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Schieben

mhd. bis spez. · 17 Wörterbücher mit Anchor-Eintrag

Adelung
Anchors
18 in 17 Wb.
Sprachstufen
6 von 16
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Eintrag · Adelung (1793–1801)

Schieben

Bd. 3, Sp. 1440
Schieben, verb. irreg. ich schiebe, du schiebst (Oberd. scheubst,) er schiebt (Oberd. scheubt;) Imperf. ich schob; Mittelw. geschoben; Imperat. schieb (Oberd. scheub). Es ist in doppelter Gestalt üblich. I. Als ein Activum, auf einer horizontalen oder fast horizontalen Fläche einen andern Körper nach und nach so vor sich her fortdrücken, daß man allemahl dessen Stelle einnehme; wodurch sich das Schieben von dem Ziehen, Drücken, Heben, Stoßen u. s. f. unterscheidet. Einen Kasten fortschieben. Den Tisch an die Wand schieben. Den Wagen in den Schuppen schieben. Schieben helfen. Den Riegel vorschieben. Etwas uneigentlicher schiebt der Ochse in der Landwirthschaft, wenn er den Wagen oder Pflug vermittelst der Stirn ziehet. S. Schiebochs. Brot in den Ofen schieben, wie die Bäcker thun. Etwas auf die lange Bank schieben, figürlich, eine Sache auf eine unbestimmte[] künftige Zeit aussetzen. Im Oberdeutschen schiebt man auch den Bissen in den Mund, man schiebt etwas in die Tasche, wo man im Hochdeutschen das Zeitwort stecken gebraucht. Sich schieben, das Reciprocum, aus seiner horizontalen Lage seitwärts verrücket werden. Das Papier hat sich geschoben. In der R. A. Kegel schieben wird es für rollen oder schießen gebraucht, indem es sich hier eigentlich auf die Kugel beziehet. Es ist hier ohne Zweifel ein Überrest einer Oberdeutschen Bedeutung; wenigstens sagt man daselbst noch im Diminutiv schiebeln von dem Rollen kleiner Körper. Figürliche Arten des Ausdrucks sind: einem etwas in das Gewissen schieben, es ihm vor Gott und Menschen zu verantworten überlassen, es seinem Gewissen heim stellen. Die Schuld auf jemanden schieben. Einen Antrag von sich schieben, ablehnen. Ehedem wurde es auch für befördern gebraucht, wovon unser Vorschub noch ein Überbleibsel ist. In einigen Oberdeutschen Gegenden wird es auch noch für schicken, senden, gebraucht. Jemanden zu etwas schieben und ordnen, senden und abordnen, Tschudi bey dem Frisch. Daher ist noch zu Wien der Schub der Transport des liederlichen Gesindels auf der Donau nach Ungarn. II. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben; doch nur in einigen Fällen des gemeinen Lebens. 1) In der Landwirthschaft schiebt ein Thier oder es schiebt Zähne, wenn es die Jugendzähne verlieret, weil die neuen Zähne die alten gleichsam vor sich her schieben. 2) Auch das Wachsen der Gewächse wird zuweilen schieben genannt. Die Pflanzen haben gut geschoben, sind merklich in die Höhe gewachsen. 3) Im Gehen schieben, mit voraus gestrecktem Kopfe träge und schwerfällig gehen, als wenn man etwas schöbe. So auch das Schieben. Anm. Bey dem Ottfried im Imperf. scoub, im Schwabenspiegel schiuban, im Nieders. schuven, im Angels. scusan, im Englischen to shove, im Schwedischen skusva. Es ist, wie alle Zeitwörter, eine Onomatopöie, welche den mit dem schieben verbundenen Laut nachahmet; und da dieser Laut mehrern sonst verschiedenen Handlungen gemein ist, so wird sich auch nicht leicht eine Beschreibung dieses Wortes geben lassen, welche genau auf alle Fälle paßte. Die obige ist auf die meisten gerichtet, denn es gibt freylich auch Fälle, wo man ein Ding senkrecht in die Höhe und niederwärts schiebet, wie z. B. einen Schieber, obgleich für diese Richtungen drücken, heben u. s. f. in andern Fällen üblicher sind. Das Hebr. שיב, sich umwenden, scheint damit verwandt zu seyn. Das Intensivum von unserm schieben ist schuppen, mit einem Stoße schieben, Franz. chopper. Die im Hochdeutschen irreguläre Form des Präsens kommt unter andern auch bey dem Opitz vor: Scheub nur auf Gott dein Thun und alle Sachen.
3569 Zeichen · 63 Sätze

Lautwandel-Kette

Von der indoeuropäischen Wurzel bis zur Mundart

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  1. 1050–1350
    Mittelhochdeutsch
    SCHIEBEN

    Mhd. Wb. (Benecke/Müller/Zarncke) · +4 Parallelbelege

    SCHIEBEN s. ich SCHIUBE .

  2. 15.–20. Jh.
    Neuhochdeutsch
    Schieben

    Adelung (1793–1801) · +4 Parallelbelege

    Schieben , verb. irreg. ich schiebe, du schiebst (Oberd. scheubst,) er schiebt (Oberd. scheubt;) Imperf. ich schob; Mitt…

  3. 18./19. Jh.
    Goethe-Zeit
    schieben

    Goethe-Wörterbuch

    schieben einmal schib-; mehrf in Vbdg mit (Lokal-)Adverbien wie ‘dazwischen, fort, hin und her, seitwärts, übereinander,…

  4. modern
    Dialekt
    schieben

    Elsässisches Wb. · +3 Parallelbelege

    schiebe n [ìapə Liebsd. ; ìəwə Lutterb. Hlkr. Bf. ; ìawa Su. ; ìawə Logelnh. Rchw. ; Part. kópə, kówə, daneben ‘gs…

  5. Sprichwörter
    Schieben

    Wander (Sprichwörter)

    Schieben 1. Dat schifft (schiebt) mêr as et treckt, säd' de Bûr, un stitt den Kêrl mit dem Fôt ût de Döer 'rut. ( Danzig…

  6. Spezial
    schieben

    Deutsch-Ladinisch (Mischí) · +1 Parallelbeleg

    schie|ben (schob, geschoben) I vb.tr. 1 sburlé (sbürla), dé na sbürla 2 (hineingeben) mëte ite 3 ‹fig› (verschieben) sbu…

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Wortbildung

Komposita & Ableitungen mit schieben

45 Bildungen · 2 Erstglied · 38 Zweitglied · 5 Ableitungen

Zerlegung von schieben 2 Komponenten

schi+eben

schieben setzt sich aus 2 eigenständigen Lemmata zusammen. Die Klammerung zeigt die Hierarchie der Komposition; Klick auf einen Bestandteil öffnet seine Etymologie.

schieben‑ als Erstglied (2 von 2)

Schiebenfrau

DRW

schieben·frau

Schiebenfrau, f. für die Schiebe zuständige Klosterfrau wie denn auch den 15. conversen und schiebenfrauen im closter Dobbertin, und der fra…

Schiebenrädchen

PfWB

schieben·raedchen

Schieben-rädchen n. : ' kleines Rädchen ', ein Kinderspielzeug, Schiewerädche [ ZW-Walshs ]; vgl. Scheibelrädchen . Südhess. V 275 .

schieben als Zweitglied (30 von 38)

abschieben

DWB

abschieben , removere, fortschieben, nnl. afschuiven: den tisch von der wand, den schrank von der mauer abschieben; eine schuld, ein verbrec…

ane schieben

MWB

ane schieben stV. refl. ‘sich jmdm. annähern’ so wier anders nieman lieben, / so well wiͤr uns got an schieben Teichn 12,36 MWB 1 268,15; Be…

aneschieben

KöblerMhd

ane·schieben

aneschieben , st. V. nhd. „anschieben“ Q.: Teichn (1350-1365) (FB ane schieben), StRPrag, Urk E.: ahd. anaskioban* 1, anascioban*, st. V. (2…

anheimschieben

DRW

anheim·schieben

anheimschieben zurückschieben mag den eid dem cleger wieder anheim schieben 1541 König,Proz. 74v 1561 Rotschitz 23 Faksimile

anschieben

DWB

anschieben , protrudere, nnl. aanschuiven: einen schweren stein anschieben, anwälzen; das kind schiebt schon ein zähnchen an; wer schiebt an…

aufschieben

DWB

auf·schieben

aufschieben , protendere, protrudere, nnl. opschuiven, höher schieben. 1 1) den riegel, das fenster aufschieben, öfnen. 2 2) hoch wachsen: d…

ausschieben

DWB

aus·schieben

ausschieben , extrudere: mhd. unz er wart ûʒ unde ûʒ geschoben. pass. K. 228, 12; brot ausschieben, aus dem ofen schieben; die schuhe, panto…

darschieben

DWB

dar·schieben

darschieben , activ heranschieben, herbeirollen, advolvere, auch intransitiv, herankommen, dringen, herbeiflieszen, manare, profluere Henisc…

durchschieben

DWB

durch·schieben

durchschieben , durch eine öffnung schieben Stieler 1784 . Frisch 2, 177 c . niederd. dôrschûwen Schambach 46 a . es war eine spalte in der …

einschieben

DWB

ein·schieben

einschieben , intrudere, immittere, nnl. inschuiven, schw. inskuffa. 1 1) in den mund schieben: dô si daʒ krût hete in geschoben. pass. K. 2…

entschieben

Lexer

ent·schieben

ent-schieben stv. III. auseinander schieben, erklären. ich wil die schrift entschieben (: lieben) Mart. 167,35.

erschieben

DWB

erschieben , protrudere, Stieler 1784 : das pferd kann den karrn nicht erschieben, fortschieben; mhd. in was erschoben niht der balc. Parz. …

fortschieben

DWB

fort·schieben

fortschieben , protrudere. 1 1) weiter schieben: so wird auch Emilie das romantische gedicht fortschieben helfen. Tieck 5, 5 . 2 2) abigere…

geschieben

Lexer

ge-schieben stv. III. BMZ intr. g. von, sich entfernen Pass.

herschieben

DWB

her·schieben

herschieben , verb. : eine wolkenwand schiebt sich her; herschieben, attrahere, ad se traducere. Stieler 1785 .

hindanschieben

KöblerMhd

hindan·schieben

hindanschieben , st. V. nhd. „hinschieben“ Q.: LvReg (1237-1252) (FB hindan schieben) E.: s. hindan, schieben W.: nhd. DW-

Hineinschieben

Wander

hinein·schieben

Hineinschieben Dat geit nich, als rinschoaben 1 un werrer rut 2 ut'n Aoben 3 . ( Strelitz. ) – Firmenich, III, 74, 133. 1 ) Hineingeschoben.…

hinschieben

DWB

hin·schieben

hinschieben , verb. 1 1) hinwärts schieben: ich schob ihr das blatt näher hin, das sie schon wieder mir zugeschoben hatte. Göthe 24, 271 . 2…

hinwecschieben

KöblerMhd

hinwec·schieben

hinwecschieben , st. V. nhd. hinwegschieben Q.: DRW (1472) E.: s. hinwec, schieben W.: nhd. DW- L.: DRW

nachschieben

DWB

nach·schieben

nachschieben , verb. mhd. nâch schieben. 1 1) transitiv, hinterher, hintennach schieben Stieler 1785 : kain haimlich gab sei dir so lieb, di…

nāchschieben

KöblerMhd

nāchschieben , st. V. nhd. „nachschieben“, nachhelfen, vorantreiben Q.: Chr, UvLFrd (1255) E.: s. nāch, schieben W.: nhd. nachschieben, V., …

unterschieben

DWB

unter·schieben

unterschieben , v.; mhd. underschieben; nl. onderschuiven ( in uneigentlicher verwendung als germanismus betrachtet; nl. wb. 10, 1463). vgl.…

verschieben

DWB

ver·schieben

verschieben , verb. durch drücken aus dem alten platze fortbewegen. das zeitwort ist ein starkes verbum. mhd. verschiube, verschoup, verschu…

vorbeischieben

DWB

vorbei·schieben

-schieben : wer schiebt sich da mit seinem weiszen haar so wunderlich vorbei? Hebbel w. 4, 264 W. anders, beim kegeln, nicht treffen. —

vorschieben

DWB

vor·schieben

vorschieben , verb. , vgl. fürschieben th. 4, 1, 1, sp. 795; Lexer 3, 587 ; mnld. voreschuven Verwijs-Verdam 9, 1069 ; für- sive vorschieben…

vüreschieben

KöblerMhd

vüreschieben , st. V. nhd. „fürschieben“, vorschieben Hw.: vgl. mnl. voreschuven, mnd. vȫrschūven Q.: LexerHW (15. Jh.) E.: s. vüre (1), sch…

vürschieben

KöblerMhd

vürschieben , st. V. Vw.: s. vüreschieben*

Ableitungen von schieben (5 von 5)

entschieben

Lexer

ent-schieben stv. III. auseinander schieben, erklären. ich wil die schrift entschieben (: lieben) Mart. 167,35.

erschieben

DWB

erschieben , protrudere, Stieler 1784 : das pferd kann den karrn nicht erschieben, fortschieben; mhd. in was erschoben niht der balc. Parz. …

geschieben

Lexer

ge-schieben stv. III. BMZ intr. g. von, sich entfernen Pass.

verschieben

DWB

verschieben , verb. durch drücken aus dem alten platze fortbewegen. das zeitwort ist ein starkes verbum. mhd. verschiube, verschoup, verschu…

Zerschieben

Campe

Zerschieben , v. trs . unregelm. ( s. Schieben ), entzwei schieben, wie auch, durch Schieben gänzlich in Unordnung bringen, unbrauchbar mach…