei

Augenweide

RDWB1

Augenweide f auch Augenschmaus что-л. отрада для глаз идиом. , книж. ; глаз отдыхает на ... идиом. ; любо-дорого (по)смотреть идиом. , разг.…

Eingeweide

RDWB1

Eingeweide Pl. внутренние органы внутренности разг. , нутро, всё внутри

Alpweide

DRW

alp·weide

Alpweide vgl. Voralbweide albm und albwaid 1494 ÖW. I 295 Faksimile ÖW. I 296 Faksimile

anderleiweide

KöblerMhd

anderlei·weide

anderleiweide , Adv. nhd. zum zweiten Mal E.: s. anderlei, weide W.: nhd. DW2- L.: Lexer 364a (anderleiweide)

anderweide

Lexer

ander·weide

ander-weide , ander-weit adv. BMZ zum zweiten mal; sehr oft Loh. ( z. b. 975. 1329. 2195. 6837) u. Pass. ( z. b. 88,43. 200,21. 306,29 etc. …

aneweide

KöblerMhd

ane·weide

aneweide , st. F. nhd. Anrecht auf die Weide Hw.: vgl. mnd. anewēde Q.: WeistGr E.: s. ane, weide W.: nhd. DW2- L.: Lexer 7a (anweide), Lexe…

anneweide

MNWB

anne·weide

° anwêⁱde (anneweide) , f. , Anweide, Rain, der unbeackerte Rain an den Seiten des Ackers als Weide und Pflugwende benutzt (s. an(e)wende).

anweide

DWB

anweide , f. jus pascui, anrecht auf die weide: wer in der vogti nit seszhaft ist, der enhett anweid in die esz. weisth. 1, 55.

Atzweide

DRW

atz·weide

Atzweide vgl. Etzweide diewylen aus etwelchen atzweiden heüwfuter gemacht worden, als denen man kein recht auf der allmendt lassen könte 169…

augenweide

DWB

augen·weide

augenweide , f. pastio oculorum. mhd. ougen weide: si was ze ougen weide manegem recken geborn. Nib. 299, 4 ; mînes lîbes ougen weide, dast …

bachweide

DWB

bach·weide

bachweide , f. salix helix: meien von dichten bewmen und bachweiden. 3 Mos. 23, 40 ; das gepüsch bedeckt in mit seinem schatten und die bach…

bandweide

DWB

band·weide

bandweide , f. salix viminalis, weide, die zu reifen und flechtwerk dient.

banweide

MWB

ban·weide

banweide stF. ‘Bannweide’; Weide, die der allgemeinen Nutzung entzogen ist: super bonis suis predictis poterunt sicut et ville nostre banwei…

barweide

MWB

bar·weide

barweide stF. ‘Weide zur gemeinschaftlichen Nutzung’ daz nieman dekâine barwâide mag verkoͧfen noch verkumbern âne alle die gîemainde, die d…

bindweide

DWB

bind·weide

bindweide , f. salix vitellina, oder clematis vitalba, was bandweide.

binnenwêide

MNWB

binnen·weide

° binnenwêide , f. , Kuhkamp innerhalb des eingezäunten Landes, beim Hofe belegener Weideplatz (: Anger, Gemeinweide usw.).

bruchweide

DWB

bruch·weide

bruchweide , f. salix fragilis, deren spröde zweige leicht brechen, daher auch glasweide , knackweide genannt.

bînweide

MWB

bînweide stF. ‘Bienenweide’ winter, hin ist dîn gewalt, / nû hât sumer sîn gezelt / ûf geslagen an die pînewaide SM:Go 1a: 1,3 MWB 1 815,17;…

Ableitungen von weide (5 von 5)

entweide

BMZ

entweide swv. nehme die eingeweide aus. entweidit exenterat, eviscerat Conr. fundgr. 1,365.

geweide

DWB

geweide , n. , collectivbildung zu weide ( s. d. ), vgl. ahd. weida ( Graff 1, 774 ). in diesem neutrum, das erst aus mittelhochdeutscher ze…

unwêide

MNWB

° unwêide , subst. : (formelh.:) an wêide unde an u. mit Vieh und Futter?, „ yck hebbe vorkofft ... den hoff mit aller schlachten, mit teget…

unweidelich

Lexer

un-weidelich adj. lêʒes du uns al eine, daʒ wêre unweidelîch Roseng. Bartsch 180 ;

urweide

DWB

urweide , f. , uralte weide, die seit einem menschenalter nicht mehr umgebrochen ist (ur- C 4 c). dithmarsische zeitungen: gleich hinter dem…