getrauen,
n. ,
substantivierter infinitiv zum vorigen; er tritt im 14.
jahrh. auf und wird bei Luther,
über dessen sprache er noch hinausreicht, von dem substantivierten infinitiv von vertrauen
durchkreuzt, welch letzterer unserer heutigen sprache eigen ist, während unser wort nur noch versteckt in wenigen verwendungen des substantivs trauen (
s. d.)
vorliegt. unter den verwendungen unseres wortes treten zwei gruppen hervor, die zugleich die bedürfnisse bloszlegen, aus denen die substantivierung des infinitivs gefördert worden war. präpositionalverbindungen kennzeichnen das bestreben, einen theil der oben behandelten verwendungen von getrauen
in redensarten überzuführen, in denen substantivbildungen wie treue
u. a. (triuwe, getrûwunge)
vorlagen. andererseits machte sich bei fortschreitender verblassung der bedeutung des verbums für fälle, wie sie oben unter II, 3,
a, α, 1))
sp. 4433
besprochen worden, das bedürfnis nach umschreibungen geltend; hier tritt wie auch sonst in ähnlichen fällen üblich, der infinitiv als subject resp. object zu dem hilfsverb '
sein'
und '
haben'.
in diese gruppe greift aus bairischen belegen auch das masculinum getrauen
ein, dem noch heute in der bairischen mundart ein masculinum trauen
zur seite steht, vgl. Schmeller
2 1, 636.
der sonstige gebrauch des infinitivs als eines substantivs ist secundär entwickelt und vereinzelt. 11) 1@aα) da redt der fürst füro: Tetzel du bist mein lehenmann, nu wil ich in hohem getrawen mit dir also reden, würden die sache, als du vernemen wurdest, furgang nemen, so wil ichs geredt haben; wer das nit furgang neme, so wil ichs nit geredt haben.
d. städtechr. 2, 527; er hab dem von Ebenheim die pfarre zu sand Lorentzen gelihen in gutem getrawen, er wurde seinen gnaden darnach damit willfaren. 1, 458; hett ich dich leichtvertigklich lieb vnd nit ausz gantzem hertzen vnd getrauen? A. v. Eyb (
Philogenia) 2, 127
Herrmann. 1@bβ) sy sprach: vf ëwr getrawn wag ich leib, er und guot, gantz will ich vff eüch pawen.
Hätzlerin I, 11, 59; darumb rait Wilwolt zu Otten von Aufsesz und sagt: 'freundlicher schwager, .. bit dich, du wöllest uns nit schandlich niderligen, sonder in dein schlos einladen.' Ot antwort: 'wer auf getrauen zu mir fleucht, wirt auch glauben finden.' Wilwolt v. Schaumburg 58; der frum here von Guttenstein meint, er wer bei inen dahein und reit zu in in getrauen: das hat in ser gerauen. Liliencron
hist. volksl. 2, 359, 18; so dich soliches guot bedunckt, byn ich alletzeit berait vnd will thuon, was du wilt. ich befilch mich vnd mein leben in deinen schirme vnd getrawen. schaff mit mir, was du wilt. ich sag dir nochmales, was du gebeutest, sol sein, ob es halt unrecht wäre. A. v. Eyb (
Philog.) 2, 137
Herrmann; auff guten glauben vnd getrawen. Luther
Eisleb. 1, 333
a. 22) 2@aα) und wann wir nu in gantzem getrawen und zuversicht seind, das ewrer erberkeyt solch und ander raubrey und übeltat nicht lip, sunder gantz miszfellig sein.
sendschreiben der stadt Nürnberg 1444
d. städtechr. 2, 73; und
sind auch dessen zu euch in unzweifentlichen ganzen guten getrauen, dasz ihr dessen gar keinen gefallen hättet, wo wir uns also ganz und blosz von euch scheiden und theilen lieszen.
bairische landtagshandlungen Krenner 5, 154; nachdem wir auf verschreibung von ew. lieb secretirt in zweifentlichen getrauen gewest sind, dasz auf den vorgedachten tag zu Regensburg ew. lieb und wir ... gütlich vertragen worden wären, wo ew. lieb dahin gekommen wäre.
schreiben der herzoge Albrecht und Wolfgang an ihren bruder herzog Sigmund von München 1466 Krenner 5, 125.
vergl. sind wir im hohen vertrauen, sie werden. 5, 127; also umb das stuck hat Engelharten der rat sagen lassen, sie seien alweg in gutem getruwen gegen im gewesen und noch sein und wollen in der sach fur sein person on eyde wol verwissen.
verhandlung des raths zu Nürnberg 1444
d. städtechr. 2, 75. 2@bβ) 2@b@11)) nu haben wir ... nach rat unser amptläwt und hauszgenozzen, und undersazzen, und ander erber läwt wider einen andern vogt erwelt und genomen, do wir ein besunder getrawen zu haben nu hinfür dem lieben herrn sand Petern und seinem gotzhaus und uns, den weisen vesten her Caspern den Torer.
Beuerberg 1412
monum. boic. 6, 446; und so nu ein rat ein gut getrawen zu den von Streitperg alweg gehabt und auch noch haben.
ebendort 2, 76; item so etliche geschicht geschahen, also daz wir ob oder vnter lagen, so schreib wir denn von stund an daz den fürsten und herrn und steten, zu den wir ein gut getrawen hetten, also daz man des ein warheit west.
schreiben von Nürnberg im krieg gegen Albrecht von Brandenburg, d. städtechr. 2, 338; so künnen noch mügen wir dhein getrawen zu unserm herren künig Wentzlawen niht gehaben, daz er die sache zu dheinem guten end bringe.
anerkennung könig Ruprechts in Nürnberg, d. städtechr. 1, 201; und Jhêsus antworte und sprach zcuo ime: 'habit getrûwen gotis'. Beheims
evang. Marc. 11, 22 (habt glauben an gott. Luther); o guden ridder Christi, hebbet getruwen in gode vnde in der mogentheit syner cracht.
br. d. Eus. 37 Schiller-Lübben 2, 90; es was ein edelman der hiesz Theoprobus der sych geclärt het von manung des selben vatters Benedictus der durch seines lebens willen ein grosz getrauen (
im druck getramen) der heylicheit bey im het.
dialog. sancti Gregorii (1746) II,
cap. 17; und liesze in taufen vnd nant in Peter, aller seiner gescheft in ein auszrichter machet, groszes getrauen zuo im het.
Dekam. (5, 7) 351
Keller. ebenso 452, 19. 460, 7
u. a.; ist das die brüderliche gesellschaft, die ir meinem mann beweisen wölt umb des groszen getrawens willen, das er stäts zuo im gehebt het. Lindeners
rastbüchlein litt. ver. 163, 44; ich fand und sichtbarlich sahe das grosz getrauwen das ich zuo ime het.
ebenda 44; der andern sprach halben, griechisch genannt, habe ich mich unterfangen zu vollbringen euer besonderes getrauen, das ihr gnädiglich zu mir habt und bin in willen, meinen gesippten freund (
den Melanchthon), den ich von seiner jugend auf solche sprach unterwiesen und gelehrt habe, an das ort zuschicken. Reuchlin
an Friedrich von Sachsen bei Melanchthon
herausgeg. v. Bretschneider 1, 29. 2@b@22)) als liep und ich euch müg gesein last euch auf setzen dise kron des ich ainn guten getrauen han. die kron auch eur in eren sein solt, sint ir doch sprecht, ir habt mich holt.
fastnachtspiele (
das vasnachtspil mit der kron) 659, 3
Keller; wollte sich ew. fürstliche gnad also aufgerecht beweisen und trostung ganz zusagen, ist je ew. gnaden nutz und ehre, wann obgemeldte landschafft solchens ein vollkomnes getrauen hat.
schreiben von 1447 Krenner
baierische landtagshandlungen 3, 235; bleibt in ewr ordenung und seit frisch, wann mir gancz nit zweifelt, tut ir daz, uns werd gelingen; und habt des ein gut getrawen in got, wann euch allen wol wissent ist, daz uns unser feind kriegen wider got, ere und recht.
d. städtechr. 2, 485 (
schlacht bei Pillenreut 1450); hochwirdige frau, seit got wilkumen! wir han gar eigentlich vernumen, wie ir ein ware prophetin seit; deshalb hab wir in langer zeit nie lieber neuer mer gehort. nu tret zu uns her an das ort! hofmeister piet den wein der frauen wan zu ir hab wir den getrauen, sie werd uns fremde dink erkleren.
fastnachtspiele (
ein spit von dem herzogen von Burgund) 170, 21
Keller. 2@gγ) mein liebe tochter mir wäre wol lieb vnd mein groszes gefallen gewesen das du eynen man genommen hetest der dein vnd deines adels wirdig gewesen wäre, doch seitmal du in genomen hetest als er was unnd dir gefiel so solt er mir auch also gefallen sein, aber dein kleyn getrawen czuo mir vnnd ein solchs vor mir verborgen hast das ist das mir do we tuot.
Dekameron (4, 6) 286, 30
Keller; also lernet uns nun gott, das wir unns selber sollen kennen, wer wir seyn, unnd das wyr hulffe dorffen, so erwechst dye demuth unnd bekommet der mensch ein hoffnungk, eyn getrawen und eine lieb tzu seynem frommen gotte. Luther (
auslegung des vaterunsers 1518) 9, 138
Weimar.