trauen,
n. und m., vertrauen, credit, ehrenwort. herkunft und form. ahd. und mhd. nicht bezeugt. die ältesten belege erst aus dem 15.
jh. (
s. 2 a
und b).
eine anknüpfung an ags. trúwa,
m., '
glaube, zuversicht'
erscheint daher gewagt, so sehr das für ein junges wort sehr auffällige masc. genus dazu verlockt. wahrscheinlich trauen
masc. nach glauben,
m., mit dem es gewöhnlich in engster formelhafter verbindung erscheint (
s. u.).
neben dem masc. kommt von anfang an und oft bei denselben autoren das neutrum vor, der substantivierte infinitiv von trauen,
vb., dem das nomen in jedem falle nahe zugehört; masc. und ntr. sind bedeutungsmäszig niemals geschieden, wie auch formal das genus oft nicht zu bestimmen ist. häufig erscheint im nom. und acc. eine einsilbige form trau
neben den volleren formen. sie braucht aber nicht immer das fem., die nebenform von treue (
s. d.),
zu sein, so sehr sich auch die formeln treu und glauben
und trau(en) und glauben
berühren: trau und glauben
kann aus der formel trauen und glauben
mit ellipse der endung entstanden sein. ebenso konnte ein auf das zweite glied der formel zielender masc. artikel auch auf das erste glied bezogen werden und so das masc. trau(en)
geradezu in der formel selbst entstehen. jedenfalls lebt das wort in ihr am längsten. bedeutung und gebrauch. 11) trauen
heiszt zunächst vertrauen, fiducia: dan wo einfeltig traw zu got sein musz, in zeitlicher narung zu erlangen, da musz freylich zehenfeltiges trawen sein, in geystlichem stande zu bleiben Luther 6, 468
W.; alle leyden werden euch mer hoffnung und trawen in gott bringen Eberlin v. Günzburg
sämtl. schr. 2, 146
ndr.; (
der ritter) die schier nackenden seine schönen töchtern hat sehen lassen, domit ir sein trawen und hoffnung zu euch vernämen müget Arigo
decam. 617
Keller; also ausz sondern trauen ... wurd in dasz geld mitgethailt Knebel
chron. v. Kaisheim 85
lit. ver.; in der verbindung mit glauben: damit meyn glaube und traw zu gottis gnaden vorletzt wird Luther 8, 172
W.; durch einen festen glauben, trawen, zuversicht, hoffen und lieb 6, 217
W.; vermeinet die thäterin, dasz ihre mutter ... keinen trauen und glauben verdient hat Abele
gerichtshändel (1654) 718;
mit anderm zwillingswort: disz glaubte ich mit gutem trauen und bauen
künstl. unordnung 3, 191,
vgl.: er hätte hierauf mit gutem trauen und glauben gebaut 2, 59
und oben trauen,
vb., sp. 1333. 22) trauen
fiducia erscheint in typischen verbindungen mit verben als 2@aa)
das vertrauen, das man zu jemand
hat: Sant Wolffgang hett ein besunders trauwen zu graff Arybonis
der heiligen leben, winterteil (1471) 38
b; denn so soll der mensch got nit versuchen und soll ain trawen zu im haben Keisersberg
ausgang d. Juden (1510) k 3
a;
so noch im volkslied: zu gott hab ich mein trawen Forster
frische teutsche liedlein 177
ndr.; gerne in verbindung mit hoffen: solches trauen und hoffen ich zu dir han Arigo
decam. 119
Keller; zu gott kein traw noch hoffnung han H. Sachs 11, 461
Keller; mit adjectiven: zu hof er ein rottmeister het ... zu dem er grossen trawen het 20, 344
Götze; ich hab zu dir ein bessern trauen
fastnachtsspiele 1, 89
Keller; hat villeicht ein clains trauen zue mir Aventin 1, 445
Lexer; mit nebensatz: das ich das truwen zuo dir han, du seist so ein gütig man Murner
badenfahrt 7
Martin; deshalb mein trawen zu euch hab, hellft mir doch dieses eyffern ab H. Sachs 14, 236
K.-G. 2@bb)
das vertrauen, das man in, auf
oder zu jemand
setzt oder stellt: last uns unsern trawen in got seczen
städtechron. 2, 136 (
Nürnberg 1449); got der here, in den si iren truwen gesatzt hadden 13, 573 (
Cöln 1499); darum dasz ir ... das gotteswort verschupft hand und üwer truwen in lugenen und unruw gesetzt Zwingli
dt. schr. (1828) 1, 37; unter tausent nit einer ist, der nit sein trawen drein (
in die guten werke) setzt Luther 6, 211
W.; das man auch so weyt gefaren ist und solchen trauen drauff (
auf den ablasz) gesetzt hat 12, 516
W.; und setzest dein trawen auff ander ding 12, 678
W.; es stot geschriben: verflucht ist, der sein trawen setzet uff einen menschen Bucer
bericht (1524) d 3
b; ich setze alle meyn hoffnung und trawen auff und in den heyligen geyst
zwei ält. katechism. 33
ndr.; und ob ir verstet, das si gutten willen und trawen zu uns setzen wöllen
briefe u. actenst. z. gesch. Maximilians 84
Chmel; (
du solt) zu mir allein dein gantze zuvorsicht, traw und glauben setzen Luther 6, 209
W.; mein trawen gentzlich zu dir setz Forster
frische teutsche liedlein 120
ndr.; auff den ein christ sein trawen stell H. Sachs 18, 546
G.; unt welch auf yn yr trauen steln, nimmer verderben wern Schede-Melissus
psalmen 125
ndr. 2@cc)
das vertrauen, das auf
oder zu jemand
steht: das wert etwo lang, die auf dem flos baten den haubtman zu helfen und retten, als ir glaube und trau auf in stunt
Wilwolt von Schaumburg 154
lit. ver.; es steht yr trawen nicht auff got Luther
bei Ph. Wackernagel
dt. kirchenlied 3, 7; weil mein höchst trawen stet zu dir H. Sachs 23, 215
G. 33)
daher ist im 16.
jh. die typische verbindung auf trauen =
im vertrauen auf etwas: ach, mein herr abt, ich kum auff trawen, zu raten mir betrübten frawen H. Sachs 14, 235
K.; seyd all gegrüszt, ich komb daher auff guten trawen ohn gefer 7, 183
K.; auff gut trawen komb wir herein zu machen euch ein fröligkeit 17, 198
G., und so oft bei H. Sachs. auf trauen
verblaszt durch häufigen gebrauch zur bloszen affirmationspartikel (
s.traun).
den übergang zeige: ich hab ghört auff guten trawen (
d. h. so dasz ich es glauben kein zags hertz bult kein schöne frawen
musz), Cl. Stephani
geistl. action (1568) c 4
a;
noch blasser: es wirdt dir wol auff guoten trawen ein bessers (
haus) an die stadt (
des abgebrannten) gebawen
fastnachtsspiele nachl. 36
Keller; als blosze phrase im sinne von '
für wahr': wirdiger herr, ich komb auff trawen her von einer jungen schönen frawen H. Sachs 17, 67
G.; kräftiger in der zwillingsformel: so auf trauwen und glauben zu uns gezogen Fronsperger
kriegsbuch 1 (1578) e 3
r,
oder wenn das zugehörige verbum den sinn klar hervortreten läszt: auff das dir nicht dergleich gescheh, dern (
wie dem der den) hund uff trawen schick nach speck Eyering
proverb. copia 1, 644;
concredere, quicquam alicui bona fide committere ... auff traw befehlen Apherdianus
method. disc. (1601) 104. 44) trauen
bezeichnet, besonders in verbindung mit glauben,
einen zustand gegenseitigen vertrauens: denn nicht durch geld oder kriegsscharen kan man so wol ein reich bewaren als durch lieb und gerechtigkeit, da durch ein trauen wird bereit Lobwasser
calumnia (1583) c 6; damit glaub und trau gemert wird Aventin 5, 473
Lexer; wie man die schwankelten gemüet in trau und glauben behalt 4, 339; da trauen und glaube i länger i mehr sich verlieren Butschky
kanzell. (1659) 460; das gold traw und glaub verjagt Ph. Bech
bergwerckbuch (1621) 8; es ist weder trawen noch glauben
sublata est de foro fides Schönsleder
prompt. (1647) v 8
b; es ist kein trauen mehr P. Fleming 1, 105
lit. ver.; ... redlichkeit und trauen endlich wieder wachsen wird Neumark
neuspross. teutsch. palmb. (1668) 23. 55) trauen und glauben
kann als eigenschaft eines menschen angesehen, als lobendes prädicat auf ihn angewandt werden, im sinne von glaub-, vertrauenswürdigkeit: ain mann ... gutten glaubens und trauen
städtechron. 23, 36; ehrbaren wandels, trauen und glaubens seyn
beleg von 1542
bei Schmeller-Fr. 1, 636;
ähnlich: besonders ist erfunden worden der göttin Vesta ein solcher orden, darinn wohnen vil der jungfrauen, die müssen haben ehr und trauen J. Ayrer
dramen 18
Keller; als er verlor günstigen trawen, fort nicht mehr dorfft all flecken bawen H. Sachs 21, 332
G.; auff dasz er nicht zu lohn für das empfach feindschaft, neid und auch hasz und verlier allen traw und glauben, dasz man in thu darumb berauben aller freundschaft, wirden und ehr von aller gsellschaft in auszscher 17, 448
G., vgl. 18, 256; von stund an wür mein gantze lehr und ehr, mein glaub und traw zu boden gehen J. Nas
antipap. 3, 254
b; dann ainem jeden ist sein ehr, trawen und glouben lieb Pr. Truber
briefe 151
lit. ver. 66)
dieses trauen und glauben,
die meinung der andern, führt dann zu der concreteren bedeutung credit (
vgl.trauen,
vb., oben sp. 1342): so der mensch einen guten glauben und trauen hat, bringt er etwa durch gunst, lieb, freundtschafft ... auff, das er mit bar geld nit könn S. Franck
sprüchw. (1541) 1, 141
b; also hat er ... angefangen zu handlen und zu wuchern, dasz er bald einen groszen trauen und glauben und etlich tausent gulden erobert
städtechron. 32, 421; seit mir mein wahr (
ware) wurt auffgehawen, hab ich verlorn glauben und trawen und steck darzu in groszer schuldt H. Sachs 14, 48
K.; dare in credenza auff trawen oder credit geben Hulsius (1618) 2, 117
a;
hierher oder allgemeiner zu 5
das sprichwort: es hat ein jeder trawen und glauben, darnach er glück hat S. Franck
sprüchw. (1541) 1, 85
b; Petri 2, z 8
v.
auf den credit geht wohl auch das schlesische traue ist todt, zahlrubel hat ihm den hals gebrochen P. Winckler 2000
gutte gedancken (1685) f 6
r (
aber der form nach eher substantivierter imperativ des verbums). 77)
der mensch kann sein trauen,
die meinung der andern über ihn, zum pfand setzen, wenn er etwas versichert. so bekommt trauen
die bedeutung ehrenwort. der allmähliche übergang aus 5
wird an den belegen deutlich: darauff bekennen wir in krafft dises brieffs und bey unsern waren ehren, trawen und glauben, das an angezogenen stucken kein wort warhait ... ist J. Nas
antipap. 2, 159
b; der ... saget aus, bey seinen ehren, trawen und glauben, es habe sich ... zugetragen Reutter v. Speir
kriegsordnung (1594) 50; dasz ich nichts gegen ihn bei meinen edelmanns trauen und glauben wolt fürnehmen G. v. Berlichingen
lebensbeschr. 35
Bieling; darnach auff gethane vertröstung und gegebenen trawen und glauben, hat er ein hertz und muth gefaszt, und wider herausz gangen Xylander
Plutarch (1580) 20
a; diese barbarische könige haben keine rechtschaffne generosität und lassen sich an von sich gegebene trauen und glauben nicht binden J. Chr. Beer
Asia (1681) 1, 188
b; also bestehet die moralische macht an und vor sich nicht darinnen, dasz der machthaber den an sich obligirten allezeit mit gewalt selbst zu ziehen hätte, sondern dasz der obligirte durch innerlichen trieb seiner dahin gegebenen parole, seines dahin gesetzten trau und glaubens von sich selbst dahin zu dringen habe E. Weigel
moralweiszheit (1674) 135; hastu (
gott) nicht tausendfach versprochen und gleichsam darbey dein göttliches trauen und glauben verpfändet? Abele
künstl. unordnung 4, 259;
abgeblaszt und wieder in die grundbed. trauen =
fiducia zurückgedeutet: hulde tuhn heisset einen herrn
traun und glauben schweren Schottel
haubtsprache 1228; diejenigen, welche dir (
Jesu) das gelübdt gegeben und in dem tauf der widergeburt den ayd des trawens und glaubens geleist haben Albertinus
seelengejaidt 66
Liliencron. 88)
auch dieses trauen (7)
steht wie 1
in typischen verbalverbindungen. die gewöhnlichste ist trauen und glauben halten: wie sie ... weder eyd, trawen oder glauben gehalten S. Franck
chron. zeitb. (1543) 1, 297
a; als ain erloser man, der weder trawen noch glauben gehalten, ... haimlich entritten
städtechron. 33, 233; nachdem er gar ohn alle scham hielt weder gelauben noch trawen H. Sachs 8, 540
K.; dasz man ihnen auch trau und glauben zu halten nicht schuldig seye Abele
gerichtshändel (1654) 700; ists doch vor gott und aller welt recht, dasz man traun und glauben hält
bei Opel-Cohn
dreiszigjähr. krieg 366; die ungetrewe falsche welt ... keinem eintzigen menschen getrew ist, und weder den freunden noch feinden, weder den reichen noch armen ... trawen und glauben hält Albertinus
hirnsleiffer (1664) 422;
vereinzelt in dieser verbindung trauen
allein: kein glück noch wolstand in der welt ist, der beständig trauen hält Christstein
weltmann (1675) 169.
trauen und glauben brechen: welh iren ersten glawb und trawen prechen und darnach in Christo heyraten wellen, die verdammen sich selbs Berth. v. Chiemsee
theol. 676
Reithmeyer; wiewol ich nun in dieser welt gar manchen hab, der umb das geld sein gelauben und trauen bricht Maximilian
Teuerdank 25
Göd.; als einen, der ... glauben und trauen an seinem gott und herrn gebrochen hatte Aventin 1, 320
Lexer; diejenigen, so jren traw und glauben, bündnusz und versprechen nicht halten, sondern brechen und auff die seiten setzen
postreuter (1620) 105.