Eintrag · Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke)
WEIDE stf.
1. der ort, wo ein thier sein futter sucht, bestehe es aus vegetabilien oder andern stoffen. sîn weide, walt unde heide hât er alleʒ behert krone 332. a Sch. waʒʒer unde weide Mühlh. str. 37. wonne, weide, trift und waʒʒer Gr. w. 3,880. mit einer veiʒter weide Griesh. pred. 1,7. in deme lande was michel weide Diemer 31,5. daʒ vihe an die weide trîben, wîsen das. 34, 28. 28,23. trebin sîn vihe von irer weide Ludw. 43. — der wurm (der drache) ist an sîner weide Wigal. 4762. an des wurmes weide ist er komen das. 5447.
2. aufenthaltsort überhaupt. vgl. ahd. tiorweida lat. lustrum Graff 1,775. der engel weide das himmelreich altd. schausp. 1,1154. ich sal von diser werlde scheiden an dem dritten tage zuo der êwigen weide das. 1078.
3. das ausgehen auf futter oder speise.
a. si lieʒ ir ougen umbe gân, als der valke ûf dem aste: ze linde noch ze vaste heten si beide ir weide suchten ihr futter, si weideten beide Trist. 1103.
b. namentlich jagd und fischerei. in uueido in venatione N. 16,12. in uueidu in piscatione O. 5,13,18. vgl. Schmeller 4,27. der sieche weidenære wolt ouch an sîne weide Trist. 14381. swer gotes minne wil bejagen, der muoʒ ein jagendeʒ herze tragen daʒ niht verzagen künn ûf der jagenden weide lobges. 1. oder ist hier weide von dem orte zu verstehn?
4. daher in abgeschwächter bedeutung ausfahrt, fahrt überhaupt. ginc und var dîn weide geh deines weges Helbl. 9,135. ich sal ûch ûwir weide vüeren an eine stat altd. schausp. 1,1306.
5. mit zahlwörtern verbundens. v. a. mal. ains, ander weide und dritte weid zum ersten, zweiten und dritten mal Schmeller 4,29. vgl. die zusammensetzungen anderweide u. s. w.
6. futter, speise für thiere und menschen. die olbenten mohten chûme haben weide Judith 135, 14. diu tier in dem walde ir weide lieʒen stên Gudr. 389,1. der esel, der löwe suochte sîne weide Bon. 67, 10. 33. 78,3. er vloug ûf sîner weide vart, dâ im ein veiʒiu henne wart das. 37,21. — grîfen an die weide der nôtdurft, die uns vûget hie Pass. K. 226,38.
7. bildlich. die armen sint mit leide der rîchen herren weide die armen müssen die reichen ernähren, gewinnen in die koste in hitze und in froste Mart. 129. d. — daʒ daʒ swert noch ûf noch nider wac, wan rehte dâ sîn weide lac wo es verwunden sollte Trist. 6703. arme und ahsele beide die heten breite weide weiten raum das. 6703. daʒ ouge daʒ hanget vil gerne an sîner weide an dem was ihm erquickung bietet das. 17827. ouge unde ôre heten dâ weide und wunne beide: daʒ ouge sîne weide erquickung, daʒ ôre sîne wunne das. 17827. ougen weide s. unter der zusammensetzung. — bêdiu wunne und weide hete ir (der heil. Anna) der engil gegeben Mar. 32. gnâde froude u. wunne wolte got mit ir (durch Maria) geben aller werlte das. 105. sie heten volle weide, wunneclîchiu spil, alles liebes u. êren vil das. 167. vgl. wunne.