weide,
f. salix. ahd. wîda Graff 1, 773,
mhd. wîde
mhd. wb. 3, 620
a; Lexer 3, 821,
md. weide Gerbet
vogtl. § 157
anm., mnd. wîde Schiller - Lübben 5, 707,
nnl. wijde, wije Kilian (1777) 806
a,
ags. wíþig Bosworth-Toller 1254
a,
mengl. wiði Stratmann 691
b,
nengl. withy Kluge-Lutz 229
b,
anord. víðir Fritzner 3, 931,
schwed. vide.
als urgerm. ausgangsformen sind *wīþ(w)ō,
*wīþia
anzusetzen. zu einer wurzel i '
biegen, biegsam'
sind in andern idg. sprachen folgende weidennamen gebildet: gr. ἰτέα (
Ϝειτέα Fick
in Bezz. beitr. 30, 274),
ἶσος,
οἶσος,
οἰσύη,
poln. witwa,
apreusz. witwan Berneker 242. 332.
die gleiche erweiterung mit k-
suffix wie die ags. form weist gr. οἰσάξ auf. mit -ti-
suffix zur gleichen wurzel sind gebildet lit. žilvìtis,
asl. vitĭ '
weidenstrick',
avest. vaeiti '
weidenzweig',
pers. bēd Horn
npers. etym. 251,
mit bed.-verschiebung lat. vītis '
rebe'.
dazu mit k-
erweiterung lat. vītex,
aind. vīṭikā '
binde, band',
slov. vitica '
ring'.
lat. vīmen
steht neben den germ. formen wie ahd. bluomo
neben bluot Hoops
idg. forsch. 14, 480. —
das wort gilt zu allen zeiten überall im deutschen, wird aber in früheren jahrh. mehr nur gelegentlich literarisch, so dasz es z. b. bei Lessing
und Wieland
völlig zu fehlen scheint. mundartl. wird sein gebrauch eingeschränkt schwäb. und bair.-östr. durch felber,
md. durch sale,
els. und nd. durch wilge.
für die alte zeit wird diese concurrenz deutlich Diefenbach
gloss. 508
b. 625
a; Calepinus XI
ling. 1291
a. —
von dem homonym weide '
pascua'
ist unser wort gut geschieden: mhd. steht wîde '
salix'
neben weide '
pascua',
und so in nd. und alem. mundart noch. wo diphthongiert wurde, bleibt doch die aussprache fast überall verschieden, das zeigt sich u. a. in der schreibung waide,
die für '
salix'
nur ganz vereinzelt (Sachs 13, 159
Keller),
für '
pascua'
weithin auftritt. wo die schriftspr. lautgebung den unterschied verwischt, wird doch orthographisch getrennt: Bellin
hd. rechtschr. (1657) 137
schreibt weide '
salix'
neben weyde '
pascua'
vor; entspr. Gueintz
rechtschr. (1666) 157; Ravellus (1616) 407
b und Lanckisch
in s. concordanz zu Luthers
bibel (
Leipzig 1677)
ordnen demgemäsz, und noch Gottsched
sprachk. (1752) 141
stellt im 'orth. verz. gewisser zweifelh. wörter' weide '
salix'
neben weyde '
pascua',
wie sein '
suus'
neben seyn '
esse' (
th. 10, 244).
dazu tritt Gottsched 141 waidwerk,
wie 118 haide
neben heide
und heyde, 124 Mayn
neben mein
und ich meyne. Schottel, Stieler, Steinbach
und Adelung
kennen die scheidung nicht, doch findet sich weyde '
pascua'
noch Lavater
verm. schr. 1 (1774) 263.
die bedeutung '
salix'
gilt in alter zeit uneingeschränkt. seit beginn des 16.
jahrh. werden manche weidenähnliche pflanzen gleichfalls weide
genannt, so der spindelbaum (
th. 10, 2500):
siler ... ein wyde
gemma gemm. (
Str. 1508)
z 6
b; pappelbaum, weisze weiden Grüwel
brand. bienenk. (1761) 399;
lonicera Pritzel-Jessen 77;
liguster das. 215; faulbaum 318; kreuzdorn 329; schlinge (
th. 9, 728) 435; wilde weide '
knöterich' Hertel
thür. 255.
eine gröszere rolle spielt auch sprachlich das bemühen, die 160
arten von salix gegen einander zu scheiden: Dietrich
vollst. lex. d. gärtn. 8, 371
ff. nachtr. 7, 355
ff.; Perger
denkschr. d. Wiener akad., math.-nat. classe 19 (1861) 56
ff.; Pritzel - Jessen 353
ff. dazu werden meist attribute herangezogen: gelbe, kleine, rothe wayde Henisch 1056, 43; weisze Brockes 1, 240; französische, spanische Frege
bot. handwb. 2, 138; schwarze weide Mörike 1, 87. 3, 104,
vor allem aber müssen die meisten der zus.-setzungen mit -weide
diesem zweck dienen (
die in früheren bänden übergangenen sind gesperrt):
acker-, afterblatt-, ähmts-, amts-,
anger-, arints-, armets-, aschen-, bach-, band-,
bastard-, baum-, baumwollen-,
bein-, berg-, bind-, bitter-,
blank-, blau-, brach-, bruch-, busch-, damm-, dotter-,
duft-, erd-, faul-, felber-, feld-,
felsen-, fieber-, fischer-, flachs-,
gebirgs-, gerber-, girl-, glanz-, glas-, gletscher-, gold-, gras-, grau-, grund-, haar-, hage-, hanf-, hängel-,
hart-, hecken-, heckenrosen-, heger-,
heiden-, hohl-,
hopfen-, hügel-, hürden-, kahl-, kamp-,
kandel-, kapp-, kiefer-, knack-, knacker-,
knapp-, kneil-, knick-, kolb-, kopf-, koppel-, korb-,
körblein-, krach-, kraut-, krebs-,
kriech-, lorbeer-, mandel-, matten-, moor-, mund-,
myrten-, ohr-, öl-, palm-, pappel-, papst-, pfahl-. pfirsich-,
polar-, pott-, purpur-, rain-,
randel-, reif-, röhr-, rosen-, rosmarin-, rosz-, rot-, sal-, salbei-, sand-, satz-, schaf-,
schaft-, schäl-, schlick-,
schnee-, schul-, schusz-, see-,
seidel-, seil-, silber-,
spiesz-, spitz-, sprock-, spröckel-, spröde(l)-, sprol-, steck-, stein-, steinacker-, strauch-, streich-, stroh-, sturm-, stutz-, sumpf-, süszholz-, thränen-, trauer-, ufer-, wasser-, werft-, woll-, wurm-, zäh-, zapfen-, zaun-, zwergweide. 11) weide
schlechthin meint den baum: salix haizt ain waid und ist als vil gesprochen als ain springerinn, dar umb, daz der paum snell auf springt und wechst K. v. Megenberg
b. d. nat. 347, 7;
die falsche etym. von salix auch gemma gemm. (
Str. 1508) y 4
a.
spätere theoretiker halten es für nöthig, ausdrücklich zu sagen, dasz sie den baum meinen: weyd, weydenbaum
salix Maaler 491
a; weide
f. weidenbaum
salice Rädlein 1, 1040.
sprachlich auf gleicher linie steht die weide
als strauch: weide ... ein holtz, welches theils zu einem baum erwächset, theils aber nur wie ein strauch bleibet Chomel
öcon. lex. 8, 2282; etliche weiden bleiben strauchartig Chamisso 2, 346.
die weide ist jedem vertraut und darum geeignet, fremde bäume der anschauung näher zu bringen, so gleich beim ersten vorkommen: cyprus arbor est similis salice salahun
vel uuidun
ahd. glossen 1, 551, 21; weiszer diptam ... hat blätter wie die weyden Fleming
vollk. t. jäger 7; bäume, die mehrentheils weisze rinde und viel ähnlichkeit mit unsern weiden hatten Forster 2, 292.
darum kann die weide zum nordischen ersatz des lorbeers werden: kurfürst: was für ein laub denn flicht er? laub der weide?
Hohenzollern: was! laub der weid', o herr! der lorbeer ist's H. v. Kleist 2 (1863) 273 (
prinz v. Homburg 1, 1).
in ortsnamen ist weide
nicht allzu häufig Wimmer
gesch. d. d. bodens 221,
wol gerade weil der baum allverbreitet und nicht leicht besonderheit eines bestimmten ortes ist. 1@aa)
die weide
hat in der natur ihre sehr ausgeprägte eigenart. dem Deutschen ist das auffälligste stets ihr stand am wasser gewesen. die alte sprache nimmt das als äuszerlich gegeben: dô sprach er lougenliche: dâ ich daʒ schif vant, bî einer wilden wîden, dâ lôsteʒ mîn hant
Nib. 1508, 2,
neuere dichter stellen eine innere beziehung zwischen wasser und weide
her: wenn der Ilme bach bescheiden schlängelnd still im thale flieszt, überdeckt von zweig und weiden halbversteckt sich weiter gieszt Göthe I 16, 301
Weim.; und als ich sah ... am quellenrande sich die weiden neigen Droste-Hülshoff 2, 115; so viel weiden auch dem bache entgegengehn oder ihm das geleite geben O. Ludwig 2, 37.
das sprichwort zieht aus dem engen verh. seine schlüsse: man musz die weiden an den bach setzen und nicht in die dünen Wander
sprichw.-lex. 5, 79; wo weiden sind, da ist auch wasser 80.
die weide
theilt ihre vorliebe mit andern pflanzen, die darum mit ihr am wasser erscheinen: das rohr wuchs wie die haselstecken bey narrenkolben, schilff und weyden Rollenhagen
froschm. (1595) C 5
b;
von da Bürger 315
a Bohtz; dort reiszt sie das epheu von der weyde am teich S. Gessner 1, 17; grosze strecken (
der pontin. sümpfe) ... sind mit weiden und pappeln angeflogen Göthe I 31, 8
Weim.; bald wurden die ufer ganz flach, mit weiden und pappeln bewachsen und äuszerst ainförmig Moltke 1, 107.
am häufigsten wird neben ihr die erle
genannt: die wiese ... welche sich sanft zu den erlen und weiden des flusses hinabsenkt Mörike 3, 28; an dem wasser standen erlengebüsche, mehrere weiden standen da Stifter 5 i 56,
seltener ulme
und birke: wenn ich unter den ulmen und weiden, im schosze des berges sasz Hölderlin 2, 70
Litzmann; ganze gruppen von alten weiden und birken Steffens
was ich erlebte 9, 249.
die weide
wächst rasch und reichlich ohne zuthun des menschen: ich wil meinen geist auff deinen samen gieszen ... das sie wachsen sollen wie gras, wie die weiden an den wasserbechen
Jes. 44, 4;
danach Hippel
lebensl. 2, 486.
weitere besonderheiten prägen sich sprachlich erst später aus: der eine stamm trägt nur männliche, der andere nur weibliche blüthen: zweyhäusige (blüthenpflanzen)
dioecia. die blüthen stehen auf zwey stämmen. weiden, pappeln, hanf Oken
allg. nat.-gesch. 3, 6;
im frühling ist sie eine der ersten: der frühling schmückt dort schon am uferrand mit seidner wimper aller weiden augen Cl. Brentano 6, 201.
ihre gestalt weicht von der gewohnten baumgestalt weit ab: auf eine niedergebogene weide springen auch die geiszen Wander 5, 79;
ihre blüthe gilt als anmuthiger frühlingsbote: hinter einer blühenden weide ... die ganz voll gelber kätzchen hing G. Keller 6, 296.
durch ihre früchte wird die weide
dem menschen nicht nützlich, ihr saft ist bitter: (
Christus hiesz) mit süeʒer vruht vürdringen daz honic von der wîden Rudolf v. Ems
Barlaam 20, 9
Pfeiffer; ûf wîden mac niht vîgen werden Hugo v. Trimberg
renner 20580
Ehrismann; wenn du auch die weide mit honig begieszest, sie bringt dir keinen zucker Wander 5, 80.
im nd. sprichwort als scherzhaft unmögliche zeitbestimmung: wann de wyden prumen dregen
das. im alter wird die weide
hohl: der gutzgauch hat sich zu todt gefallen von einer holen weiden
d texte des mittelalt. 5
nr. 111
v. 2;
auch Erlach
volksl. 1, 236; (
die magd lief) einer hohlen weide zu, in welche sie sich versteckte Grimm
sagen 1, 173; streckten die ausgehöhlten stämme alter weiden ihre verkrüppelten arme in die luft G. Freytag 5, 1; je älter die weide, je hohler der stamm Wander 5, 79.
die blätter haben eine graugrüne farbe: wie unterscheidet sich das grün, so wir auf linden, von dem, so wir auf weiden finden! Brockes
ird. vergn. 2, 98; durch das gräuliche hellgrün seiner lanzettförmigen blätter gleicht der ölbaum viel unserer weide Vischer
ästh. 2, 96; das blaue grün der italienischen weiden Pückler
briefw. 2, 163. 1@bb)
der mensch bemächtigt sich des baumes 1@b@aα)
körperlich, zunächst zu wirtschaftlicher nutzung. die weide
befestigt den grund: weiden ist ain trost dem lannd vor dem wasser, das es dest mynder den grund mit im nem Hätzlerin
liederb. 171; dasz man lose ufer damit befestigen, nasse gründe austrocknen könne Leopold
handwb. d. ökon. 324
b.
die starken äste taugen zum stock: bestellt den bettelstab, weil ihr geld habt, sonst werdet ihr einen knittel von der ersten weide abschneiden müssen Weise
erzn. 44
neudr.; stand bewafnet zu dem streite mit dem ast der nächsten weide, als der waldgott kam, schon da Göthe I 37, 15
Weim. am geschätztesten sind die gerten: weide ein laubholz mit sehr biegsamen zähen zweigen ... zu flechtzäunen, zum anbinden der dachstöcke bei stroh- und rohrdächern, zum spriegeln der lehmdecken, als latten ... gebraucht Helfft
landbauk. 405
b.
um die gerten zu gewinnen, werden die weiden
gestutzt, das gilt als typische bauernarbeit: wenn die bure wide haue, sitzen wir daheim bi'n fraue
schweiz. volksl. 1, 159
Tobler, und wird gern zu anspielungen verwendet, so in einem spottlied auf die Schweizer: stümlen musz man die weiden, aussproszen sie zu vil
hist. volkslieder (1515) 3, 178
Liliencron; es wachsen die köpff nicht wider wie die weiden Nigrinus
zäub. 266; die weiden köpfen (
d. i. ihnen das oberste reis-holtz, als das haar üm den kopf herüm, abschneiden) Zesen
rosenmand 224; die weiden und bauren musz man alle 3 jahr behauen, und die äst stümpffen Lehman
flor. pol. 2, 605.
die weide
läszt sich leicht propfen: das da
transplantatio bescheh von eim in das ander, wie ein pfersich auff einer weyden Paracelsus 1, 355
e; pfropft er freundschaft auf den unedlern zweig wie der verdorbene Römer auf weiden seine limone Schiller 1, 33.
eine art militärischer bedeutung hat die weide
als gute deckung: (
der bürgermeister beschied die ketzer) uff dy selbige nacht vor dy stad under dy widen, dy do vor der stad steen Stolle
thür. chron. 1
Hesse; sind aber etliche besser gesinnet ... so halten sie doch hinter der weiden Milich
schrapteufel O 3
b; du lagst ja halb tot dahier hinger a weida Hauptmann
Rose Bernd 130.
zum spiel ist die weide
brauchbar und beliebt. den kinderscherz, weidenstäbe in streifen halb zu schälen, treiben in alter zeit auch erwachsene, s. weibelrute,
Jacob gewinnt damit geschecktes jungvieh Zürcher bibel (1531)
1. Mos. 30, 37,
wo Luther
von pappelbäumen
spricht. die weide
ist der pfeifenbaum der buben (
s. weidenpfeife): wozu wüchsen die weiden, sollte man sich keine pfeifen schneiden? Wander 5, 80; Meisinger
rapp. 225.
liebende schneiden ihre namen in die bildsame rinde: die hirten sollen ihn an alle weiden, die jäger an die tannen schneiden Neukirch
ged. (1744) 252.
die kirche läszt am palmsonntag statt der palmenzweige, die man in Deutschland nicht haben konnte, blüthenzweige der salweide weihen E. H. Meyer
bad. volksl. 92, Müller-Fraureuth
obersächs. 2, 649
b; Schrader
reallex. 128; Hoops
waldb. 611; geweihte palmkätzchen oder blütenknospen einer art weiden Nicolai
reise 5, 115.
der geruch der heiligkeit, in den die weide
damit geraten ist, fordert den spott heraus: da die weide palmen trug, nannte sie sich gleich einen heiligen baum Wander 5, 79,
und leitet zur anspielung auf menschliche schwächen: wenn die weide palmen trägt, spricht sie gern vom morgenlande
das. 80. 1@b@bβ)
man bemächtigt sich der weide
mit der phantasie. hier geht biblischer sprachgebrauch voran: an den wassern zu Babel saszen wir, und weineten, wenn wir an Zion gedachten. unsere harffen hiengen wir an die weiden, die drinnen sind
ps. 137, 2.
da salix babylonica aus China erst vor 200
jahren nach Vorderasien gelangt ist und in Babylonien nicht gedeiht, meint hebr. garab
vielmehr eine pappel, populus euphratica. aber Luthers
übersetzung bestimmt alle citate (Treuer
d. Dädalus 1, 378; Hoffmannswaldaus
u. a. ged. 6, 309; Löwen im
Gött. musenalm. 1771, 76
neudr., Kästner 2, 177; Herder 27, 371; Gleim
briefw. 2, 140
Körte; Schubart
ästh. d. tonkunst 304;
ged. 1, 95;
F. Schlegel
d. museum 4, 154; Brentano 6, 6; Raabe
hungerpastor 2, 167; Peschel
völkerk. 306; Laube 8, 4)
und ist mächtig genug gewesen, die weide
zum baum der trauer zu beseelen: gieb mir ein kleines plätzchen, milder bach! häng du deine sinkende blätter auf mein haupt, traurige weide Lenz 1, 200; zweige der weinenden weide, die ich über meinem haupt zusammen flechte Caroline 2, 87
Waitz; traurig säuseln hier die weiden, und im winde bebt das rohr Lenau
ged. 1 (1857) 32; die weid' am ufer steht, die weichen äste ringend 258.
darum auf gräbern: sie ... pflanzen gerne weinende weiden und rosen auf gräber Zimmermann
einsamk. 4, 224;
F. Müller 3, 78; Tieck 1, xxvii. 2, 9; o es pflanze dich an das grab der freund mir, weide der thränen Klopstock
oden 2, 59
Muncker. weiteres s. u. trauerweide.
vorübergehend galt die weide
als symbol der reue: die schönheit ist ein berg ... zu oberst mit wermuht bewachsen, und mit weiden, (welche die reue bilden) gleichsam umb setzt Harsdörffer
t. secr. 1 (1656) Bbb 7
b.
unabhängig von der bibel fühlt sich ein deutscher dichter bei den weiden eher zur träumerei gestimmt: verträumt die stillen weiden hingen hinab bis in die wellen kühl Eichendorff 1 (1864) 537.
schon hier zeigt sich der standort der weide
am wasser als stimmendes element. das motiv wird noch oft fruchtbar, zumal in der romantik: nicht weit vom hause lag ein grauer, stillstehender see, um den uralte verwitterte weiden standen Tieck 9, 231.
namentlich das gespenstisch spukhafte ihrer erscheinung zieht die dichter an: mein vater, mein vater, und siehst du nicht dort erlkönigs töchter am düstern ort? — mein sohn, mein sohn, ich seh es genau: es scheinen die alten weiden so grau Göthe
erlkönig v. 24; es braucht jemand durchaus nicht an gespenster zu glauben und kann ... in der rechten stimmung doch (
bei) der nächsten alten weide irre werden Raabe
Horacker 103.
darum im zauberspruch: zs. des vereins für volksk. 7. 71
f. mehr zu lehrhafter verwerthung eignen sich ihr wandel von der jungen gerte zum alten knorren und ihre bindkraft: laszt du die wid werden zuo alt und bügst sie, gwisz sie dir zerknalt Wickram 4, 205
Bolte; alte weiden haben dicke köpfe, die weide ist ein geringes holz und kann doch andere bäume binden Wander 5, 79. 22)
seltener bezeichnet weide
die einzelne weidengerte. die bed. hat sich sichtlich aus der vorigen entwickelt; nach beiden seiten hin sind deutbar: do machet si (
Mosis mutter) ein körbelin von binson und von wîdon Grieshaber
pred. 2, 111; do machten sy vele korbe von widen Stolle
thür. chr. 38
Hesse. eindeutig die gerte wird so genannt seit mitte des 15.
jahrh.: wiltu machen, daz du ain wid ainzway schnidest, so ... mache drú crútz úber die wid
Basler handschriften I 1, 47
Binz. wie hier ist bis in neue zeit gelegentlich der stecken von weidenholz gemeint: nim baumöl ... schürs fleiszig umb mit einem stecklin von weiden Gäbelkover
arzneib. 1, 206; mein weiser schwang mit seiner rechten eine weide Pfeffel
poet. vers. 1, 68; wenn die weide tanzt, trauert der rücken Wander 5, 80.
viel öfter jedoch ist dieses weide,
im wechsel mit wiede (
s. d.)
das weidenband zum binden oder flechten. gebunden wird in alter zeit viel mit weiden,
wozu heute seil und faden dient: (
die flösze) haben sie mit weiden ann dem landt bestetigt Xylander
Polyb. 148; (
palissaden) die dann mit weiden sollen angebunden seyn Fronsperger
kriegsb. 1, X 4
b; (
der held des lügenmärchens) nam die rote weiden, und band das pferd darmit wider zusammen. die weiden bekleibten in dem pferde, und wuchsen so sehr, das ein gantzer wald auff dem pferde ward B. Krüger
Clawerts hist. 67
neudr.; hatten nichts an dann lange hembder, mit weiden umbgürtet Stumpf
Schwytzerchr. 751
b; dort garbet man es (
das getreide) auf, und bindet es mit weyden Weckherlin 2, 377
Fischer; die schuhe waren ... zerfetzt, so dasz manche sie mit weiden zusammen binden muszten Laukhard
leben 3, 183; ich fand des holzes viel, und doch gebrach's am stricke da sucht' ich weiden an des baches rand Kind
ged. 1, 39.
geflochten werden nam. kränze, stühle und körbe: er solle ... den ochsen von grünen weiden kräntze auffsetzen Weise
kl. leute 36
neudr.; er sitzt auf seinem stühlchen, das er sich aus weiden selbst geflochten hat Cl. Brentano
Godwi 1, 115; da ging er aus und schnitt weiden, sie aber muszte anfangen körbe zu flechten Grimm
märchen 1, 236; körbe aus binsen oder weiden Peschel
völkerk. 173,
vereinzelt auch nester: viehbüchl. (1667) 118
und schilde M. I. Schmidt
gesch. d. Deutschen 1, 37.
der alten zeit allein gehört die weidenschlinge zum henken: nimt er so bald eine weide von dem baum und schürtzet ihn darein Widmann
Fausts leben 142
Keller; er soll mich an ein weiden hencken Schupp (1663) 836; löste ich deinen hals von der weide, die für dich gedreht war Freytag
ahnen 1, 295.
auch hier ist wiede
beliebter.